Der Weg zu mehr Selbstbestimmung

Neulich habe ich ja darüber geschrieben, dass Selbstbestimmung eine ganz wichtige Geschichte für uns Menschen ist.

Denn ich will selbst entscheiden können, sogar wenn es anderen manchmal unvernünftig erscheint. Es ist schließlich mein Leben.

Andere müssen mich nicht verstehen. Sie sollen mich nur machen lassen, wie ich will.

Tatsächlich haben wir hier im deutschsprachigen Raum ein großes Maß an Selbstbestimmung. Wir leben in einer Demokratie und können so unendlich viel selbst entscheiden.

Wir können uns aussuchen, wie wir unsere Zeit verbringen.

Wir können uns aussuchen, mit wem wir unsere Zeit verbringen.

Wir können uns eigene Ziele setzen und diese verfolgen.

Wir dürfen so viele Kinder in die Welt setzen, wie wir möchten.

Wir können umziehen, wenn uns unser Wohnort nicht mehr gefällt.

Das Internet ist eine unfassbar ergiebige Quelle, um mich beruflich weiter zu qualifizieren. Viele Angebote sind sogar kostenlos.

Wir haben die Freiheit, uns richtig anzustrengen und etwas zu leisten oder das Leben eher entspannt anzugehen.

Wir können unseren Partner verlassen, wenn wir ihn nicht mehr leiden können.

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Wir können unseren Job kündigen, wenn wir ihn nicht mehr aushalten oder einen besseren finden.

Wir dürfen unseren Lebensunterhalt auf die Art verdienen, die zu unseren Wünschen und Bedürfnissen passt.

Wir können die Medien, die wir konsumieren, selbst wählen. Es gibt eine große Auswahl an Informationsquellen, also nicht nur eine gleichgeschaltete Berichterstattung. Insbesondere durch alternative Angebote im Internet.

Und wenn uns nicht gefällt, was in der Gesellschaft passiert, können wir eine Partei gründen und versuchen, die Gesellschaft zu verändern.

Wir können so viel selbst entscheiden und bestimmen, dass es schon beinahe überfordernd ist.


Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

– Benjamin Franklin


Vielleicht Zeit für eine kleine, dankbare Gedenkminute für die Freiheit, die wir jeden Tag genießen.

Ich will hier übrigens nicht sagen, dass bei uns im Lande alles Sonnenschein ist. Natürlich gibt es viele Ungerechtigkeiten. Vieles im Land läuft vielleicht in die falsche Richtung. Und wir haben nicht alle die gleichen Chancen und Möglichkeiten. Die Welt ist nicht fair. Auch nicht bei uns.

Aber das ändert nichts daran, dass wir hier bei uns frei leben und sehr viele Dinge selbst bestimmen könnten, wenn wir es denn wollten.

All unsere Freiheiten sind übrigens nicht selbstverständlich. Diese Freiheiten gibt es in manchen anderen Ländern und Kulturen nicht. Und wir würden diese Freiheiten sehr vermissen, wenn sie uns genommen werden würden.


Was nützt die Freiheit des Denkens, wenn sie nicht zur Freiheit des Handelns führt.

– Jonathan Swift


Natürlich gibt es Gesetze, die dich daran hindern, bestimmte Dinge zu tun.

Aber die Gesetze in unserem Land lassen uns doch sehr, sehr viele Möglichkeiten und Freiheiten.

Manchmal fühlen wir uns dennoch gefangen und unfrei. Dann sind es meistens keine Gesetze, die uns daran hindern, zu tun, was wir gerne tun würden.

Was uns dann hindert, sind eher unsere eigenen Ansprüche an uns selbst, unser Pflichtgefühl, unsere Ängste, unser Sicherheitsstreben und unsere Bequemlichkeit.


Freiheit ist ein Gut, das durch Gebrauch wächst, durch Nichtgebrauch dahinschwindet.

– Carl Friedrich von Weizsäcker


Vielleicht sagst du, dass es aber schließlich Sachzwänge gibt. Du musst Geld verdienen. Dein Mann wäre ohne dich verloren. Du kannst die Kinder nicht im Stich lassen. Du wärst ja ein Arsch, wenn du …

Diese Einwände sind natürlich verständlich.

Aber deine Sachzwänge werden dir nicht von außen auferlegt.

Niemand von außen zwingt dich.

Du selbst zwingst dich.

Du könntest es tun.

Aber DU hast dich dafür entschieden, dass du die Konsequenzen einer Veränderung nicht tragen willst.

Denn es gibt wahrscheinlich gute Gründe, alles zu lassen, wie es ist. Selbst wenn es schmerzhaft ist, nichts zu ändern.

Aber etwas zu ändern, wäre offensichtlich noch schmerzhafter.

Dass du nichts änderst, ist deine innere Entscheidung.


Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt.

– Heinrich von Kleist


Wenn du dich unfrei fühlst, dann liegt es nicht am Außen.

Es sind DEINE Ängste, deine Regeln im Kopf, deine Erwartungen, dein Sicherheitsstreben, dein Schmerz, der dich hindert.

Das zu verstehen, ist wichtig. Denn erst wenn du die Verantwortung für dich und dein Leben und deine Entscheidungen übernimmst, kannst du etwas ändern.


Unsere Freiheit ist nicht durch die Regeln der äußerlichen Welt begrenzt, wohl aber durch die Regellosigkeit unserer eigenen inneren Welt.

– Pavel Kosorin


Wenn die Situation schuld ist oder die anderen, kannst du nichts ändern. Dann bist du dem Leben ausgeliefert. Also genau das Gegenteil von Selbstbestimmung.

Du kannst nur dich selbst ändern. Deswegen ist es wichtig, dass du akzeptierst: Die Sachzwänge entstehen in meinem Kopf. Nicht woanders.

Natürlich haben andere Menschen auch Erwartungen an dich. Natürlich gibt es soziale Normen oder Gruppendruck.

Wir Menschen sind keine Inseln. Wir sind sozial. Wir sind Herdentiere. Wir sind oft kooperativ. Deswegen ist es uns wichtig, was andere von uns denken.

Aber noch einmal: Wenn du etwas tust, weil andere es erwarten, findet das in deinem Kopf statt.

Es ist DEINE Entscheidung, dich dem Gruppendruck und den ausgesprochenen oder unausgesprochenen Erwartungen der anderen zu beugen. DU entscheidest dich, dass du den Schmerz nicht spüren willst, wenn andere möglicherweise enttäuscht sind.

Wenn du sagst, du kannst nicht aus deiner Haut, dann bist DU es, der nicht aus deiner Haut kann.

Es ist niemand, der dich in deine Haut einsperrt.

Kein Gesetz. Kein Gefängniswärter. Keine Geheimpolizei.

Du bist es selbst.


Der Traum ist der beste Beweis dafür, dass wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, als es scheint.

– Friedrich Hebbel


Wenn ich so etwas schreibe, werden viele Menschen sehr sauer.

Denn die einen sehen in unserer großen Selbstbestimmung und Freiheit die großartigen Möglichkeiten, die wunderbaren Chancen.

Die anderen sehen die Anklage und die Schuldzuweisung.

Soll das etwa heißen, ich bin selbst schuld, wenn es mir nicht gut geht?

Oder soll es etwa heißen, dass alle armen Menschen es sich so ausgesucht haben oder dass sie nur zu blöd oder zu faul sind?

Meine Antwort: Nein, das habe ich nicht gesagt.

Ich habe gar nicht von Schuld gesprochen.

Ich habe davon gesprochen, dass wir Menschen unsere vielen Wahlmöglichkeiten nicht nutzen, weil wir es im Augenblick noch nicht können.

Wir können es nicht, weil wir Angst haben, weil wir zu bequem sind, weil wir Regeln im Kopf haben, was wir tun dürfen und was nicht.


Freiheit ist kostbarer als jedes Geschenk, das dich dazu verleiten mag, sie aufzugeben.

– Baltasar Gracián y Morales


Wir können es vielleicht auch nicht, weil wir uns unserer Möglichkeiten nicht bewusst sind.

Und wo „nicht können“ ein „nicht wollen“ ist, habe nicht ich zu entscheiden. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Sagen wir einmal, wir können es nicht.

Dann würde ich darauf entgegnen: Aber wir können es lernen.

Aber dazu müssen wir uns selbst eingestehen, dass wir es selbst sind, die uns von unserer Freiheit und Selbstbestimmung abschneiden.

Denn das ist der erste, notwendige Schritt.

Erst dann kann ich mir Gedanken darüber machen, was ich wirklich will. Und Gedanken über die Dinge, mit denen ich mich selbst einsperre.


Nicht der Geist, das Herz macht frei.

– Carl Ludwig Börne


Ich kann mir Fragen stellen, wie:

  • Was will ich wirklich?
  • Wie würde ich gerne meine Möglichkeiten auf dieser Welt nutzen?
  • Was ist mir im Leben am wichtigsten und wie kann ich das leben?
  • Was möchte ich gerne tun?
  • Wem würde ich gerne helfen und dabei eine Menge Erfüllung erleben?
  • Was möchte ich gerne erschaffen und in die Welt bringen?
  • Wie möchte ich meine Zeit verbringen?
  • Mit wem möchte ich meine Zeit verbringen?
  • Warum will ich das?
  • Inwiefern würde das mein Leben wirklich besser machen?

Dann kann ich mich im nächsten Schritt fragen:

  • Warum tue ich es nicht einfach?
  • Was hindert mich daran, es zu tun?
  • Welche Erwartungen anderer an mich?
  • Welche Erwartungen an mich selbst?
  • Welche alten Gewohnheiten?
  • Welche alten Zweifel?
  • Welche Ängste habe ich?
  • Was müsste ich aufgeben, um das zu tun? Bin ich dazu bereit oder nicht?

Und dann:

  • Will ich oder will ich nicht?
  • Bin ich bereit?
  • Bin ich bereit zu lernen, zu wachsen, mich zu überwinden, größer und stärker zu werden?

Solche Fragen führen dich in Richtung Selbstbestimmung.

Also eigentlich nicht die Fragen. Sondern deine Antworten auf diese Fragen.

Ähhm … eigentlich nicht die Antworten, sondern wenn du nach deinen Antworten handelst.

Ist ja klar.

Der erste Schritt in Richtung Selbstbestimmung ist, uns unserer Macht, unserer Freiheit, unserer Wahlmöglichkeiten bewusst zu werden.

Unsere Macht zu sehen und auch zu spüren. Und dankbar dafür zu sein.

Der zweite Schritt?

Das ist zu erkennen, dass der größte Stolperstein in Richtung Selbstimmung in uns selbst ist.

Das sind unsere Ängste.

Es ist unsere Bequemlichkeit und unsere Schmerzvermeidungshaltung.

Es sind unsere Regeln, was erlaubt ist und was nicht.

Ganz oft ist es auch fehlendes Verhandlungsgeschick. Denn oft bekomme ich, was ich will, indem ich anderen gebe, was diese wollen. Aber dazu muss ich anfangen zu reden und zu verhandeln.

Nicht zuletzt ist es fehlendes Wissen. Oder dass wir zu wenig in der Welt herumgekommen sind, um zu erkennen, was wir wirklich wollen.

Uns Menschen ist Selbstbestimmung wichtig. Wir streben danach. Wir leiden, wenn sie eingeschränkt ist.

Zum Glück können wir einiges dafür tun, freier und selbstbestimmter zu leben.

Wenn wir uns trauen.

Ich wünsch dir alles Gute und genau das Maß an Selbstbestimmung, das du gut aushalten kannst.

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Kommentare

  • Tolle Worte.

    Für mich ist ein wichtiger Weg zu mehr Selbstbestimmung auch die finanzielle Unabhängigkeit. Gerade um nicht mehr dem Geld hinterher jagen zu müssen, sondern mehr und mehr Zeit für Dinge zu haben, die einem selber wichtig sind.

  • bin heute beim PC-Aufräumen wieder mal auf diesen unglaublich guten Artikel gestoßen und habe mir jedes Wort auf der Zunge zergehen lassen!
    Ich werde ihn mir auf den Desktop legen, um täglich daran zu arbeiten –
    Gerade momentan überrollt mich das Gefühl des Fremd-Bestimmtseins total.
    Mein inneres Kind läuft Amok.
    Da steuert diese Besinnung gerade rechtzeitig dagegen – in die Richtung, die ich eigentlich normalerweise verfolge.
    Ein herzliches Dankeschön dafür, Ralf!
    Chrissie

  • Funktioniert unter normalen Umständen sicherlich. Leider für einige Menschen oftmals Frauen klappt dieses nicht. Bei Verlust von Selbstbestimmung durch taktierende psychische oder physische Gewalt wird eine Grenze aufgewiesen, Dieses Modul greift bei Reempowerment nicht.

  • Ganz großartiger Beitrag!!! Ich kann dir wirklich nur in allen Punkten zustimmen, denn auch ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie wichtig Selbstbestimmung und Selbstverantwortung sind, damit ich ein zufriedenes Leben führen kann.
    Und das mit den Schuldzuweisungen (an die anderen, die Gesellschaft, die Rahmenbedingungen oder an sich selbst) hat noch nie irgendjemanden weitergebracht. Aber manchmal fällt es ganz schon ganz schön schwer sich einzugestehen, dass man trotz aller Selbstbestimmung doch etwas nicht verändern kann, weil man selber noch nicht bereit ist. Da schiebe ich auch gerne mal die Schuld hin und her, bis ich dann einsehe, dass ich es am Ende doch selbst in der Hand habe. Und dieses Gefühl der Freiheit ist so ein großes Geschenk! Ich bin so dankbar, dass ich das erleben kann.

    • Julia schreibt am 29. Oktober 2016

      Und das wichtigste fast vergessen: Ralf, vielen Dank für deine Worte! :)

  • Vielen Dank für diesen Impuls. Er trifft mein Ich im richtigen Moment. Es liegt nur an mir etwas zu verändern. Ich allein trage die Verantwortung für mein Leben. Danke

  • Ja so wahr. Ich wünschte mehr Menschen in unseren Leben würden diese Gedanken denken und nach ihnen handeln. Dann würde man nicht so sehr abgelenkt werden durch sich rechtfertigen-müssen und sich schlecht fühlen, weil einen einfach keiner verstehen kann. Warum lernten wir das als Kinder nicht? Warum lernen unsere Kinder das nicht in diesem System, wenn es uns doch soviel Freiheit und Demokratie ermöglicht?
    Es war ein sehr langer und harter Weg für mich, zu diesen Einsichten zu gelangen und es wird ein noch längerer und nicht weniger harter Weg, die Ängste und unangebrachten Einstellungen und Gewohnheiten zu überwinden, die mich von meiner Freiheit, trotz Einsicht, noch immer trennen.
    Ralf geh viel mehr hinaus in die Welt und erzähl so vielen Menschen wie möglich diese klare Botschaft so überzeugend wie möglich. Und ihr lieben Leser helft ihm, denn das kann nicht laut und oft genug gesagt und getan werden.
    Danke, dass du mir so klar aus dem Herzen gesprochen hast und uns immerwährend inspirierst.

  • Wouah, der Artikel hat mich jetzt echt beeindruckt! Ich lese immer wieder gern eure Texte, aber der trifft es irgendwie. Ich habe mich in den letzten 4 Jahren so sehr entwickelt, und habe gelernt, an mich zu denken. Ich habe mich von meinem Partner getrennt, obwohl wir ein gemeinsames Kind haben. Es war sooo schwer, weil ich so ein schlechtes Gewissen hatte. Aber ich habe es getan, und nach ein wenig mehr als 3 Jahren bin ich sooo sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Das war das Richtige.
    Nun weiß ich, dass ich den Job wechseln möchte. Aber ich spüre, ich bin noch nicht bereit. Ich werde es tun. Aber zuert muss ich noch sehr tiefe Ängste in mir verarbeiten. Das Alles erkennt man, spürt man, wenn man endlich (mit 35 :-) anfängt, auf sich etwas zu achten…
    Ihr schafft es auch!

    • Claudia schreibt am 25. Oktober 2016

      Liebe Leonie, mir geht es ähnlich wie dir. Erstens hat mich der Artikel von Ralf unheimlich positiv angesprochen. Dann lese ich deinen Kommentar dazu und meine Augen werden immer größer. Ich habe ebenfalls seit vier Jahren eine unheimliche Entwicklung durchlebt, mich selbst zum wichtigsten Menschen in meinem Leben gemacht. Ich habe zuerst meinen Job gewechselt und bin nun glücklich und erfüllt bei meiner neuen Arbeit als Tagesmutter. Dieses Jahr habe ich mich von meinem Mann getrennt, nach 13 Jahren Beziehung, davon 6 Jahre verheiratet und mit gemeinsamen Kind (4 Jahre alt) und es war eine so schwere Zeit, voller Ängste und plötzlich so viel Ungewissheit und Unsicherheit. Doch ich fühle, dass es die richtige Entscheidung war. Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich frei! (mit 30 ;) !) Und du wirst es auch schaffen deine Ängste zu überwinden und deinen beruflichen Weg zu gehen, der dich erfüllt. Liebe Grüße Claudia

  • Das ist ja unglaublich – genau mit diesem Thema beschäftige ich mich seit einigen Tagen! Es passt sozusagen “wie die Faust auf`s Auge” und bestätigt mich in meinen Gedanken, SELBSTbestimmung zu wagen, es einfach anzugehen!

    “Denn ich will selbst entscheiden können, sogar wenn es anderen manchmal unvernünftig erscheint. Es ist schließlich mein Leben.
    Andere müssen mich nicht verstehen. Sie sollen mich nur machen lassen, wie ich will.”

    Danke!

  • Die Erinnerung von Rolf an unsere Mitverantwortung für all das, was uns (oder auch anderen) geschieht, was wir zulassen, an oft mehr Möglichkeiten zu Selbstbestimmung, zu demokratischer Mitbestimmung, als uns bewusst ist, halte ich für wichtig und hilfreich.

    Meines Erachtens gilt das nicht nur für den privaten Bereich.
    Rolf schreibt: “Wenn die Situation schuld ist oder die anderen, kannst du nichts ändern. Dann bist du dem Leben ausgeliefert.”
    Ob das nicht doch etwas zu absolut ist?
    “Du kannst nur dich selbst ändern”, geht`s in Rolfs Text weiter. Könnten und sollten also – sich, ihr Verhalten ändernd – mehr Menschen in Betrieb, Gemeinde ihren (oft zwar geringen) Einfluss als Einzelne mit einbringen, damit überall möglichst nur solche Entscheidungen getroffen werden, die nicht zu vermeidbaren Schäden führen?
    Überlassen noch zu viele Einzelne die Entwicklung jenseits ihres Privatbereichs anderen? Machen sie sich dadurch nicht sogar mitschuldig für die – oft auch sie später ggf. selbst unangenehm treffenden – Folgen von Entscheidungen, Entwicklungen? Nach GG soll ja “alle Staatsgewalt vom Volk” ausgehen.

    1932 geboren, erinnere ich mich gut an die Zeit vor und nach dem WK II. Alle 1945 noch lebenden erwachsenen Deutschen wurden damals als Mitschuldige behandelt an dem, was sie selbst oder ihre Landsleute angerichtet hatten, ob auf Befehl oder bereitwillig, den Versprechungen des gewählten oder geduldeten “Führers” und seiner Partei vertrauend. Die meisten reagierten empört: Wir haben denen da oben geglaubt, die haben uns betrogen, wir sind, wir fühlen uns unschuldig.
    Die Reden Hitlers und das, was uns Lehrer sagten, was Zeitungen täglich schrieben, klang tatsächlich überzeugend: Britische (nach Kriegseintritt der USA auch amerikanische) “Plutokraten”, feige, faule “Welsche” (Franzosen), vor allem jüdisch-slawisch-bolschewistische “Untermenschen” bedrohen uns, so hieß es, sie lehnen alle Friedensvorschläge unseres Führers ab, so dass wir uns nur noch durch Rüsten schützen können, damit unser stolzes, rassisch überlegenes Volk nicht unterdrückt, vernichtet wird. “Kanonen statt Butter!”, hörte ich Göring rufen. “Der Sieg wird unser sein.” Der Pfarrer bat nach Kriegsbeginn mit der Gemeinde um Gottes Segen für unseren Führer und seine tapferen Soldaten. Manche sagen, Politik sei eine Hure, der ein “anständiger” Mensch fernbleibt. Leider entkommt man nicht leicht allen Folgen politischer Entscheidungen.
    Gisela Steineckert schrieb vor Jahren: “Wie auch immer die Misere ist, in die wir hineingeboren werden, und allzu glänzende Verhältnisse sind auf andere Weise nichts anderes, man kann immer anderen die Schuld geben. Damit lässt man sie zu nahe an sich heran und räumt ihnen falsche Größe ein. Es ist fraglos, dass diese Welt hier ungerecht ist. Dagegen kann einer nur wenig tun, aber eben dies darf er nicht unterlassen.” Leider werden sich nicht in jedem konkreten Fall alle einig, was gerecht und richtig ist.
    Goethe meinte mal: “Wenn auch die Welt im ganzen fortschreitet, die Jugend muss doch immer wieder von vorne anfangen.”

  • Danke für diesen mutmachenden Beitrag. Bin mir eben noch mal bewusst geworden über mein “Schmerzvermeidungsverhalten” (Ausreden), das mich von der Freiheit trennt, das zu tun, was ich mir schon so lange wünsche. Schönen Sonntag an alle:)

  • Danke für den “Stupser”, für die Freiheit, die wir täglich genießen dürfen und die wir für so selbstverständlich halten, weil wir es nicht anders kennen, dankbar zu sein!!!!

  • Ganz großartig! Herzlichen Dank für den tollen Beitrag. Habe es schon länger verinnerlicht und finde es klasse, dass Du sehr deutliche Worte findest, denn anders geht es in meinen Augen nicht :-) Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass das Bewusstsein über Selbstbestimmung der erste Schritt ist. Sich dann mit seinen Ängsten auseinanderzusetzen war mein zweiter. Hinzu kam eine viel viel liebevollere Einstellung zu mir selbst. Besonders hilfreich war für mich der Beginn mit Entspannungsübungen und Achtsamkeitstraining. Und vor allem der Entwicklung Zeit zu geben! Ich bin jetzt seit gut 5 Jahren auf diesem Weg – vielleicht hilft diese Angabe ja jemanden sich mehr Zeit beim Üben zu geben :-)

  • Vielen Dank für diesen Beitrag. Das heißt raus aus der Comfortzone, nachdenken, Ärmel hochkrempeln und etwas tun.

  • Ein sehr stimmiger Beitrag zu einem der vielen SELBST-Themen, die uns, unser Leben, unsere mangelnde Freiheit durch die Selbstbeschränkung sehr gut auf den Punkt bringend erklärt.

    Danke für diesen Sonntagsimpuls

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