Denkfallen: Herdentrieb

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Auf dem Weg zu einem selbstbestimmten und gut gelebten Leben gibt es viele Stolperfallen. Die meisten dieser Stolperfallen existieren in unserem Kopf, deswegen nennt man sie auch oft Denkfallen. Eine dieser Denkfallen ist das Problem der „sozialen Bestätigung“, auch Herdentrieb genannt.

Inwiefern ist der uns allen innewohnende Herdentrieb ein Problem? Dazu muss ich etwas weiter ausholen.

Entscheidungen bestimmen unser Leben

Unser Leben wird maßgeblich durch die großen und kleinen Entscheidungen bestimmt, die wir treffen. Soll ich diesen oder jenen Beruf ergreifen? Soll ich diese Ausbildung machen oder nicht? Kinder bekommen oder nicht? Soll ich in diesen Verein eintreten? Soll ich mich ehrenamtlich betätigen oder nicht? Entscheidungen, Entscheidungen, Entscheidungen.

Wie treffen wir normalerweise unsere Entscheidungen? Sicher durch kluges Abwägen, oder? Leider meistens nicht. Die meisten unserer Entscheidungen treffen wir eher aus dem Bauch heraus. Und ein wichtiges Kriterium für Bauchentscheidungen ist oft: Was tun die anderen? Denn wenn es die anderen genauso machen, kann es nicht schlecht sein.

Wir folgen oft dem Herdentrieb

Auf der Suche nach einem Restaurant wählen wir oft das aus, das bereits gut besucht ist. Ein Lokal, das leer ist, erscheint uns eher verdächtig.

Oft ist diese Herangehensweise durchaus klug. Die Weisheit der Massen zu nutzen ist oft nützlich. Das sieht man bei „Wer wird Millionär?“ oft beim Publikumsjoker. Das Publikum liegt selten falsch, zumindest bei Wissensfragen.

Manchmal dagegen ist es keine gute Idee, es genauso zu machen wie alle anderen. Besonders dann, wenn es um begrenzte Ressourcen geht.

Die „Masse“ ist manchmal auch dumm

Wenn sich zum Beispiel 1.000 Menschen um eine begehrte Stelle bei einem Unternehmen bemühen. Wenn in einem Freundeskreis alle die eine begehrenswerteste Frau anschmachten. Oder wenn ich eine Aktie kaufen, nur weil alle anderen es auch tun, wie in der Vergangenheit bei der Telekom-Aktie geschehen. Oder wenn ich Lotto spiele, wo viele, viele Menschen einzahlen, aber nur ganz wenige gewinnen.

Etwas zu tun, weil es die anderen auch tun, kann klug sein. Es kann aber auch vollkommen verkehrt sein. Deswegen ist es wichtig, der Herde nur nach gründlichem Nachdenken und niemals automatisch zu folgen.

Handeln Sie anders als die anderen

Bei der Aktienanlage zum Beispiel sind diejenigen am erfolgreichsten, die antizyklisch handeln. Also die, die es genau anders machen als die anderen. Die die kaufen, wenn alle anderen verkaufen. Oder bei der Suche nach einem Arbeitsplatz: Wenn es viele andere Menschen gibt, die genau das Gleiche können wie ich, hilft es eher nicht, möglichst viele Bewerbungen zu schreiben. Will man hier seine Erfolgschancen steigern, muss man es anders machen als die anderen.

Bessere Fragen stellen

Wenn Sie also etwas erreichen wollen, dann fragen Sie sich lieber nicht:

„Was tun bzw. versuchen die anderen, um das zu erreichen, was ich erreichen will?“

Damit würden Sie sich nur wieder blind an der Masse orientieren.

Schauen Sie lieber auf die wenigen, die mit ihrem Tun erfolgreich sind. Schauen Sie lieber auf Menschen, die Ergebnisse erzielen. Fragen Sie also lieber:

„Wie haben es die geschafft, die bereits da sind, wo ich hin will? Was machen diese Menschen anders als ich? Wie haben diese Menschen ihrem Glück auf die Sprünge geholfen? Was haben diese Menschen konkret in welcher Reihenfolge getan?“

Lernen Sie also nicht von denen, die es nur versuchen. Sondern lernen Sie von denen, die erreicht haben, was Sie anstreben. Und haben Sie den Mut, manchmal gegen den Strom zu schwimmen und alles ganz anders zu machen als die breite Masse. Nicht aus Prinzip. Sondern dann, wenn es sinnvoll ist, weil sich die breite Masse Ihrer Meinung nach irrt. Und das passiert erstaunlich oft.

Das Streben nach Sicherheit

Es ist nur leider so unglaublich verführerisch, einfach das zu tun, was alle anderen machen. Natürlich gehe ich ins Büro, was soll ich denn sonst tun. Schließlich muss ich Geld verdienen. Selbst dann, wenn mich das unglücklich macht. Sachzwänge eben.

Wir sind aber gar nicht so oft das Opfer unserer Sachzwänge. Vielmehr fesseln wir uns selbst durch unseren Herdentrieb, unsere Einfallslosigkeit und unser Sicherheitsstreben.

Wer dem Herdentrieb folgt, muss nicht nachdenken, und es ist einigermaßen sicher. Wenn es so viele andere Menschen tun, ist es offensichtlich nicht gefährlich.

Aber soll Sicherheit die Maxime in meinem Leben sein?

Werde ich am Ende meines Lebens sagen:

„Mensch, ich bin sooo froh, dass ich immer auf Nummer sicher gegangen bin“?

Oder werde ich eher sagen:

„Ich bedauere, dass ich nie aus der Herde ausgebrochen bin. Ich bedauere, dass ich nicht mein eigenes Ding gemacht habe“?

Es ist oft sinnvoll, sich an anderen Menschen zu orientieren und zu tun und zu denken, was diese tun. Es ist dagegen nicht so klug, einfach blind das zu tun, was meine Freunde tun, was andere Menschen in meiner Situation tun oder was die breite Masse tut.

Unser Kopf verleitet uns aber dazu, erst einmal der Herde zu folgen. Ich erinnere mich an einen Cartoon, den ich als Kind mal gesehen habe.

Darauf war ein Kackhaufen zu sehen, der von Fliegen umschwärmt war. Und darunter stand: „Esst Scheiße, Millionen Fliegen können nicht irren.“

Dieses drastische Bild illustriert gut: Nur weil es alle anderen so machen, ist es nicht zwingend gut. Aber unser Kopf will uns das glauben machen. Herdentrieb eben.

Das ist eine Denkfalle, die man mit Bewusstheit und Achtsamkeit umgehen kann.

Oder wie der große amerikanische Verkaufstrainer Jim Rohn einmal gesagt hat:

„Wenn du erfolgreich sein willst, dann schau dir ganz genau an, was die anderen machen. Und dann tue genau das Gegenteil davon.“

Das ist natürlich kein Rat, den man immer befolgen sollte. Aber oft führt tatsächlich das Gegenteil von dem, was die Masse der Menschen tut, zum Erfolg.

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Kommentare

  • “Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muß man vor allem ein Schaf sein.” Albert Einstein
    Der Spruch ist deshalb so schön, weil Albert Einstein zur Erarbeitung seiner Relativitätstheorie viel seiner Intuition vertraute – wenn man so will, dann hat er auf seinen Bauch gehört.
    Doch er bemerkte einige Jahre später, dass er selbst Schwierigkeiten gehabt hätte, seiner eigenen Theorie zu glauben, wenn er selbst nur etwas älter gewesen wäre.
    Insofern ist jeder von uns irgendwo ein Schaf und in anderen Bereichen nicht – das ist reine Selbsterkenntnis.
    Dass wir Herdenverhalten zeigen, gibt uns ganz einfach viel Sicherheit im Alltag, denn diejenigen die gemeinsam in eine Richtung laufen, sind diesen Weg meist schon sehr oft gelaufen und wir sparen sehr viel Energie, nicht jeden Weg selbst ebnen zu müssen.
    Andererseits muss dass, was alle zu wissen scheinen oder glauben, nicht zwangsläufig stimmen.
    Im Übrigen verkennen wir, dass unser Bauchgefühl etwas ist, mit dem wir nicht auf die Welt kommen. Albert Einstein ist mit der Relativitätstheorie nicht geboren worden. Wir alle sind mit Begabungen gesegnet aber entwickeln müssen wir diese selbst. Damit wir aus dem Bauchgefühl eine wissenschaftliche Theorie entwickeln oder ein atemberaubendes Kunstwerk schaffen, müssen viele Jahre des Wirkens, des Übens und des Lernens vorausgehen.

    Wenn man lang genug ein tadelloses Mitglied einer Schafherde war, dann empfiehlt es sich, ein paar Schritte abseits zu gehen und sich anzusehen wohin die Herde läuft und zu fragen:
    Will ich da weiterhin mit dabei sein?

  • – In manchen Dingen bist du wie alle Anderen.
    – In manchen Dingen bist du wie viele Andere.
    – In manchen Dingen bist du wie kein Anderer.

    Wenn sich jemand wohl dabei fühlt, wie die meisten Menschen morgens zu seiner Arbeit zu gehen, dann soll er das doch weiter tun. Das hilft zumindest, die Rechnungen zu bezahlen, und einem viele (Existenz-) Sorgen zu ersparen. – Und Sorgen bereiten Stress, und kosten viel Lebensenergie. Vielleicht ist der tägliche Gang zur Arbeit die geringere Belastung.
    Schließlich “muss” niemand arbeiten. Wir arbeiten meistens, weil wir dafür eine Gegenleistung bekommen, nämlich Geld.
    Es “muss” auch niemand Geld haben. Aber wir wollen es, weil wir damit Dinge tun und kaufen können, die wir haben oder tun wollen.

    Oft fühlen wir uns “gezwungen”, wir sind es aber in Wirklichkeit nicht. Wir tun es aus freiem Willen, weil wir etwas Anderes wollen, das wir uns durch die “Zwangshandlung” ermöglichen können.
    Und manchmal gehört dazu auch einfach, mit dem Strom zu schwimmen, Regeln und Normen einzuhalten, die in unserer Kultur das Leben sicherer und einfacher machen.
    Individualismus ist vielleicht für Viele eine feine Sache, aber warum muss Normalität etwas Schlechtes sein? Warum soll man stets mit seinem Leben unzufrieden sein, nur weil man aus der Masse nicht heraussticht?
    Vielleicht brauchen wir nur eine andere Sicht auf die Dinge, nämlich, dass nicht nur ein Leben mit sehr viel Geld und einem hohen Bekanntheitsgrad ein erfolgreiches Leben ist, sondern manchmal auch eine ganz “spießige” Lebensführung mit einem guten Maß an Zufriedenheit mit sich, mit seinem Handeln und mit seiner Umwelt. Das kann auch ein erfolgreiches Leben sein, wenn man sich nicht etwas Anderes einreden lässt.
    Auch die Masse der “Zufriedenen” (ja, es gibt sie tatsächlich) ist eine Masse, an der ich mich orientieren kann. Egal ob berühmt, mit viel Geld, oder nicht berühmt mit soviel materiellem Besitz, dass man ohne Existenzsorgen leben kann.
    Man sollte sich nicht Individualismus und Abheben von der Masse als einzig erstrebenswertes Ziel einreden lassen, letztendlich sind wir schon alle individuell, ich kenne zumindest keine zwei Menschen, die absolut gleich sind und das Gleiche tun, ich habe auch noch keine zwei Wohnungen gesehen, die absolut gleich eingerichtet sind, und noch keine zwei Lebensgeschichten gehört, die sich genau gleichen.

    Vielleicht kann man auch einfach dazu stehen, zu sagen: “Ja, das mache ich genauso, wie die meisten anderen Menschen. Und ich bin damit zufrieden.”

    • Vicky Marx

      Liebe Katja, Du schreibst mir aus dem Herzen, denn ich denke und fühle wie Du. Wir sind alle Individuen und unterscheiden uns. Schauen, was die Ergfolgreichen machen, ist nicht der richtige Weg (sind diese Leute glücklicher, zufriedener, ausgeglichener?). Toleranz und Bescheidenheit bringt uns viel weiter in unserer Persönlichkeit. Nicht das Geld macht den Erfolgreichen aus. Das ist meine These dazu.

  • Man sieht nur mit dem Herzen gut.

  • Das Beispiel mit den Aktien (antizyklisch kaufen) ist eine typische Herdenmeinung (da hat der Autor einfach etwas von irgendwo, wahscheinlich sog. Profis übernommen. Die beste Aktieninvestition ist die, wenn man dann kauft, wenn man Geld dazu hat, unabhängig davon, wann andere kaufen oder egal wie das Marktumfeld ist. Gute Unternehmen werden nicht zu schlechten Unternehmen – auch wenn die Börse verrückt spielt oder die Kurse unten sind.

    • Werner

      Der Herdentrieb ist etwas, dem sowohl Laien als auch Profis an der Börse erliegen: “Investoren bekommen massenweise Anlagetipps von Banken, Anlegermagazinen und vor allem Internetseiten, d. h., zwangsläufig erinnert man sich an die letzte Anlageempfehlung und steigt bei dieser Aktie ein. Jedoch rückt eine Aktie wegen ihrer guten Kursentwicklung in den Blick der Öffentlichkeit, und nicht, weil sich das Geschäft des dahinter stehenden Unternehmens gut entwickelt hat. Es ist offensichtlich, dass viele Privatanleger und oft auch Profis, die es besser wissen müssten, sich schaden, wenn sie der Herde folgen. Auch wenn es kurzzeitig verlockend sein kann, der Herde oder dem Rat eines Anlagegurus zu folgen, schmälert ein solches Verhalten meist die Performance und führt dazu, dass man in Wertpapiere investiert, die gar nicht zu den Anlagezielen passen.”
      Quelle: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/SUCHT/Spekulation.shtml

  • Erfolgreiche Menschen fragen ist auch nicht gerade kreativ. Wie wär’s mit selber denken?
    Sprüche zu dem Thema gibt es genug:
    “Nur der tote Fisch schwimmt mit dem Strom.” oder
    “Frauen heiratet Frauen … Millionen Männer können nicht irren.” ;-)

  • Leider ist der Artikel ein wenig flach. In einen Satz konzentriert bedeutet er nichts anderes als “Manchmal ist es gut, was alle anderen machen, manchmal auch nicht.” Stimmt zwar, ist aber eine Binsenweisheit. Außerdem geht man nicht mit der Herde, um mit der Herde zu gehen, sondern weil man die “Herdenlösung” als einzige Variante unbewusst im Kopf abgespeichert hat. Hier müsste man meiner Meinung nach ansetzen und sich fragen, passt diese Vorgehenswewise wirklich zu mir? Wenn ja, dann darf es auch ruhig die Herdenlösung sein, wenn nein, dann muss ich auf die Suche gehen. Ach ja, und noch was: In der Praxis werde ich wohl kaum die Möglichkeit haben, erfolgreiche Menschen nach ihrem genauen Vorgehen zu fragen, dieser Tipp ist nicht umsetzbar.

    • Klaus Schlapper

      Ich muß Dir vollkommen recht geben. Ich habe den Artikel auch zu Ende gelesen und auf “irgendwas” gewartet. Leider umsonst. Ist eigentlich nichts neues was die Autoren da schreiben.

  • Ich persönlich kann da schon zustimmen. Man sollte nicht immer “blind” der Meinung bzw. dem Handeln der Anderen folgen. Man ist und bleibt ja noch ein Individuum und sollte daher individuell handeln. Das betrifft wahrlich nicht alle Bereiche im Leben, denn ein guter Rat oder nützliche Tipps von Freunden und Familie kann man durchaus vertrauen und in seine Überlegungen mit ein beziehen. Ich denke mal, was dabei wichtig ist, ist die Tatsache, dass wir selber erst einmal kritisch an die Dinge herangehen, sie also auch öfters mal hinterfragen und somit auch abwägen, ob die Entscheidung nun so oder lieber so besser wäre. Und dabei einmal die “Masse” außer acht lassen. Wenn man die gute Mitte findet, glaube ich schon, dass man damit gut fährt.

  • Ich dachte immer, die Entscheidungen ‘aus dem Bauch heraus’ seien die intiutiven, die Entscheidungen ‘höherer’, weil unbewusster, Intelligenz!?

    Es scheint mir eher so, dass Herdentrieb-Entscheidungen vom Kopf her genommen werden. Der Kopf verarbeitet die Information, dass ein Restaurant gut besucht ist und schliesst daraus, dass es dann wohl gut sein muss.
    Solche Überlegungen kommen bei mir nicht aus dem Bauch, denn der kann nicht überlegen…

    Sorry, aber das ist gegen alles, was ich bisher gelernt und erfahren habe über Kopf- und Bauchentscheidungen.

    • irene

      hallo nicole, ich weiß, was der Autor gemeint hat, leider ist jedoch die wortwahl von “bauch- oder kopfentscheidungen” nicht glücklich gewählt. ich bin persönlichkeitscoach und arbeite mit dem myers briggs typenindikator (persönlichkeitsanalyse) und laut laut c.g. jung gibt es nunmal menschen, die eher mit dem kopf oder eher mit dem bauch entscheiden und das ist auch gut so, dass diese menschen sich dann jeweils weiterhin auf ihr “entscheidungsintstrument” verlassen und darauf vertrauen.

    • Nicole

      Danke Irene, für deine Erklärung.
      Na ja, über eines sind wir wohl alle einig: Der Herde zu folgen, ohne selber nachzudenken, ist selten gut.
      :-)

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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