Selbstannahme-Challenge 2017

Erfahrungen eines Weltreisenden: wie du dir den Traum einer Weltreise erfüllen kannst

jan-peterson

Vor einiger Zeit haben wir bei uns im Newsletter eine Umfrage gemacht mit der Frage: 

„Wovon träume ich? Was würde ich tun, wenn ich nicht scheitern könnte, alle Zeit, alles Geld, allen Mut hätte?“ 

Und die Top-1-Antwort war: Eine Weltreise machen. 

Jan Peterson hat nach 10 Jahren seinen sicheren Job bei der Daimler AG hingeschmissen und war von September 2009 bis März 2011 für 18 Monate mit seiner Frau Verena auf Weltreise. 

Aktuell ist er gerade wieder auf der Suche nach einer besseren Balance zwischen der Arbeit und der Zeit für sich selbst und die Familie. 

Grund genug, um ihn mal nach seinen Erfahrungen zu befragen. 

Interview mit einem Weltreisenden

Mathias: Jan, viele unserer Leser träumen ja davon, einmal eine Weltreise zu machen. Und du hast das gemacht, bist einmal um die Welt gereist. Ich möchte all denen, die von einer Weltreise träumen, mal einen kleinen Einblick in deine Reise und deine Erfahrungen geben.

In meiner ersten Frage geht es um deine Ausgangssituation: Wie war deine Lebenssituation in 2009?

Jan: Gereist sind wir schon immer gerne. Und ich habe im Sommer 2008 von Verena ein Buch geschenkt bekommen und das Buch nannte sich „Der Auszeiter“. Das Buch handelte witzigerweise von einem Manager, der bei Daimler gearbeitet hat, so wie ich ja damals auch. 

Und dieser Manager hat während der Weltwirtschaftskrise 2001/2002 die Entscheidung getroffen zu reisen. In dem Buch hat er sehr anschaulich beschrieben, was das mit ihm gemacht hat, wie ihn das verändert hat. 

Das war insofern sehr interessant für uns, weil wir eben auch beide bei Daimler waren, also einem großen Konzern. Da war der Samen gesetzt, das war im Sommer 2008. 

Nach dem Sommer 2008 fing es in Zeiten der Finanzkrise auch insbesondere bei Daimler an zu bröckeln. Ab Anfang 2009 war in dem Projekt, in dem ich bei Daimler gearbeitet habe, nur noch sehr wenig Budget und es war nur noch wenig zu tun. Also es wurde tatsächlich tagsüber echt langweilig.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Daraufhin haben wir Anfang 2009 angefangen mit einer konkreten Planung. Dann haben wir also wirklich überlegt: Budget, wohin, wann, wie wollen wir reisen? Das haben wir über mehrere Wochen gemacht.

Im April 2009 kam dann der nächste Schritt. Wir hatten uns beide erkundigt wegen der „Sabbatical“-Möglichkeiten. Wir hatten beide sehr großen Respekt vor diesem „Cut“ und eines der wichtigsten Dinge für uns aus der damaligen Perspektive war, dass wir eine Sicherheit haben wollten, wenn wir zurückkommen. Das war eben eine Sabbatical-Vereinbarung von Daimler.

Das hat bei Daimler ziemlich gut reingepasst. Wir haben also gesagt, wir würden gerne dieses Sabbatical für 12 Monate machen, und da war die Antwort eher so: „Warum nur 12 Monate?“ Dann haben wir auch gleich 18 draus gemacht …

Mathias: O. k., also ihr seid also beide immer schon gerne gereist und die endgültige Inspiration kam dann für dich aus diesem Buch?

Jan: Ich würde jetzt sagen, wahrscheinlich wären wir auch ohne dieses Buch gefahren. Aber das hat schon viel dazu beigetragen … 

Diese Erfahrungen zu lesen und auch zu sehen, wie man da wiederkommt und wieder Anschluss findet … Und auch die Erfahrung von jemandem zu hören, dass das mit dem „Karriereknick“ und „hinterher keinen Job“ usw. alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird.

Mathias: Warum wolltest du eigentlich auf Weltreise gehen? Gab es da für dich bestimmte Gedanken, Hoffnungen oder Erwartungen, die du damit verknüpft hast?

Jan: Also, es war zum einen der Wunsch, auch mal auszubrechen aus diesem Trott. Ich habe sehr früh angefangen zu arbeiten. Ich habe ja nicht studiert, sondern bin direkt nach der Schule in eine Ausbildung und nach der Ausbildung direkt in die Arbeit. 

Das heißt also, ich habe mit 24 schon fest angestellt gearbeitet, so wie viele erst nach einem Studium, wo man ja vielleicht auch mal ein Auslandssemester macht. Ich war 2009 also schon knapp 10 Jahre am Arbeiten.

Dann war es immer in früheren Urlauben so, dass wir gedacht haben: Es wäre schöner, wenn wir noch länger bleiben könnten … Wir würden auch gern das noch sehen und das noch sehen und das noch sehen … Und insbesondere Afrika hatte es mir auch angetan. Das war so eine Kombination.

Es war jetzt nicht so, dass wir gesagt haben: Wir wollen etwas ganz Spezielles verwirklichen auf dieser Reise. Es war jetzt kein Selbstfindungstrip oder so. 

Einfach mal auszubrechen und auch von außen auf Deutschland zu gucken. Und die Welt, in der wir leben, mal ein bisschen näher kennenzulernen.

Mathias: Gab es einen ganz bestimmten Moment, als du diese Entscheidung für die Weltreise getroffen hast, kannst du dich da erinnern, wie das bei dir genau war?

Jan: Es war bei uns ja eine gemeinsame Geschichte. Verena war mir gerade erst ein Jahr davor nach Stuttgart nachgezogen. Und vom Sommer 2008 bis zum Ende des Jahres 2008 war es immer so eine Idee, die eher so im Hinterkopf war, etwas weiter weg. 

Der Auslöser – oder nee, Auslöser ist das falsche Wort … Aber konkreter angefangen, mit dem Gedanken zu spielen, haben wir, weil wir gemerkt haben, dass es auf der Arbeit keine Herausforderung mehr gab. Es gab nichts mehr zu tun. 

Man kann sich das schwer vorstellen … Aber du bist morgens um 08:30 Uhr da hingekommen und hast ein paar Kleinigkeiten gemacht bis um 09:30 Uhr und dann hattest du nix mehr zu tun … Und durftest auch nichts machen, selbst wenn du wolltest, weil kein Budget da war.

Deshalb war einmal die Überlegung, sich beruflich zu verändern. Aber wir waren beide eigentlich sehr zufrieden bei Daimler und wollten da nicht unbedingt raus. Daraufhin haben wir das mit der Weltreise konkreter geplant.

In der Zeit von Januar bis April haben wir sehr, sehr viel selbst recherchiert. Bis zu dem Moment im April, wo wir das unseren Chefs gesagt haben, waren wir aber schon so gut vorbereitet und wussten schon so genau, dass das eher auf Zustimmung stößt, dass das rechtlich geht, dass es die Rahmenbedingungen dafür gibt. Deswegen war das eigentlich nur noch eine Pro-forma-Sache. Da ging es nur noch darum, wann geht es konkret los und wie lang reisen wir und wie ist das mit dem Wiedereinstieg.

Mathias: Das heißt, es war eher so ein fließender Übergang, oder hattest du das Gefühl, du musstest an einer Stelle ganz viel Mut aufbringen, um diese Entscheidung zu fällen?

Jan: Die meisten, die sich mit diesem Thema beschäftigen, haben zwei Punkte.

Das Erste ist, dass sie Angst davor haben, wie es weitergeht, wenn sie zurückkommen. Das ist, würde ich sogar sagen, Punkt Nr. 1. 

Das war für uns auch ein wichtiges Thema. Das konnten wir lösen mit dem Sabbatical und der Garantie, im Anschluss wieder einsteigen zu können.

Und das Zweite, was für viele eine große Rolle spielt, ist das Thema Geld. Reisen kostet Geld. 

Wir hatten aber beide vorher ein kleines Polster angespart. Im Hinterkopf eher für eine Immobilie. Aber dann haben wir uns gesagt, jetzt geht halt davon was für die Reise drauf.

Mathias: Ist das etwas, was du anderen empfehlen würdest, diese zwei Angstpunkte vorher schon ein bisschen zu klären, bevor man losfährt?

Jan: Man kann auch reisen mit sehr wenig Geld, zum Beispiel mit „Work and Travel“ und solchen Dingen. Weltreisen geht mit viel weniger, als wir dafür ausgegeben haben. 

Wir haben mal bewusst die Entscheidung getroffen, dass wir weniger Zeit mit Arbeiten und mehr mit Reisen verbringen wollen.

Und das mit dem Wiedereinstieg ist eine sehr typisch deutsche Angst, die in meinen Augen völlig unbegründet ist … Die man aber hat, wenn man das nicht am eigenen Leib erlebt hat.

Jeder Mensch in Deutschland, der wirklich arbeiten will und der ein bisschen was kann und etwas Flexibilität mitbringt, der findet meiner Meinung nach einen Job. 

Und im Nachhinein betrachtet … haben wir beide dieses Wiedereinstiegsangebot nicht angenommen. (Lacht.) 

Wir haben beide was anderes gemacht. Wir sind beide im Nachhinein betrachtet glücklicher, dass wir das so gemacht haben. 

Mathias: Würdest du sagen, dass diese ganze Reiseerfahrung deine damit verknüpften Erwartungen erfüllt hat? Oder vielleicht auch eher nicht? 

Jan: Die Welt zu sehen, mit Menschen Kontakt zu haben, mehr Zeit zu haben, das hat sich alles erfüllt. 

Erfahrungen, die wir vorher nicht so konkret auf dem Schirm hatten, die wir dann aber hautnah erlebt haben, waren …

Erstens: Zu sehen, wie verdammt gut es uns hier in Deutschland geht! Und dass man das in Deutschland auch oft vergisst, weil man ja auch jammert über viele Dinge. 

Wir haben ganz, ganz viele Menschen kennengelernt, die sehr, sehr glücklich sind, obwohl sie nur einen Bruchteil von dem haben, was wir haben … 

Kinder, die 4 km Schulweg haben und die an Berghängen langlaufen müssen … kein fließend Wasser und keinen Strom haben und trotzdem irgendwie spielen und glücklich sind … Diese Erlebnisse, das war absolut beeindruckend. Und das hat auch unser Denken verändert. 

Zweitens: Dass Weltreisen nicht so sind wie ein langer Urlaub … Die Erfahrung haben wir auch erst gemacht, als wir unterwegs waren. Es ist einfach so, dass du Dinge im Leben organisieren musst. Und wenn du 3 bis 4 Wochen in Urlaub fährst, hast du die Dinge vorher und nachher organisiert. 

Wenn du aber so lange weg bist, geht immer ein Tag pro Woche drauf für E-Mails, waschen, gucken, wo wir mal als Nächstes hinwollen, Organisation, Recherche. Das ist also einfach ein anderes Reisen als ein langer Urlaub.

Und die dritte Erfahrung, die wir gemacht haben, ist: Man kann auch vom Weltreisen müde werden. Man stumpft manchmal etwas ab. Mir ging’s noch mehr so als Verena.

Da ist der nächste hohe Berg oder das nächste tiefe Tal auch wieder wie ein anderes, was du vorher schon mal in einem andren Land so ähnlich gesehen hast … Da gab es auch kleine Downs während der Reise. Und dafür war dann die Pause, die wir nach einem Jahr gemacht haben, sehr, sehr gut.

Heute würde ich langsamer reisen, als wir gereist sind. Ich würde mir weniger vornehmen. Ich würde mir statt 10 Zielen lieber 5 raussuchen und die dafür länger und intensiver bereisen. 

Denn je länger du an einem Ort bleibst, desto schöner ist das auch und desto größer ist die Chance, dass du mit denen, die dort leben, in Kontakt kommst und Erlebnisse hast. Wann immer wir das hatten, waren das ausnahmslos tolle Erfahrungen.

Mathias: Gab es etwas, das dich als Mensch auf dieser Reise verändert hat? Also, wer war Jan Peterson vor der Reise und wer war Jan Peterson nach dieser Reise?

Jan: Da gab’s auf jeden Fall mehrere Sachen. 

Das Erste ist, ich bin lang nicht mehr so wahnsinnig sicherheitsorientiert und ängstlich. Was ich vorher war.

Ich habe eine viel größere Bereitschaft, auch mal was Neues auszuprobieren, auch mal was Neues einzugehen. 

Ich habe eine viel größere Zuversicht in das, was ich kann, und das, was ich möchte.

Ich habe einen anderen Blick auf das, was ich im Leben machen möchte. Auch insbesondere dadurch, dass jemand, der wie ich seine Ausbildung macht und anschließend anfängt zu arbeiten und nie in seinem Leben etwas anderes gemacht hat, dem fällt es schwer, auch mal von außen draufzugucken. Aber genau das haben wir gemacht. Und das hat unsere Einstellung dazu, wie wir leben wollen und was uns im Leben wichtig ist, verändert.

Für mich war nach der Reise klar, dass ich mehr selbständig tun möchte im Leben und weniger fremdgesteuert sein will. Das war u. a. dann der Grund, warum ich das Wiedereinstellungsangebot nicht mehr angenommen habe, sondern mich selbständig gemacht hab. 

Privat konzentrieren wir uns in unserer Urlaubsplanung auch sehr viel mehr darauf, vor Ort zu erleben, wie die Leute dort sind, also die Kulturen und Länder besser kennenzulernen und fernab von klassischen Touristenorten Urlaub zu machen.

Mathias: Das sind also so Punkte, wo du sagen würdest, da bist du als Mensch gewachsen?

Jan: Ja. Und die Erlebnisse mit den Menschen, die sehr viel weniger haben, aber trotzdem sehr glücklich sind, die haben dazu geführt, dass ich die Dinge hier nicht mehr so wichtig nehme. Ich muss nicht das dickste Auto haben, das größte Haus und ins beste Restaurant essen gehen … Das ist überhaupt nicht so wichtig und auch kein Weg, um glücklich zu werden. Das hat mich verändert.

Es haben sich auch viele Vorurteile abgebaut. Ich war vorher überhaupt kein Fan von Asien. Das war jetzt nicht so, dass ich groß was dagegen gehabt hätte, aber es hat mich nicht gereizt. Und wenn mich heute einer fragen würde: „Du darfst nochmal los, wo willst du denn als Erstes hin?“ Das wäre ganz viel in Südostasien.

Ich hab auch viel weniger Berührungsängste, in Ecken zu reisen, wo man vorher noch nicht so war. In ein Dschungeldorf zu gehen und dort mal mit den Menschen zu leben, davor hätte ich heute viel weniger Angst. 

Mathias: Als du von deiner Reise zurückgekommen bist, was ist da in deinem Leben passiert? 

Jan: Wenn man erstmal zurück ist, hat man sehr viele Überlegungen was man anders machen will, wie man anders leben will … Aber man muss wahnsinnig aufpassen, nicht wieder in dieses Hamsterrad reinzukommen. 

Mir ging es beispielsweise so, dass ich ganz klar gesagt habe, ich will Teilzeit arbeiten, ich will nicht mehr Vollzeit arbeiten. Um eben auch diese Dinge, die wir auf der Reise erlebt haben, und die Dinge, die uns im Leben wichtiger waren als Arbeit, verwirklichen zu können. 

Da war der Schritt in die Selbständigkeit sicherlich der richtige. Auf der anderen Seite sind wir beide wieder relativ schnell in diesen Trott reingekommen und ich hab am Ende wieder genauso viel gearbeitet wie vorher im Vollzeitjob …

Ich war zwar selbständig, aber ich war dann ja auch nur beauftragt von anderen Firmen, Dinge zu tun. Es war ähnlich wie das, was ich vorher als Angestellter gemacht hab, dann halt nur als Freiberufler …

Wir haben uns nach einiger Zeit auch schon wieder in die Augen geguckt und gesagt: Eigentlich tun wir jetzt das Gleiche wie vorher. (Lacht.) Fast genauso schlimm.

Wertvoll war dann dieses Bewusstsein, dass es auch anders geht. Die Erfahrung, die wir gemacht haben. 

Wir sind sozusagen wieder ein bisschen ins Hamsterrad reingerutscht und haben uns jetzt wieder ein Stück weit rausgezogen … Weil wir eben dieses Bewusstsein erlangt hatten, dass es auch anders geht und dass man es nicht so machen muss wie 99 % der Bevölkerung in Deutschland.

Mathias: Was waren denn für dich sonst noch so Punkte, wo du für dich gedacht hast: „Wenn ich nachhause komme, dann mache ich das anders“?

Jan: Es war immer der Gedanke da, auch ein bisschen weniger in der Wirtschaft zu arbeiten. Sondern auch ein bisschen was Sozialeres zu tun. Was zu tun, was Menschen hilft. 

Da waren zwei Ideen, also einmal das, was ich vorher in der Beratung gemacht habe, auch anders einzusetzen und nicht nur, um Leuten beizubringen, wie man besser Autos verkauft. 

Und der zweite Gedanke, den wir hatten, war, an den vielen Stellen zu helfen, die uns auf der Weltreise begegnet sind, wo wir gesehen haben, da wäre es gut, wenn Menschen helfen würden …

Mathias: … und dann kam aber das Hamsterrad wieder und dann hat es nicht mehr so geklappt?

Jan: In den ersten 3 Monaten nach der Reise hat ziemlich viel geklappt und da haben wir auch kleinere Dinge umgesetzt. Und dann schlich sich das so aus. Je mehr ich wieder ins Arbeitsleben reingerutscht bin, umso mehr sind die anderen Projekte in den Hintergrund geraten.

Mathias: Wenn du jemand anderem, der an einem ähnlichen Punkt steht, einen Rat geben könntest … Was kann man tun, damit man nicht wieder ins Hamsterrad rutscht?

Jan: Es ist nicht ganz einfach. 

Der äußere Einfluss ist natürlich wieder da, du wirst ja auch wieder umschlossen von dem, wo du vorher warst … Also den ganzen anderen Menschen, die in Deutschland leben, denken und arbeiten. Vielen Menschen, die diese Erfahrung nicht gemacht haben und sagen: „Aber du musst doch jetzt wieder arbeiten …!?“

Ich glaube, es ist wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen, was man erlebt hat und was man wirklich will. Und sich auch nicht leiten oder locken zu lassen von dem Geld, das war, um ganz ehrlich zu sein, auch ein Punkt. 

Wir sind natürlich mit viel, viel weniger wiedergekommen, als wir losgefahren sind, und dann hast du natürlich auch im Hinterkopf, du willst jetzt auch wieder Geld verdienen. 

Im Nachhinein wärs auch da sicherlich besser gewesen, zu sagen, lieber langsamer wieder mehr Geld verdienen und dafür mehr Zeit für die Dinge zu haben, von denen du gelernt hast, dass sie für dich wirklich wichtig sind.

Mathias: Das wäre also dein Rat, dass du sagst: „Geh es lieber ein bisschen langsamer an und erhalte die Zeit für dich selbst und versuche nicht gleich wieder Vollgas zu geben, weil du sonst wieder im Hamsterrad landest“?

Jan: Genau. Nicht zu sehr auf die Ratschläge derer hören, die überhaupt keine Erfahrung gemacht haben wie die, die du gemacht hast. Die also noch nie von außen draufgeguckt haben. Das ist das Erste.

Und das Zweite ist: Mach dir sehr bewusst, was du damals da erlebt hast und was dir wichtig war, und vergiss das nicht, wenn du wieder im deutschen Alltag bist.

Und drittens: Erinner dich dadran. Inzwischen habe ich einen Bildschirmschoner, der die Bilder der Reise zusammenfasst. Erstaunlich, wie oft ich dann hier sitze und denke: Das muss ich mir noch mal genauer angucken. Und guck mir dann die Bilder an. Das sind immer wieder positive schöne Momente. Ich sitze ja jetzt auch wieder im Arbeitsalltag und diese Erinnerungen, die sind sehr hilfreich.

Mathias: Das wäre also etwas, was man konkret machen kann, um nicht so sehr wieder ins Hamsterrad reinzurutschen, sich also regelmäßig selbst an diese schönen Dinge zu erinnern?

Jan: Absolut richtig. Und ein weiterer Punkt ist: Nimm deine Gefühle bewusster wahr. Ich hab erst viel später gemerkt, dass ich überhaupt nicht mehr glücklich bin … Ich bin da auch als Selbständiger reingerutscht und dann kam eins zum anderen. Und das war noch zu tun, und das musst du noch machen, und das muss noch fertig werden … 

Also für jemanden, der schon mal weg war, hat es unheimlich lange gedauert, wieder den Reset-Knopf zu drücken und sich darüber klar zu werden: Jetzt bist du wieder da, wo du eigentlich nie mehr hinwolltest.

Mathias: Wenn du jetzt in einem Satz die Frage beantworten müsstest „Die Weltreise hat sich für mich gelohnt, weil …“, wie würde dieser Satz bei dir lauten?

Jan: Die Weltreise hat sich für mich gelohnt, weil sie mich zu einem anderen, selbstbewussteren und viel bewussteren Menschen gemacht hat, der mehr weiß, was er will. 

Davon zehre ich heute noch. Und ich bin 1000-prozentig davon überzeugt, dass mein Leben ganz anders verlaufen wäre, wenn wir diese Reise nicht gemacht hätten!

Mathias: Was wären deine wichtigsten Tipps für Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind und auch über eine Weltreise nachdenken?

Jan: Lasst euch von den typischen Ängsten nicht abschrecken.

Habt keine Angst vor einem Karriereknick. 

Und macht’s einfach! 

Du triffst auf Reisen echt viele Gleichgesinnte, die ähnliche Sachen machen wie du … Und wir haben natürlich auch hinterher über den Blog Kontakt zu vielen Menschen bekommen, die das auch gemacht haben … Ich würde schätzen, ich kenne jetzt etwas über 100 Personen und Paare, die Weltreisen für längere Zeit gemacht haben, und ich kenne keinen Einzigen, der gesagt hätte: War ein Fehler.

Mathias: Vielen Dank für dieses coole Interview!

Jan: Hat mir sehr viel Spaß gemacht :-)

Jan Peterson

jan-peterson

Jan Peterson ist heute verheiratet (mit seiner damaligen Weltreisepartnerin ;-), hat eine 4-jährige Tochter und arbeitet freiberuflich an verschiedenen Projekten rund um Geschäftsentwicklung, Gründer-Coaching, Online-Marketing-Strategien und ab und zu auch noch für die Automobilindustrie.

Er lebt in Darmstadt und verbringt viel Zeit mit seiner Familie und genießt die Flexibilität, die er hat, wenn er aus dem Homeoffice heraus arbeiten kann.

Wer will, kann Jan Petersons damaliger Route auf www.einmal-um-die-welt.de folgen.

Wie finden Sie den Beitrag?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (22)
Loading...
 

Das eigene Leben besser machen

Endlich, endlich, endlich diese eine Sache bewältigen

Das Selbstcoaching-Programm zeigt dir, wie du deine Probleme aus eigener Kraft löst. Damit du diese Sache hinter dir lassen kannst.

Verbessere deine Lebensfreude durch Wissenschaft

15 einfach umzusetzende Tricks und Vorgehensweisen, mit denen du deine Lebensfreude in kleinen Schritt verbessern kannst.

Finde deine Klarheit, deinen Fixstern, deinen Kompass.

Mit diesem Selbstlernkurs findest du mehr über dich heraus, als du vorher für möglich gehalten hast. Auf eine gute Art. Finde deinen Kompass

Auch interessant?

Kommentare

  • Ich hab 2015/2016 eine 10 monatige Weltreise gemeinsam mit meiner Tochter gemacht. (56 und 27) Und wir beide bereuen keinen einzigen Tag. Wir sind aus Österreich und auch hier wird gerne geraunzt und vergessen, wie gut es uns eigentlich wirklich geht! Am meisten bewusst ist mir das am Beispiel Trinkwasser geworden. Wir drehen hier den Wasserhahn auf und haben überall ausgezeichnetes Trinkwasser. Das ist bei Gott micht überall so….Wieder zurück achte ich wesentlich genauer darauf, nicht unnötig Wasser zu verschwenden. Das ist ein Punkt. Und wie in dem Interview schon gesagt wurde, es ist wirklich erstaunlich wie glücklich und gelassen die Menschen sind, die nicht all den Luxus haben, den wir hier geniessen. Eine heisse Dusche z.B. ist nicht überall auf der Welt selbstverständlich.
    Ich hatte auch das Glück für ein Jahr von meiner Firma einen unbezahlten Urlaub zu bekommen. Jetzt arbeite ich wieder als Seniorenanimatorin so wie vorher und bin glücklich, diesen Job zu haben, weil er mir immer noch sehr viel Spaß macht.
    Meine Tochter hat innerhalb von vier Wochen nach Rückkunft wieder einen Job als Rezeptionistin in einem Hotel bekommen, denn sie musste ihrern Job für die Reise kündigen.
    Ich möchte diese Erfahrung in meinem Leben nicht missen und kann nur jedem, der überlegt so eine Reise zu machen, ans Herz legen: „Mach es einfach, du wirst es nicht bereuen!“
    Liebe Grüße
    Franziska

  • Ja, leider ist es in der Tat so, dass Geld vieles, ja sogar fast alles einfacher macht. Ich bin auch in dieser Situation – wenn ich Geld hätte würde ich sofort eine Menge Dinge machen…Seminare, Workshops, Weiterbildungen, Gesangsunterricht, Yoga-Retreats, ein tiny house kaufen, nach Sandiago di Compostella pilgern und auf jeden Fall eine Weltreise.

    Mir ist aber mit der Zeit aufgefallen, dass all diese Dinge nicht gänzlich unmöglich, nur schwieriger sind. Und Umdenken und über den eigenen Schatten springen erfordern.

    Im Internet gibt es eine Menge Angebote z.B. Urlaub gegen Hand zu machen. Oder Haussitting. Vielleicht kommt man so tatsächlich um die Welt, wenn man es gut organisiert. Vielleicht sogar, dass man sich jeweils ein kleines Taschengeld verdient, mit dem man wieder ein Stückchen weiterreisen kann. Und warum nicht nachfragen, ob jemand ein Yoga-Retreat gegen Kochen für die ganze Mannschaft tauschen mag usw usw usw.
    Ich muss sagen, ich habe es mich auch noch nicht getraut. Aber ich denke zunehmend: wenn ich nicht hier wegkomme liegt es vor allem an mir. Seitdem geht es mir mit dem finanziellen Frust deutlich besser.

  • Habe mich gerade geärgert – ist doch wieder ein klassisches Beispiel für – ja, man braucht Geld und ja – klar geht man Risiken ein, wenn man ein Sabbatical machen kann… Und ja – freiberuflich von zuhause in Work-Balance sein kann man in bestimmten Berufsfeldern gut – in den meisten aber nicht. Und dann noch anderen den Tipp zu geben: man kann mit viel weniger auskommen, als wir das getan haben – toller Tipp… Ich finde das oben beschriebene Projekt schon ziemlich privilegiert. Um für eine Weltreise etwas ansparen zu können – muss eben auch Geld übrig sein. Und in dem Fall hat es ja offenbar für Weltreise und Immobilie gereicht. Überhaupt stelle ich sehr häufig fest, dass Menschen, die anderen quasi vorwerfen, nicht immer nur zu jammern, sondern zu handeln, ihre Wünsche verwirklichen sollen – dies keineswegs immer aus eigener Kraft schaffen – sondern ausschließlich durch Hilfe anderer… Also ich kenne keine Aldi-Kassiererin, die sich mit einem Interiuerladen selbständig gemacht hat, weil das ihre wahre Berufung war, sondern eher die Teilzeitbeschäftigte mit gutverdienendem Ehemann… Also in diesem Sinne – Geld allein macht nicht glücklich – aber fast alles einfacher…

Deine Anmerkung zu diesem Beitrag?

Hausregeln: Wir lieben Kommentare :-) Auch kritische Anmerkungen. Solange sie respektvoll, fair, höflich und konstruktiv sind. • Und bitte, bitte, bitte kein Marketing in irgendwelcher Form (auch nicht für kostenlose Angebote) • Und bitte unter dem eigenen Namen schreiben (nicht als "Versicherungsvergleich" oder "Wasserbetten"). • Die Fotos neben den Kommentaren funktionieren übrigens über Gravatar. Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Eine Sekunde bitte noch…

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann lass dich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.

Ooooch, schon gehen?

Aber falls Sie diesen Beitrag gut fanden, dann lassen Sie sich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.

Warte, einen Augenblick!

Wenn du unsere Seite nützlich fandest, dann lass dich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.