Den Neid hinter sich lassen – eine Frage des Blickwechsels!

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In den vergangenen Wochen hat das hässliche Thema Neid direkt zweimal meinen Weg gekreuzt und mich selbst blass vor Neid werden lassen.

Zunächst vertraute mir ein Freund an, dass er oftmals auf andere neidisch ist, die besser bezahlt werden und einen – scheinbar – spannenderen Job haben. Und dann entdeckte ich, vielleicht von diesem Gespräch wachgekitzelt, in mir selbst auch Gefühle des Neids auf die Erfolge und Fähigkeiten anderer. Ich fühlte dieses brennende Gefühl in meiner Brust, die aufkommende Unruhe und die nagende Frage, was ich bloß an mir verändern könnte, um auch so zu sein wie die Beneideten.

Die Entstehung von Neid durch den „Blick auf die anderen“

Dabei entsteht der Neid meiner Beobachtung nach auf eine sehr einfache Weise: Man sieht oder hört etwas, was man bewundert und auch gerne hätte. Dann blickt man auf sich und sieht den eigenen Mangel. Man vergleicht also. Oft sucht man dann zusätzlich Gründe dafür, warum man das Ersehnte bisher nicht bekommen konnte: Widerspricht es den eigenen Wertvorstellungen, so unverfroren wie andere danach zu greifen? Hat man nicht die notwendigen Fähigkeiten und Talente? Oder waren die Umstände schlicht ungünstig oder sogar das Schicksal einem nicht wohlgesonnen? Ganz gleich, welche Gründe man findet: Am Ende ist man unzufrieden mit sich und der Welt.

Diesen Prozess, auf andere zu schauen, nenne ich den „Blick auf den anderen“. Es erzeugt das Gefühl von Unzufriedenheit und als Folge den Neid. Im schlimmsten Fall „erkennt“ man sich dadurch als einen „Versager“ und schämt sich zusätzlich noch für das gesellschaftlich verpönte, aber weit verbreitete Gefühl des Neids.

Dabei liegt dem „Blick auf den anderen“ ein ungleicher Vergleich zugrunde. Ein Vergleich, bei dem man einfach nicht gut abschneiden kann. Wir schießen uns hier selbst in den Fuß, weil wir schlicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Da wir auf etwas bei dem anderen schauen, was wir bewundern oder besonders finden, ist dies automatisch auch etwas, was wir nicht in gleichem Maße haben. Meist ist es sogar etwas, was wir gerade in besonderem Maße entbehren. Der „Blick auf den anderen“ wirkt also wie ein Vergrößerungsglas, das unseren eigenen Mangel riesig erscheinen lässt.

Im Prinzip ist das ganz so wie bei einer Werbung: Wir sehen die strahlend weißen Zähne eines glücklichen, durchtrainierten, jungen Mannes an einem Palmenstrand. In seinem Arm lehnt eine verführerisch lächelnde, attraktive, junge Frau und unser Gehirn geht auf die Suche nach dem Grund für all dieses Glück. Die Werbung macht es uns scheinbar ganz leicht, indem sie uns die angebliche Lösung groß und fett auf ihren Plakaten gleich mitsuggeriert: die Zigarette, das neue Sportgetränk oder sonst ein käufliches Gut. In jedem Fall kommen wir ganz automatisch zunächst einmal zu dem Schluss, dass uns etwas zu unserem Glück fehlt.

Aber zurück zu dem „Blick auf den anderen“ und dem Neid: Schließe ich die Augen und stelle mir das Beziehungsverhältnis zwischen mir und der Person, auf die ich neidisch blicke, bildlich vor, so erhalte ich die nebenstehende Darstellung: Ich selbst erscheine darin kleiner als mein Gegenüber, zu dem ich wie ein Kind zu einem Erwachsenen aufschaue.

Die Skizze macht deutlich, in welch fatale Lage man sich selbst bringt, wenn man so auf andere – und indirekt auf sich – schaut. Man erzeugt nicht nur das Gefühl des Neids, sondern erschafft auch gleich das Gefühl, man selbst wäre kleiner, weniger wichtig und kompetent als der andere. Innerlich wird man dabei ansatzweise zu einem hilflosen Kind und verliert für den Moment so den Zugang zu einem Teil seiner Ressourcen als erwachsener Mensch.

Ein Experiment zum Nachvollziehen

Um das noch besser nachvollziehen zu können, möchte ich Sie zu einem kleinen Experiment einladen. Anschließend folgt dann eine Übung, die Ihnen hilft, den Neid zu überwinden. Es ist aber sinnvoll, zunächst das Experiment zu machen, um den Unterschied wahrzunehmen und nachzuvollziehen, was man sich durch den „Blick auf den anderen“ immer wieder antut.

  1. Drucken Sie sich das Bild aus oder skizzieren Sie es kurz auf einem leeren Blatt Papier.
  2. Denken Sie nun an jemanden, den Sie beneiden, weil er etwas hat, was Sie nicht haben, und stellen Sie sich vor, diese Person wäre die blaue Figur.
  3. Verstärken und konkretisieren Sie das Ganze, indem Sie um die Krone der blauen Figur herum all das für Sie Begehrenswerte, das der andere hat, aufschreiben – seien dies Besitztümer, Eigenschaften, Beziehungen etc.
  4. Berühren Sie mit Ihrem Finger nun die kleine rote Figur, um sich besser in diese hineinversetzen zu können, wie sie auf die große Figur schaut.
  5. Spüren Sie nach, wie Sie sich jetzt als rote Figur fühlen, und notieren Sie dies in zwei, drei Stichworten.

Sollte dies Experiment Sie kaltlassen, dann beglückwünsche ich Sie! Dann gehören Sie zu einem der wenigen glücklichen Menschen, die so zufrieden mit sich und ihrer Situation sind, dass sie für Neid relativ immun sind. Sollte sich aber in Ihnen ein Gefühl von Neid oder auch nur eine innere Unruhe entwickelt haben, dann lege ich Ihnen folgende Übung ans Herz, die in meinen Coachings schon oftmals für einen Aha-Effekt bei meinen Klienten gesorgt hat.

Den Neid auflösen mit dem „Blick auf das Eigene“

Die Auflösung des Neidgefühls und all der Begleiterscheinungen, wie z. B. Unzufriedenheit, Unruhe, Orientierungslosigkeit und Scham, besteht in der Umkehrung der Blickrichtung: Statt auf den anderen und dessen „Reichtum“ zu blicken, wendet man seinen Blick auf sich und das, was man selbst kann und hat. Dies nenne ich: den „Blick auf das Eigene“ richten.

Vielleicht erscheint einem dies Eigene im Vergleich zu den Leistungen und Gütern der anderen zunächst gering. Aber wenn man sich beharrlich auf auch noch so kleine eigene Erfolge und Qualitäten konzentriert, dann vergeht der Neid bald. Wesentlich ist dabei, sich nicht mehr mit anderen zu vergleichen, also mit dem Blick bei sich zu bleiben und gar nicht erst auf andere zu blicken. Denn beim Vergleich misst man das Eigene noch immer an einer fremden Messlatte. Und statt den Stolz und die guten Gefühle, die den „Blick auf das Eigene“ begleiten, wahrzunehmen und wirken zu lassen, geht man dann wieder in den kleinmachenden Vergleich.

Um den „Blick auf das Eigene“ zu richten, sind alle Fragen nach eigenen positiven Gütern, Fähigkeiten, Beziehungen, Erfolgen etc. hilfreich. Also Fragen, die Ihnen Ihr Eigenes bewusst machen und Sie stolz und zufrieden stimmen. Hier eine Auswahl, die Sie in der folgenden Übung nutzen können:

  • Was habe ich im Leben schon alles erreicht?
  • Was sind meine besonderen Fähigkeiten?
  • Was macht mir besonders Spaß und begeistert mich?
  • Wo bin ich meiner inneren Stimme schon einmal – und wenn auch nur für kurze Zeit – gefolgt und meinen eigenen Weg gegangen?
  • Was sind meine „Schätze“ (Qualitäten, Erinnerungen, Güter, Beziehungen), auf die ich stolz bin oder die mich erfüllen und glücklich machen?

Eine Übung gegen Neid 

Um diesen „Blick auf das Eigene“ wiederum deutlich erfahrbar zu machen, lade ich Sie nun abschließend zu einer Selbstcoachingübung ein, die in Ihnen statt Neid ein angenehmes Gefühl von Kompetenz und Stolz weckt. Die nebenstehende Zeichnung symbolisiert dabei Sie, wie Sie den „Blick auf das Eigene“ richten:

  1. Drucken Sie sich dazu die zweite Zeichnung aus oder skizzieren Sie diese auf einem leeren Blatt Papier.
  2. Gehen Sie die oben stehenden Fragen zu Ihren Ressourcen durch und notieren Sie für das, was Ihnen als Antwort einfällt, passende Stichworte in die gelben Kreise der Zeichnung. Diese stellen Ihr Eigenes, Ihre inneren wie äußeren „Schätze“ dar.
  3. Falls dabei eine oder mehrere Blasen leer bleiben, malen Sie z. B. eine Truhe als Symbol für einen noch geheimen eigenen Schatz hinein. Falls Sie mehr notieren möchten, zeichnen Sie einfach noch weitere Kreise hinzu.
  4. Berühren Sie nun wieder die rote Figur mit Ihrem Finger und richten Sie Ihren inneren Blick auf all diese Schätze. Spüren Sie nach, wie es sich anfühlt, von diesen Schätzen umgeben zu sein.
  5. Spüren Sie diesem Gefühl weiter nach: Wo fühlen Sie es im Körper? Wie genau fühlt es sich an – vielleicht fällt Ihnen dazu ein Bild ein? Was begleitet das Gefühl noch an weiteren Gefühlen, Körperwahrnehmungen oder Gedanken? Und genießen Sie es!
  6. Um sich später leichter an dieses Gefühl zu erinnern und in Momenten hochzuholen, in denen sich der Neid wieder meldet, ist es hilfreich, sich einen „Anker“, eine Erinnerungsstütze, zu suchen: Legen Sie sich dafür z. B. eine kleine Krone aus Papier ins Portemonnaie, die Sie immer wieder daran erinnern soll.

Ein zusätzlicher Tipp zur Verstärkung:

Sie können diese Übung noch verstärken, indem Sie die Stichworte auf Zettel notieren und in einem Kreis um sich herum legen, statt sie auf das Bild zu notieren. Stellen Sie sich dann in die Mitte des Kreises und schauen Sie auf Ihre Fülle, die Sie umgibt. Machen Sie von dort bei Schritt 5. weiter.

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Versuchen Sie es doch einfach selbst einmal – Sie brauchen nur etwa fünf Minuten! Und gerade dann, wenn Sie sich ein bisschen davor scheuen, wird es Ihnen wahrscheinlich unerwartet guttun. Solch eine anfängliche Scheu ist oft ein Anzeichen, dass dies gerade ein Thema für Sie ist. Das habe ich auch immer wieder in meinen Coachings beobachtet:

„So eine lächerliche kleine Übung bringt mir doch nichts!“, erinnere ich mich an die Worte einer meiner letzten Klientinnen. Und umso größer war ihre Überraschung, als sie sich dann schließlich die wenigen Minuten Zeit genommen hatte und tatsächlich ihre eigene Fülle vor sich liegen sah. „Das war ein tolles Erlebnis, seine eigenen Qualitäten so um sich zu sehen und zu fühlen!“, berichtete sie mir anschließend freudestrahlend.

 

Über Jan Crueger

Jan Crueger ist systemischer Coach und Kommunikationstrainer mit eigener Coaching-Praxis "BlickWechsel" in Köln. Der studierte Germanist und Philosoph hat sich auf die Themen "Sinn und Erfüllung im Job - seine Berufung finden" und
die Verbesserung von Beziehungen durch wertschätzende Kommunikation spezialisiert. Er arbeitet gern mit Methoden aus der systemischen Aufstellungsarbeit und aus dem Schauspielbereich.

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Kommentare

  • Hello… Ist ansich ein netter Artikel.. danke dafür…aber was wenn einem keine Schätze einfallen? Ich meine ich bin ja neidisch auf andere weil ich das alles nicht habe! Ich kann ja nicht Äpfel mit Birnen vergleichen! Wenn jemand zb einen Vater hat, dann bin ich neidisch, weil ich keinen habe! Da kann ich mir tausend Mal aufschreiben dass ich besonders gut Schach spielen kann.. deswegen bin ich doch trotzdem noch traurig und eben auch etwas neidisch weil ich keinen habe! Und das Schlimmste an solchen Spielchen ist für mich oft dass mir eben nix Tolles über mich oder Erfolge einfallen! Was bleibt? Sorry aber eigentlich ein noch schlechteres Gefühl als vor dem Artikel… auch wenn das bestimmt nicht deine Absicht war… Gruß

  • Neid ist ok und kann wie hier gezeigt konstruktiv eingesetzt werden. Als Ansporn zur eigenen Optimierung bzw. Verbesserung der Selbstzufriedenheit eben.

    Aber Missgunst ist fatal und Gift für jede enge Beziehung, sei es eine engere Bekanntschaft, Freundschaft oder eine Beziehung. Missgünstige Personen sind de facto Feinde, die entweder passiv auf das eigene Scheitern warten oder aktiv daran (mit-)basteln.

  • Wahre Worte! Vielen Dank für diesen Artikel. Ich denke wir alle kennen diese Situationen sehr gut…

    LG, Katharina

  • …um wieder im Positiven bei sich selbst anzukommen… sollte es heißen.

    Katharina

  • Hallo,

    es gibt diesen Satz: Mitleid bekommst du geschenkt, Neid musst du dir erarbeiten.
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Neid die Menschen trennt, ja sogar zerstörerische Auswirkung haben kann. Immer wieder hatte ich neidische Freundinnen, obwohl ich wirklich nicht auf der Sonnenseite geboren bin, ich hatte ein schweres Leben bisher und bin davon auch krank geworden, aber hauptsächlich durch neidische Menschen, einfach weil meine Haare nicht jeden Morgen aufwändig frisiert werden müssen, ich fast immer einen Parkplatz in der Stadt finde oder 2 Armbanduhren habe anstatt nur eine. Mit solchen Leuten kann man nicht befreundet sein, vor allem wenn sie sich in ihrem Neid auch noch gefallen. Ich wünschte mir wirklich die Menschen würden mit Neid konstrukiver umgehen, ihn als Anregung nehmen und sei es, um oben genannte Übungen zu machen und wieder im Positiven bei sich selbst zu kommen.

    Liebe Grüße
    Katharina

  • Die Übungen sind interessant und die Idee gut. Trotzdem sitze ich bei der zweiten danach da, berühre die Figur und denke: Ach, was mach ich mir eigentlich vor. So toll ist das alles gar nicht. In meinem Alter könnte ich schon viel mehr erreicht haben. Ich komme also dem Vergleich mit einem (wenn auch noch so diffusen) Anderen nicht ganz aus, bzw. mein innerer Kritiker meldet sich zu Wort und ich fühle mich nicht wohlig und gut, wenn ich das zweite Bild mit all den Schätzen sehe, sondern ängstlich und leicht deprimiert, obwohl ich mich objektiv betrachtet nicht beklagen muss.

    Mir ist außerdem nicht ganz klar, ob ich eher danach streben sollte, die beneideten (fehlenden) Anteile in mein Leben zu integrieren oder danach, mit mir zufrieden zu sein, so wie ich bin. Bzw. wie sich beides miteinander vereinbaren liesse.

    • Jan Crueger

      Liebe Helen,

      das, was du beschreibst, dass sich der innere Kritiker meldet, passiert nicht selten. Ich selbst kenne das in der Form eines inneren Dialogs, etwa: Ja, meine letzten Prüfungen (oder an was auch immer Positives man hier denkt) waren recht gut, aber …

      Hier hilft es oft schon, das aber im inneren Dialog durch ein “und” zu ersetzen. Damit entwertet man den positiven Aspekt nicht sofort wieder. Noch besser wäre es, einfach bei der positiven Aussage stehen zu bleiben, nach dem Motto: Für jetzt schaue ich mir einmal nur diesen Aspekt an.

      Wenn es die auf eine der beiden Arten gelingt, dich über den “Schatz”, an den du dich erinnerst zu freuen, dann hast du das Erlebnis gemacht, um das es bei der Übung geht. Sicher ist man dadurch noch nicht von allem Neid geheilt, aber es zeigt einen erstens einen Ausweg aus Neidgedanken und zweitens zeigt es, dass man Einfluss auf seine Gefühle nehmen kann.

      Lieben Gruß

      Jan Crueger

  • Hallo Michael,
    dein Satz: “da du von niemandem etwas geschenkt bekommst…” hat mir gut gefallen und das trifft mein jetztiges Problem. Auch wenn man dringend Geld braucht und Leute kennt, die Geld (sorry für den Ausdruck) “zum fressen” haben, schenken sie dir nichts! Sie gucken mitleidig auf dich und verstecken ihre Kohle. Ich möchte einmal in so einer Situation sein, nur um zu zeigen, dass es auch anders geht. Es gibt so viele Millionäre und wohlhabende Menschen. Trotzdem mangelt es vielen Menschen oder auch Institutionen an Geld. Und oft geht es nur um Kleinigkeiten. Der anonyme Spender von Braunscheig gefällt mir deshalb sehr. Was muss das für ein Gefühl sein? “Mit warmen Händen geben”. Davon bräuchte die Welt viel mehr. Niemand kann sein Geld “mitnehmen”, aber er könnte zu Lebenzeiten viel Gutes damit tun! So würde ich es auch machen!

    Viele Grüße an Alle!!!

  • Ich habe mir schon vor vielen Jahren gesagt, dass Neid Blödsinn ist. Nach diesem Prinzip lebe ich. Wie kam ich drauf? Im Bekanntenkreis gab es immer wieder Fälle von Mehrbesitz, besser bezahlte Jobs, tollere Reisen, größere Autos etc. und ich dachte oftmals, dass mir das Eine oder Andere ebenfalls gut zu Gesicht stünde – besser als dem Anderen allemal. Neid also! Da Du aber von niemandem etwas geschenkt bekommst habe ich mich daran gemacht, meine persönliche Situation in Job und Familie zu verbessern. Bis dahin hatte ich oftmals unterhalb meiner Möglichkeiten agiert. Aber nach einigen Jahren musste ich feststellen, dass ich auch an der Sonnenseite angekommen war. Mir ging es prächtig. Ich verdiente keine Millionen, irgendwer hatte immer noch das schönere Haus, Auto etc. Aber ich war zufrieden und mit diesem Gefühl geht es mir bis heute sehr gut. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und seit 1 Monat im Rentenbezug. Nebenbei habe ich noch eine Agentur gegründet, die jungen Leuten beim Einstieg in den Beruf hilft, ihnen hilft, bessere Manieren erkennen zu lernen, lernen, wie man die eigenen Fähigkeiten (soft skills) gewinnbringend einsetzen kann etc. Das ist wirkliche Freude am Leben – Neid ist da völlig fehl am Platz. Insbesondere deshalb, weil Neid einen völlig auffrisst!
    In diesem Sinne
    Michael

  • Die Übung zur Überwindung des eigenen Neids kann für manchen Neider sicher ein guter erster Schritt in die richtige Richtung sein, aber ich bin der Meinung, dass es nicht der einzige sein sollte. Warum sollte man seinen Blick nicht auch auf andere lenken? Ich finde, da gibt es eine Menge zu lernen, zu erkennen, es kann inspirierend sein, es macht das Leben bunt … Jeder andere ist es wert, wahrgenommen zu werden. Der wesentliche Aspekt ist meiner Meinung nach die Anerkennung für das, was der Andere geschafft, erreicht, an Talenten mitbekommen hat und dass man diese Dinge genauso wertschätzend anschaut und annimmt, wie die eigenen. Alles andere wäre mir zu egozentrisch und auf andere Art auch wieder einengend.

  • hallo zusammen,

    ein toller artikel :-)
    ich liebe solche praktischen übungen, die flott umzusetzen sind und nachhaltig wirken.
    hey, vielen dank für ihren beitrag, besonders bei diesem regnerischen sonntag :-)

    beste grüße, martin

  • Sehr interessant, der Artikel.

    Nachdem meine Mutter mir erzählte, dass ihre Mutter schon immer den Fokus auf den eigenen Mangel gerichtet hatte (“Nur bei uns ist es nicht aufgeräumt, …hat das Kind schlechte Noten, … ist Immer! einer krank etc. In anderen Familien ist alles perfekt.”), ist mir irgendwann mal aufgefallen, dass jede Betrachtungsweise eine Momentaufnahme ist.

    D.h., ob ich Leute auf der Strasse bewundere/beneide oder sie mich, hängt davon ab, ob gerade alle zufrieden sind und alles gut läuft.
    Schreit aber nur das Baby und alle sind gestresst oder man hat sich in der Eisdiele bekleckert, ändert sich das Blatt.

    Also, nichts ist immer so wie es aussieht:)

    Einen glücklichen Sonntag

    Nordika

  • Ein interessanter Beitrag, der aber eine typisch deutsche Perspektive auf den Neid zeigt. Ich lebe seit einigen Jahren im englischsprachigen Afrika (mit berufsbedingten Abstechern in die USA) und erlebe hier einen eher beflügelnden Typ Neid:
    Menschen sehen etwas im anderen und kämpfen um so mehr, um es auch zu erreichen.

    Das passende Bild wäre vermutlich: Zwei ebenbürtige Personen stehen sich gegenüber, der eine mit Krone, der andere nicht. Und das Gefühl, dass sich bei mir nach einigen Jahren in dieser Kultur auch langsam einstellt, ist nicht: “Mann, warum der und nicht ich?”, sondern eher: “Was müsste ich tun, um das auch zu haben.”

    Ein Perspektivenwechsel auf Neid – weg vom wehleidigen “Ich armer Tropf” hin zum “Was der kann, kann ich auch (versuchen)”.

  • Es gibt viel Neid unter den Menschen und je mehr Unterschiede bestehen, desto mehr Neid gib es.
    Hier hilft es z.B. anzuerkennen, dass die Menschen sehr unterschiedlich sind in ihren Fähigkeiten und Talenten, aber jeder hat welche. Und jeder Mensch ist gleich viel „wert“ im Sinne von wertvoll. Nur leider ist in dieser Geldgesellschaft ein schiefes Bild entstanden – man gilt als mehr wert, wenn man mehr hat. Wenn das Leben aber zuende ist, wird man wieder auf das reduziert, was uns wirklich ausmacht –und man trennt sich von allem Besitz und wird frei.
    Wenn bei mir einmal so ein Gefühl hochkommt, dann frage ich mich – willst Du dessen Leben so gelebt haben (wenn ich es denn kenne) ? Daraus folgt gleich – nein, ich übernehme für MEIN Leben die Verantwortung, alles was ich bin beruht auf meinen Entscheidungen.

  • Danke für diesen interessanten Beitrag.
    Ähnlich wie Elisa finde ich, dass das Gefühl “Neid” mich auch im positiven Sinn ins Handel bringen kann um etwas für mich zu erreichen.
    Für dieses kleinmachende destruktive Gefühl wähle ich das Wort “Missgunst”.

  • Moin alle miteinander,

    letztens bemerkte ich bei einem Telefongespräch mit einer Freundin, dass ich auch etwas neidisch wurde, weil sie sich mit Unterstützung ihrer Familie und Geschwister eine tolle Eigentumswohnung kaufen wird.

    Ich überlegte mir dann, warum bist Du jetzt neidisch?

    Und ich fand heraus. Ich beneide sie NICHT um die Eigentumswohnung, sondern dass Sie ein Ziel hat, auf das sie hin arbeiten kann und dabei sehr viel Unterstützung erfährt.

    Ich fand das sehr interessant!
    Mit diesem Neid kann ich erst mal leben denn es geht mir nicht um das Materielle.

    Schönen Sonntag!

  • Danke für diesen sehr interessanten Artikel! Die beiden Übungen werde ich am Wochenende mal ausprobieren.
    Ich empfinde oft Neid und habe lange gebraucht, mich diesem Gefühl in mir zu stellen. Vor allem ist es wie im Artikel beschrieben, ein Gefühl, dass mit Scham verknüpft ist. Ich kannte bisher nur die Strategie zu schauen, was im Neid an Wünschen verborgen ist. Es ist sehr spannend, mal aus einem anderen Blickwinkel darauf (und auf sich selbst) zu schauen.
    Auch sehr interessant die Schilderung der anfänglichen Reaktion der Klientin auf die Übung und was diese bedeuten kann!

    • Jan Crueger

      Liebe Janina,
      der erste Schritt ist tatsächlich, sich dem Thema überhaupt zu stellen. Ich bin gespannt, wie du die Übung erlebst. Übrigens ist sie natürlich gerade dann hilfreich, wenn einem der Neid “überkommt”. Und wenn man Sie wieder und wieder macht, gewinnt man eine andere Haltung oder Sichtweise und verfällt nicht mehr so leicht in den “Blick auf den Anderen”.

      Lieben Gruß

      Jan Crueger

  • Sehr schöner Artikel.
    Ich würde gerne zwei Sachen noch ergänzen: Versetzen Sie sich nicht nur in die “kleinere” Person, sondern auch einmal in die “beneidete” Person in dem Bild. Wie würde Sie sich fühlen? Denn wenn man selbst spürt, dass jemand anderes einen beneidet, bzw. für etwas bewundert, kann man sich auch sehr komisch vorkommen. Wenn man zum Beispiel denkt “so toll bin ich gar nicht”, “dafür kannst/bist/hast du xy” oder auch “es hat lange gedauert bis ich es geschafft habe”, und dann bedauert dass dieser scheinbare Graben dort ist.
    Daher kann es hilfreich zu sein nicht nur zu sagen “ich bin auch gut”, sondern auch “du bist ein Mensch wie jeder andere und würdest dich vielleicht freuen wenn ich nicht so schüchtern wäre”.

    Der zweite Gedanke ist, dass man Neid wunderbar “nutzen” kann. Wenn man es richtig angehen, kann er daher nicht nur destruktiv sein, sondern auch konstruktiv genutzt werden. Denn in der Regel ist man neidische, wenn man selbst etwas gerne hätte, der Neid zeigt und also etwas das wir wollen. Und wenn man diesen Wunsch ehrlich analysieren kann, kann einen des gefühl des Neides in die richtige Richtung weisen.

    • Jan Crueger

      Liebe Elisa,

      das sind zwei sehr interessante Anregungen!
      Gerade er erste Blickwechsel gefällt mir gut. In Freundschaften finde ich es auch fatal, wenn solch ein Ungleichgewicht existiert. Das mag man dann auch nicht als “Größerer” und es kann tatsächlich zu einem richtigem Graben werden.

      Die zweite Anregung, Neid zu nutzen, kann auch sehr hilfreich sein. Hier kommt es – glaube ich – dann darauf an, nachzuforschen, was man im Kern da beneidet, um dann seine eigene Variante davon zu realisieren. Eine einfache Kopie finde ich gefährlich.

      Vielen Dank!

      Jan Crueger

  • Ich bin sehr stolz auf mich was ich alles geschafft habe. Habe zwar keine Reichtümer aber ich habe es geschafft in sehr schwierigen Situationen meine Kinder groß zu bekommen und die eine vernüftige Ausbildung machen. Das ist mir mehr wert als Geld und Reichtümer. War bisher auch nicht neidisch auf andere. Ich gönne jedem das seine.

    • Jan Crueger

      Liebe Michaela,
      das freut mich! Ich glaube jeder, der das von sich sagen kann, wirkt ganz von allein auch positiv auf seine Umgebung.
      Lieben Gruß
      Jan Crueger

  • ‘Gesellschaftlich verpöntes Gefühl’ ist gut…. !
    Ist es nicht gerade die Gesellschaft, die ständig den Neid schürt?
    Millionäre im Reality-TV; Leute, die ohne irgendwelche erkennbaren Fähigkeiten Karriere machen, etc. etc.
    Reine Manipulation, wir sollen irgendwas konsumieren, darum geht es letztendlich. Je mehr, desto besser.

    Bei allem ‘Wollen’ sollte man sich in der Tat ab und zu vor Augen halten, wie unverschämt gut es uns geht, sicher, im weltweiten Vergleich. Wir gehören schliesslich zu den ganz Reichen.

    Und ausserdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass es niemals genug sein wird. Man könnte immer reicher, schöner, fitter, schlanker, klüger, erfolgreicher sein, und man wird immer Leute finden, an denen man sich dabei orientieren kann. Das wird auch der blauen Figur oben nicht anders gehen.

    Weniger ist für mich mittlerweile mehr, ich habe die Massenmanipulation gründlich satt.
    Ich habe alles (!!) was ich brauche und vieles von dem, was ich gerne haben will. Und das ist Luxus… oder etwa nicht? Macht er mich ‘glücklich’? …. Sollte er? Ich denke nicht.

    Man kann niemals alles haben. Und danach zu streben ist DIE Formel zum Unzufrieden sein.

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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