Wer ist Chef in meinem Kopf?
Was wir denken hat einen erheblichen Einfluss auf unsere Gefühle und unser Erleben. Unsere Gedanken sind für unser Glück, aber auch für unser Leid maßgeblich (mit)verantwortlich.
Hier einige typische Gedanken, mit denen wir uns selbst unser Leben vermiesen:
- Ich muss immer alles besonders gut machen, sonst entgleitet mir die Kontrolle und das wäre fürchterlich.
- Ich darf meine Gefühle nicht zeigen, sonst werde ich fertig gemacht.
- Wenn ich zugebe, dass ich im Unrecht bin, verliere ich mein Gesicht (und habe später Nachteile dadurch).
- Wenn ich mich zeige, wie ich bin, dann sehen die Leute meine Schwächen und Unzulänglichkeiten. Und das darf niemals passieren.
- Ich muss ein tolles Auto fahren, sonst bin ich nichts wert.
- Ich habe die guten Dinge im Leben einfach nicht verdient.
- Usw. usw.
Das sind Gedanken, die uns nicht gerade gelassener und fröhlicher machen. Trotzdem denken viele von uns bewusst oder auf der halbbewussten Ebene solche selbstschädigenden und einschränkenden Sätze.
Wie kommt das?
Sind wir Masochisten? Denn warum sonst würden wir uns das selbst antun?
Oder ist da jemand anderes Chef in unserem Schädel?
Oder liegt es daran, dass unsere Gedanken in erster Linie auf Autopilot laufen und wir einmal gelernte Gedanken einfach nur noch wie eine innere Schallplatte abspielen?
Ich persönlich glaube an die Schallplatten-Theorie. Wenn wir einmal einen Gedanken gelernt haben (von unseren Eltern, Bezugspersonen, den Medien oder durch prägende Erfahrungen), dann sitzt dieser Gedanke in unserem Kopf und wird immer wieder abgespult, ohne dass wir diesen Gedanken bewusst hinterfragen.
Und wenn Sie zum Beispiel jeden Tag ständig denken "Ich bin nichts wert", dann fühlen Sie sich eben auch dementsprechend.
Ein Glück, dass Sie Ihr Denken auch später noch nachhaltig ändern können. Das setzt allerdings voraus, dass Sie Ihre Gedanken überhaupt erst einmal mitbekommen, und dass Ihre Gedanken nicht nur wie Hintergrundmusik in Ihrem Kopf vor sich hindudeln.
Wenn Sie also etwas an Ihren Gedanken ändern wollen, dann ist der nächste Schritt,
- solche einschränkenden Gedanken zu erkennen,
- diese zu hinterfragen und
- ihnen dann etwas entgegenzusetzen.
Wie geht das nun genau? Wie kann ich meine Gedanken überprüfen und ändern? Dazu gibt es ganz verschiedene Wege.
- Ein Weg ist Meditation, zumindest die Meditationsarten, wo es darum geht, die eigenen Gedanken wertfrei zu beobachten und zu erforschen. Still zu sitzen und die Gedanken zu beobachten, das fällt den meisten am Anfang nicht leicht. Mit ein bisschen Übung werden Sie aber schnell merken, dass regelmäßige Meditation mehr Gelassenheit und Selbsterkenntnis in Ihr Leben bringt.
- Ein anderer Weg ist die Methode TheWork von Byron Katie. Hier lassen Sie Ihren Frust heraus, indem Sie andere Menschen (oder sich selbst) schriftlich verurteilen, um dann in einem weiteren Schritt Ihre Schuldzuweisungen anhand von 4 Fragen zu überprüfen. Sehr befreiend die ganze Sache.
- Ein dritter Weg ist die rational emotive Verhaltenstherapie, bei der Sie Ihre Gedanken und Ihre gefühlsmäßige Reaktion auf Ihre Gedanken systematisch untersuchen und umtrainieren.
Es gibt noch eine Menge anderer Möglichkeiten. Bei all dem ist eines wichtig: Das Ganze braucht Zeit. Es geht in den meisten Fällen nicht von heute auf morgen, die eigenen gewohnheitsmäßigen Gedanken ans Licht zu holen und langfristig zu ändern. Wenn Sie also dazu neigen, so ein Projekt zu beginnen und bald schon schleifen zu lassen, dann suchen Sie sich lieber Unterstützung. Das könnte z.B. ein Coach, Therapeut oder ein Meditationslehrer sein oder auch eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich regelmäßig treffen, um sich auszutauschen und zu unterstützen.

