Wer hat „Schuld“?

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Quer durch alle Themen einer aktiven Lebensgestaltung zieht sich ein Phänomen: und zwar die Suche nach dem Schuldigen. Es scheint ein zutiefst menschliches Bedürfnis zu sein, einen Schuldigen zu finden – einen Schuldigen für den eigenen Jobverlust, für die gescheiterte Ehe, für die misslungene Weiterbildung, für die kaputte Gesundheit, die aufgegebenen Träume und… und… und…

Ich habe für mich ganz persönlich herausgefunden, dass mir die Suche nach einem Schuldigen nichts bringt – im Gegenteil, ich habe für mich erkannt, dass sie mir eher schadet als nützt.

Erstens führt mich die Suche nach einem Schuldigen weg von mir selbst. Ich suche natürlich im außen nach der „Schuld“, denn ich will ja eine Erklärung für meine Misere. Wenn ich meinen Mann, meine Eltern, meine Lehrer, meinen Chef oder den Staat die Schuld zu schieben kann, bin ich, wie ich denke, aus dem Schneider.

Aber genau das ist ein Trugschluss und bringt und unmittelbar zum zweiten Punkt: Wenn ich die Schuld bei anderen suche, gebe ich alle Hebel für eine Veränderung ab. Wenn andere Schuld haben, kann ich nur hoffen, betteln und jammern, sie mögen doch etwas ändern. Ich selbst aber bleibe passiv.

Als ich für mich erkannte, dass meine Suche nach Schuldigen im Grunde nichts anderes war, als der Ausdruck meiner Weigerung, Verantwortung für mich zu übernehmen, war das unangenehm und befreiend zugleich. Unangenehm, weil mir bewusst wurde, dass es an mir selbst und niemand anderen sonst ist, etwas zu ändern und das bedeutete Arbeit und Anstrengung für mich. Befreiend aber deshalb, da ich mit diesem Gedanken ein ganzes Stück erwachsen und unabhängiger wurde. Wenn es letztlich gar nicht mehr so wichtig wäre, wer nun genau Schuld an meiner Misere hätte, könnte ich all die Energie, die ich auf die Suche nach dem Schuldigen genutzt hatte und vor allem all die Kraft, die in meine Anklagen geflossen war, anders nutzen. Und zwar für mich. Dafür, meine Situation zu ändern.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden – natürlich gibt es Situationen, in denen Schuldige benannt und ggf. auch bestraft werden müssen. Ich spreche hier aber nicht von echten Straftatbeständen, sondern von all den vielen kleinen und großen Alltagsärgernissen, Sorgen und Leidquellen, in denen wir so etwas denken wie:

  • „Wenn mein Partner nicht ständig…, dann…“
  • „Wenn meine Eltern damals nicht immer …, dann…“
  • „Wenn doch nur mein Chef …, dann…“
  • usw.

Mit solchen Gedanken lenken wir uns immer wieder selbst davon ab, dass wir es sind, die Verantwortung für uns, unser Leben und unsere Zufriedenheit übernehmen müssen. Dass es einfach nichts bringt, die Schuld auf andere zu schieben, weil es nichts ändern wird.

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Kommentare

  • Es ist entscheidend, sich regelmäßig selbst zu vergegenwärtigen, dass man, selbst wenn man nicht „schuld“ ist, immer noch die Verantwortung für die eigene Reaktion trägt. Liebe Grüße

  • Hallo Tanja,

    vielen Dank für deinen Beitrag. Die Schuldfrage ist regelrecht zu einer Krankheit geworden vor Allem im Arbeitsleben. Zu gerne wird ein schwarzes Schaf gesucht, dem man für alles die Schuld geben kann. Ja es scheint, dass niemand mehr die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen möchte oder kann. Einer macht vor, die anderen machen alle nach. Wenn du nicht mit machst, bist du das schwarze Schaf und das möchte natürlich auch keiner sein….

  • Ich finde, dass die Schuldfrage auch bei den alltäglichen Ärgernissen nicht unwichtig ist. Insbesondere, wenn ich mir die Frage stelle, ob ich selbst Schuld (oder auch nur eine Mitschuld) trage und es ggf. an mir liegt, jemanden um Entschuldigung zu bitten für eigenes Fehlverhalten. Das gehört für mich auch zum „Verantwortung für mich übernehmen“. Ließe ich also die Schuldfrage komplett außen vor, würde ich nie Verzeihung ersuchen können, sondern wäre immer darauf angewiesen, dass andere dies von sich aus tun. Wobei dann mehr als fraglich ist, ob ich davon erführe, Oder ob ich überhaupt verstünde, wofür.

    Desweiteren hat Schuld auch etwas mit Strafe zu tun. Es sind nicht nur Straftaten, die bestraft werden. Wir alle strafen unsere Mitmenschen für Fehlverhalten ab. Bevor ich mir eine geeignete Sanktion überlege, muss ich die Schuldfrage geklärt haben.

    Von daher halte ich den Artikel für sehr vereinfachend, um nicht zu sagen wirklichkeitsfremd.

  • Finde den Beitrag sehr positiv da ich jahrzehntelang für alles mögliche und unmöglichliche schuld war.

  • Ist Schuld nicht etwas was die Menschen erfunden haben um von sich abzulenken, ist es nicht etwas womit sie von sich ablenken wollen.
    Es gibt doch eigentlich nur eine Schuld, die Schuld gegenüber Gott oder dem Leben. Diese Schuld wird aber jedem selbst zugewiesen und man kann sie nicht weitergeben.
    Schuld kann meiner Meinung nach nur jeder für sich erwerben.

    @ Katja, es ist eine Geschichte die mir Nahe geht, ich kenne eine ähniche Situation bei einem Menschen und es macht mich betroffen.

    Ich wünsche allen einen sonnendurfluteten Tag

    Der Bär

    • Hippeli, Jörg schreibt am 4. Dezember 2016

      Auch Gott gegenüber tragen wir keine Schuld, so wir denn gläubige Christen sind. Gott fordert von uns nichts, er hat uns das Leben geschenkt, holt es sich irgendwann wieder und will nichts dafür, aber wenn wir ihm gegenüber dankbar sind für das Leben, werden wir aus eigenen Stücken, das beste aus diesem geschenkten Leben machen.
      Also sind wir dankbar für das Leben, das wir geschenkt bekommen haben und machen das beste daraus.
      Euch allen eine schöne und beSinnliche Adventszeit, damit wir in der Weihnachtszeit wirklich dankbar sein können.

  • das ist etwas komisch mit den Menschen. Das Wort „Schuld“ würde ich komplett aus dem Wortschatz streichen. Es ist quatsch, anderen die Schuld an etwas zu geben, genauso ist es quatsch, sich selbst die Schuld zu geben. Aber Verantwortung übernehmen schon, und Konsequenzen ziehen genauso! Das sind aber wirklich zwei verschiedene Paar Schuhe, Schuld und Verantwortung!
    Also, Schuld gibt es nicht. DAs Wort ist eine Erfindung des Egos.

  • Ich bin der Meinung, dass die Suche nach dem Schuldigen (vielleicht tatsächlich eine sehr menschliche Eigenschaft) etwas mit dem Zustand unserer Gesellschaft zu tun hat, wo viel zu oft auf den anderen gezeigt wird. Unsere Politiker machen da voll mit und spiegeln die Gesellschaft (ich denke z.B. an die Loveparade in Duisburg).
    Ich würde mich freuen, wenn wir die VERANTWORTUNG mehr in den Vordergrund stellen würden. Viele Dinge würden sich dann ganz anders entwickeln und wir könnten anders miteinander umgehen, will sagen, ich könnte mir sehr wohl vorstellen „ohne Schuld“ und trotzdem (mit-)verantwortlich zu sein. Verantwortlich sein beinhaltet immer „sich Gedanken machen“ und „was kann ich tun“.

  • Ich hatte das Glück, einen sehr herzensnahen Freund für viele Jahre bei mir zu haben. Er trug eine Menge Last mit sich, von der er sich aus eigenen Stücken als selbst ernanntes Opfer seiner Umstände nicht befreien konnte und oft stark erstarrte. Er wollte keine Veränderung und auch keine kritische Betrachtung. Für ihn war es richtig, an Dingen festzuhalten, er hätte sonst andere verletzt. Aus seiner Sicht stand er so gut da (Opfer für andere), aber es ging ihm nicht gut damit!! Er suchte immer wieder und verstärkt nach äusserer Bestätigung seiner Person. Bei Kritik hagelte es von ihm sofort haltlose und zusammenhanglose Vorwürfe, er konnte damit gar nicht umgehen. Trotzdem ich ein verzeihender und freier Mensch bin, habe ich (zu) oft eingelenkt, musste aber die Einseitigkeit erkennen. Dieses Gebilde an starren Mustern ist nur von demjenigen aufzubrechen,, der es in sich trägt. Nur dann ist die Veränderung der Sichtweise von Problem- zur Lösungsorientierung möglich. Das muss jeder selbst erkennen. Im Grunde verlangt derjenige, dass man genau so wie er alles nur erträgt. Der Durchbruch kam mir dann in den Sinn, denn mir ging es selbst damit nicht gut: Freiheit! Ich möchte nicht in Schuldzuweisungen und Hässlichkeiten mundtot gemacht werden und das Leben ertragen. Für mich ist Leben Austausch, Wachstum, Miteinander, Geben und Nehmen. Ändern werde ich seine Sichtweise der Schuldberggeschichte von mir aus nicht. Da kann man nur auf Wunder von Dritten (Therapeut o. ä.) hoffen. Da er jetzt seinen Arbeitsplatz verloren hat, wäre es denkbar, dass auch die Gedanken sich verändern werden. Den Weg wird er alleine finden! Ich werde weiter mein Leben so annehmen und lösungsorientiert für mich das Beste herausarbeiten.

  • Ein Passant ging die Straße entlang. Plötzlich stürzte ein Mann aus einem Hauseingang, so dass die beiden heftig gegeneinander prallten. Der Mann war furchtbar wütend, schrie und schimpfte und beleidigte den Passanten.
    Daraufhin verbeugte sich dieser mit einem milden Lächeln und sprach:
    „Ich weiß nicht, wer von uns an dem Zusammenstoß die Schuld trägt. Ich bin auch nicht gewillt, meine kostbare Zeit mit der Beantwortung dieser Frage zu vergeuden.
    Deshalb: Wenn ich die Schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte Sie für meine Unachtsamkeit um Verzeihung. Falls Sie der Schuldige waren, können Sie die Sache einfach vergessen.“
    Er verbeugte sich noch einmal und ging mit einem Lächeln im Gesicht seines Weges.

    (c) Anthony de Mello

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