Nicht mehr zeitgemäß?

Langsam und gemächlich schreitet sie um die Straßenecke. Sie versteckt sich nicht, auch wenn sie schon wieder von weitem die Silhouetten derer sieht, die mit dem Finger auf sie zeigen. Sie weiß genau, es ist lediglich der Neid der sie dazu antreibt und die Unsicherheit, aber manchmal schmerzt es dennoch.

“Sie ist hochnäsig.” sagten sie.

“Sie fühlt sich als etwas Besseres.” behaupteten sie.

In der heutigen Welt ist sie nicht mehr so angesehen wie damals, das hat sie mittlerweile einsehen müssen. Aber was hat sie denn nur falsch gemacht? Sie hatte sich nicht verändert. Aber die Welt um sie herum hatte sich verändert.

Sie schlich die Straße entlang und schaute in ein Fenster. Ein Wohnzimmer, die Eltern und ihre zwei Sprösslinge. Die Kleinen sitzen mit leerem Blick auf dem Boden und lassen sich von den flimmernden, bunten Bildern unterhalten. Auf den drei Büchern im Regal türmt sich der Staub. Sie ist einfach nicht mehr modern, dabei hatte sie geglaubt zeitlos zu sein.

Plötzlich steht der kleine Junge auf und kommt zu ihr ans Fenster. Interessiert schaut er ihr in die Augen.

“Wer bist du?”

Überrascht und erfreut über so viel Aufmerksamkeit stutzt sie kurz.

Als sie antworten will, blökt die Mutter des Jungen los: “Was willst du denn von der? Komm wieder Fernsehen! Die Werbung ist zu Ende!” Mit einem lauten Knall schließt sie das Fenster.

“Ich bin die Intelligenz.” flüstert sie nur und schleicht mit hängendem Kopf davon.

Von Melanie Geilker

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Kommentare

  • Diese und ähnliche Geschichten regen zum Nachdenken an.Das gefällt mir daran – auch wenn sie auf den ersten Blick übertrieben wirken. Es ist eben die
    Essenz aus dem Alltagsleben.
    Was mir an dieser Geschichte nicht gefällt, ist das
    Wort “Intelligenz”. Ich würde es mit dem Wort
    “Fantasie” ersetzen.
    Wo Fanatasie fehlt, kann keine Kreativität entstehen.
    Ohne Kreativität hat Intelligenz oft wenig alltagstauglichen Nutzwert.

  • doch – leider empfinde ich diese Geschichte sogar ziemlich als Realität.

    Meine Kinder (15 und 13) beschweren sich mittlerweile selber, dass sich ihre Klassenkameraden – auf dem Gymnasium – für überhaupt gar nichts interessieren. Jedenfalls sehr viele davon. Die, die ausgeprägte Hobbies pflegen (womöglich auch noch lesen!!!) und sich engagieren – die werden ganz schnell als Streber verschrieen. Wer nachfragt und etwas weiß, weil er sich dafür interessiert, riskiert das soziale Aus. Also passt man sich eher an…

    Bei den Elternabenden der letzten 9 Jahre habe ich oft das Gefühl gehabt, dass sehr viele Kinder sich selber und dem Fernseher überlassen sind. Oft auch zwangsweise, weil beide Elternteile arbeiten müssen.

    Man darf heutzutage noch “smart und clever” sein – aber Bildung und geförderte/beachtete Intelligenz scheint wirklich leider manchmal ein Makel zu sein. Und das tut all den Kindern weh, deren Kreativität, Intelligenz, etc. verkümmert, weil sie keine Aussenseiter sein wollen.

    Ja, oft ist es Neid – aber weh tut es den betroffenen Kindern trotzdem.

  • Nein,das gefällt mir nicht.
    Intelligenz ist gar nicht altmodisch.
    … und schon gar nicht so plump wie diese Geschichte.
    Diese Art “Zeigefingermoral”gab es schon und hat mich schon genervt als ich in der Grundschule war und das ist fast 40 Jahre her.
    Sorry

  • Also ich finde es gut so wie es ist.
    Ich denke es ist nur eine Geschichte die zum Nachdenken anregen soll und wie man ja weiß, ist in jeder Geschichte ein wenig Wahrheit und ein wenig Fantasie. Ich denke jeder Mensch liest, ob in einer Geschichte, in einem Zeitungsbericht, oder in einem Buch immer das was er verstehen und aufnehmen kann, nach seinem persönlichen ermessen.
    Den Einen gibt es was und den Anderen wiederum nicht. Lassen wir die Geschichte so stehen, sie hat in dieser Weise vielleicht schon bei manchen den Schalter umgeknippst und in bestimmten Situationen zu Einsicht verholfen.

  • ach nee, das kann ich so nicht unterschreiben. Klar kenne ich auch solche Familien, die viel vorm Fernseher verbringen, auch noch der Meinung sind, Fernsehen bildet (und dabei in der Realität einfache Dinge nicht unterscheiden können, für die sie besser in den nächsten Wald gegangen wären, das habe ich alles erlebt).

    Aber nein, die Intelligenz ist nicht weg. Das erlebe ich zur Zeit in der Schule, die Kinder sind nicht generell dumm oder stumpf – nicht mehr und nicht weniger als vor 30 Jahren auch, als ich zur Schule gegangen bin. Ich wage zu behaupten, wie Kinder und Leute es schon immer waren, jeder nach seinen Fähigkeiten.

    Das Gros der Kinder ist klug und intelligent, föhlich und frech, sozial kompetent und hellwach und nutzt seine Intelligenz auf vielfältigste Art und Weise! Und diese Art und Weise mag nicht immer so sein, wie man es sich als zurückgebliebener Mittvierziger vorstellt! (den Mittvierziger unterstelle ich hier einfach mal – kann auch Mittfuffziger oder -sechziger sein)

  • Ich verstehe und teile die grundlegende Aussage, halte allerdings den Blickwinkel für zu generalisierend. Wo ist die “Intelligenz” eher zu Hause – bei der Familie, die den Abend vor 3sat, arte, Discovery Channel & Co. verbringt, oder bei jener, die im Wesentlichen Yellow Press und Versandhaus-Kataloge “liest”? Ich vermute, der Text resultiert aus mehr oder weniger intensivem Erlebten und kann ihn definitiv nachvollziehen. Aber insgesamt… wünschte ich mir ein wenig differenzierte Betrachtung. No offense. :)

  • Gefällt mir sehr gut.
    Sowohl die Aussage, als auch die Art, wie es geschrieben ist.

    LG,
    Martina Hildebrand

    • mikeondoor schreibt am 13. Februar 2011

      …würde eher von vernunft reden… mit kühler intelligenz werden atombomben gebaut und profite gemach
      gruss mikeondoor

  • hmmm, ich find’s nicht so gut, klingt ein wenig zu reißerisch.

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