Gibt es Schicksal? Die spannende Antwort eines Sufi-Meisters

Inspirationen aus dem Buch "Meisterschaft: Entwicklung innerer Stärke für die Herausforderungen des Lebens" von Pir-o-Murshid Hazrat Inayat Khan, übersetzt von Assad Peter Splieth (erscheint 2009)

Wir haben immer wieder die Wahl – im Kleinen wie im Großen. Wir haben die Wahl, angebotenen Methoden auszuprobieren, Wege einzuschlagen, Anregungen anzunehmen, genauso wie wir die Wahl haben, Vorschläge abzulehnen, uns gegen bestimmte Ideen zu entscheiden und uns die Freiheit zu nehmen, manch‘ noch so hochgelobte Technik eben genau nicht anzuwenden. Diese Wahlmöglichkeiten machen es manchmal schwierig, gleichzeitig machen sie es aber auch unendlich spannend.

Mein Weg wird nicht der Ihre sein und der Erfolgsweg einer Person nicht der für eine andere Person. Ich empfinde gerade diese Vielfalt als enorm bereichernd, denn ich kann mir aus alle dem, was möglich ist, mein eigenes Lebensmosaik, meinen eigenen Werkzeugkoffer zusammenstellen. Ich kann mir überall Inspirationen suchen, Ideen finden, Anregungen mitnehmen. Ich kann durch mein Nachdenken und durch meine Reflektion dessen, was mir vorgeschlagen wird, Stück für Stück meinen eigenen Weg finden und daran wiederum andere teilhaben lassen – nicht mehr und nicht weniger.

Schicksal und freier Wille

Sehr häufig glauben diejenigen, welche an das Schicksal glauben, nicht an den freien Willen und umgekehrt. Die einen, die mit ihrer Arbeit erfolgreich sind, betrachten diesen Erfolg als Ergebnis ihrer Arbeit. Sie meinen dann, wenn überhaupt irgendetwas existiere, müsse es der freie Wille sein, und dass die von ihnen erzielten Ergebnisse ihren vorausgegangenen Handlungen entsprächen. Für sie ist Fatalismus eine Form der Faulheit, und sie bezeichnen Schicksal als Aberglauben. Die anderen haben sich erfolglos angestrengt. Sie meinen, etwas halte sie davon ab Resultate zu erzielen, und dann nehmen sie an, dass es etwas wie Schicksal geben müsse, von dem sie behindert würden; sie bezeichnen den freien Wille als eine Konzeption, eine Idee, während in Wirklichkeit alles vom Schicksal regiert werde.

Die Idee des freien Willens hat seine Bedeutung, und der Glaube daran hat im Leben einen speziellen Nutzen. Gleichzeitig ist die Vorstellung vom Schicksal sehr grundlegend.

Ein fester Plan?

Denkt man über das Schicksal nach stellt sich die Frage, ob es einen vorgezeichneten Plan gibt, und ob jedes Ereignis im Leben sich nach diesem Plan richten muss; und wenn das Leben  vorgezeichnet ist, auf welcher Grundlage und von wem? Wenn es von Gott festgelegt wird, wie kann man ihn gerecht nennen, wenn er den einen glücklich und den anderen unglücklich macht, den einen groß und den anderen klein; dem einen gibt er Freude an sich selbst und gleichzeitig lässt er den anderen leiden, obwohl sie unter derselben Sonne leben und auf der gleichen Erde wandeln? Und wenn die Ereignisse nicht vom Schicksal, sondern von den Handlungen des Menschen bestimmt werden, sind es die Handlungen der Vergangenheit welche die Handlungen der Gegenwart hervorbringen, und wenn dem so ist, in welchem Maße ist der Mensch dafür verantwortlich?

Eine Frage des Lebens…

Diese Fragen tragen uns zu den Tiefen der Rätsel des Lebens, und wenn sie einmal beantwortet sind, ist ein großes philosophisches Problem gelöst. …. Für einen Menschen, der keine Macht über seinen Plan hat ist es besser diesen aufzugeben, und ihn in Gottes Hände zu legen. Je mehr man sich auf den Schöpfer des Plans verlässt, desto fähiger wird man, diesen Plan selber zu gestalten. Es ist genau wie mit einer Mutter, die ihrem kleinen Kind nicht erlaubt alleine zu gehen solange es nicht allein laufen kann, und darauf angewiesen ist ihre Hand zu halten. Und selbst wenn sie ihm erlaubt alleine zu laufen, hält sie ihre Hände schützend um das Kind, damit es nicht fällt.

Der Weg aus der Abhängigkeit

Nimmt ein Mensch seine Verantwortung in seine eigenen Hände und bezeichnet dies als freien Willen, so verliert er sozusagen diese Abhängigkeit, durch die Gott ihn an der Hand hält, welche Gott verantwortlich macht. Daher ist der ein Heiliger, der es schafft sich selbst dem Willen Gottes zu ergeben; und anschließend kann sich dies zu seinem freien Willen entwickeln, der dann der Wille Gottes sein wird. Dies ist es, was den Unterschied zwischen dem Charakter eines Heiligen und dem Charakter eines Meisters ausmacht: der Charakter des Heiligen ist dem Willen Gottes vollkommen ergeben, und der Charakter des Meisters findet Gottes Willen in seinem eigenen freien Willen.

Unsere Zweifel und unser Hadern…

Sehr häufig fragen wir uns, warum, wenn es einen Gott gibt und Gott die Liebe ist,  freundlich und barmherzig, es so viel Leid gibt, als ob Menschen bestraft würden. Aber dies ist unsere beschränkte Weise die Sache zu betrachten. In Wirklichkeit, wenn unsere Augen offen wären und wir tiefer ins Leben schauen könnten, würden wir erkennen, dass es so etwas wie Bestrafung nicht gibt. Die Barmherzigkeit Gottes ist in allen Dingen, aber wir bezeichnen als göttliche Barmherzigkeit nur was wir wahrnehmen und verstehen können; was wir nicht sehen und verstehen können kommt uns wie eine göttliche Bestrafung vor. Ob Eltern ihr Kind schelten oder liebkosen, in beidem ist ihre Liebe und nichts anderes. Wie Tagore sagt, „wenn Du mich auf eine höhere Stufe einstimmst, empfinde ich Leid. Aber ich weiß, Herr, dass dieses Leid da ist, um mich auf die richtige Stufe einzustimmen.“

Wenn wir es schaffen unseren Aktionismus zu zügeln und friedlich zu werden, unseren Willen dem Willen Gottes´ hinzugeben, dann beginnen wir die Liebe Gottes in allen Dingen zu sehen, und denken nie wieder, dass Gott etwas anders als Liebe sein könne. Deshalb denkt der Sufi an Gott nicht immer als den Schöpfer, den König oder den Richter; sondern als den Geliebten, den Liebenden, und die Liebe selbst.

Die meisten Menschen haben eine vorgefasste Meinung, die sie wie eine Wand um sich herum aufbauen; sie wollen nicht weiter denken, und sind zufrieden mit ihrem Wissensstand.

Festgeschrieben oder beeinflussbar?

Unser Lebensplan

Ein Mensch wird ohne Zweifel mit einem Plan geboren, der im Leben zu verwirklichen ist; nicht nur welcher Art seine Instinkte, Verdienste und Talente sein werden, sondern auch der ganze Plan, wie sein Leben sich entwickeln wird. Es gibt im Osten ein Sprichwort, demzufolge man das Leben eines Kindes aus dem Betrachten seiner Füße voraussagen könne. Sogar die kleinen Füße eines Kindes zeigen die Merkmale des Plans, denen es im Leben zu folgen hat.

Eine Geschichte

Folgende Geschichte wirft einiges Licht auf die Beziehung zwischen Schicksal und freiem Willen. In eines reichen Mannes Haus arbeitete ein Seher als Pförtner. Nun gibt es einen Glauben im Osten, dass ein Kind nicht eher geboren wird, als Engel zu ihm kommen und auf die Stirn seinen Schicksalsplan niederschreiben. Dieser Pförtner war ein wunderbarer Mensch. An der Tür, sobald die Engel kamen, sagte er, „halt, wohin geht ihr? Ich bin der Herr hier, ihr könnt erst hineingehen wenn ihr mir versprecht, den Plan mitzuteilen.“ Also erzählten ihm die Engel davon. Und als wieder ein Kind in dem Haus geboren wurde, machte sich der Pförtner Notizen darüber, was geschehen würde.

Nach einiger Zeit starben die Eltern. Sie waren reich gewesen, hatten aber ihr Geld aus irgendeinem Grund verloren, und die Kinder mussten ihr Heim verlassen und waren ohne Zuflucht. Da nahm dieser alte Pförtner die Last auf sich, sich um sie zu kümmern, aber sobald sie einige Jahre älter waren, ging jedes Kind in ein anderes Land. Eines Tages hielt es der Pförtner für seine Pflicht aufzubrechen und zu sehen wie sie zurechtkämen. Es ist außerdem für einen Seher sehr interessant das materielle Ereignis von etwas zu sehen, das er innerlich als Vision geschaut hat; es ist für ihn befriedigend, eine Freude, wenn all das, was er innerlich spürte in Erscheinung tritt und er es auf der äußeren Ebene geschehen sieht. Dies gibt ihm das größte Vergnügen.

Der Pförtner ging also und fand eines der Kinder als Pferdeknecht arbeiten und er war darüber sehr betrübt. Er ging zu dem jungen Mann und sagte, „es war nicht zu verhindern, es war festgelegt, dass du sein solltest, was du bist. Aber ich möchte dir einen Rat geben, da es mich traurig macht daran zu denken, dass du, in dessen Zuhause es so viele Pferde gab, als Pferdeknecht arbeiten musst. Hier ist etwas Geld, nimm es und geh in eine andere Stadt und versuche als Pferdetrainer Arbeit zu finden. Die Pferde der Reichen wird man dir zu trainieren geben, und ich bin sicher, dass du erfolgreich sein wirst. Der junge Mann fragte, „habe ich eine Wahl?“ Er antwortete, „nein, das ist der einzige Weg. Du wärst dein ganzes Leben ein Stallknecht geblieben,  wenn ich dir dies nicht gesagt hätte. Du kannst nichts anderes tun; dies ist die einzige offene Tür für dich. Mach es, und du wirst Erfolg haben.“ Der junge Mann tat wie ihm geheißen, und war sehr erfolgreich.

Der Pförtner ging zu dem anderen Sohn und fragte ihn nach dessen Lebensumständen. Dieser antwortete, „meine Lebensumstände? Ich laufe im Wald herum und fange Vögel, die ich in der Stadt verkaufe aber ich verdiene kaum genug, um zu leben.“ In jenen Tage war es bei Königen Mode sich einen speziellen Vogel als Haustier zu halten; dieser Vogel wurde Shabaz genannt, der Königsfalke. Der Pförtner sagte, „du darfst nicht nach gewöhnlichen Vögeln suchen, suche nur nach diesem Shabaz.“ Der Junge entgegnete, „wenn ich ihn aber nicht finden kann, werde ich hungern und sterben!“ Der alte Mann fragte, „weißt du was dein Vater war und was du bist?“ „Ja,“ antwortete er, „ich weiß, ich habe Pech gehabt.“ Der Alte sagte, „du wirst mehr Glück haben, wenn du nur auf mich hören würdest. Du brauchst dich nicht ändern; dein Beruf wird immer noch der Vogelfang sein. Aber fange den Shabaz. Du kannst ihn für Millionen verkaufen. Das ist der Vogel, den du fangen solltest.“

Den Rahmen füllen

Aus dieser Geschichte erkennen wir das Vorgehen des Sehers. Ein klarer Plan war für diese zwei jungen Männer gemacht; gleichzeitig war dort Raum für das Wirken des freien Willens, aber innerhalb des Plans. Und ohne den Raum zu erkennen, hätten sie weiterhin ein elendes Leben führen müssen. Es ist eine großartige Lektion, und wer diese Lektion versteht, kann enormen Nutzen aus ihr ziehen.

Sa´adi, der große persische Dichter sagte, „jede Seele wurde mit einer bestimmten Absicht geboren und das Licht dieser Absicht strahlt in der Seele.“

Also: Festgeschrieben oder beeinflussbar?

Es gibt Zeiten, wo uns leichtes Leben und Erfolg zugedacht sind und alles, was wir uns wünschen; und zu anderen Zeiten müssen wir ohne das auskommen, wir können es nicht ändern.

Wird ein Mensch damit geboren oder ist es die Wirkung des menschlichen Handelns auf der Erde? Beides. Nehmen wir an, ein Künstler überlegt sich zuerst einen Entwurf für ein bestimmtes Bild und während er das Bild anfertigt wird er so inspiriert, dass es ihm einfällt, den Entwurf zu ändern. Und im weiteren Verlauf ändert er es so sehr, dass es ziemlich unterschiedlich zum ursprünglich von ihm vorgestellten Bild gerät. In gleicher Weise kann Leben durch Handeln geändert werden. Eine rechte Handlung, eine gute Handlung hat produktive Kraft, ist kreativ und kann sehr viel weiter helfen als der Mensch sich dies vorstellt.

Kann der Mensch sich selbst helfen?

Der Mensch als Maschine und / oder als göttliches Wesen

In welchem Ausmaß kann der Mensch sich selbst helfen? Der Mensch vereint in sich zwei Aspekte. Der eine Aspekt bezieht sich auf seine mechanischen Anteile, wo er nichts ist als eine von Umständen, von seinen Eindrücken, durch äußere Einflüsse, durch kosmische Einflüsse, und durch seine Handlungen kontrollierte Maschine; alles, was mechanisch arbeitet, beeinflusst sein Leben entsprechend. Er hat keine Macht über Umstände, er ist nur ein Werkzeug der Einflüsse. Je deutlicher dieser Aspekt im Menschen hervortritt, desto weniger entwickelt ist er. Es ist Kennzeichen einer geringeren Evolution. Es gibt aber im Menschen einen anderen Aspekt, der kreativ ist, durch den er zeigt dass er nicht nur ein Teil Gottes, sondern mit Gott verbunden ist, denn sein innerstes Selbst ist Gott. Daher brauchen uns Geschichten über Weise, Meister, Heilige und Propheten nicht zu überraschen, deren Befehl den Kosmos beeinflusste und durch deren Willen sich ganze Völker nach ihrem Wunsch bewegten. Es ist nichts, worüber man staunen müsste. Äußerlich haben alle Menschen in etwa die gleiche Größe. Innerlich aber lässt sich die Größe des Geistes nicht vergleichen; es gibt keine Möglichkeit die Verständnisfähigkeiten zweier Menschen zu vergleichen. Der eine geht, der andere rennt, der dritte fliegt und wieder ein anderer kriecht; und doch wandeln alle auf der gleichen Erde, leben alle unter der gleichen Sonne und werden alle Menschen genannt. Dennoch hat jeder Mensch einen Funken dieser Kraft, hat er die Möglichkeit durch seinen freien Willen Umstände zu ändern, verstünde er nur, worum es geht. Es ist das Fehlen dieser Erkenntnis, das aus einem Menschen eine Maschine macht.

Über den Einfluss anderer Menschen

Was das Schicksal des Menschen betrifft, so sind es nicht nur die eigenen Handlungen sondern auch die Gedanken an jemand anderen, die eines Menschen Leben ändern können. Ich habe zum Beispiel viele Fälle gesehen, in denen eine liebende Mutter über ihr heranwachsendes Kind nicht erfreut war, weil dieses sie nicht zufrieden stellte. Darunter wird das Kind auf irgendeine Art immer zu leiden haben. Das Kind mag ein qualifizierter und fähiger Erwachsener werden, wenn er aber als Kind seiner Mutter nicht gerecht werden konnte, ist dies Grund genug, ihm Probleme zu bringen. Durch sorgfältiges Erforschen versteht man wie diese Dinge funktionieren; aber von Kindheit an sind wir so absorbiert von unserem eigenen Leben und unseren eigenen Interessen, dass wir nicht sehr viel Gedanken darauf verwenden wie wir durch das Denken und Fühlen der Menschen um uns beeinflusst werden.

Was wir geben, bekommen wir zurück

Ein mit seinem Diener unzufriedener reicher Mann, der diesen grob anspricht oder ihn beleidigt, nimmt es im Moment vielleicht nicht wahr, aber möglicherweise wurde der von ihm abhängige Diener in seinen Gefühlen verletzt. Kehrt nun der reiche Mann zu seinen Angelegenheiten und seinem Büro zurück, bekommt er den von ihm gegebenen Nadelstich zurück. Er weiß nichts davon; er denkt, er habe einen Diener provoziert, der sich nicht wehren kann. Aber jemand anders wird es ihm heimzahlen, ohne dass er versteht, dass dies die Antwort auf seine Handlungen ist.

Und so beeinflussen wir unser Schicksal

Wenn Gott eine Heimstatt hat, dann befindet sich diese im Herzen des Menschen. Wird das Herz unangenehm berührt, so hat dies Auswirkung auf das Schicksal. Wir sind uns des Ausmaßes nicht bewusst, in welchem das Schicksal durch das Gefühl eines anderen Menschen geändert werden kann; dadurch kann das Schicksal stärker beeinflusst werden, als durch unser eigenes Fühlen.

Asif, der große Philosoph sagt, „meine Unwissenheit, an dem Tage an dem du verschwindest, wird mein Herz offen sein, und dieses ganze Universum wird zu einer Blase im Ozean meines Herzens werden.“

Beschränkung, Kleinlichkeit und Unvollkommenheit sind das Ergebnis von Unwissenheit. Sobald aber das Herz offen ist, enthält es das ganze Universum, und die Quelle des Schicksals, sein Geheimnis und sein Rätsel sind in des Menschen Hand.

Auf welche Weise soll man an Schicksal und freien Willen glauben?

Die beste Art an das Schicksal zu glauben ist zu denken, dass alle unangenehmen Dinge, die wir durchgemacht haben Teil des Schicksals sind und der Vergangenheit angehören; zu denken, dass wir von ihnen frei sind. Und die beste Art mit dem freien Willen umzugehen ist es sich zu merken, dass alles, was kommen wird und alles, was vor uns liegt, Ergebnis des freien Willens ist.

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Kommentare

  • Und es geht aus meiner Sicht darum die Balance zu halten. In meiner Welt gleicht das Leben einem Tanz auf dem Seil. Glauben wir zu sehr an das Schicksal können wir wichtige Impulse zur Weiterentwicklung verpassen. Wollen wir zuviel des eigenen Willens umsetzen können wir uns in Gefahr bringen zu verzweifeln, wenn wir scheitern.

  • Das Schicksal anzunehmen oder dagegen anzukämpfen sind zwei Wege, die möglich sind. Es anzunehmen ist bequemer als dagegen anzukämpfen. Dagegen anzukämpfen ist anstrengender. Dafür ist die Annahme eine Haltung, die Ohnmacht erzeugt, während der Kampf das Gefühl gibt Eigenmacht zu besitzen. Für das eine ist eine persönliche Lebensvision unabdingbar. Beim anderen mache ich mir darüber keine Gedanken. Ich füge mich in den vorgegebenen Rahmen und mache das, was mir die Bedingungen aufoktroieren. Was ist weiser? Sich fügen oder kämpfen? Die Anpassung erfordert ebenso wie der Kampf unsere Energie. Vielleicht hilft die Betrachtung des persönlichen Wachstums weiter. Für jemanden, der angepasst lebt kann es ein riesiger Schritt sein, sich daraus zu lösen und für seine Träume zu gehen. Der, der für seine Träume kämpft kann auch wachsen, wenn er erkennt, dass es manchmal auch gut ist, gewisse Anpassungen vorzunehmen. Der Kampf gegen Windmühlen ist eben auf die Dauer auch nicht zielführend.
    Wenn es das Prinzip des Lebens ist zu wachsen, dann geht es darum zu schauen, auf welchem Wege wir uns am besten weiterentwickeln, Neues integrieren und auf dem Weg möglichst viele neue Erfahrungen zu sammeln. Aus meiner Perspektive sind wir schöpferische spirituelle Wesen, die durch ihre kreativen Fähigkeiten stets neue Lösungsansätze entwickeln können und dürfen. Gott freut sich, wenn wir spielen, denn auch ihm macht spielen große Freude, wie wir an der Vielfalt seiner Schöpfungen erkennen können. Er muss kein Führer sein. Er kann ein Begleiter sein, der uns kleine Zeichen schickt, wenn wir uns in Gefahr befinden, unserer Seele nicht mehr zu folgen und ihren Ruf zu ignorieren.

  • hochinterressant. ich bin körperbehindert und habe mich oft gefragt,
    wieso und warum.

    jetzt bin ich ein wenig klüger. denke ich.
    mit freundlichen grüßen karl frevert

  • Wenn also jemand meinem Herzen wehtut, bekommt er dies irgendwann durch irgendwen irgendwie zurück? Und was, wenn ich mich nicht entscheiden kann, welchen Weg ich gehen will, weil ch nicht weiß, was kommt, was richtig ist, kümmert sich dann mein Schicksal?

  • Du schreibst:
    Wir sind uns des Ausmaßes nicht bewusst, in welchem das Schicksal durch das Gefühl eines anderen Menschen geändert werden kann; dadurch kann das Schicksal stärker beeinflusst werden, als durch unser eigenes Fühlen.
    Meine Frage:
    Wenn mich jemand hasst u. dies eine alte Familiengeschichte betrifft die ich gar nicht kennne, was kann ich tun?
    Und:
    Wenn Deine Aussage stimmt, welche Folgen haben dann die Hasstiraden und shitstorms im Internet für die Betroffenen u. was können sie tun?
    Danke, liebe Grüße!

    • Rrez

      Ich habe dies so verstanden, deine Handlungen hängen oft vom Verhalten anderer ab. Sprich: du willst beliebt sein und machst etwas wo dir unangenehm ist nur um dazu zu gehören. Du Redest mit der besten Freundin deiner Mutter, obwohl du sie nicht leiden kannst. Aber du tust es deiner Mutter zu liebe. Die Erwartungen anderer beeinflussen dein Verhalten und deine Motivation. Deine Mutter will das du Arzt wirst, du machst aber Coiffeur und denkst von dir selbst das du nichts bist. Meistens denkt man das jemand diese Erwartungen hat ohne je darüber geredet zu haben. Ich denke vieles würde sich auflösen wenn der Mensch ehrlicher ist zu seinem Umfeld und besonders zu sich selbst.

      Ciao ciao, Gruss

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