Die Psychologie des Gelingens (Gabriele Oettingen)

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„Die Psychologie des Gelingens“ – von Gabriele Oettingen – München: Pattloch Verlag, 2015 – 272 S. – ISBN: 978-3-629-13070-9 – 19,99 € (Seit 2017 als Taschenbuch erhältlich für 10,99 € ISBN: 978-426-30138-8)

Einer der Dauerbrenner in der Selbsthilfeliteratur ist das Thema Motivation. Bei der Schwemme an Büchern dazu ist man ganz schnell geneigt zu denken: „Bitte nicht noch ein Motivationsratgeber …“. Aber mit „Die Psychologie des Gelingens“ ist das definitiv anders, dieses Buch gehört eindeutig in die Kategorie der besonderen Bücher!

Die Autorin Gabriele Oettingen ist Professorin für Psychologie und forscht in dieser Funktion seit vielen Jahren zum Thema Selbstregulation und Motivation. „Die Psychologie des Gelingens“ ist gewissermaßen eine Zusammenfassung ihrer Forschungsergebnisse in diesem Bereich.

Am Ausgangspunkt ihrer Forschung stand die wissenschaftliche Erkenntnis, dass „positives Denken“ bei der Zielerreichung in vielen Fällen kontraproduktiv ist. Dass positives Denken häufig also nicht generell gut für unsere Motivation ist, sondern nur unter ganz bestimmten Umständen hilft, seine Ziele zu erreichen. Auf die Studien, die diese These stützen, geht sie in den ersten Kapiteln ihres Buches auch ausgiebig ein.

Nachdem das positive Denken als starker Motivationsfaktor hinterfragt werden musste, hat Gabriele Oettingen nach besseren Alternativen gesucht, mit denen man sich selbst wirksam bei der Zielerreichung unterstützen kann. Dabei rausgekommen ist eine Vereinigung zweier wirksamer Methoden zu einer noch wirksameren, der sogenannten WOOP-Methode.

WOOP ist die Abkürzung für „Wish, Outcome, Obstacle, Plan“, auf Deutsch: „Wunsch, Ergebnis, Hindernis, Plan“. Die vier Begriffe beschreiben die 4 einzelnen Schritte dieser Methode. Darum geht es bei diesen 4 Schritten:

  1. Wunsch oder Anliegen: Hierbei denken Sie an etwas, das Ihnen sehr am Herzen liegt und stellen sich Ihren Wunsch vor.
  2. Ergebnis: Hier fragen Sie sich, wie das bestmögliche Ergebnis aussieht, das Sie sich von der Erfüllung des Wunsches erhoffen.
  3. Hindernis: Bei diesem Schritt geht es um die Frage, was das größte Hindernis ist, was diesem Wunsch im Weg steht.
  4. Plan: Hier entwickeln Sie einen sogenannten Wenn-dann-Plan für den Umgang mit diesem Hindernis.

Zwei Dinge unterscheiden dieses Buch von anderen und machen es damit sehr lesenswert:

  • Es geht in diesem Buch um „neues Wissen“, also um eine noch nicht allzu verbreitete Methode. Das heißt, dies ist kein weiterer Motivationsratgeber, der einfach nur Altbekanntes wiederkäut. 
  • Die Wirksamkeit der in diesem Buch beschriebenen WOOP-Methode ist im Gegensatz zu vielen anderen Motivationsmethoden wissenschaftlich belegt.

Kurzum: „Die Psychologie des Gelingens“ ist ein Buch, aus dem man wirklich etwas Neues lernen kann, bei dem man sich sicher sein kann, dass es wirklich wirkt.

Eine wichtige Einschränkung muss man bei der WOOP-Methode allerdings machen. Sie funktioniert nur bei Zielvorhaben, die wirklich mit den eigenen Wünschen gekoppelt sind. Bei Zielen, wie z. B. „Ich muss 5 Kilo abnehmen, aber eigentlich habe ich dazu keine Lust“, funktioniert auch die WOOP-Methode nicht. Die WOOP-Methode geht einen eher indirekten Weg. Denn im ersten Schritt werden Sie sich darüber klar, was Ihre eigenen Wünsche sind. Wenn Sie also keinerlei Wunsch danach verspüren, 5 Kilo abzunehmen, dann kann Ihnen diese Methode auch nicht weiterhelfen.

Allerdings hat die WOOP-Methode dadurch einen großen Vorteil: Sie hilft Ihnen dabei, sich eben auch von Zielen zu verabschieden, die nicht erreichbar sind, bzw. solche Ziele so umzudefinieren, dass sie auch realistisch erreichbar sind.

Ein kleiner „Nachteil“ des Buches ist in meinen Augen, dass es eigentlich mehr ein Fachbuch mit Ratgeberanteil ist. Die erste Hälfte des Buches liest sich nämlich mehr oder weniger wie eine wissenschaftliche Abhandlung, in der Gabriele Oettingen all ihre Studien beschreibt, mit denen sie die Wirksamkeit der WOOP-Methode belegen kann. Das wiederholt sich teilweise. Und so richtig spannend zu lesen ist der Teil nur für ein interessiertes Fachpublikum. Nach der ersten Hälfte des Buches ist man aber definitiv davon überzeugt, dass die Methode gut erforscht ist und auch wirklich funktioniert ;-)

Zum Ende des Buches schafft Gabriele Oettingen aber den Sprung hin zu einem praktischen und anwendungsbezogenen Teil. Dort beschreibt sie die WOOP-Methode in Aktion und leitet auch mehrere Übungen dazu an, die einfach nachzuvollziehen sind.

Die WOOP-Methode ist sehr leicht verständlich und total einfach anzuwenden. Das ist ein wirklich großer Vorteil dieser Methode. Vielleicht ist der praktische Teil deshalb auch im Vergleich kürzer, weil die Methode sich so einfach und schnell erklären lässt.

Es gibt für die WOOP-Methode sogar schon eine App fürs Handy, die einfach zu bedienen ist und den Kern der Idee sehr gut auf den Punkt bringt. Die App ist allerdings auf Englisch.

„Die Psychologie des Gelingens“ ist ein Fachbuch, das Ihnen die wirklich vielversprechende WOOP-Methode näherbringt. Es lohnt sich, das Buch zu lesen und die Methode direkt selbst auszuprobieren. Wer ohne Umweg in die Anwendung gehen will und keine wissenschaftlichen Nachweise zu der Methode braucht, der kann einfach nur die letzten 3 Kapitel des Buches lesen und sofort starten.

Bewertung: PunktPunktPunktPunktPunkt

 

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Kommentare

  • Die Woop App gibt es mittlerweile auch auf Deutsch (zumindest im Google Play Store, wie es bei ios Systemen aussieht weiß ich nicht). Ich habe das Buch noch nicht gelesen, aber die Woop Methode und damit der Kern der App ist wunderbar. Die App leitet einen wunderbar an, die Methode wirklich zielführend umzusetzen. Allerdings hat man pro Eingabe nur 35 Zeichen zur Verfügung, was die Methode dann doch sehr beschneidet.

  • Das Buch wendet sich insoweit gegen das positive Denken, weil damit mehr Luftschlösser gebaut werden, als es Türschlösser auf unserem Globus gibt. Dr. Gabriele Öttingen, regt zum handeln an.

    Am positiven Denken bzw. optimistischen Denken, setzt sie nichts aus, es geht ihr darum sich realistische Ziele bzw. Wünsche zu setzen. Im Prinzip ist die Woopmethode ein Werkzeug, dass den Menschen, auffordert zu Denken und zu handeln.

    EIn Traum ist ein Traum. Ein Wunsch ist ein Ziel mit Datum, wenn man bereit ist auch steinigere Wege zu gehen und dabei nie das planvolle Vorgehen vergisst. Jeder realistische Wunsch ist erreichbar. Wenn man beginnt und nicht aufgibt.

    Unrealistische Ziele machen krank. Das ist die Quintessenz der Forschung.

  • Mit wissenschaftlichen Studien ist es so eine Sache: Wenn 70% der Probanden positiv auf einen bestimmten Test reagieren, kann man eine Korrelation herstellen. Es schadet aber nicht, sich klar zu machen, dass dennoch 30% nicht positiv reagiert haben. Letztlich nützt es dem Individuum gar nichts, dass seine Artgenossen in einer bestimmten Art und Weise reagieren, wenn er oder sie es nicht tut.

    Meine Mitmenschen reagieren beispielsweise fast alle auf Koffein, es wirkt belebend auf sie. Bei mir (und wie ich bei Quarks gelernt habe ca. 5% der Menschen mit dieser Genvariation) tritt diese belebende Wirkung nicht auf; ich kann auch wenige Minuten vor dem Schlafengehen noch Kaffee trinken und schlafe dann trotzdem sofort ein.

    Letzlich ist es auch mit dieser Methode genauso wie mit vielen anderen, nicht wissenschaftlich belegten: Man muss sie ausprobieren; es funktioniert oder es funktioniert nicht. Wenn es für den einen funktioniert: prima, freuen. Heißt aber noch lange nicht, dass es für andere auch funktioniert. Man könnte vielleicht schlussfolgern, dass die WOOP Methode mit höherer Wahrscheinlichkeit funktioniert, aber das nützt dem Menschen, bei dem das nicht der Fall ist, eben nichts.

    Das wertet das Buch aber nicht ab. Ich bin schon froh, wenn sich jemand gegen diese Positiv Denken- Philosophie wendet. Das allein ist schon eine Anerkennung wert. Und gute Bücher zum Thema Motiviation sind, wie du richtig feststellst, eine Ausnahme.

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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