Der Weg des Abenteuers

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„Wer immer nur funktioniert, entzieht sich dem Abenteuer des Lebens.“

— Armin Müller-Stahl

Heute will ich mal wieder etwas für mich tun und mich nach allen Regeln der Kunst gründlich entspannen. Blöderweise sitze ich dann aber den ganzen Tag nur in der Ecke, grübele sinnlos vor mich hin und kämpfe gegen die innere Anspannung. Bald gesellen sich noch Ärger und Schuldgefühle dazu, weil ich meine Zeit so vergeude. Ein mieser Tag, ich hinke meinem Plan meilenweit hinterher, funktioniere einfach nicht, nicht mal Faulenzen kann ich richtig, ich bin doch wirklich …

Stopp! Genau dieses Nichtfunktionieren ist wichtig. Wozu? Um einen Hauch von Abenteuer in mein Leben zu lassen. Kann ja nicht angehen, dass alles immer nach Plan läuft, es muss auch Unvorhergesehenes, Spannendes, Unkontrollierbares geben.

Gut, in der Ecke sitzen und sich über sich selbst ärgern, klingt jetzt erstmal nicht nach dem großen Erlebnis. Sich selbst zu beschuldigen ist wirklich nicht die richtige Strategie in diesem Moment. Doch die Zeit intuitiv so zu nutzen, wie es mir gerade passt und ich es brauche, hingegen sehr wohl.

Viel zu oft überhören wir nämlich den Ruf des Abenteuers, weil wir ganz darauf ausgerichtet sind, unser Soll zu erfüllen –  im Beruf genauso wie in Familie und Freizeit, denn funktionieren sollen wir ja überall.

Der Ruf ist immer da, meistens leise und dezent, manchmal auch brüllend laut und unüberhörbar.

Ein leiser Ruf: Geh doch heute mal zu Fuß von der Arbeit nach hause. Das dauert zwar zwei Stunden, aber hinterher wirst du dich herrlich fühlen.

Ein etwas lauterer Ruf: Mensch, lass doch heute die olle Sauna, angele dir lieber die Nebenrolle in diesem neuen Kinofilm. Schließlich suchen die Leute wie dich!

Oder ein sehr lauter Ruf: Vergiss den Weihnachtsbesuch bei den nörgeligen Schwiegereltern! Erfüll dir lieber den Traum, einmal ganz allein zu verreisen. Zum Beispiel nach Vancouver, darüber hast du doch bei der letzten außerplanmäßigen Fernsehorgie so einen inspirierenden Bericht gesehen.

Unüberhörbar wird der Ruf zum Abenteuer meistens dann, wenn der Alltag bereits aus den Fugen ist und Vernunft und Pläne nicht mehr helfen. Alles schreit nach Veränderung, das Leben nach einem Wendepunkt. Wer dem Ruf folgt, betritt unbekanntes Terrain, durchschreitet Talsohlen, erklettert Gipfel, durchstreift vielleicht sogar die Unterwelt. Je abenteuerlicher die Reise, desto größer die innere Wandlung, die der Weg für einen bereit hält.

Der Weg des Abenteuers mag planlos erscheinen, er verfolgt aber ein wesentliches Ziel, und zwar Ausgeglichenheit. Vielleicht bleibt uns der Plan auch bloß verborgen, denn dem Ruf zu folgen bedeutet, inneren Impulsen und der Intuition zu folgen. Und die weiß ja meist am besten, was gut für uns ist und wie wir auf lange Sicht zu gelassenen, frohen Menschen werden.

Also: Ich muss ja nicht gleich eine Pilgerreise über den Jakobsweg machen. Aber wenn ich mich in meinem Alltag öfter mal ganz unplanmäßig verhalte, werden aus schlechten Tagen absolut grandiose Tage.

Was denkst du? Wie viel Abenteuer braucht das Leben und wo ist die Grenze zum ungerichteten Chaos? Wie viel Planung braucht das Leben, und wo ist die Grenze zum starren Korsett? Vertraust du spontanen Fügungen? Folgst du dem Ruf des Abenteuers?

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Kommentare

  • Guten Morgen! Ja ich lächle auch ;-)
    Mein Leben ist seit mittlerweile acht Monaten „abenteuerlich“ weil ich eine -herrliche- Beziehung zu einem Migranten habe. Was auf Deutsch noch nicht geht, besprechen wir auf französisch, wir begegnen der jeweils anderen Kultur mit unvoreingenommener Neugier und gestalten ein spannendes Zusammenleben. Mein Partner ist jünger als ich und hat festgefahrene Strukturen und Glaubenssätze aufgerüttelt. Dazu kommt zum zweiten mal eine neue Stelle- über fehlende Abwechslung brauche ich nicht klagen ;-)

    Eine wunderbare Zeit Euch!

  • Also das mit dem „zu Fuß von der Arbeit nach Hause gehen“ reizt mich. Auch wenn es bei mir tatsächlich zwei Stunden werden könnten… Dafür muss ich dann zwei Stunden früher mit der Arbeit aufhören. :-)

  • Hallo,
    danke für diesen Artikel; ich möchte sogar noch einen Schritt weitergehen: „Wer immer nur funktioniert, hat sich selbst verloren.“ Deshalb tut es so gut, Zeiten des „Nichtstuns“ zu haben, um sich wieder zu finden.
    Über Tills Geschichte musste ich lächeln. Ja, jeder sollte ab und zu eigene kleine Herausforderungen annehmen – die Siegerlaune ist die Belohnung…

  • Danke wie für alle Artikel!

  • Wenn ich einmal aus aus dem Alltagstrott raus will, setz ich mich aufs Fahrrad und fahre öfters mal auch
    unbekannte Sträßchen oder Waldwege, ohne dass ich weiß wo ich wiedr rauskomme (natürlich nur wenn die Witterung es zu lässt, Das ist auch eine Art Abenteuer. Enmal nicht immer die gleiche Strecke fahren. sondern mal kreuz und quer durch den Wald und an schönen Hütten vorbei. Natürlich kann es auch sein, dass ich mich mal verfahre, dennoch finde ich immer wieder aud dem Urwald heraus.
    So wie hier Till es hier schreibt ist dies für mich mein Wow Gefühl. Das mir auch noch Spass macht.
    Nach Vancouver würde ich auch gerne mal fliegen aaber….. halt teuer und wer fliegt mit ???
    In diesem Sinne herzliche Grüsse und allen ein gutes Wochenende. Ulrike K.

  • Das Zitat von Armin Müller-Stahl ist es, was meine Aufmerksamkeit erheischt hat. Ich kann ihm zwar in keiner Weise das Wasser reichen, aber immerhin bin ich in der gleichen Stadt geboren wie er. Das verbindet. Und beim Thema Abenteuer fällt mir immer Albert Schweitzer ein, der in seinem berühmten Text „Was ist Jugend?“ unter anderem schrieb:
    „Jugend ist … … Sieg des Mutes über die Feigheit, Sieg der Abenteuerlust über die Trägheit.“
    Ralf schreibt: „… es muss auch Unvorhergesehenes, Spannendes, Unkontrollierbares geben.“ und fragt am Schluss, wieviel Abenteuer das Leben braucht und ob wir persönlich dem Ruf des Abenteurers folgen.
    Na ja, es muss ja nicht gleich die Reise nach Vancouver sein, manchmal kann der Ruf des Abenteuers ganz spontan und im Kleinen erfolgen. Ich wollte vor einigen Wochen meinen üblichen Rundweg durch einen nahe gelegenen Wald machen, aber an meinem gewohnten Ausgangspunkt war alles vollgeparkt, so dass ich den Weg an einer anderen Stelle beginnen musste. Na gut, warum nicht. Was ich bis dahin noch gar nicht merkt hatte: mein Weg geht sacht bergab, und jetzt musste ich plötzlich einen rutschigen Steilhang hinunterklettern. Sollte ich oder lieber nicht? Ich entschloss mich, es zu tun, meine Schuhe wurden ziemlich dreckig dabei, egal. Doch als ich unten war, bemerkte ich, dass da der kleine Entwässerungsgraben verlief und mich von meinem Weg trennte. Den hatte ich schon einmal durchquert, er führt im Sommer kaum Wasser, aber ich war bis zu den Knöcheln im Schlamm versunken. Das wollte ich nicht noch einmal.
    Aber da war ein umgestürzter Baum, der sich als Steg über den Graben anbot. Sollte ich? Ich bin ja nicht mehr der Jüngste. Und über einen rutschigen Baumstamm zu balancieren war eigentlich etwas fragwürdig, unsportlich wie ich bin.
    Was konnte mir passieren? Wenn ich von dem Stamm abrutschen würde, würde ich aus 50 cm Höhe in den Modder fallen und mich fürchterlich einsauen, eine Verletzungsgefahr bestand hingegen kaum. Also versuchte ich mein Glück. Und kam glücklich drüben an. Gewonnen!
    Eigentlich eher ein kindliches Abenteuer, oder? Dennoch fühlte ich mich anschließend, als hätte ich den Atlantik einhand überquert. So ein richtiges Wow-Gefühl. Lächelt da jemand?

    • Sigrid Simml schreibt am 31. Juli 2016

      Hallo Till,
      ja ich lächle :-))), das ist eine sehr schöne Geschichte und es zeigt wieder, dass wir, wenn wir nur ein kleines bisschen von unseren üblichen Wegen abweichen, Abenteuer auf uns warten – große oder kleine. Und die machen unser Leben noch schöner. Danke für die Inspiration!
      Herzliche Grüße
      Sigrid

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