Selbstannahme-Challenge

Die Kunst des „Reframings“

reframing

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.“

Epiktet

Das Reframing ist eine Methode aus dem neurolinguistischen Programmieren (NLP). Übersetzen lässt sich „Reframing“ wörtlich mit „einen neuen Rahmen geben“ oder etwas freier mit „umdeuten“. Es geht darum, Ereignisse, Phänomene oder auch Informationen in einem anderen Zusammenhang zu sehen, als der, den wir ihnen spontan geben. Sinn macht das vor allem dann, wenn uns bestimmte Gedanken nicht gut tun, uns lähmen und davon abhalten, aktiv unseren Weg zu gehen. Wir stellen Ihnen das Reframing hier vor und geben Ihnen praktische Anregungen zur Umsetzung. Unsere Reaktion auf Situationen oder Ereignisse ist im ersten Schritt oft reflexartig – also unbewusst. Wir werden z.B. wütend oder traurig, wir reagieren mit Rückzug oder Frust, wir lachen oder wir langweilen uns usw. Auf diese ersten Reaktionen haben wir in der Regel wenig Einfluss (sie lassen sich allenfalls langfristig ändern). Was wir aber beeinflussen können, ist ob wir diese erste Gefühlsregung oder Reaktion beibehalten wollen. Beispiel Sie hatten gestern im Schaufenster ein paar Schuhe gesehen, die Ihnen gefallen haben. Voller Vorfreude gehen Sie heute in den Laden, aber die Schuhe gibt es nicht mehr in Ihrer Größe. In einer ersten Reaktion sind Sie – verständlicherweise! – enttäuscht und Sie ärgern sich. Dieses Gefühl können Sie nun beibehalten und mit ihm weiter den Tag gestalten, der dann sehr wahrscheinlich eine davon beeinflusste Richtung nehmen wird, sprich: es könnten weitere Ärgernisse auftauchen, die diesen Tag zu einem „miesen Tag“ machen. Oder aber Sie nehmen Ihren Frust kurz wahr und entscheiden sich dann, sich nicht länger darüber zu ärgern. Stattdessen sagen Sie sich, dass Sie gerade Geld gespart haben, denn eigentlich hatten Sie die Schuhe auch nicht wirklich gebraucht. Sie werden auf diese Weise sicher anders in den Tag gehen. Und genau das ist auch schon ein praktisches Beispiel eines Reframings gewesen :-) Sie haben den Umständen bewusst eine Bedeutung gegeben, die Sie unterstützt und nicht behindert.

Gestalte ich die Umstände oder gestalten die Umstände mich?

Wir können nicht alles im Leben beeinflussen. Vieles geschieht einfach und wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt. Was wir aber immer zumindest mitbeeinflussen können, ist unsere Reaktion auf eine dieser Tatsachen. Diese Erkenntnis ist ein wesentliches Element einer aktiven Lebensgestaltung. Ich erkenne damit die Grenzen meines Einflusses an, ich mache mir aber auch bewusst meine Möglichkeiten klar. Und damit gewinne ich Gestaltungsraum und Wahlmöglichkeiten für mein Leben.

Die Gefahr der Selbstmanipulation

Die Idee, alles Negative, was uns geschieht, „einfach“ positiv umzudeuten und auf diese Weise „immer gut drauf zu sein“, klingt für viele verlockend. Aber genau das ist hier nicht gemeint, denn das würde bedeuten, sich jede Situation grundsätzlich schönzureden. Hier gilt, wie bei so vielem: Sowohl eine unreflektierte als auch eine extreme Anwendung einer wirkungsvollen Methode kann schaden. Grundsätzlich sind so genannte „negative“ Gefühle, wie Trauer, Frust, Wut u.ä. sinnvoll. Sie gehören zum Leben und zu unserer Persönlichkeit dazu. Sie unterdrücken zu wollen, wäre genauso kontraproduktiv wie uns in sie hineinzusteigern.

Erst wahrnehmen, dann verändern

Der Grundsatz eines gesunden Reframing-Ansatzes ist deshalb: erst bewusst wahrnehmen und zulassen, was man fühlt und was in einem vorgeht. Und das in einer der Situation angemessenen Intensität und auch in einem angemessenen Zeitraum. Beim Frust über die nicht vorhandenen Schuhe aus dem obigen Beispiel wird sich das erheblich von z.B. dem Frust über eine Kündigung oder gar dem Verlust einer geliebten Person unterscheiden. Das Reframing kann als nützliche Methode dann einsetzen, wenn unsere Reaktion

  1. unverhältnismäßig wird (also z.B. zu lange andauert oder zu heftig ist und/oder
  2. uns das Leben – auch hier: unverhältnismäßig – schwer macht.

Der Schlüssel ist die Verhältnismäßigkeit

Wenn Sie z.B. dazu neigen, sich über Kleinigkeiten stundenlang aufzuregen, dann dürfte Sie das viel Energie kosten und es ist wahrscheinlich, dass Sie sich damit nicht wirklich wohlfühlen. Oder wenn Sie durch eine drohende Kündigung so ängstlich und gelähmt sind, dass Sie Ihre Arbeit nicht mehr korrekt ausführen können, sorgen Sie damit sehr zuverlässig selbst für das, was Sie befürchten. Beides sind unverhältnismäßige und schädliche Reaktionen, bei denen es sinnvoll erscheint, diese durch den Einsatz eines Reframings zu durchbrechen. Parallel dazu macht es dann natürlich Sinn, die Hintergründe des eigenen Verhaltens zu analysieren, um auf diese Weise Probleme dieser Art in Zukunft an der Wurzel packen zu können. Noch ein Beispiel: Eine monate-, ja sogar jahrelang andauernde Trauer beim Verlust einer geliebten Person, ist eine ganz natürliche, menschliche Reaktion. Sie darf nicht unterdrückt, sondern sollte bewusst ausgelebt werden. Wenn aber diese Trauer dazu führt, dass der Betroffene nicht mehr in der Lage ist, sein Leben zu leben und vor Schmerz aufzugeben droht, scheint der Einsatz hilfreicher Methoden, die die Situation verändern können, angebracht (wobei in solchen Fällen selbstverständlich häufig professionelle Hilfe von außen nötig ist). Das Reframing wäre eine Möglichkeit.

Was alles mit dem Reframing bearbeitet werden kann

Im NLP unterscheidet man im Wesentlichen folgende zwei Reframing-Arten (die aber nicht immer sinnvoll zu trennen sind, sondern ineinander fließen können):

  1. Das Kontext-Reframing – Hier wird ein neuer / anderer Kontext gesucht, in dem z.B. ein Problem oder eine störende Verhaltensweise dann verschwindet oder auch positiv wird. Beispiel: Eine Person ist nur schwer oder gar nicht in der Lage, an einer Sache dranzubleiben – diese Eigenschaft ist z.B. da positiv, wo Flexibilität und das Vermögen, schnell umzudenken, erforderlich sind.
  2. Das Bedeutungs-Reframing – Hier ändern sich weder der Kontext, noch die Situation, sondern allein unsere Gedanken darüber. Beispiel: Sie können sich über die Pfotenabdrücke des Hundes auf dem Teppich ärgern – oder sie nehmen sie als Zeichen dafür an, dass Ihr geliebter, vierbeiniger Freund viel Spaß draußen hatte.

Der in der Literatur ebenfalls häufig zu findende Begriff Inhalts-Reframing wird entweder als Überbegriff für die beiden eben dargestellten Reframing-Arten verwendet oder mit dem Bedeutungs-Reframing gleichgesetzt. Nach der Theorie nun die Praxis: im Folgenden finden Sie praktische Tipps zur Anwendung des Reframings.  

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Kommentare

  • Habe vor einiger Zeit eine Weiterbildung zum Anti-Stress-Tariner absolviert und fand das Thema Refraiming sehr interessant. Könnt Ihr darin nicht mal einen online-Kurs anbieten? Ich wär dabei… :-)

  • ich lebe schon lange erfolgreich nach der methode… ohne zu wissen, dass es sich dabei um reframing handelt… es macht mein leben leichter, glücklicher, ausgeglichener und eröffnet immer wieder neue wege… danke für die bestätigung, dass ich instinktiv richtig handel :)
    sonnige grüße
    bea

  • Hallo

    ich finde den Beitrag sehr ausgewogen, es wird das Wichtigste dazu geschrieben und vor allem , wo die Grenzen sind, jeder kann entscheiden, ob er diese Methode anwendet oder nicht. Besonders wertvoll finde ich sie in Notsituationen und sie führt auf den m.E. einzig richtigen Weg, Gefühle wahrzunehmen und sie eines Tages ohne Angst auszuleben. Dann muss man sie nicht mehr umdeuten.
    Das Beste
    Michael aus Berlin

  • Das mit dem reframing gefällt mir sehr gut, und es erinnert mich an einen Kurs, den ich vor vielen Jahren besucht habe. Damals ging es auch um Motivation.
    Damals hörte ich zum ersten Mal davon, den Rahmen den wir uns selber setzen zu entfernen und darüber hinaus zu denken.
    Ich geniesse eure Newsletter,
    vielen Dank und allen einen schönen Sonntag,
    Ursula

  • Ich finde Sie Super

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