Wieso Verletzlichkeit dir ein erfüllteres Leben schenkt

Verletzlichkeit

Verletzlichkeit begegnet uns in allen möglichen Situationen.

Ein Mann und eine Frau lernen sich auf einer Feier kennen. Nach ein paar folgenden, sehr schönen Treffen fasst sie sich endlich ein Herz … In einem ruhigen Moment sagt sie zu ihm: „Ich liebe dich“ …

Eine junge Frau bekommt endlich den sehnlichst erwarteten Anruf! Voller Erwartung geht sie ran: „Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir uns nach langer Überlegung doch für einen noch besser geeigneten Kandidaten entschieden haben …“

Ein Vater wird langsam alt. Seine körperlichen Gebrechen machen ihm zu schaffen. Als er nach mehreren Treppenstufen nicht mehr so gut weiterkann, bittet er seinen Sohn plötzlich: „Kannst du mich ein wenig stützen?“

Alle diese Momente haben etwas gemeinsam.

Sie alle beschreiben eine Situation der Verletzlichkeit.

Egal ob wir dabei über unsere tiefsten Gefühle sprechen, eine Absage bekommen oder auf Hilfe von anderen angewiesen sind … Wir Menschen sind verletzlich. Wir leben in einer Welt voller Verletzlichkeit. Solche Situationen begegnen uns einfach immer wieder.

Wir vermeiden Momente der Verletzlichkeit

Doch keiner von uns möchte verletzlich sein. Wir versuchen, Momente der Verletzlichkeit so gut es geht zu vermeiden. Wir warten lieber ab, ob nicht der andere zuerst „Ich liebe dich“ sagt. Wir vermeiden Situationen, in denen wir auf Ablehnung stoßen könnten. Wir zeigen lieber keine Schwäche und bitten nicht um Hilfe. Wenn wir diese Situationen vermeiden können, dann tun wir das auch. Denn keiner von uns möchte enttäuscht werden oder sich abgelehnt fühlen. Wir fühlen uns sicherer, wenn wir den möglichen Schmerz vermeiden, was auch vollkommen natürlich ist.

Alternativ versuchen wir unsere Verletzlichkeit auch gerne zu verbergen und uns nichts anmerken zu lassen. Wir tun so, als würde es uns nichts ausmachen. Als stünden wir komplett über den Dingen.

Oder wir versuchen, alle möglichen Ungewissheiten in unserem Leben zu kontrollieren. Alles zu perfektionieren. Und keinerlei Verletzlichkeit in unserem Leben mehr zuzulassen.

Eine überraschende Erkenntnis

Neulich habe ich zum Thema Verletzlichkeit einen Vortrag gesehen, der meinen Horizont in dieser Hinsicht unheimlich erweitert hat. Einen Vortrag, bei dem ich eine Erkenntnis fürs Leben gewonnen habe. Und diese Erkenntnis möchte ich heute gerne mit dir teilen.

Im besagten Vortrag erzählte die Sozialwissenschaftlerin Brené Brown von ihren Ergebnissen aus 10 Jahren Forschung zu den Themen Scham und Verletzlichkeit. Sie hat tausende von Menschen interviewt und dabei Überraschendes festgestellt.

Alle Menschen, die sie interviewt hat, ließen sich grob in zwei Gruppen einteilen:

  1. Menschen, die sich wertvoll und geliebt fühlen. Die ein starkes Verbundenheitsgefühl zu anderen Menschen haben. Die ein erfülltes Leben führen.
  2. Menschen, die ständig um Liebe und Verbundenheit kämpfen müssen. Die sich immerzu fragen, ob sie gut genug sind.

Und die wirklich überraschende Erkenntnis dabei war: Das, was die erste Gruppe im Kern von den anderen unterscheidet, ist ihre Verletzlichkeit. Die Menschen, die ein sehr erfülltes Leben führen, sind paradoxerweise auch diejenigen, die viel eher bereit sind, sich der Verletzlichkeit auszusetzen.

Was macht verletzliche Menschen aus?

Diese Menschen haben den Mut, als Erstes „Ich liebe dich“ zu sagen. Sie haben den Mut, um Hilfe zu bitten. Sie bewerben sich weiter, wohl wissend, dass weitere Absagen drohen. Sie haben den Mut, sich so zu zeigen, wie sie eben sind, nämlich unperfekt.

Dabei ist Verletzlichkeit für diese Menschen nicht schöner oder angenehmer als für die anderen. Aber sie wird eben auch nicht als etwas Unerträgliches empfunden. Diese Menschen sehen Verletzlichkeit einfach als einen ganz normalen und notwendigen Bestandteil des Lebens an. Und sie glauben, dass das, weshalb sie sich verletzlich fühlen, letztendlich auch das ist, was sie als Mensch schön und wertvoll macht.

Mutig sein, sich unperfekt und verletzlich zeigen. Diese Lebenseinstellung hat noch einen weiteren Vorteil. Sie führt dazu, dass diese Menschen als besonders authentisch wahrgenommen werden. Denn sie zeigen, wer sie wirklich sind. Und da wir Authentizität normalerweise sehr sympathisch finden, haben diese Menschen es auch einfacher, tiefe Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen.

Um es frei nach Brené Brown zusammenzufassen: „Verletzlichkeit ist zwar die Ursache von vielen Ängsten und Unsicherheiten. Doch scheinbar ist sie gleichzeitig auch der Geburtsort der Liebe, der Verbundenheit, der Freude, der Kreativität und des Glücks.“

Verletzlichkeit in unserem Leben zu vermeiden ist also scheinbar der falsche Weg, wenn wir ein erfülltes Leben führen möchten.

Warum machen die das nur?

Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, aber diese Erkenntnis musste ich erstmal einen Moment sacken lassen … Sprichwörtlich war mir ja schon immer klar: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“. Aber so deutlich auf den Punkt gebracht, hatte es für mich vorher noch niemand.

Und das war auch noch nicht alles an Neuerkenntnis … Denn vielleicht stellst du dir jetzt eine dieser beiden Fragen:

  • Woher nehmen diese Menschen denn nur ihren Mut, sich verletzlich und unperfekt zu zeigen?
  • Und wie schafft man es denn, Verletzlichkeit als fundamentalen Bestandteil seines Lebens zu akzeptieren?

Auch darauf hat Brené Brown mit ihren Forschungen eine Antwort gefunden.

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Gruppen ist, dass die Menschen in der ersten Gruppe von ihrem Wert als Person überzeugt sind. Das ist das große Geheimnis dahinter. Das ermöglicht ihnen, sich so verletzlich zu zeigen. Denn sie glauben, dass sie es trotzdem wert sind, geliebt zu werden, obwohl sie nicht perfekt sind. Deshalb können sie Verletzlichkeit auch als Bestandteil des Lebens akzeptieren und besser damit umgehen. Um Verletzlichkeit also überhaupt zulassen zu können, gehört scheinbar auch ein intaktes Selbstwertgefühl dazu. Die Überzeugung: „Ich bin genug.“

Wenn du das Gefühl hast, dass das bei dir ein Problem sein könnte, ist das aber kein Grund, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Denn auch das Selbstwertgefühl lässt sich mit gezieltem Training verbessern. Wie zum Beispiel mit unserem Trainingsprogramm, „Projekt: Innere Stärke“.

Was kann ich tun?

Es lohnt sich also, Verletzlichkeit zuzulassen. Habe den Mut, auch deine verletzlichen und unperfekten Seiten zu zeigen. Deine Belohnung dafür sind Liebe, Freude, Kreativität und die Verbundenheit mit anderen Menschen.

Folgende Reflexionsfragen können dir vielleicht dabei helfen, über die Rolle der Verletzlichkeit in deinem Leben ein wenig tiefer nachzudenken:

  • Was bedeutet Verletzlichkeit für mich?
  • Was bedeutet es für mich, abgewiesen oder abgelehnt zu werden?
  • Wofür würde ich mich schämen?
  • Vor welchen Menschen würde ich mich am meisten schämen?
  • In welchen Situationen fühle ich mich so richtig verletzlich?
  • Wie oft kommen diese Situationen vor?
  • Wie gut kann ich auch mal die Kontrolle abgeben?
  • Habe ich Schwierigkeiten damit, jemanden um Hilfe zu bitten?
  • Kann ich jemandem, der mir viel bedeutet, sagen, dass ich sie/ihn liebe?
  • Halte ich mich oft zurück aus Angst vor Ablehnung oder Zurückweisung?
  • Wie wäre mein Leben, wenn ich mich verletzlicher machen würde? Was würde ich dann anders machen?

Verletzlichkeit ist sehr wichtig für ein erfülltes Leben. Wir lernen und wachsen daran. Wer etwaigen Verletzungen immer nur aus dem Weg geht, der kann zwar nichts verlieren, aber eben auch nichts gewinnen. Verletzlich zu sein bedeutet letztendlich auch, dass wir leben. Oder wie siehst du das?

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Kommentare

  • Hallo Zusammen!
    Ich bin „zufällig“ auf diese Seite und zu diesem Thema gekommen, weil ich ´mal wieder mutig war und meine Verletzlichkeit einem anderen Menschen gegenüber preisgegeben habe. Aber leider muss ich sagen, gebracht hat das nichts. Dieser Mensch hat sich von mir distanziert; daher kann ich mit meiner Lebenserfahrung – trotz Mut und Zulassen von Verletzlichkeiten – nicht mit diesem Artikel übereinstimmen.
    Ich habe kein „mehr“ erfülltes Leben nur weil ich Mut und Verletzlichkeit zulasse! Eigentlich – leider – ganz im Gegenteil. Ich muss zwar zugeben, dass ich dies nicht an mir ändern werde, weil ich es richtig finde Mut zu haben und verletzlich zu sein, aber ich werde doch sparsamer damit umgehen.

    • Caro schreibt am 17. Februar 2017

      Hallo eRDe, stoße leider erst jetzt auf deinen Beitrag. Mir geht es ganz genauso, ich war und bin immer verletzlich gewesen und finde das auch gut. Aber ich musste dadurch auch viel Leid aushalten, es ist manchmal als ob die Menschen Angst vor zu vielen Gefühlen oder Offenheit haben und dann verletzen sie denjenigen, aber es geschieht natürlich auch absichtslos. Ich wünsche dir viel Kraft, so zu sein, wie du dich fühlst! Liebe Grüße!

  • Hallo! Danke für diesen wundervollen Artikel!
    Ich habe schon erfahren, dass ich, je mehr verletzlich ich mich zeige (und das ist nicht immer einfach!), umso mehr Mitgefühl und Hilfe bekomme. Natürlich besteht immer das Risiko, wenn ich meine Gefühle zeige, dass jemand versucht, mich lächerlich zu machen oder meine Offenheit sonstwie auszunutzen; dann sage ich mir „Ok, jetzt weiß ich wenigstens, woran ich bin“ und gehe auf Distanz oder fange an, für meine Bedürfnisse zu kämpfen. Kann es aber auch sein, da ich eine Frau bin, dass es mir leichter fällt, Gefühle zuzulassen? Einen schönen Sonntag an alle:)

    • Reinhard Jung schreibt am 15. November 2016

      Genauso empfinde ich. Je mehr du dich öffnest, umso mehr kannst du empfangen. :-)

  • Es gibt zwei Gruppen von Menschen in der Welt: Die einen teilen die Welt in zwei Gruppen von Menschen auf, die anderen tun das nicht. (Robert Benchley)

    • Leonhardt schreibt am 28. August 2016

      Ach, naja , solange das nicht zu Benachteiligungen der jeweiligen Gruppen führt, ist das absolut in Ordnung und auch ein Stück weit „normal“..

  • „Es gibt zwei Gruppen von Menschen in der Welt: Die einen teilen die Welt in zwei Gruppen von Menschen auf, die anderen tun das nicht.“ (Robert Benchley)

  • Ich bin so froh dass es Euch gibt. Jedes Mal wenn ich die Beiträge hier lese, fühlt es sich wie Salbe für meine abgeschwächte Seele an. Danke Danke!!

  • Super Artikel,

    habe auch vor einiger Zeit angefangen, mich mit den Werken von Frau Brown zu beschäftigen.

    Bisher die besten Resourcen zum Thema Selbstwertgefühl, neben den 6 Säulen.

    Finde es super, wie sie auf das Thema Verletzlichkeit eingeht und die damit verbundene Stärkung des Selbstwertgefühls.

    Irgendwie kommt es doch immer wieder darauf an, seine Komfortzone zu verlassen und sich seinen Ängsten zu stellen.

    Keine einfache Aufgabe, aber extrem wirkungsvoll um sich lebendig und gut zu fühlen und sein wahres Ich zu zeigen :)

    Grüße

    Tim

  • hallo, ich habe gerade u. desöfteren die Erfahrung gemacht, wenn ich zu mir selbst gestanden haben, und gezeigt habe, dass ich nicht perfekt bin, aber großen antrieb hatten, waren andere eifersüchtig und ich bin deshalb gegangen worden, weil ich keine andere Menschen kopieren wollte und nicht bereit war, fremde Meinungen als meine eigene anzunehmen.
    Von oben Text beschrieben wird träume ich nur. Ich träume auch, dass Menschen sich gegenseitig so annehmen wie sie sind, mit allen Ecken und Kanten und nicht erwarten, dass der andere sich für einen ändert.

  • Oft sind es die einfachsten und unscheinbarsten Dinge, um eine Erklärung bestimmter Umstände zu erhalten!
    Die Verletzlichkeit ist ganz sicher eine tragende Säule, um daran wachsen zu können – so „seltsam“ das auch klingen mag! Verletz-lichkeit und Ehrlichkeit…in DEM Zusammenhang sehen das die wenigsten Menschen!
    Die Suche nach Etwas, was durch Verletzlichkeit immer wieder gebraucht wird…Zuspruch, Zuwendung, Unterstützung, Einsatz für etwas, was wachsen lässt, was bestätigt werden kann/soll! Der fortwährende Einsatz für Etwas, um Stabilität zu gewinnen!
    Gefühle, Emotionen, Empfindungen so wahrzunehmen, wie sie sich einstellen – ich bin überzeugt davon, dass der ehrliche Umgang damit authentischer macht und die Verletzlichkeit dabei mahnt…im positiven Sinn!

  • hallo,
    ja. ein sehr guter Beitrag. ich sage mir sehr oft, dass Verletzlichkeit etwas sehr Schönes, weil sehr Authentisches ist, etwas, was ich mir gern erlauben möchte und was ich immer wieder schwierig finde. den Zusammenhang mit dem Selbstvertrauen finde ich relativ logisch. ich frage mich auch ständig „was wird der andere von mir denken, wenn ich diese oder jenes mache“ und das müssen keine großen Sachen sein. das kann schon Kleidung (wie findet mein Freund das?) oder Vorschläge (ich würde jetzt gern einfach das Meer angucken…). die angst ist immer, der andere mag einen so nicht, wenn ich mich so zeige wie ich bin. aber oft eröffnet das neuen spass, erlaubt vielleicht dem anderen sogar Neues etc.
    auf jeden Fall ein wünschenswertes Ziel, verletzlich bleiben und sich vertrauen. das hat so gar nichts mit kleinem Mäuschen zu tun.
    ulrike

  • guter Artikel und danke für die vielen wundervollen Artikel von euch.
    Verletzlichkeit ist sicher gut aber ich denke es ist nicht der Weg, die Wahrheit, die gibts nicht. Irgendwann hieß es lass los und ich habe losgelassen, dann hieß es vertrauen dem Fluss des Lebens und ich habe vertraut, dann akzeptiere alles und liebe alles was da kommt es ist richtig und ich bin dem hinterhergerannt immer mit dem Gedanken ich bin nicht vollständig und richtig. Heute ist meine Wahrheit für mich das die Fixierung auf eins in die Sackgasse führt. Ich vertraue lieber meinem Bauchgefühl ob jetzt loslassen usw… angesagt ist. Es scheint kein Rezept zu geben und wenn ich glücklich bin scheints das richtige gewesen zu sein. Danke für alles

  • Also, die Meinung von Angie vor mir teile ich auch. Es ist nicht gewinnbringend überall Verletzlichkeit zu zeigen. In schwierigen Entscheidungssituationen kann es zu Autoritätsverlust kommen und andere nutzen das Wissen um die Verletzlichkeit für ihre Vorteile aus. Es kann aber auch sein, dass man sich auch im beruflichen näher kommt und die Entscheidungsqualität sich verbessert.

    Ich leide auch unter diesem Problem, vor allen Dingen Männern gegenüber. Da kann ich sehr schwer Kontrollverlust zulassen. Natürlich weiß ich auch woher das kommt. Daher habe ich vor kurzem in anderen Situationen, in denen ich mich sicherer fühlte, meine Verletzlichkeit deutlich gezeigt und dadurch auch gewonnen. Sozusagen als Trainingsterrain. Möglicherweise lerne ich dadurch meine und Reaktionen anderer besser einzuschätzen.

  • Zeigen von Verletzlichkeit…..
    geht…. im Freundeskreis, bei Menschen, die so ähnlich denken und fühlen wie wir.
    Dann ist auch relativ einfach und ermunternd.

    Leider…. fehlt mir immer bei diesen Themen (so richtig sie auch sind), das es Menschen (Arbeitskollegen, Nachbarn, vermeintliche Freunde) gibt, die es wirklich darauf abzielen, andere zu verletzen, zu schaden.

    Wie schon oben erwähnt: Das hat rein gar nichts mit dem eigenen Selbstbewusstsein oder gewachsene Stärke zu tun.

    Es ist in der Tat in vielen Situationen sehr kontraproduktiv, seine Verletzlichkeit zu zeigen.
    Bsp.: eine mittlere Führungskraft bricht aus irgend einem Grund in Tränen aus, der jahrelange folgende Spott und das (oben erwähnte) Nachtreten des CEO’s ist sicher!

    Es ist einfach gefährlich, den Menschen, die Mobbing, Stalking (oder noch nichts dergleichen) etc erlebt haben, zu empfehlen, ihre Verletzlichkeit zu zeigen, sowie ihnen eine Schuld zu vermitteln, sie würden ja (durch ihre vermeintliche Stärke) den anderen ermuntern, in (noch) unbekannte Wunden zu stoßen.

    Das fördert weitere tiefere Depressionen!

    Ich wünsche mir bei diesen Themen, das mehr differenziert wird.
    Es ist sehr wichtig, zu unterscheiden, bei wem und wo ich Verletzlichkeit, Hilfsbedürftigkeit zeigen kann!

  • Ich empfinde eine tiefe Schönheit, wenn ich das lese.
    Wie schön ist es, verletzlich sein zu dürfen – und wie echt!

    Und das Geheimnis ist hier auch klar: Es macht uns nicht schwach,
    verletzlich zu sein, sondern stark, weil wir das Leben klar konfrontieren
    und uns zeigen, so wie wir sind. Wir müssen nichts mehr runterschlucken und keinen dicken Kloß in uns heranzüchten. Wir
    können ausdrücken, wer wir sind, und dann das Leben antworten lassen… – mindestens eine Antwort in uns, oder um uns herum, wird uns auch wieder den Weg weisen…

    Um mich verletzlich zu zeigen, in Worten, fühle ich persönlich, mich sehr unterstützt von der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Marshall B. Rosenberg. Es funktioniert! :-)

  • Hallo,

    na da bin ich ja freudig überrascht über diese Lebensbereicherung auch in euerm Team!

    LG Ingo

  • Stellen Sie sich vor, Sie („Gruppe 1“) bekommen dieses Buch von XY („Gruppe 2“) geschenkt, würden es XY am liebsten zurückschenken… sind aber so verletzt, dass Sie sich das nicht trauen… um XY nicht noch mehr zu verletzen.

  • genialer artikel! der im bericht erwähnte vortrag ist sogar übersetzt im www zu erleben. gänsehaut pur und noch sehr unterhaltsam. danke ZzL – für diese tollen beitrag!! c

  • Super Artikel!!! Beschreibt EXAKT mein Problem, was mich schon über 10 Jahre beschäftigt und womit ich mir schon vieles in meinem Leben selbst verbaut habe, da ich immer „über den Dingen stehen wollte“ und Gefühle nie so richtig zulassen konnte.. Danke für die Inspiration. Ich hoffe ich kann meinem Leben endlich den richtigen Dreh geben :)

  • Über Jahre habe ich tiefe Gefühle und Verletzungen für mich behalten, mich nach aussen fröhlich gezeigt. Neben dem Vortrag von Brené Brown, ha ein Artikel zum Thema Selbstbetrug mir die Augen geöffnet, Zitat: „Selbstbetrug fordet einen hohen Preis: Er macht es schwer, echte Nähe zuzulassen. Denn Nähe bedeutet erkannt zu werden – und birgt die Gefahr entlarvt zu werden (…) wer sich selbst betrügt, bringt sich um seinen Handlungsspielraum.“ Ich bin auf dem Weg mich zu öffnen, mich zu zeigen, mich verletzlich zu machen. Was mir entgegen kommt ist Anteilnahme, Nähe, Tiefe. Angeregt durch meine offene Haltung, reflektieren andere ihre Beziehungen, es entsteht eine Welle, die die Verletzlichkeit weiterträgt.
    Es gibt aber auch Beziehungen, die meiner Offenheit nichts abgewinnnen können, die dies als Gefühlsduselei abtun und mir einzureden versuchen, dem nicht zu viel Gewicht zuzumessen. Auch damit muss ich einen Umgang finden. Möchte ich damit leben oder gibt es Beziehungen die zur Belastung werden, da sie keine Weiterentwicklung zulassen?

  • Der Artikel ist wieder einer der sog. Zufälle im Leben. Ich grüble seit Stunden, wie ich mich beim Wiedersehen mit einem Menschen, den ich sehr mag, zeigen kann. Er hat mich in meinem bisherigen Verhalten bestärkt und zum Glück mein Denken wieder in eine andere Richtung gelenkt. Ich sitze hier, weine und sehe wieder ganz klar meinen richtigen „Weg“. Danke.

  • Vielen Dank für diesen wundervollen Artikel! Er hat mir zutiefst aus dem Herzen gesprochen und ich bin begeistert, dass darüber bereits so intensiv geforscht wird und dieses für mich enorm wichtiges Thema unseres (gesellschaftlichen) Miteinanders kein Nischendasein fristen muss neben „scheinbar dringlicheren wissenschaftlichen Themen“. Unsere „reflektierte Empfindsamkeit“ sollte Interaktionen gestalten und uns durch das Leben leiten. So kann ich von Herz zu Herz sprechen, mit meinem Verstand als Hilfsmittel zur Übersetzung. Damit habe ich bisher sehr gute Erfahrungen gemacht, auch wenn mir in vielen Situationen im wahrsten Sinne die Knie schlotterten und ich dadurch vor allem beruflich bewusst „gegen den gesellschaftlichen Strom“ schwimmen musste. Es hat etwas wunderbar Erleichterndes, das „Maskentheater“ immer mehr sein zu lassen und die gesunde, liebevolle Kraft zu spüren, ICH zu sein. Ich erlaube mir sehr bewusst die Hoffnung und Sehnsucht, dass durch das Prinzip „Verletzlichkeit zulassen“ schrittweise ein menschenwürdiges Dasein für immer mehr Menschen möglich wird. Ich freue mich auf weitere Beiträge in diese Richtung!

  • wenn man in seinem Leben 40 Jahre lang immer nur benutzt und verletzt wurde ist es doch nur natürlich verletzlich zu sein.
    Es dann auch noch zu zeigen empfinde ich in diesem Fall für kontraproduktiv, denn es macht mich noch depressiver. Ich zeige lieber eine „nicht vorhandene“ Stärke, damit ich dem Verletzenden nicht auch noch seinen Triumpf lasse zu sagen: „Ha, jetzt hab ich es ihr aber wieder gegeben!“

  • Ich habe diese Kommentare alle genau gelesen – und sie haben mich sehr, sehr tief berührt. Ich habe mir vor vielen Jahren gesagt, dass ich mich NIE mehr verletzen lassen würde. Und je mehr ich dies manifestierte, desto mehr wurde ich damit konfrontiert – bis zu dem Zeitpunkt, bei dem ich erkannte, dass es einzig und allein an mir liegt, ob ich mich verletzen lasse oder verletzt fühle. Seit ich bewusst lebe ist mir so vieles klar geworden. Denn was mich trifft – betrifft mich – und darüber habe ich sehr viel nachgedacht. So liegt es an mir und meiner Einstellung zum Leben. Ich habe gelernt um Hilfe zu bitten, was ich früher nie konnte, klar zu sagen was ich möchte und was nicht. Menschen zu akzeptieren in ihrem Sein, so wie sie sind – und mich auch abzugrenzen. Ich kann niemanden ändern – nur mich – und so ziehe ich die Menschen an, die zu mir passen – und die anderen meiden mich. Und dies ist auch gut so.

  • Danke für diesen Artikel ! Ist auch mein Thema.
    „Auch wenn du mich blöd findest, bin ich in Ordnung“.
    Diesen Satz hattet ihr doch vor Kurzem auch mal. Genial!

    Wo gibts denn diesen Vortrag bzw. Video von Brené Brown ?
    Kann nichts finden.

    • Barbara Schlagenhauf schreibt am 6. Oktober 2013

      Unter TED und Brené Brown sind mehrere ihrer Vorträge zu finden, z. B. http://www.ted.com/talks/lang/de/brene_brown_on_vulnerability.html mit deutschem Untertext.

      Brené Brown hat mich mit ihrer Arbeit und der Art, wie sie als Wissenschaftlerin mit Scham umgeht, berührt und bestärkt. Mit ihrer Arbeit folgte sie dem, was sie verwirrte und fand dabei Klarheit über ihre Vermutungen und das Thema hinaus: indem sie am widerspenstigen und unbeliebten Thema dran blieb und sich selbst in die Forschung und den Transfer mit einbezog, stärkte sie sich selbst.

  • Mutig sein, sich unperfekt und verletzlich zeigen…schont unsere Energie, wenn wir nicht Gefühle überspielen müssen und so tun als stünden wir über den Dingen…macht uns authentisch und die Herzen der Menschen auf, wenn wir uns echt zeigen…

    Das habe ich selbst schon erlebt bei Vorträgen oder Seminaren:
    Anfangs sah ich den Seminarleiter als einen unnahbaren Menschen, der sein Leben immer im Griff hat und alles schafft….vielleicht sogar als überheblich und Mister Perfect…
    doch kaum hat der erzählt von seiner ganz persönlichen Achterbahn im Leben, hat sich die Stimmung im Saal verändert, alle rückten emotionell enger zusammen als Gemeinschaft…und war Beispiel dafür, dass Tiefs und Schwierigkeiten zu überwinden sind und jeder solche Phasen durchlebt und schaffen kann.

    Wenn ein Seminarleiter sich authentisch und echt gezeigt hat, habe ich an mir selbst bemerkt, wie ich mein Herz geöffnet und die anfängliche Ablehnung und Distanziertheit meinerseits ist gewichen.

    Wir Menschen handeln aus Liebe oder aus Angst.
    Was stellen wir Ver-rücktes an, wenn wir Angst haben nicht genug Liebe und Anerkennung zu bekommen.
    Wir verbiegen uns, verstecken uns hinter einer Fassade oder Rolle….
    weil wir vielleicht seit Kindheit glauben, noch nicht gut genug zu sein und uns noch mehr anstrengen müssen, um so zu sein, wie wir glauben, dass uns die Anderen haben wollen

    Authentisch und echt zu sein schon unsere Kräfte…sich verletzlich und gefühlvoll zu zeigen, vielleicht nicht überall und jederzeit, aber immer öfter…

  • Noch ein paar Gedanken dazu:
    Verletzt werden schmerzt – und ist damit der Einstieg in den Trauerprozess ( Kübler-Ross) – kann ich den durchgehen? Hab ich die Kraft dazu, die Reife, die Klarheit, die Begleitung?
    Ich kann das nur, wenn ich gut begleitet werde durch liebevolle Menschen, die mich auch daran erinnern, wenn ich in Ersatzgefühle abdrifte anstelle des weiteren Trauerns.

    Walter

  • Ein guter Artikel mit einigen überdenkenswerten Ansatzpunkten. Vielen Dank!
    Leider wird aus meiner Sicht trotzdem nicht ganz der Kern der Sache getroffen. Die alleinige Klassifizierung in zwei grobe Verhaltensgruppen deutet noch nicht auf die Hauptursache – die Verletzlichkeit bzw. das Zulassen von Verletzlichkeit. Es ist fast so, wie einem 1000 m Lauf einen Meter vor dem Ziel stehen zu bleiben und sich trotzdem im Ziel zu wähnen. Doch wagen wir noch diesen einen Meter zu gehen, so erkennen wir den tieferen, den eigentlichen Hintergrund. Das Problem ist unser eigenes Ego! Unser Ego sucht ständig nach Bestätigung, nach Anerkennung, nach Bewunderung, nach Perfektion. Erst mit der Aufgabe des eigenen Egos löst sich der Kampf nach den vermeintlichen Werten auf. Habe ich mein Ego aufgegeben, so kann es auch nicht mehr verletzt werden.

  • Gerade bei der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach Rosenberg lernt man zu unterscheiden, ob man verletzt „wurde“ oder sich eben aus hunderterlei Gründen so fühlt. Und man lernt auch, etwas so anzusprechen, dass man dabei auch die Verantwortung für seine Gefühle übernimmt. Denn nichts ist leichter für den Typus „Opfer“, sich verletzlich zu zeigen und sich der Verantwortung erst gar nicht zu stellen. Opfer brauchen Täter, und diese sind daher aus heiterem Himmel sehr willkommen bzw werden als Täter ausgemacht. Für mich ist daher die Wortwahl von Rosenberg das Essentielle und das Kostbarste. Denn man stellt lediglich fest, was man fühlt, ohne zu implizieren, dass der andere der Verursacher ist. Er ist maximal Auslöser. Das häufigste Missverständnis gründet sich darauf, dass man andere für seine Gefühle verantwortlich macht, obwohl jede Erfahrung uns zeigt, dass es unser eigener Boden ist, auf den die saat fällt. Und dass die Saat bei jedem anders fruchtet. Daher ist beim offenen Bekennen von Verletztsein und beim Ausmachen von Verursachern immer selbstverantwortlich zuerst zu prüfen: „Ich bin verantwortlich für das, was ich höre“. Denn schließlich nehmen wir auch für uns in Anspruch: „Ich bin verantwortlich für das, was ich sage, nicht für das, was Du hörst“. Und bevor ich Schuld verteile – wenn überhaupt – zu prüfen, ob der andere das wirklich gesagt hat, was ich eigentlich gehört habe. Denn es hängt, ganz abgesehen von der gewählten Reaktion, zuallererst von der Beschaffenheit des Empfängers ab, wie eine Aussage gehört wird. Sich selbst lieben zu lernen, das kann niemand für uns tun. Sich aus individuell gegebenem Psychococktail heraus als Opfer zu fühlen, braucht wiederholt Täter. Und aus diesem Bedürfnis heraus Schuldige zu benennen, kann gänzlich Unschuldige treffen, es ist ein Angriff, ein Akt der Machtausübung und Willkür, der wiederum verletzt. Auch wenn jene sich dessen nicht bewusst sind. Dass nicht gehört wird, was gesagt wird, ist der häufigste Grund für Missverständnis und Verletzung. Und der Kreislauf von Mobbying und Intrige beginnt häufig genau dort.
    All das wird immer wieder stattfinden, darum braucht es Humor, Einsicht in die eigene Bodenbeschaffenheit und Wohlwollen. Humor Humor Humor. Und die Lektüre von Stoikern kann nicht schaden. (Marc Aurel: Wege zu sich selbst, artemis verlag). Die von Rosenberg sowieso nicht. Jeder Pädagoge sollte sie kennen und üben. Denn letztlich sind gerade jene, die sich nicht als Opfer gebärden, Angriffsziel der Manipulation von jenen Opfern, die ergo dessen meist viel stärker sind als man vermutet. Aber ich danke für den Artikel, denn es lohnt sich für mich zu reflektieren, wieweit ich in der Praxis Rosenberg lebe, wie meine Balance von Ausdruck und Schweigen ist.

  • Ich finde nicht dass man Menschen in Bezug auf obiges Thema in NUR 2 Gruppen einteilen kann. Viel zu viele verschiedene Facetten gibt es.

    Verletzlichkeit lässt sich nicht daran messen wieviel davon man zu zeigen bereit ist.

    Ich schätze mich selbst als verletzlich ein, gehöre aber zu denen die „Ich liebe Dich“ eher ZEIGEN als SAGEN. Ist also auch kein Maßstab.

  • Ich danke euch für diesen tollen Artikel. Er hat mich direkt in mein Herz getroffen, so sehr konnte ich mich mit den genannten Beispielen identifizieren. Leider führt dieses Denken „nicht gut genug zu sein“ oft zum Rückzug und erhöhten Anforderungen an sich selbst. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, dass die Arbeit an einem selbst doch zu Erfolgen führen kann. ;)

  • Ich habe diesen Vortrag mittlerweile mindestens 30x gesehen und Brene Browns Bücher immer wieder gelesen.

    Letzten Monat im Urlaub hat es „klick“ gemacht und ich habe mir gesagt: „Ich will nicht nur allen meinen Freunden erzählen, dass dieser Vortrag mich so berührt hat. Ich will das wirklich konkret umsetzen.“

    Und dann habe ich mir eine Liste gemacht mit den Dingen, die laut ihrer Forschung Menschen wirklich glücklich und resilient machen, und geschaut, wie ich das jeden Tag in mein Leben umsetzen kann (mit den Methoden, die ich bei bei Zeit zu Leben gelernt habe), und damit angefangen.

    Seither hat sich ALLES in meinem Leben verändert. Alle Beziehungen. Alle meine Probleme haben sich irgendwie in Luft aufgelöst. Und meine Neurofeedbacktherapeutin, bei der ich im letzten halben Jahr Alpha/Theta-Training gemacht hatte, saß mit großen Augen vor dem Bildschirm und sagte, was auch immer ich getan hätte, es sei das richtige gewesen, meine Gehirnwellen seien zum ersten Mal so, wie wir sie haben wollten.

    Insofern: Ja! Es lohnt sich, am eigenen Selbstwertgefühl zu arbeiten, und zwar nicht nur als vager Wunsch, sondern als konkrete Trainingspraxis in jedem Moment.

    Und aus eigener Erfahrung kann ich jetzt sagen, dass es möglich ist, zu lernen, zu vertrauen, dass man wertvoll ist, auch wenn die Autobahnen im Gehirn ein ganzes Leben lang in eine andere Richtung geführt haben.

    I am worthy of love and belonging. Und das gilt auch und gerade dann, wenn mal was schief geht. Wenn ich mich als unperfekt erlebe. Wenn vielleicht tatsächlich jemand richtig sauer auf mich ist, weil ich eine blöde Entscheidung getroffen habe.

    Und mir das immer wieder zu sagen macht es mir mittlerweile leicht(er), die im Artikel beschriebenen Dinge zu tun. Um Unterstützung zu bitten. Zuneigung auszudrücken. Risiken einzugehen und Anrufe nicht ewig rauszuzögern. Auch wenn es keine Garantien gibt.

    Deshalb: Schaut das Video! Macht den Kurs bei Zeit zum Leben! Oder wartet einfach auf den nächsten Moment, wo irgendwas scheinbar schiefgeht, und sagt dann zu euch: „I am feeling vulnerable. That’s ok. I am so grateful for…“ oder „Ok, das war gerade echt keine tolle Entscheidung. Ich habe Angst, dass die anderen jetzt denken, ich sei inkompetent oder rücksichtslos. Und trotzdem bin ich liebenswert. Gerade jetzt. Worthy of love and belonging. Weil mein Wert immer gleich bleibt.“

    • Gnehm schreibt am 6. Oktober 2013

      Super!!
      Betreffend den Dingen, die laut dem Vortrag Verwundbarkeit, von Brene Brown glücklich machen.
      Welche hat sie benannt? Und wie hast du das umgesetzt?

    • Ariane schreibt am 6. Oktober 2013

      Hallo Gnehm,

      in einem ihrer Bücher zählt sie folgende Punkte auf, jeweils mit einigen Umsetzungsideen (wobei glaube ich ein wirklich konkreter Punkt aus dem man eine Gewohnheit entwickeln kann besser ist als sich mit lauter prinzipiell guten Ideen zu verzetteln wie ich im Willenskraftkurs gelernt habe – danke, Ralf!).

      1. Cultivating Authenticity / Letting Go of What People Think
      2. Cultivating Self-Compassion / Letting Go of Perfectionism
      3. Cultivating a Resilient Spirit / Letting Go of Numbing (Gefühle betäuben) and Powerlessness
      4. Cultivating Gratitude and Joy / Letting Go of Scarcity and Fear of the Dark
      5. Cultivating Intuition and Faith / Letting Go of the Need for Certainty
      6. Cultivating Creativity / Letting Go of Comparison
      7. Cultivating Play and Rest / Letting Go of Exhaustion as a Status Symbol and Productivity as Self-Worth
      8. Cultivating Calm and Stillness / Letting Go of Anxiety as a Lifestyle
      9. Cultivating Meaningful Work / Letting Go of Self-Doubt and „Supposed to“
      10. Cultivating Laughter, Song and Dance / Letting Go of Being Cool and „Always in Control“

      Wie sie in ihrem einen Vortrag beschreibt haben diese Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Forschung sie erstmal selbst total umgehauen, weil sie immer gedacht hatte, dass dabei rauskommen würde, dass sie so lebt wie die Menschen denen es gut geht.

      Die konkreten Gewohnheiten oder Umsetzungsideen würden hier vermutlich den Rahmen sprengen, aber ich habe mir halt erstmal zu jedem der 10 Punkte was kleines gesucht, was ich neu in mein Leben integrieren kann.

  • Ich habe mich viel mit „verletzt sein“ beschäftigt, da ich es auch oft bin. Mir hat das Buch von Chuck Spezzano „Wenn es verletzt, ist es keine Liebe“ geholfen. Vor allem das Kapitel „Wenn du gibst und dich verletzt fühlst, gibst du um zu nehmen“ Und wenn ich es reflektiere stimmt es bei mir auf viele Situationen. Ich schreibe z.B. meinem Vater einen Brief und erzähle ihm aus meinem Leben. Ich erwarte eine Reaktion von meinem Vater. Aber sie kommt nicht und ich fühle mich verletzt. Ich kann jetzt alles auf meinem Vater schieben und sagen, er kümmert sich nicht um mich, er zeigt mi kein Aufmerksamkeit, er liebt mich nicht. Ich erwarte von ihm etwas. Aber ich habe gelernt ihm zu vergeben. Er ist genauso wie ich in seinen Verletzungen und seinem Schmerz gefangen. Er lebt hinter seiner Mauer und zeigt keine Gefühle. Was ich in dem Moment tun kann, ist ihm zu vergeben und mein Herz für ihn zu öffnen. Dann kann ich den Schmerz fühlen und loslassen. Wenn ich mein Herz öffne, kann ich ihn so lieben und akzeptieren, wie er ist. Wie Spezzano sagt „Wenn du aus dem Reichtum deines Herzens gibst, wirst du so reich empfangen, und es spielt überhaupt keine Rolle, wie andere auf dein Geben reagieren, denn die im Geben liegende Freude ist die höchste Belohnung“
    Aber sein Herz zu öffnen fällt mir auch oft noch schwer. Man muss den Schmerz aushalten können, den man da dann fühlt.

  • Dieser Bericht erinnert mich stark an Marshall Rosenberg, der in seiner „Gewaltfreien Kommunikation“ ständig so mit anderen Menschen kommuniziert.
    Ich als Erzieherin bin ständig damit konfrontiert, zu reflektieren und habe die Erfahrung gemacht, mich verletzlich zu zeigen oft überraschende Reaktionen hervorruft. Beispielsweise hatte mal ein Kind zu mir gesagt, dass ich nur auf Besuch sei und nichts zu sagen hätte (momentan mache ich eine Art Praktikum als Einarbeitung). Meine erste Reaktion war, dass ich dieses Kind vor die Tür setzte, weil ich mich angegriffen fühlte: Als Erzieherin und als Person. Mir war es dennoch wichtig, diesem Kind meine Gefühle mitzuteilen. Ich setzte mich nach 5 Minuten zu ihm und sagte ihm, dass dieser Satz mich sehr verletzt habe und ich ihn deshalb vor die Tür setzte.
    Seitdem finde ich, dass das eine Art von „Beziehung“ zwischen Kind und Erzieherin ist. Irgendwie herzlicher.
    Fakt ist, verletztlich zu sein und zu geben macht, wie im Bericht geschrieben und was ich auch bestätigen kann, glücklicher und man kommuniziert anders mit den Menschen.
    Ein sehr schöner Bericht!

  • Ich möchte zuerst ein Gedicht von Jörn Pfennig („Grundlos zärtlich“) zitieren:
    „Es gibt Kinder, die ein gebrannter Finger davon abhält, je wieder mit dem Feuer zu spielen … und es gibt Kinder, die merken, dass eine gebrannte Hand schnell wieder heilt … und es gibt Kinder, die wissen, dass man mit einem gebrannten Arm mehr spürt … und es gibt Kinder, die haben begriffen, dass ein gebranntes Herz immer warm bleibt.“
    Für mich war dieses Gedicht sehr oft der „Mutmacher“, mich immer wieder verletzlich zu zeigen, doch mit den Jahren habe ich auch gemerkt, dass ich es nicht mehr so zulasse, mich verletzen zu lassen. Der Rückzug hat unbewusst begonnen und es fällt mir immer schwerer, wenn nicht schon fast unmöglich, mich verletzlich zu zeigen.

  • Danke für diesen tollten und nachdenkenswerten Artikel. Ich kann auch beobachten, dass unsere Verletzlichkeit eher verborgen wird und nicht offen gezeigt wird. Und ich finde es auch nach wie vor nicht einfach, sich gerade im Berufsleben verletzlich zu zeigen. Als ich noch angestellt war, hat mich mein Chef in einer Weise bewertet, dass ich in Tränen ausgebrochen bin, das war für mich eine sehr schwierige Situation. Dagegen habe ich mal vor mehreren Kollegen und Kolleginnen und vielen Kindern zum Abschied öffentlich meine Tränen gezeigt und es war kein Problem, mir nicht peinlich. Ich denke, es gibt schon Situationen, wo es einfach schwer ist, sich verletzlich zu zeigen und gleichzeitig lohnt es sich, sie zu zeigen. Werde mir gleich die Bücher von Brené Brown anschauen.
    Allen einen schönen Sonntag und liebe Grüße

  • Seine Verletzlichkeit zu zeigen und leben, das erlaubt sich nur, wer keine oder wenig tiefe böse Erfahrungen gemacht hat.

    Dieser Punkt hat nichts mit der eigenen Wertigkeit zu tun.

    Zu oft habe ich erlebt, das viele ! Menschen, wenn sie die Schwäche, die Verletzlichkeit, die tiefen Gefühle eines anderen Menschen wahrnehmen, noch mal ordentlich „zutreten“.

    Wer das -zu oft- erlebt hat, der hat weiterhin tiefe Gefühle, Verletzlichkeiten, Hilfsbedürftigkeiten, aber sie werden nur noch mit sich selbst ausgemacht….

    • Bianca schreibt am 6. Oktober 2013

      ich sehe das auch so, wenn man zu viele „Schläge“ bekommen hat, wird man einfach vorsichtiger und man beginnt sich zu schützen. Man lässt nicht mehr so viel an sich heran und man bittet auch seltener um Hilfe. Ich bin relativ selbstbewusst, habe dennoch Angst vor Ablehnung. Dabei könnte ich sagen, wenn sie mich nicht wollen, sind es auch nicht die richtigen Menschen. Ich glaube, man muss gelassener sein, um nicht so schnell verletzt werden zu können. Eine Art Mir-doch-egal-Einstellung. Also nicht wirklich gleichgültig sein, aber das es sich eher anfühlt, als würde man mich mit Watte, anstatt Steinen bewerfen.

    • Siljanova schreibt am 6. Oktober 2013

      So sehe ich es auch. Ein anzustrebendes Ideal, auf dem leider oft ein Schatten liegt, der nur schwer erhellt werden kann. Ich wünsche uns allen wenigstens einen geborgenen Ort, an dem wir den Mut finden und wieder erlernen können ‚ich‘ zu sein und zu zeigen.

    • Marie Paule schreibt am 6. Oktober 2013

      „Zu oft habe ich erlebt, das viele ! Menschen, wenn sie die Schwäche, die Verletzlichkeit, die tiefen Gefühle eines anderen Menschen wahrnehmen, noch mal ordentlich “zutreten”.

      Hierzu fällt mir folgendes Zitat von Theodor Adorno ein:

      “ Geliebt wirst Du einzig, wo Du Dich schwach Dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“

      Derjenige der „zutritt“ hast Du getroffen mit Dein „sein“, deine Authentizität. Es sind unintegrierte Anteile der Andere die Du ihn spiegelst, Du hast ihn so zu sagen unbewusst getroffen. Er ist (unbewusst) betroffen und tritt zu.
      Insofern hat sein Verhalten nichts mit deinen Selbstwert zu tun.
      Selbstachtung ist ein Geschenk, das nur Du Dir machen kannst.

  • Ich kenne Brene Browns Vortrag schon seit 2010 und habe mittlerweile 2 ihrer Bücher gelesen. Sie ist für mich eine Vorreiterin für einen Wandel in der Gesellschaft. Ihre Forschungsergebnisse legen nur offen, was in unserer Gesellschaft offensichtlich ist. Von Kindheit an antrainierte Muster in der Familie und Gesellschaft „du bist so nie gut genug, wie du bist“ sorgen für viel Leid im Leben. Ihr Vortrag war wie ein Befreiungsschlag für viele zu sehen, dass wir alle nicht perfekt sind und auch gar nicht sein müssen aber trotzdem o.k. und liebenswert sind. Es eine psychisch gesündere Ausgangsposition, sich authentisch zu zeigen mit all seinen Fehlern und Emotionen, als ständig den Schutzpanzer der Perfektion mit darunter liegenden Scham zu tragen.

    Das ist aber nicht, was uns von außen gepredigt wird. Uns wird ständig um die Ohren gehauen, dass wir noch mehr leisten sollten in immerer kürzerer Zeit, noch attraktiver sein sollten, uns noch mehr Qualifikationen aneignen, noch mehr Cochings machen, noch perfektere Eltern oder Kinder sein, usw. Im Artikel wurde nicht erwähnt, zu was das führt: Drogen, Alkohol, Leiden, Rechthaberei, Wettbewerb.

    Brene Brown hat eine große Gegenbewegung in Gang gesetzt von der weit verbreiteten Konditionierung „es reicht nie, was ich mache“ und das zwangsläufige Vergleichen mit anderen hin zu: Egal, welche Fehler ich mache, es ist o.k., ich bin trotzdem wert geliebt zu werden. Klar dass sie damit einen großen Nerv der Masse der Gesellschaft trifft, die meistenteils müde, erschöpft und verunsichert sind, durch zu viel Druck, wie man sein sollte und Scham, dass man nie gut genug ist.

    • Matthias schreibt am 6. Oktober 2013

      Hallo Klara,

      toller Beitrag. Meiner Meinung nach hast du hier ganz direkt den Nerv unserer Gesellschaft getroffen. Danke, für deinen Beitrag.
      Grüße
      Matthias

    • Elisabeth schreibt am 10. Oktober 2013

      Danke für Ihren Beitrag, Sie sprechen mir aus dem Herzen!

    • rolido schreibt am 16. Oktober 2013

      Hallo, liebe Klara!

      Ich fühle mich direkt angesprochen und kann mich mit Ihrem Artikel absolut identifizieren.

      Vielen Dank

    • Ferdinand Berlinger schreibt am 16. Oktober 2013

      Besser kann man es nicht sagen!
      Toller Beitrag, danke.
      Liebe Grüße Ferdl

    • Thomas schreibt am 17. November 2013

      Das hast du aber sehr schön geschrieben Klara.
      Welches Buch empfiehlst du mir von ihr,um dieses Thema in kluger schöner Sprache zu verinnerlichen?
      LG Thomas

  • Ich finde diese gedanken sehr gut, und ich bin froh das ich heute schon mich darf verletztlich geben, es ist sehr schwer darohne zu leben…. es ist viel leichter mit dem “ Ich liebe Dich“ und “ Es tut mir leid“ zu leben.

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