Kompass-Challenge

Monchu – Familie Ihrer Wahl

Monchu klein

„Familie kann man nicht aussuchen“ – sagt man. Die Bewohner der Insel Okinawa in Japan sehen das anders. Das Wort „Monchu“ meint so viel wie „eigene Familie“ und lädt ein, sich seine Familie – unabhängig von den Blutsverwandtschaften – selbst zusammenzustellen.

Das Gute am Familien-Prinzip ist: Man ist füreinander da, man will einander helfen und die Erfahrungen, das Wissen und die Weisheit von Generation zu Generation weitergeben.

Stellen Sie sich vor, Sie haben nur Menschen um sich herum, die Sie in Ihren Vorhaben – beruflichen wie privaten – unterstützen. Wie Sie wissen, haben wir begrenzte Kapazitäten – und mit der Monchu-Methode nutzen Sie Ihre Ressourcen ausschließlich für gute, von Ihnen selbst gestaltete Beziehungen.

Was ist der Vorteil der Methode? Wie funktioniert diese? Wie geht das – sich seine „eigene Familie“ zusammenstellen – und wie kann man durch diese Methode als Privatperson oder Unternehmer wachsen? Hier sind die Schritte.

Schritt 1: Stellen Sie sich drei Kreise vor 

In dem inneren, dem engsten und dem kleinsten Kreis befinden sich die Menschen, die Sie am meisten lieben und ehren. Die Beziehung ist hier innig, herzlich und intensiv. Wenn es um Interaktionen geht, brauchen Sie für diesen Kreis keine Erinnerungen, keine Termine. Meistens befinden sich in diesem Kreis die Mitglieder Ihrer wahren Familie – Ihre Verwandten, Ihre Lebenspartner, Ihre Kinder.

In dem zweiten Kreis befinden sich all die Menschen, mit denen Sie eine regelmäßige Beziehung aufrechterhalten „müssen“ – vielleicht Ihre Kollegen oder Kunden. Hier braucht es nur gelegentliche Erinnerung, damit Sie mit diesen Menschen regelmäßig im Kontakt sind („Mal wieder mit XYZ ein Bier trinken gehen“), denn durch Ihre berufliche Tätigkeit sind Sie mit diesen Menschen bereits im regelmäßigen Kontakt und Austausch.

Der dritte Kreis ist Ihr Monchu. Ihre selbstgewählte Familie.

Aber wie finden Sie raus, wer in den dritten und den eigentlichen Monchu-Kreis dazugehört?

Das ist eine nicht ganz einfache Frage und ihre Beantwortung braucht etwas mehr Zeit und Energie! Damit dieser Kreis sinnvoll gefüllt wird und Ihnen beim Wachsen hilft, schauen wir uns das im nächsten Schritt mal genauer an.

Schritt 2: Arbeiten Sie Ihr Monchu aus

Der dritte Kreis in Ihrem Monchu besteht aus

  • Menschen, die Sie gerne unterstützen, ohne dass Sie dafür einen Grund haben
  • Menschen, von denen Sie gern lernen wollen
  • Menschen, denen Sie persönlich helfen wollen, erfolgreich zu sein
  • Menschen, denen Sie (gefühlt) helfen können
  • Menschen, die Ihnen nicht egal sind und die von Ihren Bekanntschaften profitieren könnten

Sie sehen – es geht hier nicht nur um Menschen, die Ihnen helfen können, sondern vor allem andersrum. Sie suchen nicht nach Chancen und Möglichkeiten, wie man es in dem normalen Netzwerk-Leben tut (und wo dann auf einem Netzwerk-Treffen alle Anwesenden Kunden suchen, aber niemand Kunde vom anderen sein will). Unsere Netzwerke zeigen wir gern – zählen die Zahl der Verbindungen und messen so unseren Einfluss.

Für Ihren Monchu-Kreis suchen Sie nicht nach Einfluss. Sie wollen hier auch nicht möglichst viele Verbindungen bilden. Sie suchen nach Menschen, mit denen Sie sich bereits verbunden fühlen und deren Leben Sie bereichern können. Menschen, bei denen Sie bereit sind, etwas von Ihrer Zeit und Ihrer Erfahrung bedingungslos abzugeben. Vielleicht erkennen Sie es: Das ist das Familien-Prinzip.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Wo finden Sie diese Menschen? 

Prüfen Sie die Liste Ihrer letzten Anrufe – wer hat Sie angerufen und um Rat gefragt? Wie steht es mit den E-Mails? Gab es da jemanden, dem Sie gern helfen wollen? Wie sieht es im Freundeskreis aus? Gibt es Freunde Ihrer Freunde, die sich gerade beruflich umorientieren oder eine schwierige persönliche Phase durchmachen? Wem können Sie mit Ihrer Erfahrung behilflich sein?

Wie viele Menschen sollten in diesem dritten Kreis sein? 

Da gibt es keine klare Empfehlung, also bleiben Sie in einer Größenordnung, bei der Sie die Übersicht nicht verlieren – 20 Leute sollten genug sein. Dies ist eine Größenordnung, die auch in normalen Netzwerken als maximal bezeichnet werden kann, bevor es in Untergruppen zerfällt. Bei mir sind es aktuell 15 Leute, und es funktioniert ganz gut, mit allen von ihnen regelmäßig im Kontakt zu bleiben. Wie das geht, zeige ich Ihnen in Schritt 3.

Schritt 3: Bedienen Sie Ihr Monchu

Nehmen wir an, Sie haben genau 20 Minuten pro Tag zur freien Verfügung. Das sind nur 5 Minuten mehr als die Tagesnachrichten im Fernsehen. Es sind eventuell genau die 20 Minuten, die Sie jeden Tag mit Aufgaben verlieren, die Ihnen nichts zurückgeben oder die Sie an verschiedene Zeiträuber abgeben. Es sind auf jeden Fall die 20  Minuten, die wir haben – also auf die Plätze, fertig, los!

1. Verbringen Sie 10 Minuten Ihrer Zeit damit, sich an die Leute in Ihrem dritten Monchu-Kreis zu wenden und ihnen bei was auch immer behilflich zu sein. Ich verschicke ungefragt Links zu guten Artikeln, Zitate oder Postkarten mit motivierenden Texten.

Manchmal fällt mir etwas zu jemandem ein, weil wir vor kurzem über ein Problem gesprochen haben, und ich teile dann meine Gedanken mit.

Manchmal sind es einfach nur Erlebnisse, die ich teile, weil ich bei diesen Erlebnissen an diese Menschen gedacht habe.

Es kann sein, dass Sie in diesen 10 Minuten nur einem Menschen schreiben können – das ist völlig in Ordnung!

2. Verbringen Sie anschließend 5 Minuten damit, Menschen aus Ihrem dritten Kreis nach Feedback zu fragen – natürlich nur diejenigen, die Ihnen Feedback geben können und deren Feedback Sie schätzen. Ich schicke manchmal meine Artikel oder Ideen an 2–3 Menschen und frage nach deren Meinung. Oder ich erkundige mich, ob einer meiner letzten Vorschläge, die ich gemacht habe, dem Menschen aus meinem Monchu helfen konnte.

Manche Menschen, die mich schon eine Weile kennen, frage ich, was sie mir empfehlen würden oder wo sie meine Stärken sehen. Dieser Teil fällt mir bislang am schwierigsten, aber er bringt jedes Mal so wertvolle Erkenntnisse, dass ich mich selbst regelmäßig frage, warum ich mich nicht viel öfter nach Feedback erkundige …

3. In den letzten fünf Minuten können Sie überlegen, wen aus Ihrem dritten Kreis Sie einander vorstellen möchten – und warum.

Ob diese Menschen auf Ihre Empfehlung eingehen und einander wirklich kennenlernen, bleibt diesen erwachsenen Personen überlassen. Aber es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass die Menschen, die Sie schätzen, einander kennen.

Mir macht es richtig Spaß zu sehen, wie sich aus einzelnen Sternen am Himmel nach und nach verschiedene Sternbilder ergeben. Wie die verschiedenen Menschen, die ich durch sehr verschiedene Ereignisse kennengelernt habe, einander begegnen und miteinander etwas Schönes erleben oder entstehen lassen.

Ein Beispiel: Tanja ist eine Freundin aus einer anderen Stadt. Wir sehen uns ungefähr alle zwei Jahre und haben auch sonst keinen intensiven Kontakt. Aber ich mag Tanja gern, und als sie mir mitteilt, dass sie sich selbständig machen will, entscheide ich mich sofort dafür, dass ich sie mit meiner Erfahrung in diesem Thema sehr gern unterstützen möchte.

Tatsächlich kann ich ihr mehrere Wochen nacheinander behilflich sein – mit „Zuhören“ per Mail, mit aufmunternden Gedanken, mit den Geschichten aus den Anfängen meiner Selbständigkeit. Damit weiß Tanja, dass viele ihrer Ängste auch meine Ängste waren, und fühlt sich sicherer. Nach und nach setzt sie ihr Vorhaben um und schickt mir – ungefragt – eine Rückmeldung, bei der ich einiges über mich entdecke und mein aktuelles Lernfeld – Diplomatie in der Ausdrucksweise – weiterhin als mein Lernfeld betrachten darf.

Neben Tanja gibt es in meiner Monchu-Familie viele andere Menschen, die mir guttun. Leute, die etwas einsam sind, die sich nicht trauen, „Nein“ zu sagen, Menschen mit schwierigen Kollegen und introvertierte, leise Erfinder, die Mut brauchen.

Wer mag, legt sich für diese Monchu-Methode eine Übersicht an, damit man weiß, was in den letzten Tagen bereits angestoßen wurde. Oder Sie schreiben in Ihrem Tagebuch, wem Sie wann auf welche Weise geholfen haben.

Schritt 4: Geben Sie, ohne etwas zurückzuerwarten

Geben ist das neue Nehmen. Wer gibt – Unterstützung, Zeit, Rat –, bekommt innere Bestätigung: „Ich bin wertvoll, denn ich kann anderen helfen.“ (Und vergessen Sie nicht: Ein Schritt der Methode heißt „nach Feedback fragen“ – denn manche von uns sind so begeistert vom ersten Schritt (anderen helfen) , dass sie sich selbst vergessen …)

Wichtig dabei ist aber: Erwarten Sie nichts zurück! Verbinden Sie Menschen miteinander, weil Sie verbinden wollen. Helfen Sie, weil Sie helfen wollen. Es ist Ihre Familie, nicht Ihr Business-Netzwerk!

Und ja, es kann sein, dass es Menschen gibt, die mehr nehmen als zurückgeben, und Sie werden nach und nach lernen, wen Sie wirklich in Ihrem Monchu – in Ihrer „selbstgewählten Familie“ – behalten wollen.

Vielleicht lernen Sie aber auch Menschen von einer neuen Seite kennen und stellen fest, wie schön das ist, Feedback von jemandem zu erhalten, der nicht Ihr Freund ist.

Manches Feedback von einem Menschen aus dem dritten Monchu-Kreis öffnet uns die Augen schneller und intensiver als die freundschaftlichen Ansagen der Menschen, die uns sehr lange kennen. Weil man sich nicht so nahesteht, fällt es leichter zu sagen, was man sieht. Durch diese Impulse gelangen Sie eventuell zu mehr Klarheit oder zu neuen Lernzielen und können anschließen daran arbeiten.

Klar ist: Wenn Menschen in Ihrem dritten Monchu-Kreis merken, dass Sie ihnen Ihre Unterstützung einfach so geben und nichts dafür erwarten, werden sie gern in Ihrer Nähe bleiben und nur Gutes über Sie erzählen. Und was kann schöner sein, als von einer netten Familie umgeben zu sein!

Wozu das Ganze?

Es ist schon länger kein Geheimnis mehr, dass Geben uns glücklich macht. Mit der Monchu-Methode entscheiden Sie sich proaktiv, wem Sie etwas geben.

Das ist ein großer Unterschied zu dem Geben im Beruf, wo vieles per Vertrag und Verpflichtung abgerufen wird und wo wir oft im reaktiven Modus sind.

Indem Sie regelmäßig für andere da sind und andere nach Feedback zu Ihrer Person und Ihren Projekten Fragen, wachsen Sie und haben so eine mächtige Unterstützung in Sachen Persönlichkeitsentwicklung oder Business-Entwicklung. Sie lernen Ihre eigenen Potentiale kennen (wem kann ich auf welche Weise helfen?) und Ihre blinden Flecken (welches Feedback erhalte ich von wem?).

Ist das 20 Minuten pro Tag wert? Probieren Sie es aus!

Ich wünsche Ihnen viel Spaß mit Ihrer selbstgewählten Monchu-Familie!

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Über Nadja Petranovskaja

Nadja Petranovskaja glaubt daran, dass wir Menschen einen Großteil unseres Potenzials nicht ausleben und nicht unser eigenes Leben leben. Die Klarheit darüber zu erlangen, wer wir sind und wozu wir fähig sind, hilft im beruflichen und im privaten Umfeld und ist Voraussetzung dafür, das Leben in Griff zu bekommen und unsere Träume und Projekte zu verwirklichen.

In ihrem Blog schreibt Nadja Petranovskaja über Produktivität und Selbstmanagement, über unsere Möglichkeiten und manchmal auch bloß über den Sinn des Lebens: http://petranovskaja.com/hi/

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Kommentare

  • In jedem von uns Steckt eine ungeheur große Kraft dinge zu bewegen… Jedoch wissen nur die wenigsten wie man mit dieser Kraft umzugehen hat schweige denn einzusetzen… Sehr schöner Artikel, eine Blickperspektive, welche ich noch nie in anbetracht gezogen habe. :)
    Vielen Dank!

  • Liebe Nadja,
    danke für diesen schönen Artikel.

    Mir fielen spontan einige höchst erfolgreiche Menschen ein, die mich beeindrucken. Ihre Gemeinsamkeit: sie be-dienen ihren Monchu-Kreis meisterhaft. Ich habe bei diesen Menschen das Gefühl, selbst Teil ihres Monchu zu sein – häufig ohne sie persönlich kennengelernt zu haben.

    Monchu-Meister können auch über ihre eigene Lebensspanne hinaus nachhaltigen Einfluss ausüben, das sehe ich in meinem Bekanntenkreis.

    Also ja! Für meine Monchu-Familie gebe ich gerne 20 Minuten täglich.

    Herzlichen Dank,
    Susanna

  • Liebe Frau Petranovskaja,

    was für eine gute und schöne Idee.
    Danke!

    Zwei Menschen, die ich gerne in meiner Monchu-Familie hätte, kenne ich schon. Einer von beiden hat heute Geburtstag. Nach dem Lesen Ihres Beitrags wähle ich als Geschenk einen Gutschein über 2 Std. meiner (Lebens-)Zeit zur freien Verfügung.

    Als Beigabe backe ich einen kleinen Kuchen.

    Herzliche Grüße

    Annemarie

  • Liebe Nadja,

    vielen Dank für den sehr inspirierenden Artikel. Eine sehr nette, wertschätzende und ausbalancierte Idee, die ich gerne für mich aufgreife und weiter verfolge …

    Ja, es gibt solche Menschen heute schon. Die Idee, diese zu einem eigenen Kreis zusammenzufassen, dem Ganzen einen Namen zu geben und es bewusst und regelmäßig zu pflegen – das hat was! Und „Monchu – Familie Ihrer Wahl“ gefällt mir als „Etikett“ besonders gut.

    Ich würde gerne in meinem Blog (nein, hier kommt keine Werbung …) gerne auf diesen Beitrag verweisen, wenn das für Sie ok ist!?

    Herzliche Grüße
    Andreas

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