Kritik am "Bestellen beim Universum"
Ein Mann betet seit 30 Jahren, er möge doch endlich 6 Richtige im Lotto gewinnen. Tag für Tag sendet er jeden Morgen ein inbrünstiges Stoßgebet gen Himmel. Eines morgens, er betet gerade wieder, teilt sich der Himmel, ein goldenes Licht leuchtet und eine laute Stimme spricht herab:
"Junge, dann kauf dir doch endlich mal ein Los!"
In den letzten Jahren haben Bücher wie “Bestellungen beim Universum” und “The Secret” oder Filme wie “The Bleep” Millionen von Menschen begeistert.
Die Grundidee: Wir können mit unserem Denken unsere Realität erschaffen oder zumindest beeinflussen und wenn wir etwas wollen, dann brauchen wir es uns nur bestellen, z.B. beim Universum oder beim Leben.
Aber je länger ich mich mit diesen Wunschgeschichten auseinandersetze, desto mehr ärgert mich daran eine Sache: Nämlich die, dass die meisten dieser Bücher einem suggerieren, man müsste nur Wünschen und braucht nichts dafür tun. Im April habe ich schon einmal darüber geschrieben, aber heute möchte ich noch ein bisschen deutlicher werden.
Zuerst fand ich die Idee mit dem Wünschen auch nett. Sie hat so etwas Spielerisches, Leichtes und Einfaches. Und wir alle suchen ja nach einfachen Lösungen, oder? Da glaubt man doch gerne, dass es auch funktioniert, einfach weil es so gut klingt.
Du brauchst dich nicht anstrengen oder abmühen, die guten Dinge kommen ganz einfach zu dir, wenn du sie beim Universum bestellst. – Diese Idee spielt mit unserer Sehnsucht nach Mühelosigkeit und unserem Wunsch, Anstrengung zu vermeiden.
Das ist ein bisschen wie mit den Geldanlagemöglichkeiten, die angeblich pro Monat garantiert 10% ganz ohne Risiko abwerfen. Oder mit Diäten, bei denen man sich "schlank naschen" kann oder bei denen man 10 Kilo in einer Woche verliert, ohne auf etwas zu verzichten. Wir Menschen glauben daran, weil wir gerne wollen, dass es so funktioniert. Aber es funktioniert am Ende trotzdem nicht. Wünschen allein reicht nicht.
Ich finde die Idee nach wie vor nett, unsere Wünsche ans Universum zu schicken. Das ist ein schönes Ritual und ich glaube sogar, dass es uns dabei hilft, unsere Träume zu verwirklichen, genau wie Affirmationen oder Mentaltraining auf diesem Weg nützlich sind. Aber das allein hilft nichts, wenn wir nicht auch bereit sind, zu handeln und etwas für unsere Träume zu tun.
Ich habe häufig mit Menschen zu tun, die sich das Leben geschaffen haben, das wirklich zu ihnen passt, also mit Menschen, die ihre Träume verwirklicht haben. Und alle diese Menschen haben es nicht dem "Universum" überlassen, dass es ihnen ein tolles Leben liefert. Sie haben selbst dafür gesorgt, indem sie getan haben, was zu tun war und oft auch unter Anstrengung. Das Gleiche gilt übrigens auch für Autoren der Wunschratgeber, die stets sehr aktive und handlungsorientierte Menschen sind, die viel tun, um ihre Ziele zu erreichen.
Wünschen ist prima, aber Handeln ist deutlich wichtiger. Und wenn wir etwas tun für unser Glück, dann passieren tatsächlich diese kleinen Wunder und diese Zufälle, die zu unwahrscheinlich sind, als dass sie Zufälle sein können. Ich glaube, dass das Universum denen hilft, die sich selbst helfen und den anderen zeigt es eher die kalte Schulter.
Oder um auf die kleine Geschichte vom Anfang zurückzukommen. Es reicht eben nicht aus, nur zu beten. Wir müssen uns auch rausgehen und uns ein Los kaufen.

