Der Schlüssel zu einem aktiven Leben: Eigenverantwortung übernehmen!

Um ein selbstbestimmtes und bewusstes Leben führen zu können, gilt es vor allem zu erkennen, dass nur Sie selbst für Ihr Leben verantwortlich sind.

Der Aufruf zur Eigenverantwortung provoziert

Eigenverantwortung anzunehmen bedeutet z.B.:

Sie sind dafür verantwortlich, dass

  • es Ihnen gut geht.
  • Sie Ihre Ziele und Wünsche erreichen.
  • Sie ein erfülltes glückliches Leben zu führen.

Tatsächlich aber machen wir unser Wohlbefinden oft abhängig von anderen Menschen, von den Umständen oder vom Schicksal. Unser Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen, ist deshalb nicht leicht. Wir sind es zu sehr gewohnt, uns gegenseitig Verantwortungen zuzuschieben und fühlen uns deshalb vielleicht bei solchen Aussagen provoziert.

Widerstände, Abwehr und Angst sind ganz natürlich

Die Aussage, dass jeder für sein Leben, für sein Wohlbefinden, sein Glück und seine Erfolge selbst verantwortlich ist, löst bei vielen Menschen Widerstände oder Angst aus. Wie geht es Ihnen damit? Rumort es in Ihrem Bauch? Möchten Sie widersprechen? Fühlen Sie sich überfordert oder unter Druck gesetzt?

Die Konsequenzen eines eigenverantwortlichen Lebens machen vielen Menschen Angst

Vielen von uns bereiten solche Gedanken Unbehagen. Das Gewicht der Eigenverantwortung wiegt auf unseren Schultern und wir setzen uns selbst unter Druck, fühlen uns vielleicht als Versager, wenn wir nicht so erfolgreich sind in Hinblick auf Erfüllung und Zufriedenheit. Vielleicht haben wir das Gefühl, bisher “alles falsch gemacht zu haben”. Vielleicht sagen Sie sich ja auch, dass es schon zu spät sei, um noch etwas zu ändern? Mit solchen Aussagen nehmen Sie sich selbst die Möglichkeit, tatsächlich etwas zu tun und zu erreichen. Es ist nie zu spät, etwas zu verändern. Sie können jederzeit damit beginnen, Ihr Leben aktiver und eigenverantwortlicher zu leben. Sie müssen es nur wollen.

Eigenverantwortung heißt: mit der Erfahrung aus dem Gestern heute leben und nach vorne schauen

Vielen von uns wurden Wunden zugefügt. Wir sind verletzt worden, enttäuscht, vielleicht betrogen. Viele von uns haben eine schlimme Kindheit erlebt oder wir hatten andere ungünstige Startbedingungen. All das hat zu bestimmten Einstellungen und Glaubenssätzen geführt, die wir für uns übernommen haben. Der Blick zurück ist wichtig, um solche Muster zu erkennen und herauszufinden, warum Sie sind wie Sie sind. Erlauben Sie es sich, Mitleid mit sich zu haben, wenn es Ihnen schlecht ergangen ist. All das ist wichtig und vollkommen in Ordnung. Aber ab einem bestimmten Punkt, geht es darum, heute zu leben. Heute für sich selbst zu sorgen, damit es Ihnen morgen gut geht.

Es liegt heute in Ihrer Hand, eigenverantwortlich für sich zu sorgen

Auch wenn wir als Kinder vielleicht unseren Eltern ausgeliefert waren: heute sind wir erwachsen und es liegt in unserer Hand, von nun an für uns selbst zu sorgen. Im Normalfall wird Ihnen das auch niemand abnehmen. Wir müssen selbst dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass wir glücklich und zufrieden sind, und dass wir erreichen, was uns wichtig ist.

Ein eigenverantwortliches Leben ist ein großes Ziel

Es ist manchmal hart, für unser Leben selbst die Verantwortung zu übernehmen. Dann können wir uns schnell als Versager fühlen, weil wir es z.B. “einfach nicht schaffen, glücklicher zu sein”. Ein erfülltes Leben zu leben, ist ein großes Ziel. Sie haben sich viel vorgenommen, wenn Sie glücklich und zufrieden sein wollen. Deshalb sehen Sie sich Fehler und Rückschläge nach. Es geht immer wieder auch mal runter. In manchen Phasen gehen wir vielleicht drei Schritte vor und zwei wieder zurück. Aber auch so kommen Sie voran! Geben Sie sich genügend Zeit und nehmen Sie sich Ruhepausen.

Eigenverantwortung heißt auch, gut für sich zu sorgen.

Gute Entscheidung = Gutes Leben

Eine gute Entscheidung ist eine Wahl, die du hinterher nicht bereuen musst. Mit Herz und Verstand. Systematisch. Alles Wichtige berücksichtigen. Deine Entscheidung in 7 Tagen.

“Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.”

M. Kathleen Casey

Viele von uns sehen sich selbst als Opfer. So sind es die Umstände, das Schicksal oder andere Menschen, die uns übel mitspielen. Wir verlieren Geld, unseren Job oder Freunde, wir werden krank oder arm und andere bringen uns dazu, etwas zu tun oder zu sein, obwohl wir das eigentlich nicht wollen. Wir werden verlassen und sind unglücklich und “können gar nichts dafür”. Das Gefühl Opfer zu sein, ist vielen von uns nur zu gut vertraut. Dabei haben wir es fast immer selbst in der Hand, ob wir leiden wollen oder nicht, auch wenn diese Behauptung manche von uns vielleicht zunächst verärgern mag.

Ein wirklich eigenverantwortliches Leben ist nicht leicht

Tatsächlich ist die Einsicht der Eigenverantwortung in diesem Bereich mit einer gewissen Härte verbunden: Durch eine solche Sicht der Dinge verlieren wir unsere vielen kleinen und großen Entschuldigungen für alles Mögliche . Z.B. dafür, Dinge nicht geschafft zu haben (“Daran waren die Kinder schuld.”), Geld oder einen Job verloren zu haben (“Ich habe mir solche Mühe gegeben und kann gar nichts dafür”), unglücklich und einsam zu sein (“Ich bin verlassen worden und weiß gar nicht warum.”) usw.

Opfer geben Macht ab

Machen Sie sich einmal klar, wieviel Macht wir anderen Menschen über uns in die Hand geben, wenn wir uns ihnen als Opfer ausliefern:

  • Die Frau im Supermarkt kann Ihnen mit einer dummen Bemerkung den ganzen Tag vermiesen.
  • Der pampige Schalterbeamte löst bei Ihnen Sodbrennen und Magendruck aus. Aus Ärger über den Taxifahrer streiten Sie sich mit Ihrem Lebenspartner.
  • Weil Ihre Eltern früher etwas falsch gemacht haben, leiden Sie nun den Rest Ihres Lebens.
  • Weil Ihr Lebenspartner Sie enttäuscht hat, können Sie nun niemanden mehr vertrauen und bleiben allein.
  • usw.

Wer hat Macht über Sie?

Tipp

Denken Sie doch einmal in verschiedensten Situationen darüber nach, ob es sich wirklich lohnt, sich z.B. aufzuregen oder schlecht zu fühlen. Vielen Menschen hilft es, wenn sie sich im Vorfeld überlegen, wie sie sich in diesen Situationen das nächste Mal anders verhalten wollen. Schreiben Sie sich das vielleicht auf.

Überlegen Sie doch einmal, wem in Ihrem Leben Sie alles Macht über sich geben und fragen Sie sich, ob Sie das eigentlich wirklich wollen. Wenn nicht, dann geben Sie anderen Menschen

weniger Macht über sich und Ihre Gefühle: Kein Mensch kann dafür sorgen, dass Sie sich schlecht fühlen, wenn Sie es ihm nicht erlauben.

Sie selbst lassen Ihr Leiden zu

Machen Sie sich klar, dass Sie Ihr Leiden selbst zulassen. So hart das klingen mag, aber Sie selbst entscheiden z.B., dass ein wildfremder Mensch Ihnen so wichtig ist, dass Sie Zeit und Energie verbrauchen und im schlimmsten Fall sogar Ihre Gesundheit gefährden, um sich über ihn oder sie zu ärgern. Sie können stundenlang über die Verkäuferin oder den Beamten schimpfen, können sich als Opfer fühlen und leiden, aber Sie ändern damit überhaupt nichts und Sie fügen sich damit selbst Leid zu.

Übung

Schreiben Sie für sich selbst eine Liste der Dinge oder Situationen unter denen Sie regelmäßig leiden. Schreiben Sie auf,

  • worüber Sie sich ärgern,
  • wer Sie ärgert
  • was Sie ärgert,
  • wodurch Sie sich schlecht fühlen,
  • worunter Sie leiden

Und dann überlegen Sie einmal, was Sie ganz konkret tun können, um etwas zu ändern. Vielleicht können Sie bestimmte Situationen vermeiden, oder ein klärendes Gespräch führen. Vielleicht können Sie auch etwas an Ihrer Einstellung verändern, so dass Sie sich nicht jedes Mal wieder über dieselben Dinge ärgern müssen. Fragen Sie vielleicht auch andere Menschen um Rat, wie Sie die Dinge, die Sie stören in Zukunft anders gestalten können.

Auch “nichts zu tun” ist eine Entscheidung

Tipp

Denken Sie einmal darüber nach, in welchen Bereichen Ihres Lebens Sie sich dafür entscheiden, nichts zu tun und damit Macht über Ihr Leben abgeben. Sind Sie mit diesen Situationen zufrieden?

Jeder von uns trifft täglich, stündlich, ja minütlich Entscheidungen. Entscheidungen für oder gegen etwas. Auch nichts zu tun ist eine Entscheidung. So ist es Ihre persönliche Entscheidung, wenn Sie sich z.B.  nicht wehren, obwohl Sie übergangen werden. Es ist auch Ihre Entscheidung, sich nicht um einen neuen Job zu bemühen, obwohl Sie in Ihrem alten Job unglücklich sind. Und es ist IhreEntscheidung, nichts in Ihrem Leben zu verändern, obwohl Sie vielleicht unzufrieden sind.

Wir jammern alle mal ganz gerne, nicht wahr? Darüber, wie teuer alles geworden ist, wie schlimm die wirtschaftliche Situation ist, wie hoch die Kriminalitätsrate steigt, über das schlechte Wetter (zu kalt, zu heiß, zu nass oder zu trocken), über die zu hohen Steuern und Benzinpreise, über die Politik, die Unfreundlichkeit der Leute, darüber wie ungerecht doch das Leben ist usw. usw… – Manchmal ist es tatsächlich ganz nett, sich einmal so richtig über alles Mögliche auslassen zu können.

Auch jammern kostet Energie

Wenn Sie aber das nächste Mal beim Jammern sind, sollten Sie einmal folgendes beachten: Auch jammern kostet Kraft und Energie. Zunächst einmal müssen Sie dafür auf alles Schlechte und Negative in Ihrer Umgebung schauen, denn über tolle Sachen jammert es sich nicht so gut. Und außerdem werden Gefühle in uns wach, wie z.B. Enttäuschung, Frust, Wut, Ärger oder ähnliches. Auch das kostet Kraft!

Wer sich bewusst entscheidet, braucht weniger zu jammern

Wenn wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns gleichzeitig gegen etwas. Das heißt einerseits, dass wir nie alles haben können und andererseits, dass wir Kompromisse eingehen müssen, um etwas anderes zu bekommen. Ein Beispiel dazu: Wenn Sie arbeiten gehen, können Sie nicht zu Hause faulenzen. Sie entscheiden sich aber für die Arbeit, weil Sie das Geld brauchen. Damit treffen Sie die Entscheidung, arbeiten zu gehen. Sie könnten sich durchaus auch dafür entscheiden, zu kündigen – dann aber hätten Sie weniger Geld. Egal wie Sie sich entscheiden – je bewusster Sie Ihre Entscheidung fällen, desto weniger ungerecht dürfte Ihnen eigentlich das Ergebnis vorkommen, denn die möglichen Alternativen schienen Ihnen ja schlechter.

Übung

Wenn immer Sie mit einer Situation unzufrieden sind, können Sie sich folgendes fragen:

  • Was genau stört mich?
  • Was kann ich in dieser Situation verändern?
  • Was kann ich anders machen?
  • Was sind meine Alternativen?

Nehmen Sie sich einen kleinen Zettel und schreiben Sie sich diese Fragen auf. Stecken Sie den Zettel in Ihre Brieftasche und tragen Sie ihn immer bei sich. Immer wenn Sie mit einer Situation unzufriedens sind, schauen Sie auf diesen Zettel und beantworten sich diese Fragen. Dann können Sie sehr schnell erkennen, wo es sich lohnt, Energie zu verwenden und wo nicht.

Ihre Entscheidungen bestimmen Ihr Leben

Es sind Ihre persönlichen Entscheidungen, die dazu führen, dass Sie etwas bekommen oder erreichen und dafür auf etwas anderes verzichten müssen. Das macht es so bedeutend, dass Sie Ihre Entscheidungen ganz bewusst treffen und nicht dem Zufall überlassen. Wenn Sie sich öfter einmal klarmachen, dass bestimmte, manchmal vielleicht unangenehme oder störende Aspekte in Ihrem Leben die Ursache in einer Ihrer persönlichen Entscheidungen haben, brauchen Sie im Grunde kaum zu jammern. Sie wissen dann z.B. ja, dass Sie arbeiten gehen wollen, um Geld zu haben. Und dann gilt es eben entweder die Folgen der Entscheidung in Kauf zu nehmen, oder eine neue Entscheidung zu treffen, sich z.B. um eine neue Arbeitsstelle zu bemühen.

Bei falschen Entscheidungen nicht jammern, sondern entsprechende Konsequenzen ziehen

Hin und wieder kann es passieren, dass wir uns falsch entscheiden. So haben wir z.B. vorschnell einen Job angenommen oder gekündigt, im Ärger eine Freundschaft beendet oder unüberlegt einen Kredit aufgenommen. In solchen Fällen möchten wir alle jammern. Das ist menschlich. Jammern Sie ruhig ein bisschen .

Dann aber hören Sie auf damit, und überlegen Sie, welche Konsequenzen Sie nun noch ziehen können. Sie können sich z.B. entscheiden, dass Sie das nächste Mal besser nachdenken, der Bank können Sie das Geld vielleicht wieder zurückgeben und sich bei Ihrer Freundin entschuldigen. Nicht immer können wir ungünstige Entscheidungen wieder ins Lot bringen. Manchmal können wir einfach nur aus ihnen für die Zukunft lernen. Die Gefahr, sich einmal falsch zu entscheiden, sollte für Sie aber keine Entschuldigung dafür sein, die Entscheidungen lieber anderen zu überlassen. Es ist Ihr Leben und zu Ihrem Leben gehört es auch, Fehler zu machen.

Verschüttete Milch

Dale Carnegie schreibt in einem seiner Bücher: “Weine nicht über verschüttete Milch”. Mit diesem kleinen Satz ist gemeint, dass wir uns oft viel zu lange den Kopf über Dinge zerbrechen, die schon längst vorbei sind. Dann hadern wir mit Ereignissen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind oder jammern über Verlorenes. Es ist natürlich nachvollziehbar und tiefmenschlich, wenn wir unserer Enttäuschung oder Wut mit Tränen Ausdruck verleihen. Das ist an dieser Stelle auch nicht der Punkt. Weinen Sie ruhig einen Moment über die verschüttete Milch. Dann aber sollten Sie die Scherben einsammeln und die Milch fortwischen. Sie können an dieser Stelle nichts mehr tun. Vielleicht können Sie daraus etwas für die Zukunft lernen. Vielleicht auch nicht. Wir verschütten in unserem Leben eine Menge Milch. Und wir könnten sehr, sehr lange darüber weinen. Tun Sie das nicht. Schauen Sie lieber nach vorne.

Auszeiten zum Jammern sind erlaubt

Natürlich haben wir alle diese Momente, in denen wir einfach nur “richtig schön destruktiv” sein wollen. Das ist absolut OK. Heulen Sie sich dann einfach bei einem guten Freund oder einer vertrauten Freundin aus oder weinen und schlagen Sie in Ihr Kopfkissen. Dann aber sollten Sie wieder aktiv werden, sonst kommen Sie nicht weiter. Entscheidend ist, dass Sie sich im Durchschnitt zu einem größeren Teil auf Lösungen und zu einem geringeren Teil auf die Probleme konzentrieren

Packen Sie es an

Wenn es einiges in Ihrem Leben gibt, über das Sie jammern möchten, dann ist es vielleicht an der Zeit, einmal herauszufinden, was Sie ändern wollen und können. Klarheit über das, was wir wollen, ist meist eine große Erleichterung, weil wir so eine Perspektive haben, mit der wir aus der oft lähmenden Leidenshaltung herauskommen können.

Übung

Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und zeichnen Sie eine Tabelle mit drei Spalten. Nun schreiben Sie in die erste Spalte einmal alle Dinge auf, über die Sie jammern möchten. In die zweite Spalte schreiben Sie dann alle guten Gründe auf, warum Sie die jeweilige Sache auf jeden Fall ändern sollten. In die dritte Spalte schreiben Sie hingegen alle guten Gründe auf, warum Sie die Sachen auf keinen Fall ändern sollten.

In bestimmen Bereichen werden Sie vielleicht gleich gute Gründe für und gegen eine Veränderung finden.  Hier müssen Sie im Einzelfall ganz für sich persönlich abwägen, ob die Nachteile aus der aktuellen Situation oder Ihre Gründe gegen eine Veränderung schwerer wiegen. Überprüfen Sie genau, was es für Sie bedeutet, die jeweilige Situation unverändert zu lassen und was es bedeuten könnte, sie anzugehen. Alles was Sie nicht ändern wollen, sollten Sie annehmen lernen. Alle Bereiche, für die Sie gute Gründe gefunden haben, sie zu verändern, können Sie zu Ihren nächsten  Zielen machen.

Vielen von uns fällt es leichter, anderen Menschen die Schuld für einen Streit, ein Problem oder einen gemachten Fehler zu geben, als unseren eigenen Anteil zu suchen.

Schuld ist immer der andere?

So sagen wir z.B., dass wir ja durchaus zu diesem oder jenem bereit wären, aber das die oder jene Person “uns das unmöglich macht”. Oder wir beschuldigen andere Menschen uns unglücklich, wütend oder krank zu machen. Oder das Wetter ist schuld, die Politiker, die Wirtschaft oder was auch immer.

Auf den ersten Blick entlasten uns Schuldzuweisungen zwar, aber tatsächlich geben wir dadurch Macht ab

Wenn wir anderen die Schuld zuschieben, fühlen wir uns zunächst entlastet, weil wir dann nicht über unseren eigenen Anteil an der Situation nachdenken müssen. Gleichzeitig überlassen wir damit aber anderen Menschen eine ganze Menge Macht über uns, denn wir selbst sind durch dieses Verhalten passiv und nicht in der Lage, an der jeweiligen Situation etwas zu verändern.

Dabei sind wir selbst niemals vollkommen schuldlos

Tatsache ist, dass wir immer auch selbst “schuld” sind, wenn dieses Wort überhaupt verwendet werden soll. Wir haben immer einen Anteil, auch wenn wir z.B. gar nichts tun. Denn auch nichts zu tun ist eine Entscheidung, die wir fällen. Eigenverantwortung heißt anzunehmen, dass wir immer auch irgendwie beteiligt sind, bei allem was mit uns geschieht.

Probleme beginnen nicht erst dann, wenn das Problem offensichtlich wird

Tipp

Denken Sie einmal an einige Situationen, in denen Sie das Gefühl hatten, dass andere schuld an dem waren, was geschehen ist. Schreiben Sie diese Situationen auf. Und dann versuchen Sie einmal mit einem möglichst objektiven Blick von außen auf die jeweilige Situation zu schauen: Rufen Sie sich das Erlebnis vor Ihrem geistigen Auge zurück und betrachten Sie die beteiligten Personen und sich selbst als wären Sie ein neutraler Betrachter. Finden Sie heraus, was Sie selbst anders hätten tun können, um die Situation zu einem positiven Verlauf zu bringen.

Ob wir nun übergangen werden, jemand sich mit uns streitet oder wir verlassen werden. Mindestens lassen wir es zu, dass andere etwas mit uns tun. Meist aber haben wir selbst auch aktiv etwas zur jeweiligen Problemsituation beigetragen. So mögen Sie zwar z.B. von Ihrem Lebenspartner verlassen worden sein, aber Sie haben im Vorfeld entweder aktiv dazu beigetragen, dass Sie sich beide entfremdet haben oder Sie haben es zumindest versäumt, an der Partnerschaft zu arbeiten. Wenn Sie gekündigt werden, tun Sie dies zwar nicht selbst, aber Sie haben vielleicht nicht genug Engagement gezeigt oder Sie haben es versäumt, zu registrieren, dass in Ihrer Firma Arbeitsplätze abgebaut werden, so dass Sie sich nicht rechtzeitig um etwas Neues gekümmert haben.

Wer hat “Schuld” im Streit?

Zu einem Streit, zu einem Konflikt oder zu einer Auseinandersetzung gehören immer zwei Menschen. Einer allein kann nicht streiten. Wenn Sie nicht streiten wollen, müssen Sie es nicht tun. Sie können selbst sachlich bleiben, zuhören, verständnisvoll sein, Sie können aber genauso gut das Gespräch abbrechen, den Raum verlassen und den Kontakt abbrechen. Sie können sich aber natürlich auch provozieren lassen und selbst unsachlich werden. Es geht hier nicht darum zu sagen, welches die beste Lösung wäre, sondern nur darum, herauszustellen, dass Sie Wahlmöglichkeiten und damit auch einen eigenen Anteil an der jeweiligen Situation haben.

Nutzen Sie Ihren Handlungsspielraum

Oft denken wir, dass wir nur auf eine bestimmte Art und Weise reagieren können. Tatsächlich aber haben Sie in den meisten Situationen viele verschiedene Möglichkeiten, zu reagieren. Das heißt, Sie haben einen enormen Handlungsspielraum, den Sie nutzen können. Sie müssen sich z.B. nicht über eine andere Person ärgern und Sie müssen sich nicht schlecht fühlen, weil Sie von einer anderen Person kritisiert worden sind. Und Sie müssen sich auch nicht alles von Ihrem Chef bieten lassen. Übernehmen Sie Verantwortung für sich und Ihre Lage, suchen Sie nach Alternativen und gestalten Sie aktiv die jeweilige Situation.

Übung

Überlegen Sie einmal, in welchen Situationen Sie  das Gefühl haben, Sie können gar nicht anders reagieren, als Sie es bereits tun. Dann versuchen Sie, andere Verhaltensweisen zu finden. Stellen Sie sich z.B. vor, wie Ihr Freund, Ihre Partnerin, Ihre Mutter, Ihr Chef, ein berühmter Politiker oder ein Sportler reagieren würden. Versetzen Sie sich in die Lage eines anderen Menschen und betrachten Sie die jeweilige Situation aus diesen Augen – fallen Ihnen andere Lösungen ein? Sie können auch einfach einmal andere Menschen fragen, was sie tun würden. Hören Sie aufmerksam zu und bewerten Sie das, was Sie hören nicht gleich mit “Das geht sowieso nicht.” Vielleicht sind ja doch ein paar gute Ansätze dabei.

Immer bei sich selbst beginnen

Die Forderung, immer zunächst bei sich selbst zu beginnen, mag Ihnen vielleicht hart vorkommen. Denken Sie mal einen Moment darüber nach: Wer sagt Ihnen denn, dass Sie sich über den Schalterbeamten bei der Post ärgern müssen? Wer bringt Sie dazu? Sie sind es, der sich ärgert. Was würde z.B. geschehen, wenn Sie statt dessen ruhig, freundlich und gelassen bleiben würden?

Literatur zum Thema:

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Kommentare

  • Dieser Beitrag erinnert mich sehr an die “Volksweisheit”, die ich lieber als Volksdummheit bezeichne: Einer allein kann nicht streiten.
    Das ist die typische Argumentation, die den Verantwortungsbewussten noch stärker unter Druck setzt und den anderen endgültig von jeglicher Verantwortung befreit.
    Das ist die Zauberformel für faule Eltern, Erzieher und Lehrer.
    “Es kann der Frömmste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.” (Friedrich Schiller, Wilhelm Tell)
    Sehr oft ist das die Realität, und in so einer Situation ist die “Volksweisheit” ein Verbrechen.

  • An sich stimme ich Ihrem Artikel zu, nur beim Punkt sich nicht mehr zu ärgern bin ich nicht Ihrer Meinung. Ich denke nicht, dass es sinnvoll ist, seine Gefühle so weit zu kontrollieren, dass man sich nicht mehr ärgert. Denn ich denke, man hat Grund sich zu ärgern.
    Wenn einen andere Menschen schlecht behandeln, ist es sicher gut sich zu überlegen, wie man der Situation begegnen könnte um sich davon nicht den Tag vermiesen zu lasssen, aber ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn ein Mensch dem schon fast gleichgültig gegenübertritt oder sich versucht, dazu zu bringen immer suverän und ausgeglichen zu sein. Ich denke, man verbiegt sich damit selbst und setzt Masken auf. Am Ende kommen die unterdrückten Gefühle zum Vorschein. Nur in einer anderen Form und wahrscheinlich nicht mehr zuordnenbar, was die Sache sehr viel schwerer macht.
    Ich denke, es ist besser sich zu ärgern und dabei aber zu wissen, okay, ich bin frei zu reagieren und wenn ich meinem Ärger jetzt Luft machen will, dann ist das in Ordnung und berechtigt. Das macht es, denke ich, auch dem Gegenüber leichter, damit umzugehen.
    Ich bin immer iritiert von Menschen, die grade unfair behandelt wurden und dann einfach lächeln. Anstatt klar zu sagen, dass sie etwas verletzt hat und das sie das nicht in Ordung finden. Man ist da, denke ich, schnell versucht, Dinge einfach zu ignorieren und wegzulächeln.
    Wahrscheinlich war das gar nicht das, was Sie gemeint haben, aber ich hatte das Gefühl der Artikel ging in die Richtung und da wollte ich das los werden :-)

  • Mir gefällt der Artikel sehr gut, weil er zusammemnfasst, was man eigentlich weiß, wenn man sich mit persönlicher Weiterentwicklung befasst, aber im Alltag leider immer wieder missachtet. Jedenfalls geht es mir so.
    Klar weiß ich, dass ich mich über den unfreundlichen Verkäufer oder den rücksichtslosen Autofahrer nicht ärgern muss, wenn ich es nicht will, nicht zulasse. Aber meine Reaktion ist häufig in Bruchteilen von Sekunden da, mein Denken folgt erst hinterher. Zumindest gelingt es mir immer häufiger, dann schnell wieder “auf seelisches Normalmaß” zu kommen. Ich arbeitere daran … :)
    Schwierig finde ich es allerdings, wenn man bei Freunden, Bekannten sieht, dass es ihnen offensichtlich deswegen schlecht geht, weil sie die Umstände und andere Menschen verantwortlich machen für ihre Situation. Hier bin ich immer unsicher, inwieweit man da was zu diesem Thema sagen soll? Einerseits möchte ich nicht bevormunden, zu nahe treten, andererseits will ich helfen, damit es ihnen besser geht. Für mich immer wieder eine schwierige Situation …

  • Hallo zusammen! Dieser Beitrag erinnert mich an eine Zeit in der ich bemüht und recht erfolgreich mit und nach einem Spruch leben konnte: “Aller Schmerz den Du erfährst, ist selbst erschaffen, Widerstand gegen den Fluss”. Wenn es gelingt, so vollständig wie möglich in sich selbst zu ruhen und zum eigenen sein und Handeln ja zu sagen, dann fällt Eigenverantwortung leicht. Oft ist das jedoch anders. Mein Streitpunkt in Sachen Eigenverantwortung sind (geistige, seelische) Krankheiten. Hier fühle ich mich persönlich provoziert: Sind sie zufällig oder ist man, weil man das falsche denkt, die nicht der Mehrheit entsprechende Wahrnehmung hat, selbst daran Schuld? Fasse ich in diesem Punkt die Eigenverantwortung zu weit? Vermutlich liegt es in der Art und Weise wie ich als Individuum damit umgehe und mir immerwieder vor Augen halte, das alles veränderbar ist. Von Möglichkeit zu Möglichkeit freundlich, offen und liebevoll auf mich, die Situation und die anderen Beteiligten schauen, möglichst objektiv bleiben, erkennen was ist und was gerade fehlt und gebraucht wird. Und auch akzeptieren, das es Situationen gibt, in denen ich nicht in der Lage bin, zu ersetzen, einzuspringen, zu geben oder; was oft passiert, Kontakt und Gespräch herzustellen, ohne darüber Schmerz und Trauer zu empfinden. Im Augenblick wünsche ich mir jedenfalls, das mein Maß an Selbstverantwortung gut zu mir und meinem Leben past.

    • Anne schreibt am 3. Juni 2011

      Das mit den geistigen und seelischen Erkrankungen ist ein guter Punkt.

      Ich bin der Ansicht das hier das Modell Selbstverantwortung in der Akuten Phase nicht greifen kann. Später ist es gut, sich damit auseinanderzusetzen, aber zunächst sollte man diese Menschen dort abholen, wo sie sind.

      Wer sagt, ein Mensch, der beispielsweise eine Depression hat, solle bei sich selbst schauen und/oder sei selbst schuld an der Situation (durch die Blume: man kann, wenn man will), der weiß einfach nicht, was eine Depression ist und stößt bei solchen Situationen wohl auch an die Grenzen der eigenen Empathie und Fähigkeit, sich in andere Menschen Hineinzuversetzen.

      Bis es dazu kommt, kann man allerdings viel tun. Ein mit Leid und Seele selbstverantwortlich gelebtes Leben mit einem hohen Maß an diesem “In sich selbst Ruhen”-Faktor ;) kann meiner Ansicht nach größere Krisen im Leben weniger schlimm oder besser bewältigbar erscheinen lassen.

      Ich denke, hier sollte man immer auch von sich und seinen Lebensumständen ausgehen und keinesfalls glauben, dass andere hier ähnlich zu denken und zu handeln haben.

      Ein Mensch mit schweren Schicksalsschlägen (Krebserkrankung/ Tod eines Nahestehenden) wird wohl ebenfalls erst langsam lernen müssen, mit diesen Schocks umzugehen.

      Insgesamt aber ein sehr hilfreicher Artikel =).

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