Tagebuch inkl. Videokurs Gelassenheit

Helfersyndrom? Die Lebensphilosophie des Gebens und wie sie gelingen kann

Es gibt Menschen, die wirklich sehr, sehr viel geben.

Die absolut alles für die Kinder tun.

Die im Freundeskreis immer aushelfen.

Die sich einsetzen für das Gemeinwohl.

Die immer da sind, wenn ein offenes Ohr gebraucht wird. 

Richtige „Geber“ also. Die immer da helfen, wo Hilfe vonnöten ist.

Vielleicht fällt dir direkt jemand ein, auf den diese Beschreibung passt.

Oder vielleicht bist du selbst so ein Mensch. 

Wenn du selbst so jemand bist, dann genießt du wirklich meinen absolut größten Respekt. 

Ohne dich wäre die Welt ein viel schlechterer Ort. Denn du bist der Kitt, der ganz vieles zusammenhält.

Aber manchmal tust du mir auch leid. 

Denn du kümmerst dich um alle anderen, aber vergisst dabei häufig dich selbst. Du opferst dich selbst auf – bis an den Rande des Burnouts. Oft liegt das vielleicht auch daran, dass du einfach schlecht nein sagen kannst …

Schreib dich glücklich…

Es gibt eine bestimmte Art, ein Tagebuch zu schreiben. Eine Art, die dich wirklich voran bringt. Ein Tagebuch, das dich heilen kann. Pure Selbsterkenntnis. Und jede Menge Spaß: Projekt: Tagebuch.

Oftmals haben Menschen wie du vielleicht am Ende des Tages das Gefühl, es wird nicht wertgeschätzt, was sie leisten. Es wird irgendwann einfach für selbstverständlich gehalten. 

Und im schlimmsten Fall fühlst du dich einfach nur noch ausgenutzt.

  • „Bei Silke kann ich mich immer ausheulen, wenn es mir schlecht geht …“ 
  • „Daniel kannst du immer fragen, der hilft bei jedem Umzug …“ 
  • „Ach, Corinna besorgt schon das Geschenk …“ 

Kein Wunder, dass du als Mensch, der viel gibt, dich dann manchmal wie der Depp der Nation fühlst. Ausgenutzt und über den Tisch gezogen, weil du es nunmal gut meinst.

Du tust Gutes und fühlst dich danach noch nicht mal gut damit … Eigentlich ist das eine ziemlich miese Bilanz, oder?

Wäre es da nicht besser, wenn du einfach mal Arschloch sein könntest? Einfach mal die anderen den Buckel runterrutschen lassen und sie zusehen lassen, wo sie bleiben?

Es gibt sie ja, die Menschen, die sagen: „Wenn du Ellenbogen hast, dann kommst du weit im Leben. Und wenn jeder an sich selbst denkt, ist ja an alle gedacht. Also sieh zu, dass du für dich selbst sorgst. Benimm dich ruhig wie ein Arschloch, denn nur so bringst du es zu was.“

Ja, vielleicht wäre das eine Alternative.

Aber ganz ehrlich: Das bist dann auch wieder nicht du.

Dich wie ein Arsch zu benehmen, kostet dich viel mehr Kraft, als einfach anzupacken und zu helfen.

Außerdem willst du dich selbst auch nicht so verbiegen. Denn eigentlich möchtest du ja gut sein und anderen helfen.

Vom Geben und Nehmen

Alle Weltreligionen preisen ja das Geben als selige Handlung. Von dem Standpunkt aus bist du also voll auf dem richtigen Weg. 

Aber was sagt eigentlich die faktenorientierte Wissenschaft dazu? 

Ist deine Lebensphilosophie des Gebens nur gut für andere, aber schlecht für dich? Bist du als ein Geber im Vergleich wirklich immer der Dumme, der häufig ausgenutzt wird? Musst du dich damit einfach anfreunden, wenn du ein Geber bist? 

Der Organisationspsychologe Adam Grant hat u. a. genau das erforscht. 

Er hat drei unterschiedliche Stile finden können, wie Menschen in sozialen Interaktionen miteinander umgehen.

  • Typ 1 fragt sich: Was kann ich für dich tun? (Geber-Typ)
  • Typ 2 fragt sich: Was kannst du für mich tun? (Nehmer-Typ)
  • Typ 3 sagt sich: Hilfst du mir, helf ich dir. (Ausgleichender-Typ)

Die Mehrheit der Menschen verhält sich wie Typ 3, der ausgleichende Typ. 

Der Nehmer-Typ und der Geber-Typ sind quasi die Extreme auf der Skala.

Die Forschungen von Adam Grant fanden im beruflichen Umfeld statt, also in Unternehmen, Organisationen und Ausbildungsinstituten. 

Und natürlich war ein Schwerpunkt seiner Fragen dabei auch die berufliche Leistung der unterschiedlichen Typen. 

Was würdest du denken, welcher dieser drei Typen schließt in der Berufswelt wohl am schlechtesten ab? Wer ist am wenigsten produktiv, verkauft am wenigsten und schreibt die schlechtesten Noten im Studium?

Antwort: Es sind die Geber-Typen.

Nicht weiter überraschend, oder? 

Die Geber-Typen, die schlecht abgeschnitten haben, sind die Art von Ladenverkäufern, die sagen: „Ich verkaufe den Kunden unsere Schrottprodukte nicht.“ 

Oder die Art von Studenten, die sagen: „Natürlich helfe ich meinen Kommilitonen auch noch am letzten Tag vor der Prüfung, statt selbst zu lernen.“ 

Ist logisch, dass sie dadurch weniger verkaufen und weniger Zeit zum Lernen haben. 

Übertragen auf das Leben außerhalb der Berufswelt könnte man sagen: Als Geber bist du manchmal so sehr beschäftigt mit den Problemen anderer Leute, dass du deine eigenen nicht auf die Reihe kriegst. Sei es dein Ehemann, deine Kinder oder deine Mutter … ihre Probleme sind immer wichtiger als deine. 

Dieses Forschungsergebnis passt also erstmal ganz gut zur Wahrnehmung des „Wenn ich anderen helfe, stecke ich selbst dabei zurück“.

Aber das waren noch nicht die gesamten Ergebnisse … Die Überraschung kommt jetzt:

Was würdest du denken, welcher dieser drei Typen ist am erfolgreichsten in der Berufswelt?

Wenn wir beim Klischee bleiben, dann ja wohl der Nehmer-Typ, der die Ellenbogen ausfährt und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist, oder?

Weit gefehlt. 

Es sind ebenfalls die Geber-Typen!

Wie kann das sein? 

Die Gruppe der Geber hat halt das breiteste Spektrum. Sie finden sich überdurchschnittlich häufig ganz oben und ganz unten auf den Leistungsskalen. Und deshalb sind es auch Geber-Typen, die am produktivsten sind, am meisten verkaufen und die besten Noten schreiben.  

Es gibt also zwei Arten von Geber-Typen. Einmal die Geber-Typen, die geben und dafür selbst zurückstecken … Und dann gibt es also noch die Geber-Typen, die geben und trotzdem ihre Sachen gut auf die Reihe bekommen und dabei erfolgreich sind.

Jetzt stellst du dir sicher auch die Frage aller Fragen: Was unterscheidet diese beiden Geber-Typen voneinander? Warum sind manche Geber so erfolgreich und andere nicht? 

Was machen die „erfolgreichen“ Geber anders als die anderen? 

Adam Grant konnte das ziemlich genau feststellen, denn er hat für seine Studien über 30.000 Menschen befragt.

Und es sind insgesamt 3 Dinge, die die „erfolgreichen“ Geber anders machen. Dinge, die sich aus der Arbeitswelt auch hervorragend in dein Privatleben übertragen lassen.

Punkt 1: Lerne, dich zu begrenzen

Als Geber musst du besonders gut acht darauf geben, nicht auszubrennen. Du bist die Risikogruppe! Weil du dich ständig selbst überforderst, wenn du erst anderen hilfst und danach auch noch deine eigenen Probleme angehen musst. Das ist manchmal einfach zu viel des Guten.

Deshalb musst du als Geber lernen, dich selbst zu begrenzen. Denn wenn es dir selbst nicht mehr gut geht, ist damit ja auch keinem anderen mehr geholfen. 

Wie geht das, wie kannst du lernen, dich selbst zu begrenzen? Zum Beispiel, indem du ein gutes Maß findest. Deine Hilfe muss nicht immer den 100 % All-inclusive-Service umfassen. Du musst nicht Mutter Teresa sein, um jemandem zu helfen. 

Was meine ich damit?

Wenn dich ein Kollege um einen Gefallen bittet, kannst du statt „Ja klar!“ auch einfach sowas sagen wie: „Ja klar, gleich hätte ich 10 Minuten Zeit, worum geht’s denn?“ Du begrenzt einfach den Zeitraum, z. B. auf 10 Minuten.

Dich bittet jemand nächsten Samstag um Hilfe beim Umzug?

Deine neue Antwort könnte lauten: „Ich helf dir gern, kann am Samstag aber höchstens für 3 Stunden dabei sein (weil …).“

Jemand möchte deine Bohrmaschine ausleihen? 

„Klar, kannst sie dir morgen hier abholen, bin bis 10 Uhr zuhause.“

Begrenzung. Du hilfst weiterhin. Aber eben nicht grenzenlos. Und vor allem nicht mehr, als du selbst kannst. Um dich selbst zu schützen. 

So machen es die erfolgreichen Geber. Sie begrenzen sich und achten auf sich selbst, wenn sie anderen helfen.

Probier es mal aus. Ich selbst mache immer wieder die Erfahrung, dass das vollkommen o. k. so ist, und jeder freut sich vor allem darüber, dass du überhaupt hilfst! 

Punkt 2: Auch du darfst Hilfe empfangen

Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. 

Viele Geber können gut geben, aber nicht so gut empfangen.

Die „erfolgreichen“ Geber hingegen trauen sich, andere auch um Hilfe oder einen Gefallen zu bitten. 

Das ist ein Merkmal, das sie ganz wesentlich unterscheidet von allen anderen Gebern. Sie können Hilfe annehmen.

Hilfe annehmen ist ja für viele Menschen ein Problem. 

Insbesondere für dich als Geber sollte das aber eigentlich nicht so sein, da du ja den anderen auch viel hilfst.

Warum aber ist das für viele Menschen so ein großes Problem, andere um einen Gefallen zu bitten und Hilfe anzunehmen? 

Die typischen Ängste, die uns davon abhalten, um Hilfe zu bitten, sind:

  • Ich will nicht hilfsbedürftig oder schwach wirken.
  • Ich will anderen nicht zur Last fallen.
  • Ich habe Angst vor Ablehnung.

Natürlich, um Hilfe bitten ist fast immer ein bisschen unangenehm. 

Aber diese Sorgen finden zuerst mal nur in deinem Kopf statt … Als Geber wirst du überrascht sein, wie viele Menschen hilfsbereit sind und dir gerne zurückgeben, wenn du mal Hilfe brauchst. 

Aus Angst vor Ablehnung nicht zu fragen, ist keine gute Strategie für dein Leben. Menschen, die in der Lage sind, um Hilfe zu bitten, zeigen sich selbst dabei verletzlich und führen mit dieser Einstellung auch ein erfüllteres Leben.

Sich also verletzlich zu zeigen und dafür das Risiko einzugehen, evtl. auch mal ein „Nein“ zu hören, ist definitiv der bessere Weg. 

Du kannst dich Schritt für Schritt daran gewöhnen. Und ein normales Verhältnis zum Empfangen entwickeln.

Üb das doch mal im Kleinen. Bitte andere ab und an mal um einen ganz kleinen Gefallen, um dich mit kleinen Schritten daran zu gewöhnen.

Und wenn du selbst jemanden um einen Gefallen bittest, frage ihn am besten persönlich und nicht telefonisch oder in einer Kurznachricht. 

Danach sagst du von Herzen „Danke“. 

Übe das. Es ist nämlich ganz wichtig, dass du den anderen auch mal die Möglichkeit gibst, dir etwas zurückzugeben.

Punkt 3: Meide Nehmer-Typen in deinem Umfeld, so gut du kannst

Adam Grant hat in seiner Forschung nachgewiesen, dass die Nehmer-Typen zwar auch ihre Qualitäten haben … sie für Gruppen und Teams allerdings Gift sind. 

Sie sorgen dafür, dass die Geber sich ausgenutzt fühlen und irgendwann nicht mehr geben wollen.  

All das, was für dein Arbeitsumfeld gilt, gilt in diesem Fall umso mehr für deine Freizeit: Gib dich in Familie, Freundes- und Bekanntenkreis möglichst wenig mit dem Nehmer-Typ ab. Sie nutzen deinen „Schwachpunkt“ und guten Willen maximal aus. Für dich werden sie zu einem Fass ohne Boden.

Wenn du also das Gefühl hast, eine Person nutzt dich nur aus, dann kannst du hier ganz ohne schlechtes Gewissen eine Grenze ziehen. Du musst nicht jeder Person helfen. Du darfst nein sagen. Du darfst dich selbst begrenzen (s. Punkt 1). 

Woher weißt du, ob du einem Nehmer-Typ gegenüberstehst? Du kannst den Praxistest durchführen und die Person um einen Gefallen bitten (s. Punkt 2). Wenn die Person dir mehrfach Gefallen verweigert, dann mag sie dich entweder nicht … Oder sie ist wahrscheinlich ein Nehmer-Typ.

Die Nehmer-Typen zu vermeiden, vereinfacht dein Leben ganz enorm. Weil du dir jetzt nicht mehr Gedanken darüber zu machen brauchst, ob dich jemand nur ausnutzt oder nicht. Und ob deine Lebensphilosophie womöglich falsch ist oder dergleichen …

Denn die anderen Geber geben gern zurück. Und die Ausgleichenden geben dir auch etwas zurück, wenn du ihnen schon mal einen Gefallen getan hast.

Die Lebensphilosophie des Gebens als Erfolgsmodell 

Die Forschung von Adam Grant hat bewiesen: Als Geber musst du nicht automatisch der Gelackmeierte sein, der von anderen nur belächelt und ausgenutzt wird und am Ende selbst noch mit seiner Rolle hadert.

Denn wenn du in dem ja eher konkurrenzbetonten Arbeitsumfeld als Geber ganz vorn mit dabei sein kannst, dann hat diese Lebensphilosophie auch im Privatleben viele Vorteile für dich. Und vor allem auch für dein gesamtes Umfeld …

Denn alle Organisationen, die Adam Grant untersucht hat, hatten eines gemeinsam: Je mehr die Geber sich in ihrem Verhalten frei entfalten konnten, desto besser hat die gesamte Organisation im Vergleich abgeschnitten: mehr Gewinn, mehr Kundenzufriedenheit, mehr Mitarbeiterzufriedenheit. 

Und das Gleiche gilt natürlich nicht nur für Unternehmen. Es lässt sich auch übertragen auf Vereine, Freundescliquen und Familien.

Fazit: Das Leben als Geber bietet viele Chancen

Die Lebensphilosophie des Gebens ist also nicht von Nachteil für dich. Es ist, wie so häufig, das, was du daraus machst … Die 3 wichtigsten Tipps, damit es dir als Geber damit auch gut geht, kennst du ja jetzt.

Sollen dich andere ruhig belächeln als Mensch mit Helfersyndrom, als Gutmensch. Aber als Geber bist du sehr wichtig für alle Gruppen, Teams, Organisationen und für unsere gesamte Gesellschaft. 

Und für dich selbst kannst du als Geber deine Beziehungen auch so gestalten, dass du dich nicht ausgenutzt fühlst. Sondern selbst auch ganz viel zurückbekommst.

Diese Forschungsergebnisse von Adam Grant in die Welt zu bringen, das ist mir ein Anliegen. Weil ich dich als Geber dazu ermutigen möchte, weiter derjenige zu sein, der du bist. Und weiter so zu handeln, wie du handelst. Und zwar ohne dein Handeln zu bereuen, in Frage zu stellen oder dich darüber zu ärgern. Oder dir zu wünschen, mehr Arschloch zu sein … Denn du bist gut und richtig und wichtig, genau so, wie du bist. 

Und wenn du selbst jemanden kennst, der so ein selbstloser Geber-Typ ist, dann teile diesen Beitrag doch noch mit ihm/ihr und sage auf diesem Wege einfach mal „Danke“ ;-)

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Kommentare

  • Ein sehr guter Beitrag! Hat mich Gebertyp sehr ermutigt.

  • Sehr schön und ausführlich geschrieben :) Danke. Das hat mir Mut gebracht, etwas in meinem Leben zu ändern. Wir sollen aber nicht vergessen, dass alles gutes, was wir machen, wird es zu uns zurückkehren. Ich glaube daran. Und Geschenk wie ein Lächeln und wenn du jemandem eine gute Laune mit deinem Humor bringst .. dieses Gefühl ist unbezahlbar. Alles, was du erlebst, was du machst, um andere Menschen glücklich zu machen .. das kann man nicht mit Wörtern beschreiben. (Das Leben kann auch wie ein Spiegel betrachten und ich kann das in meiner Umgebung mit Freude erkennen, dass Leute bessere Laune durch Kleinigkeiten bekommen. Ich wünsche es euch allen, dass ihr das seht und zum geistlichen Geben ermutern. Viele Liebe und Freude mit euren Verwandten :)

  • Hallo zusammen,
    ein kleiner Gedanke zum Begriff „Hilfe“: ich hab auch die Erfahrung gemacht, dass gerade Gebertypen Hilfe schlecht annehmen können. „Hilfe“ klingt oft wie „ich bin hilflos“, und das kann ein Gebertyp ja wohl nicht sein, weil er ja ständig anderen hilft :-)
    Ich habe beruflich und privat den Begriff „Hilfe“ durch „Unterstützung“ ersetzt. „Kannst Du mich unterstützen“ wirkt eher wie „ich kann es zwar, aber nicht alleine“. „Kannst Du mir helfen“ wird dem entgegen oft assoziiert mit “ Ich kann es ohne einen Anderen gar nicht“ – und wer will so was schon eingestehen ….
    Viele Grüße, Anne

  • Hallo, danke für die klärenden Gegenüberstellungen zu dem mir wichtigen Thema.
    Wie dumm muss jemand sein, von dem gesagt wird :“Sie hatte für alles und jeden jederzeit Verständnis.“ ? Die eigene Identität gilt es zu erkennen und zu verteidigen, denke ich.

  • Sehr interessant! Dazu kann ich noch einen anderen Aspekt beitragen: ich kenne einen großherzigen und intelligenten Super-Geber. Sein Problem ist nicht, dass er ausgenutzt wird, sondern das Gegenteil: oft wird seine Hilfe nicht angenommen, weil niemand seine Lösungsansätze versteht. Denn es beschränkt sich nicht auf „beim Umzug helfen“ oder „Bohrmaschine ausleihen“, sondern er will auch bei wirklich umfassenden Problemen tiefgehend mitzudenken. Viele Leute fühlen sich dadurch aber vollkommen vor den Kopf gestossen. Die fühlen sich eindeutig aus ihrer Komfortzone gerissen und reagieren mit Abwehr. Das reibt ihn sehr auf, weil er es sehr gut meint und meiner Meinung auch sehr fair und verständnisvoll mit anderen umgeht, nur wird er sehr oft nicht verstanden. ZZL, gibts hier auch hilfreiche Erfahrungen?

  • Als „Geber“-Typ habe ich den Artikel gerne gelesen:-)
    Wenn man um Hilfe gebeten wird, finde ich es sinnvoll, erst mal zu überlegen, wie man dem anderen überhaupt helfen kann und dann – Abgrenzung ist toll – wie das in den eigenen Zeit-, Projekt- und Energierahmen passt.

  • Das ist ein sehr schöner Beitrag.Danke! :)

  • Ich wollte einen Kommentar schreiben, ging aber nicht weg„`´`??

  • http://enorm-magazin.de/arroganz-des-helfens
    Kilian Kleinschmidt leitete eines der weltgrößten Flüchtlingslager. Er sagt: Menschen, die fliehen mussten, suchen Würde und Identität. Dafür brauchen sie Freiräume.
    Das gilt natürlich nicht nur für Geflüchtete..

  • Hallo Mathias,
    vielen Dank für die praktischen Tips in deinem Artikel. Als Geber in einem Tauschring zu landen, in dem es drei Geber, zwei hilfst du mir, helf ich dir und 35 Nehmer gibt, ist schon eine interessante Erfahrung und gute Lernaufgabe.

  • Hallo zusammen,
    stets hilfsbereit, großzügig, man wird immer wieder ausgenutzt?
    Dann sind diese Tipps sicher sehr hilfreich.

    Gebertyp, lebenslang, Aufopferung, kaum Selbstfürsorge, ein kaum selbstbestimmtes Leben führen, Burnout?
    Dann helfen diese Tipps leider nicht. Das hat sehr tiefe Wurzeln. Das musste/durfte ich eines Tages in der Klinik erfahren. Wer so dran ist, für den ist die Tiefenpsychologie der richtige Weg. Das geht an die Ursachen, öffnet die Augen und setzt auf’s richtige Gleis. Je früher, desto besser. Es geht um Lebensqualität und Gesundheit.

    • Bine schreibt am 9. Februar 2017

      Hallo Fred,

      da muss ich dir zustimmen. Mein Leben war auch sehr lange fremdbestimmt. Eine Helferin zu jeder Zeit. Bis mein Körper mir mit Panik Attacken das Stopp Schild zeigte. Seit kurzer Zeit mache ich eine Psychotherapie. Bin dabei das richtige Gleis zu finden. Und oft schockiert, wie wenig ich mich gut um mich gekümmert habe.
      Alles Gute für dich!

    • July schreibt am 9. Februar 2017

      Danke für den tollen Artikel,
      Hallo Fred, Hallo Bine,
      Genauso lief bzw läuft es auch bei mir ab. Gerade ein Klinik Auffenthalt hinter mir, und nun weiter in Psychologischer Behandlung. Ich bin fest davon überzeugt, das meine aktuelle Krebserkrankung und Burnout davon entstanden ist. Jedenfalls lerne ich zur Zeit Nein zu sagen ohne mich dabei schlecht zu fühlen, und die Blut und Energiesauger, insbesondere die in meiner Familie zu meiden. Ich bin regelrecht allergisch geworden, wenn man mich noch um Gefallen bittet. Ein Heilpraktiker sagte mir vor kurzem, dass ich erst wieder Helfen soll, wenn mein NEHMER Konto gefüllt ist. Jetzt arbeite ich erstmal daran meine Bedürfnisse zu erkennen, an Gesundheit und psychischen Wohlbefinden. Die Erkenntniss, dass gerade die Menschen für die man sich so aufgeopfert hat, nicht für einem da sind, wenn man sie braucht, oder einem nicht so wertschätzen sobald man einmal Nein sagt, ist ebenfalls eine sehr schmerzhafte Erfahrung die ich mache. Aber da muss ich wohl durch.
      Ich glaube aber trozdem dass ich immer Geber sein werde, nur diesmal wie im Artikel beschrieben, ohne mich dabei zu vergessen oder ausnutzen zu lassen. Euch ebenfalls alles Gute.

  • Dieser Beitrag ist wirklich genau stimmig. Auch ich bin ein Geber-Typ, so nach dem Krieg her von meinen Eltern dazu erzogen wurde. Rutschte in der Karriereleiter aufwärts, weil ich gewohnt war, offene Ohren und Herz zu haben. ALs ich meinen Job nach zig Jahren verlor, half mir niemand, obwohl jeder mir vorgängig Hilfe versprach.
    Essenz: ich orientierte mich neu, ohne Hilfe – doch meine offenen Ohren und Herz waren an meinem neuen Job gefragt. Ich traf auf Menschen mit ausgeprägtem Helfersydndrom mit Erwartungen. Der Begriff „ich möchte mich sozial“ betätigen, wurde mit der Zeit ein Reizwort. Genau in dieser Situation lernte ich Ohren, Herz und Hànde zu haben, doch mit totaler Abgrenzung. Das Wort NEIN ist so leicht auszusprechen wie JA. Ich habe heute auch Menschen, die ich berate oder begleite, die über wenig Geld verfügen, doch auch hier, muss man genau hinsehen. Abgrenzen und für sich entscheiden, ob es stimmt da zu sein oder nicht. Und das Wichtigste ist, wenn man gibt – aus vollem Herzen zu geben, ohne jede Erwartung in jeder Hinsicht. Es stimmt, dass Geber-Typen nicht gut annehmen können oder um HIlfe bitten. Heute kann ich ein Geschenk in jeder Art annehmen mit einem herzlichen DANKE, ohne zu sagen: das wäre doch nicht nötig gewesen. Es muss in allen Bereichen des Lebens Balance geben – denn wenn diese nicht da ist, sind wir nicht in unserer Mitte – und was geschieht dann? Unzufriedenheit und Frust.
    Vampire nenne ich die, die nur nehmen und nie geben – solche Menschen gilt es wirklich zu meiden.

  • Ich war bis jetzt immer der absolute Gebertyp. Das ging so weit, dass ich mich massiv habe ausnutzen lassen. Ich betone: ICH habe es zugelassen, der ANDERE darf immer so sein wie er ist, ihn kann ich nicht ändern, nur mich. Ich habe erkannt, dass ich mir selbst damit schade und das Geben aus einem Gefühl der Minderwertigkeit erfolgte. Das konnte ich beheben, ich gebe weiter gerne, aber ich werde mir selbst damit nicht mehr Schaden zufügen. Wenn ich gebe, erwarte ich mir keine Gegenleistung mehr, die Erfüllung für mich liegt im Geben selbst. So fühlt sich das für mich jetzt stimmig und gesund an.

    • Christine schreibt am 5. Februar 2017

      Liebe Margot, dein Kommentar spricht mich besonders an (und die Basis ist der sehr gute Artikel von Mathias). Genau: Diese Eigenverantwortung dabei, welcher Gebertop ich bin, ist ganz wichtig. Auch NEIN sagen zu können, ohne zum Egoisten zu werden und zu lernen, anderen dabei zu helfen, ihre Problem SELBER zu lösen, das ist für alle Beteiligten ein ganz wichtiger Prozess. Es ist nicht nur das mögliche „Ausgenutzt-werden“, Gebertypen können ungewollt Menschen herabsetzen, indem sie sich für fähiger halten, deren Probleme zu lösen. Anpacken, wenn es wichtig ist, Energie abgeben, wenn man davon deutlich mehr als Andere hat – kein Problem! Aber eben auch Grenzen setzen können und insbesondere den Nehmer-Typen eine freundlich-bestimmte Absage zu erteilen (wie es Mathias beschrieben hat) das ist wichtig.

  • Guten Morgen.
    Dieser Beitrag hat mir wirklich sehr gut getan. Ich bin ein absoluter Geber-Typ. Und gehöre leider zu denen, die sich zwischenzeitlich ausgenutzt und allein fühlen, weil ich auch nie gelernt habe, um Hilfe zu bitten (die negative Seite, wenn man strikt zu Selbstständigkeit erzogen wurde). Ich opfere mich täglich für meinen Mann und meine 2 Kinder auf, habe einen Pflegesohn aus Afghanistan für den ich immer da bin und betreue ehrenamtlich eine Flüchtlingsunterkunft mit 18 Bewohnern. Da ist man gut beschäftigt mit helfen. Zeit für mich und meine Ziele? Hahaha.
    Aber mir ist kürzlich sehr bewusst geworden, dass ich etwas ändern muss. Denn für mich war eben keiner da. Ich bin ja stark, das brauche ich ja nicht. Dass Umhilfebitten noch viel mehr Stärke erfordert, genauso wie das Neinsagen und Grenzenziehen, musste ich erst verstehen und lernen. Ich habe aber damit angefangen, weil ich wirklich sehr ausgebrannt war. Vor allem, weil auch kaum noch jemand Dankbarkeit gezeigt hatte. Damit fehlte irgendwie der Antrieb: Das Gefühl, jemandem etwas Gutes, eine Freude gemacht zu haben. Es war selbstverständlich geworden.
    Eine Grenze zu ziehen hat mir gut getan, aber das schlechte Gewissen hat mich schon sehr geplagt. Das Gefühl, die anderen im Stich zu lassen.
    Aber der Artikel hat mir das Gefühl gegeben, dass ich auf dem richtigen Weg bin, dass ich mir das erlauben darf.
    Ich habe auch angefangen, um Hilfe zu bitten und anderen mehr von meinen Problemen zu erzählen. Und ich stelle fest, dass es wirklich sehr befreiend ist und andere sich zur Abwechslung auch mal Gedanken um mich machen.

  • Hallo,

    Geber-Typen können auch unangenehm werden, weil sie sich nicht abgrenzen können. Beobachte dies immer wieder im Ehrenamt. Sie nehmen anderen oft die Chance, sich auch einzubringen und machen sich damit unentbehrlich.
    Frage: Was fehlt diesen Menschen?

    • Anna schreibt am 5. Februar 2017

      Ihnen fehlt das Gefühl, wichtig zu sein, gebraucht zu werden, eine Rolle zu speilen. Sie „brauchen“ es von außen. Im Grunde fühlen sie sich sehr hilflos und allein. Traurig wird es dann, wenn nicht das erwartete Lob, oder die Anerkennung und Wertschätzung zurückkommt – weil sie z.B. garnicht gefragt haben, ob ihr Überengangement überhaupt gewünscht war. Dann schlägt es schnell in Aggressivität (der Ausdruck von Hilflosigkeit und Verletztheit) um, sie fühlen sich dann ausgenutzt und es hagelt Vorwürfe.

      Auch hier gilt wohl wie für die Geber auch: Grenzen setzen. Eigene und manchmal auch den anderen, z.B. bei der gleichwertigen Verteilung von Aufgaben. Ich habe die Erfahrung, dass es viel bringt, Verständnis zu zeigen statt ärgerlich zu reagieren. Also zum Beispiel zu sagen: „Wir schätzen das sehr, dass du dich so einbringst, du machst tolle Arbeit. Wir sind froh dich im Team zu haben. Du brauchst aber nicht den Großteil der Aufgaben zu übernehmen, denn dafür sind wir ja… genau: ein Team.“ Wär‘ mal einen Versuch wert.

    • Beatrice schreibt am 5. Februar 2017

      Für mich ist entscheidend aus welchen Motiven Menschen handeln! Machen sie es wirklich um einen Beitrag zum Guten zu leisten oder eher um gut da zu stehen, gelobt und anerkannt zu werden, das Gefühl zu haben gebraucht zu werden, weil sie tief in sich einen geringes Selbstwertgefühl zu haben?!

    • Astrid Felder schreibt am 5. Februar 2017

      Hallo!
      Ich denke, dass es eher umgekehrt ist: wenn jemand seine ganze Energie in eine Sache steckt, die dieser Person wichtig ist, fühlen sich jene, die sich mit anderen Menschen vergleichen, als zweite Geige und möchten den Geber ausbremsen, um selber wieder ‚wichtiger‘ zu sein. Wenn man das Potenzial eines Menschen als Geschenk sieht, kann man ja einfach seine Kraft dort einsetzen, in dem man selber Potenzial hat. Falls sich diese Bereiche überschneiden, kann in einem friedlichen Gespräch eine klare Einteilung erfolgen – in dem Bewusstsein: ‚Je mehr an dieser Sache dran sind und ihre positive Energie investieren, umso besser! Es können sich gar nie genug Menschen für Umweltschutz, Tierrechte und Menschenrechte einsetzen.‘ Astrid

    • July schreibt am 9. Februar 2017

      Hallo Hildegard,
      Da ich mich in deinem Artikel erkenne, würde ich mal auf deine Frage folgende Antwort geben. In meinem Fall ist es die Unzufriedenheit, wenn der Hilfesuchende selbst die Lösung in die Hand nimmt, es nicht 100% gut Erfüllt. Deshalb machte ich das gleich selbst für den.
      Ich habe es million Mal gesehen das ich damit recht hatte, aber ich habe damit den Menschen unbewusst abhängig von mir gemacht und ihm die Selbständigkeit genommen. Deshalb versuche ich mich jetzt Abzugrenzen, und das ist garnicht so einfach.

  • Hallo Mathias,
    danke für deinen Artikel. Gerade habe ich über das Thema nachgedacht (weswegen ich ja uch auf diese Website gestoßen bin) und fand deinen Artikel total hilfreich. Das sind echt interessante Forschungsergebnisse. Mir sind natürlich sofort einige Geber-Typen eingefallen in meinem Umkreis. Auch von beiden Sorten. Was denkst du, ich hab manchmal den Eindruck, dass Geber-Typen, wenn sie erfolgreich werden teilweise zu Nehmer-Typen werden. Denkst du, dass das eine Gefahr ist?

    • Doro schreibt am 5. Februar 2017

      Hallo Johanna,
      ich habe eher den Eindruck, dass die erfolglosen Geber-Typen zu Nehmer-Typen werden können, speziell, weil sie spüren, dass sie immer ausgenutzt werden und dann irgendwann in einem Anflug von Selbstschutz über ihr Ziel hinaus schiessen und komplett dicht machen, um sich selbst zu schützen.
      Einen schönen Sonntag
      Doro

    • Mathias Rudolph
      Mathias Rudolph schreibt am 6. Februar 2017

      Hallo Johanna,

      Adam Grant sagt dazu, dass wir alle eine „Standarteinstellung“ haben. Unser Stil definiert sich ein bisschen über unsere Gemüt und natürlich auch etwas über unsere Erziehung. Aber: Jeder kann seinen Stil selbst aussuchen und verändern. Am Ende des Tages kann also auch ein Geber zu einem Nehmer werden und umgekehrt.

      Es kann also durchaus sein, dass Geber-Typen manchmal zu Nehmer-Typen werden. Ob das jetzt mit Erfolg zusammenhängt oder nicht, das kann ich weder bestätigen noch widerlegen.

      Aus meiner persönlichen Erfahrung sehe ich es eher so wie Doro. Ich kenne auch ein paar „enttäuschte“-Gebertypen die dadurch zu Ausgleichenden oder zu Nehmern geworden sind.

      LG

      Mathias

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