„Sommeruni

Mein Leben aus eigener Kraft besser machen

Grundregeln der TZI (Seite 3 von 5)

Ruth Cohn hat in ihrem Werk “Von der Psychoanalyse zur Themenzentrierten Interaktion” eine Reihe von Regeln erarbeitet, die in jedem Team zu einer effektiveren und für alle beteiligten angenehmeren Arbeitsweise führen können.

Quelle

Cohn, Ruth C.: Von der Psychoanalyse zur Themenzen- trierten Interaktion. – Stuttgart: Klett-Cotta, 1994. – S. 124

Dabei geht es aber nicht darum, alle Regeln einfach zu übernehmen, sondern im Team zu entscheiden, welche Regeln Sinn für die Beteiligten machen und welche nicht.

Gegebenenfalls können die Regeln auch verändert und angepasst werden.

Regel Nr. 1: In der Ich-Form reden

"Vertritt dich selbst in deinen Aussagen; sprich per Ich und nicht per Wir oder per Man."

Vielfach verstecken wir uns hinter Formulierungen wie "Man sollte das so und so machen" oder "Jeder denkt das und das." Es ist für viele viel schwerer, zu der eigenen Aussage oder Meinung zu stehen, wenn es darum geht, sie als persönliche Meinung zu kennzeichnen. Es geht bei dieser Regel darum, dass der Sprechende die volle Verantwortung für das Gesagte übernehmen soll und sich nicht hinter der Allgemeinheit oder der Gruppe verstecken kann. Diese Regel kann übrigens auch für alle Arten von Gesprächen gelten.

Regel Nr. 2: Motivation und Hintergrund von eigenen Fragen transparent machen

"Wenn du eine Frage stellst, sage, warum du fragst und was deine Frage für dich bedeutet. Sage dich selbst aus und vermeide das Interview."

Grundsätzlich gilt nach Ruth Cohn: Sage etwas über Dich aus, anstatt Fragen zu stellen. Diese Regel entstand aus der Erkenntnis, dass es "echte" und "unechte" Fragen gibt. Während echte Fragen Ausdruck eines Informationsbedürfnisses sind, werden unechte Fragen z.B. für Machtspiele eingesetzt. Nach Ruth Cohn ist es wesentlich, dass die Teammitglieder immer etwas von sich selbst in den Teamprozess einbringen. Indem jedes Teammitglied aufgefordert ist, die Motivation einer Frage deutlich zu machen, wird schnell klar, um welche Art von  Frage es sich handelt.

Ich brauche einen neuen Job!

Aber welchen? Was kann ich? Was will ich? Welcher Job passt wirklich zu mir? Wo finde ich die guten Jobs? Fragen über Fragen. Antworten findest du hier: Projekt: Traumjob.

Eines noch zum Thema Fragen: Fragen können ein sehr effektives Mittel sein, um einen Prozess voranzutreiben. Solche Fragen werden tatsächlich meist von Personen gestellt, die tendenziell eine Führungsrolle übernehmen. Akzeptieren alle Teammitglieder diese Rolle, ist ein solches Vorgehen vor allem in Phasen des Zeitdrucks durchaus angemessen.

Regel Nr. 3: Bewusstsein über die eigenen Beiträge und Befindlichkeiten haben

"Sei authentisch und selektiv in deinen Kommunikationen. Mach dir bewusst , was du denkst und fühlst, und wähle, was du sagst und tust."

Um ein faires und vertrauensvolles Miteinander im Team zu erreichen, ist eine gewisse Filterung der eigenen Aussagen notwendig. Es kann nicht jeder immer sofort alles  sagen, was ihm oder ihr gerade in den Kopf kommt. Je besser das Team im Laufe der Zeit eingespielt ist, desto mehr kann gesagt werden, weil die anderen die Äußerungen besser einschätzen können. Dennoch ist es wichtig, die eigenen Beiträge verantwortungsvoll auf das jeweilige Ziel der Gruppenarbeit hin zu überprüfen, ohne sich selbst zu verleugnen.

Regel Nr. 4: Möglichst nicht interpretieren

"Halte dich mit Interpretationen von anderen so lange wie möglich zurück. Sprich statt dessen deine persönlichen Reaktionen aus."

Manche Menschen neigen dazu, die Redebeiträge anderer Personen zu interpretieren. So sagt jemand z.B. "Einige aus der Gruppe denken, …" oder "Klaus will eigentlich das und das sagen." Meist haben Interpretationsversuche vor allem etwas mit dem Sprechenden selbst zu tun und führen oft  zu Abwehrreaktionen desjenigen, der die Ursprungsaussage gemacht hat. Kaum jemand wird gerne interpretiert – und möglicherweise falsch gedeutet. Solche Vorgänge verlangsamen die Arbeitsprozesse. Statt zu erklären, was andere gesagt oder gedacht haben, ist es angemessener für sich selbst zu sprechen. Die einfache Grundregel lautet deshalb: jeder spricht für sich selbst! Wenn wir nicht sicher sind, was der andere gesagt hat, können wir nachfragen.

Regel Nr. 5: Keine Verallgemeinerungen

"Sei zurückhaltend mit Verallgemeinerungen."

"Immer kommst du zu spät." – "Du lässt mich nie ausreden." Solche Verallgemeinerungen unterbrechen den Gruppenprozess. Sie werden häufig im Rahmen von kritischen Anmerkungen oder Vorwürfen geäußert und führen oft zu Abwehrreaktionen oder Gegenangriffen. Verallgemeinerungen sind nur dann sinnvoll, wenn innerhalb einer Diskussion die Ebene gewechselt werden soll, wenn z.B. ein Unterthema erschöpfend diskutiert wurde und nun wieder eine Ebene höher gegangen werden soll. Ansonsten sollte jeder möglichst seine Äußerungen auf die jeweils aktuelle Situation hin formulieren.

Regel Nr. 6: Persönliche Eindrücke deutlich kennzeichnen

"Wenn du etwas über das Benehmen oder die Charakteristik eines anderen Teilnehmers aussagst, sage auch, was es dir bedeutet, dass er so ist, wie er ist (d.h. wie du ihn siehst)."

Auch hier ist wie bei Regel Nr. 2 das Ziel ein offener Dialog. Wenn jedes Teammitglied seine Äußerungen als persönliche Meinung kennzeichnet, können die Aussagen nicht auf eine allgemeingültige Ebene gehoben werden, sondern es kann direkt zwischen den beiden Personen besprochen werden. Unser Feedback ist ja aus unserer persönlichen Sicht entstanden und kann z.B. durch unsere Tagesform oder unsere Vorerfahrungen geprägt sein.

Regel Nr.7: Störungen haben Vorrang

"Seitengespräche haben Vorrang. Sie stören und sind meist wichtig. Sie würden nicht geschehen, wenn sie nicht wichtig wären …"

Diese Regel ist vielleicht die Bekannteste der TZI. Sie ist aber auch umstritten. In dieser Regel geht es um Störungen, wie z.B. ein Nebengespräch zwischen zwei Teammitgliedern. Ein solches Seitengespräch stört die Gruppe. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Personen oder ein Thema nicht genug Raum in der Gruppe finden. Die Betroffenen können gefragt werden, ob das Ganze in der Gruppe besprochen werden soll. Dies aber sollte nur als ein Angebot, nicht als Zwang formuliert sein.

Die Frage bei dieser Regel ist aber, inwieweit wirklich allen Störungen – Nebengesprächen oder anderen Ereignissen – immer Vorrang gegeben werden soll. Weiter vorne wurde ja schon darauf hingewiesen, dass das Ziel der Teamarbeit schließlich das Lösen der Arbeitsaufgabe ist. Wird Störungen eine zu große Aufmerksamkeit gegeben, kann das auf Dauer zu Frustrationen im Team führen, z.B. dann, wenn sich einzelne Personen so immer in den Vordergrund drängen oder durch Störungen, die Teamprozesse dauerhaft beeinträchtigen. Diese Regel sollte also mit Bedacht angewendet werden.

Regel Nr. 8: Es redet immer nur einer

"Nur einer zur gleichen Zeit bitte."

Oft reden gerade in wichtigen Phasen der Teamarbeit alle durcheinander, z.B. dann, wenn eine grundlegende Fragestellung diskutiert oder eine Entscheidung getroffen werden soll. Es ist aber oft wichtig, dass jeder jedem zuhört und vor allem, dass alle einander verstehen. Nur so ist eine Verständigung möglich und nur so können Entscheidungen getroffen werden, in denen sich alle Beteiligten wiederfinden. Damit die Äußerungen aller Teammitglieder von allen verstanden werden, ist es notwendig, nacheinander zu sprechen. Niemand kann mehreren Personen gleichzeitig aufmerksam zuhören. Auch nonverbale Äußerungen, wie Gesten oder starke Mimik können so ablenkend sein, dass die Akteure darauf verzichten sollten, während jemand anderes spricht.

Regel Nr. 9: Bei Überschneidungen von Redebeiträgen kurze Sammlung der Stichpunkte

"Wenn mehr als einer gleichzeitig sprechen will, verständigt euch in Stichworten, über was ihr zu sprechen beabsichtigt."

In den Situationen, in denen mehrere Personen reden wollen, sollte zunächst nur kurz zusammenfassen, was er sagen will, worum es also geht. So kann die Gruppe entscheiden, welche Punkte in welcher Reihenfolge geäußert werden. Diese Stichpunkte können auch für alle sichtbar an einer Tafel oder auf einem Flipchart notiert werden. Wichtig ist, dass auch die Ruhigeren zu Wort kommen und nicht immer nur die dominanten Personen. Wenn alle, die etwas sagen wollen, hintereinander kurz ihren Punkt formulieren, kommt jeder zu Wort. Entscheidend ist hier, dass alle diszipliniert tatsächlich nur Stichworte äußern und nicht gleich die "Chance" nutzen, um ihren gesamten Beitrag zu leisten.

Zusammenfassung

Diese neun Regeln geben Ihnen wichtige Hinweise, worauf bei einer effektiven Teamarbeit geachtet werden sollte. Nehmen Sie Ruth Cohns Ideen als Anlass , einmal zu überlegen, welche Regeln in Ihrem Team Sinn machen könnten. Wir haben im Folgenden noch weitere Hinweise für Ihre Teamarbeit zusammengestellt.

 

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Kommentare

  • Ich möchte einige Ergänzungen anbringen, da in dieser Darstellung m. E. manches zu kurz kommt.
    Zuallererst vermisse ich das Wertesystem von TZI (“Axiome”) und die daraus abgeleiteten sog. Postulate. Ruth C. Cohn war der Meinung, dass die hier v. a. erwähnten Hilfsregeln im Gegensatz zu den beiden Postulaten (“Chairperson-” und “Störungspostulat”) nur situative Gültigkeit besitzen und mehr noch, dass sie ohne Bezug auf Axiome und Postulate gar einem gegenteiligen Geist dienen können als dem, der hinter TZI steht.
    Zweitens ist vieles in TZI die Anerkennung vieler Dualismen des Menschen – Ruth C. Cohn vergleicht das mit Ebbe und Flut, Saat und Frucht und Getrennt- und Zusammensein. Insofern halte ich gerade vor dem Hintergrund der nichterwähnten Axiome Sätze wie “Ein Team besteht immer aus Individuen” und “Das Modell der TZI berücksichtigt die Individualität der Einzelnen” für irreführend – sie betonen die Autonomie, gleichzeitig steht die Autonomie aber laut TZI im Spannungsfeld der Interdependenz. Nach Schulz von Thun, der sich u. a. auf TZI und auf die Psychosynthese beruft, gibt es so etwas wie Interdependenz auch im inneren: das Chairperson-Postulat wird bei Schulz von Thun metaphorisch zum Führen des inneren Teams.
    Drittens hat der Begriff des “Themas” in TZI eine besondere Bedeutung. Das Thema gehört gerade nicht nur zur “Sach-Ebene” – im Gegensatz zu “allen inhaltlichen Fragen bezüglich der Arbeitsaufgabe”. Es gehört zur Rolle der Leitung, das Thema sorgfältig aus dieser Aufgabenstellung und den Individuen und der Gruppe und des Globes zu formulieren, so dass es für das Hier und Jetzt relevant ist.

    Interessant finde ich übrigens Ähnlichkeiten des Vier-Faktor-Modells Ruth C. Cohns zu den Coping Stances von Virginia Satir und zu den Modellvorstellungen Ken Wilbers.

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