Für die Arbeit im Team: Die Kärtchenmethode

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Vielleicht kennen Sie das ja: Wenn Sie in einer Teamsitzung Kritik äußern wollen oder einen Vorschlag für eine andere Arbeitsweise haben, dann kochen schnell die Emotionen hoch. Dann wird ein konstruktives Miteinander oft schwierig. Die Kärtchenmethode wirkt solchen Entwicklungen entgegen und ermöglicht den Mitgliedern eines Teams einen gewinnbringenden Austausch.

Das Grundprinzip

Die Grundidee dieser Methode besteht darin, dass jedes Teammitglied in einer Teamsitzung einen bestimmen Satz an Kärtchen verfügbar hat, die während der Teamsitzung fast genauso wie in einem Gesellschaftsspiel eingesetzt werden können.  Diese Kärtchen werden vorher im Team gemeinsam erarbeitet. Auf der Vorderseite eines Kärtchens steht ein Stichwort (z.B. "STOP"), das für alle eindeutig mit einer bestimmten Bedeutung verbunden ist. Auf der Rückseite der Karte steht dann in Stichpunkten, wie vorgegangen wird, wenn diese Karte von einer Person gezeigt wird. Es müssen für alle Teammitglieder die gleichen Regeln gelten. Für die Kärtchen eignet sich am besten Karteikarten im Din A5-Format.

Was sollen das für Karten sein?

Idealerweise haben Sie einen Satz an Karten, mit denen Sie als Team in Zukunft so viele schwierige Situationen wie möglich bewältigen können. Es sollte versucht werden, schon im Vorfeld alle möglichen schwierige Situationen oder Konflikte im eigenen Team zu erahnen und zu diesen möglichen Situationen Kärtchen zu erarbeiten. Solche Situationen könnten z.B. sein:

  • Jemand hat das Gefühl, nie zu Wort zu kommen oder nicht ausreden zu können.
  • Der Umgangston im Team macht es einem Teammitglied schwer, offen zu bleiben und sich einzubringen.
  • Jemand versteht etwas nicht, kann dem Gespräch oder den Arbeitsschritten nicht folgen.
  • Jemand fühlt sich von anderen übergangen, überrumpelt, übervorteilt o.ä.
  • Jemand hat eine Idee, die aber sofort abgeschmettert wurde.
  • Ihm oder ihr ist diese Idee aber so wichtig, dass er sie nochmals vorbringen will.
  • Es werden Entscheidungen im Team gefällt, mit denen jemand nicht klar kommt.
  • Irgendwelche Konfliktherde tauchen auf, bei denen jemand das Gefühl hat, dass man im Team darüber reden sollte.

Um das Prinzip der Entwicklung der Kärtchen noch besser zu verstehen, können Sie sich auch von unseren  Beispielen inspirieren lassen. Durch diese Beispiele wird die Methode noch klarer.

Erstellung der Karten

Es ist absolut unerlässlich, dass die Karten von allen Teammitgliedern gemeinsam erarbeitet werden. Nur dann werden die Karten auch von allen akzeptiert. Ziel ist, dass die für dieses Team wesentlichen und wichtigen Ängste und Bedürfnisse in die Kärtchen einfließen. Dieser demokratische Prozess kann für einige Teams bereits eine schwierige Aufgabe sein. Hier ist es unter Umständen notwendig, einen neutralen Moderator zu Hilfe zu nehmen. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass alle Teammitglieder die Möglichkeit bekommen, ihre Vorschläge für mögliche Karten einzubringen. Gegebenenfalls kann hierzu im Vorfeld eine anonyme Abfrage für die Kärtchenvorschläge erfolgen. Dann diskutiert das Team über die Vorschlagssammlung, ohne das einer im Team sich explizit zu einem Vorschlag bekennen muss .

Vor- und Rückseiten der Karten

Auf der Vorderseite sollte für alle lesbar möglichst nur ein Stichwort stehen. Dieses Stichwort muss eindeutig sein. Das Wort "FOUL" wäre z.B. ein solches eindeutiges Wort, das genau klarmacht, wofür es steht. Auf der Rückseite der Karte werden in kurzen Stichpunkten die Maßnahmen notiert, die unternommen werden, wenn sich jemand mit dieser Karte bemerkbar gemacht hat. Beim "FOUL"-Beispiel, könnte das z.B. sein:

  1. Das augenblickliche Gespräch wird unterbrochen und der Kartenzeiger kann kurz darstellen, durch wenn und durch was er oder sie sich gefoult fühlt.
  2. Die angesprochene Person oder ggf. das Team als Ganzes hat einige Minuten Bedenkzeit und kann dann ca. eine Minute lang darauf antworten.
  3. Die Gruppe entscheidet dann, ob eine Entschuldigung fällig ist oder ob weitergemacht werden kann.

Praktischer Einsatz der Karten

Jedes Teammitglied erhält einen vollständigen Satz der Karten. Die Grundregel lautet: Jeder kann jede Karte jederzeit einsetzen. Dabei sollte sich aber jedes Teammitglied bewusst darüber sein, dass das Zeigen einer Karte die Arbeit im Team stark beeinflusst. Jeder, der eine Karte zeigt,  sollte wirklich einen guten Grund dafür haben. Jeder im Team muss mit dem Einsatz der Karten sehr bewusst und umsichtig umgehen. Nur wenn alle Beteiligten mit der gleichen Ernsthaftigkeit an die Kärtchenmethode herangehen, können alle im Team lernen, dieser Methode zu vertrauen. Für die Anfangsphase kann eine Vertrauensperson im Team (ggf. von den Teammitgliedern geheim zu wählen) den Auftrag bekommen, für die korrekte Anwendung der Karten zu sorgen. Ganz entscheidend ist es, dass die beschlossenen Folgemaßnahmen jeder Karte unbedingt ausgeführt werden, da sonst das Vertrauen in die Methode schnell zerstört wird.

 

Im Folgenden finden Sie einige Vorschläge für mögliche Kärtchen. Diese Kärtchen haben wir auf der Grundlage von typischen Konflikten oder Problemstellungen in der Teamarbeit entwickelt. Natürlich hat jedes Team andere Bedürfnisse und eine individuelle Art der Kommunikation. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Karten gemeinsam von allen Teammitgliedern erarbeitet werden und dass sich alle Beteiligten auf die Formulierungen der Karten einigen. Nur wenn jedes Teammitglied genau weiß, was mit der jeweiligen Karte gemeint ist und wenn sich ein Team gemeinschaftlich auf die Vorgehensweise bei den jeweiligen Karten geeinigt hat, können die Karten gewinnbringend eingesetzt werden.

Ein Wort vorweg: Nicht zu viele Kärtchen!

Erarbeiten Sie bitte nicht zu viele Kärtchen. Natürlich gibt es unzählige Konfliktmöglichkeiten. Aber es ist nicht sinnvoll, 30 verschiedene Kärtchen  zu haben, denn dann wird ihr Einsatz zu kompliziert. Suchen Sie lieber nach einigen wenigen Grundkarten, mit denen sich möglichst viele verschiedene Konfliktpunkte abdecken lassen. Fünf bis acht Kärtchen sollen ausreichen.

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"Foul"

Wer diese Karte zeigt, sieht Regeln verletzt, mahnt Fairness an oder fühlt sich angegriffen. Der Kartenzeiger sollte kurz (nicht länger als eine Minute) erklären, was er als "Foul" empfunden hat. Dann kann der "Täter" kurz (ebenfalls nur eine Minute) dazu Stellung nehmen. Wenn auch andere im Team das Foul als solches sehen, sollte sich der Täter entschuldigen. Dann wird die Teamsitzung fortgesetzt. Die Unterbrechung durch die Karte sollte wirklich nur kurz sein und lediglich dazu dienen, für die Einhaltung von Fairness und bestimmten Spielregeln zu sorgen. Hieraus sollte in der Regel kein Problemklärungsgespräch werden.

"Einspruch"

Die Einspruchkarte wird von einer Person gezeigt, die in einem Prozess fachliche, inhaltliche oder persönliche Bedenken hat. Da kein Redner einfach unterbrochen werden sollte, kann diese Karte während eines Wortbeitrages gezeigt werden, so das allen im Bewusstsein ist, dass es eine Gegenposition gibt. Der Redner kann dann ausreden. Wenn nach diesem Wortbeitrag zunächst eigentlich eine andere Person am Reden gewesen wäre, kann nun der Einspruch direkt geäußert werden. Die Einspruchkarte bleibt so lange offen liegen, bis der Einspruch geäußert wurde. Diese Karte darf aber nicht dazu mißbraucht werden, jederzeit zu Wort zu kommen. Sie darf nur dann eingesetzt werden, wenn es wirklich einen dringenden Einspruch zu einem Beitrag gibt.

"?"

Das Fragezeichen wird dann gezeigt, wenn eine Person dem Geschehen nicht mehr folgen kann –  vielleicht weil es zu schnell geht oder weil jemand einen Zusammenhang nicht versteht. Wird diese Karte gezeigt, muss zunächst geklärt werden, worum genau es sich bei dem Verständnisproblem handelt, um dann entsprechende Maßnahmen einzuleiten, sei es Fragen zu beantworten, das Tempo zu reduzieren oder etwas noch einmal zu erklären.

"Ziel-Kontrolle"

In zähen, turbulenten oder schwierigen Phasen kann es dazu kommen, dass das eigentliche Arbeitsziel aus dem Blick gerät. Wer die Ziel-Kontrolle-Karte zeigt, hat genau diesen Eindruck. Die Funktion der Karte ist, dass das Team sich klar darüber wird, wo alle zu diesem Zeitpunkt stehen und wie das eigentliche Ziel erreicht werden kann. Wird diese Karte gezeigt, sollte sich die Gruppe kurz die gestellten Ziele vor Augen führen (z.B. für diese Sitzung oder für das konkrete Projekt). Dann werden kurz die bisherigen Arbeitsschritte und Vorgehensweisen zusammengefasst und der letzte Schritt, bei dem die Karte gezogen wurde, in den Zusammenhang eingeordnet und bewertet. Die Leitfragen dabei sind:

  • Wo wollen wir eigentlich hin?
  • Wo stehen wir jetzt?
  • Was müssen wir tun, um dort hinzukommen, wo wir hinwollen?

Das Team kann sich dann entscheiden, da weiter zu machen, wo die Karte gezeigt wurde. Das Team kann aber auch neue Vorgehensweisen oder Maßnahmen bestimmen. Diese Karte ermöglicht es, endlose Diskussionen oder Auseinandersetzungen zu beenden, die zu nichts führen. Mit dieser Karte können auch Fehlentscheidungen bezüglich bestimmter Arbeitsschritte revidiert werden. Die Ziel-Kontrolle ist ein sehr konstruktives Mittel, um das Team wieder auf den Pfad zum Ziel zu bringen. Wie alle anderen Karten auch, darf diese Karte aber auch nicht ständig eingesetzt werden, z.B. immer dann, wenn eine Diskussion beginnt.

"Alarm"

Derjenige, der diese Karte zeigt, glaubt zu spüren, dass etwas im Team sich in die falsche Richtung entwickelt. Wer die Alarm-Karte benutzt,  spürt Spannungen, sieht einen Streit aufkommen oder bemerkt Ungerechtigkeiten. An dieser Stelle sollte die Gruppe diesem Hinweis folgen. Hier muss das Team herausfinden, was genau los ist. Der Kartenzeiger kann versuchen, sein Alarm-Gefühl näher zu beschreiben, muss aber dabei nicht zwingend eine konstruktive Lösung anbieten. Diese Karte ermöglicht es, auch einfach nur ein "Bauchgefühl" zu äußern. Es liegt in der Verantwortung der Gruppe, diesen Hinweis zu nutzen oder nicht darauf einzugehen. Diese Karte kann dazu dienen, Konflikte anzugehen, bevor sie eskalieren oder um destruktive Teufelskreise zu durchbrechen. Durch diese Karte können Spannung bereits im Vorfeld zum Thema gemacht werden, bevor sie zu einem ersten Problem werden.

"Destruktive Runde"

Derjenige, der diese Karte hochhebt, muss unbedingt einmal "Dampf ablassen", weil er sonst platzt. Er oder sie ist sich darüber bewusst , dass seine Emotionen an dieser Stelle möglicherweise nicht konstruktiv sind, aber sie sind so stark, dass sie den weiteren Prozess behindern würden, deswegen will er sie trotzdem herauslassen. Wird diese Karte gezeigt, wird der aktuelle Prozess unterbrochen und der Kartenzeiger darf zu reden beginnen. Die Dauer der Redezeit bestimmt die Gruppe (in der Regel sollte eine Minute ausreichen). Dann geht es reihum und jeder, der will, kann die Chance nutzen, seine Emotionen ebenfalls loszuwerden. Jeder redet, worüber er will. Nach dieser Runde wird gefragt, ob nun weitergemacht werden kann und wenn nicht, dann muss es ggf. eine weitere Runde geben. Da die Redezeit für jeden kurz ist, kann sich die Gruppe diese Zeitinvestition leisten. Dafür wird dann im Nachhinein der gesamte Prozess leichter vonstatten gehen.

Wichtig ist, dass die Karte kein Auftakt für ein Problemlösungsgespräch ist. Nur wenn auch nach einer zweiten Runde noch immer eine Spannung bestehen, muss überlegt werden, ob es sich hier um ein grundsätzliches Problem handelt. Dann könnte der Kartenzeiger die Aufgabe bekommen zum nächsten Treffen diesen Punkt schriftlich für alle vorzubereiten und er bekommt die Zusage, dass das Thema beim nächsten Mal an erster Stelle behandelt wird. Sollte er sich auch damit nicht zufrieden geben können, muss die Gruppe an dieser Stelle vielleicht wirklich in den gemeinsamen Klärungsprozess investieren, da ein weiteres Zusammenarbeiten durch die Spannung vergiftet werden könnte.

"Auszeit"

Derjenige, der dieses Kärtchen hochhebt, signalisiert, dass er den Prozess an dieser Stelle für eine kurze Zeit unterbrechen will bzw. muss – irgendetwas macht es ihm oder ihr unmöglich, weiterzumachen. Diese Karte ist ein sehr drastisches Mittel. Wird diese Karte gezeigt, hören alle sofort auf, einigen sich auf die Dauer der Auszeit und machen erst wieder weiter, wenn alle da sind. In der Auszeit werden keine Zweiergespräche geführt, sondern jeder nutzt diese Zeit für sich (z.B. aufschreiben, was man noch sagen will, entspannen, etwas trinken oder was auch immer).

Weitere Kärtchenideen

Weitere Kärtchen können ganz individuell aus der jeweiligen Teamsituation entstehen. Sind z.B. jüngere oder ältere Teammitglieder in der Überzahl, könnte eine Karte mit dem Titel "Altersproblematik" Sinn machen, um z.B. zu verhindern, dass die älteren Teammitglieder die jüngeren nicht ernst nehmen oder umgekehrt. Entwickeln Sie also genau die Karten, die Sie für Ihr spezielles Team brauchen.

 

Da die Kärtchenmethode sowohl einfach als auch wirkungsvoll ist, kann sie gut im Alltag eingesetzt werden. Auch auf privater Ebene geraten wir hin und wieder mit Menschen in Konflikt. Um diese Konflikte konstruktiver als bisher zu lösen, können Sie gemeinsam bestimmte Kärtchen entwickeln und einsetzen.

Die Kärtchenmethode in der Beziehung

In vielen Beziehungen geraten Lebenspartner häufig wiederholt  in Teufelskreise, in denen eine konstruktive Kommunikation kaum noch möglich ist. Hierfür eignet sich die Kärtchenmethode sehr gut. Sie können damit eingefahrene Muster durchbrechen und einen neuen Umgang miteinander entwickeln. Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Lebenspartner oder Ihrer Lebenspartnerin die Kärtchen, die es Ihnen zusammen ermöglicht, in Streitfällen besser zu reagieren. Machen Sie Ihre typischen Streitpunkte durch die Kärtchen fassbar.

Ein Beispiel – In den Auseinandersetzungen von Anne und Gregor kommt es regelmäßig dazu, dass Anne anfängt, Gregor durch Verallgemeinerungen zum Wahnsinn zu treiben. Jeder ihrer Sätze beginnt dann mit "Immer tust du …" oder "Jedes Mal machst du …" Gregor kann das nicht mehr hören und wird dann normalerweise aggressiv. Hier wäre beiden geholfen, wenn Gregor Anne eine spezielle Karte zeigen könnte, wenn Anne wieder zu verallgemeinern beginnt. Anne würde dann auf ihr Verhalten aufmerksam und könnte sich bemühen, das Verallgemeinern zu unterlassen, um ein konstruktives Gespräch möglich zu machen.

Die Kärtchenmethode unter Freunden

Das Gleiche, was für Beziehungen gilt, kann auch für eine Freundschaft der Fall sein. Auch hier gibt es Verhaltensweisen oder Punkte, die uns immer wieder ärgern und die zu Streits führen. Entwickeln Sie gemeinsam Kärtchen dafür.

Ein Beispiel – Lutz und Udo sind schon seit ewigen Zeiten gute Freunde. Eines aber macht Udo verrückt: Lutz und seine Angeberei. Immer wieder hat Lutz diese Phasen, in denen er vor Udo prahlt, wie toll er im Fußball ist, wie klasse ihm alles auf der Arbeit gelingt und wieviele Frauen er aufreißt. Udo kennt Lutz gut genug, um zu wissen, dass davon nur die Hälfte wahr ist und er ärgert sich maßlos, wenn Lutz wieder damit beginnt, die Sachen nach seinem Gutdünken auszuschmücken. Auch hier könnte eine Karte, auf die beiden sich im Vorfeld geeinigt haben, Udo die Möglichkeit geben, Lutz zu zeigen, dass er ihn nervt, ohne ihn gleich richtig anmachen zu müssen.

Die Kärtchenmethode in der WG

Leute, die auf engem Raum zusammenleben, haben oft zahlreiche Streit- und Konfliktpunkte. Auch hier können gemeinsam erarbeitete Kärtchen für alle von Nutzen sein.

Ein Beispiel – Monika ist in der WG mit Einkaufen dran. Sie vergisst das aber immer wieder, was dann dazu führt, dass z.B. kein Brot oder keine Milch mehr da ist. Wenn die anderen sie – meist ziemlich sauer – darauf ansprechen, kommt es fast immer zum großen Krach, weil Monika sich dann verteidigt und mit Angriffen nach vorn geht. Gäbe es in der WG ein Kärtchensystem, mit dem jeder jedem neutrale Zeichen geben könnte, würde es hier nicht immer zu heftigen Streitigkeiten kommen, sondern man könnte konstruktiv über Lösungen reden.

Entwickeln Sie Ihr persönliches Kärtchensystem

Diese Beispiele zeigen Ihnen, dass die Kärtchenmethode in vielen verschiedenen Situationen sinnvoll eingesetzt werden kann, um aus Konflikten konstruktive Gespräche zu machen. Sicher können Sie auch für viele Ihrer Probleme mit dieser Methode ein Stück weiterkommen. Seien Sie erfinderisch. Das Wichtige ist nur, dass die anderen mitmachen, denn leider nützt es nichts, wenn Sie allein die Kärtchen ausarbeiten und zeigen – dann wird Sie kaum jemand ernstnehmen. Versuchen Sie die anderen von den Chancen und Möglichkeiten dieser Methode zu überzeugen und nutzen Sie das Erarbeiten der Karten als erste Chance zu einem konstruktiven Austausch.

 

Zusätzlich zu den individuell von der Gruppe erarbeiteten Kärtchen kann es sinnvoll sein, drei weitere Kärtchen zu erstellen. Diese Karten folgen dem Konzept der themenzentrierten Interaktion nach Ruth C. Cohn. Nach diesem Modell wirken in jedem Gruppenprozess folgende drei verschiedenen Ebenen:

Das Modell der TZI

Auf der Sachebene geht es um das Arbeitsziel oder um die Aufgabe. Auf der Ich-Ebene geht es um die eigene Person, also um das jeweilige Individuum. Und auf der Wir-Ebene geht es um die Gemeinschaft, um die Gruppe, also um das Zwischenmenschliche im Team.

Ziel der TZI-Kärtchen

Ziel der TZI-Kärtchen ist es, dass keine der drei Ebenen vernachlässigt wird. Alle drei Ebenen sind für eine funktionierende Teamarbeit wichtig. Oftmals wird ein Schwerpunkt auf die Sach-Ebene gelegt, was aber dazu führt, dass Unmut, Frustration und Spannungen auf den anderen Ebenen entstehen und sich ansammeln. Das kann die Teamarbeit erheblich beeinflussen und die Leistungsfähigkeit des Teams stark beeinträchtigen. Mit den TZI-Kärtchen können die Teammitglieder selbst dafür sorgen, dass keine Ebene vernachlässigt wird, was grundsätzlich für alle Gruppen sinnvoll ist.

Im folgenden stellen wir Ihnen die drei möglichen TZI-Kärtchen vor, wobei hier darauf hingewiesen werden muss , dass auch diese Kärtchen gemeinsam im Team erarbeitet werden müssen, um wirkungsvoll zu sein. Auch hier müssen die Bedeutung und die daraus folgenden Maßnahmen für alle Beteiligten klar sein.

Kärtchen: "Sach-Ebene"

Derjenige, der diese Karte zeigt, sieht die Sach-Ebene vernachlässigt und will darauf hinweisen, dass die Gruppe wieder stärker an der eigentlichen Aufgabe arbeiten muss . Die Karte muss nicht zu einer ausdrücklichen Reaktion führen, sondern kann auch als Erinnerung oder Mahnung eingesetzt werden. Wird sie aber zum zweiten Mal gehoben, sollte der Prozess unterbrochen und eine neue Vorgehensweise beschlossen werden. Wird diese Karte häufiger gezeigt, sollte sich die Gruppe einmal intensiv mit der  Arbeitsmethodik und mit möglichen Störfaktoren beschäftigen, um diese dauerhaft zu beseitigen. Auch hier sollte auf der Rückseite aufgeschrieben werden, welche Schritte sich das Team vornimmt, wenn diese Karte gezogen wird.

Kärtchen: "Ich-Ebene"

Wer diese Karte zeigt, signalisiert, dass ihn ganz persönlich etwas bedrückt, was nicht einmal etwas mit der Gruppe zu tun haben muss , was aber seine Arbeit oder die Stimmung in der Gruppe beeinträchtigt. Derjenige, der die Karte zeigt, kann entscheiden, ob er allen kurz mitteilen möchte, was ihn bedrückt oder er kann die Karte einfach auch als Signal für die anderen einsetzen, die dann wissen, dass da ein persönliches Problem besteht. Dadurch sind dann die Reaktionen dieser Person für alle besser zu verstehen. Das Team sollte auch hier Maßnahmen festlegen, die nach Ziehen der Karte durchgeführt werden.

Kärtchen: "Wir-Ebene"

Wer diese Karte zeigt, will darauf aufmerksam machen, dass er oder sie die zwischenmenschliche Ebene verletzt sieht. Es kann sein, dass jemand einen Konflikt zwischen zwei oder mehreren Teammitgliedern sieht, dass jemand mit dem Umgangston in der Gruppe nicht zufrieden ist oder dass Gemeinschaft vermisst wird u.ä. Auch hier liegt es in der Entscheidung der Person, ob darüber gesprochen werden soll, oder ob die Karte lediglich für alle als Signal dienen soll. Die Maßnahmen, die dieser Karte folgen sollen, werden wieder auf die Rückseite geschrieben.

Praktischer Einsatz der TZI-Karten

Bei den TZI-Karten – wie auch bei den anderen Karten – muss darauf geachtet werden, dass alle Teammitglieder sie bewusst und behutsam einsetzen. Eine Teamarbeit ist keine Gesprächstherapie und so darf es nicht dazu kommen, dass nur noch Probleme gewälzt werden. Die gemeinsame konstruktive Zusammenarbeit soll im Mittelpunkt stehen. Deshalb sollte jeder die Karten auch nur einsetzen, wenn er diese Zusammenarbeit wirklich gefährdet sieht. Es wird immer wieder vorkommen, dass man sich auf der zwischenmenschlichen Ebene verletzt sieht oder auch dass man persönliche Probleme mit sich herumträgt, ohne dass dadurch aber die Teamarbeit wesentlich beeinflusst wird.

 

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Ralf Senftleben

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Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

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