Eine schöne Lebensphase positiv verabschieden

Eine Lebensphase verabschieden

Abschied nehmen zu müssen von einer schönen Lebensphase, das ist ja etwas, was jedem von uns irgendwann bevorsteht.

Sei es das Ende der Studienzeit, das Ende der Junggesellenzeit, der Umzug in eine neue Stadt, ein neuer Job oder auch der Auszug der Kinder …

Das ist natürlich nicht das Gleiche, wie sich von einer geliebten Person zu verabschieden. Wenn das dein Thema ist, dann bist du eher hier richtig: Mit der Trauer leben.

Doch trotzdem kann das Ende einer schönen Lebensphase weh tun und dich irgendwie nostalgisch und traurig machen. Weil du etwas Gutes hinter dir lassen musst. Weil etwas sehr Schönes zu Ende geht.

Wenn du solche Gefühle kennst, fragst du dich vielleicht auch: Was kann ich machen, damit ich nicht nur der Vergangenheit nachtrauere, sondern auch positiv nach vorn blicken kann?

Wie schaffst du es, dieses bevorstehende Ende zu akzeptieren, loszulassen und weiterzuziehen?

Ich habe mich das selbst schon oft gefragt.

Ich finde, Hermann Hesse hat es in seinem Gedicht „Stufen“ so schön ausgedrückt wie kein anderer:

„Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

…“

Bereit zum Abschied sein und zum Neubeginne …

Ja, wie bekommen wir das bloß hin?

Bewusstsein

Am Anfang steht ganz simpel das Bewusstsein. Nur wenn du ab und an mal von oben auf dein eigenes Leben blickst, erkennst du: „Hier tut sich gerade etwas, da steht mir ein Umbruch bevor.“ Nur dann erkennst du den „Lebensruf“, wie Hermann Hesse es umschreibt.

Das ist im Alltag sicher nicht immer so ganz leicht. Aber es ist die Grundvoraussetzung, damit du eine Lebensphase bewusst und positiv verabschieden kannst.

Denn erst, wenn dir bewusst ist, dass hier jetzt gerade etwas zu Ende geht, kannst du damit überhaupt deinen eigenen Umgang finden.

Bewusstsein bedeutet übrigens auch, es nicht einfach wieder zu verdrängen, nachdem ich es erkannt habe. Sondern der Tatsache ins Auge zu sehen, dass dir der Abschied bevorsteht. Auch wenn es schmerzt.

Verdrängen ist sicherlich die einfachere Variante.

Aber es gibt da auch noch bessere Möglichkeiten.

Wer bin ich? Was kann ich? Was will ich?

Das herauszufinden ist schwer. Aber machbar. Und wenn du es herausgefunden hast, wirst du den Unterschied merken. Jeden Tag.

Finde Dinge über dich heraus, die du nicht geahnt hast: Mit dem Selbstlernprogramm: Finde deinen Kompass.

Annehmen

Annehmen … tja, das hörst du jetzt wahrscheinlich nicht so gerne. Vielleicht rollst du auch grad mit den Augen, weil es so sehr nach einer viel zu oft gehörten Floskel klingt.

Es annehmen, das geht dir womöglich erstmal gegen den Strich. Und weißt du was? Das ist auch vollkommen richtig so. Denn annehmen, das klingt immer so endgültig. So, als hätten wir keine andere Wahl. Ist ja logisch, dass wir das erstmal unangenehm finden, wenn uns jemand mit „du musst das annehmen“ daherkommt.

Trotzdem: Deine jetzige Situation und die Gefühle drum herum annehmen, das ist die Voraussetzung, um einen positiven Umgang damit zu finden. Ansonsten gehst du nämlich direkt in die Abwehrreaktion und drückst es einfach weg.

Annehmen, das bedeutet bildlich gesprochen, dass du dem, was dir da gegenübersteht, erstmal eine offene Umarmung gibst.

Das heißt nicht, dass du es magst. Sondern, dass du es wahrnimmst und erstmal willkommen heißt.

Annehmen bedeutet, deinem Schmerz und deiner Trauer „Hallo“ zu sagen. Sie dir selbst einzugestehen. Ihr zu erlauben, dass sie da ist. Und dir zu erlauben, sie zu erleben.

Das ist für viele von uns sicherlich genau das Gegenteil von dem, was wir im ersten Moment am liebsten wollen.

Wir alle möchten Schmerz ja am liebsten vermeiden.

Aber da ist es nun mal, dieses Gefühl. Dieser „ungebetene Gast“. Er wird immer wieder anklopfen, egal wie oft du ihn wegschickst.

Dabei bringt dir dieser ungebetene Gast ein tolles Geschenk mit. Ein Geschenk fürs Leben. Denn wenn du dich traust, den Raum der Trauer und des Schmerzes mit ihm zu durchschreiten, wirst du hinterher belohnt: mit Freude, mit Dankbarkeit und mit Intensität.

Alles Dinge, von denen du dich abschneidest, wenn du versuchst, unangenehme Gefühle zu vermeiden.

Bewusst genießen

Das Annehmen ist schon schwer, keine Frage.

Aber wenn du dir dessen bewusst bist, dass eine schöne Lebensphase gerade zu Ende geht, dann gibt es eine Sache, die du ab jetzt auf jeden Fall noch tun solltest:

Ganz bewusst genießen!

Dein Studentenleben geht zu Ende? Mach die Nächte durch! Nimm jede Party mit :-)

Dein Jobwechsel steht kurz bevor? Klön nochmal ganz ausgiebig mit deinen Kollegen in der Küche. Mach auf deinem Arbeitsweg nochmal kurz Pause an den Orten, an denen du jahrelang vorbeigegangen bist, aber nie Zeit hattest, um mal innezuhalten.

Das jüngste Kind zieht bald aus? Esst nochmal gemeinsam zu Mittag, so wie früher immer. Verbringt gemeinsam Zeit in eurem Zuhause.

Saug das alles auf. Genieß es ganz bewusst.

Es ist o. k., wenn du dabei wehmütig bist. Das gehört dazu. Das wird es zu einem ganz besonderen Moment für dich machen.

Die Erinnerungen konservieren

Seit vielen Jahren schon schreibe ich Tagebuch. Und natürlich schreibe ich darin hauptsächlich über die Sachen, die mich gerade bewegen.

So ein Tagebuch ist perfekt dafür geeignet, bestimmte Erinnerungen lebendig zu halten.

Wenn ich Jahre später nochmal darin lese, dann kann ich mich immer super gut darin zurückversetzen, wie es war und wie ich mich gefühlt habe.

Das tröstet mich irgendwie immer. Denn dadurch habe ich das Gefühl, dass dieser Abschnitt meines Lebens nicht einfach passé und „gelöscht“ ist. Sondern für immer aufgezeichnet und für mich quasi jederzeit wieder abrufbar. Wenn auch nur in meiner Erinnerung.

Tagebuch schreiben, das ist für mich eine wunderbare Methode, um meine liebsten Erinnerungen zu konservieren.

Noch spannender finde ich dafür gerade sogar Kurzgeschichten. Also Geschichten, die ich selbst schreibe und in denen ich einfach eine bestimmte Episode aus meinem eigenen Leben festhalte.

Damit experimentiere ich gerade rum und ich habe das Gefühl, ich kann damit bestimmte Erinnerungen noch treffender beschreiben und sie besser für mich erhalten.

Ich schildere in diesen Geschichten einfach nur ein bestimmtes Erlebnis aus der Perspektive eines Beobachters. Beschreibe dabei aber trotzdem, was ich dabei gefühlt habe.

Das macht echt Spaß und ist definitiv mal einen Versuch wert, wenn du gern schreibst ;-)

Dankbarkeit

Auch wenn etwas Schönes gerade zu Ende geht … du darfst trotzdem dankbar sein, dass du es überhaupt erleben durftest. Denn selbstverständlich ist es nicht.

Mach dir also ruhig mal bewusst, was genau an dieser Lebensphase für dich so schön war, und halte es irgendwie für dich fest.

Dankbar sein zu können, das ist die ganz hohe Lebenskunst. Denn wenn du dankbar sein kannst für die tolle Zeit, die du gerade hattest, dann schenkt dir das Glück und inneren Frieden.

Dankbar zu sein, das ist gewissermaßen wie eine Liebeserklärung an das Leben.

Aber es ist nicht immer so ganz einfach mit der Dankbarkeit … Vor allem wegen dieser einen Frage, die sich jedem von uns am Ende einer schönen Lebensphase stellt … Der Elefant, der noch im Raum ist und den wir bisher noch nicht angesprochen haben:

Was kommt danach?

Herbst oder Frühling?

Wenn etwas Schönes zu Ende geht, sind wir oft nicht nur traurig, sondern auch noch verunsichert. Denn wir wissen ja nicht: Wird es jemals wieder so schön, wie es war?

Abschied zu nehmen, fühlt sich an wie der Herbst. Irgendwie schön, aber auch voller Wehmut.

Aber wer von uns kann schon mit Gewissheit sagen, dass diese schöne Lebensphase gerade wirklich der Sommer war? Und nicht etwas noch Besseres folgt?

Vielleicht befindest du dich ja gar nicht im Herbst … Sondern erst im Frühling. Und jetzt erst kommt der Sommer … Wer weiß das schon? Keiner von uns kann die Zukunft voraussehen.

Und selbst wenn es doch ein Herbst sein sollte, mach dir klar: Dein Leben besteht aus Rhythmen. Das ist normal und gut so. Es kann nicht immer Sommer sein und keiner von uns kann immer nur glücklich sein.

Sicher ist: Nach jedem Herbst kommt irgendwann auch wieder ein Frühling.

Alles fließt

„Panta rhei“, das sagte vor langer, langer Zeit schon der griechische Philosoph Heraklit. Übersetzt bedeutet das „alles fließt“. Eine Kurzformel für Heraklits Lehre, deren Kernaussage war: „Alles bewegt sich fort und nichts bleibt.“

Eine Binsenweisheit, ich weiß.

Schmerzhaft für uns alle, ganz bestimmt.

Aber trotzdem lohnt es sich, dir das immer wieder bewusst zu machen.

Denn wenn es eine Sache gibt, die das Leben uns lehrt, dann diese: Alles fließt, nichts bleibt.

Und deine Aufgabe dabei ist es, zu lernen, loszulassen.

Keine Frage: Schöne Lebensphasen und die Erinnerungen daran sind etwas Wunderbares. Aber versuch besser nicht, allzu lang daran festzuhalten. Denn das kostet dich etwas sehr viel Wertvolleres: den jetzigen Moment.

Um es mit Hermann Hesse zu sagen:

Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,

Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“

PS: Noch ein kleiner Songtipp für alle, die gerade eine schöne Lebensphase positiv verabschieden möchten: Johannes Oerding mit „Hundert Leben“ ;-)

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Kommentare

  • Mein kleines Baby ist letztes Jahr 18 geworden. Das war für mich schon ein Jahr vorher mit ganz viel Traurigkeit verbunden und ich wusste gar nicht was mit mir passiert. Mir liefen damals, nur bei dem Gedanken daran, die Tränen. Ich musste es so annehmen und durchleben und habe mich aber auch auf die Zukunft ohne Kinder und mit späteren Enkeln freuen können. Nach ca. einem 3/4 Jahr wurde es besser. Schöne Artikel. Auch die Idee mit den Kurzgeschichten ist super. Vielen Dank.

  • Vielen lieben Dank für diesen tollen Beitrag.
    Gerade das Thema Dankbarkeit ist mir sofort ins Auge gesprungen. Ganz ganz toll. Und das hilft mir sehr.
    Denn das ist doch die Basis für alles.

  • Sehr schöner Beitrag, passt perfekt zu meiner jetzigen Situation. Gerade muss ich etwas beenden, was mir über viele Jahre Herausforderungen, Anregungen und schöne Momente gegeben hat. Das ist schon mit Trauer verbunden. Da passt es gut, u.a. über Aspekte von Öffnung,”Frühling” und Dankbarkeit zu lesen. Mein Strandspaziergang gleich wird mit Gedanken dieser Art angereichert sein.

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