Respekt vor meinen Grenzen – Wie du Grenzen setzen lernst

Respekt vor meinen Grenzen

Hast du schon einmal erlebt, dass jemand deine Grenzen überschritten hat? Sei es durch Unachtsamkeit oder durch unfaires oder unangemessenes Verhalten. Oder auch einfach nur, weil dir jemand körperlich zu nahe gekommen ist, ohne dass du das wolltest.

Wir Menschen haben alle unsere Grenzen. Unsere Grenze ist unser persönliches Hoheitsgebiet. Und wir allein bestimmen innerhalb dieses Hoheitsgebiets, was erlaubtes oder nicht erlaubtes Verhalten ist. Sobald jemand unsere Grenzen verbal oder körperlich überschreitet, merken und fühlen wir das sehr direkt und sehr deutlich. Weil wir dann unangenehm berührt sind, uns ärgern oder einfach nur in Stress geraten.

Wir haben alle andere Grenzen

Dabei hat natürlich jeder von uns andere Grenzen. Mir persönlich ist zum Beispiel zwischenmenschlicher Respekt recht wichtig und deswegen reagiere ich „angepisst“, wenn jemand mich oder jemand anderen respektlos behandelt. Viele meiner Freunde sind da in der Hinsicht eher entspannter. Das zeigt mir immer wieder, wie unterschiedlich wir doch alle sind.

Unsere Grenzen haben übrigens dabei nicht zwingend etwas mit der Unterscheidung zwischen dünnhäutig und dickhäutig zu tun. Dünnhäutige Menschen haben zwar meist engere Grenzen, die leichter zu verletzen oder zu überschreiten sind. Aber auch die meisten dickhäutigen Menschen haben ihre wunden Punkte, an denen man schnell zum Grenzüberschreiter wird, ohne es böse zu meinen, ja oft sogar, ohne es zu merken.

Was ich sagen will: Jeder von uns hat seine eigenen ganz speziellen Grenzen und zwei Menschen haben selten die gleichen.

Und weil wir hier alle so anders sind, kommt es auch ständig vor, dass wir versehentlich einen Schritt über die Grenze eines anderen Menschen tun. Oft passiert das, ohne dass wir es beabsichtigen, und sogar, ohne dass wir es bemerken.

Wir überschreiten ständig Grenzen von Menschen

Dass wir gegenseitig unsere Grenzen überschreiten, ist relativ normal und meistens einigermaßen problemlos. Kleinere Überschreitungen können die meisten von uns gut wegstecken. Das ist es, was Toleranz ausmacht. Ich nehme kleinere Unbill auf mich, ohne etwas zu sagen. Wenn wir beim kleinsten Ungemach immer gleich rumzicken würden, dann würden wir ja aus dem Jammern nicht mehr rauskommen. Und wir wären auch sehr, sehr anstrengend für unsere Umgebung.

Aber es kommt irgendwann der Punkt, da müssen wir etwas sagen. Zum Beispiel, wenn sich die Grenzüberschreitungen häufen. Oder wenn jemand mit großen Schritten einfach über unsere Grenzpfeiler hinwegsteigt.

Dann ist der Zeitpunkt, den Finger zu heben und laut und deutlich zu sagen:

„Meine Liebe … hier bist du mir zu weit gegangen. Da will ich so nicht. Das ist mir unangenehm. Das ist nicht in Ordnung für mich, wenn du das tust oder sagst. Lass das bitte und mach das nicht wieder.“

Oder: „Du … ich weiß, du meinst es gut … aber hier bist du mir viel zu schnell … so gut kennen wir uns noch nicht.“

Oder: „Hey, pass auf, wenn du das noch mal machst, bekommen wir ernsthafte Probleme miteinander.“

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Wenn wir unsere Grenzen nicht verteidigen

Grenzen setzen. Grenzen verteidigen. Muss man. Ist logisch, oder? Nicht nur aus Eigeninteresse, sondern auch, damit die Menschen um uns herum wissen, wen sie vor sich haben. Denn vielleicht hast du es auch schon erlebt, dass Menschen mit starken und gesunden Grenzen oft sehr angenehme Gesellschaft sind, weil wir bei ihnen wissen, woran wir sind. Gesunde Grenzen machen uns stark und Stärke ist nun mal sehr attraktiv.

Nun gibt es aber auch viele Menschen, die nicht besonders gut darin sind, für sich selbst, die eigenen Bedürfnisse und Werte einzustehen.

Natürlich haben diese Menschen auch ihre Grenzen. Aber während ein guter Grenzzaun bildlich gesprochen so um die 3 Meter hoch sein sollte, ist ihr Zaun nur 30 cm hoch, so dass jeder ungestraft darüber hinwegsteigen kann.

Mit diesen Menschen kann man im Prinzip alles machen. Zum Beispiel kann man, ohne große Konsequenzen befürchten zu müssen, unhöflich sein, man kann sie auflaufen lassen, man kann sie ausnutzen, man kann sie emotional unter Druck setzen und zu Dingen bewegen, die sie nicht möchten.

Mit einer zu schwachen persönlichen Grenze ist man anderen Menschen schutzlos ausgeliefert. Deswegen ist es wichtig, die eigene Grenze zu kennen und sie stark zu halten.

Neulich hatten wir ja hier einen Beitrag, in dem es darum ging, wie wichtig es ist, sich dem Leben gegenüber zu öffnen. Und wohldefinierte persönliche Grenzen zu haben und dem Leben gegenüber offen zu sein, ist kein Widerspruch. Ich habe eher das folgende Gefühl: Wenn ich klar weiß, was für mich o. k. ist und was nicht, dann kann ich mich einfacher öffnen, weil ich sicherer und souveräner mit mir selbst bin.

Gut … wie bekommt man den eigenen Grenzzaun denn auf eine angemessene Höhe? Dabei helfen dir vielleicht die folgenden Ideen.

Die eigenen Grenzen bewusst machen

Wenn du deine Grenzen stärken möchtest, dann musst du dir erst einmal erlauben, überhaupt eine Grenze zu haben und diese auch zu schützen. Und die Voraussetzung dafür ist wiederum, die eigene Grenze genau zu kennen. Sonst passiert es schnell, dass man, ohne es zu merken, überrannt wird und dann erst im Nachhinein viel zu spät merkt, dass jemand unerlaubt in das eigene Hoheitsgebiet eingedrungen ist.

Wo genau verlaufen also deine Grenzen?

  • Welche deiner Bedürfnisse sind dir so wichtig, dass deren Missachtung eine Grenzüberschreitung für dich bedeutet? (Zum Beispiel mein Bedürfnis nach Ruhe, Respekt oder Fairness)
  • Was ist dir so wichtig, dass du dafür kämpfst, wenn diese für dich wichtige Sache durch andere verletzt wird? (Zum Beispiel wenn jemand Tiere quält oder Ähnliches)
  • Welches Verhalten anderer Menschen verletzt deine Grenzen? Was ist für dich nicht in Ordnung? Was muss jemand tun, um deine Grenzen zu überschreiten?
  • Was bist nicht länger bereit zu tolerieren?
  • Wann hast du dich das letzte Mal im Kontakt zu einem anderen Menschen schlecht gefühlt und welche deiner Grenzen wurde da eventuell überschritten?

Und auf der anderen Seite aber auch:

  • Wann und wo erlaubst du anderen Menschen, auch nahe an dich heranzukommen?
  • Wer darf in welcher Situation Dinge, die andere nicht dürfen?
  • Welchen Menschen erlaubst du was? (Von wem nimmst du zum Beispiel Kritik an und von wem eher nicht?)

Mit diesen Fragen kannst du deine Grenzen ausloten und festklopfen. Und das ist auch wichtig. Denn der erste Schritt zu einer besseren Grenzverteidigung besteht immer darin, sich die eigenen Grenzen bewusst zu machen. Also … was sind deine Grenzen?

Sich selbst Grenzen zugestehen

Die eigenen Grenzen zu kennen hilft einem schon mal einen Schritt weiter. Aber es reicht nicht. Man muss sich selbst auch erlauben, diese Grenzen einzufordern. Denn das ist dein gutes Recht. Jeder von uns hat das Recht auf seine Grenzen. Du. Ich. Und jeder andere auch. Jeder von uns hat ein Recht darauf, zu bestimmen, welches Verhalten er von anderen Menschen toleriert und welches Verhalten nicht.

Hier tun sich nicht wenige von uns schwer. Und nicht selten ist eine Selbstwertgeschichte dafür ursächlich. Wenn ich mich selbst als Mensch nicht genug akzeptiere, wichtig nehme und wertschätze, wie soll ich dann für mich und meine Grenzen einstehen? Wenn ich andere Menschen wichtiger nehme als mich selbst, dann bewerte ich unbewusst ihre Freiheit des Handelns als wichtiger als mein Recht auf mein eigenes Wohl und meine Grenzen.

Aber meine allererste Aufgabe als „Ich“ ist es für mich und mein Wohl zu sorgen. Nicht falsch verstehen: Natürlich ist es auch wichtig, mich um die mir anvertrauten Schutzbefohlenen zu sorgen. Und Glück erlebt man ja oft auch eher im Dienst am anderen. Aber das kann ich ja nur, wenn ich selbst emotional und körperlich stabil und in Form bin. Deswegen muss ich mich zuerst immer erst einmal um mich selbst kümmern. Und das bedeutet wieder: Die eigenen Grenzen kennen und diese einfordern, wenn sie überschritten werden.

Deine Aufgabe ist es deswegen vielleicht hier, dein Selbstwertgefühl ein bisschen aufzupäppeln. In Kurzform bedeutet das: Mache Frieden mit dir und den Dingen, die du an dir vielleicht nicht leiden kannst. Beobachte dich selbst und entdecke, wo du dich selbst in Gedanken runtermachst und dir unschöne Botschaften sendest. Und fange an, diese Botschaften weniger ernst zu nehmen. Lerne, deine Gefühle besser wahrzunehmen, diese da sein zu lassen und diese aber auch loszulassen. Lerne dich selbst besser kennen, inkl. deiner Stärken und Schwächen. Lerne die Kunst der Gefühlsregulation. Lerne quasi alles, was dir dabei hilft, dich selbst mehr wertzuschätzen und mit dir selbst besser und freundlicher umzugehen.

Und dann kannst du auch bald sagen: Ich habe meine Grenzen und es ist absolut o. k., diese Grenzen einzufordern und notfalls auch zu verteidigen.

Konfliktbereitschaft lernen

Um die eigenen Grenzen zu verteidigen muss man auch ein gewisses Maß an Konfliktbereitschaft mitbringen. Das heißt, du musst es dir selbst erlauben, in einen möglichen Konflikt reinzugehen und diesen auch auszuhalten.

Oft trauen wir uns das nicht, weil wir dann Angst haben, dass andere uns nicht mehr mögen. Aber paradoxerweise mögen und respektieren wir normalerweise andere Menschen, die freundlich, aber bestimmt sagen, was sie wollen und was sie nicht wollen.

Das heißt, ein weiterer Lernpfad für dich könnte es sein, gut und sauber Streiten zu lernen. Mir helfen dabei zwei Dinge:

1. Die folgende Leitlinie, die ich durch den Verhandlungsklassiker „Das Harvard-Prinzip“ kennengelernt habe: „Sei hart in der Sache und weich mit den Menschen.“ Also stehe zu deinen Grenzen. Sage klar, was du willst. Sei hart bei deinen Interessen und Bedürfnissen. Gleichzeitig bist du aber höflich, respektvoll und verständnisvoll mit deinem Gegenüber. Und sei auch bereit, Positionen zu verlassen, wenn du merkst, dass du deine Interessen auch auf anderem Wege durchsetzen kannst.

2. Was auch hilft, sind die Grundprinzipien der gewaltfreien Kommunikation. Also bleibe immer bei dir. Und trenne sauber das, was passiert ist (die Fakten), und die eigene gefühlsmäßige Reaktion auf das, was passiert ist. Nimm deine Bedürfnisse wahr und lernen, deine Bedürfnisse einzufordern, ohne dem anderen Vorwürfe zu machen.

Und mache dir immer klar: Es ist dein Recht einzufordern, was du brauchst. Und wenn dein Gegenüber darauf eingeschnappt oder aggressiv reagiert, dann bleibe möglichst ruhig und sachlich und lege deinen Punkt so lange dar, bis der andere verstanden hat, worum es dir geht.

Und wenn jemand über lange Zeit überhaupt nicht bereit ist, deine Grenzen zu respektieren, dann ist auch die Frage erlaubt, ob dieser Mensch langfristig ein fester Bestandteil deines Lebens sein soll.

Ein kleiner Test

Wenn du Lust hast, mache doch mal ein kleines Experiment. Überleg dir doch einmal kurz ein oder zwei Situationen, in denen Menschen in den letzten Wochen dein Grenzen überschritten haben. Hast du die Situationen vor Augen? Ja? Prima.

O. k. … dann überlege doch einmal, wie du anders reagiert hättest und wie die Situation im besten Fall anders gelaufen wäre, wenn du die Ideen aus diesem Beitrag hättest anwenden können. Also

  • wenn du deine Grenzen klar kennst
  • wenn du dir deine Grenzen zugestehst,
  • wenn dein Selbstwertgefühl intakt ist und
  • wenn du kein Problem damit hast, in einen Konflikt reinzugehen.

Wie wäre das?

Ja, das könnte vielleicht deine Richtung sein.

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Hier haben wir dir die wichtigsten Tipps zusammengefasst. So kannst du sie zu Hause immer mal wieder durchlesen und immer besser darin werden, Grenzen zu setzen.

Zusammenfassung Grenzen

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