„Sommeruni

Mein Leben aus eigener Kraft besser machen

Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein – 10 sofort umsetzbare Tipps (Seite 2 von 1)

Selbstvertrauen_Selbstbewusstsein

„Ich würde so gerne stärker sein. Mich trauen. Mich trauen, mehr ICH zu sein. Mich trauen, mehr mein Ding zu  machen. Einfacher auf Leute zugehen können. Und wenn wir schon mal dabei sind: Ich würde auch gerne mehr im Reinen mit mir sein. Einfach sagen: ‚Hey, ich bin o. k., wie ich bin, egal was die anderen denken.”

Könnten das das Gedanken sein? Wenn ja, dann bist du hier richtig. Denn hier geht es um diese Themen: um Selbstvertrauen, Selbstsicherheit und Selbstannahme. Oder, genauer gesagt, geht es darum, wie man diese positiven Qualitäten in sich steigern kann.
Wenn du das möchtest, dann würde ich dir hier gerne 10 kleine, aber sehr wirkungsvolle Ideen vorstellen. 10 Ideen, die dich näher zu einem guten Leben führen. Zu diesem guten Leben, in dem du dich innerlich stärker fühlst, weil du dich immer öfter traust und weil du dich immer öfter annimmst. Lasse uns starten mit den 10 Ideen. Nimm dir bitte die Ideen und lass dich davon inspirieren. Und ich könnte mir vorstellen, dass wenn du auch nur eine der Ideen in deinem Leben umsetzt, dass dein Leben dann ein klein wenig schöner und reicher wird.

1. Ich kann mir Fehler erlauben (Selbstannahme)

„Ich bin als Mensch richtig, wie ich bin, auch wenn ich Schwächen, Fehler und meine manchmal seltsamen Eigenarten habe.“

Sich selbst zu akzeptieren bedeutet, sich anzunehmen, wie man ist. Also zu sagen: Ja, meine Nase ist krumm und ich bin als Mensch trotzdem o. k. Die große Frage ist: Wie gelingt es, diese Haltung der Selbstannahme auch wirklich zu leben? Sich also im Alltag wirklich zu akzeptieren. Auch mit dem, was man an sich selbst nicht mag. Dazu ein einfacher, aber sehr wirkungsvoller Tipp, der allerdings ein bisschen Übung braucht.

Das heißt, die Vorgehensweise, die wir hier vorschlagen, bringt nur etwas, wenn du es öfters machst. Der Tipp lautet: Denke an eine Sache, die du an dir selbst nicht magst und über die du regelmäßig stolperst. Bei der du also öfter zu dir selbst sagst: „Das ist wirklich furchtbar, dass ich so bin.“ Oder vielleicht sogar: „Ich hasse mich dafür.“ Zum Beispiel:

  • Äußerlichkeiten, wie eine zu große Nase, zu viele Kilos oder eine zu kleine Körpergröße
  • Eigenschaften, wie Schüchternheit, Gereiztheit, langsame Auffassungsgabe
  • andere Dinge, wie zu wenig Bildung, Arbeitslosigkeit, Kinderlosigkeit, Einsamkeit

Du kannst alles nehmen, was du regelmäßig an dir selbst nicht magst. Und jetzt kommt der Trick: Sag dir hier bitte:

„Obwohl ich … bin, bin ich als Mensch o. k. und richtig und ich habe trotzdem die guten Dinge im Leben verdient.“

Mit den guten Dingen meine ich hier: Liebe, Respekt, Wohlstand, Anerkennung usw. Dieser Satz spiegelt eine fundamentale Tatsache des Lebens wider, die du zwingend verinnerlichen musst. Wir Menschen haben alle unsere Schwächen und Probleme. Jeder. Auch die ganz Schönen und Erfolgreichen. Und wir sind trotzdem als Mensch o. k. und richtig. Und wir haben alle die guten Dinge im Leben verdient. Unabhängig davon, ob wir perfekt sind. Denn wenn nur die perfekten Menschen die guten Dingen verdient hätten, dann hätte niemand die guten Dinge verdient. Weil einfach niemand perfekt ist. Du nicht. Ich nicht. Madonna und George Clooney auch nicht. Einige Beispiele für den Selbstannahme-Satz von oben:

„Obwohl ich zu dick bin, bin ich als Mensch o. k. und richtig und ich habe trotzdem die guten Dinge im Leben verdient.“ „Obwohl ich so ein Chaot bin, bin ich als Mensch o. k. und richtig und ich habe trotzdem die guten Dinge im Leben verdient.“ „Obwohl ich so schüchtern bin, bin ich als Mensch o. k. und richtig und ich habe trotzdem die guten Dinge im Leben verdient.“ „Obwohl ich so ein Angsthase bin, bin ich als Mensch o. k. und richtig und ich habe trotzdem die guten Dinge im Leben verdient.“

Nimm dir also eine Sache, mit der du bei dir haderst, und sage dir so einen Satz dazu. Das machst du am besten mehrmals am Tag. Vor allem dann, wenn du dich dabei erwischst, dass du dich selbst gerade verurteilst und eine deiner Eigenschaften bei dir selbst ablehnst. Das war der wichtigste Punkt der 10 Ideen. Wenn du hier aufhörst zu lesen und diese Sache umsetzt, bist du schon einen großen Schritt weiter.

2. Ich kann wachsen (Selbstvertrauen)

„Ich kann das oder ich kann lernen, was ich dazu brauche.“

Weißt du, was Selbstvertrauen ist? Das ist der Glaube an sich selbst. Der Glaube, dass man die Herausforderungen, die einem das Leben in den Weg schmeißt, auch bewältigen kann. Der Glaube, dass man durch Nachdenken, fleißige Arbeit und Dranbleiben alles erreichen kann, was man sich vorgenommen hat.

Schreib dich glücklich…

Es gibt eine bestimmte Art, ein Tagebuch zu schreiben. Eine Art, die dich wirklich voran bringt. Ein Tagebuch, das dich heilen kann. Pure Selbsterkenntnis. Und jede Menge Spaß: Projekt: Tagebuch.

Man hat also Vertrauen in die eigene Kraft. In die eigene Fähigkeit, seine selbstgesteckten Ziele zu erreichen. Wenn du dir zum Beispiel vornimmst, dich beruflich neu zu orientieren. Oder wenn du dich traust, dich zu trennen, im Vertrauen, dass du den schmerzhaften Weg bewältigen kannst. Oder wenn du dir zutraust, einen verantwortlichen Posten anzunehmen. Oder vielleicht ausprobierst, dein Hobby zu deinem Beruf zu machen.

Sich selbst zu vertrauen, das bedeutet, dass man als Mensch wachsen kann. Dass man lernen kann, was man auf dem Weg braucht. Dass man Fehler machen darf, ja dass das sogar ein wichtiger Teil des eigenen Wegs ist. Und dass man in der Lage ist, aus seinen Fehlern zu lernen.

Natürlich gilt das nicht für alles. Für mich zum Beispiel ist der Zug für eine Karriere als Balletttänzer oder Astronaut abgefahren :-)

Aber weil ich mir erlaube zu lernen und als Mensch und in meinen Fähigkeiten zu wachsen, traue ich mir ganz viele Dinge zu.

Auch Dinge, die ich noch nie vorher getan habe. Wenn du dein Selbstvertrauen steigern willst, fang deswegen am besten an, dich als Mensch weiterzuentwickeln. Zeige dir selbst, dass du lernen kannst.

Das ist übrigens auch eine der zentralen Lernziele in unserem Projekt “Innere Stärke”.

Lerne eine neue Sprache oder eine Fähigkeit. Fange einen neuen Sport an. Bring dir Programmieren bei. Mache eine Weiterbildung. Oder beschäftige dich mit einer Sache, in der du in der Schule schlecht warst. Aber am besten ist es, wenn du anfängst, die Dinge zu lernen, die mit deinen Wünschen, Zielen und Bedürfnissen zusammenhängen.

Willst du dich selbstständig machen, dann lerne zum Beispiel kaufmännisches Denken. Wenn du einen Partner kennenlernen willst, trainiere deine kommunikativen Fähigkeiten und deine Offenheit anderen Menschen gegenüber. Zeige dir, dass du als Mensch wachsen kannst. Und dein Vertrauen in dich selbst wird mit dir wachsen.

3. Ich kenne mich selbst (Selbstbewusstsein)

„Ich weiß, wer ich bin und wo ich stehe.“

Selbstbewusste Menschen verhalten sich häufiger souveräner als Menschen mit einem niedrigen Vertrauen in sich. Sie reagieren in schwierigen Situationen ruhiger und gelassener. Sie können sich Kritik anhören und mit ihr auf entspannte Weise umgehen. Außerdem agieren Menschen mit einem starken Eigenvertrauen mehr, als dass sie reagieren. Und sie sprechen Dinge an, die ihnen wichtig sind. Warum können selbstbewusste Menschen das? Weil sie sich über einige wichtige Dinge klar sind:

  1. Selbstbewusste Menschen wissen, wer sie sind. Stichwort: Selbsterkenntnis.
  2. Selbstbewusste Menschen wissen, was ihnen wichtig ist.
  3. Und vor allem: Selbstbewusste Menschen haben ein gesundes Empfinden für ihre Grenzen, was für sie also akzeptables und was übergriffiges und inakzeptables Verhalten ist.

Und dieses Wissen bringt einem innere Stabilität. Und weil sie das wissen, kann man sie nicht so einfach überrumpeln oder aus der Balance bringen. Weil sie durch ihre Klarheit innerlich gefestigt sind. In diesen 3 Punkten von oben liegt auch der Weg, den du gehen kannst, wenn du dir mehr Souveränität wünschst.

  1. Finde heraus, wer du bist.
  2. Finde heraus, was dir wirklich wichtig ist und wo du nicht bereit bist, Kompromisse zu machen.
  3. Definiere deine Grenzen. Entscheide dich dafür, was du anderen Menschen in Zukunft erlaubst und was nicht.

Diese 3 Punkte sind natürlich nicht so schnell für sich selbst geklärt. Aber es lohnt sich, sich lange und tief mit diesen Fragen zu beschäftigen und diese Klarheit für sich selbst zu entwickeln. Und das bringt dir mehr Sicherheit und mehr Souveränität. Wir haben dazu übrigens ein ausgefeiltes Programm (Finde deinen Kompass), mit dem man sich selbst und seine Wünsche und Bedürfnisse in ganz kleinen Schritten immer besser und besser kennenlernen kann.

4. Ich bin echt (Authentizität)

„Ich bin, wie ich bin, und das ist es, wie ich bin.“

Je mehr wir lernen, uns selbst zu akzeptieren, desto wahrhaftiger, echter, authentischer werden wir. Wir zeigen uns also immer öfter, wie wir sind. Ohne uns dafür zu schämen, dass wir sind, wie wir sind. Wir haben kein Bedürfnis mehr, uns zu verstecken. Und wir können dann immer öfter sagen: Was du von mir denkst, das ist dein Problem und nicht meines.

Echtheit ist eine Folge von Selbstannahme. Das Ganze funktioniert aber auch andersherum. Wenn ich mich bewusst traue, mich zu zeigen, wie ich bin, wächst dadurch meine Selbstannahme. Auch wenn ich noch nicht ganz im Reinen mit mir bin. Selbst wenn ich mich ein bisschen für meine Fehler und Makel und Schwächen schäme. In der Psychologie nennen wir das das „So tun als ob“-Prinzip.

Wenn du so tust, als ob du dich traust, echt und wahrhaftig zu sein, dann zieht deine Selbstannahme nach und du lernst dich immer mehr und mehr zu akzeptieren. Der Trick ist hier nur, ganz vorsichtig zu starten. Zeige dich zuerst nur ganz ausgewählten Menschen, denen du vertraust. Steh hier zu deinen Ängsten, Schwächen, Fehlern und zu den Dingen, die du dir manchmal anders wünschen würdest.

Sprich über deine Scham und deine Verletzlichkeit. Und du wirst sehen, wie schnell du eine neue Verbundenheit zu deinem Gegenüber spürst, die du vielleicht vorher noch nicht erlebt hast. Das Teilen der eigenen Verletzlichkeit schafft eine Verbindung, die tiefer nicht sein kann. Aber wie gesagt: Vorsicht. Starte hier mit vertrauenswürdigen Personen.

Und je öfter du dazu stehst, wie du bist, desto größer wird auch deine Selbstannahme. Ein anderer Trick: Mache eine Liste mit allen Dingen, die du an dir nicht magst und für die du dich manchmal schämst. Bringe die ganzen Dämonen einfach aufs Papier. Das kann für sich alleine genommen sehr reinigend sein.

Dann sortiere die Liste einmal so, dass die am wenigsten schlimmen Dingen oben stehen und nach unten hin dann die wirklichen Klopper kommen. Und übe, immer mehr und mehr zu den Dingen vom Anfang der Liste zu stehen. Gib es offen zu, dass du hier so bist, wie du bist. Stehe immer mehr dazu.

Im Gespräch, wenn du bemerkst, dass jemand mit sich hadert, sage immer öfter: „Ja, das ist bei mir auch so.“ Zumindest wenn du mit der gleichen Sache haderst und diese Schwäche teilst. Du wirst immer mehr bemerken, wie viele Menschen an den gleichen Dingen zu knabbern haben. Und Gemeinsamkeit und Verbundenheit schafft hier einen wunderbar heilenden Effekt. Zeige dir also immer öfter und in vorsichtigen Schritten, wie du bist. Stehe zu deinen Ängsten. Sag, wenn dir etwas unangenehm ist. Oder anders gesagt: Werde immer echter, wahrhaftiger und authentischer. Ganz gezielt. Das erfordert Mut. Aber du wirst sehen, dass du dich dadurch immer besser annehmen kannst. Und du wirst mehr Respekt ernten von den Menschen, auf die es wirklich ankommt.

5. Ich erlaube mir meine Bedürfnisse (Selbstfürsorge)

„Ich habe die guten Dinge im Leben verdient.“

Wir Menschen haben alle unsere Bedürfnisse. Zum Beispiel:

  • das Bedürfnis nach Liebe, Miteinander, Austausch und Verbundenheit
  • das Bedürfnis nach physischer und emotionaler Sicherheit
  • das Bedürfnis nach Wohlergehen und Wohlstand
  • das Bedürfnis, dass das, was wir tun, funktioniert und ein gutes Ergebnis bringt (auch Erfolg genannt), oder
  • das Bedürfnis nach Freiheit, Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung

Wir alle unterscheiden uns natürlich in unseren Bedürfnissen. Die einen haben ein ganz großes soziales Bedürfnis, während anderen eher ihre Freiheit wichtig ist. Du weißt: Wir sind eben alle anders. Aber auch nicht so viel anders.

Es ist jedenfalls nicht schwer, jemanden zu finden, der die gleichen Bedürfnisse hat wie ich. Bedürfnisse zu haben ist kein Problem. Ein Problem wird es, wenn wir uns unsere Bedürfnisse nicht erlauben. Wenn wir nicht glauben, die guten Dinge wie Liebe, Wohlergehen oder Selbstbestimmung verdient zu haben.

Viele Menschen haben große Schwierigkeiten, für sich, ihre Wünsche und ihre Interessen einzustehen. Oft weil sie irgendwo glauben, sie wären nicht gut genug, nicht brav genug oder nicht würdig genug für die guten Dinge. Und hier kommt die gute, aber auch gleichzeitig schwierige Nachricht: Es gibt nur einen einzigen Menschen, der dir die Erlaubnis geben kann, sich die guten Dinge im Leben zu nehmen. Und dieser Mensch bist du selbst.

Ich kann dir sagen: Hey, du bist ein wirklich wundervoller Mensch, auch wenn du das vielleicht selbst noch nicht so richtig sehen kannst. Und ich erlaube dir jetzt hier ganz ausdrücklich, dass du deine Bedürfnisse nach Liebe, Miteinander, Respekt, Wohlergehen oder Selbstbestimmung leben darfst. Suche Liebe. Fordere Respekt und Selbstbestimmung. Ich erlaube dir das. Aber meine Erlaubnis ist natürlich vollkommen bedeutungslos. Auch die Erlaubnis deiner Eltern oder deiner Familie – auch wenn sie schon etwas gewichtiger ist – spielt meistens keine Rolle. Es gibt nur einen Menschen, der dir die Erlaubnis geben kann. Du selbst.

Das ist oft nichts, was man von einem Augenblick auf den anderen kann. Es geht nicht, einfach nur den Schalter umzulegen. Das wäre schön. Aber so klappt das leider nicht. Sich selbst die Erlaubnis für die guten Dinge zu geben, ist meistens eine Reise mit vielen kleinen Schritten, auch einigen Rückschritten, aber irgendwann bist du angekommen, wenn du dranbleibst. Und es lohnt sich dranzubleiben. Weil das Ziel der Reise ganz, ganz wertvoll und lebensdienlich für dich ist.

Der erste Schritt könnte sein, deine Bedürfnisse erst einmal wahrzunehmen. Frage dich öfters: Was genau brauche ich eigentlich gerade? Ist es Ruhe, Geborgenheit, Unterhaltung? Was genau ist es, das ich brauche? Dann frage dich: „Darf ich mir dieses Bedürfnis jetzt erfüllen?“ Versuche immer öfter mit „Ja“ zu antworten. Erlauben dir die die guten Dinge, die du brauchst. Immer mehr und mehr.

6. Ich schaue auch auf meine Stärken (realistische Selbsteinschätzung)

„Ich weiß, was ich kann und was ich (noch) nicht kann.“

Wenn wir Schwierigkeiten mit Selbstannahme haben, dann liegt das oft auch ein bisschen an unserem Fokus. Du kennst das ja, es gibt Pessimisten, die sehen in der Welt immer die Gefahren und Risiken. Und es gibt Optimisten, die immer die Chancen und Möglichkeiten sehen.

Beide Gruppen schauen auf die gleiche Welt, sie haben nur eine andere Brille auf. Auch was uns selbst betrifft, haben wir eine Brille auf. Eine Brille, die manchmal nur die negativen Eigenschaften an uns sieht. Die Dinge an uns, die nicht in Ordnung sind. Und die Fehler, die wir gemacht haben. Bei anderen Menschen siehst du das.

Jeder Mensch hat seine Stärken und Schwächen, seine schönen und hässlichen Seiten. Von außen können wir das gut erkennen. Nur wir selbst sind oft die Ausnahme. Wir selbst haben hauptsächlich Schwächen, Makel und Unzulänglichkeiten. Stärken sind eher Mangelware. Aber dass wir uns selbst so sehen, liegt nicht daran, dass wir wirklich keine guten Seiten hätten. Es liegt an der Brille, die wir aufhaben, die unsere Stärken ganz klein macht und unsere Schwächen ganz groß. Könnten wir nicht einfach die Brille abnehmen und eine andere Brille aufsetzen? Eine bessere Brille? Genau. Das können wir.

Du brauchst eine andere Brille. Und zwar eine, mit der du dich selbst realistisch und in deiner ganzen Spannbreite sehen kannst. Der erste Schritt dazu ist, dass du dir erst einmal klarmachst: „Hey, ich habe eine Brille auf, die verhindert, dass ich auch meine guten Seiten sehe.“ Diese Brille ist vielleicht entstanden durch negative Botschaften und Signale von Lehrern, Eltern, Verwandten oder anderen Menschen. Vielleicht auch anders. Aber jeder Mensch hat Stärken, Begabungen und Talente.

Vielleicht hast du deine Talente bisher noch nicht genug gefördert, deswegen kannst du sie noch nicht sehen. Aber sie sind da. Deine Aufgabe ist jetzt, die negative Brille abzusetzen und sich auf die Suche zu machen. Auf die Suche nach den Dingen, die du gut kannst. Dazu eine Reihe von Fragen, die du dir wieder und wieder stellen kannst.

  • Wo sage ich immer: „Aber das ist doch nichts. Das zählt doch nicht. Das kann doch jeder“? (Meistens ist es so, dass es nicht jeder kann, es ist nur selbstverständlich für uns, weil wir es können.)
  • Was habe ich bisher in meinem Leben erreicht? Und welche Fähigkeiten, Eigenschaften, Stärken haben mir dabei geholfen?
  • Was liegt mir ganz stark am Herzen? Und welche meiner (positiven) Eigenschaften kann man dahinter erkennen?
  • Wofür loben mich andere?

Was du auch machen kannst, ist, am Abend den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen und dich zu fragen: Was habe ich heute eigentlich ganz gut gemacht? Durch diese Frage lenkst du deinen Fokus auch auf deine kleinen und großen Erfolge und auf deine Stärken. Probiere es einmal. Setze, was deine eigene Person betrifft, einfach einmal eine andere Brille auf.

7. Ich lebe meine Werte (Selbstverwirklichung)

„Ich bin mir selbst treu.“

Oben unter Punkt 3 konntest du lesen, wie wichtig es ist, zu wissen, wer man ist. Dazu gehört auch zu wissen, was einem wichtig ist, weil einem das eine gewisse innere Stärke gibt. Es ist aber nicht nur wichtig, die eigenen Werte zu kennen. Es ist auch wichtig, sie zu leben und sie gegenüber anderen zu verteidigen. Denn wenn wir das nicht tun, kommt uns schnell der Selbstrespekt abhanden.

Wenn ich meine Werte dagegen so gut, wie es geht, lebe, dann steigert das meine Selbstachtung. Es ist also wichtig zu leben, was einem wichtig ist. Aber woran merkt man, dass einem eine Sache wirklich wichtig ist? Zum einen daran, dass man ganz automatisch danach strebt, dass diese wichtige Sache im eigenen Leben erfüllt ist.

Wenn ich jeden Tag meinen Müll trenne, bei Greenpeace Mitglied bin und zu Demos gegen Umweltverschmutzung gehe, dann ist mir offensichtlich „Umweltschutz“ wichtig. Umweltschutz ist dann einer meiner Werte. Oder wenn ich mich jeden Tag liebevoll um meine Lieben kümmere und versuche, es allen so schön wie möglich zu machen, und es mir wichtig ist, dass wir als Familie etwas unternehmen, dann ist „Familie“ einer meiner wichtigen Werte. Es gibt so viele Werte. Gerechtigkeit. Liebe. Toleranz. Miteinander. Erfolg. Selbstbestimmung. Harmonie. Gelassenheit. Und, und, und …

Wir alle haben unsere Werte. Die Dinge, die uns wichtig sind. Aber es gibt auch ständig Situationen, die unsere Werte in Frage stellen. Situationen, die uns dazu verführen, unsere Werte zu opfern und entgegen unseren Werten zu handeln. Und es ist absolut menschlich, hier auch einmal einzuknicken. Das passiert jedem von uns. Und in diesem Fall ist es wieder wichtig, sich das Einknicken selbst zu verzeihen (siehe Punkt 1). Noch besser ist es allerdings, seine Werte hochzuhalten und das eigene Leben so gut, wie es geht, danach auszurichten. Immer bekommt niemand das hin. Aber so oft wie möglich. Das ist der Weg. Und wie schafft man das? Stell dir dazu einfach zwei Fragen:

  • Was ist mir wirklich wichtig im Leben?
  • Und was tut ein Mensch im Alltag wieder und wieder, dem diese Dinge wichtig sind?

Und dann versuche, dein Handeln immer mehr und mehr in Einklang mit diesem Ideal zu bringen. Denn dann kannst du mit Stolz in den Spiegel schauen und dir sagen: Ich bin mir selbst treu. Ich lebe, was mir wichtig ist.

8. Ich löse meine Probleme (Problemlösungs-Kompetenz)

„Ich nehme mein Leben in die Hand.“

Menschen mit einem starken Selbstbewusstsein lösen ihre Probleme. Das bedeutet nicht, dass sie wie Superman sind und alle Probleme mit einer kleinen Handbewegung aus der Welt schaffen. Aber sie haben ihre Probleme auf dem Zettel und versuchen nach und nach, Lösungen dafür zu finden. Sie ziehen nicht den Kopf ein und warten, bis es vorbei ist.

Sie warten auch nicht, bis ein Retter kommt und die Sache für sie aus der Welt schafft. Sie sagen sich: Das ist Mist, das geht so nicht weiter, deswegen werde ich hier etwas unternehmen. Und dann unternehmen sie etwas, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Auch hier gilt das „So tun als ob“-Prinzip. Wenn du anfängst, deine kleinen und großen Probleme anzugehen und zu lösen, wird das deine Selbstachtung erhöhen. Weil du etwas für dich selbst tust. Weil du dir wichtig genug bist, für dich selbst einzustehen und deine Probleme zu lösen. Und du kannst hier mit den ganz kleinen Dingen anfangen:

  • endlich den Fahrradreifen flicken lassen
  • mit meinem Partner über die Aufteilung der Hausarbeit sprechen oder
  • ein vernünftiges Erinnerungssystem für alle Geburtstage einrichten, sodass ich sie nicht immer wieder vergesse

Natürlich kannst du dich auch um größere Probleme kümmern:

  • mir eine zentralere Wohnung suchen, damit ich nicht mehr so weit zur Arbeit fahren muss
  • einer örtlichen Gruppe (z. B. über xing.de oder newintown.de) beitreten, um neue Leute kennen zu lernen
  • entscheiden, ob ich eine Fortbildung mache, um mich beruflich neu zu qualifizieren

Nimm dein Leben in die Hand und löse deine Probleme eines nach dem anderen. Zuerst die ganz kleinen und dann wagst du dich an die größeren. Das schafft Vertrauen in sich und Selbstachtung.

9. Ich bin freundlich zu mir (Selbstfreundlichkeit)

„Ich behandele mich wie einen guten Freund.“

Es gibt noch eine Sache, die uns dabei hilft, uns selbst mehr zu achten und zu akzeptieren: Selbstfreundlichkeit. Selbstfreundlichkeit bedeutet nichts anderes, als freundschaftlich mit sich selbst umzugehen. Also so, wie wir einen guten Freund idealerweise behandeln:

  • Wir sprechen freundlich und respektvoll mit einem Freund.
  • Wir hören unserem Freund gut zu, ohne ihn zu verurteilen.
  • Wir bauen unseren Freund auf und machen Mut, wenn etwas Doofes passiert ist.
  • Wir sagen ihm, dass wir ihn mögen.
  • Wir verzeihen ihm, wenn er sich mal doof benommen haben, weil wir wissen, dass wir Menschen eben alle nicht perfekt sind und jeder mal einen schlechten Tag hat.

Genau so behandeln wir uns selbst auch. Wir sprechen in Gedanken freundlich und respektvoll mit uns selbst. Auf Augenhöhe. Ohne Anklagen, Gemeinheiten und Vorwürfe. Wir machen uns in schwierigen Situationen selbst Mut und bauen uns selbst auf. Wir sagen uns in Gedanken öfters mal selbst, dass wir uns mögen und dass wir etwas gut gemacht haben. Wir gestehen es uns selbst zu, Fehler zu machen und uns auch mal doof zu benehmen. Wir verzeihen uns das selbst.

Das alles bedeutet Selbstfreundlichkeit. Und wenn du deine Beziehung zu dir selbst verbessern möchtest, dann praktiziere öfter Selbstfreundlichkeit. Behandle dich selbst wie einen guten Freund. Ein guter Start, um sich hier zu ändern, ist, sich regelmäßig daran zu erinnern, wie man sich in Zukunft anders verhalten und freundlicher zu sich sein möchte. Durch Post-it-Notes. Oder stelle dir einen Handy-Alarm. Eine andere Möglichkeit ist, ein Journal zu schreiben, in dem du jeden Tag kurz notierst, wie gut du heute in Sachen Selbstfreundlichkeit warst, am besten mit konkreten Ereignissen.

Zum Beispiel: „Heute nett zu mir gesprochen und mich nicht selbst runtergemacht, obwohl mir beim Kochen meine Soße angebrannt ist. Normalerweise hätte ich mich dann selbst beleidigt. Heute nicht. Sehr gut.“ Wie auch immer du es anstellst: Versuche doch in Zukunft freundlicher mit dir selbst umzugehen. Denn das fühlt sich so viel besser an, als wenn du dich ständig selbst fertigmachst. Wenn du dabei Hilfe brauchst, könnte dir übrigens unser Audio-Training Selbstannahme weiterhelfen.

10. Das Wichtigste zum Schluss: Ich gehe kleine Schritte

„Ich lass mir Zeit und bleibe dran.“

Ja, ich weiß. Das waren ganz schön viele Ideen in diesem Beitrag. Und jede einzelne von den Ideen ist anspruchsvoll und nicht von heute auf morgen in die Tat umzusetzen. Deswegen ist eines wichtig: Versuche nicht, alles aus diesem Beitrag sofort umzusetzen. Greife dir lieber eine einzige kleine Sache heraus, die du ausprobierst.

Wenn du damit eine Weile herumprobiert hast, dann kannst du dich dem nächsten Punkt zuwenden. Denn wie sagt man so schön: Jede noch so große Reise beginnt mit einem einzelnen Schritt. Und jeder kleine Schritt bringt dich deinem Ziel näher. Die Versuchung ist groß, alles auf einmal ändern zu wollen. Aber dauerhafte Veränderung funktioniert so leider nicht.

Die allermeisten guten Vorsätze und Veränderungsbestrebungen scheitern an einer Sache: fehlende Geduld. Wenn du wirklich etwas ändern willst, dann fang mit einer Kleinigkeit an, bleibe dran, genieße kleine Erfolge, ändere eine zusätzliche Kleinigkeit, bleibe weiter dran, genieße kleine Erfolge, ändere weiter und weiter und weiter, genieße deinen Fortschritt und vor allem: Bleibe so lange dran, bis du mit deinem Vertrauen in dich selbst und deiner Selbstannahme richtig zufrieden bist.

Das Ganze kann ein Weilchen dauern. Dinge, die sich über Jahre oder Jahrzehnte eingeschlichen haben, ändert man nicht in einem Monat. Es ist menschlich, dass man es schnell hinter sich haben will. Aber so funktioniert es nicht. Ich kann dir nur empfehlen: Fang, lass dir Zeit und genieße den Weg. Den Weg zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstannahme.

Mit diesen 10 Schritten kommst du schon erstaunlich weit. Der Trick ist aber wie gesagt, die Schritte auch wirklich zu gehen.

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Kommentare

  • Kenne dich selber und wisse was du super kannst und womit du anderen Menschen helfen kannst – damit wird sich dein Selbstvertrauen stark steigern und du wirst mehr Anerkennung bekommen :)

  • Das ist doch der totale blödsinn…
    Diese Aufgaben kann doch nicht einmal der selbstbewussteste Mensch erfüllen, und ich finde sie dienen nur dazu Menschen mit wenig Selbstbewusstsein nur noch mehr zu verunsichern.
    Ich finde, es sollte jeder seinen eigenen Weg finden, mit sich selbst zurechtzukommen und das Leben zu leben, das man sich wünscht!

  • Ich finde, dass dieser Beitrag sehr spannend und ausführlich geschrieben ist, und ich denke, man kann auch sehr viel daraus lernen!;) Solche professionell geschriebenen Beiträge sind super! Dankeschön!:)
    Gruss, Elli;

  • Ich finde, dass dieser Beitrag sehr spannend und ausführluch geschrieben ist, und ich denke, man kann auch sehr viel daraus lernen!;) Solche professionell geschriebenen Beiträge sind super! Dankeschön!:)
    Gruss, Elli;

  • Toller Beitrag!
    Ich finde es vom Mindset her auch sehr wichtig sich Fehler zu erlauben,denn ansonsten fühlt man sich schnell wie eine Maschine,anstatt wie ein Mensch!

  • Wow, sehr toller und ausführlicher Beitrag !:) Auch super, dass ab und zu praktische Beispiele genannt werden.

    Gruß Tobias

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