Du willst echt sein? – 3 Tipps für mehr Authentizität

Einfach echt sein. Klar sagen, was du denkst. Ganz du sein.

Authentisch sein zu können, ist für viele eine tiefe Sehnsucht. Vielleicht auch für dich?

Hast du manchmal das Gefühl, du müsstest dich verstellen? Du kannst gar nicht wirklich DU sein? Du würdest gerne öfter so reden und handeln, wie DU eigentlich bist?

Deine Meinung in einer Diskussion sagen, ohne darüber nachzudenken, wie sie bei anderen ankommt? Die Klamotten anziehen, auf die du wirklich Lust hast? Oder deinen Kollegen oder deinem Chef klare Ansagen machen?

Doch ist das überhaupt authentisch sein? Ist das nicht einfach nur unüberlegt und riskant? Was bedeutet Authentizität denn eigentlich? Wann bist du authentisch und wann nicht?

Authentizität: Definition der Psychologie

Der „Dorsch“ – das ist DAS Lexikon der Psychologie – beschreibt mehrere Aspekte, wenn es darum geht, authentisch zu sein:

  1. Authentizität bedeutet, seinen Gedanken, Emotionen, Bedürfnissen, Werten, Vorlieben und Überzeugungen entsprechend zu handeln.
  2. Eine Voraussetzung für Authentisch-Sein ist Selbsterkenntnis.
  3. Bei authentischen Menschen wird das Verhalten nicht von äußeren Einflüssen bestimmt, sondern entspringt aus ihnen selbst.
  4. Menschen, die authentisch sind, möchten ihre Gedanken, Emotionen usw. in sozialen Beziehungen zeigen.
  5. Authentisch zu sein bedeutet aber auch, dass man sich durchaus in unterschiedlichen Rollen unterschiedlich verhält.

Zu all diesen Punkten kann ich gut nicken. Das klingt schlüssig. Gleichzeitig erklärt es aber auch, wieso es für viele von uns so enorm schwierig ist, authentisch zu sein.

Authentisch leben

Authentizität ist eine ganz schön komplexe Angelegenheit. Denn um authentisch zu sein, brauche ich mehrere Fähigkeiten und Kenntnisse über mich selbst:

  • Ich muss mich selbst sehr gut kennen (meine Gedanken, Emotionen, Bedürfnisse usw.).
  • Ich muss es schaffen, dass ich mein Verhalten selbst bestimme und mich nicht von den Erwartungen anderer leiten lasse.
  • Ich muss mich zeigen wollen, also meine Gedanken, Bedürfnisse usw. mitteilen wollen.

Das ist natürlich alles nicht ganz einfach. Es erfordert eben auch Arbeit, sich selbst kennenzulernen oder zu lernen, für sich selbst einzustehen.

Wenn du merkst, dass du dabei noch weiterkommen möchtest oder Nachholbedarf hast, dann schau doch mal hier:

Das Problem bei der Authentizität

Eines der größten und stärksten Hindernisse für authentisches Verhalten sind unsere Befürchtungen. Vielleicht kennst du auch diese oder ähnliche Gedanken?

  • Was denken die anderen von mir? (Halten die mich für nerdig, konservativ, spinnert, anarchisch oder einfach nur für bekloppt?)
  • Verliere ich die Zuneigung einer für mich wichtigen Person (Freund, Freundin, Bekannter), wenn ich sage, was ich wirklich denke? Wenn ich mich so verhalte, wie ich wirklich bin?
  • Muss ich ganz real negative Konsequenzen befürchten, wenn ich authentischer reagiere? (Ich bekomme die Stelle nicht, wenn ich im Vorstellungsgespräch authentisch bin. Mein Chef gibt mir nicht die Projektleitung, wenn ich sage, was ich wirklich über dieses Projekt denke. Die Beziehung zu meinem Partner wird noch schlechter, wenn ich sage, was ich mir wirklich wünsche.)

Was befürchtest du, wenn du dir vorstellst, öfter authentisch zu sein? Wenn du öfter sagen würdest, was du denkst, was dir wichtig ist, welche Bedürfnisse du hast? Was könnte Unangenehmes passieren?

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Und was kannst du tun, wenn du trotz deiner Befürchtungen authentischer sein möchtest?

Mit Authentizität experimentieren

Am besten probierst du aus, was passiert, wenn du dich authentischer verhältst. Und zwar in kleinen für dich machbaren Schritten.

Wenn du dazu Lust hast, habe ich hier noch 3 Tipps für dich.

Tipp 1: Achtsamkeit

Versuche möglichst gut darauf zu achten, wie es dir geht, wenn du dich authentisch oder nicht authentisch verhältst.

Das machst du, indem du versuchst, so genau wie möglich wahrzunehmen:

  • was genau dich daran stört, wenn du dich nicht authentisch verhältst,
  • was sich gut anfühlt, wenn du dich authentisch verhältst,
  • was für dich belastend ist, wenn du dich authentisch verhältst,
  • wie es sich überhaupt anfühlt, sich authentisch zu verhalten.

Wenn du z. B. merkst, dass es gar nicht so schlimm ist, deinen Kollegen gegenüber klar deine Meinung zu sagen, dann fällt es dir in Zukunft leichter, offen zu sagen, wie du über eine Entscheidung oder eine neue Idee denkst.

Je besser du dich und deine Reaktion bei authentischem Verhalten oder auch bei nicht authentischem Verhalten kennst, desto leichter wird es dir gelingen, echter und authentischer zu sein. Wenn du dich besser kennst, kannst du dich bewusster für ein Verhalten entscheiden. So kannst du dich z. B. auch leichter von den Erwartungen lösen, die andere an dich richten.

Tipp 2: Experimentieren

Probiere aus, wie es sich anfühlt, authentischer zu sein. Denn nur dann wirst du die Erfahrung machen können, dass du keine Angst zu haben brauchst, weil die Menschen dich auch akzeptieren, wenn du so bist, wie du wirklich bist, und dass es sich auch für dich viel besser anfühlt.

Am besten baust du kleine Authentizität-Experimente immer wieder in deinen Alltag ein. Wie das geht? Dazu habe ich hier gleich eine Anleitung für dich.

Wichtig ist, dabei in ganz kleinen Schritten vorzugehen. Dann hängst du die Hürde nicht zu hoch und gehst auch kein zu großes Risiko ein. Hier eine kleine Anleitung, wie du bei deinen Authentizitäts-Experimenten vorgehen kannst.

1. Wähle eine Situation

Frage dich:

  • In welchen typischen Situationen würde ich mich gerne anders verhalten? (In politischen Diskussionen, bei Familienfeiern, bei Team-Meetings)
  • Bei welchen Menschen in meinem Leben wäre ich gerne authentischer? (Im Beruf, im Freundeskreis, in der Familie, …)
  • Was möchte ich konkret sagen oder tun, um authentischer zu sein? (Haare färben, andere Kleidung, Meinungsäußerung, …)

2. Entscheide dich für ein authentischeres Verhalten

Entscheide dich am besten nur für eine oder zwei Dinge, die du in Zukunft anders machen möchtest. Zum Beispiel: Bei der nächsten politischen Diskussion meine Meinung sagen. Mir nächstes Mal genau den Pulli kaufen, den ich toll finde. In einem Meeting einen Einwand, den ich habe, vorbringen.

3. Konkretisiere dein Verhalten

Mach deine Entscheidung möglichst konkret. Verpacke dein Vorhaben z. B. in einen Wenn-dann-Satz.

Beispiel:

Wenn ich das nächste Mal in eine politische Diskussion zum Thema X gerate, dann werde ich meine Meinung sagen.

Wenn ich das nächste Mal vor der Wahl zwischen zwei Pullovern stehe – einem dezenten Pullover und einem, der mir aufgrund seiner leuchtenden Farben richtig gut gefällt –, dann kaufe ich mir den, der mir richtig gut gefällt.

Je konkreter dein Vorhaben, desto leichter wird es dir fallen, dich wirklich authentisch zu verhalten. Wenn-dann-Sätze sind dabei besonders hilfreich. Denn ein Wenn-dann-Satz macht sehr deutlich, was genau du in welcher Situation tun möchtest.

Tipp 3: Analysiere das Ergebnis

Wenn du dich anders verhältst als bisher, also ein neues authentisches Verhalten ausprobierst, reflektiere bewusst deine Reaktion. Wichtig ist dabei, dass du dich nicht so sehr darauf konzentrierst, wie andere auf dein authentisches Verhalten reagieren, sondern dass du deine eigene Reaktion in den Blick nimmst.

Beispiel: Du hast deinem Chef gegenüber offener als sonst deine Meinung zu einer Entscheidung gesagt.

Fühlst du dich erschreckt? Wütend? Ängstlich? Wie schlimm fühlt sich das an? Oder vielleicht stellst du fest: Meinem Chef gefällt zwar nicht, was ich gesagt habe, aber mir ist das egal. Es macht mir nichts aus. In dieser Situation fühlt es sich toll an, authentisch zu sein.

Durch die Analyse kommst du womöglich zu dem Schluss, dass es viel leichter ist, dich deinem Chef gegenüber authentisch zu verhalten, als du erwartet hast.

Es kann aber auch sein, dass du merkst: Die Reaktion des anderen ist für mich sehr unangenehm. Mich authentisch zu verhalten ist an dieser Stelle wirklich ein Problem.

Das kann z. B. der Fall sein, wenn ein Freund kritisch auf deine Meinung reagiert. Vielleicht ist diese Reaktion für dich so schmerzhaft, dass du dir sagst: Autsch, das tut echt weh. Damit hab ich ein wirkliches Problem. Meine Meinung authentisch gegenüber diesem Freund zu äußern fühlt sich gar nicht gut an. Dann kannst du dich fragen: Wie wichtig ist es mir, in dieser Situation authentisch zu sein? Es kann ab und zu ja auch angebracht sein, sich nicht authentisch zu geben.

Beispiel:

Die alte Tante legt viel Wert auf angemessene Kleidung. Normalerweise trägst du immer Schlabberlook. Das ist authentisch. Aber der Tante zuliebe trägst du an ihrem Geburtstag Rock und Bluse. Auch das ist vollkommen in Ordnung und entspricht dir, weil dir deine Tante sehr wichtig ist und du dazu beitragen willst, dass ihr Geburtstag ein schöner Tag wird.

Bewusst entscheiden

Mit Hilfe dieser 3 Tipps kannst du dich besser kennenlernen und in Zukunft bewusster entscheiden, wie du dich verhalten möchtest. Denn du weißt jetzt immer öfter, wie es sich anfühlt, wenn du dich authentisch verhältst, und nimmst dich im Ganzen besser wahr. Außerdem bist du flexibler in deinem Verhalten, weil du neue Verhaltensweisen ausprobiert hast und bestimmt auch öfter die Erfahrung machst, dass authentischeres Verhalten nicht zu den befürchteten Konsequenzen führt.

Abschließend noch ein besonders wichtiger Tipp:

Sei liebevoll mit dir selbst. Authentisch zu sein trotz seiner Befürchtungen ist keine leichte Aufgabe. Es fällt vielen Menschen schwer. Und es gelingt umso leichter, wenn du liebevoll und freundlich mit dir selbst umgehst. Wenn du ein paar Tipps suchst, wie das leichter gelingen kann, dann schau hier.

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Kommentare

  • Ja, authentisch zu sein ist immer wieder eine Gratwanderung. Den Mund niemals aufzubekommen ist genauso schlecht, wie die tachelesredende Holzhammermethode, also man übe sich in gelassener diplomatischer Authentizität, das ist Herausforderung genug. :-)

  • Sich ständig verbiegen (zu lassen), um des lieben Friedens willen, um nicht “nein” sagen zu müssen, um dazu zu gehören, um “pflegeleicht” zu erscheinen ….
    macht letztendlich krank – psychisch und physisch. Am Ende steht eine schwere Depression und niemand kann es sich erklären, warum. Man selbst meist auch nicht. Der Weg und damit die Freiheit zum eigenen Ich ist mühsam, aber sehr lohnenswert. Er bedeutet jeden Tag glücklich und zufrieden zu sein.
    Schöne Zeit
    B.

    • Frank schreibt am 12. Juni 2016

      danke besser hätte man es nicht auf den Punkt bringen können. So ist es wirklich und es ist harte Arbeit frei zu sein! Mache weiter so und alles gute

      Lg Frank

  • Authentisch sein ist nicht immer leicht, sondern man kann sich sehr schnell damit unbeliebt machen.
    Es ist leider so, das man schnell an Sympathien einbüßt, wenn man nicht im Sinne des Anderen handelt.

    Aber für mich gibt es keinen anderen Weg. Sich selbst treu bleiben ist nun einmal für mich Lebenswichtig. Ich kann mich nicht selbst belügen, da ich auch den schweren langen Weg der Selbsterkenntnis gegangen bin. Das ist Voraussetzung um Authentisch zu sein.

    Allerdings kann man natürlich auch authentisch und diplomatisch sein. In Stresssituationen fehlt mir allerdings manchmal etwas die Fähigkeit diplomatisch zu sein, besonders wenn es mir an Entspannung fehlt. Deshalb ist es für mich wichtig, das die Entspannung nicht zu kurz kommt. Man kann das aber leider nicht immer so einrichten, das man genügend Entspannung bekommt.

  • wenn ich meine wirkliche Meinung über etwas sage , fühle ich mich sehr leicht und frei an. Das problem ist es, dass von Kindheit mir ausgeprägt worden ,wir dürfen unsere Meinung nicht die Anderen sagen, weil sie diese nicht ertragen können. Manchmal wenn ich nicht aushalten kann ,dann sage ich was ich von anderen denke.
    Das war sehr hilfreich für mich. Ich werde ab jetzt viel achtsamer mit meinem Gefühlen umgehen.Mit besten Wünschen.

  • Es ist vor allem wichtig, schon als Kind die Erlaubnis zu haben authentisch zu sein. Leider vergessen das Eltern auch heute noch oft. Da wird in die Kinder etwas hinein interpretiert was ihnen vielleicht gar nicht entspricht. Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Aber was ist das Beste? Kinder wollen geliebt und anerkannt werden wie wir Großen auch. Zeigen wir unseren Kindern auch dass wir sie lieben, wenn sie nicht unseren Idealvorstellungen entsprechen? Lassen wir sie ihre Neigungen vorbehaltlos ausprobieren, lassen wir sie auch mal scheitern? Können wir es aushalten, wenn sie das Klassenziel nicht erreichen oder sehen wir das als persönliche Niederlage? Dürfen Kinder noch Kinder sein, auch mal faul rumhängen, die Nachhilfe schwänzen?

    • ulli schreibt am 5. Juni 2016

      Besser kann man es nicht sagen.

      Die Frage ist, ob wir Kindern helfen sich zu wertvollen, starken und liebenswürdigen Mitmenschen zu entwickeln, so wie sie das praktizieren, oder ob wir sie passend für das System machen.

      In Ihrem Falle wären die Kinder eine Bereicherung für die Welt.

    • Michael O schreibt am 6. Juni 2016

      Ja, …

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