Die Win-Win-Strategie in Alltag und Beruf

Für alle, die sich zu wenig zutrauen und gar nicht wissen, wie toll sie sind → Hier gehts lang

Mit Konflikten, Streits und Auseinandersetzungen machen wir uns und anderen das Leben schwer. Statt darum zu kämpfen, die eigenen Interessen durchzusetzen, können wir viel öfter einmal einen neuen Weg gehen, indem wir Lösungen nach der sogenannten “Win-Win-Strategie” suchen.

Die Sache mit den Kompromissen

Siehe auch

Die Idee des Win-Win wird auch im Buch Die sieben Wege zur Effektivität von Stephen Covey sehr gut erklärt.

Wenn Menschen mit unterschiedlichen Interessen aneinander geraten, wird in den meisten Fällen nach einer Kompromisslösung gesucht. Das haben wir meist schon von klein auf an gelernt – im Streit mit einem Freund wurde von den Erwachsenen fast immer ein Kompromiss vorgeschlagen: “Erst darf der eine mit dem Spielzeug spielen und dann der andere.” Und so suchen wir auch heute noch im Konfliktfall nach einem “guten Kompromiss”.

Kompromisse sind aber nicht immer die besten Lösungen – denn sehr oft handelt es sich um “faule Kompromisse”, bei denen beide Seiten verlieren.

Das klassische Beispiel für einen Kompromiss ist z.B. dieses: Zwei Schwestern streiten sich um eine Zitrone. Der Kompromiss-Vorschlag wäre, die Zitrone zu halbieren – dann bekäme jede Schwester eine halbe Zitrone.

Warum der Kompromiss nicht die beste Lösung ist

Stellen wir aber einmal die Frage, was die Schwestern aus dem Beispiel mit der Zitrone eigentlich machen wollen, so finden wir heraus, dass die eine von ihnen Saft herstellen und die andere einen Kuchen backen will. Also braucht die eine Schwester den Saft der Zitrone und die andere nur die Schale.

Es besteht also überhaupt kein Konflikt!

Mein Selbstcoaching-Tipp:

Tagebuch zu schreiben kann viel mehr sein als eine Aufzeichnung deiner Aktivitäten. Ein Tagebuch kann dich wirklich voranbringen. Es kann dir helfen, deinen Zielen näher zu kommen, deine Probleme zu lösen, belastende Gefühle loszulassen, Klarheit zu bekommen … Wie geht das?

Auf diese Weise kann für beide Schwestern eine viel bessere Lösung gefunden werden – die eine erhält den Saft und die andere die Schale der ausgepressten Zitronen. Eine echte Win-Win-Lösung.

Die Win-Win-Strategie

Die “Win-Win-Strategie” – oder zu deutsch “Gewinner-Gewinner-Strategie” – zielt darauf ab, dass möglichst alle Parteien in einem Konflikt, einer Verhandlung oder im einfachen Miteinander zu Gewinnern werden – also einen Vorteil bekommen. Bekannt gemacht wurde dieser Ansatz vor allem vom amerikanischen Trainer Stephen Covey.

Konflikte anders angehen

Den meisten Menschen geht es im Fall eines Konflikts vor allem darum, die eigene Position durchzusetzen und so den anderen zu besiegen. Und so wird verbittert gekämpft und mit rhetorischen Mitteln und ausgefeilten Argumenten zu überzeugen versucht.

Bei der Win-Win-Strategie wird ein ganz anderer Ansatz verfolgt. Es ist hier vollkommen unerheblich, wer “Recht” hat. Es wird davon ausgegangen, dass alle Beteiligten das Recht haben, dass ihre Interessen beachtet werden. Die entscheidende Frage ist hier:

Wie können alle Beteiligten gewinnen?

Legen Sie den Fokus auf die Interessen

Win-Win-Lösungen lassen sich dann erarbeiten, wenn wir uns angewöhnen, unseren Fokus nicht auf die Positionen, sondern auf die Interessen zu legen.

Positionen sind die Standpunkte, von denen aus wir uns durchsetzen wollen, also z.B. unsere Forderungen, unsere Meinungen, unsere Vorschläge.

Interessen sind das, was hinter unseren Forderungen und Argumenten steckt – also das, was wir eigentlich erreichen wollen.

Fragen Sie also immer: “Was will jeder einzelne in dieser Situation erreichen?” Finden Sie heraus, was jeden einzelnen in dem Konflikt wirklich beschäftigt und stellen Sie die Beweggründer aller Beteiligten schriftlich zusammen. Werden Sie sich dabei auch Ihrer eigenen Interessen bewusst, denn auch Sie sollen ja von der Lösung profitieren. Sind erst einmal die wirklichen Interessen deutlich geworden, lassen sich viel leichter Lösungen entwickeln, die genau diese Bedürfnisse befriedigen können.

Und wie sieht das nun mit dem “Win-Win” in der Praxis aus?

Eine kleine Warnung vorweg

“Win-Win” ist sehr positiv besetzt und wird hin und wieder recht inflationär benutzt. Leider beruht dabei nicht alles, was als “Win-Win” angeboten wird, auch wirklich auf der Win-Win-Grundlage.

Manch ein Zeitgenosse deutet “Win-Win” nämlich ganz gerne in “I win and I win” (“Ich gewinne und ich gewinne”). Lassen Sie sich also nicht davon beeindrucken, wenn jemand lauthals über seine Win-Win-Denkweise philosophiert. Oft ist es so, dass wer wirklich im Sinne des Win-Win denkt und handelt, gar nicht groß darüber zu reden braucht.

Win-Win-Lösungen zu finden, müssen wir üben

Tipp

Formulieren Sie Ihre Ideen und Vorschläge immer so, dass Ihr Gesprächspartner einen Vorteil für sich erkennen kann.

“Win-Win”-Lösungen sind nicht immer gleich ersichtlich, denn die wenigsten von uns sind es gewohnt, im Rahmen dieser Methode zu denken. Die meisten von uns denken automatisch zunächst an ihren eigenen Vorteil und möchten verhindern, dass es da Abstriche gibt. Hier gilt es umzudenken und immer zu fragen, welche Lösung für alle Beteiligten eine Verbesserung erzielen kann. Und dazu muss immer erst einmal ermittelt werden, was die einzelnen Personen oder Parteien eigentlich wollen.

Übrigens: Die Selbstvertrauen-Challenge startet wieder (12.11.18)! Das Ziel: Dass du stärker, klarer, zuversichtlicher – einfach selbstbewusster wirst. Denn nur wenn du dir selbst etwas zutraust, kannst du das ins Leben bringen, was du dir wünschst … Mehr Infos

Ein einfaches Beispiel für die angewandte Win-Win-Strategie

Frau Ludwig ist die Vorgesetzte von Herrn Baumann. Herr Baumann ist bereits ein langjähriger Mitarbeiter und bisher gab es für Frau Ludwig auch keinen Anlass zur Klage. Nun es aber seit einiger Zeit so, dass Herr Baumann regelmäßig zu spät kommt und unkonzentriert ist. Frau Ludwig sieht dadurch das Projekt, in dem Herr Baumann arbeitet, gefährdet.

Sie könnte nun Herrn Baumann nun zur Rede stellen, ihn ernsthaft ermahnen oder sogar mit Kündigung drohen. Frau Ludwig möchte aber nach der Win-Win-Methode vorgehen und zielt auf eine Konfliktlösung, von der beide profitieren.

Zunächst macht sie sich klar, dass sie ein großes Interesse daran hat, Herrn Baumann als Mitarbeiter zu behalten. Als nächstes möchte sie die Gründe für die Unzuverlässigkeit Ihres sonst so korrekt arbeitenden Kollegen ermitteln.

Frau Ludwig redet also mit Herrn Baumann und erfährt, dass dessen Mutter schwer erkrankt ist und dass Herr Baumann zum Teil die Pflege der alten Frau übernommen hat. Es wird also schnell deutlich, dass Herr Baumann nicht einfach unwillig ist, gute Arbeitsleistungen zu vollbringen, sondern dass sich seine Lebensumstände so geändert haben, dass er einfach nicht mehr die volle Leistung erbringen kann.

Es gibt nun ganz verschiedene Möglichkeiten, die Frau Ludwig und Herr Baumann zusammen erarbeiten können:

  • eine mögliche Teilzeitarbeit für die Dauer der Krankheit der Mutter,
  • die teilweise Erledigung bestimmter Aufgaben von Zuhause aus,
  • Herrn Baumann eine Mitarbeiterin oder einen Praktikanten zuzuweisen, der ihn in einigen Bereichen entlasten kann,
  • u.a.

Win-Win heißt hier: Der Mitarbeiter wird mit seinem Problem als Mensch angenommen und es werden Möglichkeiten geschaffen, wie er weiterhin für das Unternehmen arbeiten kann. Dafür steigt auch seine Leistungsbereitschaft und seine Loyalität zu seiner Chefin. Und das Unternehmen muss nicht auf einen langjährigen Mitarbeiter verzichten.

Win-Win ist auch etwas für Sie!

Das Win-Win-Denken ist überall von Nutzen – ob nun im Beruf, im Alltag, in der Beziehung oder Kindererziehung. Indem wir uns angewöhnen, die Interessen aller zu berücksichtigen und Lösungen zu finden, die für alle Beteiligten eine Verbesserung bedeuten, werden wir konstruktiver und müssen viel weniger kämpfen.

Nutzen Sie dafür die folgenden Fragen:

  • Um was genau geht es eigentlich in dieser Situation?
  • Worin genau besteht der Konflikt?
  • Welches sind die einzelnen Positionen der Beteiligten (was wird z.B. gefordert, behauptet o.ä.) und welche wahren Interessen liegen dahinter?
  • Was will eine Person oder eine Gruppe mit ihrer jeweiligen Position erreichen – was ist der Nutzen, das Interesse hinter dieser Position?
  • Widersprechen oder blockieren sich die einzelnen Interessen wirklich oder haben die Beteiligten nur den Eindruck, dass es so ist?
  • Werden Forderungen von den Beteiligten erhoben?
  • Wenn ja: Könnte man das, was hinter den Forderungen steckt, auch auf andere Art erreichen, als vielleicht zunächst gefordert wird?
  • Welche Lösungen würden dazu führen, dass alle Beteiligten davon eine Verbesserung erleben?

Literatur zum Thema

Auch interessant?

Wie viele Sterne bekommt der Beitrag von dir?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (10)
Loading...
 

Teilen macht Freude und Freunde:

 

Das eigene Leben besser machen

Das eigene Leben besser machen

Deine Anmerkung zu diesem Beitrag?

Kommentare

  • Ich nutze die Win-Win Strategie gerne bei meinen beiden Kindern (beide Jungs). Und sie sind oft verblüfft, dass wir wirklich oft eine Lösung finden, die für alle passt. Ist nur halt ein wenig unbequem, weil wir dann länger zusammen nach der Lösung suchen müssen.

    Bei Erwachsenen erlebe ich es sehr unterschiedlich. Im Kreise von Trainern und Coaches geht das sehr gut. Im Business-Bereich sind doch noch viele Haifische und Soziopathen unterwegs. Da hat die Strategie viel seltener Erfolg. Leider heißt die Devise dort gerne: Lieber gemeinsam in den Untergang, als dem Anderen etwas gönnen.

    Da kann ich dann nur aussteigen und den Anderen sein Spiel spielen lassen. Oder halt nicht. Ich bin dann ja weg.

    Herzlichen Gruß, David

  • Ich arbeite in der Erziehungsberatung und gebe Eltern das Wissen über die Win-Win-Strategie gerne mit. Es ist eine wunderbare Methode um beispielsweise mit Jugendlichen “Verhandlungen” zu führen, Vereinbarungen zu treffen. In diesem manchmal etwas schwierigen ;-) Alter helfen Verbote oder autoritäre Ansagen nichts. Gemeinsame Vereinbarungen mit dem bewussten Anwenden der Win-Win-Strategie ist erfolgreich vor allem auch deshalb, weil sich der Jugendliche mit seinen Bedürfnissen und Interessen ernst genommen fühlt.

  • Die Win Win Strategie funktioniert nur bei etwa 20% der Menschheit. Angewandt bei Tieren kam ich auf 50%. Tatsächlich streben nur 20% danach Glücklich zu sein,dem Rest kann ich nur mit einem Wort beschreiben ” Raubtiere”
    Ihre Seite gefällt mir sehr gut, es beruhigt mich dann doch wieder etwas von uns 20% zu lesen.

    Hochachtungsvoll
    Michael Löding

  • Es ist gut, immer wieder an diese Strategie erinnert zu werden. Ich versuche auch, sie schon seit Jahren anzuwenden. Jetzt wurde mir bewusst, dass das auch den Vorteil hat, dass ich zum einen ziemlich viel Verhandlungserfolg habe, und zusätzlich – egal wie eine Situation ausgeht – ein gutes Gewissen habe. So lebt es sich entspannter und gesünder.
    Viele Grüße, Lisa

  • Das Beispiel mit den beiden Schwestern zeigt sehr gut, wie wichtig es ist, miteinander zu reden und vor allem, einander sehr genau zuzuhören. Leider geht uns diese Fähigkeit mehr und mehr verloren, je länger wir einen Menschen zu kennen glauben. Die fixe Überzeugung, genau zu wissen, was der andere will, verhindert oft, die beste Lösung zu finden. Ein schöner Artikel, der gut in Erinnerung ruft, wie wichtig es ist, dann einen Schritt zurückzumachen und dem anderen mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

    Herzliche Grüße, Tanja

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

Mehr über uns und unsere Philosophie gibt es hier