Leichter leben mit Humor (denn Angst und Lachen geht schlecht zusammen)

Humor

„Treffen sich zwei Jäger im Wald. Beide tot.“

Es ist ziemlich schwierig, über etwas zu lachen und gleichzeitig besorgt oder ängstlich zu sein.

Deswegen haben es humorvolle Menschen im Leben einfacher.

Ja, wenn wir doch mehr zu lachen hätten.

Die Buddhisten sagen ja so schön:

„Das Leben ist Leiden.“

Bei dem Spruch kann einem schon das Lachen vergehen.

Und mir persönlich ist das tatsächlich auch ein bisschen zu pessimistisch gedacht.

Aber ja. Klar. Es gibt schon eine Menge Mist im Leben. Schicksalsschläge. Ungerechtigkeiten. Konflikte. Probleme. Verrückte Despoten.

Und von den vielen kleineren Absurditäten des Lebens wollen wir gar nicht erst anfangen. Wie die EU-Verordnung 1677/88 über den Krummheitsgrad von Gurken.

Nun gibt ja es verschiede Möglichkeiten, mit den Seltsamkeiten, aber auch mit den beängstigenden Schattenseiten des Lebens umzugehen.

Verdrängung als Bewältigung des Leids

Ich kann die Schattenseiten verdrängen und ignorieren. Einfach so tun, als wären sie nicht da. Aber du weißt es ja wahrscheinlich: Verdrängung ist normalerweise keine gute Lösung.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Denn was wir verdrängen, erwischt uns ganz oft durch die Hintertür.

Denn ich kann nur gegen Dinge angehen, wenn ich ihre Existenz erst einmal anerkenne.

Das können wir nicht, wenn wir verdrängen.

Depression als Bewältigung des Leids

Die zweite Möglichkeit, mit den Schattenseiten des Lebens umzugehen: Ich schaue ganz genau hin. Ich bade tief im Leid des Lebens. Ich ziehe mir alles an und fühle den Schmerz. Ich erlebe das Drama mit allen Sinnen.

Was mich ganz direkt in die Depression führt.

Denn auch wenn das Leben nicht nur Leiden ist, so gibt es doch so viele Missstände auf der Welt. So viele, dass ich mich problemlos von morgens bis abends damit beschäftigen kann.

Und wenn ich das mache und die ganze Zeit die Ohnmacht, die Hilflosigkeit und den Ärger spüre, dann macht mich das meschugge.

Also ist das tiefe Bad im Leid der Welt auch keine gute Lösung.

Humor als Bewältigung des Leids

Aber es gibt zum Glück noch eine dritte Möglichkeit: Ich nehme das Leben mit Humor.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Humor genau deswegen den Weg in unsere Gene gefunden hat. Also die Fähigkeit zum Humor.

Das ist unsere Waffe, um im Kampf angesichts der vielen Ungerechtigkeiten, Missstände und Absurditäten in der Welt nicht durchzudrehen.

Humor lässt uns die Dinge sehen. Auch die schlechten Dinge da draußen.

Nein, wir schauen hin. Wir verdrängen nicht. Wir sehen das Leid. Wir sehen die dunkle Seite.

Und wir fangen an, Witze darüber zu machen. Einfach, damit wir nicht durchdrehen. Weil Humor uns dabei hilft, das Leid zu ertragen.

Und es ist auch nichts Unmoralisches daran, Witze über etwas zu machen, um eine Sache besser ertragen und bewältigen zu können.

Komm mir jetzt nicht mit Moral

Manche Menschen kommen einem dann moralisch.

Darüber dürfe man wirklich nicht lachen.

Und ich sage: Ich darf über alles lachen.

Nicht nur die Gedanken sind frei. Auch mein Lachen ist frei.

Und wenn ich durch mein Lachen, meinen Humor und meine Witze niemandem Schmerz zufüge, ist mein Lachen meine Angelegenheit. Basta.

So nimmst du das Leben mit mehr Humor

O. k. Humor hilft mir also, mit dem Mist des Lebens besser zurechtzukommen.

Aber wie geht das genau?

Wie kann ich lernen zu lachen, wenn mir doch gar nicht zum Lachen zu Mute ist?

Die Kunst der Selbstironie

Ein guter Anfang bin ich selbst.

Denn wenn ich mir rausnehme, über andere zu lachen, dann sollte ich auch über mich selbst lachen können.

Einfach der Fairness wegen.

Ich fange also am besten an, erst einmal über mich selbst zu lachen.

Selbstironie ist das Stichwort.

Denn ich weiß nicht, wie es bei dir ist. Aber ich habe doch ein oder zwei Schwächen, die sich exzellent dazu eignen, ein kleines Witzchen darüber zu machen.

„Wenn ich weiter so zunehme, brauche ich für meine Wohnung bald neue Türen.“

„Ich bin so unordentlich, mich hat sogar der örtliche Messi-Verein rausgeschmissen.“

„Ich bin so schlecht in Kommunikation, wenn ich beim Bäcker ein Brot bestelle, komme ich mit einer Salami nach Hause.“

Wenn du anfängst, Witze über dich selbst zu machen, wirst du eines bemerken:

Das Leben wird plötzlich leichter.

Nicht wenige Menschen haben ja große Angst vor Angriffen und Kritik von außen.

Aber wenn ich anfange, kleine Witzchen über mich selbst zu machen, verfliegt diese Angst oft.

Wenn jemand zu mir sagt:

„Ralf, du musst in diesem Projekt wirklich mehr Initiative zeigen.“

… und ich dann mit einem lahmen Witz antworte …

„Mach ich, sobald ich meinen Doktor endlich überzeugen kann, mir Ritalin zu verschreiben.“

… dann nehme ich dem anderen automatisch den Wind aus den Segeln.

Und es macht einfach auch keinen Spaß, jemanden anzugreifen und zu kritisieren, der selbst Witze über sich macht.

Selbstironie ist oft ein guter Anfang, der Welt mit mehr Humor zu begegnen.

Und gleichzeitig macht dich das resilienter und weniger angreifbar.

Lachen über das Leben

Aber vieles, was dich beschäftigt, liegt ja wahrscheinlich auch außerhalb von dir selbst.

Die weltpolitische Lage.

Sorgen um die Kinder.

Streit mit den Nachbarn.

Oder die irrationale Angst, sie könnten die Kinder-Milch-Schnitte vom Markt nehmen.

Auch hier kannst du anfangen, die Sache öfter mit einem gelassenen Humor zu nehmen.

Gerade in den Fällen, an denen du bei aller Liebe nichts ändern kannst.

Nehmen wir zum Beispiel das globale Klima. Da kannst du sicherlich deinen kleinen Beitrag leisten.

Indem du Strom sparst und dein Auto abschaffst. Und du kannst das Bewusstsein für das Problem bei deinen Freunden und Bekannten wecken. Na klar, jeder kann einen Beitrag leisten.

Trotzdem bleibt die Angst vor den Folgen, wenn plötzlich andere Staaten aus den Klimaverträgen aussteigen.

Und hier hilft es dir wieder, der Sache mit einer lockeren, humorvollen Gelassenheit zu begegnen.

„In 10 Jahren braucht kein Rentner mehr auf Mallorca zu überwintern, dann haben wir bei uns hier 20 Grad zu Weihnachten.“

„Wenn es noch wärmer wird, können wir endlich auch im Winter Tomaten ernten.“

„Wenn der Fluss jetzt noch mal Hochwasser bekommt, verkaufen wir das Haus und kaufen uns ein Hausboot.“

Und über etwas zu lachen, heißt auch nicht, dass ich nicht gleichzeitig etwas dagegen unternehmen kann.

Oft hilft eine humorvolle Grundhaltung sogar, dass ich wieder handlungsfähig werde und aus der Schockstarre herauskomme.

Eine kleine Warnung

Es gibt bei der Sache mit dem Humor übrigens auch eine kleine Stolperfalle.

Denn du kennst vielleicht auch die Menschen, die nichts ernst nehmen und die über alles Witze machen.

Und diese Menschen sind auch anstrengend.

Zu viel des Guten eben.

Deswegen eine kleine Warnung: Ein gesundes Maß an Humor ist gut. Zu viel ist nervig.

Es gilt also wie überall im Leben, ein gesundes Maß zu finden.

Mach Witze

Trotz dieser kleinen Warnung möchte ich dich jedenfalls mit diesem kleinen Beitrag hier dazu ermuntern, das Leben mit ein bisschen mehr heiterer, lockerer Gelassenheit zu nehmen.

Das ist erlaubt.

Wenn du es dir erlaubst.

Mach Witze über die Dinge, die du nicht ändern kannst.

Mach Witze über dich, wenn du etwas nicht ändern kannst. Oder nicht willst.

Bringe dich selbst zum Lachen. Damit machst du deine Seele schöner.

Bringe dich und andere zum Lachen, denn die Welt um dich herum braucht das.

Wenn du eine positive Kraft auf dieser Welt werden möchtest, dann ist mehr Humor ein Weg in dieser Richtung.

Und zum Schluss möchte ich noch eine gute alte Weisheit erweitern.

„Leave it, love it or change it.

Or laugh about it.“

Alles Gute für dich.

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Kommentare

  • Die meisten Menschen lachen aus Schadenfreude.
    Das schönste Lachen ist aus Freude. Leider findet es zuwenig oder sehr selten statt.

  • Liebes Zeit zu Leben Team,
    nachdem ich letzte Woche etwas kritisch bzgl. Euers Newsletters war, spreche ich heute ein großes Lob aus. Eure Beiträge kamen komplett ohne Verlinkung zu älteren Beiträgen aus.
    Danke.

  • Lieber Hermann – Josef!

    Da fällt mir eine Geschichte ein, die ich irgendwo einmal gelesen habe, über die ich hellauf lachen musste und die ich sehr gut zum Thema “Erleuchtung” passend halte.
    Buddha saß einmal beim Meditieren. Da kam ein Jüngling zu ihm und fragte ihn:
    “Meister, sag mir, wie kann ich erleuchtet werden? ” Buddha blickte – in seiner heiligen Meditation gestört – sehr unwillig zum Jüngling auf und fragte ihn seinerseits: “So, so, du willst also erleuchtet werden?. Dann beantworte mir zwei Fragen. Erste Frage. Hast du schon einmal mit einer Frau geschlafen?” Vor Scham errötet und erschrocken erwiderte der Jüngling: “Nein, Meister. ich h als Asket würde das nie tun. Außerdem bin ich dazu noch viel zu jung.” – “Aha! Zweite Frage. Hast du schon einmal etwas geklaut?” Wieder zutiefst erschrocken versicherte der Jüngling: ” Aber, Meister, das würde ich nie tun. Ich würde ja gegen das Gesetz verstoßen!” Buddha versetzte gelassen: “Nun gut, mein lieber junger Freund, ich gebe dir einen Rat” – “Ja, Meister?????” “Lerne, mit einer Frau zu schlafen und klau mal etwas. Wenn du in beidem ein Meister geworden bist, komm wieder, dann reden wir über deine Erleuchtung weiter.” – “Aber, Meister, ich…..” “Wenn dir das nicht gelingt, zünde eine Kerze neben dir an”. – “Wozu das?” wollte der Jüngling wissen. “Nun” gab Buddha zurück, “dann ist wenigstens dein Äußeres erleuchtet….”Die Antwort finde ich sehr treffend, weil sie zeigt, dass Buddha in seinem Zustand noch Sinn für gelassenen Humor hat, der weit in die Lebensrealität hinein- und auch wieder hinausweist und sich letztendlich auch über ein angeblich wichtiges Thema wie Erleuchtung lustig macht. Dabei ist unwichtig, ob sich diese Geschichte tatsächlich so abgespielt hat oder nicht.
    Es gilt der wenn auch schon abgelutschte Spruch: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Viele Grüße an euch alle! Gerd

  • Die Buddhisten sagen nicht: “Das Leben ist Leiden”. Buddha sagt: “Es gibt Leid. Es gibt eine Ursache für Leid. Es gibt einen Weg aus dem Leid und es gibt ein Ende des Leids”. Viel besser, oder?

  • Ich danke dir sehr für diesen wertvollen Impuls.
    In dieser Woche ist mein Vater gegangen, und es ist schwer, wieder in meine Mitte zurück zu finden, das alles zu verarbeiten, nicht in der Starre und Trauer stecken zu Ganz herzlichen Dank für diesen hilfreichen Artikel!
    Claudia

  • Guten Morgen, lieber Ralf, liebes Team,
    diesen Beitrag finde ich grandios. Ich habe richtig herzhaft gelacht über die Beispielsätze. Das Leben ist um einiges leichter, wenn man über sich selbst lachen kann.

    Liebe Grüße

  • Hermann-Josef Struck schreibt am 22. Oktober 2017 Antworten

    Lieber Ralf,
    bin ansonsten sehr einverstanden mit dem, was du schreibst!
    Eine Bemerkung deinerseits möchte ich als ein seit fast 19 Jahren praktizierender Buddhist so nicht stehen lassen.
    Wir Buddhisten sagen nicht “Leben ist leiden.” – das wäre auch viel zu freudlos für die “Frohe Botschaft”, die der Buddhismus in meinen Augen ist.
    Die vier edlen Weisheiten Buddhas lauten ins Normal-Deutsch übertragen:
    1. Es gibt Leiden.
    (Das liest sich so schon anders, als dein Zitat und wer wollte dieser Tatsache widersprechen?)
    2. Es gibt eine Ursache für das Leiden.
    (Nämliche unsere dualistische Wahrnehmung, die uns als “getrennt” von allem Anderen (er-)leben lässt.)
    3. Es gibt ein Ende des Leidens.
    (nämlich: “Erleuchtung” – der Zustand, den Buddha in unserem Zeitalter als Erster erfahren hat und dann davon weitererzählt hat. Erleuchtung ist grenzenlose Freude und damit Abwesenheit von Leid und ja, es weitere Menschen, die diesen Zustand erreicht haben – “Mensch kann es schaffen”!)
    4. Es gibt einen Weg zum Ende des Leidens.
    (Und das ist die eigentliche gute Nachricht für uns Noch-Nicht-Erleuchtete (und damit Immer-Noch-Leidende): wir können uns zielgerichtet entwickeln und irgendwann “Erleuchtung” erlangen. Jedes fühlende Wesen kann das!)

    Das hört und liest sich doch deutlich anders (an) als das, was du zu uns Buddhisten schreibst… – und wenn ich dich richtig verstanden habe bislang, ist das garnicht so weit von den Dingen entfernt, die dir am Herzen liegen.

    Freue mich über eine Antwort von dir!

    Hermann-Josef ;-)))!

    • Helga schreibt am 22. Oktober 2017

      wunderbar erklärt, vielen Dank

  • Hallo Ralf,
    Ich find Humor auch sehr wichtig, aber wenn das z. B. Dein Chef wäre, der zu dir sagt, du sollst in diesem Projekt mehr Initiative zeigen, empfinde ich deine Antwort als unangebracht. Humor hat seine Grenze, wenn der andere ernstgenommen werden will.
    Liebe Grüße

    • Thomas schreibt am 22. Oktober 2017

      Siehe dazu Ralfs Anmerkung aus dem Text:
      “Und wenn ich durch mein Lachen, meinen Humor und meine Witze niemandem Schmerz zufüge, ist mein Lachen meine Angelegenheit. “

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