Ich mach mein Ding, aber leider bin ich einsam

Wie flexibel bin ich
Du kannst deine Probleme lösen. Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut.
Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

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Ich fand es schon immer wichtig, mein eigenes Ding zu machen. Ich bin so gestrickt. Ich setze mir Ziele. Ich verwirkliche sie. Ich falle auch oft damit auf die Nase. Egal. Denn ich will mein Leben leben und nicht das der anderen. Ich finde es wichtig, dass ich meine Möglichkeiten ausschöpfe, die ich habe. Denn das Leben ist kurz. Da will ich auch etwas draus machen.

Und ich rate auch allen meinen Freunden und Bekannten: „Hey, mach doch lieber dein Ding. Verwirkliche dich. Tue das, wofür du brennst.“ So ist das halt. Was man selbst für gut befindet, versucht man auch allen anderen aufzudrängen.

Wobei ich zugeben muss, dass ich da in letzter Zeit auch ein bisschen zurückhaltender geworden bin.

Denn ich beobachte in den letzten Jahren um mich herum eine gewisse gesellschaftliche Bewegung.

Ich habe den Eindruck, viele Menschen leben heute wirklich bewusster, sie machen sich mehr Gedanken, sie verwirklichen öfter ihre Träume.

Auf der anderen Seite beobachte ich ganz oft Einsamkeit, Bindungsunfähigkeit und eine gewisse Unlust auf Gemeinschaft und Gemeinsamkeit. Auch bei mir.

Ich vermute, dass es da einen Zusammenhang gibt. Einen Zusammenhang zwischen unserem Selbstentwicklungs- und Selbstverwirklichungsstreben auf der einen Seite. Und unserer daraus entstehenden, schlechter werdenden Menschenkompatibilität auf der anderen.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Ich merke das an mir auch. Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit mir selbst beschäftigt. Meine Träume gefunden und teilweise auch verwirklicht. Viel Innenschau betrieben. Mich selbst besser verstanden. Und auch angenommen.

Ich merke jetzt die Tendenz bei mir, dass ich das Gleiche auch ein bisschen von anderen erwarte. Man sieht halt mehr Dinge, die man früher nicht gesehen hat.

Oha, der sagt aber oft „man“ und das ist ja ein Zeichen von Depersonalisierung und innerer Entfremdung. Der sollte lieber mehr von sich sprechen.

Oha, der wertet aber viel. Der geht nicht besonders bewusst durchs Leben.

Oha, der lebt ja total das Leben seiner Eltern, seines Manns, seiner Frau. Oder der gibt sich ja total für seinen Beruf auf.

Mit dem Anspruch an sich selbst steigt auch der Anspruch an andere Menschen.

Ich frage mich manchmal, ob dieses ausführliche Beschäftigen mit sich selbst einen wirklich zu einem besseren Menschen macht. Zu einem verständnisvolleren, gütigeren, hilfsbereiteren, sanfteren, netteren Menschen. Einem Menschen, der auch besser mit anderen auskommt. Der es einfacher hat, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Und der es einfacher hat, diesen Kontakt zu einer längerfristigen, befriedigenden, wechselseitigen Beziehung auszubauen.

Ja, ich finde es wichtig, mein Ding zu machen. Und das beste Ich zu werden, das ich werden kann.

Aber dabei darf man eines nicht vergessen: Wir Menschen sind soziale Tiere. Gemeinsamkeit, Kooperation, Miteinander. All das ist genetisch in uns verankert. Und in der positiven Psychologie gelten befriedigende Beziehungen als einer der großen Glücksfaktoren. Glücklich verheiratete Menschen sind gesünder und leben länger. Menschen, die sozial gut eingebunden sind, auch.

Dennoch geht der Trend in die andere Richtung. Wir werden alle immer unabhängiger. Wir brauchen uns eigentlich nicht mehr wirklich zum Überleben. Jeder ist heute eine kleine autarke Wirtschaftseinheit. Nicht mehr so wie früher, wo ein Dorf nur überleben konnte, wenn alle an einem Strang gezogen haben, wenn alle miteinander kooperiert haben.

Miteinander war einmal eine Frage des Überlebens. Deswegen sind wir von der Evolution her eigentlich immer noch auf Miteinander und Kooperation programmiert.

Aber Miteinander ist heute keine Frage mehr des Überlebens. Heute ist es ein Luxus. Es geht auch ohne. Man kommt auch ohne andere zurecht.

Weil Miteinander eben auch immer ein bisschen anstrengend ist, gehen viele heute den Weg lieber alleine.

Denn wenn ich mich auf andere Menschen einlasse, dann macht das mein Leben zwar reicher. Aber alles wird auch ein bisschen komplizierter. Ich kann meine Entscheidungen nicht mehr alleine für mich treffen. Ich muss Rücksicht nehmen. Ich muss es auch mal aushalten, wenn der andere mal nicht so gut drauf ist. Und dann gibt es da noch die ganzen Konflikt- und Reibungspunkte, die man mit der Zeit entdeckt.

Das gilt alles nur für Beziehungen zwischen zwei Menschen, seien es nun Liebesbeziehungen oder Freundschaften.

Wenn ich mich jetzt einer größeren Gruppe anschließe, zum Beispiel einem Verein, dann wird es wirklich kompliziert. Denn jetzt muss ich nicht nur einen anderen Menschen aushalten, sondern ganz viele auf einmal.

(Sag mal: Weißt du eigentlich, was du dir vom Leben wünschst? Kennst du dein Wünsche, Ziele und deine Richtung im Leben? Finde deinen Kompass)

So erstaunlich das ist: Hier haben es Menschen oft einfacher, die nicht so viel an sich selbst gearbeitet haben, Menschen, die nicht so viel über sich und andere nachdenken. Im Umgang mit anderen Menschen ist es eben hilfreich, den anderen so sein zu lassen, wie er ist. Denn wenn ich an mir gearbeitet habe, habe ich vielleicht auch einen erhöhten Anspruch an andere Menschen. Und das macht es schwieriger, mit anderen Menschen auszukommen.

Ich glaube, es gibt noch einen anderen Grund, warum wir einsamer werden. Der Grund heißt Stress. Wir haben oft gar nicht so richtig Zeit für Miteinander. Unser Beruf ist anstrengend. Wir haben spannende Hobbys. Das Internet lädt dazu ein, sich stunden-, tage-, wochenlang mit interessanten Themen zu beschäftigen. Wann soll ich mich da noch mit Menschen treffen? Zumindest ist das eine Ausrede, die wir haben. Wir haben keine Zeit für Freunde. Wobei mir hier ein Satz aus einem Film „Into the Wild“ einfällt, in dem es genau um das Thema Einsamkeit geht. Da ist ein junger Mann auf der Suche nach sich selbst, indem er in die Einsamkeit verschwindet.

Seine letzte Erkenntnis ist: „Glück ist nur real, wenn man es teilt.“

Ich weiß nun nicht, wie es dir geht. Fühlst du dich manchmal einsam? Hättest du gerne mehr Menschen zum Reden und um mal etwas zu unternehmen? Oder hast du im Augenblick auch kaum gute Freunde, auf die du dich wirklich verlassen könntest?

Wenn ja, dann liegt das auf jeden Fall auch daran, dass unsere augenblickliche Gesellschaft die Vereinsamung von Menschen irgendwie fördert. Aber es liegt vielleicht auch daran, dass du dich durch deine Entwicklung von den anderen Menschen wegbewegt hast.

Schau dir zum Beispiel mal die großen Städte wie Hamburg, Berlin oder München an. Es gibt dort so viele Singlehaushalte wie nie zuvor. Menschen tun sich offensichtlich schwerer, Beziehungen einzugehen und am Leben zu erhalten.

Menschen werden immer unabhängiger voneinander. Das hat sicher auch gute Seiten. Aber wir zahlen auch alle einen Preis dafür.

Ich halte es nach wie vor für wichtig, sein eigenes Ding zu machen. Vielleicht ist es gleichzeitig aber auch wichtig, an der eigenen Beziehungsfähigkeit zu arbeiten. Sonst haben wir uns vielleicht alle fürchterlich gut selbst verwirklicht. Aber wir sind alleine und einsam.

Lass mich zum Schluss meiner Gedanken noch einmal das Zitat aus „Into the Wild“ bemühen.

„Glück ist nur real, wenn man es teilt.“

Aber dazu müsste ich jemand sein, der gerne teilt und mit dem man gerne teilt.

 

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Kommentare

  • Ich bin sozial inkompetent geworden und fast immer gewesen.
    Ich habe fast nie gelernt sozial vollständig kompetent zu sein,
    nur auf die kleinen Dinge bei der Sozialkompetenz zu achten.
    Ich bin fast dabei meinen Traum zu leben bzw. in meine Richtung zu stampfen…..
    Ich habe noch Zeit, dafür um die SK zu lernen, aber es ist sowas von unglaublich schwer , weil an manchen stellen bin ich so “ratlos”, dass ich einfach nichts sage oder erwähne beim “neue” Kontakte knüpfen.

    Klingt nach Mitleitsuchen, aber nein!
    Ich entwickle mich ganz genau, wie die Gesellschaft es meist auch tut,
    ich sehe nur das weiße Licht nicht, das mir sagt Glück teilen durch soziale Kompetenz mit Anderen.
    Ob die Zeit so etwas richten kann? Oder ist es doch vielleicht die >bewusste< Entscheidung dafür, "Selbstentwicklung" so zu betreiben, dass die Sozialkompetenz vollständig mit einbezogen wird, wenn aber vordergründig die Selbstverwirklichung steht, um Glück automatisch zu produzieren?

    Mit Grüßen!
    Ich gehe auf den Bachelor zu, noch 7 Semester (stehe im 1.)

  • Danke für diesen selbstkritischen Artikel! Ich habe auch den Eindruck, bei vielen wächst nicht unbedingt die Selbsterkenntnis, sondern nur das Ego. Und die Meinung, man sei “weiter” als andere, zeugt geradewegs von einer überheblichen Selbstüberschätzung. Viele leben alleine weil sie nicht mehr bereit sind, irgendwelche Kompromisse einzugehen, vielleicht gerade noch in sozialen Gruppen (Bekannte, Freunde, Gleichgesinnte), aber meist nicht mehr in Partnerschaften, in denen man den anderen Menschen rund um die Uhr bei sich hat und nicht einfach mal wieder nach Hause schicken kann, wenn er gerade nervt. Was dabei entgeht ist jedoch das Reiben aneinander, die täglichen Herausforderungen und Konflikte, das Erkennen der eigenen Grenzen und der eigenen “Schwachstellen”, die auch Hinweise darauf geben, woran man selbst noch arbeiten sollte. Stattdessen leben viele lieber dauerhaft alleine und blicken mit Unverständnis und wachsender Intoleranz auf andere, die sich ja soviel gefallen lassen, von ihrem Partner/ ihrer Partnerin, ihren Kindern usw. … . Dabei sollte man aber eins nicht vergessen: die Liebe zu sich selbst und zu den anderen sollte doch das Ziel sein, nicht ein großes Ego.

  • “Into The Wild” ist sehr empfehlenswert. Einer meiner Lieblingsfilme.

  • Das ist wirklich ein interessanter Gedanke. Andere Menschen bedeuten Anstrengung, und oft Überraschungen, mit denen man nichts zu tun haben will. Das ist absolut war.
    Ob das von zu viel “Innenschau” kommt, bezweifel ich aber! Gerade Leute, die sich kaum mit sich oder anderen beschäftigen, können entsetzlich intolerant, ängstlich oder agressiv sein gegenüber anderen.
    Ich wohne seit kurzem auf einem kleinen Dorf und bin gespannt, ob ich in ein paar Jahren gefühlt einsamer sein werde als in der Stadt, oder eingebunden in eine Gemeinschaft. Denn selbst wenn man sich die Zeit für andere nimmt – man muß sich ja trotzdem auch in den anderen wiederfinden können, um wirkliches Verständnis füreinander zu entwickeln.

  • Ralf, vielen Dank für Deinen Beitrag, der zu diesen vielen sehr bereichernden Kommentaren geführt. Vielen Dank an Euch alle!

  • Ich finde den Aphorismus von Ernst von Feuchtersleben passend:
    Das ist der Fels, an dem die Besten scheitern:
    Dass sie aufhören zu lieben, wenn sie anfangen zu erkennen.
    Wohl jenem, der Erkenntnis errungen und Liebe bewahrt hat –
    der die Welt ihr zum Trotz liebt.

    Mein “Selbstverwirklichung” besteht darin, ausgeglichen zu sein – das Leben jeden Tag so zu nehmen, wie es kommt. Gott sei Dank habe ich einen Job, den ich liebe, obwohl ich mir diese Liebe erst erarbeiten musste.
    Mein “Ding” ist es, anderen Menschen das Leben zu erleichtern, statt es zusätzlich zu belasten. Einerseits macht es glücklich, anderen helfen zu können, andererseits habe ich auch die Zeit, allein zu sein und die Dinge zu tun, die mich persönlich interessieren.

    Natürlich haben andere Menschen zum gleichen Thema jeweils eine andere Meinung – ganz einfach schon deshalb, weil sie andere Erfahrungen, andere Erkenntnisse, andere Ängste, andere Wünsche, andere Ziele, eine andere Erziehung, andere Bildung, andere Talente, andere Vorlieben, andere Bedürfnisse, eventuell eine andere Kultur usw. haben. Eigentlich ist es erstaunlich, dass Menschen überhaupt in manchen Dingen übereinstimmen *lach*.

    Vielleicht ist ein Mittel gegen Einsamkeit über die Frage nachzudenken: Wie kann ich mit meinen Fähigkeiten/Kenntnissen anderen helfen? Und wenn es “nur” so etwas ist wie z.B. mit Stadtplänen hantierenden Touristen den Weg zu erklären. Quasi automatisch haben wir so Kontakt zu anderen…

    Viele Grüße

  • Dieser Beitrag hat mir ausgesprochen gut gefallen. Es stimmt schon, um eine Gemeinschaft intakt zu halten, braucht es Menschen, die nicht so oft darüber nachdenken, warum jemand so ist, wie er ist. Nicht umsonst gibt es bei Coaching-Programmen für Führungskräfte häufig den Ratschlag, die Mitarbeiter nicht anzutreiben, sondern sie gezielt entsprechend ihren Fähigkeiten einzusetzen. Dann funktioniert das Gemeinwesen. Doch das Problem liegt m.E. darin, dass nicht nur die Arbeitswelt, auch unser privates Leben so vielfältig ist, so viele Möglichkeiten bietet, dass Beziehungen viel mehr in Veränderung begriffen sind als früher. Früher gab es die “Einheiten” Dorf und Kleinstadt. Nur wenige Menschen kamen aus dem “angeborenen” Milieu heraus, also fragte man nicht groß, wie jemand sein wollte. Man war so, wie man in die Gemeinschaft passte. Und seien wir mal ehrlich, wer da ausbrach, hatte es häufig schwieriger als heutzutage. Denn er war oft sein Leben lang bestenfalls geduldet, fühlte sich aber sicherlich ausgeschlossen und wirklich einsam.

  • Lieber Ralf und liebe alle,

    ich sehe das so: All die Seminare, die ich mache, die Bücher, die ich lese, etc. sind für mich nicht Selbstzweck, obwohl sie für sich genommen auch sehr wertvoll sind. Frucht bringen sie aber erst dann, wenn ich die neuen Erfahrungen oder Erkenntnisse in mein Leben integriere. Und das braucht Zeit und Ausdauer, insbesondere wenn andere Menschen auch daran teilhaben sollen.
    Zum Thema Isoliert-Sein: Ich empfinde es so, dass es das “Ich bin schon weiter als du” ist, das einen von anderen Menschen isoliert. Wenn die Arbeit an sich selbst zu mehr Bescheidenheit und Respekt für andere und ihren Lebensweg führt, dann isoliert sie nicht, sondern verbindet.

    Alles Liebe aus Wien
    E.S.

  • Die These, dass Selbstverwirklichung uns alle unweigerlich zu egozentrierten Individuen macht und damit die Einsamkeit zunimmt, ist ja nicht neu. Das wird ja schon seit Jahrzehnten proklamiert.
    Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich so extrem ist. Auch die Tatsache, dass es immer mehr Singlehaushalte gibt, ist kein Indikator für die gleichermaßen zunehmende Einsamkeit.

    Ich für meinen Teil bin sehr froh, dass ich mir meine Freundschaften bewusst suchen kann und nicht in eine gegebene Umwelt eingebunden bin, zu der ich keine Alternative habe.
    Ja, und ich setze gerne ein paar Ansprüche bezüglich Selbstreflektierbarkeit etc. an meine Freunde. Die emotionale und therapeutische Beschäftigung mit mir selbst ist schließlich essentieller Bestandteil meines Lebens. Und wer das mit mir teilen möchte, muss halt auch mitreden können.

    Der andere Punkt des Artikels scheint mir viiieeel wichtiger: Vor lauter Arbeits- und sonstigem Stress haben wir gar keine Zeit und Muße mehr, uns noch großartig um Freundschaften zu kümmern. Wer unter der Woche ständig am rennen und tun ist, hat am Wochenende nur noch das Bedürfnis nach Ruhe. Das scheint vielen so zu gehen, auch mir. Leider. Das bekümmert mich schon, aber es ist keine Kraft da, das zu ändern.

  • Vielen Dank für diesen Impuls zum Nachdenken. Hat mich ziemlich tief getroffen, da ich seit längerer Zeit einmal diese Einsamkeit spüre, die mich umgibt. Auf der anderen Seite – vor allem beruflich bedingt – ein Miteinander und Getragen werden. Was mich auch noch umtreibt, ist die Erkenntnis, in einer Ehe einsam zu sein. Und auch zu spüren, dass keine Zweisamkeit mehr aufkommen kann. Alleine sein, alleine alles managen, alleine für alles verantwortlich zu sein – das hatte ich lange Jahre. Bis ich merkte, dass will ich nicht mehr. Ich habe die Verantwortung nur für mich noch übernommen. Der Preis: Ich habe festgestellt, dass es mir wieder gut geht. Und mich eine enorme Einsamkeit befällt. Diese Erkenntnis war schon heftig.
    Trotzdem genieße ich das Alleinsein – und ich kann glücklicherweise alleine sein. Ohne Dauerberieselung von Radio und Fernsehapparat. Und ich merke, dass das alleine sein auch wichtig ist, um Kraft zu schöpfen. Kraft zu schöpfen für nach draußen zu gehen, zu wachsen und sein eigenes Ding zu machen. Meine Kinder hatten auch immer so Phasen: bevor ein weiterer Eintwicklungsschritt folgte, zogen sie sich zurück und holten sich Kraft im intensiven Spiel. Dann kam die Phase: Bei Mama Kraft holen – und dann ging es weiter. Ich hole zwar bei Mama keine Kraft, aber aus der Ruhe und Einsamkeit und dem mit sich selbst beschäftigen, Klarheit schaffen, schöpfe ich die mir notwendige Kraft.

  • Genau!!! Und ich dachte die ganze Zeit, dass nur ich den Eindruck habe, dass mit jedem eigenen Schritt in meine hoffentlich richtige Richtung die gefühlte Einsamkeit immer größer wird. Mir ist dann aufgefallen, dass ich jetzt erst recht nicht mehr mit Jedem/Jeder kann und will …. und schon waren auch die Selbstzweifel wieder größer. Nachdem ich den Beitrag gelesen habe, weiß ich, alles ist gut. Ich bin ja gar nicht alleine unter den gefühlt Einsamen :-)

  • Hallo Ralf,

    nach den vielen Kommentaren fällt es schwer, etwas komplett Neues zu schreiben. Ich finde es steht viel Wahres in Deinem Artikel, aber bei mir persönlich ist es eher so eine Art Wellenbewegung zwischen selbstgewähltem Alleinsein (also nicht Einsamkeit!) und Kontakten mit anderen Menschen suchen. In schwierigen Phasen oder Umbrüchen in meinem Leben ist mir Alleinsein wichtig um mich wieder neu zu ordnen bzw. zu finden. Später wird der Austausch mit anderen Menschen dann wieder immer wichtiger aber eine bestimmte (Mindest)Zeit des Alleinseins ist parallel trotzdem wichtig für mich. Deine Ausführungen zu früher = Kontakte zum Überleben notwendig, heute = Kontakte nicht zum Überleben notwendig, sind zwar richtig aber führen etwas am Kern der Sache vorbei finde ich. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen, wenn auch für den ein oder anderen der Kontakt zu seinen Mitmenschen nicht so wichtig ist.
    Der Kreis schließt sich aber m.E. in der Einschätzung dass es keine zufälligen Treffen gibt:
    “Jeder Mensch in unserem Leben ist entweder ein Test, eine Strafe oder ein Geschenk des Schicksals” Daraus folgt wieder eine wichtige Rückwirkung auf uns Selbst und Nahrung für unsere Weiterentwicklung.

    Schöne Grüße
    Daniel

  • Hallo Ralf,

    mein ganz herzlicher Dank für den bereichernden Artikel! Zusammenfassend aus meiner Sicht: mein Ding machen (freu!), an sich arbeiten, tiefe Freundschaften unterhalten, die das akzeptieren und mittragen, Alleinsein und Gemeinsamsein – alles zu seiner Zeit. Wunderbar, ich genieße diesen Zustand mehr und mehr.

  • Ich habe irgendwo mal gelesen, dass Kinder gefragt wurden, was Liebe bedeutet. Es gab natürlich viele unterschiedliche und auch schöne Antworten, aber eine ist mir im Kopf geblieben: Ein Kind meinte, Liebe ist, wenn zwei Personen einander nicht brauchen, aber sich trotzdem dazu entschließen, zusammenzubleiben. Ich finde diese “Definition” ziemlich beeindruckend, vor allem von einem Kind! Aber wenn man das so als Definition nimmt, wird eines klar: früher waren wir aufeinander angewiesen, also mehr oder weniger waren wir “Beziehungsabhängig”. Heute nicht unbedingt. Das bedeutet aber auch: jetzt haben wir mehr die Möglichkeit, frei zu entscheiden, mit wem wir unser Zeit verbringen wollen und wir unterhalten immer weniger “Pflichtbeziehungen”. Wir haben zunehmend nur Menschen um uns herum, mit denen wir auch tatsächlich zusammen sein wollen. Und wir können uns auch mehr zutrauen, jemandem unsere Meinung zu sagen, wir sind ja von dieser Person nicht abhängig und müssen nicht so tun, als würden wir ihn toll finden, obwohl eigentlich nicht. Wir brauchen keine Maske mehr, wir können uns selbst sein. Das befreit, macht glücklich und es erscheint mir so, als hätten wir dadurch auch mehr Chance darauf, diese Definition von Liebe zu leben. Ich finde die nämlich toll…:)

  • Hallo, Danke für die diesen Artikel. Ich fühle mich im warsten Sinne des Wortes einsam, da ich mich seit Ende letzten Jahres in Trennung aus einer 25- jährigen Beziehung befinde. Es schmerzt und tut verdammt weh, aufeinmal seinen Lebensweg allein gehen zu müssen. Verlassen zu werden ist wie ein Schlag mit einem Hammer. Jetzt schlagartig seinen Weg alleine gehen zu müssen ist nicht einfach, da man sich erst einmal damit auseinandersetzen muss, dass es so ist. Es ist ist ein langer Kampf mit sich selbst um zu der Erkenntnis zu kommen dass es so ist, es vom Kopf her zu realisieren, zu akzeptieren und umzusetzen. Alleinsein zu akzeptieren ist sehr sehr schwer. Es ist das schönste Glücksgefühl Glück zu teilen. Glücksgefühle alleine zu erleben, allein zu empfinden muss erst wieder gelernt werden. Ich befinde mich in so einer Lernphase die manchmal sehr schmerzhaft ist, mich aber hoffentlich auch weiterbringt. Ich bemühe mich nach besten Kräften mein Leben auf die neue Situation einzustellen und so meinen inneren Frieden zu finden. Ich habe mir Ziele gesetzt, die ich versuche in nächster Zeit zu erreichen. Mein Therapeut zu dem ich grosses Vertrauen habe, unterstützt mich hierbei, denn alleine schaffe ich es nicht. Dass Glück nur real ist wenn man es teilt ist auch meiner Meinung nach richtig. Ich versuche aber trotzdem meinen inneren Frieden zu finden und vielleicht so auch wieder glücklich sein zu können. Ich hoffe dass mir das gelingt auch wenn es bis dahin ein weiter Weg ist.

  • Lieber Ralf,
    Deine ehrlichen Worte haben mich sehr berührt und etwas in mir möchte Dir antworten. Ich möchte Dich einladen, ein Spiel zu spielen. So wie wir es als Kinder getan haben: so zu tun als ob. Vielleicht kannst Du die nächsten 4 Wochen einfach so tun, als ob Du ein Höheres Selbst hättest. Nimm einfach an, dass es außerhalb Deines “Ichs”, von dem du erzählt hast, noch etwas anderes gibt. Nicht nur das tiefe Unbewusste sondern auch ein Höheres Unbewusstes, an dessen Spitze sich Dein wahres Selbst befindet. Und dieses Selbst weiß um die Einheit allen Lebens. Seine Essenz ist Liebe und Einheit. Es ist also das Gegenteil dessen was du beschrieben hast, Einsamkeit und Trennung, was die Zeichen unseres Egos sind.
    Spiel es für 4 Wochen. Begegne jedem Menschen, jedem Tier, einfach allem, dem du begegnest als Teil des Ganzen. Betrachte es völlig neu. bring ihm Deine Wertschätzung entgegen. Es gibt keine wichtigen oder unwichtigen Teile. Alles hat seine Berechtigung. Begegne ihm von dem Punkt in Dir, der um die Einheit weiß. Dein Ich weiß darum nicht. Gib also dem Anderen in Dir Raum. Dein Ich sendet ständig. Um die Stimme deines höheren Selbst zu vernehmen, musst Du erst einmal still werden. Eingestehen, dass Du nicht weisst. Ein Lauschender werden.
    Mein Weg hat mich weicher gemacht, mitfühlender für Andere. Wir sind alle auf dem Weg. Warum sollte ich denn, wenn ich gerade eine Steilwand an einem 8000m hohen Berg erklommen habe- nach Erfahrungen von Todesangst, Verzweiflung, Mutlosigkeit, Panik und allem was dazugehört- und nun oben sitze, warum sollte ich dann auf alle unten im Tal herabblicken und von denen, die nach mir gerade versuchen die Steilwand zu erklimmen, denken: was für Idioten, die sind echt noch nicht so weit wie ich .
    Wende ich mich ihnen nicht vielmehr voller Mitgefühl zu, weil ich um all die Schwierigkeiten weiß durch die sie gerade gehen? Vielleicht kann ich sie sogar mit meiner Leine sichern und ihnen den Aufstieg erleichtern.
    Auf meinem Weg bin ich durch tiefste Dunkelheit gegangen und hing im übertragenen Sinn ungesichert an einer Steilwand über einem tiefen Abgrund mit ausgeprägter Höhenangst. In diesem Moment traten Menschen in mein Leben, die sich mir über den Rand des Abgrundes zugewandt haben und mir Mut gemacht haben, weil auch sie einen solchen Weg zuvor gegangen waren und um die Schwierigkeiten wussten. Allein ihre Präsenz war heilsam. Wir waren nicht befreundet, es gab keine finanziellen Interessen. Ich habe in ihre Augen geschaut und da war nur Liebe. Wenn ich daran denke, dann fließen auch heute noch die Tränen, vor Rührung und Dankbarkeit. Und dann hat es noch einmal Jahre gebraucht, bis ich erkannt habe, dass sich in ihren Augen mein Innerstes Wesen gespiegelt hat. Unsere tiefste Essenz ist Liebe. Wir sind zutiefst ergriffen, wenn wir mit unserem wirklichen Wesen in Berührung kommen, es agiert vollkommen selbstlos. Du bist ich und ich bin du- wir sind eins.
    In Deinem Brief und den Kommentaren klang es so, als ob Ihr am Ende des Weges angekommen wäret. Er ist nie zu Ende. Lass die Einsamkeit nicht unhinterfragt stehen. Erforsche sie. Fang einfach an zu spielen. Vielleicht findest Du in dem Raum ja eine Tür und das Gefühl der Einsamkeit war der Wegweiser……

    Herzliche Grüße
    Daniela

    • Ulli

      Die Metapher mit der Steilwand fand ich gut. Es bewahrt meiner Meinung nach vor Überheblichkeit, und macht etwas stolz, das man schon so weit oben ist, und es weckt die Hilfsbereitschaft, den anderen Menschen zu helfen.

  • Für mich gibt es nichts erfüllenderes, als mich in einer Gemeinde zu engagieren und gemeinsam mit anderen Gott in den Mittelpunkt zu stellen. Nur in Verbindung mit anderen, wenn ich mit anderen Menschen teilen kann, ihnen helfen kann, sie lieben kann, bekommt mein menschliches Leben seinen Sinn!
    Um andere Menschen aber so annehmen zu können, wie sie sind. Um tolerant zu sein und das Anders-Sein dauerhaft zu ertragen – ziehe ich mich gerne zurück und beschäftige mich mit mir selbst. Meine Energiespeicher lade ich auf, wenn ich alleine mit mir selbst bin. Aber zu langes Alleinsein wäre gefährlich, denn es lässt den Akku wieder entladen. Denn auch das Zusammensein gibt mir Energie!

    Für mich ist es also sehr wichtig, ein gutes Gleichgewicht zwischen Alleine sein und Zusammensein zu finden. Daran übe ich noch und es gelingt mir nicht immer gut.

    Ich wüünsche allen frohe Pfingsten.
    Ich bin heute nicht alleine, ich besuche meine – Gott sei Dank noch gesunden und glücklichen – Eltern.
    Wenn es sie irgendwann nicht mehr gibt, werde ich Pfingsten vermutlich alleine verbringen, denn ich bin als Einzelkind schon immer vereinzelter als andere, dazu von Geburt an schwerbehindert, und das Leben hat mir bisher auch keinen festen Partner geschenkt.

    Aber ich glaube, dass mich das Alleine-Sein an Feiertagen von meinem Wesen her nicht mal stört. Denn ich kann jederzeit auf andere Menschen zugehen, wenn es nötig für mich wäre.
    Es gibt 2-3 gute Freunde am anderen Ende von Deutschland, die ich auch an Feiertagen jederzeit besuchen könnte, wenn ich das wollte. Das ist das schönste Geschenk, was es gibt. So gute Freunde zu haben!

    Fazit ist, wenn ich mich selbst so annehme wie ich bin und gerne mit mir selbst alleine sein kann, da ich mich selbst kenne und mag – dann kann ich jederzeit wählen ob ich meine Zeit alleine oder mit anderen verbringen möchte. Ich bin dann nicht abhängig und kann trotzdem voll und ganz in der Gemeinschaft aufgehen und mich ihnen mit all meinen Sinnen und aus ganzem Herzen zuwenden.

  • Danke für diesen Artikel, der ein Thema aufgreift, von dem ich ebenfalls meine, dass es vermehrt auftritt. Es hat – wie ich glaube – zu einem großen Teil mit der Oberflächlichkeit zu tun, die uns auch zunehmend von den Medien als “erstrebenswert” vermittelt wird. Schnell, viel und leicht ist “in” und nicht langsam, konzentriert und tiefgehend.

    Wie mit allen anderen Dingen auch kommt es aber wohl auf das goldene Mittelmaß an. Das Leben hält für uns von allem etwas bereit und es ist an uns, sowohl von dem Leichten wie auch von dem Tiefgehenden etwas zu probieren und beides zu genießen.

    Und in Bezug auf die Menschen um uns oder in unserer Nähe… Auch hier muss es “passen”, um Vertrauen entwickeln zu können und wahre Freunde zu finden. Und wenn das nur ein oder zwei sind, dann ist das so. Diese aber sind unserem Herzen nah und unserer Aufmerksamkeit und Zuneigung absolut wert. :-)

    Alles zu seiner Zeit.

  • Danke für den wunderbaren Artikel. Ich finde auch, dass es einen Punkt gibt, wo sich zu viel Beschäftigung mit sich selbst negativ auf das Gemeinschaftserleben auswirken kann. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass genau diese intensive Beschäftigung mit sich selbst, auch toleranter macht. Erst nachdem ich mich mit vielen persönlichen Themen in Ruhe (war manchmal durchaus auch einsam) auseinandergesetzt hatte und so eine gewissen Gelassenheit und Toleranz für mich selbst entwickelt hatte, konnte ich diese Toleranz auch auf andere übertragen. Meine Erfahrung, je mehr ich mit mir selbst ins Reine komme, umso besser verstehe ich auch meine Mitmenschen und der Kontakt fällt mir leichter, und nicht schwerer. Ich möchte es so formulieren: Toleranz wirkt in beide Richtungen!

  • Auch von mir ein herzliches Danke an dich, lieber Ralph, sowie auch an alle lieben anderen für die großartigen Gedanken, die ich ebenfalls wahrhaft sehr gut in meiner eigenen Erfahrung nachvollziehen kann! Viele Freundschaften und Beziehungen sind auch bei mir im Zuge meiner inneren Veränderungen “abhanden” gekommen, dafür sind wertvolle neue entstanden. Die Außenwelt ist der Spiegel der Innenwelt!
    Eine Erkenntnis meinerseits möchte ich gerne hier teilen: Ich nehme mir immer wieder Zeit, im nachhinein zu reflektieren was in meinem Leben passiert ist und warum. Ich habe dabei erkannt, dass Veränderung nur im TUN stattfindet, nicht aber im SEIN! Ich war schon immer das gleiche Wesen und werde es auch immer bleiben! Ich meine hiermit meine Seele, deren Charakter und Eigenschaften, die im tiefen inneren Kern letztlich alles beeinflussen, was passiert, wie ich lebe und vor allem auch meine Beziehungen zu anderen. Ein Schlüssel für mein Leben war, dass ich mir meine Seelenmatrix erstellen ließ und dadurch meine wahre innere Motivationen (Seelenrolle) erkennen konnte. Mit diesem Wissen ist mir klar geworden, dass schon immer die QUALITÄT meiner Beziehungen gleich war, und sich nur die QUANTITÄT und die Art der Interaktion geändert hat. Ich bin zB. eine “Priesterseele” (das bedeutet jetzt nichts besonderes – die Rolle heißt einfach so ;-), und das bestimmt einfach meine Motivationen. Völlig wertfrei, mit sowohl “positiven” wie auch “negativen” Aspekten: Ein “Priester” sucht nach Spiritualität, er will inspirieren, heilen, die Welt verbessern usw. er kann mitfühlend, verständnisvoll, inspirierend aber auch überheblich, intolerant, besserwisserisch sein (das macht eine Beziehung nicht unbedingt einfach ;-)
    Ich glaube, dass unsere Seele unsere Beziehungen bestimmt. Im tiefsten inneren spüren und wissen wir, welche Beziehung wichtig und erfüllend für uns ist. Unpassende Beziehungen werden Leid bringen oder nicht lange andauern. Die eigenen “positiven” und “negativen” Aspekte wertfrei zu erkennen und anzunehmen ist wichtig, um damit entsprechend umgehen zu können.
    Ich wünsche uns allen erfüllende, bereichernde und liebevolle Beziehungen, in Wahrhaftigkeit, Demut und Dankbarkeit für die Fülle des Lebens – von Seele zu Seele ;-)

    Liebe Grüße
    Bernhard, aus Wien

    • Manu

      Seelenmatrix? wie kann ich mir das vorstellen? gerne auch privat mailen, falls dir das lieber ist

    • Tanja

      Hi Manu,

      ich kann mir vorstellen, dass er das Buch “Archetypen der Seele” meint. Darin werden Seelen in diese Matrix den sog. Seelenplan unterteilt.

      Liebe Grüße
      Tanja

    • Manu

      Daaaanke Tanja!

  • Hallo zusammen,

    ich bin hochsensibel und habe mich in den letzten Jahren sehr stark mit mir und meinen “Fehlern” auseinandergesetzt. Nicht alles was ich bei mir gefunden habe war angenehm, vieles ist jedoch sehr schön und liebenswert. Ich meine schon, dass ich bei mir bleiben und gesunde Grenzen setzen muss um mit anderen Menschen gut auszukommen. Ich kann den/die Andere/n dann auch viel leichter so akzeptieren wie er/sie ist ohne großartig missionieren zu wollen. Einfach weil ich mit mir einverstanden bin und weiß, dass es ein langer anstrengender Weg hierhin war. Und nicht jede/r in der Lage ist diesen Weg zu verfolgen und durch das schmerzhafte Tal der Selbsterkenntnis zu gehen. Trotzdem kann ich durch meine Innenarbeit meine Mitmenschen eher so sein lassen wie sie im Moment sind und das Wunderbare in ihnen sehen.

    Ps. Ich bin seit vielen Jahren “alleine” durchs Leben gegangen und freue mich immer noch auf meine Zukunft.

    Eine schöne Zeit euch allen

    • Ulli

      Hochsensibilität ist eigentlich ein schönes Geschenk, leider befinden wir uns in einer Zeit, die für Hochsensible alles andere als optimal ist.

    • Tanja

      Ja Ulli, grundsätzlich freue ich mich auch über das “Geschenk”, aber oft ist es auch einfach nur anstrengend so empfänglich und offen für Andere zu sein.

      Bin gerade in einer Umbruchphase und habe auf meinem neuen Arbeitsplatz die von mir selbst gestellte Aufgabe, das Umfeld zu harmonisieren, da ich sonst kaum dort arbeiten möchte/kann. Auf meinem alten Job ist wohl seit meinem Ausscheiden keine gute Stimmung mehr, leider wird das was ich einbringe, um so etwas zu bewerkstelligen nicht als Leistung anerkannt :-)

  • …sehr interessante und nachdenkenswerte Gedanken…
    Mir kommt dabei in den Sinn, dass wir durchaus uns selbst wahrnehmen/ sehen/ beachten… können und dabei aber zugleich auch das Ganze (um uns herum) im Blick behalten können.
    Weniger ein ‘entweder oder’ – mehr ein ‘sowohl als auch’! Im Denken, in der Haltung, im Verhalten, im Begegnen…

  • “Mein” Ding versus “gemeinsames” Ding –

    Hallo Ralf,
    der Artikel geht mir unter die Haut und ich finde mich oft wieder und viele Kommentare bringen es gut auf den Punkt – aber eine “Kleinigkeit” möchte ich ergänzen: “Problem ‘Alphatiere'” –

    Die liebe Menschheit scheint ohne “Alphatiere” nicht auskommen zu können? – Selbst wenn es nur ums GEMEINSAME “Apfelkuchen backen” oder noch früher, ums “Sandkuchen backen” geht, muß sich wohl leider immer jemand als besonders “wichtig” oder “toll” und als “Alphatier” hervortun (beiderlei Geschlechts!). – Ein “entspanntes, spielerisches Miteinander” ist sehr selten. – Doch dort wo “Alphatiere” sind, kann ich nicht sein (ich selber bin keine “Führungspersönlichkeit” – ich mag nicht “führen”, mag mich aber auch nicht “führen lassen”!) – D.h., solange es kein “gemeinsames Ding” OHNE “Alphatiere” gibt, solange bleibe ich überwiegend bei “meinem Ding” – auch wenn man dabei – wie Du es gut auf dem Punkt bringst – oft mit dem Preis der “Einsamkeit” bezahlen muß…

    LG
    Matthias

    • Sabine Klander

      :-) …. und DANK den vielfältigen “emotionalen Gedanken” zu diesem Pfingst-Beitrag von R. Senftleben

      LG
      Sabine

    • Ulli

      Zitat: “Die liebe Menschheit scheint ohne “Alphatiere” nicht auskommen zu können?“

      Ich glaube das liegt daran das wir so erzogen wurden. Natürlich ist das auch ein Prozess der Evolution. Aber da wir heute keine Mammuts mehr jagen, wären vielleicht andere Strategien angebracht.

      Aber wir spielen dieses Spiel immer so weiter, und vielleicht haben wir uns deswegen immer wieder im Kreise gedreht ( Kriege, Revolutionen, Währungsreformen ).
      Marshall Rosenberg sagt auch sehr viel über Herrschaftssprache in unsere Erziehung aus, und erklärt gut die Zusammenhänge. Unsere gesamte Erziehung und Ausbildung sorgt eigentlich dafür, das wir auf ein Untertanenleben vorbereitet werden. Lernen wir in der Schule für das Leben oder für den Job ?

      Im Moment habe ich den Eindruck das die Demokratie immer mehr abgeschafft wird, und wir uns sehr stark zurück entwickeln.

      Wenn wir den Kreislauf durchbrechen wollen, sollten wir über neue Gesellschaftsformen nachdenken. Sind es nicht die Alphatiere die uns immer wieder in Schwierigkeiten bringen ?

      Aufgrund der schönen, vielen und ehrlichen Kommentare, können wir doch erkennen was sich die Menschen wirklich wünschen. Frieden und Harmonie mit sich selbst und den Mitmenschen.

    • Marco

      Ja, Matthias, Deinen Beitrag bzgl. der “Alphatiere” kann ich nur zu gut nachvollziehen. Bei mir im Job ist es genau wie Du schreibst. Ich habe auch null Motivation, mich auf den – wie ich finde – Kindergarten einiger Kollegen einzulassen. Stattdessen zahle auch ich den Preis der Einsamkeit. Was jetzt aber vielleicht negativ klingt, spart mir aber so eben auch viele Stunden wertvoller Lebenszeit in nicht allzu ergebnisreichen Besprechungen :-)

      VG

  • ja, jung dumm “mitgerissen” worden von einer dynamischen “karriere” habe ich auch, wie ich heute denke, einen sehr einsamen weg eingeschlagen. immer wieder habe ich es gemerkt “unterwegs”, wie einsam ich doch bin. und ich dachte, was soll ich denn tun, ich muss doch mein geld verdienen. wäre ich lieber mit meinem partner zusammengeblieben, aber dann hätte ich diesen job nicht mehr gehabt. wäre ihm womöglich auf der tasche gelegen. oh mein gott, und heute tut es mir in der seele weh, dass ich damals nicht den mut hatte, mit ihm darüber zu reden. heute , leider erst heute, weiss ich, dass es immer auch eine andere lösung gegeben hätte. ich war gedanklich so eingefahren auf meine eigenen gedanken, war wohl nicht imstande den blickwinkel zu verändern, zu sehen, dass es auch viele andere möglichkeiten gegeben hätte. denn den anderen blickwinkel gab es auf meinem eingeschränkten “schirm” nicht. ja, reden hätte wohl geholfen…..
    zeitweise habe ich mich im leben gefühlt, als hätte mich ein reissender strom mitgerissen, ich war in der luft, konnte die füsse nicht mehr auf den boden bekommen, und jetzt: bin ich runtergefallen. ich dachte oft: stop, das geht mir alles zu schnell. können wir mal ein bisschen langsamer machen. und genau daruf hätte ich viel viel früher hören sollen.
    …..

    leider kann man nichts mehr ungeschehen machen. ich kann tatsächlich nur versuchen, jetzt noch etwas gutes daraus zu machen. und mehr mut zum reden zu finden.

  • Tausend Dank für diesen tollen Artikel. Er trifft auf mich – in Teilen – zu. Ich habe oft das Gefühl, dass ich Menschen beobachte, die sich nicht so viel mit sich selbst beschäftigen wie ich. Allerdings ist es bei mir nicht so, dass ich den Anspruch hege, sie sollten auch an sich arbeiten sondern im Gegenteil: manchmal beneide ich sie, dass sie einfach leben und machen ohne vieles zu hinterfragen. Denn diese Menschen strahlen manchmal mehr Zufriedenheit aus als die, die bewusst an sich arbeiten.

    • Manu

      ich weiß genau was du meinst!

    • Seana

      “Lila: Allerdings ist es bei mir nicht so, dass ich den Anspruch hege, sie sollten auch an sich arbeiten sondern im Gegenteil: manchmal beneide ich sie, dass sie einfach leben und machen ohne vieles zu hinterfragen. Denn diese Menschen strahlen manchmal mehr Zufriedenheit aus als die, die bewusst an sich arbeiten.”

      Danke für diese Aussage – für mich ist es die Balance zwischen Hinterfragen und “sein lassen” und auch “los lassen”.
      Ich arbeite krankheitsbedingt an mir, da mein Weg sonst schon mehrere Male zu Ende gewesen wäre.

      Ich habe vor ca. 2 Jahren einen Vertrauenssprung gemacht und hänge mitten im zusammensetzen und mich mit meinem Partner auseinanderzusetzen. Bisweilen schnürt mir die Angst meine Atemluft ab. Was mein “Ding” ist, weiß ich immer noch nicht so richtig – oder ich will es nicht anerkennen, schließlich winken mittlerweile nicht mehr nur Zaunpfähle, es fühlt sich mehr an wie halbe Universen…

      Die eigene Komfortzone verlassen – uhhh, gehört erschreckenderweise dazu, wenn ich mein Ding machen will. Meine Komfortzone ist der Job den ich gelernt habe, derzeit nicht ausüben kann, weil es Absagen hagelt und mich mancher Absagegrund wirklich in Rage bringt auch wenn ich gleichzeitig froh bin, dass es in der heutigen Zeit noch Firmen gibt, die trotz gesetzlichem Rahmen, sagen warum ich nicht genommen wurde….

      Manchmal geht mir meine “Ich”-Fokkusiertheit auf den Keks, ich will sie runter schränken – und dann werde ich wieder unachtsam, alte Muster winken, stellen sich an und oh verdammt, das war wieder ein teurer Monat. Enttäuschung seitens des Partners, weil ich nicht worthalten kann. Vielleicht doch kaufsüchtig?

      Auf der anderen Seite, eins meiner “Dinge” – ich habe mich für meinen Partner entschieden, bin gesprungen und auch wenn es sich noch mehr wie stürzen anfühlt und ich unzufrieden bin, weil ich ein wenig süchtig nach Arbeit bin und dem damit verbundenen Kontakt zur Außenwelt – wir schaffen das gemeinsam. Unser “Ding” miteinander reden, aufeinander aufpassen, aneinander und miteinander lernen, wie das so geht zu zweit.

      Und meinen innere Angst an der Reißleine halten, ihr geduldig zureden, dass sie nicht gleich alles in den Wind schießen braucht, nur weil es grade nicht funktioniert wie mein Ego sich das so wünscht. Schließlich bin ich nicht allein. Ich habe ihn und er hat mich, wir haben uns – keine Ausstellungsstücke die wir in unseren Schrank stellen.

  • Was für merk-würdige Gedanken ;-) – aus eigener Erfahrung kann ich sagen, ich bin durch viele solcher Stationen in meinem Leben hindurch gegangen. Heute stellt sich für mich dieses Thema ganz anders dar. Als ich jünger war, gab es keine Alternative dazu, für einen Standpunkt, eine Abgrenzung, einen “Erfolg” und Heilung zu kämpfen. Es gehört zum Wachsen dazu. Dadurch entsteht Anziehung und geschehen Verluste. Ich lernte schmerzlich, das hinzunehmen und mehr und mehr zu akzeptieren. Immer wieder gab es Anläufe, dieses Gleichgewicht zwischen Autonomie und “Dazu-gehören-zu- wollen” hin zu bekommen. Jede/r hat seine/ihre Gründe, warum er sich zurückzieht und wieder hervor kommt, um seine “Grenzen” neu und anders zu stecken. Dann hatte ich Kinder und das war ein großes Lernprogramm zwischen “Ich-sein”-Verzeihen-loslassen-und wieder zu sich hin nehmen.
    Heute sind meine Kinder erwachsen und aus dem Haus, ich bin weiter gegangen und habe an mir und meiner “Heilung” gearbeitet: stets in einem Wechsel zwischen Rückzug und Öffnung. Ich lernte einen neuen Mann kennen und viele in meiner Umgebung wunderten sich, als ich erzählte: wir wollen heiraten! Sie verstanden nicht, wie man/frau sich freiwillig auf Aus-ein-ander-setzung einlassen kann. Doch für mich hat sich etwas ganz Wesentliches verändert. Nämlich die Wahrnehmung eines Ichs. Wieso wird es denn anscheinend kleiner oder weniger, wenn ich Kompromisse eingehe oder “nur” zuhöre und mich nicht “positioniere”, wenn das Gegenüber Dinge tut oder sagt oder nicht tut, die nicht mit “mir” komform gehen? Oder ich positioniere mich und mein Gegenüber greift “mich” an oder ignoriert mich? Was geschieht dann? Früher hatte ich diese Fähigkeit nicht, in mir so zur Seite zu treten, um “anderes” und “Andere” da “stehen und sein” zu lassen, wo sie sich eben gerade aufhalten. Ich bleibe stehen, gehe daran vorbei, fliege darüber ….. und gehe weiter. Manchmal ist das einfach, manchmal nicht. Dann hilft es, mir über die Konsequenzen meines Handelns klar zu werden – und diese zu akzeptieren. Und dazu gehört: durchaus alleine sein, ein “Stück” Einsamkeit, jedoch ebenso Gemeinschaft, Toleranz, Hinnehmen, was ist.
    Die gesellschaftliche Entwicklung trägt allerdings ihr übriges dazu bei. Und es sind Herausforderungen, denen wir begegnen und denen wir eine individuelle Antwort geben und mit ihr fallen Würfel, die sicht- und fühlbar in unserem Leben Realität annehmen – und scheren sich nicht darum, ob wir statt der fünf lieber eine zwei hätten ;-). Jede/r kann selbst-verständlich wieder neu würfeln – und wird neue Augen erhalten ……. .

  • Wow, dieser Beitrag ist großartig und trifft den Nagel auf den Kopf. Ich strebe stark nach Freiheit und Unabhängigkeit und arbeite seit vielen Jahren an mir (an meinen Stärken und Schwächen und Wünschen etc). Ich versuche offen durchs Leben zu gehen und auch offen und ohne Vorurteile auf andere Menschen zu zugehen. Ich habe einige Bekannte und eine Handvoll gute Freunde, dennoch habe ich manchmal das Gefühl mich zu isolieren. Meine Ehe habe ich beendet, zu schwierig, zu viel Streit, zu kompliziert. Mein Mann warf mir vor alles wegzuwerfen, nicht bereit zu sein an uns zu arbeiten. Ich fühlte mich nach der Trennung endlich wieder frei – allerdings nur ein paar Monate, bis ich anfing mich immer öfter alleine zu fühlen. Endlich, meine erste eigene Wohnung, keine Reibereien mehr mit Mitbewohnern (ich habe lange in WGs gelebt), keine Reibereien mehr mit dem Partner. Immer wieder genieße ich meine Freiheit sehr, doch immer wieder sehe ich mich auch, abends alleine vor einem Film sitzen, etwas zu essen, ein Glas Rotwein neben mir. Keine Lust mehr etwas zu unternehmen, aber eigentlich möchte ich doch nicht so ganz alleine sein….

    Ich muss an meine Kunst denken, an meine gemalten Bilder. Ein Bild, das ohne inneren Kampf bzw. ohne Reibung entstanden ist, ohne Ausbessern ohne Übermalen – ist uninteressant. Erst die verschiedenen Schichten machen es spannend, geben ihm Tiefe. Erst die Auseinandersetzung mit etwas/ jemandem/ einem Thema. Und wie so oft kann ich vieles aus meiner Kunst auf das Leben übertragen.

    Ein Leben, indem wir andere nicht rein lassen, nicht an uns ranlassen, ist vielleicht manchmal ein bisschen einfacher. Aber ist es nicht auch flacher und langweiliger und trauriger? Erst die Reibung, die Auseinandersetzung, das Sich Öffnen macht unser Leben reich. Und ich glaube daran, dass beides möglich ist: sich selbst verwirklichen und gute Beziehungen führen. Beides für sich ist schon nicht einfach, aber es ist möglich, wir müssen wach bleiben und offen und ehrlich. Ehrlich zu uns selbst und zu unseren Mitmenschen. Ich bin überzeugt, dass wir auf diese Art und Weise (einen) Menschen finden können, mit dem wir einen gemeinsamen Weg gehen können ohne, dass sich einer von beiden aufgeben muss. Im Gegenteil: Wir bereichern uns und eröffnen uns neue Horizonte. Das hoffe ich jedenfalls inbrünstig.

  • Ein wirklich guter Beitrag und tolle Komentare. Dafür vielen Dank.
    Es ist schon erstaunlich, wenn man /frau erkennt, dass wir nicht alleine einsam sind. :-)
    Ich glaube auch, dass das Internet viel dazu beiträgt: sowohl sich mit dem Thema Selbstverwirklichung auseinanderzusetzen (z.B.Foren wie dieses) und gleichzeitig sein lokales Umfeld darüber zu vernachlässigen. Die Balance zwischen beiden ist für mich persönlich ganz wichtig.
    Eine sinnvolle Alternative sich mit anderen zu verbinden und sich trotzdem selbst treu zu bleiben zeigt die seit 2006 in England (und heute weltweite) Transition-Bewegung . http://www.transistion-initiative.de
    Kürzlich war ich auf einem Vortrag von Gert Wessling . Es geht darum global zu denken und lokal zu handeln. In diesen Iniaftiven kommen die Menschen wieder zusammen, jeder kann sich auf seine Weise mit einbringen und hat auch noch Spaß dabei. Das hat mir wirklich Mut gemacht, denn ich glaube dass in solchen Gruppen echte Begegnungen stattfinden.

    Schöne Pfingsten
    Indigo

  • Das Dilemma kenne ich auch. Dabei habe ich festgestellt, daß, wenn ich mich einer Gruppe anschließe, sich irgendwelche immer befleißigt fühlen, mich und mein Leben ändern zu wollen. Nein, ich sage nicht, daß ich unglücklich sei. Ich bin glücklich, aber es sind immer wieder einige, – egal ob in bei meiner Arbeit oder im Privatleben -, die mich ändern wollen, weil ich doch nicht glüclich sein kann und mich ständig kriitisieren. Früher habe ich mich dann – um des Friedens willen -, geändert. Dann mußte ich aber diese Gemeinschaft verlassen, weil meine Träume und mein Ich verloren gingen. Der Kommentar: Jetzt bist Du richtig und warum gehst Du? Die Gefahr bei solchen Anpassungen ist, daß man um “Glück teilen zu können”, oft sich selbst verleugnen muß. Ich bin vielleicht ein Relikt der 68er. Ich konnte mich damals schon nicht “einfügen” und wir haben dadurch etwas für die anderen erreicht. Ich sehe es heute so: Die Distanz zu den anderen gibt mir Objektivität. Und die zeigt mir oft, daß das Glück mit anderen teilen, den Verlust von Selbstbestimmtheit bedeutet. Es kommen dann wieder Epressung (Drohen mit Verlust), Erniedrigung (so bist du nichts wert) und Abhängigkeit (wenn ..dann). Ich weiß nicht, wie man diesen Konflikt löst: Glücklich allein oder glücklich mit anderen Einschränkungen. Eine Frage, die jeder nur für sich allein beantworten kann. Glück ist eben wie ein Rucksack, den man nach einer gewissen Zeit nur mit Einschränkungen tragen kann.

  • Puh, schwere Kost für mich, an diesem Sonntagmorgen. Auch ich beschäftige und beschäftigte mich bereits viel mit meinem Inneren, meinem Wesen, meiner Bestimmung, meinem eigenen Weg. Und dabei wurde und wird eine Sehnsucht nach Gesellschaft – in die ich passe – immer stärker. Ich vermisse diese Gruppe um mich herum. Auch wenn es immer einzelne gab und gibt, mit denen ich mich verbunden fühle, verbunden auf einer sehr tiefen Ebene, sind die Kontakte doch nicht ausreichend für mich.
    Seit viel zu vielen Jahren lebe ich ohne Partnerschaft, weil ich so bin, wie ich wurde. :-) Und dennoch mag ich es zu sein, wie ich bin.
    Es ist interessant so klar zu lesen, dass meine Vermutung, dass es schwieriger wird, wenn man mehr über sich und über die Psychologie des Menschsein weiß, auch von anderen so gesehen wird.
    Euch zwei gute Feiertage mit Kontakten… zu Euch und zu anderen Menschen.
    Monika

  • Interessante Gedanken… Wenn man sich viel mit einem Thema beschäftigt stößt man zwangsläufig auf Widersprüche. Bei der Selbstverwirklichung zum Beispiel “Wie kann ich meine Träume verwirklichen und das Leben haben, von dem ich träume und gleichzeitig im Moment leben?” Oder eben wie lassen sich Selbstverwirklichung und Beziehungen vereinigen. Beziehungen und vor allem Freundschaften sind ein schwieriges Thema. Was ist Freundschaft, wann macht es Sinn seine Überzeugungen zurückzustellen für das Miteinander und wann sollte man seine Wünsche und Bedürfnisse durchsetzen und auf ihnen beharren? Ist es sinnvoll, befreundet zu bleiben nur weil man schon so lange befreundet ist obwohl man sich außeinander gelebt hat?

    Meiner Meinung nach gehört Einsamkeit dazu, wenn man sich verändert. Zumindest für eine gewisse Zeit. Ich bin 20 und gerade zwischen 15 und 20 verändern sich Menschen oft sehr stark, durch die Pubertät und dadurch dass sie erwachsen werden. Dann passt man eben nicht mehr zusammen und lebt sich auseinander, was auch ok ist und die Freundschaften nicht abwertet oder schlecht macht. Mit einer Freundin hatte ich früher sehr viel gemeinsam. Heute nicht mehr, wir denken komplett verschieden und oft wenn wir uns treffen, haben wir uns gar nicht wirklich mehr etwas zu sagen. Bei einer anderen Freundin habe ich die Freundschaft beendet, weil ich durch die Beschäftigung mit mir selbst einfach erkannt habe, dass sie keine gute Freundin war und sie mir auch nicht gut getan hat. Durch die Beschäftigung mit sich selbst verliert man zwangsläufig ein paar alte Freunde, einfach weil man nicht mehr zusammenpasst oder erkennt das man das vielleicht nie hat (und gar nie wirklich befreundet war, den der Begriff Freundschaft verändert sich natürlich auch).

    ABER nach einer gewissen Zeit der Einsamkeit, findet man neue, bessere und tiefere Beziehungen. Vielleicht sind es weniger, aber sie sind definitiv besser. Wenn man das tut, was man liebt, wofür man brennt, findet man auch Gleichgesinnte und neue Freunde. Als ich früher mit meinen alten Freunden in der Disko war, obwohl ich überhaupt keine Lust dazu hatte und es nur wegen ihnen getan habe war ich nicht glücklich und für unsere Freundschaft war das auch nicht gut. Heute gehe ich zum Beispiel ins Fitnesscenter, laufen, zu Hundetreffen, an die Uni in Kurse die mich wirklich faszinieren, ich reise viel… überall habe ich viele neue tolle Freunde gefunden, aber ich musste zuerst den Mut haben, zu tun was ich will, auch wenn ich es am Anfang noch oft alleine tun musste. Eine alte Freundin und ich haben gemeinsam eine Bucketlist geschrieben, so wachsen wir gemeinsam und jeder schaut, dass der jeweils andere seine Träume und Ziele auch in die Tat umsetzt. Wir waren schon gemeinsam beim Holifestival, gestern beim Songcontest, wir machen gemeinsam einen Europatrip, haben ein neues Hobby ausprobiert,… Durch die Arbeit an mir selbst habe ich auch erkannt was mir wirklich wichtig ist. Wann ich für etwas eintreten muss und eventuell auch streiten oder Beziehungen beenden muss und wann es keine große Sache ist und ich selber etwas zurück stecke für das Miteinander. Bei der Selbstverwirklichung geht es ja nicht nur darum, dass ich selbst alles bekomme was ich will und mein Leben immer perfekt ist und alle das tun, was ich will. Nein, es geht darum, dass ich erkenne wer ich bin und was mir wichtig ist und dementsprechend lebe. Dann werde ich auch toleranter und komme mit anderen Menschen und Gruppen besser klar.

    Mein Fazit: Einsamkeit gehört bei der Selvstfindung einfach dazu, aber wenn man tut was man liebt, findet man neue Freunde und kann tiefere Beziehungen eingehen und wird am Ende sogar toleranter

    • indigo

      @Anna
      Alle Achtung. So jung und so eine reife Sichtweise!
      (Ich hoffe es kommt nicht überheblich rüber, wenn ich das sage)

    • Ulli

      Zitat:“Meiner Meinung nach gehört Einsamkeit dazu, wenn man sich verändert.“

      Wenn man sich verändert, reagiert das Umfeld darauf. Eine gute Möglichkeit um zu erkennen wie Deine Mitmenschen zu Dir stehen.

      1.) Es gibt Menschen aus Deinem Umfeld die Dich insgeheim beneiden, aber heftig kritisieren. Oft liegt der Grund darin, das ihnen selber der Mut zur Veränderung fehlt. Auf solche Menschen kannst Du gut verzichten.

      2.) Dann gibt es Menschen die versuchen Dich zu verstehen und Dich unterstützen. Das sind Deine Freunde.

      3.) Dann gibt es Menschen die Dich überhaupt nicht verstehen, aber trotzdem alles tun um Dir zu helfen. Das sind Menschen die Dich lieben.

      Das Gefühl der Einsamkeit hatte ich nicht, als ich einen neuen Weg ging. Ich war mir sehr sicher das dieser Weg richtig für mich war. Die heftige Kritik von allen Seiten hat mich nur bestätigt. Selbst wenn sich nicht alle Wünsche erfüllt haben, aber es ist ein schönes Gefühl, wenn man die Richtung in der man geht selbst bestimmt, und dem Schicksal mitteilt, ich gehe jetzt einen anderen Weg. Und man findet auf jedem neuen Weg auch neue Weggefährten, die das gleiche Ziel haben. Ich war damals 22 Jahre, als ich einen neuen Weg einschlug, hatte vorher aber auch schon eine Menge erlebt.

      Später wird man im Leben sowieso für alles Mögliche kritisiert. Entweder für das was man getan hat, oder für das was man nicht getan hat. Kritik bekommt man immer wenn man den Wunsch von anderen Personen oder dem System nicht erfüllt. Ganz egal wie man sein Leben lebt, es endet immer mit Vorwürfen.

      Warum sollte man dann also nicht wenigstens seinen eigenen Weg gehen ?

      Es ist zwar sehr schön, wenn man dann angekommen ist, aber ich beneide Dich schon ein wenig, weil Du noch einen langen abenteuerlichen Weg vor Dir hast. Ich persönlich finde die Zeiten heute nicht mehr so schön. Aber Du wirst schon Deinen Weg finden, denn indigo hat recht, Du besitzt schon sehr viel Reife. Viel Glück !

    • Manu

      Respekt! Ich bin doppelt so alt und könnte echt von Dir lernen!!!! Alles Liebe und Gute Dir. Würde gerne mit dir mailen, wenn Du magst

  • In dem Artikel habe ich mich selbst wiedergefunden, denn ich habe in den letzten Jahren nach meiner Trennung sehr viel nur für mich getan. Ich konnte zwar einige gute Freunde gewinnen, aber irgendwie fühlte ich mich doch isoliert. Dabei mag ich die Menschen sehr, am liebsten die mit Ecken und Kanten, und versuche sie auch zu nehmen, wie sie sind. Aber da stößt man auch oft auf Unverständnis, weil viele mit Vorurteilen behaftet sind.
    Zur Zeit integriere ich mich in eine Gruppe und merke, dass es mir einfach gut tut.

  • Danke für diesen Beitrag. Als ich damals in dieser Phase war und über mein Verhalten und Sein nachdachte, kamen einige Menschen mit der gleichen Thematik auf mich zu. Erst da kam mir die Erkenntnis, dass wir zwar immer alleine sind, doch einsam ? Was ist eigentlich einsam ? Darüber habe ich damals sehr eingehend nachgedacht. Ich bin gerne alleine mit mir, doch zu jedem Moment offen für das Aussen. Ich nehme die Bedürfnisse der anderen wahr und entscheide mich innert Sekunden, wie ich damit umgehen möchte. Wichtig war, dass ich aufhörte zu bewerten und zu beurteilen. Ich habe auch die Wahl auf andere zuzugehen, oder auch nicht. Oft ergeben sich Gespräche mit fremden Menschen wenn ich unterwegs bin, die mich immer wieder in irgendeiner Weise beflügeln, oder mir irgendeinen versteckten Hinweis bringen. Als ich vor Jahren in Zürich eine Postkarte erblickte auf der es hiess: “nehme die Menschen wie sie sind, es gibt keine anderen” wusste ich, es liegt alleine an mir, wie ich durch die Welt gehe, wie ich mich fühle, und – ich fühle mich manchmal für einen Moment alleine – doch ich weiss im Innersten, einsam bin ich nicht. Dann ziehe ich meine Laufschuhe an – und laufe den Rhein entlang – dies in voller Achtsamkeit auf all das Schöne, was sich in diesem Moment sich bietet. Und denke auch an meine 2. Karte auf der steht: ein Lächeln ist der kürzeste Weg zum Herzen des anderen …… in diesem Sinne – es liegt an uns einsam zu sein.
    Herzliche Grüsse aus Basel

  • Hallo Ralf,
    deinen Artikel habe ich mit großem Interesse gelesen,da er meine Lebenssituation genau widerspiegelt.Ich kann mich meinem Vorredner Edwin nur anschließen der sagt,dass es auf Dauer nun auch nicht gesund sein kann,wenn wir nur darauf achten, noch in unser gewohntes Umfeld zu passen.
    Eigene Entwicklung ist wichtig,um im Leben glücklich zu werden.
    Die Kunst besteht meiner Ansicht nach darin,die Menschen zu finden,die das akzeptieren und fördern.
    Leider ist das ein recht schwieriges Unterfangen und ist mit vielen Schwierigkeiten verbunden.
    Trotzdem ein lohnenswertes Ziel das wir verfolgen sollten.
    Ich wünsche dir und allen Mitstreitern frohe Pfingsttage.

    Gruß
    Gerd

  • Ich fühle mich seit kurzem genauso und beschäftige mich mit dem Thema. Leider auch mit der Erkenntnis, das durch die gestiegen Ansprüche der Selbstverwirklichung, es nur eine vermeintliche Toleranz gibt. Das erlebe ich auch oft in meinem Umfeld. Leider gilt die Toleranz nicht jedem. Hier hätte ich persönlich besser nicht auf meine sozialen Ansprüche gesetzt, denn nach vielen problematischen Jahren merke ich jetzt erst, wie einsam ich bin. Ich hätte mich vielleicht besser auf die Menschen konzentriert, die in meinen damaligen Augen, weniger Ansprüche hatten und selbstloser waren, denn diese sahen eine Erfüllung darin,mit Selbstverständlichkeit für Ihre Mitmenschen da zu sein.

  • Lieber Ralf

    Mit deinem Text triffst du genau mein Thema.
    Ich beschäftige mich schon länger mit mir selbst, aber etwa seit zwei
    Jahr intensiver mit meinem Innenleben und dem Unbewussten.
    So sehe ich die Welt im Moment mit ganz anderen Augen – manchmal zweifle ich zwar an der neuen Sicht, aber mehr und mehr glaube ich,
    dass die Welt nicht so funktioniert, wie ich lange geglaubt habe.

    Die Thematik “Allein-Sein” kenne ich auch. Ich habe mir mal in meine Tagebuch notiert: “Ich bin gern mit mir allein, möchte aber niemals einsam sein.”

    Seneca, hat es meines Erachtens wunderbar formuliert:
    “Man muss beides verbinden und miteinander abwechseln lassen,
    Einsamkeit und Geselligkeit. Die eine weckt in uns die Sehnsucht nach Menschen, die andere die Sehnsucht nach uns selbst.“

    ein lieber Gruss aus der sCHweiz – Franz

    • Prisca

      Hi Franz, ich finde deinen Tagebucheintrag sehr schön. Geht mir auch so. Ich gehe oft mit mir spazieren :) Und das Zitat von Seneca wunderbar! Vielen Dank fürs Teilen!
      Liebe Grüsse auch aus der Schweiz, Prisca

  • Der Gegensatz zwischen Individuum und Gruppe besteht immer – auch in den Zielen.
    Im der Privatwirtschaft hat das Einzelinteresse sich dem Geschäftsmodell immer unterzuordnen, im staatlichen Bereich wird der sich mit Gesetzen, die mehrheitlich beschlossen, mit Exekutive und Judikative gegenüber dem Einzelnen durchgesetzt.
    Individualität und Selbstverwirkluchung werden heute quasi eingefordert – z.B. der mündige Bürger, der aufgeklärte Verbraucher, doch dies gibt nur im Idealfall.
    Ein solcher Anpassungsprozeß ist jedoch kein Individuum, sondern ein kollektiv angepasstes Wesen.
    Freiheit, Demokratie und Individulität müssen eigentlich täglich erstritten werden gegen Zwänge, die uns als Pseudo-Freiheit der Mächtigen angeboten, wie finanzielle Freiheit, Selbständigkeit,….

  • Ich glaube, es geht darum, seine eigene Entwicklung voranzubringen, auf welchem Gebiet auch immer, und zu akzeptieren, dass man aus einer Gruppe oder aus dem gewohnten Umfeld herauswächst.
    Sein eigenes Wachstum zu beschränken, nur um weiter mit dem bisherigen Umfeld kompatibel zu bleiben, wäre für mich keine Lösung.
    Die eigentliche Aufgabe sehe ich eher darin, Menschen zu finden, die den Wachstumsprozess akzeptieren und im besten Fall, sich gegenseitig in ihrem Wachstum unterstützen. Menschen oder Gruppen, die das behindern, können auf Dauer nicht gesund für mich sein.

  • Lieber Ralf,

    Über diesen Aspekt denke ich zur Zeit auch sehr intensiv nach. Ich selbst war bis vor kurzer Zeit stets sehr einsam. Das lag aber an meiner Hochsensivität, welche es mir schon als Kind schwer machte zu den anderen zu gehören.
    vielleicht nehme ich es deshalb etwas anders war als du. Die Menschen um mich herum leben zwar ihre Individualität, jedoch wollen auch diese ihr Glück nicht alleine genießen. Sie sind aber nicht darauf erpicht so viele Leute um sich zu haben, sondern eher weniger aber hochwertige Freundschaften. Ich denke das hat auch viel mit dem Wunsch autentisches zu erleben zu tun. Ich möchte auch keine Freunde die mir nach dem Mund reden, oder einfach nicht echt sind.
    Die Entwicklung unserer Gesellschaft, hin zu Arbeitsbinchen erschwert es sehr soziale Kontakte einzugehen. Vielen bleibt da auch nur das Internet und seine zahlreichen einsam machenden Angebote.
    Viel alarmierender finde ich die dadurch hervorgebrachten natural-nativs! Die Kids von heute, die so natürlich mit dem Internet und allem was dazu gehört aufwachsen, das diese ohne dieses Medium wenig bis garnicht in der Lage sind sich sozial zu verbinden. Von der Wissensaneignung ganz zu schweigen. Ich erlebe das hautnah. Ich glaube das “mach dein Ding” ist einfach eine kleine Revolution derer die noch die gute alte Zeit kennen Und diese Neue nicht akzeptieren (zu recht). Den wenn wir mal weiter spinnen, was wird wohl nach den natutal-natives kommen umd wie definieren wir dann Mensch sein?

    Schöner Artikel und angenehm vorgetragen!

    Lg von Sissi

    • Gisela

      Sissi, die nächsten Generationen werden sich auch entwickeln, vielleicht von den Nerds über praktische Tätigkeiten wieder hin zu gemeinsamen Aktivitäten mit anderen, vielleicht werden sie gezwungen, sich wieder nach aussen zu wenden durch schwindende Ressourcen, vielleicht entdeckt auch wieder jemand etwas “Neues – zurück zur Natur . Ausserdem geht es uns ja gut, wir haben den Luxus, uns mit uns selbst beschäftigen zu können. Wenn es neue Herausforderungen gibt, wird sich auch das Verhalten ändern , glaube ich. Schöne Pfingsten

    • Ulli

      Hallo Sissi,

      ich glaube das hochsensible Menschen gar nicht anders können als ihr Ding zu machen.
      Ich möchte zum Thema Hochsensibilität einmal ein Buchvorschlag machen, weil mir dieses Buch sehr geholfen hat.

      Es trägt den Titel : zart BESAITET , und ist von Gorg Parlow erschienen im Festland- Verlag

  • Hallo Ralf,

    dein Artikel hat mich sehr angesprochen. Ich habe in den letzten Jahren versucht, “mein Ding zu finden” und dann auch zu machen. Es ist mir weitestgehend gelungen! Noch bin ich auf dem Weg. Und ich war lange Zeit einsam.

    Ich sehe es genauso wie du, allerdings bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass das eine nicht ohne das andere geht. Ich kann nicht mein Ding machen, ohne dabei mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Ich brauche andere Menschen, um mich weiter zu entwickeln. Ob nun in Gruppen, Vereinen, Beziehungen…

    Mein Problem lag darin, dass ich tatsächlich anfing, zu vergleichen, andere Menschen zu bewerten, mich für etwas “Besseres” hielt (ich war doch so stolz auf mich…) und mein Verhalten machte das auch deutlich und machte einsam.

    Seitdem ich meine Mitmenschen so annehme, wie sie sind, und vor allem auch mich so annehme, kann ich trotz oder gerade wegen meiner Selbstverwirklichung gute soziale Kontakte pflegen, denn es treten Menschen in mein Leben, mit denen das möglich ist!

    Ich wünsche allen Frohe Pfingsten!

    Herzliche Grüße
    Susanne

  • Ein wunderbarer – und wunderbar selbstkritischer – Artikel. Ich befinde mich gerade selbst an einem Punkt, an dem mir bewusst wird: ein Sozialleben, Kontakte, Engagement sind mir wichtig. Und natürlich auch eine feste Partnerschaft und Kinder.
    Blöd, dass ich so “schon immer” war, und irgendwelche Leute mich immer “raus in die Welt” schicken wollten: Karriere machen, mein Glück suchen, sowas. Dabei ist und war mein Glück hier, wo ich bin, in meiner kleinen Welt. Und ich hätte es viel leichter und viel eher haben können! Erstmal eine bittere Erkenntnis!

  • Ein spannendes Thema mit dem ich mich zZt auch beschäftige .Die Balance zwischen Selbstverwirklichung u Teil einer Gemeinschaft habe ich noch nicht wirklich gefunden.
    Danke für die Impulse u ja auch ich würde gerne mit zum teetrinken u philosophieren über das Thema……die Offenheit sich über so ein Thema auszutauschen ist auch nicht selbstverständlich …daraus ergibt sich bereits die Frage
    Wo finde ich Menschen die solche Themen gerne teilen?
    Wer ist bereit offen zu erzählen aber auch aktiv zuzuhören ?

  • Lieber Ralf
    Auch bei mir hat sich im letzten Jahr viel verändert und auch ich habe sehr viel an mir gearbeitet. Dabei habe ich festgestellt, dass die mich glücklich machenden Begegnungen immer mit Menschen sind, die auch so denken wie ich, die offen sind und an sich arbeiten.
    Alle anderen schaue ich aber mit viel Liebe und Verständnis an, da ich ja selber vielleicht schon ein bisschen weiter, aber noch lange nicht fertig bin.
    Ich will auch niemanden ändern, sondern versuche zu verstehen, warum sie so sind, wie sie sind. Meistens steckt Angst vor dem Leben und alte Gewohnheits- und Denkmuster dahinter.Meine Freizeit verbringe ich aber ganz bewusst nur mit den Menschen, die offen und tolerant sind. Und die mich lieb haben. Um die zu finden gibt es nur einen Weg. Mutig sein und das Herz aufmachen. Und raus gehen. Ohne Angst und Vorurteile. Da kann man wunderschöne Momente erleben. Für mich sind diese besonderen Menschen viel wichtiger geworden als früher, weil gemeinsames Wachsen viel mehr Spaß bringt und soooo gut tut. Puh, das war ein langer Kommentar… Tja, war mir eine Herzensangelegenheit Schönen Sonntag noch! Liebe Grüße an alle von Inga

  • Lieber Ralf!
    Dann lass uns doch einen Tee trinken gehen und darüber gemeinsam philosophieren;-)
    Lieben Gruß,
    Bina

    • Astrid

      Da wäre ich auch gerne dabei :)

      Ich halte dieses Thema für eines der Wichtigsten unserer Zeit.

      Mir fällt hierzu auch der Begriff der “Entgrenzung”. ein.
      Es fehlen jegliche Grenzen, die uns davon abhalten mehr, mehr, und immer mehr (scheinbar) machen zu können, und damit fast schon machen zu müssen. Es ist gesellschaftlich irgendwie nicht mehr anerkannt sich von jemandem einschränken zu lassen. Er bringe den Müll nicht runter? “Neeeeext! – ich brauche einen Partner der besser zu mir passt!”. Sie will rechts gehen und ich links? Dann geht halt jeder von uns in die von ihm gewählte Richtung. Allein.

      Ich bin neulich nach längerer Zeit wieder einmal über eine Mitfahrzentrale in eine andere Stadt gefahren. Und dachte mir danach: Mit den Menschen, die da mit mir im Auto saßen, wäre ich so nie zusammengekommen. Wo auch! Man wählt die Plätze, an die man (ja freiwillig) geht, nach der eigenen Präferenz. Hätten wir uns irgendwo anders getroffen, hätten wir uns wahrscheinlich nicht unterhalten – weil wir schon sehr verschieden waren.

      Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen – mich nicht ausgenommen – nicht mehr bereit sind sich auf etwas bzw. jemanden wirklich einzulassen. Jeder Mensch ist ja anders. Und anders ist anstrengend, und eben auch einschränkend – wenn man die absolute Selbstentscheidungsfähigkeit zu jeder Zeit als Grundlage nimmt.

      Ich hinterfrage momentan ob meine eigenen Raster nicht auch etwas Tinder-artiges haben. Kurz beurteilt, dann nach oberflächlichsten Kriterien abgehakt oder für “interessant” empfunden. Die kurze Zeitspanne, die wir heute oft aufeinandertreffen, ermöglicht auch nicht viel mehr. Und weil wir uns alle nicht mehr zum Überleben brauchen, fallen die Räume, in denen wir mit Menschen für eine längere Zeit zusammenkommen, fast alle weg. Übrig bleiben Supermärkte, U-Bahnen, Bars, Clubs. Wenn ich mir für etwas mehr Zeit nehme, dann sollte es etwas Sinnvolles sein – etwas, das mich weiterbringt. Etwas, das genau meinen Interessen entspricht.

      Aber was sind die denn nochmal? Was suche ich wirklich?

      Ich finde das Wort “Auseinandersetzung” wunderbar.
      Ich möchte mich auseinandersetzen. Nachdem ich mich lange mit mir selbst auseinandergesetzt habe, möchte ich mich jetzt mit Anderen auseinandersetzen. Auch wenn dies die ein oder andere Auseinandersetzung beinhaltet. Nur so lernt man sich kennen.

      Aber (so sagt mein Inneres) nicht zuviel. Das ist ja anstrengend.

    • indigo

      @Astrid
      Danke für das Wortspiel “auseinanderzusetzen“ :-)
      In diesem Zusammenhang wäre “zusammen setzen“ auch gut.

    • Heiner

      @ Astrid und Indigo
      “Wenn ich mich mit jemanden auseinandersetzten will, muss ich mich mit ihm/ihr zusammensetzten” geht mir da durch den Kopf.

  • Was für ein schöner Artikel zum Pfingstfest. Vielen Dank.
    Allen: schöne Feiertage – macht was daraus.

  • Man kann nicht alles haben – du hast letztens noch sehr schön darüber geschrieben, dass alles seinen Preis hat. Und Ressourcen, auch unsere Zeit, Aufnahme-Kapazität und Multitasking-Fähigkeit, sind nun einmal begrenzt. Folglich setzen wir Prioritäten, bewusst oder unbewusst. Und die Dinge zu tun, die man tun möchte, hat eben seinen Preis – oft genug den, dass man sie alleine oder mit Fremden tun muss. Die eigenen Wünsche hintenan zu stellen und dafür Gesellschaft von Menschen zu haben, die einem wichtig sind, hat genau diesen Preis. Letztlich wird das Pendel mal in die eine Richtung und mal in die andere ausschlagen. Der Mensch sehnt sich ja bekanntlich immer nach dem, was er gerade nicht hat. Interessant zu erfahren wäre, wie das mit den Höhen und Tiefen beim Glück korreliert. Das Leben – eine Achterbahn, oder zumindest ein ständiges Schlingern?

  • Wer da mal tiefer gehen will: Erich Fromm, die Kunst zu lieben. Das ganze Wissen und auch mögliche Lösungen sind schon lange da…

    • Christine

      Guter Verweis! Dieses ganze “sich-selbst-verwirklichen” , also die Konzentration auf sich selbst, mag nach meiner Erfahrung mal in Krisensituationen kurzzeitig hilfreich sein. Ansonsten ist es viel besser, viel wertvoller, den Blick von sich selbst auch auf Andere zu wenden. Ohne “Helfersyndrom” für Andere da sein. Liebe in sich und für andere aufbringen: das macht wirklich zufrieden.

  • Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Meine Gedanken kreisen in letzter Zeit auch oft um dieses Thema.
    Ich habe jetzt wieder das Glück, ein soziales Umfeld (Nachbarn) um mich zu haben, die einander helfen. Das typische einander helfen, wie ich es von früher kenne. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, da ist jemand. Auch wenn ich nicht jeden Tag Bedarf habe … Andererseits lebe ich auch gerne alleine und bin froh, gut mit mir auskommen zu können. Die richtige Balance zu finden, ist die Herausforderung jedes einzelnen.
    Viele Grüße

  • Ich bin den Thema vor Jahren, am Ende einer Gruppentherapie begegnet, aus der meine (bis heute noch) wichtigste Erfahrung ist: Ja, es geht, ich kann ganz ich selber und trotzdem Teil einer Gemeinschaft sein, bzw. sogar: ich MUSS ganz ich selber sein um auch ein wichtiger Teil einer Gemeinschaft sein zu können. Diese Erkenntnis bestätigt heute auch die moderne Neurowissenschaft, z.B. Gerald Hüther, dessen großer Fan ich bin. Der nennt sowas als Zukunftsvision “individualisierte Gemeinschaft”. Glück und Zufriedenheit besteht danach darin, genau diese angeblichen Gegensätze zusammen zu kriegen: Autonomie/Freiheit/Entwicklung und Gemeinschaft/Zusammengehörigkeit/Verbundenheit. Hatten wir im übrigen alle schon mal: im Mutterleib :)

    • Inge

      Danke für den wunderbaren Artikel. Ich finde auch, dass es einen Punkt gibt, wo sich zu viel Beschäftigung mit sich selbst negativ auf das Gemeinschaftserleben auswirken kann. Ich habe allerdings auch die Erfahrung gemacht, dass genau diese intensive Beschäftigung mit sich selbst, auch toleranter macht. Erst nachdem ich mich mit vielen persönlichen Themen in Ruhe (war manchmal durchaus auch einsam) auseinandergesetzt hatte und so eine gewissen Gelassenheit und Toleranz für mich selbst entwickelt hatte, konnte ich diese Toleranz auch auf andere übertragen. Meine Erfahrung, je mehr ich mit mir selbst ins Reine komme, umso besser verstehe ich auch meine Mitmenschen und der Kontakt fällt mir leichter, und nicht schwerer. Ich möchte es so formulieren: Toleranz wirkt in beide Richtungen!

    • Basti

      Hallo Leute.

      der Schlüssel heißt Nächstenliebe:)

    • Christian

      Hallo
      Dein Beitrag und die Bezeichnung “Indiviualisierte Gesellschaft” gefallen mir. Ich habe vor wenigen Jahren begonnen mich selbstzuverwirklichen indem ich in ein Wohnmobil übersiedelt bin um als angehender Musiker flexibel zu sein. Ich bin es gewohnt allein (nicht einsam) zu sein, gehe aber trotzdem auf Menschen zu und pflege punktuelle Kontakte. Auch ich glaube, daß Selbstverwirklichung und innige Beziehungen einander nicht ausschließen wenngleich ich das noch nicht verwirklicht habe. Es ist unsere Aufgabe Gegensätze miteinander zu versöhnen (Zitat: mein Lieblingsautor: Dr. Joseph Murphy). LG

  • Wie wahr, wie wahr!

    Danke für diesen Beitrag.

    Herzliche Grüße

    Annemarie

    • Nicole

      Danke Ralf – du sprichst mir -wie so oft- fast wortwörtlich aus der Seele. Wenn ich mich einsam fühle,
      dann brauche ich Musik: meine Favorit ist zur Zeit: James ,mit “Getting away with it”, live absolut genial, vor allem in London, wenn alle vollkommen abgehen…
      Also genug der Worte: reinhören, vorwärts denken und leben!
      Einen wunderschönen Tag vom Bodensee, Nicole

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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