Hüpfen wie ein Känguru

Känguru-Modus

Bist du auch wie ein Känguru?

Vor kurzem habe ich ja darüber geschrieben, dass aktive und selbstbestimmte Menschen immer mehr Aufgaben als Zeit haben.

Und dass du deswegen nie alles erledigen kannst und irgendwie damit klarkommen musst.

Und dass du deswegen dringend Prioritäten setzen solltest, um zu entscheiden, was liegen bleiben darf und was nicht.

Weil du sonst durchdrehst.

Darauf schreibt mir Annemarie:

„Meine Prioritäten bzw. Ziele ändern sich ständig … ich verfolge leider keines wirklich lange – je nachdem welches Gefühl gerade laut in mir schreit … was kann ich tun? Habe schon unendlich viele Listen mit meinen Zielen geschrieben und aussortiert und nur drei Prioritäten gelassen, nur um nach einiger Zeit festzustellen: ‚Nö, das hat sich jetzt wieder für mich geändert‘, und dann funken wieder so kurzfristige Wünsche hinein und alles ist vorbei.“

Meine Antwort: Damit bist du nicht alleine. Das geht ganz vielen Menschen so.

Willkommen im Club der Kängurus.

Was hat das mit Hedonismus zu tun?

Dieses Hüpfen passiert insbesondere, wenn wir hedonistisch unterwegs sind. Wenn also unser Lebensziel in erster Linie darin besteht, dass wir uns gut fühlen wollen.

Sich gut fühlen ist aber ein eher schlechtes Lebensziel. Weil „Wohlgefühl“ eher das Ergebnis eines gut gelebten Lebens und guter Gewohnheiten ist. Weil man das eher indirekt erreicht.

Wirkliche Erfüllung entsteht eher, wenn wir etwas verfolgen, das größer ist als wir selbst. Wenn wir uns in den Dienst einer höheren Sache stellen. Wenn wir Teil von etwas Gutem werden.

Wenn diese hedonistische Ausrichtung die Ursache für das Hüpfen zwischen Zielen und Wünschen ist, würde ich mich auf die Suche nach einer Sache machen, die mir wirklich, wirklich, wirklich am Herzen liegt.

Eine Sache, die mir so wichtig ist, dass ich dafür auch teilweise „schlechte Gefühle“ in Kauf nehmen würde.

Was dir dabei hilft, ist, deine Werte und Stärken und deine Motivations-Struktur zu ergründen, so wie wir das auch im Kompass-Kurs machen.

Das Gehirn trickst dich aus?

Eine andere Ursache für dieses ständige Känguru-Hüpfen zwischen Zielen und Wünschen ist, dass wir zu begeisterungsfähig sind.

Wenn wir auf etwas neues Interessantes stoßen, dann schüttet unser Gehirn den Belohnungs-Botenstoff Dopamin aus und wir fühlen uns begeistert, großartig, leidenschaftlich. Dabei ist eines wichtig zu begreifen: Dopamin wird nicht wegen des augenblicklichen Objekts meiner Begierde ausgestoßen, sondern weil die Sache neu ist.

Und was passiert in dem Augenblick, wenn die Sache nicht mehr neu ist? Klar. Das gute Gefühl lässt nach.

Dann brauchen wir ein neues Objekt der Begierde. Ein neues interessantes Thema.

Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes neu-gierig.

Und deswegen hüpfen viele Menschen so zwischen den Interessen, Zielen und Wünschen. Weil sie abhängig von diesem wundervollen Neuigkeitsgefühl sind.

Aber wenn du immer dem Neuen nachjagst, bekommst du nirgends Tiefe und erreichst keine Meisterschaft.

Hier ist die Lösung

Die Lösung heißt hier: Bewusstheit, Selbstdisziplin und Entwöhnung.

Es hilft also, dir diesen Zusammenhang zwischen Neuem und Dopamin klarzumachen und dich bewusst dazu zu zwingen, an einer Sache länger dranzubleiben. Denn auch Tiefe und Meisterschaft in einem Thema fühlen sich irgendwann großartig an und versorgen dich mit Glückshormonen.

Es gibt noch mehr Gründe, warum wir zwischen Zielen und Wünschen hin und her hüpfen. Konzentrationsprobleme. Selbstsabotage. Selbstwertprobleme.

Aber die oben genannten Gründe sind nach den Fragen und Rückmeldungen der Teilnehmer meines Kompass-Kurses die häufigsten.

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Durchhaltevermögen, Tiefe und Meisterschaft.

Denn das Streben nach Meisterschaft ist ein guter Weg, der unserem Leben Sinn und Erfüllung bringen kann.

Ralf

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Kommentare

  • Den Artikel hast du speziell für mich geschrieben? ;-) Fühlte mich jedenfalls selten so direkt angesprochen. Ich bin zweifellos hedonistisch unterwegs und lerne auch total gerne Neues, verliere aber oft schnell die Lust, mich ernsthaft mit allen Details zu befassen. Und geb dann eben das Känguru.

    Eine Bitte hätte ich – woher hast du das bzw worauf beziehst du dich/gründet es?

    “Wirkliche Erfüllung entsteht eher, wenn wir etwas verfolgen, das größer ist als wir selbst. Wenn wir uns in den Dienst einer höheren Sache stellen. Wenn wir Teil von etwas Gutem werden.”

  • Vielen Dank für diesen tollen und hilfreichen Artikel!!!
    Erkenntnisbringend!
    Seit ich meine Berufung gefunden habe, hüpfe ich mehr zwischen allem – und immer wieder neuem – herum, denn je zuvor.
    Die oben genannten Gründe treffen sicher zu!
    Und es ist wohl auch DESHALB eine besondere Herausforderung geworden, weil alles nun so wichtig erscheint: “Ach ja: Der Aspekt ist sehr wichtig! Und dieser Aspekt ist enorm weiter führend! Und das darf auch nicht übergangen werden! ….”
    Und immer taucht ein neuer bezaubernder Aspekt, eine neue brillante, beglückende Erkenntnis auf. Tief und weiterführend. Und bevor diese zu Ende erarbeitet/aufgeschrieben ist, die nächste.

    Mir fällt es enorm schwer, meine “Vision”/Berufung in einen sequentiellen Zeitablauf (hinein in die Zukunft) zu planen.
    Es geht noch häufig um das diffuse Ganze, das Alles-jetzt- oder-Nichts.

    Vielleicht liegt das Känguruh-Hüpfen ja auch am Sich-nicht-festlegen-Wollen und Nichts-opfern-Wollen?

    DANKE, Ralf, für die Inspiration! Eine Berufung zaubert man wohl nicht aus dem Ärmel, sondern die mit ihr einhergehenden Herausforderungen wollen sich wohl auch mit Ruhe, Geduld und langem Atem GEMEINSAM MIT DER ENTWICKLUNG DES EIGENTLICHEN THEMAS entwickeln.

    Viele Grüße, Sandra

  • Zit.:”Eine andere Ursache für dieses ständige Känguru-Hüpfen zwischen Zielen und Wünschen ist, dass wir zu begeisterungsfähig sind”

    Vielleicht. Zu prüfen wäre aber auch, ob sich hinter der ständigen Ziel-Hüpferei nicht eher ein tief verinnerlichtes “ich soll” und: “ich sollte” verbirgt.
    Ein Orientierten an dem, was man glaubt ! , dass andere das erwarten.
    Andere = das persönliche Umfeld aber auch die scheinbar öffentliche Meinung über das, was heute “angesagt” ist.

    Wer immer anderen gerecht werden möchte = wer ständig Anerkennung sucht, dem
    bleibt nichts anderes übrig als zu hüpfen. Die innere Leere “im Känguru-Beutel” bleibt.

  • Neugier wird in den einschlägigen Persönlichkeitstests als Wert neben anderen gleich gestellt. Auch Wissbegier. Ich wäre nicht sicher, dass die Zuordnung zu diesem Persönlichkeitswert mit Hedonismus zu tun hat. Ausser wenn andere Werte auch durch Hedonismus entstehen und zufällig gesellschaftlich besser akzeptiert sind, vgl. Gewissenhaftigkeit.
    Ob das Konzept der sog. Scanner unseriös ist, weiss ich nicht, aber es trifft den Kern. Wenn Neugier ein Persönlichkeitswert ist, ist er nach Definition eigentlich nicht hedonistisch. Ja, es ist in dieser Gesellschaft ein unangenehmes Gefühl, so zu sein. Akzeptiert man es, dürfte es ok sein. Es ist für die Menschheit vermutlich evolutionär sinnvoll gewesen, dass es solche Menschen gibt. Sie haben vermutlich heute nur oft nicht ihren “Platz” gefunden….

  • Ich sehe es auch so, erst einmal an einer Sache dranbleiben und Meister werden. Ich weiß da draußen locken so viele Möglichkeiten und da bei einer Sache zu bkeiben, fällt zuweilen schwer. Vielleicht hilft dir der Gedanke an eine gute, langjährige Partnerschaft weiter? Das worauf du deine Aufmerksamkeit lenkst, wird sich entwickeln. Die Entscheidung und der innere Fokus führen Richtung Ziel.

    Danke für den Artikel Emanuela

  • Das ist ein tolles Beispiel mit dem Känguru-Hüpfen. Du erwähnst auch das klare Bewusstsein. Da bin ich voll dabei. Denn genau das ist die Basis. Die Achtsamkeit vor allem sich selbst gegenüber. Denn damit werden die Ziele/Visionen/ Wünsche eher Wirklichkeit, weil wir mit einer ganz anderen Einstellung herangehen.
    Und zwar mit uns selbst im Reinen sind.
    Vielen Dank für deine Inspiration.

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