Sommeruni 2017

Wie viel „Arbeit an mir selbst“ ist gesund?

An meinem Kommunikationsverhalten muss ich dringend noch arbeiten. Diese 5 kg müssen auch noch weg. Ich sollte früher ins Bett gehen. Ich will meine Freizeit sinnvoller nutzen. Ich muss dringend noch Chinesisch lernen, um meine Karrierechancen zu verbessern.

Früher hast du mal in der Jugend eine Sache gelernt und dann warst du mehr oder weniger fertig. Dann konntest du arbeiten gehen, heiraten, Kinder in die Welt setzen und zufrieden leben.

Heute ist das anders.

Die Gesellschaft fordert irgendwie von dir, dass du dich immer weiterentwickelst. Dass du besser wirst. Dass du immer weiter dazulernst. Dass du dich als Mensch immer weiter und weiter optimierst.

Sonst bist du nicht mehr wettbewerbsfähig.

Stichwort: Selbstoptimierung

Ja. Selbstoptimierung ist das Stichwort.

Das ständige, selbstgesteuerte Verbessern unseres Selbst.

Und ich bin ganz ehrlich: Ich persönlich liebe das. Ich finde es großartig, an mir selbst zu arbeiten, zu üben, zu trainieren und besser, fähiger und kompletter zu werden.

Ich weiß aber auch, dass der Anspruch der Selbstverbesserung für viele Leute unangenehm ist.

Dass man immer höher und weiter hinaus soll.

Dass du nie o. k. bist, wie du bist, sondern ständig nur mit deiner eigenen Unvollkommenheit konfrontiert bist.

Dass du immer nur ein „Work in Progress“ und nie fertig bist.

Wege aus der Einsamkeit

Oder wie man es schafft, echte Freunde zu gewinnen und dadurch ehrliche Nähe und Miteinander zu spüren: Dein Projekt: Wege aus der Einsamkeit.

Mir persönlich macht das nichts, weil ich von Hause aus ein Optimierer bin. Auch weil ich meinen Wert als Mensch nicht an meinen augenblicklichen Stand, sondern eher an mein Vorankommen und meine Entwicklung knüpfe.

Der subtile Druck der Selbstverbesserung

Aber viele andere Menschen empfinden den gesellschaftlichen Anspruch der Selbstverbesserung als beinahe aggressiv und druckvoll.

Vielleicht auch, weil du dich für viele Selbstverbesserungen selbst in Frage stellen und ändern musst. Und wer ändert sich schon gerne?

Jedenfalls habe ich mir neulich die Frage gestellt, ob diese Selbstverbesserung tatsächlich immer gut und gesund für alle ist.

Denn ich finde es wichtig, dass man das eigene Tun auch einmal kritisch hinterfragt.

Muss man sich ständig selbst verbessern?

Als jemand, der seinen Beruf und seine Berufung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung hat, bin ich der Selbstoptimierung gegenüber natürlich positiv eingestellt.

Aber ist es wirklich für jeden richtig und wichtig, sich selbst zu entwickeln und sich selbst zu verbessern?

Und meine Antwort auf diese Frage ist ein klares: Nein.

Wenn du mit deinem Leben zufrieden bist, wenn alles so ist, wie es sein soll, wenn du dein Leben in den meisten Bereichen magst …

… warum sollst du dann etwas ändern?

Dann ist doch alles gut.

Genieße einfach dein Leben.

Der einzige Grund könnte sein, wenn du eine starke Vermutung hast, dass sich dein Leben in Zukunft verschlechtern könnte, wenn du jetzt nichts tust.

Dass du also heute schon etwas ändern willst, um für die Zukunft besser gewappnet zu sein.

So wie ein Eichhörnchen Nüsse für den Winter verbuddelt.

Also vielleicht heute ohne konkreten Anlass eine Weiterbildung zu machen, einfach nur um deine Chancen für die Zukunft auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen.

Es ist schließlich dein Leben und du entscheidest

Was aber, wenn dein Leben in manchen Bereichen blöd ist? Wenn dein Job spaßfrei ist? Wenn du oft krank bist? Oder wenn du ständig mit deinem Partner streitest?

Musst du dann an dir arbeiten, damit es besser wird?

Nein, um Himmels willen, nein.

Natürlich musst du das nicht. Es ist dein Leben und du triffst die Entscheidungen. Du musst überhaupt nichts.

Du kannst dich entscheiden, den Schmerz und die Unzufriedenheit einfach auszuhalten. Du kannst dich entscheiden, einfach zu hoffen, dass es bald wieder von alleine besser wird.

Auch wenn die Gesellschaft schreit: „Du musst an dir arbeiten.“

Nein, du musst das nicht.

Niemand kann dich zwingen.

Es ist deine Entscheidung.

Du musst nicht, aber du kannst

Aber vielleicht sagst du ja auch:

„Ne, ich will was ändern, weil ich nur das eine Leben habe und weil ich mehr will, weil es jetzt genug ist, weil ich diese Unzufriedenheit nicht länger ertragen und aushalten will.“

Auch das ist deine Entscheidung.

Du musst es nicht, auch wenn die Gesellschaft es irgendwie zu fordern scheint.

Du solltest es auch nicht, weil dein Chef, deine Familie, deine Freunde zu dir sagen: „Da musst du mal an dir arbeiten“ oder „Da würde ich mal was ändern.“

Aber deswegen solltest du es nicht tun.

Du solltest es für dich tun. Du solltest es tun, wenn du dich dafür entschieden hast. Du solltest es tun, weil es dein Leben ist und weil es dein Job ist, dafür zu sorgen, dass du glücklich und zufrieden bist.

Und du solltest dich vielleicht nicht dafür entscheiden, weil es alle gerade machen. Weil alle gerade ins Yoga-Studio rennen. Weil alle gerade Russisch lernen.

Du solltest es nur dann tun, wenn du dadurch etwas in deinem Leben verbessern kannst.

Eines nach dem anderen

Und wenn du dich dafür entschieden hast, etwas zu verändern, dann möchte ich dir eine Sache empfehlen.

Und zwar: Mach nicht zu viel auf einmal.

Fange mit einer kleinen Sache an. Oder maximal mit zwei Projekten.

Denn du hast ja wahrscheinlich schon einen vollen Alltag und für jede neue Sache, die du beginnst, musst du eine andere Sache aus deinem Alltag streichen.

Fang also klein an. Nimm dir nicht zu viel vor. Pass auf, dass du dich nicht selbst überforderst. Denn Selbstüberforderung ist der häufigste Grund, warum Selbstverbesserungsprojekte scheitern.

Deswegen: Starte klein und vorsichtig. Denn steigern kannst du dich später immer noch, wenn du erst einmal den Rhythmus für dein neues Verbesserungsvorhaben gefunden hast.

Wie viel Selbstverbesserung ist also gesund für dich?

Kommen wir noch einmal zur ursprünglichen Frage zurück:

„Wie viel Selbstverbesserung ist gut für dich?“

Und darauf gibt es natürlich keine eindeutige Antwort.

Wenn alles gut bei dir ist, dann ist vielleicht gar keine Selbstverbesserung genau das Richtige.

Ansonsten möchte ich dir nur empfehlen, nicht zu sehr auf die Stimmen von außen zu hören, was du alles verbessern solltest.

Nicht auf das Internet, die Zeitschriften, nicht auf Trends, Freunde oder deine Familie.

Triff deine Entscheidung selbst aus dir heraus und für dich.

Überlege dir, worauf du am meisten Lust hast oder wo dein Leben das größte Verbesserungspotenzial hat.

Und dann fange an, in dieser Richtung dazuzulernen, zu trainieren, dich zu entwickeln.

Aber möglichst in kleinen Schritten. Eines nach dem anderen. In dem Tempo, das genau richtig für dich ist.

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Kommentare

  • Danke für das konstruktive Feedback.
    Richtig – jeder liest da seine eigene Wahrheit raus.
    Ich weiß aus meiner Erfahrung (z.B. in meinem beruflichen Umfeld), dass sich bei manchen Menschen (mit sehr wenig Selbstwertgefühl) immer dann der Zugang verschließt, wenn es ich Richtung „missionarisch“ geht.
    Oder in Richtung „Ich kann das, und du kannst das noch nicht“.
    Wie gesagt – grundsätzlich finde ich den Artikel gut.
    Der Sichtweise jedes Einzelnen ist zu vielfältig um einen Artikel zu verfassen der alle positiv erreicht.
    Meine Meinung ist: Wenn ich mit dem Artikel Menschen mit wenig Selbstwertgefühl erreichen möchte, kommuniziere ich nicht was ich alles kann. So ein Mensch läuft Gefahr dies auf sich zu projezieren und zu vergleichen. Und wird der Vergleich immer zu seinen Ungunsten ausfallen. Und er wird sich noch schwerer tun, die guten Ideen die in dem Artikel stecken für sich zu entdecken.

  • Ich finde den Artikel gut! Selbstoptimierung ist eine andere Baustelle als handfeste Probleme lösen. Über sich selbst hinauswachsen wollen ist eine Lebenseinstellung. Psychische Probleme angehen ( auch wenn das Wachstum bedeutet) mitunter aber eine Notwendigkeit den Alltag zu meistern. Das sind verschiedene Baustellen. Und ich finde auch, dass jeder selbst zu entscheiden hat ob er der Lust oder dem Druck auf „immer besser, höher, weiter…“ folgt oder es auch mal gut sein lässt.

  • Hallo Frank,

    ich lese ZZL Artikel schon seid einigen Jahren und weis, das Ralf ein Fan der Selbstoptimierung ist. Daher war ich am Anfang erst etwas überrascht, einen solchen Artikel von Ralf zu lesen. Aber genau die Sätze, die Du kritisierst, sind aus meiner Sicht nötig um zu verstehen, wie es gemeint ist. Hätte Ralf es nicht so geschrieben hätte das unglaubwürdig auf mich gewirkt, ich hätte es nicht verstanden, da er ja für sich Selbstoptimierung toll findet.

    Somit ist es für mich ein gelungender Artikel.
    Aber jeder sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel. Da würde ich Dir diesen ZZL Artikel empfehlen ;-):
    http://www.zeitzuleben.de/steffi-hat-probleme/?utm_source=CleverReach&utm_medium=email&utm_campaign=864-a&utm_content=Mailing_11537887

    Tina

  • Nachtrag: Aber dennoch sehe ICH PERSÖNLICH es genaus wie Ralf. Ich habe bisher von der einen oder anderen Optimierung in meinem Leben deutlich profitiert. Egal wie klein sie teilweise war.

    Aber das gilt FÜR MICH. So als Mensch. Wie ich eben so gestickt bin. Jeder andere darf das anders sehen und auch anders angehen. Weil ihm Optimierung vielleicht zu anstrengend ist oder oder oder.

    Genau so hat Ralf das auch geschrieben…

  • Hallo lieber Frank!

    Ich muss mich doch gerade ein bisschen wundern… Haben wir zwei den gleichen Artikel gelesen???

    Kein bisschen überheblich oder anmaßend wirkt der Autor hier auf mich… Ganz im Gegenteil… Er wirkt -auf mich- genau so, wie Du es Dir wünschen würdest… Was Deine Kritik irgendwie überflüssig macht…

    Er betont ja geradezu immer wieder, dass das jeder selbst entscheiden kann und selbst entscheiden muss, ob er oder sie optimieren will oder nicht. Und dass das eine wie das andere völlig gleich gut ist. Und auch, dass „Nicht-optimierter“ vielleicht auch einfach „zurfriedener“ sind… Wie kommt es, dass Du das überlesen oder nicht zur Kenntnis genommen hast????

    Aber da kann man ja mal wieder sehen, dass die „Realität“ immer nur im Auge des Betrachters liegt… Und mehr mit ihm selbst zu tun hat als mit dem, was dort „objektiv“ steht…

    Auf jeden Fall einen schönen Sonntag
    Ayse

  • Ich moechte auch a)richtig gut schwimmen koennen, b) endlich ins Auto steigen und losfahren, ohne Angst. Wie ueberwinde ich sie? Das waere mein Optimierungsprogramm, das ich immer wieder anpeile („nicht aufgeben“, „du schaffst das“, „mach endlich den ersten Schritt“ etc.etc.) Ich schaffe es aber nicht.

  • Ich habe in diesem Artikel ein paar Sätze gelesen, die ich kontraproduktiv finde (siehe weiter unten).
    Was hilft es einem Menschen wenn er liest, dass der Verfasser ein prima Selbstoptimierer ist und alles im Griff hat?
    Erzeugt das nicht auch wieder Druck bei Menschen die das nicht können?
    Hilft das einem Menschen der im hier und jetzt lebt und keinen Anlass für – oder gar Angst vor Veränderung hat?
    Jawohl – in meinem Innersten fühle ich mich auch als fanatischer Selbstoptimierer. Aber ich sage das nicht den Menschen die das nicht können. Diese Menschen sind gut so wie sie sind.
    Und wenn es mir möglich ist, eine Selbstoptimierungs-Aktion bei diesen Menschen zu fördern, macht mir das Spass und ich mache das sehr gerne. Aber ich helfe diesen Menschen nicht damit, indem ich ihnen sage, dass ich alles wunderbar im Griff habe. Das wollen die nicht hören. Das erzeugt nur ein Gefühl der „Minderwertigkeit“ (…Der kann das so toll, und ich nicht!).

    Vielleicht hat ja der Beständige im Gegensatz zum Selbstoptimierer ein viel zufriedeneres und erfüllteres Leben. Er rennt nicht permanent einem nie erreichbaren Idealzustand her. Vielleicht sind ja wir Selbstoptimierer nur Opfer unseres eigenen Perfektionismus.
    Für mich ist ein Selbstoptimierer nichts, was ich besonders herausstellen würde. Das ist lediglich eine Variante zu leben wie alle anderen Millionen Lebensvarianten auch. Und keine Variante ist besser oder schlechter.

    Hier die Sätze die ich nicht so geschickt finde:
    „Ich persönlich liebe das. Ich finde es großartig, an mir selbst zu arbeiten, zu üben, zu trainieren und besser, fähiger und kompletter zu werden.“
    „Mir persönlich macht das nichts, weil ich von Hause aus ein Optimierer bin. Auch weil ich meinen Wert als Mensch nicht an meinen augenblicklichen Stand, sondern eher an mein Vorankommen und meine Entwicklung knüpfe.“
    „Als jemand, der seinen Beruf und seine Berufung im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung hat, bin ich der Selbstoptimierung gegenüber natürlich positiv eingestellt.“

    Das hat für mich den Geruch der Selbst-Beweihräucherung. Einfach weglassen – dann ist der Artikel gut.
    Wenn ich Menschen für Veränderung öffnen möchte, muss ich auf Augenhöhe mit ihnen gehen. Aber nicht unter dem Motto „Ich kann das schon alles – und du hast auch die Chance es besser zu machen“.
    Das würde mich bestimmt nicht motivieren, sondern eher was negatives bewirken.

    Sorry lieber Verfasser für die offene Kritik – aber mir sind ehrliche Feedbacks lieber. Nur so habe ich die Chance auf Selbst-Reflektion und Veränderung.
    Als Profi stecken Sie das sicher locker weg ;-)

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