Mein Weg ins Paradies

Eigentlich bin ich alles andere als ein Abenteuer-Typ, ich sehe mich eigentlich mehr ruhiger, introvertiert, ziehe mich gern zurück. Und wenn Entscheidungen anstehen, überlege ich lange, was ich tun soll. Ich musste mir auch schon anhören, dass ich so ein richtiger „Buchhalter-Typ“ sei. Wie auch immer, ich habe mir gewünscht, anders zu sein, doch inzwischen habe ich mich so akzeptiert, wie ich bin.

Trotz aller Zurückhaltung waren da schon immer diese Träume bzw. Ziele in mir, was ich gerne erleben würde. Ich denke, jeder von uns hat Träume, doch ich habe für mich entschieden, dass es nicht reicht, Träume zu haben. Ich – und nur ich – kann bzw. muss etwas dafür tun, um sie zu erreichen und zu verwirklichen. Das Kuriose war, dass gerade ein Job im Finanzwesen einer großen Firma mir das ermöglichte. – So machte ich einen Motorrad-Führerschein, kaufte mir ein Motorrad und traf Leute, mit denen ich wunderschöne Touren unternommen habe. An einem kalten Apriltag an der Ostsee bestand ich meinen Tauchschein und unternahm interessante Reisen, bei denen ich über und unter Wasser unzählige Eindrücke sammelte.

Nach so vielen erreichten Zielen sollte ich eigentlich glücklich und zufrieden sein. Doch aus einem nicht zu erklärenden Grund blieb noch dieser Traum, auszuwandern und im Ausland zu leben. Diesen Wunsch hatte ich schon als Kind. Ich fragte mich, ob es vielleicht nur eine Flucht vor schwierigen Situationen sei, denn da trat dieses Gefühl am häufigsten auf. Also immer dann, wenn ich das Gefühl hatte, in einer Sackgasse zu sein. Ich erzählte meinen Freunden und Bekannten von meinem Wunsch und hatte eher den Eindruck, von ihnen belächelt zu werden.

Im Laufe der Zeit kamen immer wieder Zweifel auf, denn ich hatte doch alles, Freunde, einen Job, ein Auto und Motorrad und, und, und. Ich sagte mir: „Ich muss ja auch nicht alle Träume verwirklichen, denn Bürokaufleute werden nicht wirklich weltweit gesucht. Also dann eben auf die Urlaube freuen.“ Doch der Traum blieb. Und so dachte ich mir: „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg und vielleicht kann ich ja auch erst einmal mit einem kleineren Schritt beginnen.“ Ich nahm mir 3 Monate unbezahlten Urlaub und fand eine Tauchbasis in Ägypten, bei der ich als Divemaster, also Tauchlehrerassistent, arbeiten konnte. Danach hatte ich Blut geleckt, doch es vergingen noch viele Jahre, bis ich mich aufraffen konnte, meinen Job zu kündigen, die Wohnung aufzulösen und loszuziehen. In dieser Zeit führte ich meine Tauchausbildung weiter bis zum Tauchlehrer.

Der Auslöser war wieder einmal ein Urlaub. Ich glaube, vielen geht es so, dass sie im Urlaub daran denken, einfach in ihrem so geliebten Urlaubsort zu bleiben. Dann nimmt man aber doch nach 14 Tagen den Flieger nach Hause. Bei meinem Besuch bei Freunden, die ich aus Ägypten kannte und mit denen ich tauchen ging und die Umgebung erkundete, war es genauso.

Zurück in Deutschland brauchte ich wieder einige Zeit, um in den gewohnten Trott zu kommen. Das dauerte erfahrungsgemäß drei Wochen, doch dieses Mal war es anders, auch nach zwei Monaten war ich noch nicht wirklich wieder zu Hause.

In der Firma stand der Jahresabschluss an, eine Zeit, die besonders stressig war, weil neben den täglichen Aufgaben eben noch die Arbeit für den Jahresabschluss dazukamen und die Terminpläne enger von Jahr zu Jahr immer wurden, aber Überstunden möglichst vermieden werden sollten. Wie hieß es dann immer so schön? „Sie bekommen mehr Verantwortung“, eine tolle Umschreibung für mehr arbeiten in der gleichen Zeit.

Der Druck wurde immer größer und meine Gedanken wanderten immer wieder zu meinen Freunden auf den Philippinen. Mario arbeitete als Tauchlehrer und Regionalvertreter für einen Tauchverband auf der Insel und hatte so viele Kontakte zu den diversen Tauchbasen. Ich erinnerte mich an ein Gespräch mit einem Basisleiter. Er sagte mir: „Wenn Du es wirklich vorhast, dann komm am besten vorbei, denn vor Ort ist es einfacher, zu suchen. Ich stelle niemanden ein, den ich nur aus dem Internet kenne.“

Freunde sagten mir, dass es jetzt vielleicht die richtige Zeit sei und ich endlich abhauen sollte, denn zurückkommen könnte ich schließlich immer. Einer bot mir sogar an, „wenn alle Stricke reißen, dann melde Dich und ich schicke Dir ein Flugticket, damit Du zurückkommen kannst“. Ich diskutierte auch mit meinen Freunden auf den Philippinen und sie meinten: „Wenn Du das wirklich willst, dann komm her und wir sehen weiter.“

Ab dem Zeitpunkt, als meine Entscheidung wirklich feststand, passierten merkwürdige Dinge. Die ganze Sache bekam so etwas wie ein Eigenleben. Zum Beispiel war da ein Gegenstand in der Wohnung, bei dem ich dachte: „Ach, darum musst Du Dich noch kümmern, damit der wegkommt.“ Tage später rief ein Freund an und fragte genau nach diesem Gegenstand und ob ich ihn noch hatte und loswerden wollte. Für mich eine Bestätigung, dass die Entscheidung richtig war, als Tauchlehrer auf die Philippinen zu gehen. Alles ging so leicht, wirklich große Probleme gab es nicht, nur mit der Telekom, weil meine Vertragslaufzeit noch nicht abgelaufen war, aber da haben wir uns auch einigen können. Und mit der GEZ, die hat meine Abmeldebestätigung nicht akzeptiert, sondern wollte eine Kopie von meinem Visum haben. Eine weitere Bestätigung für mein Vorhaben … ;-)

Es war ein herzlicher Empfang von meinen Freunden. Sie hatten mir in der Zwischenzeit eine vorübergehende Unterkunft in dem Haus eines Kollegen besorgt, dieser kommt aus Oxford und spricht nur Englisch, für mich eine gute Gelegenheit, es aufzufrischen.

Durch den Urlaub kannte ich ja schon die örtlichen Gegebenheiten. Dort leben viele Deutsche, Österreicher und Schweizer, die dort Restaurants oder Resorts betreiben, und so ist es leicht, in Kontakt zu kommen. Nach 14 Wochen dann der Schock, meine Freunde erklärten mir, dass sie zurück nach Deutschland gehen würden, da sie als Familie nicht genug verdienten. Sie machten mir aber Mut, dass mein Entschluss der richtige für mich war, und ich könnte den Tauchlehrerjob von meinem Freund Mario übernehmen. Ich bekam dann auch gleich das Angebot von dem österreichischen Besitzer, die Tauchbasis für drei Monate zu managen, da er für einen längeren Urlaub zurück nach Österreich wollte.

Ich hatte inzwischen einige Kontakte und das Gefühl, nicht einsam zu sein, wenn meine Freunde zurückgehen würden. Die Urlaubsvertretung war stressig, aber auch interessant. Immer neue Herausforderungen kamen auf mich zu, die ich meistern musste, so wie die Reparatur von dem Tauchboot. Da habe ich viel über den Bootsaufbau auf den Philippinen gelernt. Unterstützung hatte ich auch von dem englischen Tauchlehrer, wir haben gut als Team zusammengearbeitet.

Dann zeichnete sich noch ein Wechsel in der Basis ab. Der Besitzer verkaufte die Basis während seines Urlaubes in Österreich an zwei Deutsche und die haben mich dann auch gleich weiter übernommen. Die Arbeit  ist spannend: Ich habe das Gefühl, eine Weltreise zu unternehmen, denn ich habe Tauchschüler – fast – aus der ganzen Welt. Mein Englisch wurde auch immer besser. War es zu Beginn noch etwas holperig, so spreche ich jetzt wirklich fließend und auch Tauchkurse auf Englisch sind kein Problem mehr.

Damit Verwandte, Freunde und Bekannte immer über meine Erlebnisse informiert sind, habe ich begonnen, einen „Newsletter aus dem Paradies“ zu schreiben, und das nun schon seit fünf Jahren.

Es ist nicht wirklich das Paradies: Als Tauchlehrer ist das Leben harte Arbeit, denn der Kreislauf muss ordentlich gegen den erhöhten Wasserdruck anpumpen. Nach zwei Tauchgängen am Tag fühlt man sich so wohlig geschafft, wie nach jedem Sport, aber für mich geht das eben sechs Tage die Woche so. Dazu kommt, dass ich die Verantwortung für den unerfahrenen Tauchschüler habe, und ich sehe meine Aufgabe darin, dass er unbeschadet wieder zur Wasseroberfläche kommt. Zusätzlich fallen dann noch Arbeiten wie Flaschenfüllen, Reparaturen und Papierkram an. Nach einigen Monaten merkte ich, dass sich so etwas wie innerliche Gleichgültigkeit oder Routine, eben Alltag, einstellte. Dieses Gefühl wollte ich so lange wie möglich unterdrücken, denn es ist ja die Erfüllung meines Zieles, und so habe ich mir Folgendes als Ritual angewöhnt: Immer wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und wir mit dem Boot auslaufen, drehe ich mich zum Strand um und hole mir den mit Palmen besetzten Strand mit den kleinen Häusern der Restaurants und den Bars ins Bewusstsein und sage mir: „Ja, das ist mein Ziel!“

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Über Jürgen Littmann

Jürgen Littmann (Bj 1963) hat nach einer Umschulung zum Bürokaufmann in einem großen Unternehmen im Finanzwesen gearbeitet. Nach einem Wechsel auf die Philippinen in seinem Traumjob als Tauchlehrer beschäftigt. Nun lebt er in Hong Kong und würde gern das Tauchen, Reisen und Schreiben unter einen Hut bringen.

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Kommentare

  • Es beweist vor allem eines (was alle Aussteiger eint): Der Mut, den (ei-nem vorschwebenden) Traum zu realisieren (Wirklichkeit werden zu lassen)

    Irgendwo habe ich mal den Spruch aufgegriffen: “Selbst der schwerste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.”

    Dabei darf man keine Angst vor dem eventuellen Scheitern/ den mög-lichen “Sperren” (juristischen “Fallstricken”, also Möglichkeiten, den ei-nen beseelenden Traum zu realisieren).

    Ein Spruch, der meine Biografie MIT geprägt hat, ist: Aus den Steinen, die man dir (dir das Leben) in den Weg legt, lässt sich etwas Hüb-sches/ ein prima Haus bauen.

    Fakt ist: Leute, deren (einziges) Bestreben es ist, einem Erbsen auf die Treppe zu streuen und so im Vorankommen zu behindern, sterben ums Verrecken einfach nicht aus!

    Nur: Andere zu behindern ist das eine, sich behindern zu lassen das andere.

    Wenn einem ein Weg “verbaut” wird, liegt es an einem selbst, sich eine
    probate (für einen moralisch vertretbare) Alternativ-Route zu suchen.

    Manchmal kann sich diese (Alternativ-Route) als noch viel besseren Weg erweisen, den man sich zunächst gesteckt hat!

    Ebenso geprägt hat mich der Spruch: Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach’ Limonade daraus.

    Sicher ist es frustrierend, wenn man durch (äussere) Umstände (z. B. Krankheit/ aus bestimmten Krankheiten resultierenden Schwerbehin-derungen) bestimmte Ziele niemals erreichen kann/ können wird.

    Da hilft es, sich auf sein Verbliebenes/ erhalten gebliebenes Talent zu fokussieren.

    Ich habe auch nicht studiert, bekleide auch keine Führungsposition, ha-be keine Villa, keinen (finanziellen) Reichtum und Weltreisen (große Sprünge) kann ich als Hartz IV-Empfängerin auch nicht machen.

    Aber ich helfe, wie, wo und wann immer ich kann. Wenn mich jemand nach dem Weg fragt (z. B.), kann ich ihm/ ihr oftmals mit genauen Weg-beschreibungen oder in dem ich diese ein Stück mitnehme (z. B. Sie gehen von hier aus nur noch so, so und so und brauchen nur noch auf das, das und das zu achten.

    Also “das” sind (in diesem Fall): Markante Punkte wie Gebäude/ Figu-ren wie Statuen/ Gastronomien etc.

    Ausserdem erinnere ich mich immer wieder daran, wie viel Glück ich mit meiner Erkrankung (der TS: Tuberösen Sklerose) hatte, ein – halb-wegs- normales Leben führen kann. Nach Aussage vieler Ärzte, die ähnlich betroffene Patienten haben, habe ich den für einen TS-Patien-ten höchstmöglichen Lebensstandard!

    Meinen Alltag bewältige ich weitestgehend allein. Nur bei Amtsdingen brauche ich oftmals Hilfe, da mich das Amts-Latein heillos überfordert.

    Doch für sowas habe ich meinen Vater – notfalls könnte ich da auch auf eine befreundete Juristin, mit der ich über zwei Jahrzehnte eng befreundet bin, zurückgreifen.

    Mein Vater ist bevollmächtig, für mich bei den Ämtern vorzusprechen, Auskünfte einzuholen und vor diesen meine Interessen zu vertreten.

    Ansonsten habe ich ein intaktes Umfeld (mit Familie/ Freunden sowie einer tollen Partnerschaft mit einem Mann, den ich als meinen seeli-schen Zwilling ansehen kann, in dem ich meinen “superknuddeligen Riesen-Teddy”/ mein “Knuddelbärchen” habe) sowie tolle Hobbies wie Tanzen (American Square Dance: Main Stream, + und Line Dance), die Schreiberei von Geschichten oder Handarbeit (Küpfen/ Perlenarbei-ten/ Basteln).

    Ebenso gerne gehe ich mit meinem Lebensgefährten über Flohmärkte, Veranstaltungen (wie Jazz-/ Skiffle-Frühschoppen) oder treffe mich mit (mitunter: langjährigen) Freunden.

    In meinem Familien-/ Freundeskreis gab es noch niemand in den bald elf Jahren, der ihn nicht leiden mochte und sich negativ über ihn geäus-sert hat (“Was hast du dir denn da für einen seltsamen Menschen an-gelacht?!”)!

    Angesichts dass er niemand mehr von seiner (leiblichen) Familie (seine zuletzt schwer demente Mutter und seine bis zuletzt verhasste Tante sind in sehr kurzem Abstand – vier Tage Differenz – verstorben. Der Verbleib seines Vaters/ “Erzeugers”, den er Mitte der 80er das erste, einzige und allerletzte Mal persönlich getroffen hat, ist unbekannt) hat, ist es umso schöner, dass er bei uns Anschluss gefunden hat und vollauf akzeptiert ist.

    So sehr, dass ihn die Große – meine Nichte – schon mit fünf Jahren als ihren Onkel begreift – auch wenn wir (fak-tisch) gar nicht verheiratet sind.

    Überhaupt finde ich es sehr spannend, dass und wie ungeheuer es für Kindern wichtig ist, dass jede/r weiss, wo ihr/ sein “Platz” ist – fast wie ein Platzanweiser im Theater!

    Wir unterstützen uns gegenseitig – jeder hat seine Fähigkeiten. Aber beides zusammen komplettiert das “Bild”!

  • Als ich vor Jahren das erste Mal in Manila ankam, für einen Aufenthalt von drei Monaten, da war dieses Gefühl “Zuhause” angekommen zu sein unmittelbar vorhanden.
    Nach so vielen Jahren in Europa.Wie unsinnig und nutzlos war mein Leben zuvor. Das Anhäufen von materiellen Dingen, das tägliche Drehen im Hamsterrad der Konsumgesellschaft. Und wie wenig benötigte ich jetzt hier.
    Das war die glücklichste Zeit überhaupt, diese drei Monate auf den Philippinen.
    Ich bin kreuz und quer durch die Philippinen gereist und fand dann wonach ich eigentlich unbewusst schon immer suchte.
    Eine kleine Insel, tief in der Provinz.
    Als ich dann zurück musste, war dies wohl der schlimmste Moment, den ich jemals erlebt habe.
    Und der Gegensatz der Mentalitäten bei der Ankunft in der alten Heimat war wie ein Schlag ins Gesicht, von dem ich mich auch nach Monaten nicht wieder erholen konnte.
    Somit war mein Traum klar, der Weg dorthin aber schwierig.
    Die einzige Motivation noch weiterzuarbeiten war der Gedanke “weg hier”.
    Was dann folgte erforderte viel Ausdauer, Disziplin und Selbsterkenntnis, aber auch Planung.
    Das alles würde jetzt ein Buch von 1000 Seiten füllen, um es zu erklären.
    Solche Wege zu gehen ist sicher nichts für “Pauschaltouristen”. Dieser Wandel geht sehr viel tiefer.
    Es ist auch nicht jedermanns Sache und das soll, kann und muss es auch nicht sein.

    Ich glaube, dass es viele Menschen gibt, die am Ende das Gefühl haben, nicht das eigene Leben gelebt zu haben. Einer der Hauptgründe ist wohl das Gefühl der allgegenwärtigen Angst.

    Angst vor dem, was vielleicht passieren könnte.

    Nach meinen Erfahrungen sind die meisten dieser “Ängste” künstlich herbeigeführt und werden manipulativ eingesetzt, um den Mainstream in die gewünschte Richtung zu lenken.

    Dort, wo Medien noch nicht so weit verbreitet sind, oder teilweise noch gar nicht vorhanden sind, gibt es noch jenes Leben, nach dem sich offenbar so viele Menschen sehnen.

    Das bedeutet, das in den modernen Industriegesellschaften ein wichtiger Teil fehlt. Die Lebensfreude, das Miteinander, die eigentlich wichtigsten Werte im Leben werden permanent unterdrückt.

    Die ständige Zunahme psychischer Erkrankungen, Hetze, Zeitdruck, Überforderung, Suizide, Alkohol und Drogenkonsum, aber auch die Scheidungsraten u.s.w.
    Da muss doch jeder sehen, das da etwas nicht mehr stimmt.

    Für viele Menschen ist das Leben ein langweiliges Geschehen in Routinen, die sich dauernd wiederholen, obwohl sie sich sehr anstrengen, arbeiten, Besitztümer anhäufen.
    Und das höchste Ziel ist es, die Rente zu erreichen, um dann vielleicht die Dinge zu tun wovon man einmal geträumt hat.

    Merkwürdig, das eigentliche Leben auf das Ende desselbigen zu verschieben und ständig Sätze mit ” Ja,aber..” zu bilden und nach Gründen zu suchen, warum das alles,was man eigentlich will, nicht gehen kann.

    Dahinter steckt System und wenn man dies einmal erkannt hat und hinter sich lässt, ist der Weg frei.

    Es gibt viele Geschichten, wie die des Tauchlehrers und selbst wenn solche Menschen mit ihren Träumen gescheitert sind, hat es bisher noch nie jemand bereut, es wenigstens versucht zu haben.

    Die meisten, die ich kenne, würden es immer und immer wieder tun.

    Es wäre schön, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, da man mit einer etwas “anderen Sichtweise” auf das Leben – und NUR darum geht es – , oft allein dasteht.

  • “In zwanzig Jahren wirst Du mehr enttäuscht sein von den Dingen die Du nicht getan hast, als von den Dingen, die Du getan hast. Also wirf die Leinen los. Verlasse den sicheren Hafen. Lass den Passatwind in Deine Segel wehen. Erforsche. Träume. Entdecke.” -Mark Twain
    Dieses Zitat von Mark Twain hat mich sehr inspiriert darüber nachzudenken, was mir das Leben über das bisher Erreichte noch zu bieten hat. Das Leben ist endlich, und es gibt kein “da capo.” Also besinne Dich auf die Möglichkeiten, die Du hast. So gab ich meinen “sicheren” Arbeitsplatz auf, lebe und arbeite zur Zeit im Ausland. Ich lerne sehr viel über mich selbst, was in dem folgenden afrikanischen Sprichwort am besten zum Ausdruck kommt: “Du kannst vor allem davon laufen was hinter Dir her ist. Aber was in dir ist, holt Dich immer wieder ein.”

  • Ein sehr offener und ehrlicher Beitrag. Träume sind eine Sache, sie in die Tat umzusetzen eine andere und ob sich die Träume dann in Routine oder Alpträume umwandeln noch einmal eine andere. Jürgen hat sehr viel Mut bewiesen, aber auch gezeigt, dass er verantwortungsvoll seine Entscheidung abgewogen hat. Schön zu wissen, dass es Freunde gibt, auf die man sich verlassen kann. Ich wünsche Jürgen auf seinem weiteren Lebensweg alles Gute und dass ihn nie der Mut zum Träumen verlässt.

  • Hi, habe mit großem Interesse den Bericht von Jürgen und die entspr. Kommentare gelesen. Ich denke, daß jeder im Geheimen solche Träume oder Wünsche in sich trägt, aber die meisten sich nicht trauen, dies kund zu tuen oder mit seinem Partner oder Freunden darüber zu sprechen. Das muß ja nicht direkt mit “Auswandern” zu tun haben, aber viele sind mit ihrer Situation, ob es auf der Arbeit ist oder zu Hause in der Familie ist, nicht zu frieden und würden lieber was anderes machen wollen – also ausbrechen.
    In dieser Situation erinnere ich mich an einem Buch “Wie werde ich zu einem Egoisten”. Ich glaube, ich habe es nicht ganz bis zum Ende gelesen, aber ganz am Anfang wurde ein Mensch beschrieben, der im Sterben lag. Dieser sinierte so vor sich hin, und fragte sich, was hat er aus seinem Leben gemacht. Bis er – mit Schrecken auf ein mal feststellte, dass er gar nicht sein Leben gelebt hat, sondern immer nur das gemacht hat, was andere von ihm erwarteten: sei es das Studium (wegen den Eltern), Arbeit (wegen dem Verdienst, Familie und Kinder), noch mehr Arbeit und dadurch noch mehr Verantwortung, irgendwann merkte er es nicht mehr, dass er sich in einem s.g. “Hamsterkäfig” befindet – und dreht immer schneller und schneller – ja so lange, bis meistens ein schreckliches Ereignis, Krankheit, Partner einem verläßt oder andere Schicksaschläge einem so zu sagen “die Augen öffneten”. Ich habe meine eigene Erkenntnis darausgezogen: Wichtig ist, dass man zu seinen Entscheidungen, die man im Laufe seines Lebens treffen muß, alleine steht und später, wenn das Leben mal nicht mehr so gut läuft, die Verantwortung nicht auf “andere” abwälzt, so mit den Worten, “ich wollte ja nicht, aber meine Eltern, …meine Frau,…meine Familie, unsere Firma oder mein Chef wollte es so haben.”
    Wichtig ist es, dass man sich morgens im Spiegel selbst noch in die Augen gucken kann!
    Ich bin mittlerweile 60 und mit mir im reinen. Hatte eine tolle Arbeit, die mir viel Spaß gemacht hatte (Hobby wurde im Laufe meiner Tätigkeit zum Beruf), mache jetzt Musik und lerne eine Fremdsprache – vielleicht wandere ich auch aus, nur um die Sprache richtig zu lernen – Anregungen habe ich ja genug bekommen von dem Bericht von Jürgen und den vielen Kommentatorinnen und Kommentatoren.
    Vielen Dank dafür, dass ich eine kurze Zeit mit Euch meine Gedanken teilen durfte
    Manfred

  • Hallo,
    ein schöer Beitrag der nichts idealisiert und trotzdem Mut macht.
    Es ist wichtig, es sich zu erlauben, in sich reinzuhören und wenn man den Mut hat, die Antworten ernst zu nehmen, dann fängt man an sich auf einen Reise zu begeben, die einen dahin bringt, wohin man immer wollte.
    Danke dafür
    Alexander

  • Ach Juergen, was fuer eine schoener Artikel. Fast genauso verlief mein Leben, nur leider bin ich noch nicht angekommen. Seit meiner Kindheit wollte ich auswandern, immer nach Australien. Das Land hat mich schon als Kind fasziniert und ich weiss nicht woher das kommt. Nach vielem hin und her, wie in deinem Leben sind wir (ich und mein Partner) in Kanada gelandet. Fuer viele sicher auch das Traumland, aber leider nicht fuer mich. Trotz wunderschoener Natur, zu kalt, zu viel Schnee, stupide Gesetze die gut qualifizierte Auswanderer wie uns keinerlei Moeglichkeit zum Arbeiten geben. Aber nach einer erneuten Durststrecke, tun sich Lichtblicke auf. Lichtblicke fuer neue Laender. Vielleicht wird es ja doch irgendwann Australien, oder ein anderes “endlich warmes” Land. Es muss ein tolles Gefuehl sein angekommen zu sein…….

  • Oh , was hast Du alles so schön gemacht,,, ein Stück freie Entscheidund, kein Korsett, dass einem ein Lebenlang gefangen hält, weil man keinen Ausweg sieht und denkt ,,,, das ist mein Leben , von oben—-das wird von mir verlangt….Ich bin jetzt 72 J. und habe das Gefühl, alles ,aber auch wirklich alles versäumt zu haben….
    Es war schön deinen Artikel zu lesen,und zu sehen , was der Mensch alles für so wichtig hält,,,Gut und Geld usw—–
    Alles Liebe und weiter viele Glücksmomente wünsch ich Dir—–
    l.G.Lissi

  • Hallo Jürgen, mein Freund aus der Kinder- und Jugendzeit,,,
    ,ich sehe noch das Abschieds Frühstück im Schweinske bevor es losging ,,,weg aus Deutschland,,,

    Das Auto lebt noch…
    Lg Angie

  • Ein sehr, sehr schöner Artikel – und das am Sonntag Morgen! Danke dafür! Ich las ihn mit großer Spannung. Danke auch für die Motivation, obwohl ich nicht auswandern möchte. Doch die Grundgedanken die dahinter stecken, sind auch für mein Leben brauchbar und ich kann mich sogar in manchen Ihrer Gedankengänge selbst wieder erkennen. D.h. wenn die Zeit dafür reif ist einem Traum oder Wunsch nachzugehen, fügt sich alles wie von selbst. Und alles ist dann für irgend etwas gut. Fügt sich zusammen wie ein Puzzle. Oder anderes Bild: Stufe für Stufe steigt man empor. Weiterhin alles Gute!

  • Danke für diesen schönen Beitrag! Ich habe das auch schon erfahren: wenn etwas richtig ist, läuft einfach alles wie von selbst und alles ist leicht. Es wird einem geradezu ‘präsentiert’… :) das ging mir besonders während meiner Aufenthalte in Australien so. Und irgendwie atmet meine Seele immer auf, wenn ich dort bin. Trotzdem: dort leben? Das ist was anderes als Urlaub, selbst wenn es ein langer ist. Diese Frage hat sich schon gestellt, aber ich habe mich noch nicht getraut, sie ganz zu beantworten….

    Allerdings fühlt sich mein Leben hier, so sehr ich es auch nach meinen Interessen und Idealen Versuche zu Leben, eher fad an und die Begeisterung ist ziemlich verloren gegangen. Auch dieser Flow, dieses Gefühl dass alles von selbst fluppt, habe ich schon länger nicht gehabt. Vielleicht sollte ich da nochmal näher hinschauen: was will ich (grade) wirklich, was bringt mir Energie, was begeistert mich und erfüllt mich mit dem Gefühl des Lebendigseins?

    Danke auch an Jan, ja du hast Recht und es gehören wohl Tage dazu an denen man sich schlecht fühlt oder zweifelt oder unzufrieden ist. Wenn aber diese Unzufriedenheit oder Unerfülltheit ständig da ist, ist sie wohl doch ein Indikator dafür, dass man grade nicht ganz auf ‘seinem Weg’ ist und eigentlich noch was anderes ansteht… Zumindest scheint das bei mir so zu sein. Es ist die vermeintliche Sicherheit, die mir mein jetziges Leben vermeintlich bietet, die mich oft zurückhält. Jürgen und Jan’s Beiträge machen Mut, nochmal über Veränderung nachzudenken.

    “Ein Schiff ist nicht dazu gemacht, im Hafen am Anker zu hängen” (frei zitiert nach einem mir nicht bekannten Verfasser)

    In diesem Sinne: Segel setzen und zurück auf Kurs gehen :)

    Grüße

    Lena

    • Ulli schreibt am 23. März 2014

      Hallo Lena,
      bevor Du los segelst solltest Du natürlich den Kurs kennen und die Route berechnen. Dazu musst Du Deinen Standort kennen ( wo bin ich gerade ) und Deinen Zielort ( wo möchte ich hin ). Wenn Du dann die Wetterlage kennst, kannst Du vielleicht auch den ein – oder anderen Sturm ausweichen. Ich liebe die Parallelen der Seefahrt zum normalen Leben.

  • Ich finde den Weg toll. Auch ich bin aus einer scheinbaren sicheren Führungsfunktion herausgegangen, von Ö nach DEU vor zwei Jahren umgezogen und habe meinen Traum vom Schreiben, Lesungen und Vorträge für Führungskräfte in einer Mischung aus Kunst und Intellekt anzubieten, realisieren. Ich gehe Schritt für Schritt für meinen Herzensweg – und es ist die Erfüllung schlechthin.

  • Vielen Dank für den interessanten Einblick. Ich finde es immer gut, wenn Menschen ihren Leidenschaften folgen. Wir haben schließlich nur ein paar Jahre hier auf dem Planeten und die sind viel schneller vorbei, als man so glauben würde…

    Ich selbst habe das Glück, inzwischen aus der Ferne arbeiten zu können. Meinen Arbeitsort bestimme ich also selbst und das nutze ich nun seit einem Jahr. Das ist natürlich die perfekte Situation, jedenfalls für mich. Dadurch konnte ich mir schon meinen Traum erfüllen, einmal eine Zeit in San Francisco zu leben und aktuell bin ich auch gerade wieder in den USA.

    Das bedeutet aber nicht, dass ich die ganze Zeit fröhlich beschwingt über die sprichwörtlichen oder wortwörtlichen Blumenwiese springe. Obwohl ich meinen Traum lebe und unglaublich dankbar dafür bin, dass das möglich geworden ist, gibt es Tage, an denen ich unzufrieden bin, geschafft oder mich über etwas ärgere. Ich persönlich “unterdrücke” das aber nicht, wie du am Ende geschrieben hattest. Das klingt anstrengend ;) Ich akzeptiere viel mehr, dass es eben auch solche Tage gibt. Es ändert sich von allein wieder und ich gehe mit großen Augen durch die Welt und kann kaum fassen, dass das wirklich mein Leben ist :)

    Eines ist aber wahr: Routine kann viel kaputt machen. Wenn wir die guten Dinge nur noch als selbstverständlich hinnehmen und uns stattdessen vielleicht gar auf die nicht ganz so guten Dinge konzentrieren. Irgendetwas ist im Leben immer gerade “schlechter” als etwas anderes. Perfektion ist eine Illusion und hält daher auch nur vorübergehend an. Das ist aber ein Mechanismus in einem, dessen man sich bewusst werden kann: Wir neigen als Menschen dazu unzufrieden zu sein mit unserer Situation und nach etwas Besserem zu streben – das ist es schließlich auch, was uns dahin gebracht hat, wo wir heute als Menschheit sind. Auch in Höhlen kann man prima leben und auch die Jäger und Sammler hatten ihr Auskommen. Siedeln. Viehzucht. Dörfer. Städte. Kommunikation. Verkehr. Wirtschaft. Kultur. Alles das “braucht” man ja nicht. Aber irgendwie sind wir doch ganz froh, dass wir das alles haben.

    Insofern: Ja, ich bin manchmal unzufrieden. Ja, ich weiß, dass ich eigentlich gar keinen Grund dafür habe. Ja, ich weiß, dass das ein Teil von mir ist. Und, ja, der hat auch seine guten Seiten und hält meinen Geist aktiv.

    Nur lasse ich mich davon nicht mehr von einem Ziel zum nächsten hetzen. Manchmal ist es eben doch sehr schön, wo man gerade ist…

  • Wow. Klasse! Vielen Dank für die Inspiration. Das sieht mir verdammt nach einem Leben nach Wunsch aus!

  • Besten Dank für diesen Beitrag. Ich vermute sehr stark, dass es nicht mein Leben wäre, meinen Urlaub als Berufung zu begreifen. Ich halte es aber für sehr wichtig, dass man seiner eigenen Berufung nachgeht – und vielleicht macht es ja das gerade so spannend, dass diese Berufung für jeden Menschen etwas anderes bedeutet.

  • Vielen Dank. Ein Beitrag, der Mut macht. Natürlich sieht man immer erst hinterher, wie gut eine einmal getroffene Herzensentscheidung (vom Universum?!) unterstützt wird. Danke nochmal und weiterhin viel Erfolg bei der Umsetzung der Lebensträume!

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