Meine Freundin stürzt sich ins Unglück – darf ich ihr das sagen?

Viele von uns haben das schon mal erlebt. Ein nahestehender Mensch, ein Freund oder eine Freundin bringt sich selbst in eine Situation, die ganz schön übel ist. Eine Situation, die unglücklich und krank macht. Oder die dafür verantwortlich ist, dass sich Freunde abwenden und man seine sozialen Kontakte verliert.

Konkret kann das sein:

  • Dein Freund heiratet den in deinen Augen vollkommen falschen Menschen.
  • Deine Freundin wird von einem total verkorksten Typen schwanger.
  • Deine Schwester betrügt ihren Partner und geht damit in ihrer Beziehung volles Risiko ein.
  • Dein Bruder kündigt seinen Job, dabei ist der doch die Lizenz zum Gelddrucken oder so sicher, wie ein Job heutzutage nur sicher sein kann.
  • Dein anderer Bruder bleibt in einem Job, der zwar sicher ist, aber so stressig, dass er immer häufiger Schlafstörungen hat und ständig gereizt zu sein scheint.
  • Deine Freundin treibt mit ihrer Gesundheit Raubbau.
  • Ein befreundetes Pärchen erzieht seine Kinder einfach unmöglich und wundert sich dann, welche Probleme daraus entstehen.
  • Eine Freundin reibt sich bei der Pflege ihrer Eltern auf und du fragst dich, wie lange das noch gut gehen kann.

Als Außenstehender sieht es manchmal so aus, als würde der Freund oder die Freundin mit Höchstgeschwindigkeit auf einen Abgrund zurasen. Oder vielleicht schon halsbrecherisch über dem Abgrund hängen.

Zwei Schmerzpunkte

In diesen Situationen gibt es zwei Punkte, die richtig schmerzhaft sein können und unter denen die meisten von uns leiden:

  1. Du verlierst den Menschen, den du mal gekannt und gemocht hast. Entweder weil der andere kaum noch Zeit hat oder weil er sich in seiner Persönlichkeit so verändert, dass du ihn kaum noch wiedererkennst.
  2. Du machst dir Sorgen und befürchtest, dass der andere krank wird, sich ruiniert, unglücklich ist oder in irgendeiner anderen Form leidet. Und zwar womöglich so stark, dass sich der angerichtete Schaden nicht oder nur schwer beheben lassen wird.

Außerdem fühlst du dich hilflos. Hast vielleicht auch schon versucht, mit deinem Freund zu reden. Deinen Bruder zu fragen, ob er eigentlich merkt, was er sich gerade antut. Vielleicht hast du deiner Freundin schon mal die Meinung gesagt oder bist in ihrer Gegenwart in Tränen ausgebrochen, weil du so unter der Situation leidest.

Vielleicht hat sich dein Freund dann von dir zurückgezogen oder mag nur nicht mehr über das problematische Thema sprechen. Oder deine Freundin ignoriert jede Warnung und jeden gut gemeinten Rat und jammert einfach immer weiter über die schwierige Situation. Und der Nächste versteht vielleicht überhaupt nicht, wovon du überhaupt sprichst. Für den ist alles in bester Ordnung.

Was kannst du also tun,

  • um eure Freundschaft zu bewahren?
  • um deiner Freundin, deinem Freund oder dem geliebten Menschen zu helfen?
  • um mit der Situation, wie sie gerade ist, besser klarzukommen?

7 Fragen, die dich wirklich weiterbringen

Bringt dein Freund, deine Freundin oder ein Angehöriger sich in eine schwierige Situation, stellst du dir womöglich eine Menge Fragen. Zum Beispiel: Was soll ich bloß tun? Hat unsere Freundschaft noch eine Chance? Wie kann ich meinem Freund oder meiner Freundin helfen?

Meist ist es gar nicht so leicht, sich diese Fragen im Alleingang zu beantworten. Daher habe ich hier 7 wirklich wirkungsvolle Fragen, die dich voranbringen. Zu jeder Frage findest du ein paar Gedanken und Impulse, mit denen du für dich ganz persönlich Antworten finden kannst. So dass du am Ende weißt, was du tun kannst, um mit der Situation auf bestmögliche Weise umzugehen.

1. Frage: Ist die Situation wirklich so katastrophal, wie ich es denke?

Bei dieser Frage geht es darum, deine Bewertung der Situation zu überprüfen.

Wir laufen alle mit unseren speziellen maßgefertigten Brillen durch die Welt. Du hast bestimmte Werte, deine speziellen Lebenserfahrungen, deine Bedürfnisse, Interessen und Abneigungen. Und all das bestimmt, wie du das Leben um dich herum einschätzt. Also auch die Situationen, die du bei deinen Freunden und Angehörigen mitbekommst. Du bewertest die Lebenssituation deines Freundes aufgrund deiner speziellen Erfahrungen. Und da kann es sein, dass du etwas als absolutes No-Go ansiehst, das der andere völlig in Ordnung findet. Einfach, weil der andere ganz andere Werte und Erfahrungen hat als du.

Die Affäre deines Bruders wäre für dich vielleicht die absolute Katastrophe. Du könntest niemals glücklich und zufrieden sein, wenn du deine Frau betrügen würdest. Aber für deinen Bruder ist diese Affäre jetzt genau das Richtige. Seine Ehe ist anders als deine und auch seine Werte sind andere und deswegen sieht seine Situation durch seine Brille vollkommen anders aus.

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Frage dich also: Wie sieht der andere seine Situation? Worunter leidet er vermutlich? Und worunter nicht? Leidet er überhaupt? Wer leidet in dieser Situation? Was denkst du, wenn du ganz ernsthaft versuchst, dich in die Situation des anderen hineinzuversetzen?

Wenn du dir diese Fragen ehrlich beantwortest, findest du heraus, ob die Situation überhaupt ein Problem für deinen Freund oder deinen dir nahestehenden Menschen darstellt. Oder ob nicht vielleicht eher deine ganz persönliche Interpretation der Situation das Problem ist. Wie du dann eine gute Lösung finden kannst, erfährst du bei Frage 7.

2. Frage: Sollte ich eine offizielle Stelle informieren? 

Hier geht es darum, ob die Situation ganz objektiv so katastrophal ist, dass du eingreifen solltest.

Immer da, wo Kinder leiden, wo es um Missbrauch und Vernachlässigung geht, da sollten Angehörige, Freunde, Bekannte, Erziehende und Außenstehende etwas tun.

Die Frage zu beantworten, was genau und in welcher Situation zu tun ist, führt hier zu weit. Wenn du dich fragst, ob du eine offizielle Stelle um Rat fragen oder informieren solltest, dann lies zunächst hier:

Aber auch, wenn Erwachsene sich selbst nicht mehr helfen können, kann man aktiv werden. Hast du den Eindruck, jemand ist völlig hilflos, kann seinen Alltag nicht mehr regeln oder ist psychisch so sehr aus der Bahn geworfen, dass er sich selbst nicht mehr helfen kann, dann kannst du dich an den Sozialpsychiatrischen Dienst wenden. Diesen gibt es in jeder Stadt und er berät auch Angehörige. So kannst du dich zunächst erkundigen, was und ob etwas getan werden sollte. Da die Sozialpsychiatrischen Dienste in den einzelnen Bundesländern zum Teil unterschiedlich organisiert sind, gibt es keine deutschlandweite Anlaufstelle. Du findest einen Sozialpsychiatrischen Dienst in deiner Nähe am besten über das Internet oder du fragst einfach beim örtlichen Gesundheitsamt nach.

Frag dich also: Wie schwerwiegend ist die Situation? Sollte ich eine offizielle Stelle informieren? Sollte ich mir Rat holen, ob man in dieser Situation die Polizei, das Jugendamt oder den Sozialpsychiatrischen Dienst informieren muss?

Wenn du diese Frage für dich beantwortest, erkennst du, ob du dich überfordert fühlst oder ob es doch nur eine ganz „normale“ schwierige Situation unter Freunden oder Verwandten ist.

In vielen Fällen geht es ja aber gar nicht um solche schwerwiegenden Situationen.

Viel häufiger haben wir ja mit der Frage zu tun: Was kann ich tun? Was sollte ich vielleicht tun?

3. Frage: Soll ich die Sache ansprechen?

Hier geht es darum, zu entscheiden, ob und wie man die Situation ansprechen kann und sollte.

Wenn wir uns Sorgen um einen Freund oder einen anderen nahestehenden Menschen machen, können wir ihn doch einfach darauf ansprechen, oder etwa nicht?

Die Antwort ist vielfach ein klares Jein.

Nein, denn es kann sein, dass sich der andere dann zurückzieht und vor dir verschließen würde. Und du möchtest den Graben zwischen euch nicht noch tiefer machen, als er ohnehin schon ist.

Ja, denn vielleicht merkt dein verknallter Freund mitten in seiner prickelnden Affäre gar nicht, welche Konsequenzen sein Verhalten haben kann. Dass er gerade womöglich alles gefährdet, was ihm wichtig ist: Seine langjährige Beziehung zu seiner Frau, das alltägliche Zusammenleben mit seinen Kindern, den Freundeskreis und das soziale Umfeld. All das riskiert er vielleicht zu verlieren, wenn er die Affäre nicht schleunigst aufgibt. Da kann es eine richtig gute freundschaftliche Tat sein, dem anderen die Augen zu öffnen und ihm zu sagen, wie du ihn und seine Situation wahrnimmst. So dass dein Freund vielleicht klarer sieht und bewusster entscheiden kann, wie er sich in Zukunft verhalten möchte. Wie wichtig ihm diese Affäre ist. Ob seine Beziehung zu seiner Frau vielleicht schon lange in der Krise steckt. Was er tun könnte. Da macht es Sinn, seinem Freund die eigene Wahrnehmung zu schildern.

Die Betonung liegt dann auf deiner persönlichen Wahrnehmung. Denn ein gutes Gespräch über die Situation kann nur entstehen, wenn wir Bewertungen, Vorwürfe und Sollte-Botschaften möglichst außen vor lassen. Mit „gutem Gespräch“ meine ich ein Gespräch, das zu einem Austausch führt. Das dazu führt, dass sich der andere öffnen kann, dir erzählt, wie er oder sie die Situation selbst empfindet und was ihr oder sein Problem ist. Denn das ist meist die einzige Chance, wie du dem anderen helfen kannst.

Bombardierst du ihn stattdessen mit Vorwürfen und sagst ihm, dass er doch endlich mal dies oder jenes tun sollte, wird deine sicherlich gut gemeinte Hilfe höchstwahrscheinlich ins Leere laufen.

Denn da sind die allermeisten Menschen doch gleich: Hagelt es Vorwürfe, geraten wir in eine Verteidigungshaltung. Der andere reagiert vielleicht mit Gegenvorwürfen, Beschuldigungen oder ist einfach nur beleidigt. In den meisten Fällen wird die Beziehung beschädigt, so dass man noch weniger tun kann. Denn wenn der andere sich verletzt fühlt, sinkt das Vertrauen. Und das beschädigt eure Beziehung.

Deswegen: Wenn es dir darum geht, deinen Ärger und deine Enttäuschung einfach nur loszuwerden, dann sprich die Sache lieber nicht an. Such dir vielleicht einen anderen Gesprächspartner für deine Enttäuschung, deine Sorge oder deinen Ärger. Denn oft ist es besser, seine enttäuschten Gefühle bei jemand anderem abzulassen. Bei einem anderen Freund vielleicht. Oder indem du einen Brief schreibst, in dem du all deine Enttäuschung und deine Gedanken formulierst. Wenn du deine Enttäuschung oder andere belastende Gefühle rauslassen möchtest, dann ist vielleicht das Briefexperiment etwas für dich.

Frag dich: Möchte ich die Situation ansprechen? Und aus welchen Gründen? Möchte ich „nur“ Dampf ablassen? Dann geh ich besser zu einem anderen Freund und kotz mich mal so richtig aus. Oder möchte ich wirklich wissen, was in dem anderen Menschen vor sich geht? Was ihn vielleicht bewegt oder wie er oder sie die Situation sieht? Dann ist es Zeit für ein wertschätzendes Gespräch.

4. Frage: Wie kann ich ein gutes Gespräch über die Situation führen?

Ein wertschätzendes Gespräch zu führen, ist aber ja gar nicht so einfach. Wie macht man das genau?

Meistens hilft es:

  • dem anderen keine Vorwürfe zu machen
  • dem anderen Fragen zu stellen und zuzuhören, um die Situation des anderen besser zu verstehen, und
  • den anderen und sein Verhalten nicht zu bewerten.

Denn dann fühlt der andere sich gut aufgehoben und wertgeschätzt. Du signalisierst, dass du ehrlich an seiner Sicht der Dinge interessiert bist, und das schafft das Vertrauen, damit du erfährst, was den anderen antreibt.

Sicher hast du die eine oder andere positive Erfahrung bei Konfliktgesprächen gemacht. Nutze diese Erfahrungen. Frag dich dazu: Wie führe ich sonst gute Gespräche in schwierigen Situationen? Wie kläre ich Konflikte in meiner Partnerschaft, am Arbeitsplatz oder im Verein? Wie gehe ich vor, wenn ich ein sensibles Thema anspreche?

Und falls es dir schwerfällt, solch problematische Gespräche zu führen, dann mach dich schlau und lerne mehr darüber. Wenn du möchtest, kannst du direkt hier starten und etwas über wertschätzende Kommunikation lesen.

5. Frage: Will ich die Beziehung aufrechterhalten?

Hier geht es um eine wichtige Entscheidung, die sich viele gar nicht trauen, ganz bewusst zu fällen. Willst du den Kontakt vielleicht abbrechen?

Was machst du, wenn du ein Gespräch geführt hast, aber ganz klar herauskommt: Der andere wird an der Situation nichts ändern. Dein Bruder wird seinen Job nicht kündigen. Deine Freundin wird sich auch weiterhin nur sehr sporadisch mit dir treffen. Dein Freund möchte die Affäre aufrechterhalten – und du bist gezwungen, das mit anzuschauen. Deine Tante ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich lohnt, den sicheren Job aufzugeben, um nach Brasilien auszuwandern und dort ihr Glück zu suchen. Oder du kennst deine Freundin oder deinen liebsten Menschen so gut, dass du hundertprozentig sicher sagen kannst: Nein, der ändert nichts. Das geht vielleicht auch gar nicht. Womöglich kann er oder sie auch nichts tun.

Du weißt wirklich sicher, dass die Situation sehr wahrscheinlich vorläufig so bleiben wird, wie sie gerade ist.

Natürlich kann man sich jetzt viele Gedanken darüber machen, wie man in Zukunft mit dem anderen umgehen möchte. Wie man es aushält, dem anderen zuzusehen, wie er sich vielleicht selbst unglücklich macht.

Am Anfang steht jedoch die Frage: Willst du diese Beziehung unter diesen Bedingungen überhaupt fortführen?

Lass dir für diese Frage ruhig Zeit.

Frag dich: Was verbindet uns? Was gefällt mir an dem anderen? Was würde mir fehlen, wenn dieser Mensch aus meinem Leben verschwinden würde? Wenn du dich damit intensiver auseinandersetzen möchtest, lies diesen Beitrag über Freundschaften, die uns nicht mehr guttun.

Falls du zu dem Schluss kommst: Nein, ich möchte nicht weiter mit diesem Menschen in Beziehung stehen, dann ist es legitim, eine Beziehung auch zu beenden. Ja, auch wenn ihr schon lange befreundet seid oder es um eine familiäre Beziehung geht.

In den meisten Fällen will man eine langfristige Beziehung oder auch eine familiäre Bindung nicht aufgeben. Man will es noch einmal versuchen. Vielleicht findet sich ja ein Weg, wie man die Freundschaft erhalten kann.

6. Frage: Wie kann ich trotzdem weiterhin mit ihm/ihr befreundet sein?

Um mit der Beziehung weitermachen zu können, ist eine Erkenntnis sehr nützlich:

Jeder von uns hat gute Gründe für sein Verhalten. Und jeder hat das Recht, sich so zu verhalten, wie er oder sie es möchte. Jedenfalls im Rahmen der gesetzlichen Regelungen ;-)

Eine Freundin, die bei ihrem dominanten Partner bleibt, hat sicher gute Gründe dafür. Welche, das könnte ein Psychologe gemeinsam mit ihr herausfinden. Einige fallen dir vielleicht auch selbst ein. Welche genau es sind, ist aber auch gar nicht so wichtig. Wichtig ist nur, dass sie sicher Gründe dafür hat und dass es ihr im Moment aus irgendwelchen Gründen nicht möglich ist, sich anders zu verhalten. Oder vielleicht will sie auch einfach nicht. Und auch das ist ihr gutes Recht.

Frag dich also, ob es nicht einfach reicht, wenn du weiterhin da bist, als Freund, als Bruder, Schwester oder Freundin? Und zwar, ohne den anderen als Opfer seiner Umstände zu betrachten und immer wieder darüber nachzudenken, wie du ihm oder ihr jetzt helfen könntest.

Einfach da zu sein und zu bleiben kann eine echte Herausforderung sein. Man kommt sich vielleicht hilflos vor oder einfach passiv und so, als würde man einem Unglück zusehen und es damit vielleicht sogar weiter unterstützen.

Da hilft es, einmal die Perspektive zu wechseln. Frag dich dazu:

Wenn ich in einer Situation wäre, bei der ich denke: Ja, ich müsste etwas ändern, weiß aber nicht wie. Oder in einer Situation, bei der ich weiß: Ja, der andere findet es doof, was ich mache, aber für mich ist es okay.

Was würde ich mir dann vom anderen wünschen?

Die allermeisten wünschen sich Freunde, die dableiben. Auch dann, wenn es schwierig ist. Gerade dann, wenn es schwierig ist. Mit denen man trotz unterschiedlicher Meinungen und Lebenskonzepte befreundet sein kann.

Und genau das wünscht sich dein Freund oder dein Angehöriger vielleicht auch.

Passend dazu kannst du hier nachlesen,  wie man trotz seiner Verschiedenartigkeit in Beziehung bleiben kann.

7. Frage: Wie schaffe ich es, trotz unterschiedlicher Ansichten die Beziehung zu erhalten?

Der Schlüssel für eine Beziehung trotz unterschiedlicher Ansichten, Lebenskonzepte und Grundeinstellungen liegt in gegenseitiger Akzeptanz.

Doch wie kann es gelingen, dass man den anderen wirklich und ehrlich akzeptiert? Auch, wenn der Freund eine Lebensentscheidung getroffen hat, die ich persönlich für komplett falsch halte. Oder eine Freundin in einer Situation verharrt, die ich für echt riskant halte.

Das gelingt leichter, wenn wir uns mit unserer Haltung unseren Mitmenschen gegenüber auseinandersetzen. Nämlich der sehr verbreiteten und oftmals völlig unbewussten Haltung:

„Du musst so sein, wie ich es möchte.“

Ich höre schon den ein oder anderen Aufschrei: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich erwarte doch nicht, dass andere so sein müssen, wie ich es möchte. Im Allgemeinen bin ich total tolerant.

Ja, klar, das sind wir alle … irgendwie.

Bevor du die Seite schließt und sagst: So ein Quatsch, frag dich aber bitte mal:

In welchen Situationen und bei welchen Menschen denkst du vielleicht doch manchmal sowas wie:

  • Das ist ja unmöglich!
  • Das geht ja gar nicht!
  • Wie kann der das nur tun?
  • Wie kann man sich nur so verhalten?

Ich müsste mich sehr täuschen, wenn es nicht doch öfter mal vorkommt, dass auch du andere ab und zu verurteilst.

Und immer wenn wir andere verurteilen, steckt dahinter auch die Haltung: „Du sollst so sein wie ich.“

Das ist auch sehr menschlich und für viele von uns völlig normal. Und natürlich müssen wir nicht alle als supertolerante Erleuchtete durch die Gegend laufen. Aber ein bisschen mehr Neutralität und Akzeptanz tut den meisten gut. Und zwar noch nicht mal, weil das moralisch so viel wert ist.

Sondern einfach, weil wir dann weniger enttäuscht werden. Denn wenn ich eine neutralere und akzeptierendere Haltung habe und es in den meisten Fällen völlig okay ist, was ein anderer tut, ja dann bin ich seltener enttäuscht.

So eine neutrale Haltung fällt leichter, wenn es um eher unwichtige Dinge geht: Welche Kleidung jemand trägt. Ob jemand lieber Erdbeereis oder Schokoeis mag. Oder ob jemand lieber in die Berge oder ans Meer in den Urlaub fährt.

Schwierig wird es immer dann, wenn unausgesprochene Regeln verletzt werden, die wir alle mehr oder weniger in uns tragen. Und die uns sehr wichtig sind.

Das können ganz unterschiedliche sein. Hier eine kleine Auswahl:

  • Man muss sich doch weiterentwickeln wollen.
  • Irgendwann muss man doch mal erwachsen werden.
  • Man muss doch das Kind in sich bewahren.
  • Man muss dafür sorgen, dass es einem gesundheitlich gut geht.
  • Man darf nicht dauern jammern.
  • Man muss in einer Beziehung doch gleichberechtigt Entscheidungen treffen.

Jeder, wirklich jeder, hat solche unausgesprochenen Regeln. Und auch ganz besonders tolerante Menschen haben meist eine. Nämlich: Man muss doch tolerant sein ;-)

Wenn man seine Mitmenschen leichter akzeptieren möchte, dann hilft es, sich seiner unausgesprochenen Regeln bewusst zu werden. Und sich klarzumachen: Das ist meine Regel, hinter der ich stehe. Aber andere haben andere Regeln. Und das ist auch in Ordnung so.

Es kann ungemein befreiend sein zu erkennen: Ja, für mich stimmt diese Regel. Ich halte diese Sache für wichtig. Aber ich akzeptiere, dass andere das anders sehen. Dass anderen andere Regeln wichtig sind.

Verinnerlicht man diese Art der Akzeptanz mehr und mehr, so fällt es zunehmend leichter, seinen Frieden mit den Lebenskonzepten und Verhaltensweisen seiner Mitmenschen zu machen: wenn die Freundin z. B. in ihrer Beziehung mit einem überaus dominanten Partner bleiben möchte oder wenn dem Bruder die Sicherheit seines Jobs wichtiger ist als die Chance, in einem neuen Job zufriedener zu arbeiten.

Ein gutes Mittel, um diese Akzeptanz zu schulen, ist die sogenannte kognitive Umstrukturierung. Ein Konzept aus der Verhaltenspsychologie, das du mit Hilfe einer Methode hier lernen kannst: Projekt: Belastendes loslassen.

Handlungsfähig bleiben

Was ist die größte Belastung für dich, wenn ein Freund oder ein anderer nahestehender Mensch sich in eine richtig üble Situation manövriert hat? Ich glaube, besonders schwierig wird es, wenn man glaubt, hilflos zu sein, keine Wahl zu haben.

Deswegen habe ich diese 7 Fragen formuliert. So kannst du mit dir selbst in ein Gespräch eintreten und dich fragen, was du als Nächstes tun kannst.

  1. Ist die Situation so katastrophal, wie ich es denke?
  2. Sollte ich eine offizielle Stelle informieren?
  3. Soll ich die Sache ansprechen?
  4. Wie kann ich ein gutes Gespräch über die Situation führen?
  5. Will ich die Beziehung aufrechterhalten?
  6. Wie kann ich trotzdem weiterhin mit ihm/ihr befreundet sein?
  7. Wie schaffe ich es, trotz unterschiedlicher Ansichten die Beziehung zu erhalten?

Ich wünsche dir, dass dir diese 7 Fragen dabei helfen, deine Wahlmöglichkeiten zu entdecken. Dass du mit ihnen leichter entscheiden kannst, was du jetzt ganz konkret tun möchtest. Oder vielleicht auch, dass du nichts tun möchtest. Denn auch das ist eine wertvolle Entscheidung. Weil du dich dann in Zukunft nicht immer wieder fragen musst, ob du nicht vielleicht doch etwas tun solltest.

Wenn du dich bewusst entscheidest, wie du dich in dieser Situation verhältst, bleibst du handlungsfähig. Du nimmst das Heft in die Hand, auch wenn du an der Situation deines Freundes oder Angehörigen vielleicht rein gar nichts ändern kannst. Aber du kannst entscheiden, was du tust.

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