Aus der Gehirnforschung: Vergleiche mit anderen

Gewohnheiten
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Kennen Sie das auch? Sie denken an jemanden, den Sie bewundern oder vielleicht sogar ein klein wenig um etwas beneiden, und vergleichen sich selbst mit dieser Person. Und danach fühlen Sie sich ab und zu etwas niedergeschlagen oder frustriert. Mir und einigen Leuten, die ich kenne, geht es jedenfalls ab und zu so oder ähnlich. Umgekehrt beobachte ich bei mir und anderen aber auch, dass ich mich öfter mal besser fühle, wenn ich mich mit Menschen vergleiche, denen es schlechter als mir geht, oder an Zeiten denke, in denen es in meinem Leben nicht so gut lief wie jetzt.

Eigentlich sind wir hier bei „Zeit zu leben“ ja gegen das Vergleichen und dafür, bei sich selbst zu bleiben und sich darauf zu konzentrieren, wie man selbst ist und was einen noch stärker machen kann. Wir wissen aber natürlich auch, dass es unrealistisch ist, zu erwarten, dass wir uns nicht vergleichen. Wir tun es alle. Der eine mehr, der andere weniger. Deswegen macht es auch Sinn, sich damit mal zu befassen. Was passiert da also in uns, dass diese Vergleiche so einen Einfluss auf unsere Gefühle haben können?

Es passiert in unserem Kopf, genauer gesagt in unserem Gehirn. Und heute möchte ich Ihnen einmal erklären, was es genau in unserem Gehirn auslöst, wenn wir Menschen verschiedene Dinge miteinander vergleichen, wie zum Beispiel unsere Gehälter, Wohnsituationen oder Partnerschaften. Dabei spielt das so genannte Belohnungssystem in unserem Gehirn eine bedeutende Rolle.

In meinem Beitrag vor ein paar Wochen ging es ja auch schon mal um dieses so wichtige Hirnareal. Hier kommt noch einmal eine kurze Zusammenfassung dazu:

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass es in unserem Gehirn das so genannte Belohnungssystem gibt. In diesem Hirnareal wird u. a. der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, der dafür verantwortlich ist, dass wir Hochgefühle erleben und uns gut fühlen.

Ob und wie viel Dopamin ausgeschüttet wird und bei uns für gute Gefühle sorgt, hängt u. a. davon ab, wie wir bestimmte Dinge bewerten. Wenn wir z. B. Entscheidungen treffen oder uns mit anderen vergleichen, bewerten wir immer wieder die Dinge, die wir sehen und erleben. Dabei vergibt unser Gehirn so genannte Belohnungswerte. Das funktioniert in etwa so, wie wenn man als Jurymitglied bei einem Wettbewerb Punkte für die einzelnen Kandidaten vergibt. Vergeben wir für ein Erlebnis eine hohe Punktzahl, wird viel Dopamin ausgeschüttet und man fühlt sich richtig gut. Erfüllen sich hingegen Erwartungen nicht, kann das Belohnungssystem auch eine negative Reaktion zeigen. Man fühlt sich dann schlecht, ist beispielsweise frustriert oder enttäuscht.

Vergleiche rauf und runter 

Damit Sie sich etwas leichter vorstellen können, was möglicherweise im Gehirn passiert, wenn wir Vergleiche anstellen, habe ich hier ein Beispiel für Sie:

Bekommt jemand für einen Job einen Stundenlohn von 8 € angeboten und er hat vorher für 5 € die Stunde gearbeitet, so vergibt sein Gehirn für die 8 € einen hohen Belohnungswert. Er fühlt sich dann wohl und freut sich über die 8 €.

Bekam diese Person vorher jedoch 12 €, vergibt das Belohnungssystem für die 8 € eine niedrigere Punktzahl als für die 12 € zuvor. Das führt dann zu schlechten Gefühlen, z. B. Enttäuschung und Frustration.

Je nachdem, womit man die 8 € also vergleicht, bewertet das Gehirn die 8 € unterschiedlich. Und das führt dann zu sehr verschiedenen Gefühlen, wie z. B. Freude und Hochgefühl in dem einen Fall und Enttäuschung und Frust in dem anderen Fall.

Wenn es darum geht, dass wir uns mit anderen vergleichen, ist das ja ganz ähnlich. Wenn jemand sich mit denen vergleicht, die er für überlegen hält, also schöner, reicher, klüger und glücklicher, beeinflusst das in den allermeisten Fällen die Stimmung. Man fühlt sich dann vielleicht minderwertig oder niedergeschlagen.

Solche Gefühle können sich auch entwickeln, wenn man darüber nachdenkt, dass man gerne anders wäre: reicher, schöner oder klüger. Vielleicht kennen Sie das ja auch und denken manchmal so was wie: Wäre ich bloß so gut aussehend wie Heidi Klum, so gebildet wie Hellmuth Karasek, schlagfertig wie der Kollege, dem immer die passende Antwort einfällt, oder so gesellig wie die Freundin, die bei allen beliebt ist und auf jeder Party im Mittelpunkt steht.

Diese Art des Vergleichens nennen Wissenschaftler Aufwärtsvergleich, weil man sich dabei mit etwas vergleicht, was man für überlegen oder besser hält. Und diese Aufwärtsvergleiche führen häufig dazu, dass man sich nicht so gut fühlt.

Das Gegenstück zum Aufwärtsvergleich ist der Abwärtsvergleich.

Vielleicht kommt Ihnen das ja auch bekannt vor? Wenn wir Menschen begegnen oder sehen, die es gerade sehr schwer haben, denken wir manchmal, dass wir es vergleichsweise gut getroffen haben: Beim Anblick eines Obdachlosen, eines sehr armen oder gebrechlichen Menschen, wenn wir hören, dass jemand unwahrscheinlich krank ist. Häufig fühlen wir uns dann besser, wenn wir uns den Unterschied zu dem eigenen Leben bewusst machen. Manch einer sagt jetzt vielleicht: „Ganz okay ist es ja nicht, wenn ich diejenigen, denen es schlechter geht, dazu benutze, dass es mir besser geht. Ist das nicht irgendwie unmoralisch?“ Ich denke, dass die Grundhaltung bei so einem Abwärtsvergleich entscheidend ist. Wenn ich dem anderen gegenüber mitfühlend und wertschätzend bin und nicht von oben herab, dann finde ich es in Ordnung, sich mit denen zu vergleichen, die es nicht so gut getroffen haben.

Dieser Abwärtsvergleich funktioniert übrigens auch, wenn man seine derzeitige Situation mit früheren schlechteren Situationen vergleicht. Sich also z. B. bewusst macht, dass man früher unattraktiver, weniger gelassen oder schüchterner war.

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Gefühle scheinen also in hohem Maße davon abhängig zu sein, ob man sich aufwärts, also mit Überlegenen, oder abwärts, mit Unterlegenen, vergleicht.

Und im Umkehrschluss denke ich, dass dieser Zusammenhang eine gute Möglichkeit bieten könnte, seine eigenen Gefühle gezielt durch einen Abwärtsvergleich zu verbessern.

Dazu habe ich eine kleine Übung entwickelt, die wir vom „Zeit zu leben“-Team ausprobiert haben. Dabei haben wir systematisch Abwärtsvergleiche in verschiedenen Lebensbereichen angestellt, um unsere Zufriedenheit gezielt zu erhöhen. Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass das sehr gut funktioniert und wir tatsächlich mit dieser kleinen Übung unser Wohlbefinden positiv verändern können.

Nehmen Sie sich doch vielleicht jetzt gleich ein paar Minuten Zeit, diese kleine Übung ebenfalls auszuprobieren.

Übung: Vergleichen mit der eigenen Vergangenheit oder anderen Menschen

Bei dieser Übung geht es darum, gezielt einen Abwärtsvergleich zu ziehen, damit man sich wieder etwas besser fühlen kann. Für Abwärtsvergleiche gibt es mehrere Möglichkeiten. Ich schlage Ihnen für diese Übung zwei Möglichkeiten vor:

  • Vergleich mit der Vergangenheit
  • Vergleich mit anderen Menschen

Entscheiden Sie sich als Erstes für einen Lebensbereich, mit dem Sie im Moment nicht zufrieden sind: Wohnsituation, Partnerschaft, Freundschaft, Gesundheit, familiäre Beziehung, finanzielle Situation.

Nehmen Sie bitte keinen Bereich, in dem Sie gerade hochzufrieden und voller Hochgefühle sind, weil die Übung dann nicht wirken kann. Das Ziel der Übung ist, seine Gefühle zu verbessern, und das gelingt natürlich nur, wenn man nicht ohnehin schon über allen Wolken schwebt. Also nicht: Lebensbereich „Beruf“, wenn Sie gerade voller Euphorie über Ihre neue Arbeitsstelle sind.

Weitere Beispiele, die Sie nehmen könnten, wären z. B. Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen, mit Ihrem Gehalt oder mit den Schulleistungen Ihres Kindes.

Beispiel: Wohnsituation („Wir leben mit zwei Erwachsenen, einem Baby und einem Kleinkind in einer 3-Zimmer-Wohnung.“)

1. Schritt:

Schätzen Sie nun ein, wie zufrieden Sie mit diesem Lebensbereich auf einer Skala von 1 bis 10 sind, wenn 1 = überhaupt nicht zufrieden und 10 = total zufrieden bedeutet. Dieser Schritt ist wichtig, um nach Abschluss der Übung beurteilen zu können, ob man sich besser als vorher fühlt.

Beispiel: „Unsere Wohnsituation nervt schon ganz schön, ist aber noch auszuhalten: Auf einer Skala von 1 bis 10 gebe ich meiner Zufriedenheit eine 5.“

2. Schritt:

Und nun machen Sie einen Abwärtsvergleich in diesem Lebensbereich. Überlegen Sie sich dazu für den ausgewählten Lebensbereich drei Beispiele, in denen die Vergangenheit schlechter war als heute. Oder versuchen Sie drei Menschen zu finden, denen es schlechter geht als Ihnen.

Beispiel: 1. Als ich während meines Studiums in einem 12-m2-Zimmer in einer 6er-WG gewohnt habe. 2. Als ich als 10-Jähriger mit meinem 7 Jahre alten Bruder das Zimmer teilen musste. 3. Als wir in unserer ersten Wohnung an der vierspurigen Hauptstraße wohnten.

Oder: 1. Der Obdachlose, der überhaupt keine feste Wohnung hat. 2. Die Freunde, die zwar in einem großen Haus wohnen, aber dafür die nächsten fünf Jahre nicht in den Urlaub fahren können. 3. Bekannte, die gerade in eine schöne große Wohnung umgezogen sind, bei der sie jetzt aber starken Schimmelbefall in zwei Zimmern festgestellt haben.

3. Schritt: 

Fragen Sie sich „Was war konkret an der damaligen Situation schlecht?“ Oder: „Was ist an der Situation der anderen Menschen belastend?“

Beispiel: 1. Es war immer laut, jemand aß meine Vorräte weg, das Bad war dauernd besetzt. Ich hatte das Gefühl, nicht mal ganz in Ruhe für mich sein zu können. 2. Mein Bruder und ich haben uns viel gestritten. Ich habe immer versucht, so viel wie möglich unterwegs zu sein. 3. Der Straßenlärm war sehr nervtötend und wir konnten kaum die Fenster öffnen. Neben dem Lärm war der Abgasgeruch sehr störend.

Oder: 1. Kein Zuhause zu haben, ständige Unsicherheit zu spüren. 2. Damit zu leben, dass man die nächsten Jahre nicht in den Urlaub fahren kann. 3. Der Alptraum, wieder umziehen zu müssen, die Sorge um die gesundheitliche Belastung, die andauernde Belastung durch den Streit mit dem Vermieter.

4. Schritt: 

Fragen Sie sich, was im Vergleich zu damals an Ihrer derzeitigen Situation besser ist. Inwiefern sind Ihre Gefühle in der jetzigen Situation anders als damals? Was ist leichter geworden? Inwiefern ist Ihr Leben reicher oder schöner geworden? Oder: Womit geht es Ihnen besser als den anderen Menschen? Was ist schön an Ihrer Situation?

Beispiel: 1. Klar ist es mit den Kindern mal laut. Aber wenn die schlafen, haben wir es schön ruhig. Wenn ich dann mal ganz für mich sein will, kann ich mich in die Küche oder ins Schlafzimmer zurückziehen, z. B. ein langes Entspannungsbad nehmen und mir immer sicher sein, dass mein Lieblingskäse noch da ist, wenn ich ihn eingekauft hatte. 2. Ich komme meistens gerne nach Hause. Ich mag es, hier zu sein, weiß, dass ich jedes Zimmer nach Absprache mit meiner Partnerin mal für mich haben kann. 3. In unserer Wohnung ist es schön ruhig und, wenn ich gegen Abend auf dem Balkon sitze, kann ich den Schwalben zusehen und die Luft riecht nach Sommer.

Oder: 1. Ich weiß, wo mein Zuhause ist. Dahin kann ich immer kommen. 2. Ich kann mit meiner Familie in den Urlaub fahren und mal Abstand vom Alltag gewinnen. 3. Unsere Wohnung ist in Ordnung, wir können uns hier sicher und geborgen fühlen. Wir entscheiden selbst, wann wir ausziehen, und nicht irgendeine gesundheitliche Bedrohung.

5. Schritt:

Spüren Sie in sich hinein. Wie fühlen Sie sich jetzt? Hat sich Ihre Zufriedenheit oder Ihr Wohlbefinden im Vergleich zum Beginn der Übung verändert?

6. Schritt: 

Wie beurteilen Sie jetzt Ihre Zufriedenheit auf einer Skala von 1 bis 10 (von 1 = überhaupt nicht zufrieden bis 10 = total zufrieden)?

Beispiel: Ich merke, wie ich mich entspanne und auf einmal sogar liebevoll an unsere derzeitige Wohnung denke. Auf einer Skala von 1 bis 10 gebe ich meiner Zufriedenheit eine 7.

Zugegeben, dieser Abwärtsvergleich ist nicht immer ganz einfach. Aber selbst, wenn sich die Gesamtsituation heute schlechter darstellt als früher, Sie z. B. gesundheitlich schlechter dran sind, hilft Ihnen diese Übung, weil Sie den Fokus ganz bewusst auf bestimmte Aspekte in Ihrer Vergangenheit legen, die noch schlechter waren.

Diese Übung kann auch dann funktionieren, wenn man in einer Lebenssituation ist, die wirklich ganz, ganz furchtbar ist. Wenn z. B. ein naher Angehöriger gestorben ist, jemand eine ganz furchtbare Krankheit hat oder alles Geld verloren hat und nun auf einem riesigen Schuldenberg sitzt.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich möchte weder Krankheiten noch schwierige und belastende Lebenssituationen kleinreden. Das Leben kann manchmal unwahrscheinlich grausam sein und einen völlig fertig machen. So dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, mit dieser Situation klarzukommen. Aber gerade in solchen Situationen kann es unheimlich entlastend und ermutigend sein, wenn man etwas findet, was einen ein ganz klein wenig entlastet oder einem auch mental hilft, wieder einen Schritt weiterzugehen. Und dazu kann diese kleine Übung auch beitragen, wenn das Leben einen mal ganz besonders in die Mangel nimmt. Einen kleinen Aspekt, der früher mal schlimmer war oder der bei anderen schlimmer ist, kann man in den allermeisten Fällen finden. Das erfordert manchmal etwas Training. Und falls Ihnen ein bestimmtes Thema zu schwierig erscheint, dann fangen Sie vielleicht erst einmal mit einem etwas leichteren an.

Es geht an dieser Stelle nicht darum, das Problem zu lösen, sondern das Gefühl, das man dazu hat, zu ändern. Und wenn Sie sozusagen gezielt das Glück im Unglück suchen, dann kann dieser Abwärtsvergleich dafür sorgen, dass in Ihrem Gehirn eine ordentliche Portion von dem Glücklichmacher Dopamin ausgeschüttet wird. Dadurch werden Sie dann auch wieder handlungsfähiger und können auch leichter ein Problem lösen. Jemand kann dann z. B. ändern, womit er unzufrieden ist, sich z. B. einen neuen Job suchen oder die Wohnsituation verändern.

Probieren Sie es doch einfach gleich einmal aus. Ich wünsche Ihnen dabei viele gute Einfälle und Ideen.

Literatur

Schultz, W. (2011). Wie sich Neuronen entscheiden. In: T. Bonhoeffer und P. Gruss (Hrsg.), Zukunft Gehirn. Neue Erkenntnisse, neue Herausforderungen (S. 83–105). München: C.H. Beck.

Kitz, V., und Tusch, M. (2011). Psycho? Logisch! Nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie. München: Heyne.

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Kommentare

  • Statt abwärts zu vergleichen finde ich es hilfreicher, die Dankbarkeit zu trainieren, so wie es hier auch schon in manchen Beiträgen zur Sprache kam. Konzentrieren auf das winzige Fünkchen Positives. Konkret:
    Ich empfehle gern, jeden Abend ins Tagebuch 5 Punkte zu schreiben, für die ich dankbar bin. Ohne “Aber”.
    Das ist kein Schönreden”! Meiner Erfahrung nach hilft es, zu akzeptieren, dass nicht alles im Leben perfekt sein kann.
    (Ich meine , in einem anderen Beitrag hat Ralf das Thema “Dankbarkeit” auch aufgegriffen).
    Allen eine gute Woche!

  • Es gibt über 7 Milliarden Menschen auf der Erde. Jeder Mensch ist ein Individuum. Keiner ist vergleichbar mit einem anderen. Selbst eineiige Zwillinge unterscheiden sich. Sogar Sandkörner unterscheiden sich. Oder auch Schneeflocken. Da ist keine schöner als die andere.
    Wer vergleicht, der urteilt auch schon. Beurteilen und Verurteilen liegen dann ganz nahe!

    Wer bedingungslos ALLES liebt, kann nicht vergleichen!

    Licht und Liebe für ALLE!

    Volker Specht

  • Hallo Zusammen,
    Die “Vorstufe” zur Vergleichung ist das bewundern oder verurteilen wie auch Nicole Alps in ihrer Text am anfang schreibt. Und das alleien ist eigentlich wunderbar. Wir können nämlich nichts sehen was wir nicht schon in uns kennen. Also ist die Aufgabe meiner Sicht nach heraufzufinden wie ich diese Positive Eigenschaft die ich bewundere besser zum Ausdruck bringe, fördern – bei mir selsbt. Oder auch wo ich die schlechte Eigenschaft die ich verurteile selbst auslebe – und dann eventuell das ändere – also geht es hier um unser Schattenseiten – die wir einfach nur in den anderen besser sehen als in uns selbst. Wir sind auch so. Irgendwie und irgendwo. Das ist für mich das spanndende beim Bewundern und Verurteilen… und damit komme ich gar nicht zu vergleichen…
    Liebe Grüsse
    Henriette (Dänin)

  • Meine über 50 Jahre Lebenserfahrung haben mich gelehrt, dass scheinbar kitschige Redewendungen wie “Jeder hat sein Päckchen zu tragen”/ “Unter jedem Dach eine Ach”/”Wo Licht ist, ist auch Schatten” inhaltlich doch sehr treffend sind. Als positiv empfinde ich Vergleiche dann, wenn sie zu einem Ansporn in gesundem Rahmen werden oder die eigene Situation relativieren und für mehr Gelassenheit sowie Zufriedenheit führen. Gefährlich wird der Vergleich dann, wenn er sich auf Dinge bezieht, die unveränderlich sind (Alter, Größe, Nasenform usw.). Ich wünsche allen, dass sie sich durch solche sinnlosen Vergleiche nicht selber verletzen und auch nicht von anderen verletzen lassen.

  • Da haben Sie ein gutes Thema aufgegriffen! Ich denke wie Sie ja grundlegend auch: Bei sich bleiben und seine Selbstliebe und sein Selbstwertgefühl steigern ist der Weg. In meinen Coachings und Seminaren bring ich es gern krass auf den Punkt:

    Vergleiche sind des Teufels!

    Natürlich haben Sie recht, wir alle schauen nach anderen und ordnen uns ein. Und ich bin sicher, dass Ihre vorgeschlagene Übung in Ich-fühl-mich-schlecht-Momenten kurzfristig hilfreich ist.

    Generell und langfristig jedoch finde ich es sinnvoll, offen zu bleiben und zu schauen, welche Aspekte ich an anderen Menschen gut finde und was konkret ich von ihnen lernen kann, ohne dabei meinen Eigensinn aus den Augen zu verlieren und womöglich anderen Lebensentwürfen hinterher zu hecheln, die mir nicht entsprechen.

    Von Abwärtsvergleichen halte ich nichts. Ich plädiere da eher für Dankbarkeit, also sich zu vergegenwärtigen, was man hat und das bewusst zu schätzen.

    Danke für den spannenden Beitrag und herzlichen Gruß, Yvonne Rubin

  • Guten Morgen und vielen Dank für diese kleine(große) Übung !!

    Ich habe es eben bewußt getestet und freue mich das es funktioniert .

    Lieben Gruß ,

    Sascha Feiertag

  • Schöner Text.
    Ich finde schon, dass mir das Vergleichen manchmal hilft. Gerade in unserer Welt, in der Besitz und Reichtum ständig wichtiger werden und auch oft soooo erstrebenswert erscheinen. Manchmal passiert es mir, dass ich höre, wie schlecht es vielen Menschen geht, wirklich schlecht… dann denke ich mir: “Du hast es wirklich super gut und Deine Probleme sind wirklich nicht so groß, wie Du manchmal denkst. Tolle Kinder, Familie, eine schöne Arbeit usw. Was gibts da noch zu jammern?”
    Es ist eben, wie bei so vielen Dingen. Es kommt oft auf die Betrachtungsweise an.

  • vielen dank für diesen wunderbaren beitrag! er hilft mir in meiner momentan sehr belastenden Situation ungemein! Danke! :)

  • ich möchte bewusst nicht mehr vergleichen, finde, man kommt sehr leicht in eine negative strömung, in der dankbarkeit fehlt.
    ich las einmal den satz:

    danken schützt vor wanken, loben zieht nach oben

    und möchte dies immer bewusster beherzigen. so lernte ich, für alles dankbar zu sein, den kleinsten impuls, begebenheiten als “spiegel” zu sehen.

    2 beispiele:
    ich habe AMD auf einem auge, eine große narbe, so dass ich mit dem auge icht mehr lesen kann. aber seit ca 5 mon. ist die sehkraft stabil, wofür ich dankbar bin, sie könnte sich auch verschlechtern, das andere auge hat “nur” drusen, die vorstufe zur AMD, habe natürlich die blindheit der verwandten vor augen.
    im vorigen monat hatte ich einen hörsturz, empfand das als “schuss vor den bug” und will nun meinen alltag bewusster entstressen, gelassener werden, bin dankbar, dass ich wieder hören kann, auch das flöten im spielkreis erneut möglich ist, bei den sozialen aktivitäten dabei sein kann.

    manch eine(r) mag diese beispiele als verfehlt ansehen; ich möchte damit meine lebenseinstellung dartun.

    ich wünsche allerseits eine gute woche und spirituelle impulse für neue themen dem team.
    monika

    • Dirk Brömme

      schöner Spruch! Danke fürs Teilen:-)

  • Ich denke auch, für den Moment mag es helfen, zu vergleichen…es könnte schlimmer sein, es könnte mir schlechter gehen,..das packst Du schon – das können andere doch auch… es kommt immer auf die Situation an…aber manches sitzt tiefer…das ist schnell wieder oben auf….

  • Diese Vergleich-Uebung mag vielleicht im Moment wirken, allerdings glaube ich, dass wir damit nicht geheilt sind von etwas, was uns unzufrieden macht. Das sitzt tiefer und da sollten wir uns unsere Glaubenssaetze, Erfahrungen und Aengste ansehen und das faellt den meisten bekanntlich schwer.

  • beim vergleich mit den 5, den 8 und den 12 talern kommt beim abwärtsvergleich auch hinzu, dass zumindest ich mich mit 12 euro stundenlohn natürlich schon das dazu passende leben um mich herum aufgebaut habe. diesen standard jetzt mit 8 euro aufrecht zu erhalten ist zumindest zunächst nicht immer ganz einfach. dazu gehört es, ein wenig umzuplanen.

  • Hallo,
    ich halte Vergleiche mit anderen (ob nun aufwärts oder abwärts) für einen gefährlichen Weg, um mit sich selbst ins Reine zu kommen. Gefährlich ist es meines Erachtens immer dann, wenn Menchen nicht aus sich heraus leben, wenn sie kein eigenes Gefühl von ihrem Selbstwert und ihrer Würde haben, wenn sie keine eigenen Wertmaßstäbe besitzen. Warum brauche ich einen Vergleich mit anderen, um eine Entscheidung darüber zu fällen, ob ich mit einem Stundenlohn von 8 EUR zufrieden sein soll? Entweder ich bin es, oder ich bin es nicht. Das ist doch etwas was ich mit mir ausmache, etwas was mit meinem Gefühl für den Wert meiner Arbeit korreliert. Natürlich bildet sich dieses Werturteil auch immer im Vergleich mit der Außenwelt, gar keine Frage, wir sind ja nicht völlig isolierte Wesen. Aber es gibt Menschen, bei denen die Balance fehlt, die überhaupt gar kein Gefühl für den Wert ihrer Arbeit haben. Und weil sie überhaupt kein solches Gefühl besitzen, müssen sie sich mit anderen Vergleichen, um zu einem Urteil zu gelangen. Die Zufriendenheit oder die Unzufriedenheit ist dann hauptsächlich ein Resultat des Vergleiches. Und das kann sehr gefährlich sein, weil ich dann quasi fremdbestimmt bin und meinen eigenen Wert verletze. Mit einem eigenverantwortlichen Leben aus sich selbst heraus hat das nicht viel zu tun, vielmehr gleicht es dann dem Leben einer Palme im Wind, die sich je nach Windrichtung verbiegt… Und dann gibt es natürlich noch die Spezies, die bei Entscheidungen nur dann zufrieden ist, wenn sie das Gefühl hat, auch das letzte Quäntchen herausgekitzelt zu haben. Das sind oft die Menschen, die nie den Hals voll kriegen und grenzenlos das Leben melken wie eine Kuh, ohne sich zu fragen, von wem sie gefüttert wurde. Auch das kann nicht dauerhaft funktionieren. Ich plädiere für den Mut, sich frei zu machen, von den Vergleichen, mit denen unsere Gesellschaft arbeitet und uns z.T. manipuliert. Man muss sich klar machen, dass unsere Gesellschaft (insbesondere die Leistungs- und Konsumgesellgesellschaft) uns ins vielen Teilen vorgibt, was erstrebenswert ist und was nicht. Wir werden auf diese Weise unbewusst manipuliert und z. T. auch unzufrieden gemacht, z. B. indem bestimmte Bedürfnisse in uns erzeugt werden, die sonst vielleicht gar nicht da wären. Auf diese Weise schafft man eine Gesellschaft, in der Menschen nie zufrieden sind und fleissig in ihrem Hamsterrad ihre Runden drehen…

    • Doris Maas

      hi, wenn ich bei einem abwärtsvergleich tiefe dankbarkeit und liebe zum leben spüre, und das mir hilft im hier und jetzt bewusst zu lieben und zu akzeptieren, was jetzt ist, dann ist das ein guter weg…

      – wenn ich bei einem aufwärtsvergleich neuen ansporn bekommen, an meiner situation aktiv was zu verändern, dann ist das auch ein guter weg…

      – es kann auch sein dass ich beim abwärtsvergleich die hände in den schoss lege, weil es mir ja sooo gut geht

      – und es kann sein dass ich beim aufwärtsvergleich mutlos werde, weil ich sowas ja eh nicht schaffen kann

      – so sehe ich das, schönen sonntag

  • Vergleichen macht unglücklich.
    Anderen sind nicht mein Maßstab.
    Vielmehr:” Was will das Leben mich lehren?”

    • Doris Maas

      …ich denke das auch so ähnlich, weil u.b. das vergleichen immer irgendwo einen widerstand auslöst, und das behindert wiederum das fliessen von viel energie…schönen sonntag noch

  • Muss man da wirklich das Gehirn zur Erklärung bemühen? Reicht nicht auch die Seele? Ich finde das etwas pseudo-wissenschaftlic, immer gleich Dopamin, Serotin oder sonstwas zu bemühen. Reicht nicht auch: Klar fühle ich mich bessser, wenn ich mit negativeren zuständen vergleiche.

    Lieben Gruß

    Angelika

    • Doris Maas

      hi, sehe ich auch so…

  • Vergleichen hilft, aber auch realisieren -was ist anders. Habe eine OP hinter mir (Gehirntumor) und denke viel über das Leben an sich nach. Mir geht es jetzt viel besser als vor der OP, denn ich spüre mein Leben, fülle die Lebenszeit aus und habe dadurch auch viel mehr davon. Vorher stellte sich mein Tag nur gestresst dar mit der Hetze von einem zum anderen Termin. Das kann ich jetzt nicht mehr -na und? Meine wahren Gefühle habe ich verdrängt und auch nicht wirklich registriert. Nehmt Tempo aus dem täglichen Leben und lebt dadurch viel länger- es lohnt sich. Was ist wirklich wichtig? Diese Frage hilft auch beim Vergleich. Manch ein Bettler ist glücklicher als ein Millionär.

    • Doris Maas

      hi, das mit dem bettler und dem millionär halte ich für ein märchen…sorry

    • Evelyn

      Meiner Meinung nach ist das “Abwärts-Vergleichen” nicht so um gute Gefühle zu haben.
      Mir ist es viel wichtiger dankbar zu sein. Es gibt so vieles wenn wir es uns nur vor Augen führen…..

    • Dunkl Maria

      Das mit dem Millionär und dem Bettler ist sogar ein sehr guter Vergleich, denn es macht sichtbar dass jedes Glück im Inneren entsteht und niemals durch das Aussen ersetzt werden kann.

      Was hilft einem Millionär all sein Hab und Geld, wenn es NICHTS gibt, dass es zu kaufen gibt, das ihn glücklich macht und erfüllt? Und was braucht ein Bettler Gut und Geld, wenn er erfüllt ist, von dem was er tut?

      Sucht nicht so sehr das Glück im Aussen, sondern erst im Inneren. Nur wenn Ihr eure Seelensehnsucht erkennt, dann kennt ihr auch den Weg ins Glück.

      Mit lieben Grüßen Maria

  • Es funktioniert ja wirklich! Danke für diese Übung!

  • Abwärtsvergleiche sind eine hilfreiche Übung, die ich auch immer mal wieder unbewusst gemacht habe im Leben, wenn es mir aber mal schlecht ging, habe ich eher das Gegenteil gemacht, also aufwarts verglichen und mich dann noch schlechter gefühlt.
    Jetzt gerade bin ich wieder in einer nicht so guten lebenssituation, nach einem schweren Autounfall stehe ich ohne auto, aber mit vielen kleinen wehwehchen, papierkram mit versicherungen und Anwälten und natürlich der Suche nach einem neuen auto da. Insgesamt eine Situation, die man sich schwer schön reden kann. Aber selbst hier hilft die Methode zumindest ein bisschen. In meiner Studienzeit hatte ich schliesslich garkein Auto und habe trotzdem überlebt. Die paar Prellungen und blauen flecke sind wesentlich weniger unangenehm als die Lebensmittelvergiftung, die ich vor vielen Jahren mal hatte. Und immerhin habe ich in meiner jetzigen Lebenssituation mehr Geld zur Verfügung, um ein neues auto zu kaufen als früher in meinem leben. Zudem gibt es natürlich leider auch Menschen, die viel schwerer verletzt wurden bei Unfällen.
    Und in der Hoffnung, das meine kleine Pechgeschichte jetzt dem ein oder anderen von euch eine schöne Vorlage zum abwärts vergleich bietet, wünsche ich allen einen schönen Sonntag.

  • Aus der Gehirnforschung: Vergleiche mit anderen

    Ich finde das eine tolle Übung, super strukturiert angeleitet, werde sie asap mit einem meiner Coachees ausprobieren!

  • Hallo und guten Morgen,

    dieses Thema treibt mich auch immer mal wieder um. Ihre Übungen kamen sehr gelegen und haben und ich habe sie gerade ausprobiert. Es funktioniert!
    Vielen Dank und einen schönen Sonntag an alle.

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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