Introvertiert: 19 Tipps, die du beherzigen solltest

Magst du lieber Snickers oder Milky Way? Stehst du auf Hip-Hop oder Blues oder eine andere Musikrichtung? Wofür interessierst du dich? Wofür überhaupt nicht?

Die meisten unserer Interessen, Eigenschaften und Vorlieben sind aufgrund unserer Entwicklung entstanden. Unser Elternhaus, der Freundeskreis, der Beruf, Schicksalsschläge – all das hat Einfluss darauf, wer wir geworden sind und was uns wichtig ist.

Introvertiert wegen der Gene

Einige Eigenschaften sind aber auch genetisch bedingt. An denen können wir wenig machen. So z. B. welche Haarfarbe du hast. Okay, daran kannst du mit ein bisschen Farbe etwas ändern. Aber du weißt, was ich meine. Auch einige Persönlichkeitseigenschaften sind genetisch bedingt. Zum Beispiel, ob du introvertiert oder extrovertiert bist. Weißt du, in welche Kategorie du gehörst?

Vielleicht weißt du gar nicht, wovon ich spreche? Vielleicht hast du von diesem Unterschied aber auch längst gehört und er ist für dich ein ganz alter Hut?

Erhoffst du dir hier ein paar wertvolle Tipps? Oder bist du extrovertiert und erhoffst dir, diese merkwürdigen introvertierten Menschen ein bisschen besser zu verstehen?

In all diesen Fällen profitierst du von diesem Beitrag.

Introvertiert geht auch als Chamäleon

Introvertierte Menschen sind die eher ruhigen und stillen Vertreter. Extrovertierte Menschen sind eher laut und redselig. So werden sie jedenfalls häufig von außen wahrgenommen. Wobei wir alle uns auch ein bisschen wie ein Chamäleon verhalten können. Wir sind in der Lage, uns unserer Umwelt anzupassen. Der eine mehr, die andere weniger.

Introvertierte Menschen können sich durchaus so verhalten wie extrovertierte. In vielen Situationen kann das sinnvoll sein. Zum Beispiel bei einem Vorstellungsgespräch, auf einer Messe oder wenn es darum geht, neue Menschen kennen zu lernen.

Extrovertierte Menschen verhalten sich auch oft so wie introvertierte. Denn auch das kann ja in manchen Situationen sinnvoll sein. Zum Beispiel in der Partnerschaft, in der Einarbeitungsphase an einem neuen Arbeitsplatz oder wenn es darum geht, etwas Kompliziertes neu zu lernen.

Deswegen lässt sich von außen bei vielen Menschen gar nicht entscheiden: ist der jetzt introvertiert oder extrovertiert.

Introvertiert – extrovertiert? Woher kommt die Energie?

Der entscheidende Unterschied zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen findet nämlich im Inneren der Menschen statt. Dabei geht es um die Frage:

    • Wie tankt ein Mensch seine Energien wieder auf?
    • Woher bezieht er seine Kraft?
    • Wie erholt er sich?

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Introvertierte:

Eher introvertierte Menschen tanken auf, wenn sie es ruhig haben und für sich sind. Sie beziehen Kraft daraus, mit sich und ihren Gedanken alleine zu sein.

Extrovertierte:

Eher extrovertierte Menschen tanken im Kontakt mit anderen Menschen ihre Energiereserven auf. Sie beziehen ihre Kraft aus dem Zusammensein und dem Gespräch mit anderen Menschen.

Und dann gibt es noch die Zentros. Zentros sind Menschen, die zwischen extrovertiert und introvertiert ganz gut wechseln können. Die Energie aus dem Zusammensein mit Menschen ziehen, aber auch Zeit und Ruhe für sich alleine brauchen.

Von Schwarz – Weiß – Denken zu Graustufen

Denn „extrovertiert“ und „introvertiert“ sind keine starren Kategorien, sondern es gibt eine Spanne, einen fließenden Übergang, ein Spektrum, in dem wir uns befinden.

Wenn du genau wissen willst, wie du dich in diesem Spektrum einordnest, findest du es auf der Seite von Sylvia Löhken heraus.

Fakt ist: Es gibt introvertierte Menschen und extrovertierte Menschen. Und dieser Unterschied liegt in unserem Gehirn begründet. Denn Introvertierte und Extrovertierte verarbeiten äußere Eindrücke auf unterschiedliche Art und Weise.

Deswegen haben Introvertierte andere Bedürfnisse als Extrovertierte. Damit Introvertierte ihre Bedürfnisse auf gute Weise erfüllen können, habe ich hier 19 bewährte und neue Tipps für sie.

Wenn du extrovertiert bist, sind diese Tipps für dich trotzdem interessant zu lesen. Denn ganz bestimmt hast du introvertierte Menschen in deinem Umfeld. Und wenn du ein bisschen besser weißt, wie sie ticken, was sie brauchen, tut das eurer Beziehung bestimmt gut. Und wenn du meinst, dass es auch einen Artikel mit Tipps für extrovertierte Menschen geben sollte, dann schreib mir eine Mail.

Wenn du introvertiert bist, kann der ein oder andere Tipp für dich einen echten Unterschied machen. Schau, was für dich passt und dich anspricht. Und probier einfach mal das ein oder andere aus. Dabei kann es sein, dass du, je nachdem, wo du dich im Spektrum “introvertiert” einordnest, vielleicht denkst: Das geht für mich gar nicht. Oder eben auch: Das ist ein super Tipp. So habe ich das noch gar nicht gesehen. Und natürlich spielen auch immer noch andere Eigenschaften hinein, wenn es darum geht, was für uns passt und was eben nicht. Deswegen: Prüfe alles und das Gute behalte ;-)

Tipp 1: Energietankstellen kennen und nutzen

Nutze deine Energietankstellen. Wenn du introvertiert bist, weißt du, dass du, um aufzutanken, Zeit und Ruhe für dich alleine brauchst. Wie das genau aussieht, kannst nur du entscheiden.

  • Wo fühlst du dich mit dir selbst am wohlsten?
  • Wo kannst du auftanken und dich regenerieren?

Das können ganz unterschiedliche Orte sein. Und wenn du als Introvertierter denkst: Dazu muss ich ja ganz alleine zu Hause sitzen. Dann kann das stimmen. Aber für dich vielleicht auch falsch sein. Denn womöglich fühlst du dich in einem Café mit einer angenehmen Geräuschkulisse um dich herum viel wohler. Vielleicht ist es aber auch ein Waldspaziergang, eine lange Autobahnfahrt oder eine Weile in der öffentlichen Bibliothek, die dir gut tut.

=> Finde heraus, wo du Energie tanken kannst, und sorge dafür, dass du dich immer wieder an deiner Energietankstelle aufhalten kannst.

Tipp 2: Quellen für deine Energie kennen und nutzen

Was tust du, wenn du Energie tanken willst? Auch das kann wieder sehr unterschiedlich sein. Der eine macht Yoga, die andere liest ein Buch, der Nächste hört Musik und eine andere tut rein gar nichts, außer Löcher in die Luft zu starren. Und vielleicht noch nicht mal das, weil die Augen geschlossen sind.

  • Wobei kannst du auftanken?
  • Was tut dir gut, gibt dir Kraft?

=> Finde heraus, wie du Energie tanken kannst, und sorge dafür, dass du genau das auch immer wieder in deinen Alltag einbaust. Oft lässt sich deine Energiequelle mit deiner Energietankstelle verbinden, z. B. indem du ein Buch im Café liest.

Tipp 3: Für kurze Rückzugsmomente sorgen, wenn das Bedürfnis da ist

Oft sind wir eingebunden und können aus unserem Alltag nicht so einfach raus. Aber für viele von uns gibt es immer mal die Möglichkeit, einen kleinen Rückzugsmoment einzubauen. Ein kurzer Gang um den Block. Eine Kaffeepause. Ein paar Momente Musik hören und Augen schließen. Das Wichtigste dabei ist, dass wir selbst wahrnehmen, wann wir uns für einen Moment zurückziehen sollten. Und diese kleinen Rückzugsmomente helfen oft schon ganz viel, Energien wiederaufzutanken. Und zwar bevor die Reserve völlig aufgebraucht ist.

=> Lerne, immer besser wahrzunehmen, wann du dich für ein Weilchen zurückziehen solltest. Und tu das dann auch (wenn es irgendwie geht).

Tipp 4: Plane für dich

Ruhephasen solltest du einplanen. Vor allem dann, wenn du weißt: Da kommt jetzt was Anstrengendes auf mich zu. Bei vielen Introvertierten sind das Meetings, Partys, Empfänge, Seminare, Kongresse, Familienfeiern. Zumeist Situationen, bei denen viele Menschen zusammenkommen. Wenn viel geredet wird. Vor allem auch Small Talk. Sorge vor solchen Situationen ganz bewusst dafür, dass du deine Energiereserven möglichst voll aufgetankt hast. Ziehe dich vor einem Meeting eine Weile zurück. Plane vor einer Familienfeier einen ruhigen Abend nur für dich alleine ein. Starte nach einem Wochenendseminar mit einem Tag Urlaub in die neue Woche.

=> Sorge gut für dich und plane deine Energietankstellen und Energiequellen fest ein.

Tipp 5: Erlaube dir, dich mal zu überfordern

Manchmal scheint es wie verhext. Da jagt ein Termin den nächsten. Eine volle Arbeitswoche, gefolgt von einem Wochenendseminar. Und Sonntagnachmittag dann noch Tante Emmis 80. Geburtstag. Natürlich kannst du den Geburtstag vielleicht absagen. Aber vielleicht ist es ja auch toll, Cousins und Cousinen mal wieder zu sehen. Du entscheidest. Und du kannst dich auch ganz bewusst dazu entschließen: „Okay, das zieh ich durch, auch wenn ich da meine letzten Energiereserven mobilisieren muss.“ Denn ganz oft lohnt es sich, mal über seine Grenzen zu gehen.

=> Trau dir zu, auch mal über deine Grenzen zu gehen. Und sorge dafür, dass du danach schnellstmöglich auftankst.

Tipp 6: Trage kein Etikett „Ich bin introvertiert“

Eine ganze Reihe introvertierter Menschen tragen ihr Introvertiertsein wie eine Fackel vor sich her. Sie heften sich selbst ein gut sichtbares Etikett an: Ich bin introvertiert. Manch ein so Etikettierter geht anderen auf den Geist. Wer bei so ziemlich jeder sich bietenden Gelegenheit sagt „Das ist für mich aber schwierig, weil ich ja introvertiert bin“, wirkt auf andere abstoßend. Wenn dir das egal ist, okay, dann kannst du natürlich das Etikett auch benutzen um wirklich nur mit Menschen in Kontakt zu kommen, die dich verstehen. Aber wenn du auch den Kontakt zu anderen Menschen schätzt, überlege dir eine andere Strategie, mit deinen Bedürfissen und Grenzen umzugehen.

Dann pack dein Etikett weg. Du brauchst nicht zu betonen, dass du introvertiert bist. Du bist es einfach. Und wer Verständnis dafür hat, dass du Zeit für dich brauchst, der hat es sowieso. Der ist wahrscheinlich generell ein mitfühlender Mensch und hat Verständnis für Menschen mit speziellen Eigenarten, wie z.B. Fußballfans, Trekkies oder Veganer ;-)

Und wer kein Verständnis für dich hat, wird auch keines entwickeln, wenn du ihm oder ihr erklärst: „Hör mal, ich bin ja introvertiert.“

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Das bedeutet nicht, dass du niemandem sagen solltest, dass du dich für introvertiert hältst. Du erzählst es vielleicht Menschen, mit denen du auch sonst viel Persönliches besprichst. Aber mit denen sprichst du dann auch über andere Fragen oder persönliche Probleme, die dich beschäftigen.

=> Entscheide bewusst, wem du wann und wie oft erzählst, dass du introvertiert bist. Vermeide es, mit dem Etikett „Ich bin ja so introvertiert“ herumzulaufen.

Tipp 7: Schieß dir nicht selbst ins Knie

Viele introvertierte Menschen haben leidvolle Jahre hinter sich. Vor allem, wenn sie bislang meistens mit extrovertierten Menschen zusammen waren, die wenig Verständnis für ihr Anderssein hatten.

Für introvertierte Kinder ist es extrem schwierig, in einer Familie mit stark extrovertierten Erwachsenen oder Geschwistern groß zu werden. In vielen Fällen wurden sie unter Druck gesetzt, z.B. mit Vorwürfen: „Du gehst auch viel zu wenig unter Leute.“ Oder ihre Bedürfnisse wurden lächerlich gemacht: „Du immer mit deinem Alleinsein“.

Als Erwachsene nutzen diese Menschen oft ihre gewonnene Freiheit und ziehen sich stark zurück. Sie genießen es, endlich selbst zu bestimmen, wie und mit wem sie ihre Zeit verbringen. Und das führt manchmal dazu, dass sie sich selbst von Beziehungen und Erfahrungen abschneiden, die für sie sehr schön und erfüllend wären. Für manch einen ist der Rückzug eine reine Gewohnheit. Oder es steckt die Angst dahinter, wieder kleingemacht und unter Druck gesetzt zu werden.

Wenn das bei dir der Fall sein sollte, mache es dir bewusst. Vielleicht ist grad der Moment, in dem dir ein Licht aufgeht?

Du bist jetzt erwachsen. Du entscheidest, wie du mit abwertenden Äußerungen und Erwartungen umgehst. Und du darfst selbst entscheiden, wie du leben willst und mit wem du viel Kontakt möchtest. Nur entscheide es bewusst und lass dich nicht von alten Ängsten und Erfahrungen lenken.

=> Hinterfrage dich: Möchte ich wirklich so leben, wie ich es tue? Wünsche ich mir mehr oder weniger Anregungen, Menschen oder Abenteuer in meinem Leben? Welche alten Erfahrungen halten mich womöglich davon ab, das Leben zu führen, das ich mir wünsche?

Tipp 8: Sei gesellig, wenn du es magst, aber nach deinen Bedürfnissen

Introvertiert zu sein, bedeutet nicht automatisch zurückhaltend zu sein. Viele Introvertierte lieben es, in Kontakt mit anderen Menschen zu stehen. Häufig mögen sie auch das Zusammensein mit Gruppen. Auch Partys und Introvertiertsein widersprechen sich nicht automatisch. Andere sind wiederum am liebsten nur mit einer oder höchstens zwei Menschen zusammen, verabreden sich nur ganz selten mit anderen und haben wenige soziale Kontakte.

Wenn du Lust auf Partys hast oder es dir Spaß macht, eine Freundesclique zu haben, dann sorge dafür, dass diese Erfahrungen in deinem Leben genug Raum einnehmen. Achte dabei darauf, dass sie deinen Bedürfnissen entsprechen.

=> Sorge dafür, dass du eine gute Balance zwischen deinen Bedürfnissen nach Gemeinschaft und Ruhe schaffst. Beobachte dich und frage dich ganz bewusst: Wie viel Party, Gruppenveranstaltungen und Small Talk mag ich? Mit wem fühle ich mich in welcher Konstellation wohl? Wie lange möchte ich mit diesen Menschen zusammen sein?

Tipp 9: Klinke dich aus einer Unterhaltung oder einem Meeting aus

Auch, wenn viele Introvertierte gerne gesellig sind, so sind ihnen Verabredungen manchmal zu lang, zu laut oder zu turbulent. Auch in Situationen, an denen man gezwungenermaßen teilnimmt, wie Meetings oder Tagungen, fühlen sich Introvertierte meist nach einer Weile nicht mehr wohl.

Versuche dir in solchen Situationen Ruhepausen zu verschaffen, ohne die Situation zu verlassen. Häufig gelingt das ganz gut, wenn du dich innerlich aus dem Trubel um dich herum ausklinkst. Setze ein interessiertes Gesicht auf und verschwinde dahinter in deine eigene Gedankenwelt. Denke z. B. an einen Ort, an dem du besonders gut abschalten kannst, wie deinen Lesesessel, einen Strand oder Wald. Versuche so, deine Energie wieder aufzutanken. Meistens merkt kein Mensch, dass du grad eine kleine Ruhepause eingelegt hast. Und falls doch und dich jemand anspricht, kannst du in den allermeisten Fällen ruhig sagen: “Ich war grad in Gedanken”. Oder “Ich habe grad über den Punkt xyz nachgedacht”.

=> Achte auch in turbulenten Situationen gut auf dich und nimm dir kleine Auszeiten, indem du dich innerlich ausklinkst.

Tipp 10: Mache dir die Vorteile deiner Persönlichkeit bewusst

Dass wir Menschen so unterschiedlich sind, ist oftmals nervig und sorgt für Probleme. Aber wären wir es nicht, wäre unser aller Leben 1. sehr langweilig und 2. würden wir für viele Probleme gar keine Lösungen finden. Denn die Unterschiedlichkeit der Menschen ist immer auch für etwas gut. So wie Extrovertierte mitreißend, inspirierend und für viele Teams und Gruppen ein Gewinn sein können, so haben auch die Introvertierten Qualitäten, die eine große Bereicherung in jeder Beziehung, im Team oder in einer Gruppe sein können.

Introvertierte durchdringen Zusammenhänge meist gründlicher, sie sind eher darauf bedacht, Dinge abzusichern, sie hören häufig besonders aufmerksam zu, sind gut darin, zu analysieren und zu reflektieren. Und sind eben im Ganzen leiser. Dennoch ist natürlich jeder Introvertierte anders. Es lohnt sich, sich seiner eigenen Stärken bewusst zu werden. Sich zu fragen: In welchen Situationen macht mein Introvertiertsein einen positiven Unterschied? Inwiefern gewinnen meine Freunde und Familie durch meine Art? Was sind meine besonderen Stärken?

=> Beobachte dich selbst in Gruppensituationen oder wenn du mit anderen zusammen bist. Frage dich: Was würde jetzt fehlen, wenn ich anders wäre? Wenn ich nicht da wäre? Oder wenn ich ein extrovertierter Mensch wäre? Lerne deine Stärken kennen und wisse sie zu schätzen.

Tipp 11: Lerne, dass es okay ist, wenn du anders bist als manch anderer

Häufig fühlen sich introvertierte Menschen etwas exotisch. Das liegt zum Teil daran, dass extrovertierte Menschen zahlenmäßig einfach häufiger vertreten sind. Aber auch daran, dass man die introvertierten Menschen im Umfeld nicht so leicht wahrnimmt. Eben, weil sie ja leiser sind. Extrovertierte nimmt man ganz automatisch stärker wahr.

Exotisch oder anders zu sein ist aber ja nichts Schlechtes. Das Problem mit dem Anderssein ist, dass viele Menschen tief in sich drin, Anderssein und Auffallen mit negativen Assoziationen verbinden. Dazu galt in vielen gesellschaftlichen Bereichen einfach zu lange der Gedanke „Bloß nicht auffallen“, besser bekannt unter der Frage:„Was sollen denn die Leute denken?“. Und auch, wenn uns das gar nicht bewusst ist, steckt diese Denkart doch oft noch tief in uns drin.

Mittlerweile gelten diese Konventionen immer weniger. Und wir dürfen uns erlauben, anders zu sein. Es ist in Ordnung. Du darfst dazu stehen, dass du keine Party-Maus bist. Dass du in der Mittagspause nicht mit den anderen zum Essen gehen willst oder keine Lust auf Small-Talk-Gespräche hast. Und wenn das für dich ein großes Problem ist, du dich vielleicht sogar schämst, weil du ruhiger und ruhebedürftiger bist als andere, dann ist unser Audiotraining Selbstannahme vielleicht etwas für dich.

=> Mache dir bewusst, dass „Anderssein“ nichts Schlechtes ist. Es ist einfach nur anders. Und wenn dir das schwerfällt, dann tu etwas dafür, dass du dich selbst besser annehmen kannst.

Tipp 12: Traue anderen zu, dass sie dich aushalten. Steh zu dir selbst.

Introvertierte haben oftmals das Gefühl, dass sie nicht verstanden werden. Zum Beispiel, wenn sie eine Einladung zu einer Party ausschlagen, nicht mit auf den Weihnachtsmarkt gehen möchten oder nicht so schnell reagieren, weil sie lieber erst einmal über eine Sache nachdenken möchten, bevor sie sich dazu äußern. Häufig liegt das an schlechten Erfahrungen, die jemand in der Vergangenheit gemacht hat. Dennoch sollte man sich nicht davon abhalten lassen, seinen Mitmenschen immer wieder auch die Chance zu geben, dass sie einen verstehen. Und zwar indem man klar ohne viel Aufhebens zu machen, zu sich selbst steht. Und zwar ohne sich zu rechtfertigen oder sich zu entschuldigen. Und wenn dir dafür der Mut fehlt, ist vielleicht unser Mentaltraining Mut etwas für dich.

=> Gib anderen die Chance, dich zu akzeptieren, wie du bist. Dazu musst du allerdings sein, wie du bist. Ohne Aufhebens, Entschuldigungen und Tamtam. 

Tipp 13: Lerne damit fertigzuwerden, wenn andere mit Unverständnis reagiert

Viele Introvertierte erleben jedoch immer wieder Unverständnis für ihre Eigenarten. Da kann eine Freundin vielleicht nie begreifen, dass man keine Lust auf Großveranstaltungen hat. Und macht sich über einen lustig, ist enttäuscht oder reagiert verärgert. Oder der Partner fängt immer wieder davon an, dass es doch ganz toll ist, auf einen Betriebsausflug zu fahren, sich mit Menschen zu unterhalten, die man kaum kennt und mit denen in diesem Rahmen auch nur oberflächliche Gespräche möglich sind.

Entwickle Strategien, mit diesen Reaktionen umzugehen. Und zwar ohne dich selbst dafür zu verurteilen, dass du bist, wie du bist. Solche Strategien können ganz unterschiedlich aussehen. Überlege dir dazu wie du normalerweise damit umgehst, wenn andere dich kritisieren, sich über dich ärgern oder dich für etwas verurteilen. Ignorierst du das so lange und so gut es geht? Führst du wieder und wieder ein Gespräch und baust darauf, dich dem anderen doch noch verständlich zu machen? Kommt es regelmäßig zum Streit über ein und dasselbe Thema? Schließt du einen Kompromiss? Oder lass dich von unserem Beitrag “Wie man dich endlich ernst nimmt” inspirieren.

=> Entscheide bewusst, wie du mit Verständnislosigkeit umgehen möchtest. Nutze dazu deine gewohnten und gut funktionierenden Strategien. 

Tipp 14: Teste deinen Wohlfühlbereich in Bezug auf deine Beziehungen aus

Jeder von uns hat bei seinen Beziehungen einen ganz persönlichen Wohlfühlbereich. Er ist immer da, wo wir es bequem haben. Wo uns nichts unterfordert, aber auch nichts richtig fordert. Viele introvertierte Menschen haben Schwierigkeiten damit, ihren Wohlfühlbereich zu kennen. Manch einer unterfordert sich. Sucht stärker die Ruhe, als er sie bräuchte und eigentlich auch möchte. Andere wieder überfordern sich. Sei es, weil das Umfeld es von ihnen erwartet oder weil sie von sich selbst zu viel Aktivität und Geselligkeit erwarten.

Deinen Wohlfühlbereich findest du am besten heraus, indem du experimentierst. Das machst du indem du etwas anders machst als bisher. Zum Beispiel kannst du die Häufigkeit oder Dauer deiner Verabredungen variieren. Wenn du jemand bist, der dazu neigt, über seine Grenzen zu gehen, probiere aus, wie es ist, wenn du deine Kontakte herunterschraubst. Also dich statt dreimal die Woche/im Monat nur einmal in der Woche/im Monat verabredest. Oder Verabredungen nach zwei Stunden zu beenden, wenn sie normalerweise vier oder fünf Stunden dauern.

Wichtig bei einem solchen Experiment ist, dass du sehr bewusst wahrnimmst, was du tust (z.B. dich häufiger oder weniger zu verabreden) und wie sich das anfühlt. Wie geht es dir dabei? Fühlst du dich gestresster? Erschöpfter? Oder ist es womöglich sehr angenehm, deine Freunde häufiger zu sehen?

=> Finde deine ganz persönliche Balance zwischen dem Zuviel und Zuwenig an Verabredungen heraus und optimiere deine sozialen Kontakte. Sodass du genau die Beziehungen hast, die du dir wünschst.

Tipp 15: Versuche dich selbst nochmal neu kennen zu lernen

Introvertierte, die sich schon lange mit ihrer Persönlichkeit auseinandersetzen, kennen sich meist recht gut. Sie wissen: Was brauche ich? Welche Kontakte tun mir in welcher Intensität gut? Wie schaffe ich es, auch mal über meine Grenzen zu gehen, weil es mir einfach wichtig ist, das Klassentreffen zu besuchen, einen Kongress mitzumachen oder auf die Familienfeier zu gehen? Was brauche ich, um meine Energie aufzuladen? Wie lange hält meine Energie unter welchen Bedingungen an?

Je besser man sich kennt, desto leichter fällt es, gute Entscheidungen für sich selbst zu treffen. Sodass man möglichst immer ausreichend Energie hat, um das tun zu können, was einem wichtig ist. Und zwar ohne sich zu über- oder unterfordern.

Oftmals hat man aber auch ein bestimmtes Bild von sich selbst im Kopf. Vielleicht hast du vor Jahren festgestellt, dass es dir guttut, in deiner Freizeit viel alleine zu sein. Und du hast dein Privatleben so eingerichtet. Damit fühlst du dich schon lange wohl. Prima. Manchmal verändert man sich aber auch. Zum Beispiel die Lebensumstände: Ein Jobwechsel auf einen Arbeitsplatz in einem ruhigen Büro kann dazu führen, dass man sich in seiner Freizeit verstärkt nach Kontakt sehnt. Das aber vielleicht erst einmal gar nicht wahrnimmt. Erst nach einem Junggesellenabschied stellt man vielleicht fest: Das war richtig klasse. Ich hab viel mehr Lust auf Menschen als früher.

Es lohnt sich, hellhörig zu sein und immer wieder auch bewusst in sich hineinzuhorchen: Worauf hätte ich vielleicht doch mal Lust? Was könnte mein Leben bereichern? Was könnte ich mal ausprobieren? Wenn du nicht weißt, wie du das kontinuierlich machen kannst, beginne, ein Tagebuch zu führen. Welche Möglichkeiten es da gibt, erfährst du hier in unserem Tagebuch-Kurs.

=> Sei offen für dich selbst. Versuche, dich immer wieder neu kennen zu lernen und möglichst vorurteilsfrei auf deine Gefühle zu achten. 

Tipp 16: Verkrieche dich in Diskussionen nicht, sag, was du zu sagen hast. Dazu brauchst du nicht zum Extro zu werden. 

Viele introvertierte Menschen werden bei Diskussionen sehr ruhig. Sie denken oftmals gründlicher über etwas nach als extrovertierte Menschen, bevor sie sich äußern. Manchmal auch zu lange. Deswegen prüfe, ob du dich mit deinem Verhalten in Diskussionen wohl fühlst. Hast du den Eindruck, du kannst sagen, was du zu sagen hast? Oder fühlt es sich für dich so an, dass du dich zu selten beteiligst? Dann lohnt es sich, dass du dir zwei Dinge bewusst machst.

  1. Du brauchst deine Meinung nicht absolut wasserdicht abzusichern. Du darfst etwas sagen, auch wenn du es nicht bis zum letzten Komma durchdacht hast.
  1. Nur, weil andere lauter, impulsiver und schneller sind, brauchst du dich nicht zu verstecken. Du kannst deine Meinung sagen. Vielleicht machst du beim Sprechen die ein oder andere Pause, weil du erst noch nachdenkst. Womöglich entwickelst du einen Gedanken etwas ausführlicher als andere. Und vielleicht ist die Diskussion schon bei einem anderen Punkt gelandet, wenn du weißt, was du zu sagen hast. Sag, was du zu sagen hast. In deinem Tempo zu deinem Zeitpunkt. Wie das genau geht, erfährst du in dem Buch „Leise Menschen – starke Wirkung“ von Sylvia Löhken.

=> Sage in Diskussionen, was du zu sagen hast. Auf deine Art. Es braucht nicht perfekt zu sein.

Tipp 17: Verliere dich nicht in Details

Du möchtest in Meetings gehört werden? Andere sollen verstehen, was du in einer Diskussion zu sagen hast? Dann sei dir der Unterschiedlichkeit zwischen Introvertierten und Extrovertierten bewusst. Introvertierte Menschen kommen im Allgemeinen gut mit Komplexität zurecht. Sie haben häufig einen Sinn für die Feinheiten und Details bei einer Sache. Das ist eine ihrer Stärken. Extrovertierte Menschen kann dieser Sinn für Komplexität manchmal irritieren. Sie fokussieren sich eher auf das Allerwichtigste. Und verlieren dadurch manchmal leichter den Faden oder schalten ab, wenn du nicht direkt zum zentralen Punkt kommst.

=> Konzentriere dich im Umgang mit extrovertierten Menschen auf das Wesentliche. Komm zum Punkt.

Tipp 18:  Trau dich, tiefsinnig zu sein

Du magst keinen Small-Talk, sondern lieber tiefsinnigere Gespräche? Experimentiere ein wenig und versuche bei Gelegenheiten, bei denen es generell eher um Small-Talk geht, tiefsinnigere Gespräche zu führen. Falle dazu nicht gleich mit der Tür ins Haus, aber trau dich, nach einer Eröffnung über das Wetter oder das Buffet etwas Tiefergehendes anzusprechen. Einige Hinweise dazu findest du in dem Beitrag “Wenn Schubladendenken klemmt”.

=> Dir ist es wichtig, tiefsinnige Gespräche zu führen? Dann trau dich, den Anfang zu machen. Auch in Situationen, wo man es vielleicht nicht unbedingt von dir erwartet.

Tipp 19: Verschaffe dir Gehör – nutze deine Stimme

Introvertierte Menschen neigen dazu, leise zu sprechen. Nicht alle, aber für eine ganze Reihe ist es (manchmal) ein Problem. Das kann auch vom Umfeld abhängen. Mit dem Partner sprichst du laut und gut verständlich. Aber im Kollegenkreis wunderst du dich vielleicht, wieso du manchmal nicht wahrgenommen wirst. Experimentiere mit deiner Stimme. Probiere aus, lauter zu sprechen. Oder frage dir vertraute Menschen: Wie nimmst du meine Stimme wahr? Wie würdest du es empfinden, wenn ich lauter sprechen würde?

=> Werde dir deiner Stimme bewusst und setze sie bewusst so ein, dass du gehört wirst.

Und nun?

Hast du den ein oder anderen Tipp entdeckt, der für dich passt? Gab es Punkte, bei denen du gedacht hast? Interessanter Gedanke. Das könnte ich mal ausprobieren.

Such dir ein, zwei oder auch drei Tipps raus und versuche sie in nächster Zeit anzuwenden. Vielleicht musst du dich dazu ein bisschen mit dir auseinander setzen. Aber, wenn du ein Introvertierter bist, wird dir das sicher nicht all zu schwer fallen.

Und falls du als Extrovertierter diesen Text gelesen hast, verstehst du jetzt vielleicht ein bisschen besser, wieso dir deine introvertierte Freundin oder dein Partner etwas merkwürdig vorkommen. Ihr seid einfach nur verschieden.

Und mit ein wenig gegenseitigem Verständnis, können beide Seiten, die Intros und die Extros sich gegenseitig durch ihre Eigenarten bereichern.

Literatur: 

Cain, Susann: Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt. München: Riemann-Verlag, 2011

Löhken, Sylvia: Leise Menschen – starke Wirkung. Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden. Offenbach: Gabel-Verlag, 2012

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Kommentare

  • Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich habe eben erkannt, dass ich mich bisher für eine introvertierte Person gehalten habe, nur eigentlich beides bin.
    Der im Text verlinkte Test weist mich als klaren Zentro aus.

    Viele Kommentare hier sprechen von einem Gegeneinander, von einem entweder oder.
    Ich wusste bisher, dass meine tendenzielle Introversion so einige schmerzhafte Erfahrungen erklärt, wie beispielsweise in Tipp 7 beschrieben.
    Gerade erkenne ich, dass ich aus Angst davor, nicht genug zu sein für meine Umwelt, meine extravertierten Aspekte früher unterdrückt habe und in den letzten Jahren stark kultiviere.

    Vielleicht geht es noch mehr Menschen so: Wir wachsen in gewisse Konditionen hinein, unterdrücken manche Teile, überhöhen andere.
    Wirklich authentisch ist es dann doch, all unsere Facetten zu entfalten. Introvertiert und extravertiert – zwei Seiten der selben Medaille. Wir erweitern unser Verständnis von uns selbst so weit, bis wir beide scheinbar widersprüchlichen Aspekte als komplementär vereinen.
    Niemand bräuchte sich dann entscheiden. Wir könnten immer beides sein, je nach momentaner Ausprägung.
    Diese Hypothese finde ich gerade spannend.
    Ist das eine Möglichkeit für andere hier?

    Grüße von Herzen
    Katharina

  • Als Introvertierte, die ich meines Erachtens nach bin, beneidete ich oft die “Extrovertierten” und wollte einfach so sein wie sie. Es funktionierte aber nur bedingt und mittlerweile weiß ich, dass Introversion sehr viele positive Seiten hat und dies von Mitmenschen geschätzt wird. Ich stimme vielen Sachen in diesem Artikel zu und finde, dass Introversion gut erklärt wird. Aber irgendwie ärgert es mich auch (ob ich meine Introversion doch noch nicht akzeptiert habe;-)?), dass es wahrscheinlich niemals Tipps für Extrovertierte geben würde. Es scheint, der vermeintlich “bessere” oder gesellschaftlich anerkanntere Charaktertyp zu sein. Und klar, es gibt ja noch viele Zwischentypen. Als ein Problem ist es wohl nur anzusehen, wenn derjenige selbst es so empfindet. Liebe Grüße Lydia

  • Hallo,

    Vielen Dank für diesen nützlichen Artikel, der mir hilft, mich selbst besser zu verstehen und gut mit mir umzugehen.

    Liebe Grüße
    Petra

  • Hallo,

    ich selbst changiere zwischen den beiden Polen und finde bei Anteile wichtig. Leider kommt es häufig vor – und eben auch in diesem Artikel -, dass die Extraversion als Normalfall dargestellt wird. Das stört mich, da es sich – auch wenn die Tipps bestimmt nett und ehrlich gemeint sind – immer wie eine “großzügig Hilfestellung mit dieser Sachlage zurecht zu kommen” anfühlt. Das ist nicht angenehm.

    Ich bezweifle ehrlich gesagt auch, dass es mehr Extravertierte als Introvertierte Personen gibt. Worauf basiert diese Aussage? Welche Studien gibt es dazu?

    Danke trotzdem für den Artikel
    und liebe Grüße,
    Christa

  • Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht über die Reaktionen zu diesem Beitrag. Sie scheinen mir sehr emotional geladen und subjektiv empfunden heftig. Dies kann ich gerade überhaupt nicht nachempfinden…

    Ich finde den Beitrag als sehr gelungen und erkenntnisreich. Wie kommt es, dass solche Reaktionen entstehen? Es wird unter anderem “vorgeworfen”, dass es die Empfehlung eines Extravertierten sei, wie die Introvertierten “normal” werden können… Das sehe ich überhaupt nicht so. Die Einfühlsamkeit zeigt für mich deutlich, dass der Autor ganz genau weiß, worüber er schreibt und das nicht aus der Literatur, sondern aus dem eigenem Leben. Und mir kommt es überhaupt nicht vor, als würde hier Introvertiertheit als Manko angepriesen, als Schwäche oder sonstwas. Das musste jetzt geschrieben werden…

    Aber zurück zu dem Beitrag. Als introvertierter Mensch habe ich recht früh festgestellt, dass ich schon etwas anders ticke, wie die anderen. Schon als Kind habe ich lieber Ameisen beobachtet als mit den anderen Kindern rumzutoben. Als Teenager wurde es noch ein Tick komplizierter und als erwachsener Mensch frage ich mich manchmal schon, ob ich durch meine Art nicht ein einsames Leben verschulde und im Alter völlig kontaktlos sein werde. Bin ich so sonderbar in meinen Gedanken? Ich dachte irgendwie, dass so gut wie jeder, der sich als etwas sagen wir “speziell” wahrnimmt auch ein Gramm an Selbstunsicherheit entwickelt, einen Hauch Zweifen, dass mit ihm was nicht stimmen könnte. Anscheinend war meine Annahme recht naiv…

    Stattdessen aber mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, sie als laut, teilweise unverschämt, schlechte Zuhörer oder sonstwas zu titulieren scheint mir echt weit verfehlt und ehrlich gesagt zweifle ich jetzt langsam an die Reflektiertheit der Schreibenden… Aber ich bin nicht hier, um über die anderen zu urtielen, also vielen Dank für den tollen Beitrag.

    Achtungsvoll,
    Gabriella

    • Ysanne schreibt am 21. Februar 2016

      @gabriella: Ich kann nachvollziehen, was Sie gemeint haben könnten. Leider verstehe ich dieses “Nicht-Urteilen” nicht als nichturteilend.
      Der Beitrag von Nicole Alps habe ich nicht als vorwurfsvoll verstanden, auch nicht die verschiedenen Kommentare dazu.
      Die Tipps, die darin aufgeführt sind, gelten meiner Meinung nach nicht nur für Menschen mit ausgeprägt introvertierten Persönlichkeitszügen, sondern auch für Menschen mit extrovertierten Zügen. Bis auf einige wenige Abschnitte sind sie für jeden anwendbar, egal ob intro, zentro, extro oder halt unentschieden.
      Da der Artikel durch die Überschrift sich eher an Introvertierte richtet, sind die Tipps ja eher für diesen Typ Mensch gedacht.
      Vielleicht wäre ein Artikel für beide Persönlichkeitstendenzen weniger polarisierend?
      Ich denke, dass diese Tipps für beide gut brauchbar wären.

  • Nach der Einleitung habe ich *konkrete* Tipps erwartet, also “Plane für jeden Tag eine kurze ‘Schnecke-im-Haus’-Erholungszeit ein, während der Du Deine Lieblingsmusik hörst, das Wetter auf der Haut spürst – kurz Kontakt mit den Elementen aufnimmst.”
    Leider sind es undifferenzierte Tipps, die fast immer auch für Extrovertierte gelten oder gelten könnten.

    Um das Thema auf die Spitze zu treiben: Für mich sind die Extrovertierten die “Anderen”, die “Fremden”. Sie sind die Straßenwalzen ohne Benimm und Verstand und müssen sich an die “richtige” Welt anpassen. Die brauchen die Tipps, um sich korrekt und erwachsen zu verhalten.
    ….

    • Ysanne schreibt am 21. Februar 2016

      Ergänzung:
      Die letzte Zeile meines Kommentars wurde leider abgeschnitten.
      Sie lautete:
      “Ende Ironie!”

  • Hallo, Vielen Dank – für diesen SUPER-Beitrag.
    Habe eine Frage:
    Gibt es auch den Mischtypen???
    Finde mich in beiden benannten Typen wieder….Mit Bestimmtheit, ist mir bewusst, daß ich eine HYPER-SENSIBLE Person bin- bzw. ordne mich vermehrt der Introvertiertheit zu…Ziehe mich zwar gerne zurück- trotzdem, möchte alledem ein ABER hinterher setzen, wie
    eine gute Unterhaltung/ oder das gute Gespräch sind mir wichtig…Besuche gerne
    Vorträge usw. Falls es sowas wie einen Mischtypen gibt, so wünsche ich mir, vom Forum – mehr darüber zu erfahren…
    Einen schönen Sonntag
    Anne-Marie

  • Bravo Ruth, sehr treffender Kommentar!
    Eigentlich brauchen die Extravertierten Nachhilfe in Sachen Zuhörenkönnen und Geduld, und erst mal tief durchatmen, bevor es aus mir heraus platzt.

    Und ja: Es heißt immer noch extravertiert und Extraversion!
    Irrtümer haben nun mal nicht die inhärente Eigenschaft, durch ständige Wiederholung an Wahrheit gewinnen zu können. :-)

  • Hallo zusammen,
    Ich finde die Tipps gut, obwohl ich sie größtenteils natürlich auch schon kenne. Ich fühle mich sehr oft anders und in beim Lesen darüber, dass ich gut so bin, wie ich bin, immer ganz erleichtert, eben weil ich immer noch mit dem Anderssein hadere und häufig so sein will wie andere. Gerade steht die Entscheidung an, mit acht Personen eine Gruppenreise zu machen, in der ich kein Einzelzimmer haben kann, und da kommen alle diese alten Kommentare (in meinem Kopf) wieder hoch wie “Prinzessin auf der Erbse”, “stell dich nicht so an”, “lass doch die Dinge mal auf dich zukommen” usw., weil ich Angst habe, mich mit dieser Situation zu überfordern… Deswegen kam der Artikel gerade richtig! Lieben Gruß

  • Hallo liebes Zeit zu Leben-Team,

    zuerst vielen Dank für Eure interessanten Beiträge, die ich jeden Sonntag gerne lese. Der heutige Beitrag zum Introvertiertsein regt mich allerdings heftig auf, vor allem empfinde ich es als Anmaßung, zu meinen, man müsste Introvertierten Rat geben, wie sie andere sein könnten , bzw. ihnen Mut zu machen, so zu ein wie sie sind. Das kann sich nur ein extrem Extravertierter ausgedacht haben. der meint, alle sollten so sein wie er. Manche denken sogar, Introvertierte könnten glücklicher sein, wenn sie mehr aus sich rausgehen. Dabei sind Introvertierte generell nicht unglücklich, im Gegenteil, sie haben oft einen inneren Schatz, den Extravertierte vielleicht nicht vermissen, weil sie ihn nicht kennen.
    Bitte, entschuldigt, wenn ich hier so emotional reagiere. Das kann also auch ein Introvertierter :-)
    Noch einmal möchte ich betonen, alle Tipps sind völlig unnötig, ja sogar diskriminierend, denn das macht ein Introvertierter bereits und fühlt sich wohl dabei. (Ganz schlimm: Tipp 11)
    Zu mir selbst möchte ich noch anfügen, dass ich von meiner Außenwelt als extravertierte Person wahrgenommen werde, da es für einen Introvertierten durchaus machbar ist, als extravertiert aufzutreten, um seine Ziele zu erreichen. Wir sind ja nicht “unterbelichtet”.
    Mein Buchtipp für alle Leser wäre: SUSAN CAIN: ” STILL” – Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt.
    Ich gehe allerdings davon aus, dass dieses Buch (fast) ausschließlich von Introvertierten gelesen wird :-)
    Hier noch ein geflügeltes Wort, das von mir etwas abgemildert wurde:

    “Extravertiertheit tritt vor um gesehen zu werden –
    Introvertiertheit tritt zurück um zu sehen”!

    Zum Schluss und zur Versöhnung: Ich wollte keinen Vergleich anstellen, was besser oder schlechter ist, Ich selbst schätze meine extravertierten Freunde und Kollegen/innen. Wir brauchen beides und profitieren voneinander, auch wenn wir uns gegenseitig immer wieder gehörig auf den Geist gehen.

    Schöne Grüße
    Ruth

  • Hallo,

    zu Punkt 11 passt für mich noch gut der Punkt:

    Vergiss das mit dem “Hätte ich doch……”
    Es war eine sehr lange Zeit so, dass ich mich über mich selbst ärgerte nach der nächsten “verpassten Chance” mit jemandem interessanten zu sprechen. Schon wieder nix gesagt und sich nicht “getraut”

    Hinterher dann 50 Möglichkeiten wälzen wie man hätte ins Gespräch kommen können. Dann aber doch wieder nur zugehört und weg gegangen.

    Das alles ergibt keinen Sinn und belastet nur. Ich lerne noch immer, dass es einfach okay ist, dass ich exakt genau so mache wie ich es mache.

    Gruss
    Markus

  • Ich bin introvertiert, das heißt, ich fühle mich alleine wohl, bin eher ruhig, muss mich nicht vor anderen beweisen oder aufspielen.
    Das heißt aber nicht, dass ich nicht auf andere zugehen kann, schüchtern bin, mich nicht traue aufzufallen oder anders zu sein und nicht mit fremden Menschen kommunizieren kann.

    Das musste ich erst lernen, aber es war eine sehr wertvolle Lektion. :)

    Liebe Grüße,
    Ronja

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