Arme Schmerzvermeider

Oszillation

Du kannst Menschen grundsätzlich in zwei Arten einteilen.

Und die eine Art hat es im Leben in vielerlei Hinsicht wesentlich einfacher.

Ich rede hier von der grundsätzlichen Art, wann und unter welchen Umständen wir ins Handeln kommen.

Die eine Art von Menschen kommen eher ins Handeln, weil sie etwas wollen, weil sie etwas toll und erstrebenswert finden, weil sie ein Ziel haben und dieses erreichen wollen.

Und die anderen kommen erst dann ins Handeln, wenn sie etwas nervt, wenn sie sehr unzufrieden sind, wenn sie etwas schmerzt, wenn sie große Angst haben, wenn die Kacke am Dampfen ist.

Die Ersten sind eher durch ein attraktives Ziel motiviert, also die Aussicht und die Vorfreude auf einen schönen, wundervollen zukünftigen Zustand. Diese Menschen nennt man „hin zu“-motiviert. Hin zu einem wünschenswerten Zustand.

Und die anderen entwickeln eher eine Motivation, wenn sie zu viel Schmerz, Unzufriedenheit, Stress, Angst oder Druck spüren. Diese Art von Mensch nennt man „weg von“-motiviert. Also weg von einem unerwünschten Zustand.

Welcher Typ macht es einem leichter?

Wir haben zwar alle beide Typen in uns, aber einer der beiden Typen ist meistens stärker bei dir und mir ausgeprägt.

Welcher von den beiden Typen hat es nun einfacher im Leben und welcher schwerer?

Tatsächlich haben es die „Weg von“-Menschen deutlich schwerer.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe.

Der erste Grund: „Weg von“-Menschen rühren sich oft zu spät, nämlich erst dann, wenn es richtig weh tut.

Sie bleiben zu lange in unbefriedigenden Beziehungen.

Sie bleiben zu lange in schlechten Jobs.

Hauptsache, es tut nicht zu sehr weh.

„Weg von“-Menschen streben oft nicht nach Erfüllung, sondern nur nach Schmerzvermeidung.

Diese Menschen geben sich grundsätzlich zu sehr mit mittelmäßigen Situationen zufrieden.

Damit sind sie oft der Spielball ihrer Lebensumstände. Sie reagieren oft nur, statt zu agieren und ihr Leben zukunftsgerichtet anzugehen.

“Weg von” ist doppelt schwierig

Aber es gibt noch ein zweites Problem, das „Weg von“-Menschen haben.

Dieses Problem nennt man Oszillation.

Und dieses wunderbare Wort beschreibt den folgenden Umstand.

Nehmen wir an, ich habe ein Problem und die Sache wird langsam so schmerzhaft, dass ich sage:

„Mist, so geht das nicht weiter, ich muss etwas ändern.“

Zum Beispiel:

  • Mist, die Wage zeigt jetzt über 90 Kilo.
  • Mist, in unserer Beziehung muss sich wirklich etwas ändern.
  • Mist, der Arzt hat mir gesagt, dass ich dringend mehr Sport machen muss.
  • Mist, der Job macht mich wirklich krank, ich halte das nicht länger aus.

Der Schmerz ist also so groß geworden, dass ich wirklich ins Handeln komme. Ich ändere etwas. Ich gehe Schritte. Ich arbeite an meinem Problem. Ich tue das Richtige. Und meine Situation wird dadurch besser. Es ist ein Wunder. Der Schmerz ist weg. Mir geht es schon wieder ganz gut. Und eigentlich müsste ich den Weg jetzt noch ein Weilchen weitergehen, weil mein Problem noch lange nicht gelöst ist. Ich habe nur erste Erfolge erzielt. Ich habe 3 Kilo abgenommen. Ich habe mit meinem Partner geredet. Ich habe mir Joggingschuhe gekauft.

Ich habe also das Gefühl, ich habe etwas getan und mein Leben in die Hand genommen und deswegen ist der Schmerz erst einmal weg.

Keine dauerhafte Lösung in Sicht

Aber mein Problem ist lange noch nicht gelöst. Die Ursache für meinen Schmerz ist immer noch da.

Doch weil durch meine ersten Erfolge der Schmerz und Frust gerade nicht mehr spürbar ist, höre ich auf, an meinem Problem zu arbeiten.

Und nach ein paar Wochen oder Monaten stehe ich wieder an dem gleichen Punkt, dass der Schmerz wieder so stark geworden ist, dass ich anfange, etwas zu ändern.

Aber nur so lange, bis der Schmerz wieder ein bisschen weg ist.

Und so drehe ich ewige Schleifen aus Schmerz und Aktion und Schmerz und Aktion, ohne dabei mein Problem endgültig aus der Welt zu schaffen. Weil ich immer dann aufhöre, an meinem Problem zu arbeiten, wenn es ein bisschen besser geworden ist. Was meistens viel zu früh ist.

Das nennt man Oszillation, weil ich immer zwischen Schmerz und ersten Schritten oszilliere, ohne das Problem endgültig zu lösen.

Das sind zwei der großen Probleme von Menschen mit „Weg von“-Motivation:

  • Ich ändere zu spät etwas und reagiere meist nur auf meine Lebensumstände, statt mein Leben aktiv zu gestalten.
  • Ich oszilliere oft zwischen Schmerz und Aktionismus.

Und wenn du dich darin wiedererkennst, dann habe ich eine gute Nachricht. Du kannst etwas ändern.

Und zwar … aber dazu kommen wir ein anderes Mal.

Ralf

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Kommentare

  • Gut, wenn “hin-zu” immer funktioniert. Nur leider klappt das nicht immer.

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