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Was ist eigentlich Achtsamkeit?

Von Sebastian Sauer

Das Thema “Achtsamkeit” ist ja momentan regelrecht in Mode. Und da ist es sehr praktisch, dass es noch keine allgemein bekannte oder akzeptierte Definition davon gibt. So kann jeder, der von Achtsamkeit spricht, darunter verstehen, was gut in seine Ansichten passt. Ganz nach dem Motto: „Wenn sich jemand so verhält, wie ich meine, dass es richtig ist, dann ist es achtsam“.

Freilich wird dadurch der Achtsamkeit jegliche Bedeutung, jegliche Substanz entzogen.

Was verbinden Sie mit Achtsamkeit?

Natürlich hat jeder ein gewisses Gefühl für dieses Wort, eine Ahnung, was es bedeuten müsse. „Auf etwas achten“ schwingt da mit, oder auch so etwas wie „vorsichtig“ sein.

Unwillkürlich erscheint da z.B. vor meinem geistigen Auge das Bild von einem safranfarben gekleideten Mönch, kahl geschoren, der anmutig, langsam und mit entweder gewichtiger oder ausdrucksloser Miene Tee in eine Porzellantasse gießt… Das ist doch Achtsamkeit, oder etwa nicht?!

Oder man hat die Vorstellung, Achtsamkeit bezeichnet einen esoterischen Zustand tiefster Versenkung, selbstverständlich mit mystischen Erfahrungen, wie geheimnisvolle Lichter und (für den profanen Geist) unverständliche Erkenntnisse…

Eine wichtige Unterscheidung

Zuallererst müssen wir unterscheiden zwischen

  • Achtsamkeit
  • und den Effekten, den Auswirkungen von Achtsamkeit.

So wie wir z.B. auch unterscheiden können zwischen Musizieren und den Auswirkungen von (regelmäßigem) Musizieren: Musizieren ist erstmal eine Tätigkeit; sie kann direkte Effekte und langfristige Effekte nach sich ziehen. So fühlt man sich etwa beim Musizieren oder danach entspannt, konzentriert und wohl. Langfristiger betrachtet entwickelt sich (hoffentlich) ein gutes Gehör und ein Gespür für Rhythmus und Melodie. Wir sehen also, wenn wir vom Musizieren sprechen, müssen wir sinnvollerweise zwischen dem Akt des Musizierens und den (kurz- oder langfristigen) Auswirkungen des Musizierens unterscheiden.

So auch bei der Achtsamkeit. Achtsamkeit ist nicht die Auswirkungen von regelmäßiger Übung in Achtsamkeit, sondern der Akt des Achtsamseins.

Achtsamkeit kann Versenkung, Entspannung und Gelassenheit entstehen lassen; genügend Übung voraus gesetzt. Aber: Genau wie beim Musizieren muss man eben unterscheiden zwischen dem Tun (Musizieren bzw. Achtsam sein) und den Auswirkungen des Tuns (Gutes Gehör bzw. Gelassenheit, Versenkung etc.).

Warum ist das wichtig zu unterscheiden? Damit wir den Begriff der Achtsamkeit klären; sonst würde der Begriff Achtsamkeit alles und nichts bedeuten. Achtsamkeit ist also nicht Entspannung, Versenkung etc. – das sind die Auswirkungen, wenn man sich in Achtsamkeit übt. Achtsamkeit selber ist der Akt des Achtsamseins.

Damit wissen wir zwar etwas mehr, was Achtsamkeit nicht ist, aber was ist es denn jetzt?

Wege aus der Einsamkeit

Oder wie man es schafft, echte Freunde zu gewinnen und dadurch ehrliche Nähe und Miteinander zu spüren: Dein Projekt: Wege aus der Einsamkeit.

Was Achtsamkeit ist

Nun, Achtsamkeit heißt,

  • sich dessen bewusst zu sein, was gerade jetzt innen und außen passiert
  • und das darüber hinaus gelassen und ohne emotional in Aufruhr zu geraten, zu betrachten.

Sonst tun Sie nichts. Sie greifen nicht ein und Sie müssen nichts erreichen.

“Das ist alles?!” werden Sie jetzt vielleicht sagen. “Da hätte ich mir ja mehr erwartet! Das ist ja gänzlich unspektakulär!”

Jeder kann achtsam sein

Tatsächlich ist Achtsamkeit per se nichts, wofür man sich jahrelang in luftige Höh(l)en des Himalayas zurückziehen muss. Achtsamkeit ist eine grundlegende Fähigkeit des menschlichen Geistes. Jeder kann es, und zu fast jeder Zeit, es sei denn, man ist nicht ganz bei klarem Bewusstsein – so nach dem dritten Bier, zum Beispiel.

“Moment”, werden jetzt spitzfindige Geister einwenden “aber, was ist denn, wenn ich nun schon in emotionaler Aufruhr bin? Das kann ich ja nicht auf Knopfdruck abschalten! Heißt das, dass ich in dem Fall einfach nicht achtsam sein kann?”

Wenn Sie in emotionaler Aufruhr sind, also zum Beispiel wütend, ärgerlich, traurig, deprimiert, ängstlich, dann betrachten Sie diesen Zustand möglichst sachlich: „Aha, da ist Wut, Ärger, Trauer, Deprimiertheit oder Angst in mir“.

Versuchen Sie, diese Aufruhr möglichst ruhig zu betrachten. Ohne einzugreifen. Schauen Sie einfach genau hin, ganz genau.

Das ist alles!

Die Übung macht’s

“Ja, aber”, werden Sie jetzt einwenden “wozu dann dieser ganzen Rummel um Achtsamkeit?! Wieso üben und meditieren dann so viele Leute, und auch so viel?”

Es stimmt zwar, dass man ohne Probleme „mal eben etwas“ achtsam sein kann, aber (und jetzt kommt der Haken) ohne Übung ist diese Achtsamkeit halt nur schwach, löchrig und kurzatmig. Man könnte sagen, gehen oder laufen kann (fast) jeder – aber nur mit Übung kann man lange Strecken oder hohe Geschwindigkeiten laufen.

Wenn Sie also über eine gute Achtsamkeit verfügen wollen, dann führt kein Weg an regelmäßigem Üben vorbei. Sie würden ja auch nicht auf den Gedanken kommen, den Boston-Marathon ohne Übung mitzulaufen.

Halten wir also fest: ein bisschen achtsam sein kann jeder, aber sehr achtsam sein, braucht viel Übung.

Aber wozu eigentlich?

“Ja, gut”, sagen Sie jetzt vielleicht, “das habe ich verstanden, aber lohnt es sich denn überhaupt zu üben und zu trainieren? Wenn ich für Boston trainiere, dann merke ich, dass ich fit werde. Wenn ich zweimal die Woche ins Fitnessstudio gehe, dann sehe ich, wie meine Muskeln stärker und wie die Fettpolster kleiner werden (zumindest habe ich von Leuten gehört, denen es so geht, angeblich). Wie ist das aber mit der Achtsamkeit? Lohnt es sich zu trainieren? Was kann ich davon erwarten? Schließlich mache ich das ja nicht zum Spaß!”

Hier habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie.

Die gute zuerst (aus dramaturgischen Gründen, zugegeben): Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Studien (und ihre Zahl steigt), die wünschenswerte Effekte auf körperlicher und psychologischer Ebene finden. Interessanterweise für alle möglichen Beschwerden, Leiden und Gebrechen: von Hautkrankheiten über chronischen Schmerz, bis hin zu Depression, Stress und Essstörungen. Viele Psychotherapeuten sehen übrigens in der Achtsamkeit einen wichtigen Aspekt in Ihrer Behandlung.

Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von (selbst ernannten) Gurus, Heiligen und anderen Wohltätern, die auf den fahrenden Zug aufspringen (oder behaupten, sie seien der fahrende Zug) und den schnellen Weg zum Glück versprechen.

Damit wären wir auch schon bei der schlechten Nachricht: Glauben Sie nicht den wissenschaftlichen Studien. Glauben Sie auch nicht den Psychotherapeuten. Glauben Sie aber auch nicht den Gurus. Wenn es Sie interessiert, gibt es nur einen Weg: Probieren Sie es selber aus.

Ausprobieren!

Wenn es Sie interessiert, gibt es nur einen Weg: Probieren Sie es selber aus.

Wenn Sie das Gefühl haben, hey, das könnte was für mich sein, dann gehen Sie fair, nüchtern und rational an die Sache ran: Suchen Sie sich ein geeignetes Programm, z.B. Vipassana Meditation oder Mindfulness Based Stress Reduction (MBSR), schauen Sie, ob das, was dort gemacht und erzählt wird, logisch, plausibel und stimmig ist und dann üben Sie eine Zeit lang diszipliniert.

Sagen Sie nicht – „also Geige spielen ist Quatsch, ich habe es gestern ausprobiert, es hat nicht funktioniert“. Sie müssen dann schon eine Zeit lang, sagen wir zwei bis drei Monate, diszipliniert üben. Dann ziehen Sie selber für sich Bilanz und schauen Sie, ob sich etwas – zum Besseren – verändert hat.

Genau das ist Achtsamkeit: selber erfahren, unvoreingenommen.

© Sebastian Sauer www.mindfulness-research.net Aktuelle Forschung zu Achtsamkeit

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