Empathie statt Ehrlichkeit? Wann Liebeslügen Sinn machen

Schreib dich glücklich! -> Projekt Tagebuch

Mit der Ehrlichkeit in einer Beziehung ist es so eine Sache. Prominentes Beispiel:

Dem Partner einen Seitensprung zu gestehen, ist eine Herausforderung und setzt einiges an Mut und Entschlossenheit voraus.

Andersherum ist auch der Empfang dieser Nachricht mit Schwierigkeiten verbunden, denn in der Regel bricht dann mindestens eine kleine Welt zusammen.

Also doch lieber verschweigen?

Aber was, wenn der Partner explizit nachfragt?

Einfach lügen?

In den nächsten 5 Minuten gehen wir der Ehrlichkeit auf den Grund und schauen hinter die Kulissen, wie ehrlich wir in unseren Beziehungen überhaupt sein können.

Wir haben ein zwiegespaltenes Verhältnis zur Ehrlichkeit!

Frage eine beliebige Person, wie wichtig ihr Ehrlichkeit in ihrer Beziehung ist. 

(Finde deinen Kompass - Wie du herausfindest, wo es für dich langgehen soll im Leben …)

In der Regel sehr wichtig.

Ich finde das interessant, denn das ist tatsächlich einer der wichtigsten Werte in unserem Liebesleben und es ist schon ein Tabubruch, daran zu zweifeln oder es auch nur zu hinterfragen.

Ich selbst finde, dass Ehrlichkeit wichtig ist und dass eine ehrliche Art das Leben in den meisten Situationen leichter macht.

Aber generell bin ich auch der festen Ansicht, dass man so gut wie alles hinterfragen kann/darf/sollte – auch Werte, die uns wie selbstverständlich erscheinen.

Hilft Ehrlichkeit immer?

Ich habe gerade von „den meisten“ Situationen gesprochen. Dabei stimmt das eigentlich gar nicht, wenn wir mal genau draufschauen. Beispiele gefällig?

Hier mal ein paar absolut ehrliche Aussagen, die wir bei maximaler Ehrlichkeit ständig von uns geben müssten:

  • „Du bist echt dick geworden!“
  • „Ich habe dich nie geliebt!“
  • „Du bist mir unsympathisch!“
  • „Dein Kleidungsstil ist fürchterlich!“

Auf mich wirken diese Sätze weder hilfreich noch irgendeiner Situation angemessen noch sympathisch.

Dabei sind sie doch alle total ehrlich!?

Ehrlichkeit vs. Sozialkompetenz

Spätestens, wenn wir unser Gedankenexperiment mit diesen drastischen (allerdings nicht unrealistischen) Beispielen auf die Spitze treiben, wird deutlich, dass Ehrlichkeit vielleicht einen etwas zu guten Ruf genießt.

Ich bin daher dafür, Ehrlichkeit nicht als einzige Bewertungsgrundlage dafür zu nehmen, wie ich mich in einer Situation verhalten soll.

Denn die meisten Menschen haben die Fähigkeit, einzuschätzen, was gerade für alle an einer Situation beteiligten Menschen am hilfreichsten ist. Ehrlichkeit kann dann eine Lösung sein.

Genauso wie eine kleine Notlüge.

Beispiel: Ende einer Beziehung

Mark und Johanna haben gerade gemeinsam das Ende ihrer Beziehung besprochen. Es hat sich seit einiger Zeit abgezeichnet, dass Marks Gefühle für seine Partnerin nicht mehr über freundschaftliche Sympathie hinausgehen. Und da Johanna das nicht genügt, steht nun das Beziehungsaus an.

Die beiden haben Glück, da es keinen großen Streit gibt. Im Gegenteil, die Trennung ist fast nüchtern und wie so oft in solchen Fällen endet eine schöne Zeit mit einer Aussprache.

Nun steht Mark vor einem inneren Konflikt. Soll er das abschließende Gespräch mit Johanna angenehm gestalten und so in der Zukunft eine weitere freundschaftliche Beziehung ermöglichen?

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Oder soll er ihr zum Abschluss noch die monatelange Affäre mit seiner Arbeitskollegin Monika beichten?

Wirklich ehrlich wäre nur eines von beiden …

Ist Reden Silber?

Spielen wir beide Situationen und deren Konsequenzen kurz durch. Wenn Mark ehrlich ist und von der Affäre erzählt, dann …

… folgt ein schwerer Streit und Johanna wird sich betrogen fühlen und den Wert der Beziehung rückwirkend anzweifeln. Vermutlich wird sie mit einem ordentlich angeknacksten Selbstwertgefühl in die Partnersuche und in die nächste Beziehung gehen. 

Eine solide Basis für ein gutes Auskommen der beiden in der Zukunft wird nicht gelegt – was durch den gemeinsamen Freundeskreis das Leben aller Beteiligten nicht gerade einfacher macht.

Oder ist doch eher Schweigen Gold?

Wenn Mark sich das Geständnis hingegen verkneift, dann …

… ist Johanna zwar nicht glücklich, muss aber nicht zusätzlich das Gefühl des Betrogenwordenseins erleiden. Zudem noch in einer Phase, die naturgemäß aufwühlend ist und in der man auf solche Nachrichten nur so reagieren kann, dass alles noch schlimmer wird.

Die beiden können, nachdem die Verletzungen der beendeten Beziehung verheilt sind, über eine Freundschaft nachdenken und sich auch im Freundeskreis wieder über den Weg laufen, ohne dass es jedes Mal zu einer Eskalation kommt.

Und möglicherweise reagiert Johanna nach ein oder zwei Jahren gelassener, wenn sie durch Zufall oder Absicht doch noch von der Affäre erfahren sollte – kein Wunder, sie wird dann vermutlich in einer stärkeren emotionalen Verfassung sein.

Aber damit diese Lösung auch wirklich eine Option wird, muss Mark möglicherweise seine Sicht auf das Thema Ehrlichkeit ändern. Um dir das an dieser Stelle zu erleichtern, möchte ich dir 3 Inspirationen mit auf den Weg geben:

#1: Ehrlichkeit muss kein Dogma sein

Wer kennt das Klischee nicht:

Die Frau steht im neuen Kleid vorm Spiegel und bittet den Mann um eine Beurteilung. Ist er ehrlich und rät zu einem etwas weiter geschnittenen Kleid?

Schwierig!

Greift er zur Notlüge und lobt die Optik? Möglicherweise findet die Frau das heraus und auch dann folgen Streit, Vorwürfe und Beziehungsstress.

Das ist eine Zwickmühle. Und Zwickmühlen sind für eine Beziehung ungesund.

Zuerst lohnt es sich also, zu hinterfragen, ob Ehrlichkeit zum Selbstzweck verkommen sollte.

#2: Empathie ist wichtiger als Ehrlichkeit

Ich denke, dass auch dieser Gedanke seine Berechtigung hat. Ehrlichkeit hat ein sehr großes Verletzungspotenzial und auch wenn aus kleineren Verletzungen später viel Heilung entstehen kann, darf man damit achtsam umgehen.

Die Frage, ob ich meinem Gegenüber mit Ehrlichkeit gerade wirklich einen Gefallen tue, macht also Sinn.

Und auch da darf bisweilen differenziert werden:

  • Bin ich jetzt ehrlich?
  • Will ich später ehrlich sein?
  • Oder verkneife ich mir den Drang nach Ehrlichkeit in diesem Punkt lieber dauerhaft?

#3: Brauche ich selbst immer maximale Ehrlichkeit?

Auch andersherum wird die Frage relevant, denn es gibt hier eine starke Wechselwirkung. Wer knallhart ehrlich unterwegs ist, fordert das oft auch selbst ein.

Ich finde aber, dass es eine Alternative sein kann, weniger auf das Verhalten einer Person zu vertrauen als vielmehr auf die Person und auf deren Integrität selbst.

Konkret formuliert hieße das:

Gestehe ich meinem Partner das Recht zu, auch mal unehrlich zu sein, da ich ihm gleichzeitig zutraue, zu entscheiden, was für uns beide hilfreich ist?

Das Vertrauen in der Beziehung spielt plötzlich eine große Rolle und hier ist ein großes Potenzial vorhanden, das zu vertiefen!

Schreib dich glücklich…

Es gibt eine bestimmte Art, ein Tagebuch zu schreiben. Eine Art, die dich wirklich voran bringt. Ein Tagebuch, das dich heilen kann. Pure Selbsterkenntnis. Und jede Menge Spaß: Projekt: Tagebuch.

Fazit:

So kompliziert die Frage nach dem richtigen Maß an Ehrlichkeit auch ist:

Um in der Beziehung harmonisch unterwegs zu sein, können ein paar Punkte helfen, über die es sich nachzudenken lohnt.

Die Antwort auf diese Fragen überlasse ich dir – und begnüge mich damit, dir genau das richtige Maß Ehrlichkeit in deiner Beziehung zu wünschen.

Auf dass sie so glücklich wie möglich werde!
Dein Nils 

Über Nils Terborg

Nils ist Beziehungsexperte und coacht Paare und Singles auf dem Weg zum Glück. Ehrlichkeit ist dabei wichtig, aber in Form eines Lernprozesses, nicht als Dogma. Eine glückliche Beziehung setzt daher eine glückliche und starke Persönlichkeit der Beteiligten voraus … Mehr auf www.nilsterborg.de

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Kommentare

  • Auch wenn der Artikel schon etwas länger her ist…
    aber ich bin heute morgen darüber gestolpert und wurde zum Nachdenken angeregt – dafür erst mal vielen Dank :)

    ich finde auch, dass man generell bei der Wahrheit bleiben sollte, aber ich hab noch ein anderes Beispiel:
    Ich kann mich noch an ein Beziehungsaus erinnern, wo ich mir die Wahrheit von meinen damaligen Partner als auch von meiner Schwester gewünscht hatte. Ich spürte, dass etwas im Unreinen war und habe beide darauf angesprochen. Aber beide waren damals nicht in der Lage mir ihre Liebe zueinander (und ihre Beziehung neben unserer) zu gestehen. Die Trennung und die das viel spätere Geständnis, dass sie mich die ganze Zeit über angelogen hatten – war sehr, sehr schwer für mich und ich hatte mir wirklich gewünscht, dass sie mir das von Anfang an gesagt hätten, weshalb wir im Anschluss erst mal keinen Kontakt mehr hatten.

    Aber… heute weiß ich, dass es auch von mir zuviel verlangt war, die absolute Wahrheit zu erwarten. Mein Ex- Partner und meine Schwester konnten es damals noch nicht und ich weiß nicht mal, ob ich die Wahrheit damals wirklich verkraftet hätte. Wenn wir also auch von Menschen und Beziehungen sprechen, die vielleicht noch am Anfang ihrer Beziehungserfahrung stehen oder häufiger viele negative Erfahrungen gemacht haben und dementsprechend das Urvertrauen verlernt haben, müssen wir da nicht auch Empathie für diese Menschen zeigen? Und geht es nicht darum in der Arbeit als Coach; den Menschen, da abzuholen, wo er gerade steht und ihn anzunehmen (selbst wenn er seiner Partnerin fremdgegangen ist und sie angelogen hat?)

    Mittlerweile habe ich wieder zu meiner Schwester und auch zu ihren Partner wieder Kontakt (wofür mich viele für verrückt halten), denn ja jeder Mensch macht Fehler und die eigenen Fehler eingestehen können noch lange nicht alle (weshalb sie sich vielleicht selber schonen wollen), aber wenn man nicht irgendwann einmal diese Fehler verzeiht oder ihnen dabei hilft, damit umzugehen… Ich weiß nicht, wohin das führen wird :O

    Jedenfalls danke für diesen Artikel und auch für eure Ansichten. Ich habe noch mehr über dieses Thema nachgedacht und finde es super, wie Herr Terborg sich die Zeit genommen hat und viele Anmerkungen angenommen und kommentiert hat.

    Danke und einen schönen Tag noch :)

  • Ehrlichkeit ist die Vorrausetzungen für Glaubwürdigkeit und somit Vertrauen. Unehrlichkeit wie Lügen, Verschweigen oder Verheimlichen von Tatsachen führen zu Glaub,- und Vertrauensverlust. Es gibt Gründe die Lügen erklären mögen, diese Gründe werden Lügen aber rechtfertigen können denn das was folgt sind Konsequenzen, und diese haben mit unter weitreichende Folgen Deshalb gibt es in einer Beziehung keinen Grund der Lügen rechtfertigen kann. Die Wahrheit ist dass was wir hören wollen und hören sollten, und womit wir in dieser logischen Konsequenz mit der Wahrheit umgehen und leben lernen sollten. Ich möchte in einer Beziehung um “beider willen” nicht belogen werden. Damit gebe ich ja mein Recht ab für mich selbst frei zu entscheiden, wie ich mit der Wahreit umgehee. Und das ist alleine mein Recht um das ich in einer Beziehung nicht beraubt werden möchte, egal welchen guten Gründen mir man das Recht auch nehmen möchte. Denn genau das bedeutet für mich Vertrauenverlust.

  • “Wenn der Karren dann einmal in den Sand gefahren ist, macht es aus meiner Sicht u.U. (!) wenig Sinn, bei Monika noch für emotionale Verletzungen zu sorgen…”

    Das ist doch das, worum sich jemand, der sich vorher schon mit Unehrlichkeit aus der Affäre gezogen hat, am wenigsten Gedanken macht. Nicht die emotionale Verletzung des anderen sondern die Konfrontation mit dieser wird vermieden. Und eben nicht zum ersten Mal, sonst gäbe es da nichts zu beichten.
    Monika bleibt im Unklaren über die Geschehnisse – und kann womöglich nicht richtig abschließen.

    Und das ist meines Erachtens das Schlimme an der Unehrlichkeit: Das Gegenüber wird im Unklaren gelassen, eventuell sogar in Sicherheit gewiegt (“nein, nein, du siehst gut aus in dem Kleid”…). Respektvoller Umgang miteinander sieht aus meiner Sicht anders aus. Man kann lernen, unangenehme Dinge zu vermitteln. Man kann lernen, Emotionen anderer auszuhalten. Man kann lernen unangenehme Aussagen anzunehmen und für sich selber einzuordnen. Das wäre mE erwachsenes Verhalten.

  • Hi Dorothea,

    ich stimme dir zu, dass wäre noch ehrlicher gewesen. Trotzdem geht das an der Lebensrealität vieler Paare vorbei und wenn man sich in die Situation hineinversetzt ist denke ich klar, dass das keine einfache Beichte wird. Wenn der Karren dann einmal in den Sand gefahren ist, macht es aus meiner Sicht u.U. (!) wenig Sinn, bei Monika noch für emotionale Verletzungen zu sorgen…

    LG, Nils

  • Hi Nils,
    und was sagst du dazu?

    Was ist die Wahrheit?
    Hier einige Gedanken auch von mir dazu. :-)
    zu: „Nun steht Mark vor einem inneren Konflikt. Soll er das abschließende Gespräch mit Johanna angenehm gestalten und so in der Zukunft eine weitere freundschaftliche Beziehung ermöglichen?
    Oder soll er ihr zum Abschluss noch die monatelange Affäre mit seiner Arbeitskollegin Monika beichten?
    Wirklich ehrlich wäre nur eines von beiden …“ ???
    Wirklich ehrlich wäre gewesen, wenn er Johanna damals mitgeteilt hätte, dass ihn Monika reizt und er mit ihr eine Affäre möchte, dann hätte Johanna damals entscheiden können, wie sie reagieren möchte…

    LG Dorothea

  • Was ist die Wahrheit?
    Hier einige Gedanken auch von mir dazu. :-)
    zu: “Nun steht Mark vor einem inneren Konflikt. Soll er das abschließende Gespräch mit Johanna angenehm gestalten und so in der Zukunft eine weitere freundschaftliche Beziehung ermöglichen?
    Oder soll er ihr zum Abschluss noch die monatelange Affäre mit seiner Arbeitskollegin Monika beichten?
    Wirklich ehrlich wäre nur eines von beiden …” ???
    Wirklich ehrlich wäre gewesen, wenn er Johanna damals mitgeteilt hätte, dass ihn Monika reizt und er mit ihr eine Affäre möchte, dann hätte Johanna damals entscheiden können, wie sie reagieren möchte…

    Ein anderer Gedanke, der bei mir sofort kommt, ist was ist wirklich die Wahrheit?
    Seit dem ich die Methode “The Work” von Byron Katie kenne und auch praktiziere, bin ich so manchmal erstaunt, dass das, was ich als Wahrheit gesehen habe, garnicht unbedinngt die Wahrheit ist. Es sind Gedanken/Glaubenssätze und da gibt es auch noch viele andere, wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist.
    Z,B, der Satz: „Ich habe dich nie geliebt!“, würde man ihn mit dieser Methode hinterfragen, würde man vielleicht erkennen, dass man sie doch auch geliebt hat. Mal spürt man die Liebe, mal nicht und was heißt für einen, ich liebe? Wie äußert sich das? Wie merkt man, ob man liebt? Selbst bei meinen eigenen Kindern denke ich manchmal: “Liebe ich sie? Und in manchen Momenten spüre ich so viel liebe, dass ich da zu jedem sagen könnte: “Ich liebe dich!” :-)
    Wie weiß man dann, was die Wahrheit ist?

    • Nils Terborg

      Hi Dorothea,

      auch ein guter (philosophischer) Punkt, der bis jetzt vielleicht etwas kurz gekommen ist. Wir behandeln Wahrheit in der Regel immer als etwas sehr klares und Allgemeingültiges. Ich finde, das ist auch ein Argument dafür, Ehrlichkeit nicht blind zu vertrauen :-)

      LG, Nils

  • Hi Nils,

    das Schöne an der Wahrheit ist für mich, dass sie heilsam ist. Wenn mich also ein Schmerz besonders trifft, kann ich auch ziemlich gut sagen, was mir da weh tut eben weil es so weh tut.

    Dann liegt es an mir, mich diesen Themen zuzuwenden.

    Wäre ich Johanna, würde ich mich lieber gleich mit dem Thema Fremdgehen (und Verrat, Mißtrauen, Unverbindlichkeit etc.) auseinander setzen als diese Erfahrung später mit einem anderen Partner noch einmal zu machen.

    Vielleicht hätte auch Johanna beim ersten Mal heraus gefunden, dass ein Teil von ihr unbewusst zum Fremdgehen zugestimmt hat und dass sie sich letztendlich selbst betrügt.

    Das eröffnet doch ganz neue Möglichkeiten bewussten Wählens in ähnlichen zukünftigen Situationen.

    Herzliche Grüße,
    Daniela

    • Nils Terborg

      Hi Daniela,

      schöne Überlegungen! Ich mag es aber vor allem, dass Johanna in diesem Beispiel bei der Ehrlichkeit zu ihr selbst anfängt :-)

      LG, Nils

  • Ich würde “Ehrlichkeit” mit “emotionaler Größe” gleichsetzen wollen: Denn nur wenn ich (gegenüber an-deren) aufrichtig genug bin (“den Arsch in der Hose habe, meine Ansicht zu äussern und nach ‘aussen’ souverän zu vertreten), gebe ich dem Anfragenden eine echte Chance, die Absage nicht zu sehr als “per-sönlich” aufzufassen.

    In meinen mittlerweile 43 Lebensjahren hatte ich einen Fall, wo ich mich in eine Beziehung habe drän-gen lassen, die ich (für mich) gar nicht wirklich haben wollte. Aus dem “Alibi-Begleiter” wurde ein Part-ner, welcher (bedingt durch sein Elternhaus) eher einem großen Kleinkind ähnelte.

    Seine Mutter hatte ihm rein 0 zugetraut und begriff mich weniger als seine Freundin (Partnerin), denn mehr als sein Kindermädchen (“Nanny”) – zumindest habe ich mich so gefühlt! Leider fehlte mir damals die emotionale Größe, ihm freundlich-bestimmt abzusagen.

    Stattdessen habe ich mir ein großes Kleinkind ans Bein gebunden.

    Erst als bei mir (aus verschiederlei Gründen) eine vorberufliche Maßnahme ganz gründlich in die Grüt-ze ging (wegen der von „aussen“ eingeimpften Verantwortung für meinen damaligen Partner) und ich (von Arbeitsamtsseite) eine zweite Chance bekam, diese besser zu machen, habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mich von ihm getrennt.

    Er hat mir noch die Ohren vollgeplärrt und mit Suizid gedroht. Pech nur, dass ich mich auf diese emotio-nale Erpressung nicht (nach seinem Wunsch) eingelassen habe!

    Nach der Trennung habe ich mich gefühlt wie ein Sträfling, der sich seiner Steinkugel entledigt hatte – wirklich: So schlimm war für mich diese Beziehung (die eigentlich gar nicht hätte sein sollen/ dürfen)!

    Nach vier Fehlgriffen hatte ich mich entschlossen, zunächst einmal solo zu bleiben. Natürlich hatte ich die Männer nicht per sé (hinsichtlich einer Beziehung) für mich „abgehakt“.

    Ich wusste nur für mich: Ich stürze mich nicht vorschnell in eine neue Beziehung. Wenn ich mich auf ei-nen Partner einlasse, muss ich auch wirklich mit dem ganzen Herzen hinter ihm stehen können (wol-len)!

    Darum käme auch eine Scheinehe für mich nie in Frage – egal, wie schlecht es mir finanziell ginge!

    Wenn ich wider Erwarten eine höhere Summe bräuchte (Konjunktiv), hätte ich meine legalen (Geld-)Quellen.

    Ebenso wenig halte ich von den sog. „Anbahnungen“. Wie verzweifelt müssen diese Leute sein, dass sie so was nötig haben?!

    Ehe ich mit meinem heutigen Lebensgefährten Kristian zusammengekommen bin, gab es schon den ei-nen oder anderen Interessenten – darunter auch ein Arbeitskollege.

    Letzterer hatte von einem Suizidversuch eine Gehbehinderung zurückbehalten. Ich habe ihm freund-lich-bestimmt abgesagt.

    Zum einen wollte ich zu dieser Zeit (für mich) keinen Partner. Zum andern war er mir zu sympathisch, um ihm halbherzig Ja zu sagen.

    Es wäre für beide Seiten unbefriedigend wie frustrierend:

    Er wäre immer im Zweifel gewesen „Liebt sie mich eigentlich wirklich oder sagt sie es nur aus Gefällig-keit?!“ und ich hätte mich für ihn (emotional) verantwortlich gefühlt und mit dem Gedanken geärgert, dass ich mich – u. U. – erneut in die „Rolle“ des Kindermädchens „gestürzt“ hätte.

    Irgendwann wäre dann das „Fass“ endgültig übergelaufen und eventuell die Beziehung im Streit ausei-nandergegangen.

    Meiner Ansicht nach sollte man (wenn möglich) im guten Einvernehmen auseinandergehen (können/ sollen). Man sollte (wenn man sich mal unterwegs wo trifft) sich aufrichtig ansehen können und keinen Groll aufeinander hegen.

    Leider sind solche Leute extrem rar gesät. Mein dritter Ex gehört zu jenen, mit denen man beim beiläu-figen Aufeinandertreffen noch das eine oder andere Wort wechseln kann, ohne dass die Hoffnung auf einen Neustart „aufkeimt“.

    Meine Ex’e Zwei und Vier würden sich erneute Hoffnung machen („Vielleicht ist für mich der Zug doch noch nicht völlig abgefahren!“), weshalb da nur der endgültige „Cut“ möglich ist!

    Später sagte mir mein Ex-Arbeitskollege, dass ihn meine Absage damals ganz arg getroffen hätte. Doch schlussendlich wäre er mir für meine Aufrichtigkeit sehr dankbar!

    Es ist wie mit so vielem: Der Ton macht die Musik!

    Daher ist Ehrlichkeit unzertrennlich mit „Aufrichtigkeit“ und „emotionaler Größe“ verbunden!

    • Nils Terborg

      Hi Saskia,

      danke erstmal, dass du so viele persönliche Infos mit uns teilst!

      Ich finde, dass du dabei die Geschichte eines Lernprozesses beschreibst: Am Anfang war es schwierig, ehrlich zu sein, später ging es.

      Meine Meinung dazu: Ich akzeptiere auch die erste Stufe des Lernprozesses und verurteile den Menschen nicht, dem noch die “emotionale Größe” fehlt, um maximal ehrlich zu sein. Und wie gesagt: Genauso, wie ich Ehrlichkeit als Dogma für sinnvoll halte, möchte ich zum notorischen Lügen ermutigen :-)

      LG, Nils

  • Ich sehe den Beitrag auch sehr kritisch. Gerade das Beispiel mit dem Fremdgehen. Ich habe das Gefühl, hier wird einfach nur eine bequeme Verhaltensweise, nämlich die, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, gerechtfertigt.
    Ich für meinen Teil fände es viel schlimmer, nach zwei Jahren von der Affäre zu erfahren. Ich hätte nicht das Gefühl, dass derjenige es mir deshalb nicht bei der Trennung erzählt hat, um mich oder unsere Freundschaft zu schützen, sondern vor allem sich selbst. Würde ihm was an der Freundschaft zwischen uns liegen, wäre er so ehrlich gewesen, die Karten offen auf den Tisch zu legen und mir die Chance zu geben selbst zu entscheiden, ob ich angesichts der Tatsachen noch eine Freundschaft mit ihm haben möchte. Die Möglichkeit hat er mir aber gar nicht erst gegeben. Das hat für mich wenig bis gar nichts mit Emphatie zu tun.

    • Nils Terborg

      Hi Judy,

      wenn dir die Ehrlichkeit in dem Fall wichtig ist und du damit umgehen kannst/möchtest, würdest du es vielleicht ja auch kommunizieren. Ich mache trotzdem Werbung für die Person, die es nicht erzählt. Wenn ich mich in die Situation reindenke (war niemals auch nur annähernd in einer solchen Situation), dann stelle ich mir das verdammt hart vor. Wer bin ich nun als Autor/Coach/Mensch, dass ich die Person verurteile?

      Das vielleicht als neue Perspektive…

      LG, Nils

  • Mir war schon nach dem Lesen der ersten Zeilen klar, wie der Tenor der meisten Kommentare ausfallen wird und so ist es auch: Ehrlichkeit über alles. Dabei ist es erwiesen, dass wir alle täglich lügen. Dabei ertappt und darauf angesprochen kommen die merkwürdigsten Ausreden – Hauptsache, das eigene Selbstbild von der ehrlichen Sauberfrau kommt nicht ins Wanken. Aber hier im Forum tummeln sich natürlich nur ehrliche Menschen…

    Anmerkung zum Beispiel im Artikel: Warum soll es eigentlich für den betrogenen Partner vorteilhafter sein, eine Freundschaft mit dem dann ex-Partner zu haben? Ganz abgesehen davon, dass es IMO generell für den verlassen wordenen Partner mental gesünder ist, einen sauberen Schlussstrich zu ziehen und keinen Kontakt mehr zu haben, gilt das doch erst recht, wenn der ex-Partner einen hintergangen hat. Die Frage lautet doch: Will ich mit jemandem befreundet sein, der mich schon einmal aufs Abstellgleis befördert hat und dies dementsprechend jederzeit wieder tun kann? Aber jeder nach seiner Fasson.

    Jedenfalls ein mutiger Artikel. Grüße und einen angenehmen Wochenstart

    • Ismir Übel

      Grad noch vergessen: Nach meiner Erfahrung sind es gerade diejenigen Menschen, die “schonungslose Ehrlichkeit” einfordern, die am schlechtesten damit umgehen können.

    • Nils Terborg

      Hi Ismir,

      mich überrascht, das Contra auch nicht, finde das aber auch okay. Danke für die Ergänzungen zum Thema Lügen, sehe ich ebenso und finde ich prinzipiell auch unproblematisch :-)

      LG, Nils

  • Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie aufwändig es ist, einen aussagekräftigen und schlüssigen Artikel zu schreiben. Bisher wurde ich auf Zzl richtiggehend “verwöhnt” mit vielen klar aufgebauten, durchdachten und sauber formulierten Beiträgen.

    Mit dem Schreiben eines Artikels zum diffizilen Thema “Ehrlichkeit” hat sich der Autor eine, wie ich finde, zu anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Den obigen Beitrag kann ich stilistisch und fachlich/thematisch nur als “mangelhaft” bezeichnen. Ein Experte, wie hier in Beziehungsfragen (was der Artikel leider wenig zeigt), ist eben nicht automatisch auch ein guter Autor.

    Danke für die Mühe, doch das geht mit Sicherheit besser.

    • Nils Terborg

      Hi Christine,

      danke für deine ehrliche Rückmeldung ;-)

      Inhaltlich kann ich dir allerdings nicht folgen, da du dafür zu unkonkret bleibst…

      LG, Nils

  • Ich bin voll bei allen, die diesen Beitrag in höchste Kritik ziehen!

    Der erste Kommentar von Christina Schindler (25. September) bringt meine Position im Grunde schon perfekt auf den Punkt. Anja (27. Sept.), Petra-Lena (27. Sept., “Man muss lernen mit der Wahrheit zu leben und auch daran wächst man.”) und Renate (27. Sept.) präzisierens weiter, sodass ich nur nochmal das Wesentlichste draus reflektieren und anmerken kann – in jedem Fall volle Übereinstimmungen mit diesen zu recht konträren Artikeln, die auch meinen Erfahrungsschatz wiederspiegeln!

    Eine authentisch und gleichberechtigt geführte Partnerschaft ist genuin frei von Lügen, von Bevormundung. Sie überlässt es liebe- und respektvoll dem Partner, mit der Wahrheit umzugehen. Vor einer verletzenden Handlung ist nicht zu überlegen, ob sie offen kommuniziert werden soll, sondern ob sie durchgeführt werden soll! Fällt der Entschluss dazu, ist bei jedem zu sich selbst stehenden Menschen die bedingungslose Bereitschaft dazu da, die begründete Entschlossenheit nach außen hin zu kommunizieren (und dies in allen zwischenmenschlichen Beziehungen). Wer diese bedingungslose Bereitschaft nicht besitzt, schützt de facto vor allem sich selbst vor den möglichen Reaktionen des Außen. Das damit genuin verbundene, mangelnde Selbstwertgefühl macht eine gesunde Beziehungsführung per se äußerst schwierig.

    Wahrheit – bedingungslos – ist damit zu recht der Grundpfeiler einer erfüllten Beziehung. Verstrickungen, die aus Lügen entstehen und durch schlichte Authentizität hätten vermieden werden können, werden mittel- bis langfristig eine große Belastung selbst für Beziehungen werden, in denen sich beide Partner für eine Abkehr von der Wahrheit zum gegenseitigen “Schutz” entscheiden. Solche Beziehungen, deren wesentlicher Bestandteil Lügen sein dürfen, besitzen damit ein essenzielles Manko in der Grundstruktur.

    Für mich selbst besteht nicht nur aus ergründender Reflexion heraus, sondern bestärkend aus dem konkreten eigenen Erfahrungsschatz die absolute Erkenntnis:

    Es ist die höchste Niederträchtigkeit, den Partner gegenüber der Wahrheit absichtlich zu belügen!

    Insbesonderes Petra-Lenas Feststellung beschließt auch meinen Kommentar wahr und punktgenau:
    “der einzige Mensch, der beim Lügen wirklich geschont wird, ist der Lügner selbst”

    • Nils Terborg

      Hi Ben,

      “Eine authentisch und gleichberechtigt geführte Partnerschaft”
      Klingt toll. Habe ich bis jetzt noch nicht gesehen, auch nicht in unglaublich glücklichen Partnerschaften. Menschen sind weder maximal perfekt, noch maximal gleichberechtigt, noch maximal authentisch. In meiner Welt ist das okay so und ich finde es auch okay, wenn das in deiner Welt anders ist.

      Aber unsere Meinungen entscheiden sich dann halt. Die von dir zitierten Generalisierungen (“man muss…”) hingegen würde ich allerdings nicht tolerieren, daher widerspreche ich da resolut :-)

      LG, Nils

  • Viele interessante Gedanken….. Meine Frage: kann es sein, dass die totale Ehrlichkeit auch etwas mit Egoismus zu tun hat? Ich sage die Wahrheit, daher bin ich “gut”. Was der andere damit anfängt, ist dann sein Problem. Ich für meinen Teil glaube, dass sowohl der Autor als auch die Kommentare ihre Berechtigung haben. Wie ehrlich man seinen Mitmenschen gegenübertritt hängt meiner Meinung nach aber auch immer davon ab, in welcher Situation und welcher seelischen Verfassung sich mein Gegenüber befindet. Ehrlichkeit zum richtigen Zeitpunkt? Vielleicht ein Kompromiss an beide Seiten….

    • Nils Terborg

      Hi Anja,

      ja, der Punkt mit dem Timing ist wichtig, danke für die Ergänzung!

      LG, Nils

  • Ich sehe, dass viele mit dem Artikel Probleme haben. Ich bin eigentlich auch ein grund-ehrlicher Mensch, doch in einer Beziehung – ich bin seit 30 Jahren verheiratet – gibt es Dinge, die man einfach nicht immer sagen kann oder soll. Mein Mann ist extrem Sicherheitsbewusst und sieht auch überall Gefahren. Wir haben eine Hund, den ich meistens allein ausführe. Wenn es nach ihm ginge, dürfte ich höchstens der Haupt- und vielleicht noch einer Nebenstrasse entlang gehen. Felder und Natur geht gar nicht – zu einsam, zu viele Möglichkeiten für eine Gefahr. Also gehe ich spazieren und rede nicht darüber, wo. Wenn er fragt, gebe ich eine allgemeine Auskunft. Wenn ich die Wahrheit sagen würde, gäbe es jedes Mal Streit.
    Dies als Beispiel – ich verstehe den Schreiber des Artikels aus Erfahrung.

    • diana

      liebe sonja,
      ich glaube das ist genau der punkt. wie möchte ich, dass man mit mir umgeht. du kannst dich damit abfinden und gehst damit viel streit aus dem weg – da habe ich höchsten respekt! ich hingegen -war allerdings noch nie länger als 5jahre in einer beziehung- würde mir total unfrei vorkommen, denn jeder darf doch seine wahrheit leben?! ihm ist dies wichtig und er darf danach leben, jedoch darfst du doch nach deiner wahrheit leben?! das ist mein angestrebtes ziel in freiheit zusammen zu sein. vielleicht ist dieses ziel zu hoch gesteckt – jedoch wie mir an deinem beispiel aufgefallen ist – meiner vorstellung entspricht es wirklich gar nicht. danke in jedem fall für deine bekundung deiner sichtweise.

      gruß
      diana

    • Nils Terborg

      Hi Sonja,

      danke für deine Rückmeldung! Ich selbst neige tatsächlich auch eher zum Extrem der schonungslosen Ehrlichkeit, kann mir so was aber auf einer professionellen Ebene nicht erlauben. Das hat bei mir zu vielen Reflexionen geführt, die ich im Artikel teile – und die vielleicht nicht jeder nachvollziehen kann. Aber auch nicht muss.

      Dein Beispiel finde ich auch hilfreich. Vielleicht findet ihr irgendann eine Möglichkeit, über die Sicherheitsbedenken zu sprechen – bis dahin denke ich, dass dein Verhalten wahrscheinlich der Beziehungsqualität zugute kommt :-)

      LG, Nils

  • Ohne Ehrlichkeit keine Empathie. Liebeslügen machen keinen Sinn. Und dieser Beitrag schadet eher, als das der hilft. Ich glaube, dass derjenige, der das geschrieben hat, nicht dazu in der Lage ist, für das Geschriebene die Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht weil er selbt gerne in Lügen lebt. Ich weiß es nicht. Aber ich möchte bitte nicht dazu ermutigt werden. Und ich würde das auch schade finden, wenn andere das Gefühl bekommen würden, dass sie das tun sollen.
    Bis jetzt habe ich eure Newsletter immer gern gelesen. Ich fand die Beiträge auch immer sehr hilfreich. Hier habe ich aber den Eindruck, dass jemand es versucht, seine falsche Verhaltensweise zu rechtfertigen, anstatt zu ändern. Bitte achtet darauf, solche Beiträge, die eher schädlich als nützlich sind, in der Zukunft nicht mehr zu veröffentlichen. Ich möchte eure Newsletter nicht abbestellen. Ich habe mich an euch so gewöhnt. Jeden Sonntag. Aber bitte nicht auf diesem Niveau. Ihr könnt das besser.

    • Nils Terborg

      Und hallo nochmal…

      Jetzt lieferst du ein tolles Beispiel für “Ehrlichkeit”:

      “Ich glaube, dass derjenige, der das geschrieben hat, nicht dazu in der Lage ist, für das Geschriebene die Verantwortung zu übernehmen….”

      Sorry, aber das ist einfach eine unfreundliche Unterstellung einer Verhaltensweise, die du unmöglich kennen kannst. Darüber hinaus ermutige ich niemanden zu lügen, sondern rege provokant zum Nachdenken an.

      Und auch der Hinweis, dass der Beitrag eher schädlich als nützlich sei, ist deine Privatmeinung. Wo kämen wir hin, wenn alle nur noch das veröffentlichen dürften, was du für richtig hältst?

      Bitte meine Provokation nicht persönlich nehmen ;-)

      LG, Nils

  • Die zitierten Sätze sind gar nicht ehrlich. Nur angreifend. Es gibt da ein sehr wichtiger Unterschied! Wer nicht ehrlich ist, der hat bei bir auf jeden Fall als Mensch versagt! Ehrlichkeit und Menschlichkeit gehören bei mir fest zusammen! Derjenige, der fremdgeht sollte auch bitteschön dazu stehen und bereit sein, die Konsequenzen zu tragen. Wie es sich bei einem Erwachsenen gehört. Oder erst gar nicht fremdgehen. Sonst nimmt man der anderen Person die Chanche, zu entscheiden, on er/sie diese Person noch eine Chance geben möchte oder nicht. Dadurch schränkt diese Person den freien Willen der anderen ein. Wegen solche Dummheiten haben Menschen keinen freien Willen. Weil es immer wieder Personen gibt, die meinen, sie hätten das Recht, den freien Willen einer anderen Person zu beschränken. Jede Person sollte das Recht haben, zu entscheiden, was er machen möchte. Und das bitte anhand der Tatsachen. Wer in einer Lüge lebt, wird psychisch früher oder später sowieso kaputtgehen. Das Problem ist, dass er dann die andere Person auch mit sich mitreißt, und das ist egoistisch. Denn es kann sein, dass die andere Person sich gegen die Beziehung entscheiden würde und mit einer anderen Person später gücklich leben könnte. Diese Chanche hat diese Person, der glaubt, dass alles in Ordnung ist, dann nicht mehr.

    • Nils Terborg

      Hi Reka,

      “Die zitierten Sätze sind gar nicht ehrlich. Nur angreifend.”
      Ich stimme dir zu: Aber wie oft sagen wir in emotional bewegenden Situationen solche ehrlichen/angreifenden Sätze?

      Wenn wir Ehrlichkeit nicht so häufig als Rechtfertigung für einen Angriff missbrauchen würden, dann hätte ich diesen Artikel nicht geschrieben :-)

      LG, Nils

  • Dieser Autor hier ist Beziehungs-Coach? Aua! Wenn ich allerdings die vielen guten Diskussionsbeiträge lese, fällt mir der Merksatz ein: Nichts und niemand ist umsonst, es/er kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen…. Sorry, das ist jetzt provokativ, aber hat der Autor noch nie etwas von wertschätzender Kommunikation gehört, die auch mit Reflektion zu tun hat? Die beispielhaft angeführten “Wahrheiten” sind bei näherem Hinsehen Pauschalisierungen, Angriffe, Verurteilungen, etc.. Statt jemandem ein “Mann, siehst du heute sch… aus!” an den Kopf zu knallen, was sicherlich keinem hilft, ist es vielleicht hilfreich zu sagen “Ich habe den Eindruck, die geht es heute nicht so gut, hast du Kopfschmerzen/schlecht geschlafen/Sorgen/.. o.ä.” Damit signalisiere ich, dass mir der Zustand des Anderen aufgefallen ist und gebe ihm die Möglichkeit zu Aussprache, die er nutzen kann oder eben nicht. Ein Vorschlaghammer nützt meinem Gegenüber i.d.R. nicht. So könnte ich jeden einzelnen Satz zerpflücken. Mir muss nämlich nicht gefallen, wie sich jemand anderes kleidet, welche Haarfarbe er hat oder welches Auto er fährt – wenn der andere sich damit wohlfühlt. Zu sagen “mein Stil/Geschmack/Meinung ist das nicht” ist m.E. OK, wird aber auch oftmals nicht gern gehört.
    Noch eins zu Ehrlichkeit in Beziehungen: der einzige Mensch, der beim Lügen wirklich geschont wird, ist der Lügner selbst. Der Betrogene wird nämlich nicht nur über den Betrug im Unklaren gelassen, sondern auch der Möglichkeit beraubt, aus dem Wissen entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Und die könnten ja für den Betrüger durchaus unangenehm sein. Also wer schont hier wen???
    Ich wünsche euch allen einen sonnigen und empathischen Sonntag :-)

    • Nils Terborg

      Hi Petra-Lena,

      die Provokation geht klar, ich provoziere ja ebenfalls ;-)

      “Die beispielhaft angeführten „Wahrheiten“ sind bei näherem Hinsehen Pauschalisierungen, Angriffe, Verurteilungen”
      –> Ich stimme dir zu. Und wir verkaufen Sie unserem Partner dann gerne als “Wahrheit”. Deswegen schlage ich ja vor, die eigene Intention hinter dem Ehrlichkeitsbedürfnis zu hinterfragen, dann lassen sich solche Sätze vermeiden.

      Und wie weiter oben schon erwähnt: Wertschätzende Kommunikation á la GfK ist eine tolle Sache – aber leider beherrscht sie fast niemand…

      LG, Nils

  • Meine Meinung – Erstens:
    Es kommt darauf an “wie wichtig” ein bestimmtes Thema ist. ÜberGeschmack läßt sich nicht streiten (die “Kleiderordnung” sollte also nebensächlich sein – ich würde niemals mit einem “Partner” zusammen sein wollen, der wegen “Äußerlichkeiten” viel aufhebens macht, insofern kann dieses Problem kaum auftreten!) –
    Zweitens:
    Ich gehe eine “Partnerschaft” nur ein wenn ich diesem Menschen VERTRAUEN kann (und er mir!). Mein Partner und ICH sind uns darüber einig, daß wir BEIDE (!) F E H LE R H A F T E Wesen sind und deshalb können wir uns auch EHRLICH auf soetwas gegenseitig hinweisen, wir helfen uns dadurch ja nur! –
    Drittens:
    Es kommt darauf an WER so “ehrlich” ist uns die “Wahrheit” zu sagen!?! –
    Ist es ein fehlerhafter Mensch, der oder die sich aber für “unfehlbar” und sich bar jeder Selbstkritik für den Größten hält – so ein Mensch sollte seine “Wahrheiten” mir gegenüber bitte für sich und die Klappe halten! :)
    Viertens:
    GRUNDSÄTZLICH immer bei der Wahrheit bleiben – aber: bei meinem Chef bliebe ich lieber DIPLOMATISCH (notfalls bei Halbwahrheiten)! :)

    • Nils Terborg

      Hi Matthias,

      danke für die Differenzierung, genau darum geht es mir. Mir gefällt auch der Part, sich einzugestehen, dass man selbst ein unperfektes Wesen ist – wird im Artikel ja auch kurz angesprochen…

      LG, Nils

  • Der Artikel regt zum Nachdenken an, auch wenn er etwas einseitig verfasst ist. Wenn ein Partner in einer Beziehung über Monate hinweg eine wie auch immer gestaltete Beziehung nebenher laufen hat und der andere muss es über eine “Beichte” erfahren, dann lief etwas grundsätzlich falsch. So etwas kann in einer “empathischen und liebevollen” Beziehung nicht passieren, weil der andere das spürt und reagieren kann.
    Ausser es wird verdrängt, aber dann ist da eh eine andere Baustelle die es zu beleuchten gilt. M.E. ist weder die eine noch die andere Variante besonders ehrlich. Schönen Sonntag an Alle !!

    • Nils Terborg

      Hi Helmut,

      ich glaube, ich kann deinen Eindruck etwas nachvollziehen. Ich ergänze mal:

      Ich möchte nicht dazu aufrufen, sich berechnend zu verhalten und niemals ehrlich zu sein. Ich denke vielmehr, dass es eine Zeit für Empathie und eine Zeit für Ehrlichkeit gibt – die Herausforderung ist es, jeweils das richtige Maß zu finden :-)

      LG, Nils

  • …..ach ja hier bitte noch ein Nachtrag.
    Wenn ich belogen werde, geht meine Wahrnehmung durcheinander und das ist fast noch schlimmer als die Lüge.
    Der Satz :” Schatz, hast du was”? Und die Antwort: ” Nein, wieso?” Wenn er schon seit Tagen mit einer schlechten Laune herumläuft, schafft keine gute Beziehung. Mir fehlt es da beim anderen einfach an dem Mut Dinge auszusprechen die eben unangenehm sind. Besser wir bleiben bei der Wahrhaftigkeit…..

  • Also, hier versucht der Autor die Menschen da abzuholen wo sie stehen!
    Mich kann er so nicht erreichen und ich finde das einen unglaublich oberflächlichen Artikel. Es klingt sehr un – authentisch.
    Wenn ich hier mal so die Wahrheit sagen darf und nicht Lügen muss.
    In einer Beziehung sollte das sicher jeder für sich entscheiden wie das mit der Wahrheit gehandhabt wird. Jede Beziehung ist anders, jeder Mensch reagiert anders, jede Situation ist anders, das sollte meiner Meinung nach individuell entschieden werden.

    Aber spannend ist das Thema allemal und darum danke ich dem Autor für den Artikel. Es hat zu diversen Diskussionen angeregt.

    • Nils Terborg

      Hi Sarah,

      haha, danke für das Lob und die Kritik gleichzeitig :-)

      “In einer Beziehung sollte das sicher jeder für sich entscheiden wie das mit der Wahrheit gehandhabt wird”
      –> 100% Zustimmung!

      LG, Nils

  • Ich habe eine sehr schmerzliche Trennung hinter mir. Und hier war das wohl auch so, dass er mich schonen wollte, und mir nicht die Wahrheit gesagt hat. Er hat sich von mir getrennt, weil seine Gefühle nicht mehr so richtig da wären. Das hätte alles nichts mit mir zu tun, das wäre nur er. Für mich auch heute
    3 Jahre danach noch keine zufriedenstellende Antwort. Da ist doch irgend etwas passiert. Ehrlichkeit wäre mir sehr wichtig gewesen, weil ich es so bis heute nicht begreifen, verarbeiten kann. Wenn ich wüsste, da gibt es eine andere Frau, eine Geschichte dazu, wodurch sich seine Gefühle so stark verändert haben, könnte ich, glaube ich besser damit umgehen. So bleibt immer ein unerklärlicher Schmerz. :(

    • Nils Terborg

      Hi Renate,

      das klingt nach einer schwierigen Situation und ich maße mir mit dieser Distanz da jetzt keine konkrete Rückmeldung zu an. Ich möchte aber etwas zum Artikel ergänzen:

      Wenn mir von meinem Gegenüber deutlich kommuniziert wird, dass Ehrlichkeit erwünscht und hilfreich ist, kann es natürlich Sinn machen, dem nachzugeben. In so einer Situation ist es aber dann auch möglich, dass Empathie und Ehrlichkeit sich nicht ausschließen, sondern im Gegenteil sogar beides gleichzeitig der Fall ist. Um das einzuschätzen braucht es dann wieder die entsprechenden sozialen Kompetenzen – an denen führt im Zweifelsfall auch keine noch so moralische Argumentation vorbei :-)

      Dir alles Gute!

      LG, Nils

  • Boah ey, ganz schwieriges Thema!!! Gibt es “DIE WAHRHEIT” überhaupt? Und was Ist “LÜGE” ?
    Kann doch letztlich nur jeder selbst für sich definieren. Ich entscheide mich in der Situation nach meinem Bauchgefühl sowie danach, ob ich mir noch in die Augen sehen kann. Damit bin ich bislang immer sehr gut klar gekommen. Allen einen schönen Sonntag.

    • Nils Terborg

      Hi Lieselotte,

      ja, schwieriges Thema. Insofern finde ich deinen entspannten Umgang damit als inspirierende Alternative zu einem verkopften Umgang mit der Thematik (von dem ich mich selbst auch nicht freisprechen kann!).

      Danke dir und lg,

      Nils

  • Ich betrachte die Auffassung des Autors als überhaupt keinen Müll. Im Gegenteil: Empathie ist eine wichtige Eigenschaft. An Universitäten wird heute geschult, wie man “empathisch” auf Mitmenschen eingeht. Direktheit ist im Endeffekt sicher auch nicht schlecht, für die Gefühlslage unserer Mitmenschen jedoch nicht immer passend. Ich kann als Arzt einem Menschen direkt ins Gesicht sagen, dass er totkrank ist und nur noch kurze Zeit zu leben hat. Aber ist das die Art, die sich jeder Patient von seinem Arzt wünscht? Oder wünscht man sich eher einen einfühlsamen Arzt, der einen da abholt und aufgreift, wo man in seiner psychischen Verfassung gerade steht? Nicht immer und in jeder Situation ist Ehrlichkeit das beste Mittel, sondern eher eine gereifte Sozialkompetenz.

    • Nils Terborg

      Hi Benjamin,

      danke für deine Rückmeldung, sehe ich genauso wie du – daher dieser Artikel (bei dem es mich nicht überrascht, dass er kontrovers aufgenommen wird :-) ).

      LG, Nils

  • Der Beitrag hat mich sehr verwirrt und hinterlässt in mir das Gefühl der Hilflosigkeit. Schon die Gegenüberstellung Ehrlichkeit vs. Emph

    atie ist bedenklich.

    • Nils Terborg

      Hi Rainer,

      danke dir für deine Offenheit! Wo genau deine Verwirrung und Hilflosigkeit herkommen, ist mir noch nicht ganz klar – vielleicht kann ich weiterhelfen, wenn du mich aufklärst?

      Ebenfalls bin ich noch nicht ganz bei dir, was die Bedenklichkeit der Gegenüberstellung angeht…

      LG, Nils

  • Ich lese nicht alle Artikel in Zzl, aber bisher war ich mit allen Inhalten, die ich gelesen hatte, einverstanden. Heute ist es etwas anders. Es ist ein sehr sensibles Thema, und der Artikel wirft Fragen ans Licht, die er weder eindeutig beantwortet noch mit denen sich gründlich genug auseinandersetzt.

    Aus meiner Sicht ist nicht die Ehrlichkeit, die fragwürdig ist, weil sie verletzend wirken kann, sondern dass man oft nur eine Seite der Wahrheit äußert. Denn die vollständige Wahrheit kann nicht verletzend sein, wenn sie gewaltfrei geäußert wird, sondern nur aufklärend und dadurch eher heilend. In keinem der erwähnten Satz-Beispiele ist der Kern der Botschaft ausgesprochen worden, sondern nur die Oberfläche angekratzt. Nach Schultz von Thun sind alle Aussagen auf der Beziehungsebene fixiert, was tödlich für eine Beziehung sein kann. Die Ebene der Selbstoffenbarung, die aufklärend und heilend ist, wurde in keinem Beispiel angesprochen. Eine wertneutrale Selbstoffenbarung ist nicht immer einfach, aber es wäre schön, sich die Mühe zu geben, sie immer mehr in die eigene Kommunikation einzubinden.

    Zum Beispiel der Satz “Du bist echt dick geworden!” kann in vielen Fällen eigentlich heißen: “Ich sehe, dass du mittlerweile dicker geworden bist, und ich bin überrascht von mir, dass ich das und dadurch auch dich ein Stück ablehne, vielleicht weil ich finde, dass du vorher viel besser ausgesehen hast, und weil ich mir wünsche, dass du gut aussiehst. Doch wenn ich mich mit der Frage konfrontieren würde, ob ich dich jetzt deshalb nicht mehr mag, müsste ich zugeben, dass ich dich wohl mag, auch wenn dein Äußeres mir im Moment nicht so gut gefällt wie früher. Anscheinend habe ich einen starken Wunsch, dass du wieder abnimmst, weil ich auch zu deinem Äußeren uneingeschränkt stehen will“. Der letzte Satz ist eigentlich der Kern der Botschaft.

    Oder die Aussage “Ich habe dich nie geliebt!” müsste eigentlich so heißen (wenn der Mensch, der das sagt, ehrlich ist): “Ich habe dich nie geliebt, und ich habe es nie anmerken lassen, weil ich zu feige war, mit den Konsequenzen zu leben. Ich wollte deine Liebe nicht verlieren und wollte mit dir in Harmonie leben. Deshalb habe ich dich in dem Glauben gelassen, dass auch ich dich liebe, um Konflikte und Streite zu vermeiden. Ich war unehrlich zu dir, und du darfst deshalb wütend auf mich sein, aber bitte bedenke, dass es in unserer Beziehung schwierig gewesen wäre, dir die Wahrheit zu sagen, und ich finde es traurig”. Wieder ist diese Kritik an der Beziehung und das damit verbundene Gefühl der Kern der Aussage.

    Die beiden anderen Beispiele lassen sich nach einem ähnlichem Prinzip durch nicht-ausgesprochenen Ergänzungen präzisieren. Im Beispiel mit Mark und Johanna ist die Frage nach Ehrlichkeit nicht die, ob er die monatelange Affäre am Ende der Beziehung zugesteht oder nicht, sondern die Frage, ob er nicht von der Affäre hätte berichten sollen, als er damit begonnen hat oder sogar als er merkte, dass er sich zu der Kollegin hingezogen fühlt, denn spätestens dann müsste er bemerkt haben, dass seine Gefühle für Johanna stark abgeflacht sind, und genau das wäre der Kern der Botschaft, denn genau das hat ihm innerlich grünes Licht gegeben, die Affäre zu beginnen. So hätten Mark und Johanna zusammen überlegen können, ob sie auseinander gehen oder ob sie eine andere Lösung finden wollen, zum Beispiel, ob sie es ausprobieren wollen, wie es wäre, die Beziehung nach außen zu öffnen, und zwar für beide Seiten. Wenn Mark es aber nicht tut und die Affäre erst am Ende der Beziehung offenlegt, kann Johanna zwar ihm nicht vorwerfen, dass er Gefühle für eine andere Frau empfunden hat, weil man so etwas nie jemandem verbieten kann, sie kann aber ihm vorwerfen, warum er ih davon bis dahin nie etwas erzählt hatte. Denn dadurch hat er seitdem mit einer Lüge gelebt und Dinge vor ihr verheimlicht. Und das ist aus meiner Sicht der eigentliche Betrug gewesen. In einer erwachsenen Beziehung heilt diese Wunde langsamer als die Wunde, die durch einen ehrlich zugestandenen Seitensprung entsteht. Auch hier wäre der Kern der ehrlichen Auseinandersetzung die Tatsache, dass Mark keine romantischen Gefühle mehr für Johanna empfindet, was er vor allem dadurch bemerkt hat, dass er sogar bereit gewesen ist, eine Affäre mit einer anderen Frau anzufangen.

    Also bin ich nach wie vor für die Ehrlichkeit, und zwar für die absolute Ehrlichkeit, wenn die beteiligten Seiten in der Lage sind, die vollständige Wahrheit unzensiert und einfühlend zu äußern, und auch in der Lage sind, ihr zu begegnen und mit den Konsequenzen zu leben.

    Vielen Dank für das aufmerksame Lesen!

    • Nils Terborg

      Hi Azar,

      schön, dass du die Gewaltfreie Kommunikation ins Spiel bringst! Tatsächlich lassen sich damit viele Kommunikationsebenen betreten, die sonst unangenehm wären. Gleichzeitig ist das aber auch weit von der Realität der meisten Paare/Menschen entfernt, denn wie viele Leute beherrschen die GfK wirklich fließend? :-)

      Gerade wenn GfK’ler sich die Giraffensprache noch nicht allzu lange angeeignet haben laufen sie bei der Selbstoffenbarung in die Falle der “schonungslosen Ehrlichkeit”. Das ist bisweilen gefährlich und verletzend, insofern möchte ich meine Argumentation gerade in diesem Fall besonders verteidigen :-)

      LG, Nils

  • Das ist der größte Müll seit langem hier bei euch ganz ehrlich! Man kann keinen vor der Wahrheit schützen! Man muss lernen mit der Wahrheit zu leben und auch daran wächst man. Und selbst wenn es bedeutet dass man ein Knacks im Selbstwertgefühl haben wird. Danach geht man gestärkter raus und man ist einfach nicht so blauäugig wie vorher! Und man fängt an sein Leben auf einer ehrlichen Basis zu verändern und zu schauen dass man für sich selbst da ist und man dafür da ist dass man sich um sich selbst kümmert, dass es einem gut geht! Ich würde nie eine Lüge vorziehen!

    • Nils Terborg

      Hi Anja,

      offenbar hast du dich für den ehrlichen Weg (anstatt für den höflich-empathischen) Weg entschieden – finde ich okay :-)

      Deine generalisierenden Aussagen (“mann kann keinen…”, “man muss…”) finde ich hingegen nicht okay. Entscheide das gerne für dich wie du magst, aber gerade was Ehrlichkeit angeht: Die Entscheidung müssen (!) wir jedem selbst überlassen…

      LG, Nils

  • Vielleicht fällt dem Autor ja noch auf, dass er im ersten Beispiel BEIDE Szenarien als Argumentationshilfe FÜR die Lüge benutzt!

  • Ich weiß, daß der andere Mensch das spürt, wenn da jemand ist. Macht man sich nicht selbst unglaubwürdig ? Den Selbstwert klein (grössere Lüge)? Der Partner wird eventuell dennoch den Fehler bei sich suchen, kann ihn auch instabil machen… Und wenn alle diese Einstellung haben, kann man sich in keiner Beziehung mehr richtig fallen lassen (Vertrauen).Für mich wäre das charakterlich eine feige Lösung. Ich finde man darf Rückgrat haben und dazu stehen, wenn man Mist baut.

    • Nils Terborg

      Hi Anna,

      du führst da ein Beispiel jetzt schon sehr detailliert aus. Wenn wir einem empathischen Weg folgen, würde ich in dieser Situation ebenfalls davon ausgehen, dass die Ehrlichkeit der einfühlsamere (und hilfreichere Weg ist) – denn der Partner läuft ja durch sein Halbwissen bereits Gefahr, verletzt zu werden.

      Und ja, Rückgrat haben ist eine feine Sache. Aber die Frage ist, ob ich das auf meinem Rücken oder auf dem meines Gegenübers austrage :-)

      LG, Nils

  • “Die Frau steht vor’m Spiegel und der Mann sagt…”— darf ich ehrlich sein? Loriot brachte in seinem berühmten Sketch das Kommunikationsdilemma perfekt auf den Punkt. Hier spielt der Autor mit flachen Bällen…ich habe schon bessere Beiträge auf dieser HP gelesen.

    • Nils Terborg

      Hi Stefanie,

      Loriot war so witzig, weil er Klischees als zutreffend enttarnt hat. Natürlich ist das Beispiel flach, aber halt auch realitätsnah ;-)

      LG, Nils

  • Ich muss sagen, ich sehe das absolut anders!!

    Ich persönlich bin ein sehr ehrlicher Mensch, was mich auch oft in unangenehme Situationen bringt.
    Wenn mich zum Beispiel jemand um seine ehrliche Meinung bittet, und ich muss demjenigen sagen, dass ich etwas nicht so toll gefunden habe.
    Auf den zweiten Blick hilft der Person das aber oft viel besser, als wenn man nur etwas positives sagt, weil man demjenigen einen Gefallen tun möchte!

    Ich wurde letztens auf eine Situation angesprochen, die kurze Zeit vorher passiert war.
    Bei dieser Situation hatte ich jemandem ebenfalls direkt gesagt, dass derjenige eine Angewohnheit hat, die etwas seltsam auf andere wirkt. Das war demjenigen da aber gar nicht so bewusst.
    Als ich dann, wie gesagt, später darauf angesprochen wurde, wurde mir dann gesagt, dass die Situation zuvor sehr direkt (vllt auch im ersten Moment unangenehm) war, aber durch meine Direktheit hatte sich tatsächlich etwas in Bewegung gesetzt!

    Ich wurde auch schonmal auf Dinge angesprochen, die vielleicht unangenehm für diejenigen waren, die es mir gesagt haben.
    Aber dadurch, dass sie sich getraut haben es mir zu sagen, konnte ich mein Verhalten ändern!

    Ich glaube, ob man ehrlich seine Meinung sagen kann und sollte, hängt vor allem davon ab, wie wichtig die entsprechenden Punkte sind.

    Man muss nicht alles aussprechen, wenn es keinen wirklichen Nutzen hat.
    Wenn man aber gefragt wird, finde ich es besser, ehrlich zu sein, denn damit kann man i.d.R. mehr anfangen!
    Also, wenn ich jemanden um seine Meinung frage, möchte ich gerne die Wahrheit wissen.
    Man hat ja auch eine Wahl, wie man das Ganze formuliert.

    Natürlich reagieren Personen auch oft erstmal unwirsch, wenn sie etwas Negatives hören (ich auch), aber danach folgt oft eine Art Inkubationszeit und man macht sich doch seine Gedanken.

    Umgekehrt kenne ich Leute, die eher höflich sind, statt Dinge anzusprechen.
    Bei denen habe ich viel häufiger das ungute Gefühl, dass sie unehrlich sein könnten, statt mir direkt ihre Meinung zu sagen.

    Zum Artikel konkret:
    „Du bist echt dick geworden!“
    „Ich habe dich nie geliebt!“
    „Du bist mir unsympathisch!“
    „Dein Kleidungsstil ist fürchterlich!“

    Diese Sätze kann man nun nicht wirklich miteinander vergleichen…!
    Wenn ein Satz wie “Ich habe dich nie geliebt!” wirklich die Wahrheit sein sollte, hat man vorher wohl vor allem sich selbst belogen.
    Gerade einen solchen Satz zu sagen und sich (selbst!) das einzugestehen, ist sehr heilsam!
    Da geht es ja sowieso nicht mehr darum eine Beziehung zu retten, sondern um den eigenen Seelenfrieden.

    Der wird ja soo oft vernachlässigt! Man erspart Leuten irgendwelche Dinge, aber selbst hat man ständig Gewissensbisse und macht sich dadurch nur selbst das Leben schwer.

    Der Satz mit dem Kleidungsstil dagegen ist für mich etwas, was man einfach unter “mir muss es nicht gefallen” abhaken kann.
    Wenn ich sowas gefragt werde, sage ich auch, dass ich den Kleidungsstil persönlich nicht mag, aber es ist nunmal so, dass der Andere ein Recht darauf hat. Das hat wiederum mit Respekt zu tun! Mit Respekt hat auch zu tun, dass man dann so eine Meinung nicht rumerzählt, wie schrecklich derjenige sich doch kleidet!
    Entweder man hakt es als unwichtig ab, oder man spricht die Person darauf an (kann ja auch sein, dass der Person selbst nicht klar ist, dass sie dadurch z.B. bei anderen Leuten anders rüberkommt als vllt gedacht)!

    Achja, und das mit dem Fremdgehen in dem Artikel:
    Auch da ist ja schon viiiel eher was schiefgelaufen! Durch Notlügen bekommt man seinen Seelenfrieden jedenfalls nicht wieder zurück…!

    Genug geredet:
    Lügen ist sch***! :D
    Man muss nicht alles sagen, aber oft hilft es, auch Unangenehmes anzusprechen. :-)

    • Nils Terborg

      Heyy!

      “Man hat ja auch eine Wahl, wie man das Ganze formuliert.”
      –> Ja, genau da liegt der Knackpunkt. Wenn ich weicher formuliere, neige ich aber dazu, etwas von der “Wahrheit” abzurücken. Es gibt dann weniger Ehrlichkeit und mehr Empathie. Ich finde, das ist in letzter Instanz nicht nur eine Frage der Begrifflichkeit, sondern eine emotionale. Das wird dir dein Gegenüber im Zweifelsfall bestätigen :-)

      Ansonsten stimme ich dir zu: Nur, weil etwas unangenehm (womöglich noch vor allem mir selbst!), muss das noch lange nicht heißen, dass ich es nicht aussprechen sollte. Das ist aber eine Ich-Perspektive, keine empathische!

      LG, Nils

    • Franca

      Liebe/r “Ich”,
      schön dass Du anscheinend gute Erfahrungen gemacht hast, mit dem “ehrlich sein”.
      Von mir kann ich nicht dasselbe erzählen, selbst wenn ich eigentlich auf m.E. implizite Bitten reagierte (Bsp. einer ältere Dame, verwandt u. seit Jahren Diabetikerin: “mein Blutzuckerspiegel ist immer auf über 300 obwohl ich zum Frühstück nur Zwieback gegessen habe …” ) und meine Antwort durchaus fachlich kompetent und an sich hilfreich (für den Blutzuckerspiegel ;-) war … hab ich damit nur Unmut und fast Feindseligkeit geerntet.
      Obwohl die Betreffende nach ca. einem Jahr jmd. anders gegenüber einräumen musste, dass ich schlichtweg Recht habe … gern hat sie mich nicht und sie ißt weiterhin meistens Dinge mit viel zu hohem glykämischen Index.
      Ich war einfach nicht schlau genug, die eigentliche Bitte aus der Aussage herauszuhören: und das ist m.E. der Punkt.
      Zu verstehen, wo Empathie gefragt ist und wo hingegen jemand wirklich um einen ehrlich gemeinten Rat bittet. Letzteres ist nach meiner Erfahrung sehr, sehr selten … aber ich tu mich trotzdem immer noch schwer, dies im Hinterkopf zu behalten!!! Weil ich eben für mich, wenn ich irgendwo nicht weiterkomme, gerne so konkrete Antworten hätte, wie ich sie selber liefere!
      Ob ich sie dann annehmen könnte?
      Ich schlage vor, wir gründen hier eine Gruppe von “rücksichtslos Ehrlichen” und schauen mal, wie sie funktioniert und ob wir untereinander schnell einen guten Draht haben ;-)
      LG
      Franky

  • Kleiner Nachtrag: Vielleicht sollte man in der Beziehung von Anfang an besprechen, ob man lieber die absolute Wahrheit hören möchte, oder ob der Partner entscheiden soll, was er gesteht und was nicht. Denn auch hier denkt wahrscheinlich jeder Mensch anders.

  • Dass Unehrlichkeit in einer Beziehung sich lohnen kann scheint gut begründet zu sein. Ich sehe das ganze allerdings anders. Hier stellt sich auch wie so oft die Frage nach der roten oder der blauen Pille in der Matrix. Indem ich meinen Partner anlüge nehme ich ihm die Verantwortung für sich selbst, gestehe ihm nicht zu mit der Wahrheit auf seine eigene Art und Weise fertig zu werden. Klingt für mich nach Bevormunden. Doch ich bin nicht die Mutter meines Partners, sondern eben die Partnerin. Ich finde nicht, dass ich das Recht habe zu entscheiden, womit er fertig werden kann und womit nicht.

    Außerdem zeugt es meiner Meinung nach von weit mehr Vertrauen, wenn ich weiß, dass ich Mensch sein darf und Fehler machen und dass mein Partner das akzeptiert und mich so akzeptiert wie ich bin. Es nimmt eine Menge Druck von einem, wenn man weiß, dass man seinem Partner alles gestehen kann und er es verstehen wird. Anders herum kann ich dann auch meinem Partner vertrauen, denn ich weiß dass er ein Mensch ist und Fehler macht, doch ich weiß auch, dass er ehrlich zu mir ist und mir davon erzählt. Das wiederum bietet dann die Möglichkeit über die Probleme nachzudenken, die zu diesen Fehlern geführt haben. Wenn mein Partner mich betrogen hat, mir das aber verschweigt, wird er es dann nicht immer wieder tun, weil wir die Ursache nicht bekämpfen konnten? Daran kann schließlich die Beziehung zu Grunde gehen.

    Wirklich 100%ig vertrauen kann ich meinem Partner außerdem nur, wenn ich weiß, dass er schonungslos ehrlich zu mir ist. Denn dann brauche ich mich nicht zu fragen ob er etwas tut, was ich nicht will. Dann weiß ich nämlich, wenn es so ist, wird er es mich wissen lassen.

    Ich bin also für absolute Ehrlichkeit in jeder Beziehung, denn wie man mit der Wahrheit umgeht sollte immer in der eigenen Verantwortung liegen.

    Alles Liebe
    Tina

    • Nicole

      Ich bin derselben Meinung! Bei Unehrlichkeit nagt der Zweifel, wieder angelogen zu werden oder etwas verheimlicht zu bekommen, sehr. Das ist äußerst belastend und macht so mürbe…und hilft nicht, eine klare Entscheidung zu treffen! Auch wenn ich manchmal denke, wenn ich etwas nicht weiß, kann ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen. Das klappt nicht, wenn ich Grund habe, die Ehrlichkeit meines Partners an zu zweifeln. Aber den “richtigen” Weg zu finden, ist schwierig und muss letztendlich jeder für sich selbst entscheiden.

    • Nils Terborg

      Hallo Tina,

      den Punkt mit der Verantwortung finde ich gut. Letztlich ist es aus meiner Sicht aber eine Frage der situativen Einschätzung: Wenn ich davon ausgehen kann, dass mein Partner gerade nicht stark genug für eine “Wahrheit” ist (vielleicht weil er gerade krank/frustriert/traurig ist), dann passiert es schnell, dass ich mit dem Aussprechen der Wahrheit eher mein eigenes Bedürfnis befriedige, als wirklich hilfreich zu sein.

      Insofern können wir die Thematik gerne um den Punkt Timing ergänzen – auch das ist ja für viele Menschen oft schwierig :-)

      Deine Einstellung zu Ehrlichkeit finde ich super – wie gesagt: Die Fähigkeit, damit umzugehen immer vorausgesetzt!

      LG, Nils

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

Mehr über uns und unsere Philosophie gibt es hier