Wieso 1000 Möglichkeiten dich auch nicht glücklicher machen

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Die Wahl zu haben, das macht uns glücklich. 

Aprikosen- oder Himbeermarmelade … 

Blaues oder grünes T-Shirt … 

All das sind alltägliche Kleinigkeiten, bei denen du und ich die Wahl haben, was für uns vollkommen selbstverständlich ist. 

Im Kleinen wie im Großen die Wahl zu haben, das trägt sehr stark zu unserem persönlichen Glücksempfinden bei. Auch wenn uns das nicht unbedingt mehr so bewusst ist …

Aber wer es schon mal anders erlebt hat, der weiß, was ich meine. 

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie ich als kleiner Junge nach dem Fall der Mauer Menschen im Supermarkt vor den vollen Regalen habe weinen sehen.

Und als jungen Erwachsenen ging es uns irgendwann allen so: Wir durften plötzlich selbst entscheiden, was wir essen wollen, wie lange wir wach bleiben, wohin es in den Urlaub geht.

Selbst entscheiden und aussuchen zu können, ist ein Ausdruck unserer Freiheit und Selbstbestimmung. Deswegen fühlen wir uns gut, wenn wir selbst die Wahl haben. 

Es ist deine Wahl, triff die beste Entscheidung!

Inzwischen haben wir aber nicht nur die Wahl … Wir haben die XXXXXXXL-Wahl. Denn wir leben in einer Zeit nahezu unendlicher Möglichkeiten und Optionen.

Jeden Tag musst du nicht nur zwischen 20 Marmeladensorten aussuchen, sondern das Ganze musst du im Schnitt auch noch bis zu 20.000 Mal am Tag machen. So viele Entscheidungen treffen wir Verhaltensforschern zufolge nämlich pro Tag.

Diese schiere Masse an Optionen und Entscheidungen kann uns ganz schnell überfordern. Und das äußert sich in interessanten Phänomenen unserer modernen Zeit:

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

  • Wir haben zwar alle möglichen technischen Hilfsmittel, die uns enorm viel Zeit sparen – aber wir haben gefühlt immer weniger Zeit …
  • Wir haben dank Parship, Tinder und all den anderen Partnerbörsen immer mehr Möglichkeiten, einen Partner/eine Partnerin zu finden – aber es fällt uns immer schwerer, uns fest zu binden …
  • Wir haben nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, uns ein Leben nach unseren Träumen zu erschaffen, ganz so, wie wir es selbst wollen – aber wir wissen nicht genau, was wir überhaupt wollen …

Das alles sind Entwicklungen, die in gewisser Weise Ausdruck von Überforderung sind. 

Einer Überforderung aufgrund einer überbordenden Anzahl von Möglichkeiten. 

Bist du vielleicht Teil des Problems?

Die schier unendliche Anzahl von Möglichkeiten ist aber nur die eine Hälfte des Problems. Die andere Hälfte des Problems könnte was mit dir zu tun haben. Mit dir und damit, wie du deine Entscheidungen triffst … 

Denn die Art und Weise, wie du Entscheidungen triffst, steht in direktem Zusammenhang damit, wie glücklich du bist. 

Ja, du hast richtig gelesen. Der Psychologe Barry Schwartz hat das erforscht und zwei unterschiedliche Entscheidungs-„Typen“ definiert: den „Genügsamen“ und den „Maximierer“. 

Und er hat festgestellt: Wenn du ein sogenannter Maximierer bist, dann machen dich zu viel Auswahl und Möglichkeiten nicht glücklicher, sondern sogar unglücklicher.

Die Gleichung „mehr Auswahl und Möglichkeiten = mehr Selbstbestimmung = mehr Glück“ stimmt also nicht immer. Mehr Möglichkeiten sind nicht immer besser, insbesondere dann nicht, wenn du ein Maximierer bist.

Maximierer oder Genügsamer? Ein Beispiel

Du fragst dich vielleicht grad: „Was ist denn der Unterschied zwischen Maximierer und Genügsamem? Und bin ich womöglich auch ein Maximierer?“

Den Unterschied kann man am besten an einem Beispiel deutlich machen. 

Stell dir vor, du willst dir ein neues Fahrrad kaufen.

Der Entscheidungstyp des Genügsamen definiert dafür seine Kriterien. Beispielsweise so: 

„Ich suche nach einem Trekking-Bike, schwarz, mit Gepäckträger für maximal 600 €.“ 

Und dann sucht er nach Fahrrädern, die diesen Kriterien entsprechen.

Sobald er ein solches Fahrrad gefunden hat, vergleicht er vielleicht noch mal die Preise bei unterschiedlichen Anbietern. Aber wenn seine Kriterien erfüllt sind, kann der Genügsame eine Entscheidung treffen und alles ist gut. Er ist dann glücklich mit seiner Entscheidung. 

So entscheidet ein Maximierer 

Einem Maximierer würde die Entscheidung hingegen nicht so leichtfallen … Denn der Maximierer möchte nicht nur eine gute, sondern die beste Entscheidung treffen! 

Und das wird sichergestellt, indem er alle Alternativen bis in Detail gegeneinander abwägt.

Um beim Beispiel des Fahrrads zu bleiben: Der Maximierer würde ebenfalls ein Fahrrad suchen, das seinen Kriterien entspricht. Doch dann würde die Suche noch lange nicht aufhören …

Als Nächstes würde der Maximierer analysieren, welche Gangschaltung besser ist, welches Bremssystem für ihn besser geeignet wäre usw. Außerdem würde er so lange nach Angeboten suchen, bis er sich zu 110 % sicher ist, wirklich das beste Angebot gefunden zu haben.

Selbst wenn der Maximierer sich dann irgendwann entschieden hat, ist er trotzdem noch nicht zufrieden. Denn er fragt sich ständig: War das wirklich die beste Entscheidung? Oder hätte ich für das Geld vielleicht noch ein besseres Fahrrad bekommen können?

Warum 1000 Möglichkeiten für den Maximierer ein Problem sind

Die allerbeste Entscheidung zu treffen, das ist bei einer unermesslichen Anzahl an Möglichkeiten ja nahezu unmöglich. Deshalb sind Entscheidungsprozesse für Maximierer auch weitaus komplexer und ein Maximierer fühlt sich davon auch schnell mal überfordert. 

Für den Genügsamen sind hingegen 995 der 1000 Möglichkeiten irrelevant, sobald er eine passende Alternative für sich gefunden hat.

Zusammengefasst hat der Genügsame also realistische und erreichbare Kriterien und gibt sich auch zufrieden, wenn seine Standards und Kriterien erfüllt werden.

Der Maximierer hingegen hat sehr hohe Ansprüche und strebt immer nach dem Allerbesten. Deshalb ist er nie zufrieden, sondern schaut immer, ob es auch noch besser geht. Wenn er eine Entscheidung getroffen hat, dann plagen ihn Zweifel.

Und dadurch, dass der Maximierer seine Entscheidung im Nachhinein ständig in Frage stellt, wird er dann über kurz oder lang auch unzufrieden. Weil er sich in Zweifeln verfängt. Und immerzu denkt: „Vielleicht wäre es doch besser gewesen, wenn ich …“ 

Wieso der Maximierer am Ende schlechter dran ist

Aber Moment mal: Wenn ich so hohe Ansprüche an mich und meine Entscheidungen habe, dann hat das doch auch Vorteile, oder? Denn dann bringe ich es doch am Ende auch zu mehr im Leben! Nicht wahr? 

Objektiv betrachtet vielleicht schon. 

Maximierer haben von außen betrachtet vielleicht den besseren Job, den exotischeren Urlaub oder das schöner eingerichtete Haus. 

Aber die Krux ist: Sie sind damit nicht glücklich. 

Denn sie zweifeln ständig an ihrer Wahl und haben Angst, es könnte die falsche Entscheidung gewesen sein, die sie womöglich hinterher bereuen. Sie fühlen sich nicht gut mit den von ihnen getroffenen Entscheidungen.

Ganz im Gegensatz zu den „Genügsamen“, die es von außen betrachtet nicht so weit gebracht haben, damit selbst aber ziemlich glücklich und zufrieden sind.

Wenn es also um die Zufriedenheit geht, ziehen die Maximierer im Vergleich klar den Kürzeren:

  • Sie sind weniger glücklich und oft nicht sehr zufrieden mit ihrem Leben. 
  • Sie können weniger genießen als Genügsame. 
  • Sie grübeln häufiger und brauchen auch länger, um sich nach Rückschlägen wieder zu erholen. 
  • Sie sind weniger optimistisch und haben häufiger Depressionen als Genügsame. 

Wie hier genau der Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ist, darauf haben Psychologen noch keine Antwort.

Ein Maximierer verursacht sich sein Unglück selbst

Als Maximierer hast du mit den vielen Auswahlmöglichkeiten also keinen Vorteil gewonnen. Du bist nicht glücklicher oder besser dran, sondern als Maximierer wirst du dadurch unglücklicher. Und das ist auch logisch. 

Denn natürlich verursacht es enormen Stress, wenn ich mich ständig fragen muss, ob ich wirklich die beste Entscheidung getroffen habe …

  • Ist dieser Job wirklich der beste für mich? 
  • Ist meine Partnerin wirklich die richtige für mich? 
  • Ist mein jetziges Lebensmodell wirklich das, was ich will?

Das sind Fragen, die einem Maximierer durch Mark und Bein gehen. 

Und das Problem mit diesen Fragen ist, dass du darauf nie eine Antwort finden wirst. 

Du könntest deine gesamte Lebenszeit aufwenden, um alles auszuprobieren, was du möchtest. Und am Ende deines Lebens wüsstest du dann vielleicht, was für dich das Beste war. Aber in dem Moment, als du das Beste hattest, konntest du es leider nicht genießen … Denn du warst ja von Zweifeln geplagt und hast dich gefragt, ob nicht noch was Besseres geht. 

Deine Unzufriedenheit ist also vorprogrammiert.  

Weil du ständig die Angst hast, nicht das Beste aus deinem Leben zu machen. 

Weil du das Gefühl hast, du würdest etwas verpassen, wenn du nicht das meiste rausholst.

Weil du Angst hast, dein Potenzial nicht voll zu leben.

Bist du ein Maximierer?

Vielleicht bekommst du grad schwitzige Finger, weil du dich selbst ein bisschen in den Verhaltensweisen des Maximierers wiedererkennst. 

Das ist aber kein Grund zur Sorge. Denn kaum einer von uns ist ein Maximierer oder ein Genügsamer in Reinform. Auch du wirst Lebensbereiche haben, in denen du wie ein Genügsamer tickst. Wir alle sind mehr oder weniger gesunde Mischungen aus beidem.

Wenn du aber das Gefühl hast: 

Dann solltest du vielleicht etwas dafür tun, weniger an dir selbst und deinen Entscheidungen zu zweifeln. 

Was du als Maximierer tun kannst, um glücklicher und zufriedener zu werden

Setze deinen Zweifeln ein Ende. Als Maximierer bist du ein notorischer Zweifler. Und das ist die Wurzel deiner Unzufriedenheit.

Als Maximierer hast du eine kleine Stimme in dir, die dich immerzu fragt: War das wirklich die beste Option? Wäre es nicht besser, wenn du …?

Aber Zweifel und kritisches Denken sind ja an sich nichts Schlechtes. Das sollst du auch nicht ablegen. Es kommt allerdings, wie immer, auf das richtige Maß an. 

Dich als Maximierer befragt diese kleine Stimme so lange, bis du dir unsicher wirst und das Haar in der Suppe auch wirklich findest. Du solltest dieser Stimme ab jetzt also mehr Beachtung schenken und ihr bewusst etwas entgegensetzen.

Dies kannst du über unterschiedliche Wege bewerkstelligen. 

Du kannst z. B. lernen, positive Selbstgespräche zu führen, die dich darin bestärken, dass du das Richtige tust, und deinem Zweifler eine starke innere Stimme entgegensetzen.

Wenn dir das zu aufwändig ist, kannst du es auch mal mit einem persönlichen Mantra probieren. Das funktioniert vom Prinzip her genau wie ein positives Selbstgespräch, nur dass es kürzer ist.

Und wenn du dich von deinen hohen Erwartungen an dich selbst und von deinen permanenten Zweifeln befreien möchtest, dann solltest du mal unser Projekt Belastendes loslassen ausprobieren.

Wenn dich deine Zweifel also mal wieder überkommen, dann hast du jetzt unterschiedliche Möglichkeiten, um deinen inneren Zweifler im Zaum zu halten. Schenke ihm in Zukunft nicht mehr so viel Raum. Sondern versuche, es in Zukunft immer mehr wie ein Genügsamer zu handhaben: 

  1. Definiere deine persönlichen Kriterien, 
  2. triff die für diesen Moment bestmögliche Entscheidung und
  3. hinterfrage die Entscheidung danach nicht permanent, sondern setze der zweifelnden Stimme bewusst etwas entgegen.

Das ist das Rezept, mit dem du als Maximierer dafür sorgen kannst, nicht in eine ewige Spirale der Unzufriedenheit zu geraten. Und wie du als Maximierer mehr Glück und Zufriedenheit in dein Leben bringst. 

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Kommentare

  • Ich denke, der Hauptunterschied zwischen diesen beiden Typen ist folgender: Der Maximierer erkennt ganz klar alle Vorteile und alle Nachteile jedes einzelnen Fahrrades, das er sich ansieht. Am Ende entscheidet er sich für SEIN Fahrrad, dessen Nachteile im Vergleich zu anderen Fahrrädern er ganz genau kennt. Er erzählt seinem Freund „sieh nur, mein tolles neues Fahrrad! Dasunddas ist doof, aber esist das beste Fahrrad, das es gab!“ Der Genügsame freut sich unbeschwert über das Fahrrad, welches genau die drei Eigenschaften hat, auf die es ihm ankommt. Deswegen hat es für ihn auch gar nix Doofes. Und wenn ihn nach einem halben Jahr was am Dynamo nervt, kauft er eben einen neuen Dynamo. Über den freut er sich nochmal genauso wie über das Fahrrad. Die Kunst liegt also darin, zu entscheiden, wann Genügsam reicht, und wann man doch mehr Mühe reinstecken sollte, um langfristig zufrieden zu sein.

  • Ich danke von ganzem Herzen und tief demütig allen Maximierern in meiner Ahnenreihe.

    Ohne sie würde ich mir heute abend mit den anderen Genügsamen meiner Sippe den nächsten Baum in der Savanne nehmen und hoffen, dass mich der der Säbelzahntiger nicht erwischt, denn der ist auch kein Maximierer und nimmt das nächst Beste, das ihm aus dem Baum vor die Pfoten fällt.

  • Ich bin definitiv eine Maximiererin. Und es stimmt schon, dass das manche Entscheidung sehr schwierig macht. Für mich bedeutet diese Erkenntnis aber eher, dass ich mir die Frage stelle, wann es für mich lohnt diesen Aufwand zu betreiben. Denn solche Entscheidungen, die von hinten nach vorne durch gedacht sind, machen mich durchaus auch glücklich. Ich bin nicht diejenige, die am Ende zweifelt, sondern gerade durch die ganze Vorarbeit am Ende zufrieden ist, das für mich optimale gefunden zu haben. Ich laufe viel weniger Gefahr, kurz nach einer gefällten Entscheidung einer Alternative zu begeben, die mir viel besser gefallen hätte. Gerade weil ich mir ja im Vorfeld die Mühe gemacht hatte, mich mit den Varianten auseinander zu setzen. Und damit habe ich auch viel über die Eigenschaften und Vor- und Nachteile meines Objektes gelernt. Diese machen mir die Güte meines Objektes dann auch besonders bewusst und mich damit auch viel zufriedener mit meiner Wahl, als wenn mir erst nach der Entscheidung auffällt, dass es besser gewesen wäre z.B. auf die Art des Dynamos zu achten, weil dies einen Komfortgewinn bedeutet kann.
    Ich stimme völlig zu, dass die Masse an Entscheidungsoptionen auch im Kleinen in unserem Alltag überfordernd wirken kann, insbesondere wenn man jede Entscheidung zu maximieren versucht. Nur wie so oft im Leben geht es wohl darum, bewusst und achtsam zu handeln. Also hier zu wählen, für welche Entscheidung ich „maximieren“ will und bei welchen ich der einfachen Spontanwahl den Vorrang gebe und auf Optimierung bewusst verzichte.

  • Als Maximierer, der ich zweifellos in vielerlei Hinsicht bin, stelle ich mir die Frage: Ist dieser Artikel wirklich der Weisheit letzter Schluss zu dem Thema? Kann ich mein Wesen wirklich mit Selbstaffirmationen und Mantras grundlegend verändern? Oder gibt es nicht vielleicht woanders noch andere Quellen, die zu anderen Ergebnissen kommen? Denn als Vielleser weiß ich: Zu jeder Meinung gibt es immer einen, der genau die gegenteilige vertritt.

    Um beim Beispiel des Fahrradkaufs zu bleiben, bei dem ich tatsächlich viel mehr Kriterien definiert und mir eine Vielzahl von Angeboten angesehen und etliche verworfen habe.

    – Ist die Zahl der Gänge wirklich egal? Für mich nicht. Ein Fahrrad mit 3 Gängen hat zu wenig, eines mit 21 Gängen zu viele. 7 oder 8 war für mich genau richtig. Wer das nicht beachtet, muss sich dann eben eine Steigung im höchsten Gang hochquälen oder ist ständig am schalten.

    – Ist es egal, ob das Fahrrad eine STVO-Zulassung hat oder nicht? Für mich jedenfalls nicht. Auf eine unangenehme Unterhaltung mit einem Polizisten wegen der fehlenden Beleuchtung an meinem Rad habe ich keine Lust. Auf eine Kollision mit einem Autofahrer, der mich in der Dunkelheit übersehen hat, noch viel weniger.

    – Ist die Qualität des Fahrrads unerheblich, d.h. ist es egal, ob ich eines für 200 € oder eines für 800 € kaufe? Ich finde nicht. Die Erfahrung lehrt: Wer billig kauft, kauft zweimal

    Die Liste könnte ich noch um etliche Punkte erweitern.

    Worin ich zustimme ist, dass Auswahlprozesse aufwändiger und schwieriger werden. Auch darin, dass die Gefahr besteht, es zu übertreiben. Also überhaupt kein Fahrrad zu kaufen, weil keines alle Kriterien erfüllt. Die Frage ist dann also, welche Kriterien man als wichtig und welche als nice to have definiert. Natürlich hatte ich eine andere Wunschfarbe, aber mit Silber Metallic konnte ich dann doch gut leben. Ähnlich ist es mit der Partnerwahl: Wenn der alle Kriterien erfüllen soll, bleibt man vermutlich Single.

    Die Kunst besteht also darin, irgendwo Kompromisse zu machen, die eigenen Ansprüche herunter zu schrauben. Es muss nicht sehr gut sein, gut genug reicht – das ist aber etwas anderes, als von vorneherein nur sehr wenige Kriterien zu haben und viele andere zu ignorieren.

    Der entscheidende Unterschied ist, dass der Maximierer am Ende weiß, worauf er bei einer Entscheidung bewusst verzichtet. Der Genügsame ist vielleicht anfangs glücklicher, stellt dann aber mit der Zeit doch den einen oder anderen Mangel an seiner Wahl fest, den er vorher überhaupt nicht bedacht hat.

    Es ist auch nicht notwendigerweise so, dass der Maximierer eine einmal getroffene Entscheidung hinterher ständig hinterfragt. War sie die richtige, hätte ich nicht noch etwas Besseres bekommen können?

    Wie du schon richtig am Anfang feststellst, und damit meine ich jetzt nicht die Hautfarbe, sind wir Menschen nicht weiß oder schwarz, sondern fast alle grau. Die meisten Maximierer, behaupte ich, stellen einmal getroffene Entscheidungen eben nicht permanent infrage, sondern leben erst einmal ganz gut damit. Weil sie wissen, dass die Auswahl überlegt und die Entscheidung fundiert war. Es spricht auch nichts dagegen, zu einem späteren Zeitpunkt etwas Gutes durch etwas Besseres zu ersetzen, wenn es denn unsere Wege kreuzt. Bis dahin leistet das Gute seine Dienste.

    Die Hauptkritik ist also das Schwarzweißdenken, die so häufige Einteilung der Menschen in zwei Gruppen. Das ist aber von der Realität weit entfernt, wo nur ganz wenige Exemplare am extremen Rand einer üblichen Normalverteilung (Glockenkurve) zu finden sind, während die allermeisten Menschen Mischtypen mit beiden Ausprägungen sind.

    So ist das auch bei mir: Es gibt Dinge, insbesondere teure und mein Leben ganz wesentlich beeinflussende, wo ich mir für eine Entscheidung Zeit nehme. Und andere, wo ich es mir noch einfacher macher als der Genügsame: „Entscheide du, ist mir egal“.

    Das Hinterfragen, ob eine einmal in der Vergangenheit getroffene Entscheidung, aus heutiger Sicht noch valide oder erneuerungsbedürftig ist, finde ich völlig normal und nichts Verwerfliches. Viele Prozesse (!) sind letztlich nichts anderes als kybernetische Regelkreise und keine einmalige digitale Entscheidung.

    • Mathias Rudolph
      Mathias Rudolph schreibt am 12. Dezember 2016

      Hallo Ismir,

      nur kurz: „Kann ich mein Wesen wirklich mit Selbstaffirmationen und Mantras grundlegend verändern?“ fragst du.

      Das sollte, glaube ich, nicht das Ziel sein.
      Ein Maximierer zu sein hat ja auch Vorteile und ich glaube nicht, dass man versuchen sollte, sich selbst in der Hinsicht zu verbiegen.

      Was einem Maximierer aber vielleicht „das Beste aus beiden Welten“ geben kann ist, wenn er seine ständigen Zweifel unterlässt. Denn das ist ja das, was ihn so unglücklich macht.

      Und das kannst du meiner Erfahrung nach ziemlich gut mit den genannten Werkzeugen wie konstruktiven Selbstgesprächen, persönlichen Mantras etc.

      Probier’s einfach mal aus ;-)

      Viele Grüße

      Mathias

  • Es ist definitiv wichtig, sich selbst klarzumachen, welche Ziele und Werte man hat. Somit kann man schon von Anfang an klar machen, welche Möglichkeiten man selbst ausnutzen möchte und welche man lieber auf der Strecke lässt.

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