Kirschen in Nachbars Garten

„Mit Frank ist es manchmal richtig langweilig. Was ich mal an dem gefunden habe? Manchmal weiß ich das gar nicht.“ Alexa stützte ihren Kopf in die Hände, sah zu ihrer Freundin: „War es das schon? Wäre ich mit einem anderen glücklicher? Muss da nicht noch mehr drin sein?“

Katja seufzte und sah ihre jammernde Freundin an. Seit Wochen ging das so: Alexa jammerte und jammerte. Kaum jemand kannte Alexa besser als sie. Und sie wusste, wenn Alexa sich erst mal eingeschossen hatte, dann konnte man nichts mehr richtig machen. Womöglich hatte Frank schon verloren. Hoffentlich war es noch nicht zu spät. So konnte es jedenfalls nicht weitergehen.

Katja lächelte: „Du, ich hab da eine Idee.“ Alexa sah sie fragend an.

Katja rührte ihren Kaffee: „Ich weiß da jemanden, der total gut zu dir passen würde. Er interessiert sich für Fotografie, genau wie du. Reist gerne. Mag klassische Musik und überhaupt. Ihr habt total viele Gemeinsamkeiten, den gleichen Humor. Ich glaube, ihr könntet euch echt gut verstehen, jedenfalls, wenn du ihm eine Chance geben würdest.“

Kleinlaut senkte Alexa den Kopf: „Ach, ich weiß nicht. Das ist ja auch nicht ganz fair Frank gegenüber.“

„Ne, das stimmt.“ Heftig setzte Katja die Tasse ab. „Fair ist aber auch nicht, wenn du nur über Frank jammerst und dich keinen Schritt vorwärtsbewegen willst.“

Alexa schaute etwas erschrocken und auch ein wenig zerknirscht. So kannte sie Katja nicht. Irritiert betrachtete sie die Freundin, die unvermittelt ihr Handy nahm und darauf herumtippte.

Lächelnd sah sie auf: „Hab dir ein Foto geschickt. Er ist wirklich ein toller Kerl und wenn du dem keine echte Chance gibst, wirst du das später, glaube ich, ganz schön bereuen.“

Alexa runzelte die Stirn, sah auf ihr Handy und da war das Bild. Sie stutzte. Bevor sie etwas sagen konnte, griff Katja ihr Handgelenk: „Du bist verrückt, wenn du das nicht versuchst hinzubekommen. Er ist ein wirklich toller Mann.“

Alexa blickte auf ihr Handy: Ja, er gefiel ihr und es stimmte. Wenn Sie diesem Mann keine echte Chance geben würde, würde sie sich ewig ärgern. Da hatte Katja recht. Frank. Seine Augen, sein Lächeln.

Alexa sah auf: „Hoffentlich ist es noch nicht zu spät.“

Katja ließ ihre Hand los: „Hoffentlich. Denn manchmal wachsen die besten Kirschen doch im eigenen Garten.“

„Ja, und manchmal braucht man eine Freundin, die es einem sagt.“

– geschrieben von Nicole Alps

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Kommentare

  • Ob wit uns mit Frank oder Alexa identifizieren, die Angst vor dem ‘ großen Fehler ‘ kennen wir wohl alles. Aber wie sieht es aus mit dem anderen großen Fehler nämlich in einer Beziehung auszuharren, die zur Sackgasse geworden. Langzeit- beziehungen sind komplex wie das Wetter und persönliches Wachstum läuft nur selten synchron. Offene, rechtzeitige, ehrliche Gespräche miteinader führen bevor die innere Distanz zu groß geworden ist will geübt sein. Jede langzeitige Zweierbeziehung, egal wie gut sie auch ist, durchläuft Phasen von Wachstum und Krise. Der Psychologe David Schnarsch, der viel zu diesem Thema geschrieben hat, vergleicht die Zweierbeziehung mit einer Art Kessel, in dem es ganz schön heiß hergehen kann. Nicht jeder gemeinsam geschaffene Kessel ist stark genug gefertigt und gut genug gepflegt und kesselflicken kann längst nicht jeder, läßt sich aber erlernen und ist natürlich viel einfacher, wenn die Löcher noch klein sind. Und nochmals, das beste ‘Werkzeug’ dazu ist und bleibt das frühzeitige Gespräch.
    Cheers
    Elmar

    • Hartmut schreibt am 19. März 2015

      Elmar, diesen Beitrag muss ich kommentieren. Ehrliche Gespräche können auf vielerlei Weise geführt werden, habe ich früher auch viel getan, aber leider nur meine eigene (=egoistische) Ehrlichkeit gesehen. Wirklich konstrukiv sind in meinen Augen Zwiegespräche, die man praktisch erlernen muss. Es geht recht schnell, ist nicht kompliziert, aber nur diese beruhen auf Ehrlichkeit, Respekt und Kompetenz für beide Seiten. Daraus entsteht Basis, Basis die für jeden der Beteiligten ehrlich ist, nicht weh tut und hilft. Und was das Schönste ist: du bist wieder im Leben, im Lieben, im Dasein, bei DIR! Das ist das alles Entscheidende, die Authenzität. Dein ICH und das DU des anderen, ihr habt einen Weg gefunden, der euch wirklich friedlich respektvoll zusammen ein Stück des Lebens gehen lässt.
      Das Zwiegespräch-Erlernen gehört heute in den Schulunterricht, weil es gibt nichts wichtigeres im Leben, es hilft in Krisen, im Alltag, immer. Wenn eine Beziehung gestört ist, wird es durch Zwiegespräche folgende Lösungen geben: Erkenntnisse, Zusammenkommen, Auseinandergehen im friedlichen Sinne, Einsichten. Keiner fühlt sich gedemütigt, verlassen, verraten, hegt Eifersuchtsgebarden. Das sollte gelehrt werden, weil hier wirkliche Hilfe geboten wird, für beide Seiten, einfach und gut.

  • Danke Nicole für diese Geschichte,
    ja,was man mit “um die Ecke denken”
    und Humor alles bewirken kann !

  • Ich finde diesen Text sehr gelungen.
    Machmal ist es erforderlich seinen “geglaubten” Wünschen Raum zu geben um so den Blick klarer werden zu lassen.
    Z.B. wünsche ich mir den Mann der Nachbarin…dann lasse ich es gern in der Fantasie (Hypnose) ausleben. Erstaunliche Erkenntnisse zeigen sich dannach.
    Für mich persönlich ist die “Freundin” sehr angenehm. Und ich bin glücklich solche auch an meiner Seite zu wissen.

  • Danke Sarah für den Spruch Deiner Mutter – ich nehme an, dass ich ihn für meine “Leute” verwenden darf. Ich werde oft konsultiert, wenn es bei Ehepaaren nicht mehr stimmig zu sein scheint.
    Es ist so wichtig, dass man sich darüber im klaren ist, dass jeder an einer Beziehung zu arbeiten hat, jeder auf seine Weise – manchmal mehr oder weniger. Besonders wenn eine Beziehung gut eingespielt ist, man vermeint den anderen gut zu kennen – kommt da nicht oft Frust und Langeweile auf ? Lust auf was Neues – spannenderes ? Da ist wirklich eine gute Freundin angesagt. Doch manchmal kann die gute Freundin auch an der Negativ-Spirale drehen, auf den Partner schimpfen und ihn schlecht machen. Und dann ? Darum ist es wichtig genau hinzusehen und zu hören, bevor man eine sogenannte “gute” Freundin zu Rate zieht, um einen anderen Blickwinkel zu erhalten. Denn Ratschläge – in diesem Wort ist das Wort “Schläge” enthalten können auch kontraproduktiv sein. Für mich ist die Geschichte nicht gerade “aus dem Leben” geschrieben.

  • Mich erinnert die Geschichte an einen Spruch meiner Mutter:
    Eine Freundin ist jemand, der dich an das Lied deiner Seele erinnert, wenn du es vergessen hast.
    Danke Nicole für die Geschichte

  • Ich finde die Geschichte super aber sie macht mich auch sehr traurig. Wünschte ich hätte diese Freundin gehabt, oder vielleicht habe ich die gutgemeinten Ratschläge dieser nicht sehen wollen. Vielleicht werde ich mich ewig ärgern, dass ich “Frank” keine echte Chance gegeben habe, doch ich befürchte dass es dafür zu spät ist.

  • Gratulation Nicole!!
    Eine sehr ernste Angelegenheit mit Humor vermittelt. Zwei Begriffe die auch dazupassen:”Betriebsblindheit” und “Erwartungshaltung”
    Noch einen schönen Sonntag!

  • …. wo kann man diese Freundin bestellen ???
    herzliche Grüße
    Otto

    • Heike schreibt am 9. April 2015

      :-)

  • Eine tolle, nachdenkliche Geschichte.
    Wohl dem, der eine solche Freundin hat.

  • Na nu ! In Nicole versteckt sich eine Schriftstellerin ! ? !Gratulation ! Echt überraschende Schluss, regt an zu nachdenken , sehr gut formuliert, mir gefällt.

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