Tagebuch inkl. Videokurs Gelassenheit

Konventionen sind von gestern?

Vor kurzem bin ich durch Zufall auf ein Buch gestoßen, das ich sehr kurios fand.

„Noblesse oblige“ von Christine Gräfin von Brühl.

Darin beschreibt sie das „wahre“ Leben des Adels. Seit 1919 ist der Adel in Deutschland abgeschafft. Adelstitel sind Teil des Namens geworden. Dennoch gibt es laut Schilderung der Autorin eine Parallelwelt, in der ein adeliges Leben stattfindet. Strenge Verhaltensregeln und Vorstellungen darüber, was „man“ tut oder nicht tut, spielen in diesem Leben eine große Rolle.

Ich habe das Buch (noch) nicht gelesen. Dennoch hat allein das, was ich über das Buch gelesen habe, mich zum Nachdenken gebracht. Ich fand es kurios, dass es diese Parallelwelt geben soll, in der das Leben nach Regeln stattfindet, die nur den Beteiligten bekannt sind. Ein Leben, das anscheinend sehr konsequent nach diesen Regeln gelebt wird.

Zum Glück bin ich frei

Wie erleichtert war ich, dass ich ja so viel freier lebe und derartigen Regeln nicht unterworfen bin. …

Eine Frage, die wir uns hier bei Zeit zu leben oft stellen:

Ist das so? Bin ich frei? Bin ich derartigen Regeln nicht unterworfen? Ist das wirklich so?

So ein Quatsch, denke ich mittlerweile. Denn mir ist aufgefallen …

Überall gibt es Regeln.

Partnerschaften, Freundschaften, Bekanntenkreise, Familien und Unternehmen, Vereine oder Behörden … es gibt alle möglichen Konventionen und unausgesprochenen Vereinbarungen, wie man sich verhält oder eben auch besser nicht verhält.

  • Wie begrüßt man sich? Umarmung, Shakehands, Küsschen links, rechts, links
  • Was ist verpönt? Kirchenzugehörigkeit, Fleisch essen, Vegetarier sein
  • Welche Status-Objekte hat „man“? Autos, Fahrräder, Handys, Kleidung, Immobilien, Jobs
  • Wie passend wird ein neuer Partner im Bekanntenkreis oder in der Familie wahrgenommen?
  • Worüber wird gesprochen und worüber eher nicht, was sind absolute „No-Gos“? Politik, Gesundheit, Beruf, Beziehung, Familie, Zukunftspläne, Probleme, Finanzen

Und wer die Regeln der jeweiligen Gruppe nicht berücksichtigt, ist schnell außen vor. Das kann dann peinlich oder unangenehm sein. Oder dazu führen, dass man sich ausgegrenzt fühlt. Wenn jemand z. B. über aktuelle politische Themen spricht, obwohl in dieser Runde gilt: „Über alles darf gesprochen werden, außer über Politik, Religion und Sex. Darüber spricht man nicht.“

Andererseits können viele Konventionen auch sinnvoll und oft sehr nützlich sein. Denn sie erleichtern in vielen Fällen den Umgang miteinander. Außerdem stärken sie das Zusammengehörigkeitsgefühl. Wir fühlen uns geborgener und vertrauter mit unseren Mitmenschen. In Freundschaften, im Kollegium oder im Verein.

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Ein bewusster Umgang mit Konventionen hat Vorteile

Ich finde, dass es sich lohnt, sich der unbewussten Regeln im eigenen Alltag bewusst zu werden, denn …

Du wirst empathischer und offener

Über unausgesprochene Regeln nachzudenken macht dich empathischer. Denn wer sich bewusst ist, dass es in seinem Umfeld diese und jene unausgesprochenen Regeln gibt, der hat mehr Verständnis für Menschen, die von außen in das Umfeld hineinkommen. Du gehst offener auf die neue Kollegin oder die neue Partnerin eines Freundes zu, wenn du dir bewusst bist: Die Regeln, nach denen wir hier funktionieren, sind nicht für jeden offensichtlich.

Du entscheidest bewusst: Will ich das so?

Die Konventionen, nach denen du dich verhältst, zu kennen, gibt dir die Gelegenheit, zu prüfen: Will ich das so? Schränken mich diese Konventionen ein? In welchen Situationen oder Beziehungen verbiege ich mich mehr, als ich eigentlich möchte?

Du schenkst dir selbst neue Erfahrungen

Die unausgesprochenen Regeln können der ideale Ausgangspunkt für spannende neue Erfahrungen sein. Denn vielleicht probierst du einfach mal aus, was geschieht, wenn du die unausgesprochenen Regeln brichst.

Wenn in deinem Bekanntenkreis normalerweise nicht über persönliche Probleme gesprochen wird …

Dann probier doch mal aus, was geschieht, wenn du eine Sache ansprichst, die dir grad nicht so leichtfällt. Starte nicht mit deinem allergrößten Problem, sondern wage ein kleines Experiment. Damit gibt es die Chance, dass sich deine Beziehung in eine neue und tiefere Richtung bewegt.

Oder umgekehrt: Wenn in deinem Bekanntenkreis viel über Probleme gesprochen wird. Nach deinem Geschmack vielleicht zu viel … Dann brich diese Gesprächsstrukturen einmal auf. Sprich bewusst von Positivem und Angenehmem. Versuch etwas Humor und Leichtigkeit in die Gespräche zu bringen.

Vielleicht gibst du damit einen kleinen Impuls, der von anderen gerne aufgegriffen wird. Und eure Gespräche werden wohltuender. Oder du probierst etwas anderes aus, um aus den gewohnten Bahnen auszubrechen.

Doch dazu musst du die unausgesprochenen Regeln und Konventionen in deinem Umfeld erst einmal ausmachen.

Meist reicht es, wenn du ein wenig bewusster durch deinen Alltag gehst. Dich immer mal zwischendurch fragst:

  • Was passiert hier gerade?
  • Welchen „Regeln“ folge ich dabei?
  • Könnte ich mich nicht jetzt auch ganz anders verhalten?
  • Wie würde mein Umfeld darauf reagieren?

Du kannst dir aber auch ein paar Fragen stellen und jetzt gleich herausfinden, welche Konventionen in deinen Freundschaften, an deinem Arbeitsplatz oder in deinem Verein gelten.

Mach dich auf die Spurensuche nach deinen Konventionen

Hier ein paar Fragen als Wegweiser auf deiner Spurensuche:

  • Welche Verhaltensweisen sind in deinem Kollegium, deinem Bekanntenkreis oder in deinem Verein besonders?
  • Wie war es für dich, als du an einem neuen Arbeitsplatz angefangen hast? Was war für dich am Umgang miteinander ungewohnt? Was fandest du irritierend?
  • Wie hast du dich an deinem neuen Arbeitsplatz blamiert, weil du nicht wusstest, was „man“ tut und was „man“ nicht tut?
  • Was fandest du besonders merkwürdig, als du das erste Mal bei deinem neuen Partner übernachtet hast? Oder auch als du das erste Mal seine Familie besucht hast?
  • Wie war es für dich, die Freunde deines Partners, deiner Partnerin kennen zu lernen?
  • Was ist deinem Partner, deiner Partnerin an dem Verhalten in deinem Freundeskreis aufgefallen? Was fand er oder sie dort merkwürdig?

Erkenntnisgewinn

Auf welche Konventionen oder unausgesprochenen Regeln bist du gestoßen? Hat dich die ein oder andere Antwort auf die Fragen überrascht? Hast du vielleicht gemerkt, wie gut dein Bekanntenkreis oder dein Team aufgrund dieser Regeln funktionieren? Schnurrt womöglich alles wie ein gut geölter Motor?

Oder hakt es irgendwo? Denkst du vielleicht: „Puh, das mach ich nur, weil es halt immer schon so war“? Oder: „Eigentlich würde ich mich gerne ganz anders verhalten“?

Konventionen sind nicht von gestern. Sie sind oftmals sinnvoll und verbinden uns miteinander. Wenn wir uns an diesen Stellen „konventionell“ verhalten, machen Konventionen und unausgesprochene Regeln unser Leben leichter und angenehmer. Aber da, wo sie uns davon abhalten, die zu sein, die wir sind und sein wollen – an diesen Stellen lohnt es sich, Konventionen und unausgesprochene Regeln in Frage zu stellen. Und an der ein oder anderen Stelle den Mut aufzubringen, sie zu durchbrechen.

Überlege dir, ob du manche Konventionen vielleicht lieber ändern würdest.

Und wenn ja, dann probier aus, wie du die unausgesprochenen Regeln, die dein Leben bestimmen, aufweichen kannst. Ich wünsch dir dabei viele positive Überraschungen. Und immer wieder auch das Gefühl der Geborgenheit und Vertrautheit, wenn du spürst: Hier bin ich Teil einer Gruppe, zu der ich gehöre, deren Konventionen mir vertraut sind.

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Kommentare

  • Ja, Regeln im Straßenverkehr sind in Ordnung. Allerdings bestehen heute noch immer Regeln, die auf mich einengend wirken. Welche Frau über 50 trägt noch Minirock. Ich. Wer schmeißt einen gut bezahlten aber nervtötenden Job hin? Ich. Wer ignoriert das Megakonsumfest des Jahres, also Weihnachten? Ich.
    Jeder muss für sich entscheiden, welche Konventionen zu ihm passen und welche nicht.

  • ..Regeln sind manchmal gut und wichtig z.B. Straßenverkehr,
    meine Lebensregel ist:
    Leben wie ich es für richtig halte,
    aber!!
    nicht auf Kosten Anderer.
    wünsche einen schönen Pfingstsonntag
    endlich kommt die Sonne raus :-)
    Wilhelmine

  • Als ich vor etwas über zwei Jahren in meinen neuen Job gewechselt bin, musste ich feststellen, dass es dort unausgesprochene Regeln galt, die mir gar nicht behagten. Ich selbst bin eher konventionell was die Umgangsregeln betrifft in Hinsicht auf Respekt vor dem Anderen usw.

    Dort herrschte ein schlechter Umgangston miteinander. „Niedriger“ gestellte Mitarbeiter wurden abgekanzelt wie dumme Schulmädchen und der Ton war mehr als rau. Nicht meine Welt. Ich habe durchgehalten, bin zu allen freundlich geblieben und es hat sich sehr gelohnt: auf mittlerweile (fast) allen Ebenen ist der Umgang freundlicher geworden und es ist ein Mit- und nicht mehr ein Gegeneinander. Teilweise musste ich Gespräche führen, dass ich mit dieser Art einander zu begegnen nicht arbeiten kann. Die Angesprochenen haben sich daraufhin (nicht alle natürlich) entschuldigt und versprochen, darauf zu achten und sie haben sich im Großen und Ganzen daran gehalten. Diese Menschen haben sich dann auch allgemein positiv entwickelt, was mich sehr freut.

  • Ja, Regeln sind wichtig, ohne Regeln gäbe es Chaos. Als ich Kind war da gab es noch Regeln, Regeln für einen Respektvollen Umgang mit einander, sie fehlen mir heute, sehr. Ja ich weiß, Regeln schränken auch manchmal ein, aber sie haben für alle gleichermaßen zu gelten. Heute mach jeder seine eigenen Regeln und setzt sie gegen den Anderen ein, wenn nötig auch gerichtlich. Sie setzen sich durch und meinen sie sind Sieger und merken nicht das sie das Chaos sind über das sie sich ärgern. Deshalb sind wir eine negatiev Gesellschaft mit ewigen Verlierern. Mir sind die leisen, ruhigen, besinnlichen und respektvoll miteinander umgehenden Menschen lieber. Ja, Ja ich weiß wenn ein Jeder macht was er will ist das viel Lustiger es bringt mehr Spaß aber auf Kosten Anderer.

  • Liebe Nicole,
    ich habe das Buch gerade gelesen und kann dir versichern, es lohnt sich nicht. spannend, dass dir soviel zu dem Thema einfällt! Mir ging es auch so. Das Thema ist interessant, das Buch nicht.
    LG Anja

  • Liebe Nicole,
    Danke für den Artikel, ein spannendes Feld! Ich finde auch, dass es wichtug ist, sich dem einmal oder auch immer wieder zuzuwenden. Denn es geht oft um die persönliche Freiheit, sein Leben so zu gestalten, wie man möchte. Konventionen, Muster und übernommene Glaubenssätze halten uns nämlich davon ab, unsere Träume in die Welt zu bringen, zumindest dann wenn es blockierende Regeln sind. Und genau das gilt es zu hinterfragen. Dieser Frage bin ich auch schon mal nachgegangen und habe über meine Intuition, mediales Schreiben, eine spannende Antwort erhalten.

    Alles Liebe
    Emanuela

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