Das Brief-Experiment: eine schwierige Beziehung loslassen

Ein Coaching ist dir zu teuer? Dann sei clever und hilf dir selbst!

Vor kurzem habe ich mich über ein Unternehmen sehr geärgert. Die meisten von uns werden das schon mal erlebt haben. Egal ob es um Energieversorger, Telefongesellschaften oder Vermieter geht. Es kommt zu einem Tauziehen darüber, wer recht hat oder wem was zusteht. Und dabei kann es zu sehr nervenaufreibenden und auch frustrierenden Telefonaten oder E-Mail-Wechseln kommen.

In meinem Fall war das Ergebnis: Ich hatte recht. Das Unternehmen unrecht. Und ich habe bekommen, was mir zusteht. Dennoch blieb ein schales Gefühl zurück. Immer wieder fühlte ich einen Stein im Bauch, wenn ich an diese Situation dachte. Und das lag nicht daran, dass das Unternehmen einen Fehler gemacht hat. Sondern daran, wie die Gespräche zwischen mir und dem Mitarbeiter dort gelaufen sind. Ich habe mich nicht ernst genommen gefühlt. Ich war verletzt, weil ich wieder und wieder dieselbe Frage gestellt habe, ohne eine befriedigende Antwort zu bekommen.

Völlig überzogen, denken Sie vielleicht. Ich zumindest dachte so. Aber es gelang mir eben einfach nicht besonders gut, diese Sache abzuhaken.

Wie kann man eine Sache hinter sich lassen?

Eigentlich wollte ich mit diesem Unternehmen wirklich nichts mehr zu tun haben. Aber dafür musste ich noch eine einzige Sache erledigen: Ich musste meinen Vertrag mit diesem Unternehmen kündigen.

Und da packte es mich. Das Kündigungsschreiben verselbständigte sich. Es wurde ein längerer Brief, in dem ich beschrieb, was passiert war und wie das für mich war. Wie ich mich dabei gefühlt hatte. Dabei war der Brief durchaus sachlich. Ich schrieb auch von meinem Verständnis für die Menschen am anderen Ende der Telefonleitung. Denn ich kann es verstehen, wenn Fehler passieren. Das war nicht das Problem. Ich schrieb davon, wie gerne ich die ganze Sache einfach abgehakt hätte. Und dass ich die Angelegenheit eben nicht so einfach hinter mir lassen konnte. Deswegen dieser ausführliche Brief.

Was an diesen Telefonaten mich nun genau so tief beschäftigte, das ist hier nicht so wichtig. Ob ich diesen Brief abgeschickt habe, ist auch unwichtig. Ich möchte Ihnen vielmehr von etwas anderem erzählen. Nämlich davon, wie befreit und gelöst ich mich fühle, seit ich diesen Brief geschrieben habe.

Es ist toll und ich genieße es sehr, dass mein schales Gefühl verschwunden ist. Der Stein im Bauch ist weg. Und es ist mir auch egal, ob ich eine Antwort auf meinen Brief bekomme. Es war einfach wichtig für mich, meine Erfahrung und meine Enttäuschung zu beschreiben und an dieses Unternehmen und diese Personen zu richten. Auch wenn ich weiß, dass die betreffende Person wahrscheinlich nie etwas davon erfahren wird.

Diese Erfahrung bewegt mich dazu, ein Experiment zu wagen.

Brief-Experiment

Hier mal meine Versuchsbeschreibung:

Ich schreibe eine Liste mit 3 Personen. Personen, mit denen ich einen Konflikt hatte, von denen ich enttäuscht wurde oder die ich enttäuscht oder verletzt habe. Irgendetwas ist zwischen uns in der Vergangenheit passiert, das ich nicht mehr ändern kann, das mich aber immer noch ab und an belastet, wenn ich daran denke. Innerhalb der nächsten 2 Wochen möchte ich an alle diese 3 Personen einen Brief schreiben. Von diesen 3 Briefen erhoffe ich mir einen ähnlichen Effekt wie von meinem Brief an das Unternehmen. Daher habe ich mir den Brief ganz bewusst angeschaut und nach Kriterien gesucht, die ich für weitere Briefe übernehmen könnte. Dabei sind mir 4 Punkte aufgefallen:

  1. Ich beschreibe möglichst objektiv, was passiert ist. Also z. B. „Sie haben mir zugesichert, dass … Folgendes ist danach passiert …“ Oder: „Du hast x gemacht und dann habe ich y gemacht und dann …“
  2. Ich beschreibe die Gefühle, die ich dabei empfunden habe und vielleicht auch noch empfinde. „Ich bin enttäuscht, weil du …“ „Ich bin wütend, weil …“ „Ich fühle mich schuldig, weil …“
  3. Ich versuche, die Perspektive des anderen zu verstehen. „Ich kann mir vorstellen, dass es für Sie auch nicht einfach ist …“ „Ich kann mir vorstellen, wieso du mir an dieser Stelle nicht entgegenkommen kannst.“ „Ich verstehe, dass es dir jetzt schwerfällt, mir zu vertrauen.“
  4. Ich sage dem anderen, was ich mir jetzt wünsche. „Ich wünsche mir, dass du dich bei mir entschuldigst.“ „Ich möchte, dass Sie mir die versprochene Dienstleistung zukommen lassen und ich einen Ausgleich für meinen Ärger bekomme.“ „Ich fände es sehr schön, wenn wir wieder miteinander sprechen könnten.“

An diesen 4 Punkten möchte ich mich bei meinen Briefen orientieren. Später ist mir übrigens aufgefallen, dass diese Kriterien ein wenig Ähnlichkeit mit den Elementen der gewaltfreien Kommunikation haben.

Ich bin gespannt, ob sich meine Erfahrung mit dem Brief an dieses Unternehmen wiederholen lässt. Ob ich ähnlich erleichtert sein werde, wenn ich die Briefe an diese Personen geschrieben habe. Oder ob sich vielleicht auch gar nichts dadurch ändert. Vielleicht hole ich all das Schmerzhafte ja auch nur wieder hoch und es wird eher schlimmer. Das ist das Risiko bei einem Experiment. Es kann auch schiefgehen. Aber ich denke: Den Versuch ist es wert. Und, ob ich die Briefe abschicke oder nicht, steht übrigens auf einem ganz anderen Blatt.

Ich werde Ihnen von meinem Experiment berichten. Und vielleicht haben Sie ja Lust, mitzumachen und auch einen Brief an jemanden zu schreiben. Ich bin gespannt, wie Ihre Erfahrungen sein werden.

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Kommentare

  • Das Briefe schreiben hat mir schon als Kind geholfen, wenn ich mich nicht getraut habe meiner Mama zu beichten was ich angestellt habe :-)
    Dann hab ich immer viele Herzchen darunter gemalt und sie konnte nicht mehr böse sein. Ich schreibe seit meinem 10 Lebensjahr Tagebuch, jetzt bin ich 33. Das Briefe schreiben ist für mich auf einer anderen Ebene der Problemlösung. Ich schreibe ersteinmal alles auf was mich belastet ohne Rücksicht auf Verluste. Zuerst ist mal die Luft raus und mir geht es etwas besser. Wenn der Empfänger das lesen würde, ginge das nicht gut aus. Daher lasse ich etwas Zeit darüber wachsen, jedenfalls solange bis ich mich wieder eingefangen habe bzw. Wut, Ärger, Traurigkeit nachgelassen haben. Später sehe ich mir den Brief nochmal an und versuche mir die kontruktiven Punkte, also das eigentliche Problem vor Augen zu führen. Dann überlege ich, wie ich das meinem Gegenüber schonend und nicht verletztend klar machen kann. Das funktioniert nicht immer, v.a. überwinde ich mich manchmal nicht denjenigen wieder anzusprechen, wenn z.B. zu viel Zeit vergeht.

  • Hallo McCorc. Diese ‚wunderbare‘ Empfehlung von deinem Thera klingt für mich ungefähr so, als ob uns jemand dazu auffordern würde, eben NICHT an den sprichwörtlichen ‘rosa Elefanten’ zu denken. Geht das? Nein, das geht eben nicht! Der innere Monolog und die dazugehörigen Bilder sind ganz einfach da, verflüchtigen sich und kehren wieder zurück. Mitunter kreisen unsere Gedanken und die damit einhergehenden Gefühlswelten zwischen Angst, Schuld und Scham bisweilen in unendlich erscheinenden Schleifen in unserem System. Was braucht es also, um für derartige Herausforderungen adäquate Lösungswege zu finden? Eine allgemeingültige, für jeden und auf jeden übertragbare Lösung scheint es an dieser Stelle leider nicht zu geben.

    Hinsichtlich des ‘Brief Experiment’ kann ich für meinen Teil nur sehr bedingt ‘die Hand ins Feuer’ legen. Für einigermaßen überschaubare, weitestgehend sachbezogene, weniger komplexe – und das meine ich ganz gewiss nicht despektierlich – nennen wir sie mal ‚Projekte‘, ist dies mit Gewissheit und speziell auch anhand der angeführten Herangehensweise in Bezug auf die aufgelisteten Punkte und Inhalte eine sehr sinnvoll erscheinende Möglichkeit, sich mit einer solchen Angelegenheit aus-ein-ander zu setzen, um in der Folge wieder zur Ruhe zu kommen und im besten Falle seinen Seelenfrieden und somit auch bzw. vielleicht sogar erstmal, in den ungehemmten ‚Fluss des Lebens‘ (zurück) zu finden.

    Das Abschicken oder das NICHT Abschicken, wird an dieser Stelle ganz bewusst auf ein anderes Blatt geschrieben, respektive nicht endgültig beantwortet. Diese Verantwortung kann und verständlicherweise will man aus gutem Grund tatsächlich nicht übernehmen. Dies ist ein ganz entscheidender Faktor. Dies sollte ein jeder unter allen Umständen für sich selbst entscheiden.

    Bei sehr umfangreichen, höchst komplexen, zumindest aus subjektiver Sicht als solche in Erscheinung tretenden ‚Projekten‘, kann diese Herangehensweise sicherlich gleichermaßen Sinn machen. Also schreiben, sortieren, ausdrücken, auf Papier bringen. Stellt sich hierbei letztlich der o.g. Zustand ein, ohne besagte Zeilen in irgendeine Richtung versendet zu haben: Hervorragend, gigantisch, genial und unbeschreiblich hilfreich!!

    Wenn nicht, stellt sich die Frage. Abschicken und feste daran glauben, dass dies die angestrebte Befreiung mit sich bringt. Leider kann man mit dem Versenden z.T. aber auch sehr negative Erfahrungen machen, selbst wenn man sich dabei weitestgehend an den hier dargestellten, möglichen ‚Leitfaden‘ hält.

    Ich beleihe mich jetzt mal an anderer Stelle: ‚Drum prüfe, wer sich ewig bindet“. Übertragen für dieses Thema heißt das dann: Drum prüfe – und zwar jedes einzelne Wort, jede Silbe, jedes Detail und jeden einzelnen Absatz ganz eingehend auf seine Bedeutung und Auswirkung für den anderen und vor allen Dingen für DEINE EIGENE PERSON – bevor ein solcher Brief in die Umlaufbahn gelangt!

    Kannst du das, was da steht zu 100% unterschreiben und auch mit allen möglichen, daraus resultierenden Konsequenzen leben? Bist du dir ganz sicher? Bist du sicher, dass das was dort geschrieben steht, sowohl deiner Person, deinen Wert- und Moralvorstellungen, deiner individuellen Wesensart bzw. deinem Vorhaben entspricht! Bist du es nicht, lass es sein! Den Weg zurück gibt es nicht. Ungeschehen machen, geht nicht. Gesagt ist gesagt.

    Meine persönliche Empfehlung ist: Schreibe NIEMALS in einem emotionalen Zustand von Wut, Angst, Verwirrung, Groll, etc. Lasse NIEMALS zu, dass andere Personen direkt oder indirekt Einfluss auf die Inhalte, geschweige denn auf die darin enthaltenen Konsequenzen nehmen. Denn letztlich du bist derjenige, der ab sofort mit selbigen zu leben hat.

    Meine Überzeugung ist, dass auch wenn die großen Lebensfragen für uns alle ähnlich sind, so muss ein jeder doch seine eigenen Antworten finden und seinen Weg in seinem Tempo gehen. Es ist nicht immer sinnvoll, und in manchen Fällen sogar unbedingt zu vermeiden, nach allgemeingültigen Formeln und Regeln zu suchen, denn unser persönlicher Alltag verlangt nach maßgeschneiderten Lösungen. Auch im Namen der Liebe ist es anmaßend und überheblich zu glauben, wir wüssten, was für den anderen das Beste ist!

  • Ich habe schon so oft Briefe geschrieben an meine Ex-Freundin, die ich nicht verschickt habe. Nicht weil ich wütend auf sie war sondern weil sie wütend auf mich ist und mit mir nicht redet. Seit 10 Jahren sind wir schon getrennt. Jeden Tag denke ich an sie und was ich wohl falsch gemacht habe. Mein Problem ist dass ich mich nicht in die anderen Menschen hineinversetzen kann, so dass ich sie immer wieder verletze ohne es zu merken. Mein IQ ist ganz gut aber mein EQ ( Emotionale Intelligenz) ist leider sehr gering. Ich wünsche mir, dass sie mir meine Fehler verzeiht und Verständnis für mein damaliges Verhalten hat. Es tut mir nämlich leid, sehr leid. Die Wunde wird nie heilen, glaube ich. Ich hatte sehr viele Vorurteile ihr gegenüber. Habe nie versucht sie wirklich zu verstehen, warum sie so und so handelt. Jetzt habe ich zumindest eine Vermutung. Ich fühle mich so unendlich schuldig. Ich möchte es wieder gutmachen, mich entschuldigen. Wenn ich nur ein mal die Gelegenheit dazu bekäme. Aber ich weiß nicht mehr wo sie wohnt. Habe manchmal sogar Selbstmordgedanken, weil ich diesen Leid nicht mehr ertragen kann. Mein Psychologe sagt ich soll nicht mehr an die Vergangenheit denken, sondern in die Zukunft schauen, als ob ich das unter Kontrolle hätte.

  • Ehrlich gesagt, ich weiß gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. So Vieles gibt es hierzu zu sagen. Eine schöne Einleitung könnte die Folgende sein:

    „Wenn ich mit der Wirklichkeit streite, verliere ich – in jedem Fall.“ Byron Katie.

    Dies zunächst einmal als gegeben hin-, geschweige denn anzunehmen, ist für wahr die erste, und wie ich finde wahrlich nicht einfache Herausforderung in diesem Zusammenhang. Und dennoch scheint es der erste Schritt in die richtige Richtung zu sein, völlig unabhängig davon, wie die Situation zustande gekommen ist.

    Unmittelbar, oder man könnte auch sagen praktisch zeitgleich stellen sich gedanklich nicht selten folgende Konjunktive ein: „Hätte, könnte, sollte, würde, wenn und Aber“. Hätte ich/er/sie dieses oder jenes (nicht) gesagt oder getan; ich/er oder sie hätte(n) wissen müssen, ich/er/sie hätte gemusst oder gesollt… All das, bringt uns an dieser Stelle nicht weiter.

    Die reale Wirklichkeit ist: Die Situation ist, wie sie ist!

    Und da sind sie auch schon, die Fragen, die uns von nun an beschäftigen und mitunter in endlosen Schleifen quälen können:

    Kann ich die Situation annehmen, wie sie ist? Ist es gut so, wie es ist? Wenn nein, warum nicht? Was kann ich nicht annehmen oder akzeptieren? Möchte ich dazu noch etwas sagen? Habe ich Klärungsbedarf? Wem gegenüber? Mir selbst? Dem Anderen? Was habe ich zu besagter Situation beigetragen? Welche Anteile oder Beweggründe hat mein Gegenüber? Möchte ich die Situation ändern? Warum will ich das? Bin ich verletzt, gekränkt oder enttäuscht? Kann ich nicht aushalten, dass der/die Andere verletzt, gekränkt oder enttäuscht ist? Nehme ich diese Angelegenheit persönlich? Kann ich womöglich nicht zu mir stehen und sagen: Ich bin in Ordnung, so wie ich bin? Räume ich mir selbst das Recht ein, so zu sein wie ich bin und mich so zu verhalten, wie ich mich verhalte? Strebe ich in meinem Handeln nach Perfektion? Darf ich auch Fehler machen? Darf der andere Fehler machen? Habe ich evtl. Probleme mit meiner Selbstachtung bzw. der Wertschätzung meiner eigenen Person? Denke ich: der/die Andere soll nicht so über mich denken? Was kann ich dagegen tun und warum? Strebe ich eine Aussprache an? Möchte ich meinem Gegenüber meine Wahrnehmungen und Empfindungen offenlegen? Warum möchte ich das? Was erwarte ich in diesem Zusammenhang? Brauche ich die Absolution des Anderen, um so zu sein, wie ich bin? Möchte ich Verstanden werden? Warum? Was ist das Ziel meiner Überlegungen? Wie sieht die perfekte Lösung für mein Problem aus?

    Dies wollte ich zunächst einmal in die Runde und somit auch in die Diskussion einbringen. Ich denke da steckt ne Menge drin. Bin gespannt auf die Anmerkungen hierzu…

    • Maggie

      fürwahr lieber Franciso,
      soviele Fragen und Denkanstöße…. sehr hilfreich, am besten man druckt Deine Gedanken aus und wendet diese Fragestellungen für sich an. Mit Sicherheit stößt man dann auf das eine oder andere, das man bei einem Problem doch tun kann. Danke dafür.
      Das Handeln befreit ja auch. Oft ist es ja auch die Angst die einen hindert etwas zu tun, denn man befürchtet Verschlechterung oder hat den Glauben an Besserung verloren.
      Bei kleinen Problemen ist ja manchmal Abwarten die bessere Lösung, vieles erledigt sich dann von selbst.
      Bei großen Problemen sieht das schon anders aus, ich bewege viele Gedanken und Sätze dann im Kopf und bringe das nicht los. Wahrscheinlich ist das Niederschreiben dann die bessere Lösung vorerst für einen selber… haben ja viele Vorschreiber empfohlen. Das erfordert Hinsetzen und Nachdenken oder einfach darauf los schreiben. Mit Sicherheit befreiend, aber oft ist das ja genau das was man scheut, sich die Zeit nehmen und nachdenken. Man möchte es bequemer loshaben.
      Deine Tips und Gedankengänge sind sehr hilfreich. Viele Grüße.

    • Sally

      Danke dir!
      Ich werde mir deine Worte mal durch den Kopf gehen lassen und hoffe das ich eine Lösung für mein “Problem” finde, welche ich noch nicht sehe….
      LG

  • Danke Nicole für deinen Beitrag °Brief Experiment°. Ich lese immer sehr gern deine Beiträge. Ich finde es sehr befreiend sich den Ärger rauszuschreiben bzw. ihn förmlich aufs Papier zu “kotzen”. An diverse Firmen oder Institute mit denen ich Ärger wie im Beispiel geschrieben ist, schreibe ich dann auch schon mal einen Brief, jedoch ganz sachlich und ich der Ich Botschaft und dann ist es für mich gut. Bei gewissen Bekannten/Freunden fällt das dann schon etwas härter aus und den schicke ich auf keinen Fall ab sondern verbrenne ihn und mache daraus ein Ritual. Es hilft alte Wunden und Verletzungen heilen zu lassen. Deine 4 Punkte habe ich mir ausgedruckt um mich beim nächsten Schreiben daran zu orientieren.
    Weiter so. Alles Liebe für dich.

  • Sehr schöne Darstellung der schon seit den 1970er Jahren in der Pädagogik und Psychologie bekannten Technik des reflexiven Schreibens. Diese Technik fällt sonst immer ein bisschen durch, da wir sie als bekannt voraussetzen.
    Danke für die schön aufgebaute Erinnerung :)

  • Ich habe vor mehreren Jahren eine traumatische Geburt erlebt, die mich bis vor wenigen Monaten nicht losgelassen hat und deren Erinnerung mich immer wieder aus der Bahn warf und im Alltag/im Umgang mit meinem Kind beeinträchtigt hat. Zur Bearbeitung der Erlebnisse und mit dem Ziel zu akzeptieren, was geschehen ist und abschließen zu können, habe ich einen Brief an die beteiligten Personen des Krankenhauses geschrieben, aber bewusst nie abgeschickt. Darin habe ich die ganze Wut und jegliche Gefühle ablassen können. Schließlich habe ich den Brief verbrannt. Dieser Schritt war ganz wichtig und hat mir sehr geholfen.

  • Schales Gefühl hab ich für mich ersetzt durch Frust. Ich lege den Fokus auf aufbauende Gedanken und Situationen – Umzug in ein Haus mit Garten, wo meine 2 kreativen Pausen mit dürfen und keine neugieren Nachbarn mich kontrollieren.
    Danke und viel Erfolg!

  • Ich mache das immer laut: Ich stelle mir an einem sicheren Ort vor, dass der Mensch vor mir steht, und sage ihm das was du oben beschreibst ins “Gesicht“.

    Funktioniert auch super, wenn ich in einem Kontakt irgendwie feststecke, es irgendwie zäh und anstrengend wird. dann frage ich mich, was ist auf den Punkt gebracht der ehrlichste *eine* Satz, den ich zu dieser Person sagen könnte (was durchaus auch eine wegzensierte verletzliche Wertschätzung oder ein Wunsch sein kann), sage ihn laut, und spüre nach, wie sich das in meinem Körper anfühlt.

    Hat faszinierende Auswirkungen.

  • Ich mache das immer laut: Ich stelle mir an einem sicheren Ort vor, dass der Mensch vor mir steht, und sage ihm das was du oben beschreibst ins “Gesicht“.

    Funktioniert auch super, wenn ich in einem Kontakt irgendwie feststecke, es irgendwie zäh und anstrengend wird. dann frage ich mich, was ist auf den Punkt gebracht der ehrlichste eine Satz, den ich zu dieser Person sagen könnte (was durchaus auch eine wegzensierte verletzliche Wertschätzung oder ein Wunsch sein kann).

    Hat unglaubliche Wirkungen.

  • Mich erinnert das sehr an das hawaianische “Vergebungsritual” ho’oponopono – das Briefe schreiben wäre da eine praktische Umsetzung!

    Danke Nicole – auch an die anderen des Teams für die gehaltvollen Sonntagsinspirationen!

  • Vor zwei Jahren habe ich Briefe geschrieben an meinen Vermieter und an Nachbarn wegen unterschiedlicher Sachverhalte, allerdings aus dem selben Grund: weil ICH Groll auf sie hatte, den ich nicht mehr haben mochte. Sie waren so geschrieben, dass ich sie auch hätte abschicken können. Die Briefe liegen noch in einer Schublade, der Groll ist (fast ganz) weg. Und: der Vermieter hat gewechselt, und die Nachbarn sind ausgezogen. ;-)

  • Seit vielen Jahren mache ich etwas änliches, indem ich Tagebuch schreibe. Vor etwa zwei Jahren bin ich auch dazu übergegangen, Briefe zu schreiben, die ich auch absende, aber ich erwarte keine Antworten ( habe auch nie eine bekommen) Ich beende für mich auf diesem Wege, Beziehungen sauber, ohne das etwas Böses oder Schlechtes zwischen uns steht für die Zukunft ( zumindest ist das mein Ansatz für mich um mit etwas abzuschließen) Ich bedanke mich auch immer für die schöne, vergangene Zeit, für Erfahrungen die ich mitgenommen habe etc.
    Leider habe ich vor etwa 3 Monaten eine derart verletztende Situation gehabt, die mich derartig belastet und ich komme mit meiner Schreiberei diesmal nicht weiter. Nicht für mich selbst, denn den besagten Brief bekam ich ungelesen zurück und er liegt nun in meinem Tagebuch. Schlimm ist zudem, die Person(en) sind meine Nachbarn und es bleibt nicht aus, das man sich über den Weg läuft. Ich werde noch nicht einmal mehr gegrüßt. Das tut ohne Ende weh, zudem wir beste Freundinen waren ( ich bin 45 Jahre, sie ist fast 70) Bis heute weiß ich nicht, oder kann es nicht begreifen, was geschehen ist. ( ich konnte eine gebuchte Reise mit ihr nicht antretten, weil ich erkrankte und ins Krankenhaus kam, seit dem redet sie kein Wort mehr mit mir. Die Reiserücktrittsversicherung hat voll gezahlt, sie blieb dabei, das ich ihr den Urlaub gestohlen habe und alles absichtlich herbeigeführt habe…..) Es ist weder möglich mit ihr mündlich zu kommunizieren, nicht schriftlich, nicht über Dritte die eventuell vermitteln könnten.
    Ich wäre in der Hinsicht sehr dankbar für einen Tipp, wie man damit umgehen könnte, meine Gedanken befinden sich in einer endlosSchleife……

    • Kurt

      Hallo Sally, diese Verhaltensweise ist nicht selten. Und es geht dabei so gut wie immer um ein Problem, dass der Andere mit sich selbst, oder mit Menschen aus seiner Vergangenheit hat(te). Sehr aufschluss- und hilfreich das Buch “5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”.
      Alles Gute, Kurt

    • Hanna

      Hallo Sali,

      diese Situation ist für dich sehr schlimm, doch Du kannst ja nichts daran ändern. Du hast dir deinen Krankenhausaufenthalt nicht freiwillig ausgesucht im Gegenteil, dir hätte die gebuchte Reise mit deiner Nachbarin viel mehr Freude gemacht.
      Hätte sie dir Freude gemacht oder bist du nur, um ihr eine Gefälligkeit zu erweisen, mitgegangen? Hat dich deine Hilfsbereitschaft und dein gutes Herz dazu animiert?
      Uns geht es im Moment auch so mit einer Nachbarin. Solange wir alles tun was sie will, ist es ok. Doch seit ich einmal nein gesagt habe, wurde nach einer Aussprache die Wohnungstüre zugeschlagen. Es war so schlimm dass ich danach den bei ihr hinterlegten Wohnung-schlüssel verlangte und seither kennt sie uns auch nicht mehr. Wir sind für sie Luft wenn wir uns begegnen.
      Diese Situation haben wir uns nicht gewünscht, sie ist aber in der Zwischenzeit eine Wohltat für uns. Dies hört sich zwar nicht gut an doch wir fühlen uns erleichtert.
      Man muss es nur aushalten und dazu wünsche ich dir viel Kraft und Geduld.
      Herzliche Grüße
      Hanna

    • Annegret

      Liebe Sally,
      danke für deinen Beitrag – und wenn ich mich einfühle in das, was du schreibst, dann zeigt sich in mir eine schöne weiche tiefe heilsame Trauer. Deswegen würde ich dir gern den Impuls weitergeben: (Wenn es für dich stimmig ist) Sei einfach traurig, mit der Situation wie sie eben gerade ist.
      Mit dieser heilsamen Trauer sind wir schon tiefer als die Verletzung, Wut oder Groll und die ganze Situation kann sich bewegen.
      UND
      was mir manchmal hilft: Ich schreibe MIR SELBST einen Brief, und zwar einen, den ICH gern von dem Anderen bekommen hätte. Auch das hat großes Heilungspotential.
      Alles Liebe

    • Jacqueline

      Hallo Sally

      Geh mit einem Kuchen rüber zu deinen Nachbarn und kläre die Sache. Sprich in “Ich-Botschaften”. Ich bin auch sehr traurig, dass wir unsere Reise nicht antreten konnten. Es tut mir weh, dass wir keinen Kontakt mehr miteinander haben. Ich vermisse dich.

      Briefe sind was Tolles. Aber noch besser ist es einander in die Augen zu schauen und den Vorfall zu klären. Bei einem Brief sieht das Gegenüber kein Gesicht und hört keine Stimme. Es kann so viel missverstanden werden. Geh rüber und stell dich dem Missverständnis – auch wenn ihr nachher keinen Kontakt mehr habt, du hast das Problem geklärt und kannst bestimmt danach auch besser damit leben.

      Viel Erfolg.

    • Martina Thiele

      Liebe Sally,

      die von Dir geschilderte Situation tut mir für Dich sehr leid. Leider haben alte Menschen oft kein Verständnis dafür, dass unvorhergesehene Ereignisse Dinge verhindern, auf die sie sich gefreut haben. Hier wirst Du rational keinen Ansatz finden, da die ganze Haltung Deiner Nachbarin nur auf Emotionen aufgebaut ist. Leider verfestigen sich bei alten Menschen manchmal diese negativen und ausschließlich “ich” – bezogenen Ansichten. In vielen vergleichbaren Fällen hat es sich auch schon gezeigt, dass diese Menschen ein geriatrisches Problem haben und darum nicht für uns nachvollziehbar agieren.
      Wünsche dieser Frau im Geiste alles Gute, bedanke Dich für die schöne Zeit mit ihr und stell dem Universum anheim, das Beste für Euch beide aus dieser Situation zu machen.
      Viel Kraft für Dich dieses Ereignis weiterhin gut zu verarbeiten.

  • Der Beitrag ist sehr interessant :-) Ich folge Ihnen schon eine Weile und interessiere mich sehr für ihre Themen die sie ansprechen da mich Z.b. Psychologie anspricht.Großes Lob an den Admin der Seite :-)

    PS:Auch jüngere folgen dir (18) ;-)

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

Mehr über uns und unsere Philosophie gibt es hier