Flow: Im Tun aufgehen und völlig im Moment sein

Flow
Ein Coaching ist dir zu teuer? Dann sei clever und hilf dir selbst!

Bestes Teamevent aller Zeiten.
Anders kann man es nicht beschreiben.

Eine alte Halle hier im Lüneburger Industriegebiet.
Laute Rockmusik von „Sympathy for the devil“ bis zu „Someone to love“.
Und wir alle in unseren schäbigsten Klamotten.

Vor einiger Zeit waren wir vom ZZL-Team beim sogenannten Action-Painting.

Und der Name ist wirklich Programm.

Beim Action-Painting lässt du deiner Intuition und deinem Gefühl freien Lauf.
Du denkst nicht viel nach.
Sondern lässt einfach geschehen.

Ich zitiere mal von der Internetseite des Action-Painting-Ateliers in Lüneburg:

Action-Painting ist eine erlebnisreiche und experimentelle Art zu malen. Nicht das Ergebnis steht hier im Vordergrund, sondern das Erleben beim Machen.

Es handelt sich um eine unkonventionelle Maltechnik, die nicht bewusst vom Künstler gesteuert wird. Durch das Einbringen der eigenen Energie und das Ineinanderfließen von Farben entstehen spontane, dynamische und überraschende Kunstwerke.

Es hat uns allen super viel Spaß gemacht.
Nach 3 Stunden fragten wir alle so: „Waaas, schon vorbei??“

Wir hätten noch ewig weitermachen können.

Denn wir waren alle total im Flow.

Flow-Definition: Was ist Flow?

Flow bedeutet auf Deutsch so viel wie „fließen“ und umschreibt den Zustand einer vollkommenen Konzentration.

Im Flow-Zustand bist du so hoch konzentriert, dass du Raum und Zeit vollkommen vergisst. Du bist total im Moment und gehst voll und ganz in deiner Tätigkeit auf.

Ein gutes Beispiel für den Flow-Zustand sind Kinder, die in ihrem Spiel vollständig aufgehen und die Welt um sich herum komplett vergessen.

Oder auch Künstler, die so sehr in ihren Schaffensprozess vertieft sind, dass sie vergessen zu essen und zu schlafen.

Im Deutschen lässt sich dieser Flow-Zustand am ehesten als „Schaffensrausch“ umschreiben.

Der Flow-Zustand ist ein tranceähnlicher Zustand.

Der Psychologieprofessor und Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi hat den Flow ausgiebig erforscht und dazu auch eine eigene Flow-Theorie aufgestellt.

Aber warum ist „Flow“ für viele überhaupt so interessant?

Was ist am „Flow“ so besonders? Was passiert im „Flow“?

Mihaly Csikszentmihalyi hat sich als Glücksforscher die Frage gestellt:

Wann sind Menschen in ihrem normalen Alltag glücklich?

Dafür untersuchte er zuerst Künstler und Wissenschaftler. Und was er dabei herausfand, war: Am glücklichsten waren die Studienteilnehmer, wenn sie in einen tranceähnlichen Zustand geraten sind, wo ihre kreativen Ideen spontan aus ihnen heraus-„flossen“.

Die Studienteilnehmer beschrieben diesen Prozess häufig übereinstimmend als „spontanes Fließen“ und so entstand dann auch die Umschreibung „Flow“.

Flow wird von denjenigen, die ihn erleben, als höchstes Glück erlebt.

Als ein Zustand, in dem du dich selbst, deine Sorgen und Nöte einfach vergisst. Wo dein kontrollierender Verstand abgeschaltet wird. Wo du voll und ganz im Moment bist. Wo alles völlig mühelos abläuft. Und wo du komplett die Zeit vergisst.

Deshalb möchten viele gern in den Flow kommen. Weil es ein absoluter Glückszustand ist.

Aber nicht nur das.

Wenn du im Flow bist, bist du extrem produktiv. Du hast ein sehr hohes Energielevel und bist absolut intrinsisch motiviert.

Viele möchten natürlich genau das: hochmotiviert und produktiv sein und dabei auch noch Glücksgefühle empfinden.

Deshalb stellt sich natürlich die Frage: Wie komme ich denn überhaupt in den Flow-Zustand?

Die Flow-Theorie: Wie funktioniert Flow?

Laut Csikszentmihalyis Flow-Theorie müssen die folgenden Voraussetzungen erfüllt sein, um überhaupt in einen Flow kommen zu können:

  1. Klarheit: Die Aktivität muss ganz klare Ziele haben. Und dir muss absolut klar sein, was du tun musst, damit du dieses Ziel erreichen kannst. 
Beispiel: Du willst das Tennisspiel gewinnen. Du weißt, dass du soundso viele Punkte machen musst, um das Spiel zu gewinnen.
  2. Sofortiges Feedback: Die Aktivität muss dir eine unmittelbare Rückmeldung geben. Du musst also sofort erfahren, ob du etwas richtig oder falsch gemacht hast. 
Beispiel: Du erfährst sofort, wenn du nicht den richtigen Ton triffst und dich im Klavierstück verspielst.
  3. Herausforderung: Die Aktivität muss für dich eine kleine Herausforderung sein. Sie darf nicht zu leicht sein, weil sie dich dann langweilt. Sie darf aber auch nicht zu schwer sein, weil sie dich dann überfordert. Sie muss eine machbare Herausforderung für dich darstellen.
Beispiel: Du meisterst regelmäßig Kletterrouten des Schwierigkeitsgrads 6+. Jetzt probierst du es mit der nächsten Stufe, der 7–.
  4. Fokus: Die Aktivität muss in einem begrenzten Feld stattfinden, das ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Die Aktivität muss überschaubar für dich sein und möglichst wenig Ablenkung bieten.
Beispiel: Wenn du eine Partie Schach spielst, bist du voll und ganz auf das Spiel fokussiert, weil du alle Möglichkeiten durchdenkst. Dein Fokus richtet sich einzig und allein auf das Schachbrett.

Das sind die Rahmenbedingungen, damit du überhaupt in einen Flow-Zustand eintreten kannst.

Wie du daraus ableiten kannst, sind bei weitem nicht alle Tätigkeiten dafür geeignet, dich in einen Flow-Zustand zu bringen.

Welche Aktivitäten rufen typischerweise Flow-Zustände hervor?

Flow tritt häufig bei Sportarten auf, die hohe technische Fertigkeiten erfordern.

Zum Beispiel beim Klettern, Skifahren, Segeln oder Tanzen. Aber auch beim Kajakfahren oder Schachspielen.

Durch das hohe Maß an Konzentration, das diese Sportarten erfordern, bist du automatisch hoch fokussiert, wenn du sie ausübst. Das begünstigt solche Flow-Erlebnisse beim Sport.

Flow-Erlebnisse sind aber nicht nur auf den Sport begrenzt.
Sie können genauso gut bei künstlerisch-kreativen Prozessen auftreten.
Wenn du ein gutes Buch liest oder ein interessantes Gespräch führst.
Oder beim Spielen.

Ja, sogar bei der Arbeit kann es zu Flow-Erlebnissen kommen. Chirurgen berichten zum Beispiel häufig von solchen Erfahrungen.

Wie kommst du in den Flow?

Die Forschungen von Csikszentmihalyi zeigen: Am einfachsten ist es, in den Flow zu kommen, wenn du etwas tust, was du wirklich so richtig gern tust. Wenn du zu der Aktivität also intrinsisch motiviert bist.

Wenn du dann auch noch relativ gut darin bist, dann gelingt es dir am besten, in einen Flow-Zustand zu gelangen.

Mal ein Beispiel: Dir macht es richtig viel Spaß, Klavier zu spielen. Du steckst jede freie Minute da rein. Und du bist kein blutiger Anfänger mehr. Dein Klavierspiel hört sich schon ganz gut an. Dann wäre Klavierspielen für dich eine Aktivität, die dich sehr gut in einen Flow-Zustand bringen kann.

Genauso kann es aber auch das Schreiben sein oder das Zeichnen. Oder das Singen.
Was es für dich auch ist: Es muss dir Spaß machen und du musst es einigermaßen gut können. Dann gelingen dir Flow-Erlebnisse am schnellsten.

Was kannst du selbst dafür tun, um in den Flow-Zustand zu kommen?

Du kannst den Flow-Zustand nicht per Knopfdruck herbeiführen. Du kannst allerdings selbst einiges dafür tun, um einen Flow zu begünstigen.

Aus der Flow-Theorie von Csikszentmihalyi lassen sich dafür einige praktische Tipps ableiten. Wenn du während einer bestimmten Aktivität einen Flow-Zustand herbeiführen möchtest, solltest du:

  • dir ein klares und konkretes Ziel setzen. Du musst genau wissen, welche Schritte du gehen musst, um dieses Ziel zu erreichen.
  • dir selbst eine Herausforderung schaffen. Eine Herausforderung, von der du weißt, dass du sie bewältigen kannst, für die du dich aber ein stretchen musst.
  • alle möglichen Ablenkungen gezielt ausschalten. Insbesondere das Handy.
  • dir einen Zwang zur Konzentration schaffen. Der Kletterer stürzt, wenn er einen Fehler macht, und tut sich dabei weh. Das zwingt ihn zu absoluter Konzentration. Dieses Prinzip musst du auch auf deine Aktivität übertragen.

Das sind 4 konkrete Ansätze, was du selbst tun kannst, um einen Flow zu begünstigen.
Das betrifft allerdings mehr die Rahmenbedingungen des Flows.

Es gibt aber auch noch einige Kriterien für die Aktivität selbst.

Flow im alltäglichen Leben

Csikszentmihalyi spricht im Zusammenhang mit Flow-Erlebnissen sehr oft über das Spielen.

Das Spiel ist ein sehr gutes Bild, um zu verstehen, wie Flow-Erlebnisse funktionieren.

Stell dir ein Spiel vor, das dir gut gefällt.

So ein Spiel erfüllt gleich mehrere Kriterien, die für dein Flow-Erleben wichtig sind:

  1. Es macht dir Spaß, d. h., du kannst dich dafür intrinsisch motivieren.
  2. Es langweilt dich nicht, deshalb spielst du es weiter.
  3. Es fordert dich heraus. Du legst deinen Fokus auf das Spiel und vergisst dadurch alle anderen Dinge um dich herum.
  4. Du hast keinen Erfolgsdruck. Beim Spiel kannst du gewinnen oder verlieren. Das ist Teil des Spiels.
  5. Du kannst dich gut darauf einlassen. Nur wenn du dich auf das Spiel einlassen kannst, kannst du auch darin aufgehen.

Wenn du also mehr Flow in dein Leben bringen möchtest, dann könnte ein guter Weg dafür sein, die Dinge öfter mal spielerisch anzugehen. Und ab und an auch dem kreativen Teil in dir das Kommando zu überlassen.

Wie ist das bei dir? Wann und wobei erlebst du so etwas wie Flow?
Hast du einen eigenen Weg, wie du dich in einen Flow-Zustand bringst?

Auch interessant?

Wie viele Sterne bekommt der Beitrag von dir?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (21)
Loading...
 

Teilen macht Freude und Freunde:

 

Das eigene Leben besser machen

Endlich, endlich, endlich diese eine Sache bewältigen

Das Selbstcoaching-Programm zeigt dir, wie du deine Probleme aus eigener Kraft löst. Damit du diese Sache hinter dir lassen kannst.

Verbessere deine Lebensfreude durch Wissenschaft

15 einfach umzusetzende Tricks und Vorgehensweisen, mit denen du deine Lebensfreude in kleinen Schritt verbessern kannst.

Finde deine Klarheit, deinen Fixstern, deinen Kompass.

Mit diesem Selbstlernkurs findest du mehr über dich heraus, als du vorher für möglich gehalten hast. Auf eine gute Art. Finde deinen Kompass

Deine Anmerkung zu diesem Beitrag?

Kommentare

  • Ich kann flow oder zumindest einen nahen Zustand bei nahezu jeder Tätigkeit erzeugen, indem ich sie zum einen achtsam und zum anderen mit vollem Bewusstsein ausführe. Also Geschirr spülen und nur das tun. Das warme Wasser fühlen, mich über das sauber werdende Geschirr freuen, aufpassen, dass meine Gläser heile bleiben…. Nicht den nächsten Einkaufszettel in Gedanken schreiben, nicht über das Gespräch von gestern Grübeln… Hört sich merkwürdig an, aber Achtsamkeit erfordert Übung, lockt aber den Flow. Eins nach dem anderen bewusst tun, das ist mit Übung schneller als Multitasking. Und die tobenden Gedankenaffen im Gehirnbaum ruhig werden lassen…. Zen ist auch Flow.

  • Haha, genau den Eindruck von Dirk hatte ich auch. Zu viele Regeln, Anti-Flow….
    Es ist nett, dass hier auch mal Klavierspielen als Beispiel angebracht wird statt immer nur Sport, Sport, Sport wie sonst auf der Welt. Dazu wil ich gerne ergänzen, dass es beim Klavierspielen NICHT drum gehen soll, auf die korrekten Tasten zu hauen. Sondern das Klavier zum Singen zu bringen. Das geht manchmal, wenn “alles zusammenpasst”, ist dann aber kaum in Worte zu fassen.
    Am ehesten würde ich sagen, die richtige Haltung ist entscheidend, ein leerer Kopf, ein gewisses “mir doch egal” – Gefühl, das zu einer Art schwebenden Übersicht führt, in der das verkrampfte Konzentrieren auf Details plötzlich unwichtig wird und wodurch gerade dann vieles von alleine geht.

  • Schon das lesen dieses Artikels empfand ich als anstrengend. Regeln, dies tun, jenes unbedingt beachten …. und dann muss man auch noch gut darin sein — ich würde sagen Anti-Flow :-(

    • Mathias Rudolph

      Hallo Dirk,

      danke für dein Feedback!
      Im Artikel geht’s ja um die wissenschaftliche Erklärung des Flow-Zustandes. Da geht es um solche etwas theoretischen Faktoren.
      Was du suchst sind glaube ich eher Erfahrungsberichte.

      Viele Grüße

      Mathias

  • Guten Morgen ans Team und die Mitleser.

    Das ist genau mein Thema..aber…im umgekehrten Sinn.
    Klingt komisch, ist es für mich aber gar nicht.
    Ich schreibe leidenschaftlich gern, zur Zeit an mehreren Projekten.
    So weit, so gut.
    Auch erlebe ich den hier beschriebenen “Flow” dabei häufig und bin dann wirklich fern ab meiner Umwelt und ganz vertieft in mein tun.
    Mein Problem an der Sache ist..und hier bitte nicht lachen..es verunsichert mich zu tiefst.
    Weil ich dann tatsächlich alles vergesse, essen und trinken, den Hund zu versorgen, die anstehende Hausarbeit, manchmal sogar Termine,( zumindest komme ich da manchmal in Bedrängnis, was die Zeit betrifft).
    Wie kann ich das nur steuern, bzw. kann man Flow einteilen ?

    • Monika

      Genau das Problem habe ich auch, das zu sehr mich konzentrieren auf etwas und dabei alles drumherum vergessen. Vielleicht ist da die zeitliche Begrenzung, wie im Artikel beschrieben eine Lösung?

      Ich probiere es mal aus

    • Mathias Rudolph

      Hallo Sonja,

      hmm, könnte dir da ein Wecker helfen, der nach ein paar Stunden klingelt?
      Oder würdest du den einfach aus machen?

      Viele Grüße

      Mathias

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

Mehr über uns und unsere Philosophie gibt es hier