Motivation oder Willenskraft: Was ist wichtiger?


Motivation und Willenskraft, was ist denn hier eigentlich genau der Unterschied? Diese Frage bekommen wir sehr häufig.

Deswegen möchte ich hier mal ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Denn je nach Situation brauchst du manchmal Willenskraft und manchmal Motivation. Und es ist wichtig zu wissen, wann man was braucht. Warum, erfährst du weiter unten.

Also… fangen wir mit Motivation an.

Motivation – gute emotionale Gründe für ein Verhalten haben

Motivation bedeutet ein Motiv zu haben, etwas zu tun, einen guten Grund oder einen starken Antrieb.

Ich liebe es einfach, Fußball zu spielen. Das ist ein überzeugender Grund, also ein Motiv. Dieses Motiv erzeugt in mir Motivation. Ich bin also motiviert, zum Fußballspielen zu gehen.

Im Gegensatz zu Willenskraft kostet Motivation keine Kraft. Du bist motiviert und du tust es einfach. Es ist ganz leicht und natürlich. Du tust es, weil du es willst. Weil es gefühlt das Richtige ist.

Das ist das Großartige an der Motivation: die Leichtigkeit und Mühelosigkeit.

Intrinsische Motivation: Motive von innen heraus

Deine Motive können von innen heraus kommen

  • wenn du einfach Freude an etwas hast,
  • wenn du an etwas interessiert bist,
  • wenn es dir Spaß macht,
  • wenn es eine positive Herausforderung für dich ist, oder
  • wenn du neugierig auf etwas bist.

Kommt der Antrieb aus deinem Inneren, nennt man diesen Antrieb “intrinsische Motivation”.

Man sagt auch:

“Ich bin intrinsisch motiviert, wenn ich etwas um seiner selbst willen tue.”

Wenn Menschen ein tolles Hobby haben und sich nächtelang damit beschäftigen können, dann ist das intrinsische Motivation.

Extrinsische Motivation: Motive, die von außen kommen

Die zweite Art der Motivation entsteht, wenn die Quelle meiner Motivation von außen kommt.

Diese Art heißt: “extrinsische Motivation”.

Extrinsische Motivation entsteht bei dir,

  • wenn eine Belohnung winkt oder
  • wenn du eine Strafe befürchtest, wenn du etwas nicht tust.

Sowohl intrinsische als auch extrinsische Motivation erzeugen in uns die Bereitschaft zu handeln. Also zu tun, was für mein Motiv nützlich und zweckdienlich ist.

Lustlos und unmotiviert – der Grund dafür?

Manchmal fehlt uns die Motivation. Und das, obwohl wir wissen, dass es eigentlich vernünftig wäre, etwas zu tun oder etwas sein zu lassen.

Zum Beispiel weniger zu essen. Andere Sachen zu essen. Sport zu machen. Uns mehr um unseren Partner oder die Kinder zu kümmern. Oder mehr raus unter Menschen zu gehen.

Eines ist ganz wichtig zu wissen: Wenn uns trotz besserem Wissen Motivation fehlt, dann liegt das oft daran, dass ein eigentlich vernünftiger Grund uns emotional nicht berührt.

Denn Motivation entsteht nicht durch Vernunft, sondern durch Emotion.

Fehlt uns trotz guter Gründe die Motivation, dann liegt das vielleicht daran,

  • dass die Belohnung für gutes Verhalten oder die Bestrafung für schlechtes Verhalten zu weit in der Zukunft liegt und damit emotional nicht spürbar ist oder
  • dass ein Ziel, für das ich mich motivieren möchte, zu groß oder zu klein ist und so keine oder die falsche Emotion erzeugt.

Motivation steigern

Ein Trick, um Motivation in dir zu erzeugen, ist deswegen, dein Vernunftziel emotional aufzuladen und mit Dingen zu verbinden, die dir wirklich wichtig sind und die dich bereits emotional berühren. Oder indem du dein Ziel größer und herausfordernder oder auf der anderen Seite kleiner und bewältigbarer machst.

Noch einmal zusammengefasst:

Motivation ist die Bereitschaft und die Lust zu handeln. Motivation entsteht von innen heraus durch Interesse, Freude, positive Erfahrungen oder sie kommt von außen durch eine Erwartung einer wahrscheinlichen Belohnung oder Bestrafung. Und Motivation entsteht immer durch Gefühl und nur selten durch Vernunft.

Wenn du gelernt hast, gezielt Motivation in dir zu entfachen, dann ist das eine Fähigkeit, die dich echt weit tragen kann im Leben.

Aber manchmal schaffen wir es trotz aller Bemühungen nicht, uns selbst zu motivieren. Wir schaffen es dann nicht, die Lust und den inneren Antrieb in uns zu entfachen.

Willenskraft – trotz Unlust handeln

In diesem Fall ist dann etwas anderes gefragt: die Willenskraft. Willenskraft ist also da notwendig, wo keine Motivation vorhanden ist.

Willenskraft ist die Fähigkeit, trotz fehlender Motivation, trotz Unlust und trotz innerer Widerstände zu tun, was getan werden muss. Denn unser Verhalten ist zu einem Großteil automatisch, reaktiv und impulsgesteuert. Willenskraft erlaubt uns, hier mit dem Kopf gezielt in unser automatisches Handeln einzugreifen und das eigene Verhalten zu regulieren und zu steuern.

Oder anders gesagt: Wir tun nicht mehr, wozu wir Lust haben, sondern was getan werden muss.

Man spricht im Zusammenhang mit Willenskraft auch oft von der Fähigkeit der “Selbstregulation”.

Wenn du also den inneren Impuls verspürst, zum Keks zu greifen, und es dann trotzdem nicht tust, dann regulierst du dich selbst. Und dazu brauchst du Willenskraft.

Willenskraft kostet uns Energie

Wenn ich aus der Motivation heraus handele, dann kostet mich das keine Energie. Das klappt ohne Anstrengung.

Bei der Willenskraft ist das anders. Wenn ich mich selbst reguliere und Willenskraft aufwende, dann kostet mich das wirklich etwas. Das lässt sich sogar wissenschaftlich nachweisen. Immer wenn ich Willenskraft aufwende, dann wird im Gehirn mehr Glukose (Zucker) als sonst verbraucht. Ich verbrenne sozusagen einen Teil meiner Willenskraft.

Deswegen ist es mit unserer Willenskraft auch irgendwann vorbei. Wenn wir im Laufe eines Tages oft Willenskraft einsetzen müssen, dann haben wir irgendwann keine mehr. Weil die Willenskraft-Energie für den Tag verbraucht ist.

Deswegen schaffen es Menschen bei einer Diät auch oft den ganzen Tag über, standhaft zu bleiben, um dann abends einzuknicken.

Willenskraft wieder aufladen

Willenskraft-Energie lässt sich übrigens durch Schlafen oder auch durch Meditation wieder aufladen. Das ist ein Trick, um die eigene Willenskraft wieder zu stärken. Aber ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen.

Noch einmal ganz kurz:

Willenskraft ist die Fähigkeit, anders zu handeln, als wir es aus unserer Intuition, unseren Automatismen oder unserem Gefühl heraus eigentlich tun wollen.

Motivation dagegen ist die Handlungsbereitschaft, die entsteht, wenn wir gute, emotionale Motive haben, etwas zu tun.

Selbstmotivation und Willenskraft: ein unschlagbares Team

Wenn du dein Leben selbstbestimmt gestalten willst, brauchst du natürlich beides:

  • die Fähigkeit, dich gezielt zu motivieren, auch für Ziele und Vorhaben, die dich gerade noch nicht so richtig mitreißen, und
  • die Fähigkeit, Willenskraft einzusetzen und  – noch wichtiger – deine Willenskraft nur sehr sparsam dort einzusetzen, wo du selbst mit Selbstmotivation nicht weiter kommst, damit du auch am Ende des Tages noch welche hast

Motivation kannst du erzeugen, indem du deine Ziele anpasst oder emotional auflädst.

Manchmal ist es auch notwendig zu schauen, wo du innere Widerstände hast, wo also ein Teil von dir eher motiviert ist, das Gegenteil des vernünftigen Verhaltens zu tun. Der nächste Schritt ist dann, die Widerstände aufzulösen.

Willenskraft erhöhst du durch Training. Training bedeutet, dass du deine Willenskraft bewusst wiederholt gezielt einsetzt. Denn Willenskraft wächst, wenn du sie oft benutzt. Aber du darfst deine Willenskraft trotzdem nur gezielt einsetzen, wo es nicht anders geht, sonst hast du für den restlichen Tag keine mehr.

Am besten trainierst du deine Selbstmotivationsfähigkeit UND deine Willenskraft.

Dann versuchst du, so oft, wie es geht, deine Motivation zu steigern. Wo du auch mit Selbstmotivation nicht weiterkommst, nutzt du dann deine Willenskraft.

Und diese Fähigkeit ist total wichtig, wenn du ein glückliches und erfolgreiches Leben führen willst. Das zeigen Studien wieder und wieder. Menschen mit gut geschulter Willenskraft schaffen sich eher die Lebensumstände, die ihnen gut tun.

Wenn du deine Willenskraft und Motivation schulst, kann dich nicht mehr viel aufhalten im Leben. Dann bist du eine Kraft, mit der man rechnen muss.

So jetzt kennst du den Unterschied zwischen Motivation und Willenskraft und weißt auch, warum beides wichtig ist.

 

In eigener Sache: Wenn du deine Willenskraft trainieren willst, vielleicht auch um Vorsätze besser und dauerhafter umzusetzen, dann schau dir ruhig mal unser Projekt Willenskraft an.

Wie findest du diesen Beitrag?
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (47)
Loading...
 

Das eigene Leben besser machen

Endlich, endlich, endlich diese eine Sache bewältigen

Das Selbstcoaching-Programm zeigt dir, wie du deine Probleme aus eigener Kraft löst. Damit du diese Sache hinter dir lassen kannst.

Verbessere deine Lebensfreude durch Wissenschaft

15 einfach umzusetzende Tricks und Vorgehensweisen, mit denen du deine Lebensfreude in kleinen Schritt verbessern kannst.

Finde deine Klarheit, deinen Fixstern, deinen Kompass.

Mit diesem Selbstlernkurs findest du mehr über dich heraus, als du vorher für möglich gehalten hast. Auf eine gute Art. Finde deinen Kompass

Auch interessant?

Kommentare

  • Willenskraft ist entscheidend auf lange Sicht gesehen. Durch diese kommt die, schön beschriebene, intrinsische Motivation so oder so. Sobald man motiviert ist, sollte man diesen Zustand jedoch definitiv nutzen. Wichtig ist dabei nur, zu erkennen, dass Motivation kein dauerhafter Zustand ist und wir uns folglich nicht auf diese verlassen können.

  • Hallo Ralf und Team,

    Eure informative und und dennoch lockere Schreibe überzeugt.
    Über dieses spezielle Thema habe ich noch nie so knapp und doch prägnant gelesen. Jetzt wird mir Einiges klar !!!
    Da stört es auch nicht weiter, dass an einer Stelle wohl der Fehlerteufel zugeschlagen hat: aus “Selbstmotivation” wurde da plötzlich “Selbstsdisziplin”.
    Kein Ding ! Ich denke, die meisten haben´s trotzdem verstanden …
    Liebe Grüße,
    Günther :o)

  • Mich hat der Artikel zunächst eher verwirrt als aufgeklärt. Mein erster Eindruck war, dass Willenskraft nur dort benötigt wird, wo keine Motivation vorhanden ist. Dass also Motivation und Willenskraft exklusiv nebeneinander existieren: Wenn ich motiviert bin, benötige ich keine Willenskraft.
    Nachdem ich mich nun etwas mehr damit beschäftigt habe, ist es doch wohl eher, dass Motivation erstmal nur eine Handlungsbereitschaft beschreibt, während willenskraft dazu benötigt wird, diese Handlung tatsächlich durchzuführen (Umsetzungsfähigkeit).
    Selbst wenn ich motiviert bin, etwas zu tun, brauche ich dennoch zumindest etwas Willenskraft, um es umzusetzen, oder wie man so schön sagt: “den Worten Taten folgen lassen”. Der Begriff Volition hätte erwähnt werden dürfen, finde ich.

  • Vielen Dank für diesen Beitrag! Manchmal sollte man aber auch einfach Dinge sein lassen, anstatt mit “aller Gewalt” die Willenskraft dazu zu bewegen. Wie schon beschrieben folgt die Willenskraft der Motivation – ein einfaches Naturprinzip “Der Körper folgt dem Geist!”.
    Mit strahlenden Grüßen
    Elena Sommer

  • Hallo Ralf,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Deine differenziert Betrachtung hat mir weitergeholfen. Dieser Artikel hat meine Entscheidung über den jetzt startenden Workshop “Willenskraft” unterstützt – ich bin dabei.

    Besten Dank und liebe Grüße
    Bernd

  • Ralf
    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Die Differenzierung der beiden Begriffen ist mir klarer geworden.
    DANKE X Mal.

    Richard aus Berlin

  • Cool neudeutsch mir ist durch diese gut verständliche Differenzierung klar geworden wo ich meine Energien besser einsetzen kann!DANKE!

  • Moin Ralf,
    das ist ein großes Thema. Ich glaube, jeder entwickelt sein eigenes Anti-Frust-Sofortprogramm, wie ich das nenne, um Motivation wie Willenskraft zu stärken in der täglich wiederkehrenden Auseinandersetzung mit alten Gewohnheiten (bis hin zu Suchtverhalten…). Ich bin gerade im Umzug, da gibt’s reichlich Anlässe, einen Schritt weiter zu kommen, oder eben nicht – aus Gewohnheit! Ich schaffe es immer öfter mit Achtsamkeit, Mediation oder kluge Worte meines Lamas in mein Ohr, die meine Stimmung heben. Aber du warst ja eher bei der Definition und nicht dem Weg aus der Falle. Danke dafür.
    Frohes Neues Jahr an alle
    Renate

  • Ich war schon beim ersten Lesen begeistert, weil es klar wird wie es in uns funktioniert. Nun ist für mich auch deutlicher geworden, dass ich “mein Kompass” erst nach Deinem Beitrag hätte starten sollen. Na, ja jetzt werde ich mich zu besseren Zeiten (z.B. nicht spät Abends, sondern am Wochenende) mit mehr eigener Motivation (Emotionen spüren können) und Willenskraft nochmal dran machen. Für mich als “Kopfmensch” bisher nicht so einfach gewesen.
    Ganz herzlichen Dank für diesen guten und sinnvollen Beitrag.

  • Absolut super erklärt, danke von Herzen!
    So werde ich versuchen besonder motiviert mein 2016 zu gestallten.
    Das Wollen ist so eine Sache. Oft vergesse ich dabei, für alles dankbar zu sein, was ich habe. Teilweise weil ich es wollte und mich dann motivierte es zu erreichen. Vieles ergibt sich dann von selbst.

  • Sehr gut erklärt!!! Danke. Da gehen einem Lichter auf. Gerade mit dem “Aufbrauchen” der Willenskraft, was mir erklärt, warum abends manchmal nix mehr geht, was morgens easy von der Hand läuft.

  • Lieber Ralf,

    dieser Artikel ist einer der prägnantesten und weiterführendsten Eures Newsletters.

    Darin wird deine große Urteilskraft deutlich –
    eine weitere Kraft, die es für jeden zu erringen gilt.

    Besten Dank,
    Cardu Elis

  • Hallo Ralf,

    danke, dass du dich mit den beiden Begriffen so ausführlich auseinander gesetzt hast. :)

    Ich fasse zusammen: Motivation: Das worauf ich Bock habe / Willenskraft: Das was mich etwas tun lässt, auf das ich keinen Bock habe.

    Toll ist, dass klar wird, dass man die Motivation steigern sollte, um weniger Energie in Form von Willenskraft zu verbrauchen. :)

    Liebe Grüße,
    Ronja.

Deine Anmerkung zu diesem Beitrag?

Hausregeln: Wir lieben Kommentare :-) Auch kritische Anmerkungen. Solange sie respektvoll, fair, höflich und konstruktiv sind. • Und bitte, bitte, bitte kein Marketing in irgendwelcher Form (auch nicht für kostenlose Angebote) • Und bitte unter dem eigenen Namen schreiben (nicht als "Versicherungsvergleich" oder "Wasserbetten"). • Die Fotos neben den Kommentaren funktionieren übrigens über Gravatar. Ihre Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Eine Sekunde bitte noch…

Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, dann lass dich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.

Ooooch, schon gehen?

Aber falls Sie diesen Beitrag gut fanden, dann lassen Sie sich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.

Warte, einen Augenblick!

Wenn du unsere Seite nützlich fandest, dann lass dich doch regelmäßig mit unseren Artikeln beliefern.

Einfach kostenlos per Email anfordern.

PS: Alle lieben Menschen in unserem Verteiler bekommen auch kostenlos unser Ebook "12 Lifehacks" und Zugang zu unserem umfangreichen Download-Center mit tollen Postern, Plänen, Checklisten und vielem mehr.