Aus der Gehirnforschung: Ihr Arbeitsgedächtnis – wie Sie weniger vergessen

Gehirnforschung: Trauer

Oh Mann, jetzt hab ich das doch vergessen.

Kein Toilettenpapier mehr, den Geburtstag einer Freundin vergessen oder nicht dran gedacht, ein Geschenk für die morgige Hochzeitsfeier zu besorgen. Das kann peinlich werden bzw. ziemlich stressig, weil man sich nun auf die Schnelle doch noch darum kümmern muss.

Häufig ärgert man sich dann über sich selbst und fragt sich, meist ohne wirklich eine Antwort zu erwarten: Wie konnte ich das nur vergessen?

Dieser Beitrag gibt eine Antwort auf die Frage, warum wir Dinge vergessen. Und warum Sie sich nicht über sich selbst zu ärgern brauchen. Gleichzeitig bekommen Sie eine Idee davon, was Sie tun können, dass solche Aussetzer in Zukunft weniger passieren.

Wieso können wir uns erinnern?

Dazu muss man jedoch wissen, was es mit dem Bereich in unserem Gehirn auf sich hat, der für das Erinnern solcher Gedanken zuständig ist. Das ist unser Arbeitsgedächtnis. Diese Region befindet sich in unserem Kopf, im so genannten seitlichen Präfrontalkortex unseres Gehirns. Dieses Hirnareal ist unwahrscheinlich wichtig. Wir brauchen es immer dann, wenn wir mehrere Informationen über einen kürzeren Zeitraum im Gedächtnis behalten wollen. Eben, wenn wir uns daran erinnern möchten, noch etwas einzukaufen oder jemandem zum Geburtstag zu gratulieren.

Meist ist uns gar nicht bewusst, wie häufig wir das Arbeitsgedächtnis benutzen. So z. B. wenn wir einfach nur an einem Gespräch teilnehmen. Ohne unser Arbeitsgedächtnis wüssten wir nicht mehr, was unser Gesprächspartner am Anfang des Satzes gesagt hat. Und könnten dem Gespräch gar nicht folgen.

Das Arbeitsgedächtnis ist also prinzipiell eine ziemlich tolle und nützliche Einrichtung. Leider ist es aber nur begrenzt leistungsfähig. Und genau das merken wir, wenn wir etwas vergessen, woran wir vor kurzem noch gedacht haben. Versteht man, wie das Arbeitsgedächtnis funktioniert, kann man auch besser nachvollziehen, wieso es uns eben auch öfter mal im Stich lässt.

Wie funktioniert dieses Arbeitsgedächtnis nun genau? 

Das Arbeitsgedächtnis funktioniert ähnlich wie ein Federballspiel. Der Reiz, z. B. etwas, das wir hören, oder etwas, das wir sehen, aktiviert bestimmte Neuronen in der Region, die für das Sehen oder Hören zuständig ist. Im Bild des Federballspiels berührt der Federball das Netz des Schlägers. Von dieser Stelle aus wird der Reiz, also das, was wir sehen oder hören, an den Präfrontalkortex weitergeleitet und aktiviert dort das Arbeitsgedächtnis. Der Ball wird also von einem Schläger zum nächsten gespielt und berührt nun das Netz des anderen Schlägers. Von dort aus wird der Reiz aufrechterhalten. Das funktioniert, indem der Reiz immer wieder zwischen Arbeitsgedächtnis und der Stelle, an der der Reiz zuerst aufgenommen wurde, hin- und hergefeuert wird. Wie bei einem gut laufenden Federballspiel wird der Ball immer wieder hin- und hergespielt.

Sieht man beispielsweise ein Buch in einem Schaufenster, dessen Titel man sich merken möchte, wird die Sehrinde im Gehirn durch diesen Reiz angesprochen. Dieser Reiz wird dann wiederum auf das Arbeitsgedächtnis übertragen. Das Arbeitsgedächtnis merkt sich dieses Bild, indem der Reiz nun immer wieder zwischen Sehrinde und Arbeitsgedächtnis hin- und hergefeuert wird.

Solange das passiert, behalten wir das Gesehene oder Gehörte im Gedächtnis. Bricht der Vorgang des Aufrechterhaltens, also dieses Hin- und Herfeuerns, ab, ist auch die Erinnerung weg. Wie in einem Federballspiel, wenn der Ball zu Boden fällt. Zum Beispiel durch einen Windstoß. Bei unserer Erinnerung kann so ein Windstoß etwas Unerwartetes sein, das uns unterbricht. Wenn das Telefon klingelt, jemand uns anspricht, wir etwas anderes sehen oder hören. Das ist dann der Moment, in dem wir das Buch vergessen oder das, was wir einkaufen wollten, oder dass wir noch jemandem zum Geburtstag gratulieren wollten.

Dass wir Sachen vergessen, ist also etwas vollkommen Normales. Sobald das Federballspiel in unserem Gehirn unerwartet unterbrochen wird, ist die Erinnerung normalerweise weg.

Das Arbeitsgedächtnis ist bei den Menschen unterschiedlich. Es gibt Menschen, die können mehr Dinge gleichzeitig behalten als andere. Grundsätzlich ist es aber begrenzt. Im Schnitt können wir ca. 7 Informationseinheiten im Arbeitsgedächtnis behalten. Also z. B. 7 Dinge, die wir einkaufen wollen, 7 Stellen einer Telefonnummer oder 7 Informationen in einem Satz, den wir lesen oder hören. Sehr verschachtelte und lange Sätze bereiten uns deshalb auch Schwierigkeiten, weil wir den Anfang des Satzes schon wieder vergessen haben, bevor wir am Ende angekommen sind.

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Das Arbeitsgedächtnis lässt sich auch trainieren

Die gute Nachricht ist: Das Arbeitsgedächtnis lässt sich trainieren, sodass man mehr Informationen behalten kann. Das hat u. a. der schwedische Wissenschaftler Torkel Klingberg mit seinem Team herausgefunden. Es wurde nachgewiesen, dass Kinder, die vor einem intensiven Arbeitsgedächtnistraining 7 Informationseinheiten behalten konnten, sich nach diesem Training auf das Behalten von 8 Einheiten steigern konnten. Das klingt erst mal nicht nach viel, aber es wurde auf diese Weise bewiesen, dass das Arbeitsgedächtnis nicht so begrenzt ist, wie lange angenommen wurde. Sondern trainierbar ist.

Die weniger gute Nachricht ist, dass dieses Training sehr spezifisch sein muss und auch sehr intensiv. Das bedeutet, dass die Übungen auf das Training des Arbeitsgedächtnisses abgestimmt sein müssen. Dazu müssen sie sehr intensiv sein und bis an die Belastungsgrenze des Gehirns gehen. Außerdem muss man, um wirklich einen Effekt zu erzielen, mindestens fünf Mal die Woche je eine halbe Stunde trainieren.

So ein intensives Training kann ein Weg sein, die Begrenzung unseres Arbeitsgedächtnisses zu umgehen. Ein anderer besteht darin, das Arbeitsgedächtnis auf andere Weise zu erweitern.

Damit meine ich keine Anbauten wie z. B. eine Festplattenerweiterung beim Computer. Wobei das Bild vielleicht gar nicht so verkehrt ist ;-)

Wie Sie Ihr Gehirn aufrüsten

Wir können die Mittel, die uns zur Verfügung stehen, nutzen, um das Arbeitsgedächtnis zu erweitern. Zum Beispiel Stift und Papier, ein Diktiergerät oder die Erinnerungsfunktion unseres Handys.

Wenn wir wissen, dass wir eine Sache nicht sofort erledigen können, wie z. B. den Einkauf oder den Anruf bei der Kollegin, dann notieren wir es uns am besten.

Idealerweise gewöhnt man sich eine Art Kontrollschleife an, wenn man an etwas denken will.

Wenn man sich z. B. bei jeder Sache, an die man sich später erinnern will, fragt:

  • Könnte mir was dazwischenkommen, sodass ich das jetzt vergesse?
  • Kann ich diese Sache nicht sofort erledigen?
  • Brauche ich das, was ich gerade lese oder höre, später noch?

Immer wenn die Antwort „ja“ lautet, können wir ein „externes“ Arbeitsgedächtnis nutzen. Also die Dinge, die ich oben schon genannt hatte: Stift und Papier, die Erinnerungsfunktion des Handys, eine Nachricht, die man sich auf den Anrufbeantworter spricht, ein Diktiergerät.

Eigentlich ein sehr simpler Gedanke. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich denke dennoch oft: Das brauche ich nicht aufzuschreiben. Das merke ich mir so. Und ganz oft ertappe ich mich dabei, dass ich es dann doch wieder vergessen habe. Kein Wunder, denn mein Arbeitsgedächtnis ist ja nur begrenzt ;-)

Nehmen Sie sich selbst den Druck

Nutzen wir häufiger „externe Arbeitsspeicher“, wird das Leben aber einfacher. Wir denken an mehr Sachen, die wir sonst vergessen haben. Wir können wichtige Dinge besser behalten und später wirklich darauf zurückgreifen.

Wenn es Ihnen wie mir und vielen anderen Menschen geht, haben Sie vielleicht einen ziemlich hohen Anspruch an sich selbst. Sie denken vielleicht: Das muss ich mir doch merken können. Ich schreibe mir das nicht auf, die Kleinigkeit behalte ich so.

Dabei ist es in den meisten Fällen sehr unrealistisch, von sich zu erwarten, Dinge, die im Arbeitsgedächtnis gespeichert werden, über einen längeren Zeitraum zu behalten. Einfach, weil das Arbeitsgedächtnis begrenzt und nicht dafür gemacht ist, die Einkaufsliste von morgens bis abends im Kopf zu behalten.

Es ist eben kein Zeichen von Schwäche, wenn man Dinge vergisst. Oder wenn man etwas, das man gelesen hat und in dem Moment wahnsinnig interessant fand, nach einer Weile nicht mehr weiß. Es ist auch kein Zeichen von Unfähigkeit oder Inkompetenz, Dinge zu vergessen. Es ist einfach nur unser Arbeitsgedächtnis, das eben begrenzt ist.

Nimmt man dies als gegebene Tatsache an, kann man leichter aufhören, sich darüber zu ärgern. Und diese Energie lieber in Ideen stecken, wie man gut funktionierende „externe“ Arbeitsspeicher nutzen kann. Das kann eine Eselsbrücke sein, um sich die Einkaufsliste zu merken, ein Mindmap zu einem interessanten und inspirierenden Zeitschriftenartikel, ein schnelles Foto von dem ansprechenden Zitat auf einem Plakat oder einfach nur die Gewohnheit, ein kleines Büchlein mit sich zu tragen, in das man alles einträgt, was einem behaltenswert erscheint.

Vielleicht passiert Ihnen das ja auch immer wieder, dass Sie Dinge vergessen.

Und womöglich haben Sie auch schon kleine Hilfsmittel, um Ihr Arbeitsgedächtnis zu entlasten. Welche sind das bei Ihnen? Schreiben Sie doch hier unten in den Kommentaren, wie Sie Ihr Arbeitsgedächtnis erweitern und sich wichtige Dinge merken. So können wir uns alle gegenseitig auf neue und wirksame Ideen bringen.

Literatur:

Amthor, F. (2013). Das menschliche Gehirn für Dummies. Weinheim: Wiley-VCH Verlag.

Klingberg, T. (2008). Multitasking. Wie man die Informationsflut bewältigt, ohne den Verstand zu verlieren. München: C.H. Beck

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