50 % mehr Erfolg durch eine Frage an sich selbst

wissenswert

Diesmal geht es um ein sehr populäres Werkzeug in der Persönlichkeitsentwicklung: um selbstbestärkende Sätze, die man sich selbst vor schwierigen Aufgaben zusprechen soll.

So kann man sich vor einem Vorstellungsgespräch zum Beispiel sagen:

„Ich bin ein toller Typ. Erfolgreich, clever und kompetent. Ich geh da jetzt rein und hol mir den Job.“

Oder vor einer Präsentation, die einen verunsichert:

„Ich weiß, was ich kann. Ich glaube an mich und bin souverän und gelassen.“

Für viele Menschen gelten solche selbstbestärkenden Sätze als selbstverständliches Mittel, um sich selbst zu motivieren, sich Zuversicht und Selbstvertrauen zu geben.

Aber sind diese Sätze wirklich so wirksam? Wie sehr hilft es, sich tschakka-mäßig anzuspornen?

Wir sind vor kurzem auf eine noch weitaus wirkungsvollere Art gestoßen, sich selbst zu unterstützen. Und dieses Wissen möchten wir natürlich mit Ihnen teilen.

Die Wissenschaftler Senay, Albarracin und Noguchi haben in ihren Forschungen nämlich nachgewiesen, dass es weitaus wirkungsvoller ist, sich Fragen zu stellen, als sich selbstbestärkende Sätze zuzusprechen.

Sie untersuchten zwei Gruppen von Probanden. Beide Gruppen bekamen die gleiche Aufgabe zu erledigen. Sie sollten aus Wörtern andere Wörter bilden. Also so genannte Anagramme lösen. Die beiden Gruppen unterschieden sich nur darin, dass sich eine Gruppe vor der Anagramm-Aufgabe selbst zusprechen sollte, dass sie es schaffen würde, diese Aufgabe zu lösen. Die andere Gruppe sollte sich zuvor selbst fragen, ob sie es schaffen würde, diese Aufgabe zu lösen.

In einem zweiten Experiment sollten zwei neue Gruppen von Probanden vor der Anagramm-Aufgabe etwas aufschreiben. Den Probanden wurde gesagt, dass man das Geschriebene für eine Handschriftenanalyse benötige. Die eine Gruppe schrieb die Aussage „I will“ (Ich werde) auf. Und die andere schrieb die Frage „Will I?“ (Werde ich?) mehrfach hintereinander auf.

In beiden Experimenten sprachen die Probanden also auf unterschiedliche Weise mit sich selbst. Die eine Gruppe sprach sich selbst eine Aussage zu. Die andere Gruppe stellte sich selbst eine Frage. Einmal in Gedanken. Einmal schriftlich.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

In beiden Experimenten unterschieden sich die Ergebnisse der beiden Gruppen gravierend voneinander. Die Gruppe, die sich zuvor eine Frage gestellt hatte, konnte 50 % mehr Anagramme lösen als die Gruppe, die sich eine Aussage zugesprochen hatte.

Sich vor einer Aufgabe Fragen zu stellen ist also wesentlich hilfreicher, als sich selbstbestärkende Sätze zuzusprechen.

Statt sich also zu sagen:

„Ich bin ein toller Typ. Erfolgreich, clever und kompetent. Ich geh da jetzt rein und hol mir den Job“ fragt man sich besser:

„Bin ich ein toller Typ? Bin ich erfolgreich, clever und kompetent? Kann ich den Job bekommen?“

Wieso aber funktioniert so eine Frage besser als eine selbstbestärkende Aussage?

Die Erklärung besteht laut Studie darin, dass eine Frage eine Antwort hervorruft. Und in dieser Antwort werden unbewusst mögliche Strategien bzw. Argumente abgerufen, die einen selbst überzeugen, dass man die Aufgabe bewältigen kann.

Beispielsweise antwortet man sich selbst (in Gedanken):

„Ja, ich glaube, ich bin ein ziemlich toller Typ. Nicht immer, aber in meinem bisherigen Job habe ich ja schon bewiesen, dass ich meine Aufgaben gut bewältige. Ich finde mich in Ordnung. Ich bin kompetent und clever. Ich verstehe was von den Aufgaben, die in diesem Job wichtig sind. Bisher hatte ich mit meiner Arbeit Erfolg. Deswegen denke ich, dass ich diese Stelle bekommen kann.

Wenn du dich selbst motivieren willst, etwas zu schaffen, probiere es in Zukunft doch mal mit einer einfachen Frage. Zum Beispiel: Kann ich das schaffen? Gelingt mir dieses Vorhaben? Oder: Kann ich daran glauben, dass mir diese Sache gelingt?

So unterstützt du dich nämlich statistisch gesehen doppelt so stark dabei, deine Vorhaben in die Tat umzusetzen. Und eine fünfzigprozentig höhere Erfolgschance ist doch eine tolle Sache, oder?

Wir werden das jetzt auf jeden Fall mal selbst ausprobieren. Und wir würden uns natürlich freuen, wenn du mitmachen und deine Erfahrungen über die Kommentarfunktion mit uns teilst.

Falls du genauer lesen möchtest, worum es in den wissenschaftlichen Studien ging und wie sie genau durchgeführt wurden, dann lies doch einfach bei folgenden Links weiter.

Wilhelm, K. (2011). Schweigen ist Silber, Reden ist Gold. Auf: http://www.spektrum.de/alias/selbstgespraeche/schweigen-ist-silber-reden-ist-gold/1130042 (gefunden: 15.1.2014)

Senay, I., Albarracin, D., Noguchi, K. (2010). Motivating Goal-Directed Behavior Through Introspective Self-Talk: The Role of the Interrogative Form of Simple Future Tense. Auf: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3626423/ (gefunden: 15.1.2014)

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Kommentare

  • Da kann ich das schaffen ist eine geschlossene Frage ist würde mir die offene Frage, wie oder warum kann ich das schaffen eher weiterhelfen. Daisy muss ich mir meine eigenen Lösungswege überlegen. Nach dem Motto Eigenververantwortung.

  • Hallo zusammen, einerseits durch das Interesse an dem Job, der Aufgabe etc. und andererseits durch das erneute hinterfragen kommt man seiner eigentlichen Bestimmung sehr nahe. Und wenn man ehrlich ist und bei der Hinterfragung negative Argumente überwiegen oder man in die negative Gefühlsspirale kommt, wird man den Job wohl auch nicht bekommen oder die Aufgabe nicht positiv lösen können. Dann müsste man wohl erst mal an seiner Persönlichkeit arbeiten (z.B. „Finde deinen Kompass“). Ich finde das Argument der Fragestellung sehr plausibel und werde es auf jeden Fall ausprobieren. Ich bin schon sehr gespannt, wie es sich auswirkt. Mir hat der Beitrag sehr gut gefallen. Vielen Dank dafür.

  • Der Beitrag gefällt mir sehr. Ich denke durch eine Frage rege ich mein Unterbewusstsein an mich bei der Bewältigung einer Aufgabe zu unterstützen. Affirmationen sind mir oft zu dogmatisch und führen bei mir meist zum Gegenteil, nämlich, dass ich unbewusst suche, wieso die Aussage nicht stimmen kann.

    @Ulli, ich bin davon überzeugt, dass ich bei einem Vorstellungsgespräch genau wie mein Gegenüber 50% Einfluss auf den Ausgang des Gesprächs habe. Wer sonst sollte den haben? Ich kenne die Theorie, dass wir keinen freien Willen haben, dass wir keine Entscheidungsfreiheit haben… Ich kenne auch die Theorie, dass wahr ist was wir glauben… Ich fühl mich besser damit zu glauben, ich habe Einfluss, denn so erlebe ich, dass ich ihn habe. :-)

  • Ich denke, dass bei einer so offenen Fragestellung viel davon abhängt, wie man sich gerade fühlt.
    „Werde ich es schaffen“ kann schliesslich auch zu einer negativen Spirale führen: „Warum sollte es mir diesmal gelingen, ich habe doch schon so oft…“
    Ich finde eine positiv formulierte Frage sinnvoller: „Warum werde ich es schaffen…“, „Warum bin ich geeignet für…“
    Diesen Ansatz habe ich bei Noah St John kennengelernt. Er nennt ihn iAfformations.

    • Astrid schreibt am 26. Januar 2014

      Hallo liebe Iris, hier fällt mir Precht in abgewandelter Form ein ;-):
      Werde ich es schaffen und wenn ja, warum?

      Herzliche Grüße, Astrid

    • Diana schreibt am 27. Januar 2014

      Das sehe ich auch so.
      Fragestellungen wie z. B.
      Warum genau kann ich das schaffen? oder
      Wie genau kann ich das schaffen?
      halte ich für konstruktiver. Das Ergebnis nehme ich gerne dann zusätzlich als Affirmation oder kleines Erinnerungskärtchen.

  • Die Wirkung von Affirmationen – jedenfalls bei mir – habe ich schon immer bezweifelt. Bei Peter Schellenbaum habe ich dann einen ersten Hinweis bekommen: Solche Sätze können nur dann wirken, wenn ich damit in Resonanz bin, d.h. den Inhalt auch wirklich fühle. Ist das nicht der Fall, leugne ich das, was momentan in meinem Leben wirk-lich ist und damit schwäche ich mich selbst. Außerdem klingt ein Satz wie „Ich schaffe dass“ eher wie „Ich muss das schaffen“ und erzeugt sofort Anspannung und Erfolgsdruck, von dem es schon genug gibt, denn Scheitern ist in unserer Gesellschaft verpönt. Außerdem geht jedwede Neugier auf den möglichen Lösungsweg und auch die Freude verloren.
    Vor einiger Zeit gab es in einem Kurs bei ZzL den Hinweis auf „Afformationen“, also Sätze in Frageform. Die Frage „Wie kann es gelingen?“ schafft Entspannung, Offenheit für Ideen und kleine Schritte, die ich gehen kann.

  • Danke für den Beitrag. Es klingt für mich sehr einleuchtend. Denn die gestellte Frage regt uns zum Reflektieren an, dazu Pro und Contra abzuwägen, Stärken und Hindernisse einzubeziehen und den Glauben an den eigenen Erfolg zu stärken. Bei Affirmationen schwingt oft doch noch ein Zweifel mit. Und der stärkt mich nicht.

  • Das ganze hat mich nicht überzeugt. Schon gar nicht der aufbauende Satz und auch nicht die Fragestellung. Das Beispiel mit dem Job fand ich auch ungeeignet, da ich bei einem Vorstellungsgespräch nur wenig Einfluss auf das Ergebnis habe. Problematisch wird es, wenn man dann auch noch wahrheitsgemäß antwortet. In so einer Situation hilft es zu erkennen, das egal was auch passiert, ich mich nicht in Frage stelle und das Ereignis nicht Lebenswichtig für mich ist. Ich würde in der entsprechenden Woche Sport machen und musizieren um mich zu entspannen. Damit hätte ich alles getan was nötig ist, und das war es schon. Wenn man dann noch sieht was für Pappnasen z.B. den Job als Verteidigungsminister bekommen, dann brauche ich mir keine Gedanken machen über den Zusammenhang von Erfolg und Fähigkeiten. Fragen sind sehr gut um sich selbst besser kennen zu lernen. Fragen sind sehr wichtig um mich zum Ziel zubringen, um etwas zu verstehen. Mit Fragen kann ich jemanden zur Einsicht bringen ohne dass er sich gemaßregelt fühlt, da er sich die Antworten ja selber gibt. Aber in ihrem Beispiel machen sie einen entscheidenden Fehler. Die Macht der Psychologie wird wieder überschätzt. Wir können unser Leben nun einmal nicht selbst bestimmen. Fragen Sie mal mein Opa der Stalingrad mitgemacht hat.

  • :) da denk ich spontan an die lieblingsfigur meines dreijährigen sohnes. und deren motto: „können wir das schaffen?“ – „yo, wir schaffen das!!!“ (bob der baumeister)
    ..gut zu wissen, dass sich damit sogar eine positive gewohnheit einprägt – der spruch ist nämlich auch schon in unseren alltag eingezogen :)

    • Manuela schreibt am 13. Juli 2016

      Schön, mit solchem Gedanken aufzuwachsen und wie wertvoll. Danke für den Kommentar!

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