Mit der Methode The Work den Ärger loswerden

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Kennen Sie das? Sie verbringen einen schönen Tag. Alles läuft glatt und Sie fühlen sich wohl. Die Aussicht, einen schönen Abend mit Ihrem Partner zu verbringen, toppt das Ganze noch. So war es gestern bei mir. Ich bekam Lust, meinen Mann mit einem tollen Abendessen zu überraschen. Von seiner Arbeit hat er eine fast zweistündige Heimfahrt und ich stellte mir vor, wie erfreut er sein würde, wenn ihn beim Ankommen bereits ein herrlicher Duft gekochten Essens empfangen würde.

Diese Erwartung steigerte meine eigene Vorfreude noch.

Ich begann, nach Rezepten zu suchen, und fand schnell etwas, was ich für unschlagbar hielt: ein ayurvedisches Gericht – in meinen Augen das Nonplusultra eines gelungenen Mahls. Ich schnippelte Berge von Gemüse, wirbelte mit Gewürzen und kochte duftigen Reis.

Zum erwarteten Zeitpunkt ging die Tür auf und – juchhu – mein Mann war wie erhofft entzückt über das Glück, eine warme Mahlzeit vorzufinden. Er schob sich die erste Gabel in den Mund und wir plauderten vor uns hin. Gespannt wartete ich einige Minuten auf Jubelschreie und Lobeshymnen zu meinen Kochkünsten, doch die blieben aus. „Ähm, schmeckt’s dir eigentlich?“, fragte ich irgendwann, bereits leicht angesäuert, dass ich überhaupt nachhaken musste. „Jo, ist ganz lecker“, entgegnete mein Gegenüber und weigerte sich beharrlich, in Begeisterungsstürme auszubrechen. Rumms, also da war ich schon enttäuscht!

Na ja, Sie ahnen sicher, dass der Abend für mich irgendwie gelaufen war, obwohl er gerade erst begonnen hatte.

Diese oder zumindest eine ähnliche Erfahrung haben Sie sicher auch schon gemacht.

Mit “The Work” der Situation begegnen

Mein früheres Verhalten wäre es jetzt gewesen, eine Zeitlang zu schmollen und reserviert zu sein. Seit einiger Zeit kenne und wende ich jedoch in solchen Situationen „The Work“ von Byron Katie an. „The Work“ ist ein Handwerkszeug, eigene schmerzhafte Gedanken zu identifizieren und dann zu überprüfen, ob sie tatsächlich wahr sind. Macht mich also etwas wütend, traurig, ängstlich oder enttäuscht, ziehe ich regelmäßig meinen Joker namens „The Work“.

Haben Sie Lust, solch eine „Work“ mal exemplarisch mitzuverfolgen? Dann schauen wir doch mal gemeinsam, wie so etwas funktionieren kann.

Sich noch einmal in die Situation hineinbegeben

Also, zu Beginn lasse ich die erlebte Situation vor meinem geistigen Auge wie einen Film noch einmal in Zeitlupe ablaufen: Da ist der schön gedeckte Tisch mit dem duftenden Essen. An dieser Stelle fühlt sich der Film noch gut an. Dann gelange ich an die Stelle des ausbleibenden Lobs. Hier zwickt es schon ein bisschen. Was aber wirklich ziept, ist, was ich in diesem Moment schlussfolgere, nämlich: „Jürgen mag mein Essen nicht.“

Diese Überzeugung überdeckt gerade alles, schließlich habe ich ja genügend „Beweise“: Mein Mann äußert sich nicht begeistert, er lobt mich nicht von sich aus und nimmt keinen Nachschlag.

Mein Gedanke in dieser Situation

„Jürgen mag mein Essen nicht“ ist in diesem Fall mein Glaubenssatz, also der Satz, den ich insgeheim fest glaube.

In einer „Work“ stelle ich mir zu diesem Satz mehrere Fragen. Dabei geht es darum, meinen Glaubenssatz aus mehreren Perspektiven zu „beleuchten“.

Ist das, was ich glaube, überhaupt wahr?

Die erste Frage lautet „Ist das wahr?“ Ich frage mich also: „‚Jürgen mag mein Essen nicht.‘ Ist das wahr?

Ich werde still, erlebe die Situation innerlich noch einmal. Hm, ja, das fühlt sich total wahr an. Auch seine Reaktionen tauchen noch einmal in mir auf und lassen mich schlussfolgern: Ja, es muss wahr sein, dass er mein Essen nicht mag.

Kann ich absolut sicher sein, dass mein Gedanke wahr ist?

Weiter also zur zweiten Frage einer „Work“. „‚Jürgen mag mein Essen nicht.‘ Kann ich absolut sicher sein, dass das wahr ist?“ Mein Ego will sofort rufen: „Ja, klar!“ Aber da ich mittlerweile gelernt habe, dass die „Work“ etwas Zeit und die Bereitschaft braucht, sich einzulassen, tauche ich tiefer.

Hm, kann ich wirklich absolut sicher sein, dass er mein Essen nicht mag?

In mir findet eine Art Zwiegespräch statt. Eine Seite in mir meint, dass sie genug „Beweise“ für meinen Glaubenssatz gefunden hat. Die andere Seite nimmt auf einmal Dinge wahr, die ich vorher nicht so deutlich gesehen habe: Mein Mann hat mir z. B. geantwortet: „Jo, schmeckt ganz gut“ – das ist ein deutlicher Unterschied zu: „Er mag mein Essen nicht.“

Er hat zwar keinen Nachschlag genommen, aber er hat immerhin aufgegessen. Da mein Mann die Angewohnheit hat, Dinge, die ihm partout nicht schmecken, auf dem Teller liegen zu lassen, weiß ich jetzt schon mal, dass er mich nicht angelogen hat und dass er das Essen wohl zumindest okay fand.

Ich merke, auch wenn es zwei Parteien in mir gibt, die sich darüber streiten, ob ich absolut sicher sein kann, dass Jürgen mein Essen nicht mag, so muss ich die Frage mit „nein“ beantworten. Ich lasse die Erkenntnis noch eine Weile in mir nachklingen.

Im Gegensatz zum Beginn meiner „Work“, wo ich mich noch sehr ärgerlich fühlte, empfinde ich jetzt so etwas wie zarten Frieden. Ich fühle mich leichter. Leise Freude steigt in mir auf.

Wie reagiere ich auf meinen Gedanken?

Also auf zu Frage drei: „Wie reagiere ich, was passiert, wenn ich glaube ‚Jürgen schmeckt mein Essen nicht‘?

Ich spule die abendliche Essensszene noch einmal ab. Ich sehe mich am Tisch sitzen, ich registriere, wie ich immer ruhiger werde und aus dem Gespräch mit meinem Mann aussteige. Ich ziehe mich in mich selbst zurück. Ich fühle mich enttäuscht, zurückgewiesen, als miserable Köchin.

Über meinen Mann hege ich unschöne Gedanken. In meinen Augen ist er plötzlich zum Banausen geworden, zum platten Currywurstesser, zu jemandem, der die Göttlichkeit ayurvedischen Essens einfach nicht begreift. Ich werte ihn innerlich ab und bin weit davon entfernt, ihn wie meinen Lieblingsmenschen zu behandeln.

Puh, als mir das alles klar wird, fühle ich mich dumpf und schwer. Auch diese Erkenntnisse lasse ich einen Moment bewertungslos sacken. Ich nehme einfach wahr und gestatte mir, wie durch eine Lupe zu schauen, was da alles in mir gleichzeitig abgelaufen ist.

Wer wäre ich ohne meinen Gedanken?

Dann gehe ich über zur vierten und letzten Frage: „Wer wäre ich ohne den Gedanken ‚Jürgen mag mein Essen nicht‘?“ 

Mal sehen: Ich sehe mich dort sitzen und das erhoffte Lob bleibt aus. Die Situation ist also dieselbe, nur existiert der Gedanke, dass Jürgen mein Essen nicht mag, quasi nicht mehr. Er ist wie ausradiert.

Ich muss eine Weile mit der Frage sitzen, bis ich spüre, es verändert sich etwas. So deutlich, als würde es jetzt gerade passieren, bemerke ich, wie mir mein Essen schmeckt. Für mich schmeckt es aufregend und genau richtig. Es wird immer weniger wichtig, ob es Jürgen ebenso geht. Das wäre natürlich schön, aber es ist nicht mehr so vordergründig. Ich kann in meinen Angelegenheiten bleiben. Ohne den Gedanken bin ich frei, ich bin zufrieden mit mir und meinem Essen und emotional unabhängig. Ich kann Jürgen so sein lassen, wie er ist, ob ihm das Essen nun schmeckt oder nicht. Wir haben einen schönen Abend. Das fühlt sich so angenehm an.

Meine Gedanken umkehren

Nach den Fragen kommen noch die Umkehrungen. Dabei formuliere ich den Satz nach einem vorgegebenen Muster so um, dass er eine andere Bedeutung bekommt.

Eigentlich bin ich schon zu diesem Zeitpunkt viel relaxter als zu Beginn der „Work“, aber da erst die sogenannten Umkehrungen eine „Work“ perfekt machen, beginne ich mit der ersten. Man setzt dabei den ursprünglichen Glaubenssatz ins Gegenteil.

Aus „Jürgen mag mein Essen nicht“ wird „Jürgen mag mein Essen“.

Hm, könnte das in der erlebten Situation auch wahr oder sogar wahrer sein? Mal sehen: Ja, Jürgen mag mein Essen – er isst es nämlich auf. Ja, und beim Hereinkommen hat er den Duft gelobt. Und er mag es sehr, wenn ich gekocht habe, weil es ihm das Gefühl gibt, umsorgt zu werden.

Ja, Jürgen mag mein Essen, auch wenn es sicher Dinge gibt, die ihm besser schmecken. Diese gefundenen Beispiele fühlen sich echt an für mich. Gut ist es, wenn man mindestens drei Beispiele für jede Umkehrung findet – der Verstand ist dann geneigter, zu akzeptieren, dass es neben dem ursprünglichen Glaubenssatz noch andere Wahrheiten gibt.

Ich gehe zur nächsten Umkehrung über, der Umkehrung zu mir selbst: „Ich mag mein Essen nicht.“ Ja, das stimmt auch. In dem Moment, in dem ich an Jürgens Wohlwollen zweifle, mag auch ich mein Essen nicht besonders, es bleibt mir quasi im Hals stecken. Zweifel über meine Kochkünste breiten sich aus, Gedanken wie „ich habe viel zu viel Kurkuma genommen“ werden unverhältnismäßig groß. Ich realisiere, wie ich mein zuvor als perfekt empfundenes Mahl nun selbst als ein gerade noch genießbares Essen abwerte. Ich merke, dass ich mal wieder auf mich selbst reingefallen bin und dass Jürgen nur der Auslöser war. Ich atme tief durch. Mitgefühl mit mir selbst taucht auf: Es ist heilsam, sich selbst auf die Schliche zu kommen.

Ich gleite zur letzten Umkehrung über: der Umkehrung zum anderen – „Ich mag Jürgens Essen nicht.“ Oh ja, auch das kommt vor. In Gedanken stehe ich als Vegetarierin seinem Essen als Fleischliebhaber oft negativ gegenüber. Und nicht nur das, ich lasse es ihn immer wieder durch Kommentare spüren, wer von uns denn nun das „richtige“ Essen zu sich nimmt.

Und ja, es gab schon Situationen, in denen Jürgen aufwendig gekocht hat und es hat mir trotzdem nicht geschmeckt. Es hatte gar nichts mit seinen Kochqualitäten zu tun, vielmehr mochte ich bestimmte Gewürze und Zutaten einfach nicht.

Und dann fällt mir noch ein, dass ich manchmal seine „experimentellen“ Gerichte partout nicht mochte. Ich muss schon fast grinsen, denn dies erinnert mich doch sehr an mein eigenes ayurvedisches Kochexperiment.

Ein kurzes Fazit

Ich fühle mich nun heiter und demütig zugleich. Vom anfänglichen Ärger keine Spur mehr. Ich verspüre den Drang, mich bei meinem Liebsten zu entschuldigen und ihm zu erklären, was ich über mich herausgefunden habe. Ich beschließe, ihn für den nächsten Tag in unser Lieblingslokal einzuladen und ihm dort von meinen Erkenntnissen zu berichten.

Ich hoffe, Sie konnten mir durch meine „Work“ folgen und die Kraft der vier Fragen spüren. Wenn ich Sie neugierig gemacht habe, freue ich mich. Probieren Sie es doch einfach einmal selbst aus. Lauschen Sie Ihrer eigenen inneren Wahrheit, denn alles ist schon in uns, wir müssen es nur aufsteigen lassen. Gehen Sie mit der „Work“ nach „Perlen tauchen“!

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Über Jana Steinmaier

Als „Coach für die Work“ (vtw) biete ich in Kassel und in Homberg/Efze sowie per Skype Einzelbegleitungen an. Auf www.diegedankenprueferin.com können Sie mehr über mich und die Work von Byron Katie erfahren. Immer wieder bin ich fasziniert von der Kraft der vier Fragen.
Mein Lieblingszitat von Katie: „Was ich an der Work so liebe, ist die Tatsache, dass wir nach innen gehen und unser eigenes Glück finden können. Es ist kein Lehrer nötig. Du selbst bist der Lehrer, auf den du gewartet hast."

Ich verfasse gerne eigene Texte und freue mich, nun über mein Herzensthema schreiben und es als Gastautorin auf „Zeit zu leben“ veröffentlichen zu dürfen.

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Kommentare

  • Über den Umgang mit seinen Gedanken macht bereits die Bibel aufmerksam:

    Mehr als auf alles andere achte auf deine Gedanken, denn sie entscheiden über dein Leben.
    Sprichwörter 4,23

    Quäl dich nicht selbst mit nutzlosem Grübeln! …sprich dir Mut zu…
    Jesus Sirach 30,21-23

  • Toll geschrieben und die Authentizität ist richtig spürbar. Danke

  • Zit.: „Ähm, schmeckt’s dir eigentlich?“

    Meine Empfehlung: sich mal mit Kommunikation zu beschäftigen, mit
    förderlicher Fragetechnik,
    statt des umständlichen -und wie jemand hier schrieb: egozentrischen” inneren Dialogs.

    Dann hätte sich in der Situation eine Klärung für BEIDE und ein
    GEMEINSAMES ergeben.
    So hat “sie” die Sache für “sich” geklärt, lehnt sich selbstzufrieden
    zurück und ist mit sich im reinen.

    Aber was ist mit ihm ?

    Er spürt, dass ihr irgend etwas nicht passt. Vielleicht !! bezieht er das
    richtigerweise nur aufs Essen. Vielleicht aber auch nicht und er kreist
    darum, was denn jetzt schon wieder los sein könnte: sein spätes Heimkommen, die Art seiner Begrüßung, hat er was vergessen zu erledigen oder vielleicht ist heute ein besonderer Tag ?

    Er geht alle Möglichkeiten seines vermuteten Fehlverhaltens durch und kommt zu seinem Fazit: “Undankbare Zicke” und “immer hat die was”.

    Am Anfang einer Bewältigungssituation ist immer: “Wenn einer ein
    Problem mit dem anderen hat, hat mit 100%iger Sicherheit der andere
    das gleiche Problem mit dem einen -nur in anderer Form-

    Eine Lösung kann nie einseitig sein.
    Gute Kommunikation = Beobachtung ansprechen, die “richtigen” Fragen stellen.
    Nur seine eigenen Gefühle zu säubern, ist das Gegenteil guter Kommunikation und Partnerschaft.

    • Susanne

      Hallo Karin,

      Kommunikation ist ein anderes Thema. Das Alltagsbeispiel zeigt einfach nur, wie man selbst in Frieden kommen kann.

  • Ich habe den Anlass , um eine Therapie Methode darzustellen, als alltagsuntauglich gefunden. Nur weil dem Mann das Essen nicht schmeckt muss man nicht gleich auf die Couch gehen, ganz gleich mit welcher Methode. Schließlich ist es eine persönliche Sache, welcher Geschmacksrichtung man angehört. Unweigerlich musste ich an Watzlaeeks Buch die Kunst unglücklich zu sein, denken. So nach dem Motto Wenn du mich wirklich liebst, würde dir Knoblauch schmecken.
    Aber die Methode the Work ist mit Sicherheit eine sehr gute. Nur für meine Begriffe, wie gesagt etwas weit hergeholt.

  • Danke für den tollen Artikel, Sehr für die Praxis.

    • Jana Steinmaier

      Hallo Christine,

      dankeschön! War mir eine Freude!

      Liebe Grüße
      Jana

  • Also ich finde es extrem befremdlich, wenn jemand Coach für “The Work” ist und bis “gestern” “Jo, is ganz lecker” mit “ihm schmeckt mein essen nicht” gleichsetzt und enttäuscht ist. The work funktioniert letztendlich, gut so, aber ich würde von einem Coach erwarten, dass diese Person den Sinn des Ganzen insgesamt verinnerlicht hat und nicht in jeder derartigen Alltagssituation gleich “the work” machen muss. Da bin ich (und ich bin kein the-work-coach) ja schon viel weiter… aber das ist alles nur MEINE Meinung.

    • Jana Steinmaier

      Liebe Mascha,

      in meinem Artikel versuche ich, Menschen, die die Work noch nicht kennen, beispielhaft zu verdeutlichen, was man sich unter einer Work vorstellen kann. Wie könnte das besser gehen als mit einer alltäglichen Situation?

      Viele Grüße
      Jana

    • mascha

      Is scho klar, aber sich selbst so befindlichkeitsfixiert und aus meiner Sicht auch irgendwie ziemlich egozentrisch darzustellen würde mir als Coach nicht in den Sinn kommen…

  • Wirklich neu ist das ja alles nicht, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Du, liebe Jana, als Coach für “The Work” so lange wie beschrieben brauchst, um zum Ergebnis zu kommen…. Ich selber habe mich in den letzten Jahren viel mit Methoden beschäftigt, gegebene Situationen aus einer anderen Sicht zu betrachten – was z. B. auch gut mit NLP funktioniert. Und mittlerweile ist es mir in Fleisch und Blut übergegangen, davon auszugehen, dass die Dinge auch ganz anders sein können, als ich sie gerade wahrnehme (z. B. “meinem Mann schmeckt mein Essen nicht.”). Und selbst wenn es ihm nicht schmecken würde, wäre das kein Zeichen für mangelnde Liebe, sondern einfach nur für einen anderen Geschmack. Wir müssen uns von den vielen Erwartungen frei machen, dass ein anderer ganz genau so reagiert, wie wir uns das erwarten. Annehmen, was ist, und nicht das, was gewünscht ist.
    Wenn Du tatsächlich Deinem Mann eine besondere Freude machen möchtest, wäre es ja auch zu überlegen, dass Du SEIN Lieblingsgericht kochst. Ansonsten bleibt es DEIN Experiment und die Reaktion den anderen überlassen.

    • Jana Steinmaier

      Liebe Marietta,

      vielen Dank für deinen Beitrag!

      Für mich persönlich ist es nicht wichtig, ob etwas „neu“ ist oder nicht – nur weil etwas nicht neu ist, bedeutet das ja nicht, dass es schlecht ist, oder? Mein persönliches Kriterium ist, ob ich damit etwas anfangen kann und ob es zu mir passt und ich habe herausgefunden, dass „the Work“ zu mir sehr gut passt.

      Die Work funktioniert, wenn man die vier Fragen beantwortet und zu den Umkehrungen Beispiele findet. Wie lange man dafür braucht, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass man sich Zeit nimmt, um die Antworten, die für einen selbst wahr sind, aufsteigen zu lassen. In ihren Webinaren erzählt Byron Katie immer wieder, dass sie manchmal tagelang über einer Umkehrung „brütete“, um wirklich auf den Grund zu gelangen. Ist für jemanden die Zeit, in der das passieren soll, der maßgebliche Faktor, könnte es besser sein, nach einer anderen Methode Ausschau zu halten. Das muss nicht bedeuten, dass Worken immer stundenlang (oder gar tagelang :-)) dauert, aber die Prämisse liegt nicht darauf, unbedingt besonders rasch zu sein.

      Dass die Dinge auch anders sein könnten als ich sie gerade wahrnehme, wird beim Worken besonders durch die Umkehrungen sehr deutlich. Die Beispiele, die ich dafür finde, lassen mich ohne erhobenen Zeigefinger erkennen, was neben der Ausgangssituation noch an Möglichkeiten für mich vorhanden ist.

      Meine bisherige Erfahrung ist übrigens, dass die Reaktion immer dem anderen überlassen ist – ob ich nun sein Lieblingsgericht koche oder nicht :-).

      Viele Grüße
      Jana

  • Guten Morgen,
    Ich möchte mich auch für den Artikel in “leichter Sprache” bedanken, der das lebendige Nachvollziehen der Methode greifbar macht.
    Und auch der Hinweis, es wird nach dem Abendessen “geworkt” eröffnet noch eine weitere Perspektive: trotz Stress durch gefühlter Kränkung nicht die ganze Aufmerksamkeit in die üblichen Stress Verhaltensmuster ( Angriff / Flucht / schockstarre) münden zu lassen. Ein Bein bleibt draußen und bremst das Innere Karussell ab , es hat sich schon auf in die Work gemacht.

    • Jana Steinmaier

      Liebe Ute,

      danke für dein nettes Feedback!

      Dein Bild vom Bein, das sich schon auf in die Work macht und so das innere Karussell abbremst, finde ich sehr passend. Wenn man weiß, man wird sich die Situation gleich noch einmal näher mit den Werkzeugen der Work ansehen, entlastet das schon oft.

      In Situationen, in denen man gerade keine Zeit für eine komplette Work hat, kann es auch hilfreich sein, sich direkt in der Situation einfach mal die Frage zu stellen: „Ist der Gedanke, den ich da jetzt habe, überhaupt wahr?“
      Dadurch verändert sich auch oft schon viel und man kann wieder anders mit den alltäglichen Anforderungen umgehen.

      Viele Grüße an dich,
      Jana

  • Aha. Hier wird gesiezt. Na gut.

    Liebe Jana,

    vielen Dank für Ihren tollen Artikel zu “The Work”. Mir war diese Methode zwar bereits von Kollegen ein Begriff, aber immer etwas mystisch, leicht esoterisch angehauchtes, was durch die Präsentation der Methode noch verstärkt wurde. Mit Ihrem sehr anschaulichen und vor allem nachvollziehbaren Artikel haben Sie mir geholfen, diese Idee wirklich zu verstehen.

    Mir stellt sich nur die Frage, ob dieser Prozess nicht auch sehr lange dauert? Wenn ich minutenlang mit mir selbst beschäftigt bin, dann merkt das doch mein Gegenüber auch? Ist es daher möglich, auch im Nachhinein mit dieser Methode zu arbeiten, oder muss die Emotion in diesem Fall frisch sein?

    Viele Grüße

    Marc

    • Jana Steinmaier

      Stimmt. Hier wird wohl eher geduzt. Kann ja noch werden. :-)

      Lieber Marc,

      vielen Dank für Ihr Feedback. Ich freue mich, wenn mein Artikel dazu beiträgt, die Work besser verständlich zu machen. Falls dann daraufhin noch jemand anfangen sollte, es praktisch auszuprobieren, wäre das klasse, denn das hat noch mal eine andere Qualität.

      Beim nochmaligen Lesen meines Artikels merke ich, dass die von Ihnen angesprochene Stelle tatsächlich missverständlich rüberkommt: Natürlich lasse ich mein Gegenüber nicht so lang sitzen, bis ich das mal eben „durchgeworkt“ habe. Byron Katie sagt immer: „Die Work ist Meditation“. Und dafür braucht es die Möglichkeit, Antworten zu den vier Fragen aufsteigen zu lassen, was mal eben, am Abendbrottisch mitsamt einem Gegenüber, nicht so günstig ist.
      Es ist überhaupt kein Problem, im Nachhinein Dinge mit der Work zu betrachten. Eher ist wahrscheinlich die Regel. In meinem Fall habe ich mich nach dem Essen für eine Weile zurückgezogen und mir dafür etwas Zeit genommen.

      Übrigens kann man sogar über Dinge aus der Kindheit noch eine Work machen. Wenn es mich also als Erwachsene noch schmerzt, dass damals dieses und jenes passierte, dann liege ich mit der Realität im Streit, obwohl so viele Jahre dazwischen liegen. Die Sache selbst ist längst passé, aber in meinem Kopf läuft ein aktueller Film.
      Ebenso ist es möglich, Befürchtungen zu hinterfragen, von denen man gar nicht weiß, ob sie überhaupt eintreffen werden. Oft plagen wir uns ja mit Szenarien herum, glauben, dass sie wahr sind, und dann treten sie doch nie ein.

      Danke für die gute Frage!

      Viele Grüße
      Jana

 

Ralf Senftleben

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Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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