Eigensinn (Ursula Nuber)

„Eigensinn. Die starke Strategie gegen Burn-out und Depression – für ein selbstbestimmtes Leben“ – von Ursula Nuber – Frankfurt a. M.: Fischer-Verlag, 2016 – 256 S. – ISBN: 978-3-596-03101-6 – 14,99 €

„Eigensinn“, so der Titel dieses Buches. Ein Titel, der vielleicht auch erst einmal abschreckt. Denn der Begriff „Eigensinn“ löst bei vielen Menschen eine Abwehrhaltung aus. Eigensinnige Menschen gelten als schwierig, anstrengend und auch ein bisschen egoistisch.

Eigensinn und Egoismus werden oft miteinander verwechselt oder sogar gleichgesetzt. So Ursula Nuber, die Autorin dieses interessanten und tief gehenden Buches. Doch was ist der Unterschied zwischen Eigensinn und Egoismus? Das macht die Psychologin und Redakteurin der „Psychologie heute“ gleich zu Beginn dieses Buches deutlich.

Menschen, die im besten Sinne eigensinnig sind, teilen folgende Grundhaltung:

„Ich habe Bedürfnisse und Wünsche. Andere haben auch Bedürfnisse und Wünsche. Ich habe Rechte und darf sie artikulieren – andere haben auch Rechte.“ Zusammenfassend gesagt: Eigensinnige Menschen respektieren ihre eignen Rechte und die der anderen.

Ursula Nuber benennt Eigensinn als „Grundvoraussetzung, um in der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Herausforderungen seelisch stabil und gesund zu bleiben“.

Mit dieser Bedeutung von Eigensinn kann ich viel anfangen. Und sehe es sehr ähnlich wie die Autorin: Vielen Menschen würde ein Mehr an Eigensinn guttun.

Was hinter mangelndem Eigensinn steckt und wie man ihn stärken und mit Leben füllen kann, beschreibt dieses Buch. Es richtet sich an Menschen, die unter mangelndem Eigensinn leiden.

Das sind z. B. Menschen, die um des lieben Friedens willen viel zu oft Kompromisse eingehen. Menschen, die ihre eigenen Bedürfnisse nicht ernst nehmen oder sie vielleicht auch noch nicht mal besonders gut kennen. Menschen, denen es schwerfällt, ihre Meinung zu äußern, und die, wenn sie es tun, sich danach selbst Vorwürfe dafür machen. Menschen, die im Ganzen nicht das Leben führen, das sie gerne führen möchten.

Es geht beim Eigensinn allerdings nicht darum, immer und überall seinen Kopf durchzusetzen. Es gibt Situationen, in denen macht es Sinn zurückzustecken.

Ob man zu wenig Eigensinn hat, merkt man am ehesten dann, wenn es zu einer Schieflage kommt. Wenn man sich auf Dauer viel zu oft leer und fühlt und darunter leidet, dass man nicht das Leben führt, das man eigentlich führen möchte. So kann mangelnder Eigensinn dann auch dazu beitragen, dass jemand unter Depressionen leidet oder in einen Burnout gerät.

Für all diejenigen, die denken: „Ein bisschen mehr Eigensinn würde mir guttun“, ist dies ein sehr wertvolles und lesenswertes Buch.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

In acht Kapiteln beantwortet die Autorin folgende Fragen:

  • Welche Symptome entstehen aufgrund mangelnden Eigensinns? Antworten sind zum Beispiel: sich ausgenutzt fühlen, zu hohe Erwartungen an sich selbst haben, das Leben generell als anstrengend empfinden oder von einem Gefühl der Sinnlosigkeit begleitet werden.
  • Wie kommt es dazu, dass Menschen der Eigensinn fehlt und sie kaum ihren Bedürfnissen und Grenzen gemäß leben? Hier antwortet die Autorin zum Beispiel: als Kind nie gelernt zu haben, die eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen, weil es immer wichtiger war, die Bedürfnisse anderer zu erfüllen.
  • Was braucht es, damit ein Eigensinn im besten Sinne entstehen kann? Antworten sind hier zum Beispiel „Nein“ sagen lernen, die eigenen Stärken realistisch einschätzen können, Anerkennung nur wichtig nehmen, wenn sie von Menschen kommt, die einem wirklich etwas bedeuten.

Dies alles finde ich sehr gut erklärt. Ich bin eine große Freundin davon, sich selbst besser zu verstehen. Denn ganz oft ist das der erste entscheidende Schritt, etwas in seinem Leben zum Positiven hin zu verändern. So ist auch dieses Buch eine wertvolle Unterstützung.

Denn erkennt man z. B., welche gravierenden Folgen Nettsein um jeden Preis haben kann, fällt es vielleicht auch leichter, öfter Position zu beziehen. Versteht man, dass der dauernde Zeitmangel damit zusammenhängt, dass man sich vorwiegend an den Erwartungen anderer orientiert, dann fällt es vielleicht öfter leichter, die eigenen Bedürfnisse in den Blick zu nehmen.

Meistens reicht es aber leider ja nicht, Zusammenhänge nur zu begreifen. Da braucht es mehr. Nämlich konkrete Hilfsmittel: Wie schaffe ich es, öfter „Nein“ zu sagen? Wie gelingt es mir, meine Bedürfnisse nicht nur besser kennen zu lernen, sondern mich auch dafür einzusetzen, wenn sie anderen nicht in den Kram passen? Wie bekomme ich es hin, Position zu beziehen und Nettsein nicht zur obersten Priorität zu machen? Dafür hätte ich mir von diesem Buch mehr konkretere Hilfestellungen gewünscht.

Im Ganzen gefiel mir „Eigensinn“ aber sehr gut. Ich kann es allen empfehlen, die mehr darüber erfahren möchten, wieso es ihnen so schwerfällt, für sich selbst einzustehen, und was es bedeuten würde, mehr Eigensinn zu entwickeln. Ein interessantes Buch, das ermutigt, zu sich selbst zu stehen und eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten zu sein.

Bewertung: PunktPunktPunktPunkt

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Kommentare

  • Ich lerne das gerade. Meinen eigenen Sinn vertreten. Gar nicht so einfach wenn man gelernt hat immer nur für andere zu funktionieren. Aber mit 46 sollte es möglich sein und wer weiß, was sich dadurch noch so alles ändert.

    Danke, liebes Team von Zeit zu leben, für die wundervollen Newsletter jeden Sonntag

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