Anleitung für ein erfülltes Leben


Ich habe ein ganz wichtiges Oberziel für mein Leben.

Ich möchte auf meinem Sterbebett möglichst wenig bereuen.

Ich möchte abtreten können und sagen:

„Ich habe mein Leben gelebt. Ich habe etwas aus meinem Leben gemacht. Ich habe einen positiven Unterschied im Leben anderer Menschen gemacht. Und ich bin mir dabei selbst treu geblieben.“

Oder anders ausgedrückt: Ich möchte ein erfülltes, aktives, lebendiges und reiches Leben geführt haben.

Und das zu tun ist tatsächlich erstaunlich schwer.

Denn es gibt viele Gegenkräfte, die uns davon abhalten, ein reiches und erfüllendes Leben zu führen.

Das fängt an mit all den Botschaften, die wir täglich bekommen.

  • Du musst ordentlich Geld verdienen, damit du dir auch mal was leisten kannst.
  • Du musst was Solides machen.
  • Du musst den Armen helfen.
  • Du musst was von der Welt sehen.
  • Du brauchst endlich einen Mann. Oder eine Frau.
  • Du musst dünn sein und gut aussehen, wenn du einen Partner finden willst.
  • Als verantwortlicher Staatsbürger musst du wählen gehen.
  • Du musst ans Alter denken.
  • Du darfst nicht mehr Geld verdienen als dein Vater.
  • Wenn du hier weiterkommen willst, musst du 60 Stunden die Woche arbeiten.
  • Dafür bist du nicht gut genug.
  • Du hast doch Besseres verdient.
  • Du brauchst ein eigenes Haus, damit du glücklich sein kannst.
  • Du musst dich vegan ernähren und ein ökologisches Bewusstsein haben.
  • Du darfst deinen Eltern keine Schande machen.
  • Du musst ein Vorbild sein.
  • In unserer Familie haben wir immer deutsche Autos gefahren.
  • Du musst eine gute Mutter oder ein guter Vater sein.
  • Du darfst nicht an dich selbst denken.
  • Du brauchst das neueste XYZ, damit du cool und hip bist.
  • Das Wichtigste ist die Familie.

Wir alle sind vielen, vielen Botschaften von außen ausgesetzt. Von unserer Familie, unseren Freunden, der Werbung, den Medien, der Gesellschaft.

All diese Botschaften machen es uns schwer, unsere innere Stimme zu hören.

Aber um ein erfülltes Leben zu führen, brauchst du den Kontakt zu deiner inneren Stimme.

Den Kontakt zu deiner inneren Stimme findest du oft in der Stille. In der Meditation. In der Natur.

Und indem du Gedankenexperimente betreibst:

  • Was würde ich tun, wenn ich alle Möglichkeiten hätte?
  • Was würde ich tun, wenn es garantiert gelingen würde?
  • Was würde ich tun, wenn ich allen Mut hätte?
  • Was würde ich tun, wenn die anderen es auf jeden Fall und uneingeschränkt gut finden würden und stolz auf mich wären?

Es ist schwer, bei den vielen Botschaften unserer Umwelt unsere innere Stimme zu hören. Deswegen musst du dich gezielt auf die Suche danach machen.


Was ein erfülltes Leben auch schwierig macht, ist unser Herdentrieb.

Unsere Freunde, Kollegen, unsere Nachbarschaft beeinflussen uns weitaus mehr, als wir denken.

Wir sind soziale Tiere und folgenden dem Schwarm und der Herde.

Und seien wir ehrlich: Die meisten Menschen führen kein erfüllendes Leben.

Die meisten leben in ihrer Welt aus Pflichten, vielen Ablenkungen und einem vollem, alles verzehrenden Alltag.

Aus diesem Hamsterrad gilt es auszusteigen.

Aber dann fängst du an, gegen den Strom zu schwimmen. Du musst anders sein als die anderen. Du musst es anders machen als die anderen.

Und genau das fällt uns Menschen nicht leicht.

Weil wir uns an den anderen orientieren.

Und das macht ein erfülltes Leben schwer. Weil wir plötzlich hören:

„Das ist doch Blödsinn, was du da anstellst.“

„Das kannst du doch nicht machen, das ist doch total unsicher. Sei doch nicht so dämlich.“

Oder: „Du hältst dich vielleicht für etwas Besseres.“

Ein erfülltes Leben braucht ein gewisses Maß an innerer Stärke und Unabhängigkeit vom eigenen Umfeld.


Erfüllung zu erleben, bedeutet oft, gegen den Strom zu schwimmen, und das braucht eine gewisse innere Stärke.


Was genau ist denn nun erfüllend?

Eine tolle Partnerschaft? Viele Freunde? Ein wundervoller Job? Tolle, abenteuerliche Reisen? Wohnen auf der Alm? Oder Künstler in einer Großstadt zu sein? Ein Unternehmen zu leiten? Oder als Angestellter in einem Büro mit tollen Kollegen zu arbeiten?

Ja, all das.

Und all das nicht.

Denn was uns erfüllt, ist für jeden von uns anders.

Für den einen ist es großartig, ein Leben als Globetrotter zu führen. Also von einem Land ins andere zu wandern. Hier ein bisschen zu jobben. Dann weiterzuziehen.

Ein anderer ist zutiefst heimatverbunden und würde vor Heimweh eingehen, wenn er länger als 3 Monate weg von zuhause wäre.

Erfüllend ist, was zu mir passt. Zu meinen Stärken, meinen Vorlieben, meiner Persönlichkeit und meinen Werten.


Erfüllung ist eine zutiefst persönliche, individuelle Sache. Schau nicht zu den anderen, was für sie erfüllend ist. Suche dir deine persönliche Erfüllung, ausgehend von deinen Stärken, deiner Persönlichkeit und deinen Werten.


Und oft hängt es von unserer Lebensphase ab, was uns erfüllt.

Was für mich mit 30 Jahren erfüllend ist, ist es mit 40 vielleicht nicht mehr.

Also verabschiede dich von der Idee, eine Sache zu finden, die du für den Rest deines Lebens tust.

Unser Leben hat Phasen und jede Phase hat andere Regeln.

Erfüllend ist also das, was in meiner jeweiligen Lebensphase richtig ist.


Jede Lebensphase kann (aber muss nicht) immer wieder andere Dinge beinhalten, die mich erfüllen. Trau dich, dich immer wieder neu zu erfinden.


Erfüllung hat oft etwas damit zu tun, dass ich am richtigen Ort bin.

Ein Ort, der zu mir passt.

Ein Ort, an dem ich mich geborgen und aufgehoben fühle.

Ein Ort, an dem ich sein kann, wie ich bin.

Ein Ort, der deine stärksten Bedürfnisse auf natürliche Art erfüllt.

Ein Ort, der dir gibt, was dir wichtig ist.

Wo ich mich nicht zu verstellen brauche.

Wo Menschen von meiner Art gewollt und gebraucht werden.

Ein Ort, wo ich einen Unterschied machen kann.

Oft ist es nicht so wichtig, was ich tue. Es ist wichtiger, wo ich es tue, mit wem ich es tue und für wen ich es tue.

Oft ist übrigens der einfachste Weg, so einen Ort zu finden, den Ort selbst zu erschaffen und Mitstreiter zu finden, denen es ähnlich geht.


Erfüllung ist oft eine Frage des richtigen Ortes und der richtigen Menschen. Findest du so einen Ort nicht, erschaffe ihn einfach.


Erfüllung hat oft mit dem Flow-Gefühl zu tun.

Flow ist der Zustand, in dem ich mich selbst vergesse, während ich etwas tue. Der Zustand, in dem ich das Gefühl für die Zeit verliere.

Flow ist der Zustand, den ich erlebe, wenn ich Dinge tue, die ich auf der einen Seite gut kann. Aber auf der anderen Seite muss die Aufgabe auch ein gewisses Maß an Herausforderung beinhalten.

Flow entsteht, wenn eine Aufgabe nicht zu schwer, aber auch nicht zu leicht ist.

Flow entsteht, wenn ich mich selbst vergesse und ganz in einer Aufgabe aufgehe.

Wenn du ein erfüllendes Leben führen möchtest, suche diese Tätigkeiten. Suche danach, was dir Flow verschafft.

Aber suche dir etwas, an dem du wachsen kannst. Etwas, was dich immer wieder vor neue, positive Aufgaben stellt.


Erfüllung entsteht, wenn du möglichst viele Flow-Erlebnisse hast.


Erfüllung hat etwas mit Integrität zu tun.

Nur „Ja“ sagen, wenn ich „Ja“ meine.

„Nein“ sagen, wenn ich dagegen bin.

„Stopp“ sagen, wenn mir etwas zu viel wird.

Meine Versprechen halten.

Regeln haben und diese befolgen.

Wenn du so lebst, kannst du dich gut selbst im Spiegel anschauen und zu dir sagen:

„Du lebst wahrhaftig und bist echt! Du hast dein Bestmögliches gegeben.“

Erfüllt zu leben, heißt, möglichst wenig zu bereuen. Und je wahrhaftiger du lebst, desto weniger hast du zu bereuen.


Erfüllung wird so viel einfacher, wenn du echt, wahrhaftig und integer lebst.


Erfüllung entsteht selten auf dem Sofa, während du Fernsehen schaust. Oder beim Internet-Surfen.

Erfüllung ist keine passive, gemütliche Sache.

Erfüllung entsteht, während du aktiv bist.

Während du neue Dinge ausprobierst.

Wenn du dir Ziele setzt und diese verfolgst.

Wenn du neue Dinge lernst.

Wenn du dich selbst herausforderst.

Erfüllung entsteht nicht im Sitzen. Sondern im Gehen, im Rennen, im Hüpfen.

Wenn du ein erfülltes Leben suchst, dann ist der erste Schritt, aufzustehen und loszugehen.


Erfüllung ist keine passive, sondern eine sehr, sehr aktive Sache. Du musst dazu aktiv werden.


Aktiv zu sein, heißt nicht, einfach nur viel zu tun. Denn man kann das eigene Leben wundervoll mit Nichtigkeiten und lästigen Pflichten füllen.

Viele Menschen haben einen extrem vollen Alltag, fühlen sich aber sehr unerfüllt.

Erfüllung ist eine Frage der richtigen Aktivitäten.

Oft ist der erste Schritt, das eigene Leben radikal zusammenzustreichen.

Also die Dinge sein zu lassen, die nichts zur eigenen Erfüllung beitragen.

Das erfordert manchmal, „Nein“ zu sagen. Manchmal muss man auch eingegangene Verpflichtungen neu verhandeln. Oder kreative Lösungen finden.

Hier ist es wichtig, sich selbst nicht mit den eigenen Entschuldigungen durchkommen zu lassen.

„Ich kann das nicht, weil …“

Sätze dieser Art gilt es zu hinterfragen und nachzudenken. So lange, bis du ankommst bei einem:

„Ich könnte das vielleicht doch, wenn ich …“

Ein erfülltes Leben ist manchmal ein anstrengendes Leben, gerade am Anfang.

Aber die guten Dinge gibt es halt nicht billig.


Ein erfülltes Leben ist so frei wie möglich von Ballast, unliebsamen Pflichten und Dingen, die dich nicht erfüllen.


Ein erfülltes Leben beginnt heute.

Es ist nie zu spät, mehr Erfüllung ins eigene Leben zu holen.

Was dich davon abhält, bist nur du selbst.

Deine Ängste.

Deine Entschuldigungen.

Dein Unwillen, nach Lösungen zu suchen.

Dein Unwillen, schwierige, vielleicht schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.

Du hast die Wahl.

Wählst du das sichere, bequeme, blutleere, langweilige, unerfüllte Leben?

Oder wählst du die Lebendigkeit, das Risiko, das Unsichere und die Chance auf ein großartiges, reiches und eben erfülltes Leben?

Es ist deine Chance.

Du kannst heute damit beginnen.

Indem du eine Wahl triffst, mehr Erfüllung in dein Leben zu holen.

Du musst ja nicht gleich Vollgas geben.

Es reicht ja, zuerst Kleinigkeiten zu ändern.

Das ist oft sogar der bessere Weg, solange du nicht aufhörst, immer weiter Kleinigkeiten zu ändern und dein Leben immer besser und besser zu machen.


Erfüllung beginnt heute und du brauchst dich nur dafür zu entscheiden.


 

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Kommentare

  • Was ist ein erfülltes Leben, was verstehen wir darunter?
    Wir erwarten doch und hoffen auf die Erfüllung unserer Wünsche und meinen nur eines: ein Dasein hier auf Erden, das uns mit Glück und Freude erfüllt.
    Könnten wir aber nicht auch weiter denken, dahin wo wir herkommen und wieder gehen, an das Ewige?
    Wie, wenn wir Erfüllung in der Erfüllung eines Auftrages sehen?
    Wir sind doch ewige Seelen, die ein oder mehrere kurze Menschenleben hier verbringen mit der Aufgabe, diese Seele durch die Höhen und Tiefen dieses Erdenlebens zu führen und danach wieder hinaus in die unendliche Geisteswelt zu tragen.
    Ist es uns gelungen im Laufe unseres Lebens unser Unvergängliches dadurch zu bereichern dann haben wir doch etwas Wichtiges zustande gebracht. Dann dürfen wir vielleicht von erfülltem Leben reden.

  • Vielen Dank für die Ermutigung und Herausforderung, aktiv das eigene Leben zu gestalten – auch bei Gegenwind. Ja, was einen erfüllt, ist individuell. Neulich hörte ich einen Vortrag zum Stand der Charakterstärken-Forschung. Seine individuellen Charakterstärken zu erkennen und immer wieder auf neue Weise einzusetzen wirke auf “Erfüllungen im Leben”, hieß es dort. Das passt gut zu diesem Beitrag, denke ich.

  • Großartiger Beitrag! :-)

  • Wundervolles, motivierendes Beitrag, weiter so!

  • Bravo! Meine ich aufrichtig. Einen klitzekleinen Kritikpunkt hätte ich aber doch: Neben Integrität (im Einklang mit bzw. nach den eigenen Werten leben), ich nenne das jetzt mal wortschöpfend “Intragrität”, gilt es auch, im Einklang mit der Umwelt und den anderen Menschen zu leben (“Intergrität”). Wenn man ständig aneckt und zunehmend vereinsamt, ist IMO kein erfülltes Leben möglich, auch wenn man noch so sehr entsprechend der eigenen Ethik handelt. Wahre Erfüllung ist nur im Miteinander möglich, in dem frau nicht nur auf das eigene Wohl achtet, sondern auch auf das der Anderen, Anerkennung erfährt und sich zugehörig und nicht außen vor fühlt. Wirkliche Erfüllung gibt es meiner Ansicht nach nur, wenn die Mitmenschen vom eigenen Handeln auch einen Nutzen ziehen können. Dann bin ich Teil einer Gemeinschaft, ein soziales Wesen. Und das steckt nun mal ganz tief in uns drin.

  • Danke, guter Artikel.
    Ja und als Unternehmer, der Entscheidungen trifft/treffen muss, sag ich:
    Jede Entscheidung – auch wenn systemisch, mit Herz und Verstand usw. kann auch ein Risiko bergen.
    Mich würde interessieren: wie steht ihr dazu?

  • Ich bin etwas sauer, sozusagen nicht dankbar für die Erinnerung. Weil alles stimmt. Und weil es aber so anstrengend ist und Mut erfordert. Allein das Nachdenken! Ich bin da noch etwas ängstlich und lieber langsam oder ganz ehrlich faul.

    • Margarete Hagedorn schreibt am 27. Mai 2016

      Es trifft sich gut, heute noch habe ich über “ein (mein) erfülltes Leben” nachgedacht. Natürlich las ich dann sogleich den Ralf-Senftleben-Sonntagsbrief über dieses Thema. An all den oben geschriebenen Sätzen konnte ich messen, ob ja oder nein. Ich bin voll dabei…. ! Ist anstrengend, macht Spaß, das Ergebnis ist zu sehen! Gut ist, daß es nie zu spät ist für die Erfüllung, auch wenn die 70+ überschritten ist. Ich bin sehr dankbar über die Erkenntnisse dazu und
      vielen Dank für die Brief. Ich werde ihn immer wieder lesen.

  • Das kann ich wunderbar integrieren, danke!

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