Kompass-Challenge

Richtig kritisieren – Wann, wo, wie und wie viel?

Keine Kritik bitte

Letzte Woche habe ich ja darüber geschrieben, wie schädlich und unnötig Kritik oft ist und dass die Welt in meinen Augen besser wäre, wenn es weniger Kritik geben würde. Aber selbstverständlich ist eine Sichtweise von außen manchmal sinnvoll und notwendig, damit man sich als Mensch entwickeln kann oder damit ein Arbeitsergebnis richtig gut wird.c

Manchmal ist Kritik also angebracht und manchmal nicht. Aber wann sagt man etwas und wann hält man besser die Klappe?

Dazu hier meine persönliche Checkliste.

Bevor du jemandem eine Rückmeldung gibst, kannst du dich fragen:

  • Meine Aufgabe? – Ist es überhaupt an mir, demjenigen zu sagen, was mir aufgefallen ist? Ist es meine Rolle, meine Aufgabe, meine Verantwortung? Als Führungskraft ist es zum Beispiel meine Aufgabe, meinen Mitarbeitern bestimmte Dinge widerzuspiegeln. Oder wenn ich ein Trainer oder Coach bin. Auch bei meinen Freunden ist es manchmal an mir, bestimmte Gedanken zu teilen, weil wenn Freunde nicht ehrlich zueinander sind, wer dann? Oder wenn mein Leben durch das Verhalten eines anderen eingeschränkt wird, dann sollte ich natürlich auch etwas sagen. Aber meistens ist es eben nicht an mir, jemandem etwas zu sagen, solange er nicht ausdrücklich um ein Feedback gebeten hat.
  • Guter Zeitpunkt? – Ist der Andere überhaupt offen für eine Rückmeldung? Ist er in der Lage und in der Verfassung, die Rückmeldung positiv für sich zu nutzen? Falls nein, lieber nichts sagen oder einen besseren Zeitpunkt wählen.
  • Zu früh? – Ist der Andere in einem Stadium, in dem Kritik sinnvoll ist? Gerade wenn jemand eine neues Hobby oder einen neue Aufgabe gerade erst begonnen hat, ist Motivation, Spaß und Durchhalten viel wichtiger, als ein tolles Ergebnis abzuliefern. Hier kann Kritik ein Motivationskiller sein.
  • Ungefragt? – Hat der Andere überhaupt nach einer Rückmeldung gefragt? Dann kann man auch seine Gedanken zu einem Thema vorsichtig und wertschätzend mitteilen.
  • Geschmackssache? – Bin ich mir darüber bewusst, dass meine Sichtweise eben nur meine Sichtweise, meine Meinung, mein Geschmack und meine Idee ist? Und eben nicht die Wahrheit? Kann ich das trennen? Und kann ich meine Meinung auch als meine, subjektive und wahrscheinlich unmaßgebliche Meinung darstellen?
  • Selbstaufwertung? – Kritisiere ich, weil ich froh bin, dass der Andere (sonst so perfekte Mensch) auch mal einen Fehler gemacht hat? Also nur, damit ich mich besser fühlen und mich damit selbst aufwerten kann? Falls ja, einfach die Klappe halten und mich freuen, dass wir eben alle nur Menschen sind.
  • Missgunst? Kritisiere ich, weil ich neidisch bin auf das, was der andere erreicht hat? Oder neidisch, dass der andere sich zu tun traut, was ich mich nicht traue? Falls das sein könnte, lieber nichts sagen und mir überlegen, was ich an meinem Leben ändern könnte.
  • Egomist? –Habe ich vielleicht das (unbewusste) Bedürfnis, durch meine Kritik nur mein eigenes Wissen, meine Macht und meine eigene Überlegenheit darzustellen. Will ich vielleicht nur zeigen: “Hey, ich kenne mich aus. Ich weiß mehr als du. Ich bin wer! Ich bin wichtig! Los, bewundere mich!” Falls ja, dann lieber nichts sagen, mir selbst innerlich Anerkennung geben und dem anderen auch etwas gönnen.
  • Manipulation? – Möchte ich den Anderen durch meine Kritik vielleicht (unbewusst) aus Eigeninteresse manipulieren, kleinhalten, gezielt entmutigen, damit er mein Leben nicht durcheinanderbringt oder damit es für mich nicht unbequem wird. Falls ja, vielleicht lieber über meine Ängste sprechen, als zu kritisieren.
  • Rache? – Will ich mich durch die Kritik vielleicht (unbewusst) rächen, demjenigen eine reinbraten oder jemandem etwas heimzahlen? Falls ja, dann vielleicht lieber über meinen Ärger und die offene Rechnung sprechen oder lernen, dem anderen zu verzeihen.
  • Rundumschlag? – Neige ich dazu, in einem Kritikgespräch zu einem Rundumschlag auszuholen und alles anzusprechen, was mir gerade einfällt? Die meisten Menschen sind schon mit einem Kritikpunkt emotional und mental gut ausgelastet. Also am besten meinen Gegenüber nicht überforderen, indem ich alles auf den Tisch bringe, was ich schon immer mal sagen wollte. Lieber auf ein oder zwei Punkte konzentrieren und sich den Rest für später aufheben.
  • Gut verpackt? – Was sind die positiven, guten und bewunderswerten Seiten an der zu kritisierenden Sache oder Person? Vielleicht als Regel: Für jeden negativen Punkt auch einen ehrlich gemeinten positiven Punkt herausstellen. Insbesondere hilft es Menschen, wenn man ihr Tun, ihre Leidenschaft, ihr Durchhaltevermögen und ihre Leistungsbereitschaft anspricht. Es gibt hier zum Beispiel die Sandwich-Technik, bei er man zuerst etwas Wertschätzendes und Positives sagt, dann die Kritik bringt und dann noch mit etwas Wertschätzendem und Positiven abschließt.

Nun ist es ja eher unrealistisch, sich all diese Gedanken durch den Kopf gehen zu lassen, bevor man jemandem eine Rückmeldung gibt. Da ist der andere ja schon eingeschlafen, bevor man das erste Wort herausgebracht hat. Aber vielleicht gehst du die Liste einmal durch und schaust, bei welchen Punkten du dich am ehesten wiederkennst. Und dann nimm dir vielleicht vor, in diesem Punkt immer besser zu werden, damit du öfter eine positive Kraft in dieser Welt bist.

Übrigens hilft einem diese Checkliste auch dabei, besser mit Kritk umzugehen, wenn man sich klarmacht, dass Kritik von außen nicht immer wohlgemeint ist, sondern oft auch anmaßend, missgünstig, ego-lastig oder manipulativ.

Oder man kann bei einer unpassenden oder ungefragten Rückmeldung auch ganz offen sagen:

„Du … ist nett gemeint. Und vielleicht denkst du ja, du hilfst mir gerade mit deiner Rückmeldung. Aber lass es bitte. Du hilftst mir damit nicht!“.

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Kommentare

  • Ich denke, egal wie die Kritik rüber kommt, positiv oder negativ, sie wird von dem Kritisierten immer als negativ aufgefasst. Wir Menschen kommen mit Kritik einfach nicht zurecht. Wir fühlen uns schlecht, angegriffen, nicht geliebt usw. Es tut weh, wenn man merkt, dass der Andere nicht die gleiche Meinung teilt, wie man selbst.
    Auch ich habe die Erfahrung machen müssen, dass selbst die besten Freunde, nicht mehr die gleichen Interessen mit mir teilten, über vieles gemeckert haben und mich immer kritisiert haben. Meinerseits konnte ich nicht verstehen, warum ich nicht sein darf wie ich bin. Bis ich merkte, dass ich sein darf wie ich bin, aber auch damit rechnen muss, dass dieses von den besten Freunden nicht akzeptiert wird.
    Somit ging diese langjährige Freundschaft in die Brüche. Aber durch diese Kritik wird man um einiges schlauer.
    Oft stellte ich auch fest, dass die Erwartungshaltung dem anderen gegenüber viel zu hoch ist. Tritt das nicht ein, was wir erwartet haben, sind wir unzufrieden und beleidigt.
    Daher ist es für mich persönlich wichtig, eine tolerantere und gelassenere Lebenseinstellung zu bekommen.

    Ich arbeite jeden Tag daran.

  • Eine tolle Liste, um den eigenen Umgang mit Kritik (an anderen und sich selber) zu reflektieren. Ich hab hierzu in einem Seminar einmal eine tolle Gruppenübung gemacht.
    Die Gruppe stellt sich in zwei Kreisen auf, je 2 Leute stehen sich gegenüber. Die Person im äußeren Kreis, soll dann ihrem Gegenüber spontan irgendeine Kritik sagen. Die angesprochene Person antwortet dann immer genau mit dem Satz: „Danke, ich habe dir zugehört, aber ich bin nicht dafür da, deinen Vorstellungen zu entsprechen.“
    Das ist sicher erst einmal sehr befremdlich, hat aber besonders bei Kritik die (aufgrund der Übung) sicher auch mal etwas daneben sein konnte, ein ganz gutes Gefühl hinterlassen. Manchmal hätte man auch lieber gesagt: „ja du hast recht, da hab ich mir auch schon Gedanken gemacht“. Aber das darf man bei dieser Übung nicht. Auf jeden Fall konnten wir Teilnehmer nach dieser Methode besser mit Kritik umgehen. Und wenn man einmal baff ist, wenn jemand einem unangemessenes Feesback gibt, und man völlig überrumpelt wird, kann man sich zur Not noch an diesen Satz klammern.

  • Eine tolle Checkliste! Ich freue mich sehr darüber, denn es ist ein konkretes Werkzeug, was ich auf mich anpassen und anwenden kann und werde. Ich habe die Liste erst vor ein paar Minuten gelesen, schon läuft mein Hirn im Höchstbetrieb, um zu prüfen, was für mich auch so stimmt oder was ich anders sehe. Sehr anregend. Vielen Dank!

  • Das ist unglaublich gut geschrieben. Danke! Ich habe selber schon die Erfahrung mit verschiedenen Punkten gemacht, vor allem mit dem von Ihnen zuletzt Angesprochenen – ’sich nett für einen Ratschlag zu bedanken, der für mich aber nicht hilfreich ist‘! Viele Grüße

  • Hallöchen,

    ich stimme im Groben zu, würde mir allerdings manchmal ein paar Rechtschreibfehler weniger wünschen, wenn ich darf ;-)

    Aber ganz ehrlich, mich beim Aüßern der Kritik immer beim Anderen zu orientieren (die meisten beschriebenen Punkte bezogen sich ja immer auf den anderen), ist mir zu aufwändig und zeugt auch für meine Begriffe von zu viel Außenorientiertheit. Vorausgesetzt, Ziel von Kritik liegt nicht in der Genugtuung, dann äußere ich Kritik, weil ich ein Gefühl oder einen Gedanken zu der kritisierenden Sache habe. Das geht dann von mir aus und orientiert sich nicht am Anderen. Klar, kann ich so etwas abstufen etc. im Sinne des Anderen. Aber äußern möchte ich Kritik in jedem Fall, wenn sie mir angebracht erscheint, damit ich mir selbst damit auch gerecht werde.
    Ich empfinde Kritik als Aufgabe von einem selbst, nicht (nur) als Geschenk an den Anderen.

    In diesem Sinne

  • Mit den meisten Punkten bin ich wirklich einverstanden,(Sandwich-Technik, erst was Positives) ABER (jetzt kommt der unfreundliche Teil ;-) ) ich glaube nicht, dass man immer wo Kritik nötig wäre danach gefragt wird. Eher selten sogar, denn wer von seiner Sache überzeugt ist, fragt nicht nach Kritik.

    Auch glaube ich nicht, dass Kritik für sich zu behalten immer eine respektvolle Lösung ist. Das führt oft eher dazu, dass man sich mit seiner Meinung überlegen fühlt ohne gegen diese Meinung andere Argumente zuzulassen… aber man ist superintelligent und weiß alles besser.

    Ansonsten wie immer eine gelungene Kolumne (Sandwichdeckel)

  • Ergänzung:
    hab mal eine nette Spruchkarte gelesen (Autor leider nicht gemerkt) – sinngemäß:
    „Wenn Du jemandem die Meinung über ihn sagen willst, solltest Du sie ihm anbieten, wie einen Mantel, in den er hineinschlüpfen kann, und nicht wie einen nassen Fetzen ins Gesicht schleudern“
    Hat mir erleichtert, meinen Anspruch „ehrlich“ zu sein zu leben, ohne dabei zu leicht in die Falle „verletzend“ zu stolpern.

  • Gute Überlegungen – danke.
    Klitzekleine „Warnung“. Die sog. „Sandwich“-Methode (Lob-Kritik-Lob) ist schon wieder als „nicht sinnvoll“ erkannt worden. Sie entwertet die pos. Rückmeldung ebenso „gründlich“, wie ein …., ABER … „Du bist ja ganz ok, aber…“
    Es wird nur das Kritisierte „gehört“.
    Deshalb besser: ganz klar trennen. Im Alltag auch Positives öfter und getrennt von zu Kritisierendem ansprechen, damit es wieder „selbstverständlich“ wird. Und beides immer zum „richtigen“ Zeitpunkt. Wer Positives anspricht, von dem wird auch Kritik besser angenommen, wie auch umgekehrt.
    Würde mich über ein „Echo“ freuen.
    Und DANKE für die vielen spannenden, interessanten und anregenden Gedanken, die Eure Seite mir ins Haus liefert. Freu mich immer, wenn sie kommt. Alles Gute weiterhin.

  • Kritik von Freunden sollte man als das ansehen, was sie ist: Ein Kommentar aus deren Welt. Jeder spricht aus seiner Welt. Besonders witzig wird es, wenn man eigene Ansichten, neu verpackt als deren eigene, zurück bekommt. Wenn einem Negatives, was exakt auf einen zugeschnitten ist, als „man sollte“-Satz angetragen wird. (…)

    Ich kann nur berichten: Nachdem sich meine damaligen Freunde über alles aufregten, was ich tat, ich die Freundschaft beendete, sie nach Jahren wieder traf, war ich im übertragenen Sinne gerecht auf alle aufgeteilt. Die eine war so schlank wie ich, die andere studierte das, was ich studieren wollte und züchtete dafür sogar Käfer (was für sie damals das absolute No-Go war), die nächste hatte einen Freund, der um viele Jahre jünger war. Und mir versuchten sie, all die Jahre vorher all das mit Vehemenz auszutreiben. Danke „Freunde“. Anscheinend bin ich doch ganz toll!

  • Das sind sehr interressante Gedanken. Ja über Kritik läßt es sich gut reden…Wenn man zb. Hin und Her gerissen ist, dann finde ich den Spruch gut:Jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst die niemand kann.
    Doch wie sieht es in mir selber aus, dass ist dann mein Problem, denn wir sind uns selbst die grössten Kritiker. Was denkt er/sie jetzt.
    Ich blamier mich doch nicht freiwillig.
    Er/sie ist hübscher,besser,intelligenter als ich ….etc

    Tja, jedem das seine mir das meine!Es kommt immer darauf an.

    Da fällt mir ein – ,andere zu kritisieren ist einfach, aber wieviel kann ich selber davon einstecken, wenn andere auch mal kriteln?
    Am besten ich kritisiere nicht – wenn mich niemand darum bittet puhh, jetz bin ich wiede fein raus!Dann denke ich es mir einfach.

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