Schuldgefühle überwinden – so gehts!

Schuldgefuehle
Du kannst deine Probleme lösen. Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut.
Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Ich weiß nicht, ob du schon mal richtige Schuldgefühle hattest. Vielleicht, weil du etwas Dummes getan hast? Oder vielleicht, weil du etwas nicht getan hast, was du hättest tun sollen? Wenn du Schuldgefühle kennst, dann weißt du ja, wie das sein kann. Wir fühlen uns schlecht, machen uns Vorwürfe und hadern mit uns. Ach, hätte ich doch nur …

Dabei gibt es große und kleine Schuldgefühle. Ich kann mich schuldig fühlen, weil ich gerade beim Telefonat mit einer Freundin achtlos war und sie gekränkt habe. Oder ich kann Schuldgefühle haben, weil ich meinen Vater ins Altenheim geben musste. Die Größe und Heftigkeit der Gefühle ist in beiden Fällen wahrscheinlich sehr unterschiedlich. Aber die Ursache ist gleich: Ich habe etwas getan oder unterlassen und bin dabei meinen eigenen Werten und (moralischen) Ansprüchen an mich selbst nicht gerecht geworden.

Schuldgefühle und deine Ansprüche an dich selbst

Wenn ich den Anspruch an mich habe, eine gute und verantwortliche Mutter zu sein, und dann gebe ich mein Kind zur Adoption frei, dann bekomme ich Schuldgefühle, auch wenn es noch so viele gute Gründe dafür gibt.

Oder wenn es mir „eigentlich“ wichtig ist, ein guter Freund zu sein, und ich schaffe es monatelang nicht, mich mit einer Freundin zu treffen, weil ich so viel um die Ohren habe, bekomme ich vielleicht auch leichte Schuldgefühle.

Immer dann, wenn wir uns selbst und unseren eigenen moralischen Ansprüchen nicht gerecht werden können, dann fühlen wir uns schuldig.

Hast du auch manchmal Schuldgefühle? Und möchtest du diese ein bisschen loswerden? Dann tue doch mal Folgendes im ersten Schritt:

Schritt 1: Was ist genau passiert?

Schaue doch bitte einmal möglichst rational, etwas abgeklärt und objektiv auf dich selbst. Frage dich bitte einmal kurz, ohne dich selbst zu bewerten:

  • Was habe ich getan oder unterlassen, weswegen ich mich schuldig fühle?
  • Und welche meiner Ansprüche an mich selbst habe ich damit verletzt?
  • Was hätte ich anders tun sollen und warum denke ich das? Warum hätte ich anders handeln sollen?
  • Welchen meiner eigenen Werte bin ich nicht gerecht geworden? Wo habe ich mich nicht im Einklang mit dem verhalten, was mir eigentlich wichtig ist?

Das ist jetzt so ein bisschen wie bei der Beichte: Sei ehrlich mit dir selbst und gib vor dir selbst zu, was du deiner Meinung nach falsch gemacht hast.

Du kannst deine Probleme lösen.

Aus eigener Kraft. Ohne Coach und Therapeut. Wie das geht, lernst du im Selbstcoaching-Programm.

Und es gibt natürlich immer auch Gründe, warum du so gehandelt hast. Aber um die Gründe kümmern wir uns hier erst einmal nicht. Frage dich bitte nur:

  • Was hast du getan oder unterlassen?
  • Und warum nimmst du dir das selbst übel? Warum bist du hier so unzufrieden mit dir selbst?

Schritt 2: Du bist in Ordnung

Für den zweiten Schritt möchte ich dir den folgenden Gedanken ans Herz legen …

Ja, vielleicht hast du einen Fehler gemacht. Ja, vielleicht hättest du dich besser verhalten können. Ja, vielleicht hast du jemandem Schmerz zugefügt.

Aber deswegen bist du kein schlechter Mensch.

Wir alle – und damit meine ich wirklich ausnahmslos alle – geben nur unser Bestes. Wir alle machen Fehler. Kleine Fehler und manchmal auch große Fehler. Und wenn wir vorher gewusst hätten, dass es ein Fehler ist, hätten wir es ja nicht getan. Niemand begeht absichtlich Fehler.

Und wir alle haben unsere Geschichte, unsere inneren Verstrickungen, unsere Muster und unsere wunden Punkte. Und deswegen sind wir manchmal egoistisch. Wir handeln manchmal verantwortungslos oder sogar fahrlässig. Wir verheddern uns in unseren Gefühlen und handeln anders, als wir es eigentlich von uns erwarten würden. Wir wollen manchmal eigentlich etwas Gutes und verursachen dadurch Leid. Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind, sondern, wie wir sie gerne sehen wollen. Wir schaffen es nicht, unsere Ängste zu überwinden und die Dinge zu tun, die wir eigentlich tun sollten. Wir sind zu bequem. Oder kalt zu anderen. Wir schaffen es nicht, unseren Stolz hinunterzuschlucken. Wir trauen uns nicht hinzuschauen, weil wir die Wahrheit nicht ertragen könnten. Wir sind manchmal rachsüchtig oder verletzend. Oder wir bekommen unsere Wut nicht in den Griff.

Und niemand von uns tut das mit Absicht. Wir geben alle immer nur unser im Augenblick Bestmögliches. Wenn wir es besser könnten, würden wir es tun. Du. Ich. Und die anderen auch.

Dazu kommt: Wer will sagen, dass wir an etwas wirklich die alleinige Schuld tragen? Oft haben wir Mitschuld und andere eben auch. Ursache und Wirkung lassen sich selten genau bestimmen. Manchmal sind Opfer gleichzeitig Täter und umgekehrt. Wer sich mit Systemik auskennt, der weiß: Es gibt selten nur einen Schuldigen. Es gibt nur Menschen, die ihren Anteil am gesamten System haben.

Das soll jetzt übrigens keine Generalentschuldigung für jede Art von schlechtem Verhalten sein. Zum Erwachsensein gehört es natürlich auch, Verantwortung für sein eigenes Tun zu übernehmen. Dazu kommen wir gleich in Schritt 3.

Ich möchte dir nur ans Herz legen: Sei nicht zu hart mit dir. Niemand ist perfekt. Und niemand macht alles richtig. Und manchmal versauen wir es eben richtig und auf ganzer Linie. Nicht schön. Aber alltäglich und ganz normal.

Deswegen möchte ich dich hier dazu ermutigen:

Verzeihe dir, dass du – wie jeder von uns – nur ein kleiner und fehlbarer Mensch bist. Verzeihe dir, dass du Fehler gemacht hast und dass du noch weitere Fehler machen wirst.

Und verzeihe dir insbesondere, dass du diesen speziellen Fehler gemacht hast, derentwegen du Schuldgefühle hast.

Was passiert ist, liegt in der Vergangenheit. Du kannst es nicht rückgängig machen. Es macht keinen Sinn, sich deswegen selbst zu bestrafen. Davon hat niemand etwas. Dadurch machen du nichts besser. Das ist nur destruktiv und unnütz.

Wenn du dich deswegen weiter schlecht fühlst, investierst du nur deine wertvolle Kraft und Lebensenergie in etwas, was du nicht mehr ändern kannst.

Und diese Kraft und Lebensenergie kannst du tatsächlich in etwas viel Besseres investieren.

Wie kann ich etwas in meinem Leben ändern?

Hast du schon mal versucht, etwas in deinem Leben zu ändern? Dein Verhalten? Deine Einstellung? Deine Stimmung? Und es hat nicht geklappt? Dann willkommen im Club, damit bist du nicht alleine … weiterlesen

Nämlich darin, die Sache so gut, wie es geht, wiedergutzumachen. Und damit sind wir bei Schritt 3.

Schritt 3: Verzeihen und Wiedergutmachung

Fehler zu machen liegt eben in der menschlichen Natur. Das lässt sich nicht verhindern. Was wir aber tun können, ist, unsere Fehler so gut, wie es geht, wiedergutzumachen.

Das ist es, was die wirklichen Erwachsenen von den Kindern unterscheidet. Erwachsene übernehmen Verantwortung für ihr Handeln. Und wenn sie einen Fehler gemacht haben, dann stehen sie dafür ein.

Und wenn du einen Fehler gemacht hast und deswegen Schuldgefühle hast, dann solltest du zwei Dinge tun:

  • Du solltest dir selbst verzeihen.
  • Und du solltest, wenn es möglich ist, Wiedergutmachung leisten.

Wenn du jemandem Schmerz zugefügt hast, dann versuche, diesen Schmerz zu lindern. Wenn du Schaden angerichtet hast, versuche, so gut, wie es geht, den Schaden zu reparieren. Wenn du jemandem Unrecht getan hast, leiste einen Ausgleich. Und entschuldige dich. Bitte um Verzeihung. Gib zu, dass du einen Fehler gemacht hast, und leiste Abbitte.

Manchmal sind wir in der traurigen Situation, dass derjenige, dessentwegen wir Schuldgefühle haben, nicht mehr lebt. Oder derjenige verweigert den Kontakt mit uns.

In diesem Fall kann es helfen, einen Brief zu schreiben, und sich im Brief für alles zu entschuldigen und sich so zu entlasten. Den Brief kannst du dann rituell verbrennen oder in eine Flasche stecken und ins Meer schmeißen (Sorry an alle Umweltschützer).

Oder du leistest die Wiedergutmachung an einer anderen Stelle, indem du dich für etwas engagierst, was mit deinen „Schuldgefühlen“ zu tun hat. Nehmen wir mal als Beispiel jemanden, der durch übermäßigen Alkoholkonsum nicht nur sich, sondern auch seine Familie zerstört hat. Dieser Mensch könnte als Wiedergutmachung anderen Menschen helfen, den Schritt aus der Alkoholsucht zu schaffen. Oder er könnte an Schulen gehen und Jugendliche darüber aufklären, welche Folgen übermäßiger Alkoholkonsum haben kann.

Um das innere Gleichgewicht vollends wiederherzustellen, muss man manchmal etwas tun und Wiedergutmachung leisten. Was es ist, ist ganz unterschiedlich. Und ob es das Richtige war, wirst du wissen, wenn du deinen inneren Frieden mit der Sache gemacht hast.

Das sind die 3 Schritte, mit denen du an deinen Schuldgefühlen arbeiten kannst:

  • Sei ehrlich mit dir und beichte deine Schuld.
  • Akzeptiere, dass du ein fehlbarer Mensch bist, und verzeihe dir selbst.
  • Leiste Wiedergutmachung.

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Kommentare

  • Danke für diesen Beitrag. Ich weiß mein “Problem” ist wahrscheinlich nicht so ernst wie andere hier… Ich habe zusammen mit meiner Freundin (mehr als ein halbes Jahr zusammen) und ihren Freunden ihren Geburtstag gefeiert und an dem Abend zu viel getrunken, sodass ich mich im Club übergeben musste. Es sollte ein schöner Abend für sie sein, aber letztendlich musste sie mich nach Hause begleiten als die Party gerade angefangen hatte… Sie findet es selbst blöd, dass das passiert ist und ich kann nicht aufhören daran zu denken, dass ich ihren Geburtstag ruiniert habe. Ich habe solche Schuldgefühle und es hindert mich am Alltag. Ich habe aber auch gelernt, wo meine Grenzen sind und dass ich nie wieder will, dass sich sowas wiederholt… Jetzt muss ich das akzeptieren und das Beste daraus machen.

  • Nein ich möchte gar nicht, dass Menschen die “große” Schuld auf sich geladen haben, sich von ihren Schuldgefühlen befreien dürfen. Was ist da Absicht, was da unabsichtlich….ist ja im nachhinein immer unabsichtlich gell!? und in dem entscheiden Moment “Absicht”, why not!?
    Ja ich stehe dazu, ich möchte keine Heilung für Menschen, die mit ihren Impulskontrollproblematiken, destruktiven Verhalten Leid zu fügen.
    Womöglich müssen deren Opfer ins Krankenhaus “Leben” – Trauma Therapie. Zu mindestens müssen sie ewig lange ihren Lebensknacks mit sich tragen –
    Angst haben. Wie auch immer bei erwähnten Narzissten sehe ich eh keine Wandlungsfähigkeit.
    Wer Angst- und Traumataleuchten erzeugt…bei dem sollen bitte wenigstens lange Schuldgefühlslampen im Schlaf leuchten. Das sehe ich nicht mal als rachsüchtig, eher als Equal und Fairness.

  • Hey ich bin Christian
    DIESER Beitrag ist echt schön geschrieben ich bin 37 Jahre und habe viel schuld auf mich geladen ohne es zu merken weil ich vor meinen Gefühlen weggelaufen bin und ich dadurch meine tochter und Frau verlor meine Ehefrau zog vor Gericht wegen der kleinen und hatten 3 Gerichtsverhandlung ohne je miteinander gesprochen zu haben nur Streit und Wut in
    Trotz allen liebte ich diese Frau wie immer und ihr negatives verhalten und Desinteresse an meiner Person nach 15 Jahren war hart also kämpfte ich ums Kind aber Alls ich merkte das meine tochter immer mehr zu Mutter Hielt versuchte ich meine liebe für beide zuverdrängen und gab meine tochter komplett der Mutter ich dachte das wäre ein Beweis meiner lieb an beide und ließ sie los es war auch alles in Ordnung bis 1 Woche vor weinachten da redete ich mit der Mutter, meiner Tochter es war an sich alles in Ordnung aber dann kam alles hoch jede Möglichkeit unser Streit und und und dann erklärte sie ,
    Mir das sie keine Gefühle mehr für mich hat und ich selber schuld sein dich mein Verhalten da sie nie die Liebe sah sondern nur mein Hass aber die Konflikte waren sehr hart für mich und ich versuchte ohne sie weiterzumachen doch dann kommen meine Gefühle zurück und sie lebt mich als Partner völlig ab und das ist meine sch6ld denn ich wollte einfach nur das sie mir zeigt das sie mich liebt und um diese Beziehung kämpft nein sie tat es nicht und ich wollte sie nie verlieren aber weil ich diese Lehre diese schuld bringen mich noch um ich versuchte mit ihr zu reden das tat sie auch aber merkte ich erst wie weit sie schon weg ist und das ist die hölle egal was ich tun werde ich möchte wieder frieden

  • Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin auch gerade ziemlich verzweifelt. Meine Mutter lebt seit 2009 mit mittelschwerer Demenz im Pflegeheim. Sie ist 73 Jahre alt. Nun entwickelte sie im Sommer eine Hinlauftendenz und das Heim konnte die Sicherheit nicht mehr gewährleisten, da es ein offenes Heim ist. Nun habe ich meine Mutter in ein anderes Heim gebracht, allerdings liegt es mit dem Auto 20 Minuten weit weg von mir und ist mit dem Bus schwer zu erreichen, sehr ländlich und dörflich. Ich habe so ein schlechtes Gewissen, da ich selber kein Auto fahre, kann ich sie nicht mehr so spontan besuchen, wie ich es möchte. Ich bin hin und her gerissen, einerseits ist das Heim sehr schön, sie kann dort geschützt spazieren gehen und ihr geht es gut. Andereseits war ich seit dem 12. Lebensjahr – nach der Scheidung meiner Eltern – der “Ehepartner” meiner Mutter. Ich habe immer schon großes Mitleid mit meiner Mutter gehabt, die weder eine Freundin hatte, noch sich glücklich fühlte. Sie war immer einsam und allein und hat das so vorgelebt, dass ich mich immer um sie gekümmert habe. Obwohl meine Kindheit nicht sehr liebevoll war, hatte ich immer Schuldgefühle, ein schlechtes Gewissen, wenn ich nicht bei meiner Mutter sein kann. Ich denke nun, dass ich eine falsche Entscheidung getroffen habe. Ich weiß nicht, ob meine Mutter mich vermisst, Sehnsucht hat. Sie erkennt mich als nette Frau, aber nicht als ihre Tochter. Wie kann ich lernen, dass auch ich ein Leben habe. Ich selbst habe keine Freundin und auch keinen Freundeskreis… ich bin oft traurig und weine viel…

    • Henning Peters

      Hallo Susanne,
      ohne Kenntnis der näheren Umstände würde ich sagen: Du hast eine Entscheidung
      getroffen, die dir im nachhinein Kopfzerbrechen bereitet.
      Nun wirst du vermutlich einige bis viele Ratschläge hier erhalten und letztendlich doch nicht wissen, ob du richtig oder falsch gehandelt hast.
      Meine Sichtweise: Frage dich, was deine Mutter getan hätte, würdest du dieses
      Schicksal erleiden (Demenz).
      Besuche deine Mutter sooft wie es dir möglich ist, und akzeptiere ihre Krankheit.
      Dort wo sie ist, ist sie gut aufgehoben und muß nicht leiden.
      Nach meinem Verständnis hattest du eine richtige Entscheidung getroffen,
      Viel Glück
      Henning

  • Hallo zusammen bei mir ist es so ich habe meine beste Freundin verloren weil ich ein rissen großen Fehler gemacht habe den bereue ich zu Tiefs ich kann seit Tagen nicht mehr schlafen und da ich ein Herz Problem habe ist es noch schlimmer geworden immer sehr hoher Puls das macht mich einfach mal so fertig Ich hoffe ja immer noch das ich es mit ihr klären kann aber bis her komme ich einfach nicht mehr an de ran

    Danke

  • Hallo,

    dies ist ein sehr wertvoller Beitrag und ich kann genau zustimmen.

    Darüber hinaus gibt noch den Fall, dass andere ganz bewußt versuchen, Schuldgefühle bei anderen zu erzielen, um sich selbst stärker zu fühlen und bestimmtes Verhalten zu erreichen. Manche versuchen gezielt, andere einzuschüchtern, zu kritisieren/überwachen, abweisend und unnahbar zu sein oder auch an Mitleid zu appellieren oder sich über das übliche Maß hinaus entgegenkommend zu verhalten/übermäßige Geschenke zu machen.

  • Hallo Uli,

    Gott beweist seine Liebe darin, dass Christus für uns starb, als wir noch Sünder waren” (Röm 5,8), also, als wir noch Atheisten (gegen Gott eingestellt) waren. Auch für Atheisten hat er die Schuld bezahlt, so groß ist seine Liebe zu uns Menschen.

    Braucht man Kraft zum Glauben? Ist es nicht gerade andersherum: Der Glaube gibt einem doch Kraft.

    Sei gegrüßt v. Ingrid

  • Vielen lieben Dank für diese Mit-Teilung Herr Senftleben,
    Ich denke mir, Schuldgefühle sind Anreizungen von unserem Inneren um uns zu zeigen, wo es noch etwas zu akzeptieren, anzunehmen und zuzulassen gibt. Ein Prozess, der sicherlich viel Kraft und Mut kostet- der uns aber immer mehr zu uns selbst führt. Ich er-lebe dies alle wunderbaren Tage!

    schönen Tag euch Allen

  • Mein Vater war ein Mensch, auf den ich mich immer verlassen konnte; er war immer für mich da, wenn ich ihn brauchte. Ich habe meinen Vater bei einem Besuch im Krankenhaus im Stich gelassen. Ich konnte seinen geschwächten Anblick nicht ertragen und bin nach 10 Minuten unter dem Vorwand, dass es ihm ja so schlecht geht, wieder gegangen, obwohl er mich mit Tränen in den Augen bat, noch ein bißchen zu bleiben. Ich nahm mir fest vor, beim nächsten Mal länger durchzuhalten. Zwei Tage später war er tot und ich habe ihn nicht lebend wiedergesehen. Da gibt es nichts zu entschuldigen und keine Wiedergutmachung…

    • Birgitt

      das ist genau ein Beispiel dafür, wie sieht es denn hier mit Wiedergutmachung aus?
      Ich gebe Herrn Senftleben vollkommen recht. Wir sind Menschen mit Schwächen und Stärken, und machen Erfahrungen.
      Ich habe das Problem mit der Wiedergutmachnung. 2 meiner 3 Kinder sind in einer völlig intakten, glücklichen Familie groß geworden. Der Nachzügler ( heute 22 Jahre ) hat Auseinanderleben, Trennung und Rosenkrieg mit Scheidung im Alter von 8 Jahren erlebt. Wie kann man das wieder gut machen ??

    • Ernst

      Das mit der Wiedergutmachung muß man etwas weiter gefasst sehen, finde ich. Natürlich können wir die Zeit nicht zurück drehen. Aber wir können mit offenen Augen weiter durchs Leben gehen und für andere da sein, wenn sie uns brauchen. Ich bin überzeugt, dass wir sowieso alle in irgendeiner Weise zusammenhängen und die Zeit kommt sicher, wo wir etwas an andere weiter geben können.
      Und das, was unser Eltern uns alles mitgegeben haben, können wir ihnen eh nicht wieder “zurück geben”. Wir sind durch sie geworden, was wir sind und als solche stehen wir im Leben und geben das an andere weiter, was wir bekommen haben – an unsere eigenen Kinder (falls wir welche haben) und an jeden anderen, mit dem wir in Beziehung stehen.
      Die Erfahrung, Fehler gemacht zu haben ist eine Last, aber sie verändert uns auch – sie macht uns bewußter, mitfühlender anderen gegenüber, menschlicher und nicht zuletzt toleranter gegenüber anderen, die auch Fehler gemacht haben. Und das ist viel wert.
      Das ist letztlich alles, was wir tun können, eben weil wir die Zeit nicht zurückdrehen können. Ich finde, es ist wichtig, nach vorne zu blicken und nicht gramgebeugt weiter zu gehen – denn nur dann sind wir stark und sind bereit, wenn wir gebraucht werden. Und nach solchen Gelegenheiten muß man oft gar nicht groß suchen – die kommen automatisch. Das ist jedenfalls meine Erfahrung nach über 50 fehlerreichen Jahren.

  • Ein gutes und wichtiges Thema. Und aus meiner Sicht eines der besten in letzter Zeit. Wichtig finde ich in dieser ganzen Geschichte die Unterscheidung zwischen Schuld und Schuldgefühlen. Besonders für die Kommentatoren, die hier aus christlicher Sicht schreiben.
    Schuldgefühle entstehen aus dem Konflikt mit meinen eigenen Maßstäben. Schuld ist, wenn ich eine von außen gesetzte Norm nicht einhalte. Da ist es erst mal egal, ob das die StVO oder biblische Maßstäbe sind.
    Bei Schuldgefühlen muss ich meine eigenen Erwartungen und Maßstäbe auf den Prüfstand stellen. Und da geht es nicht um Beichte und Wiedergutmachung, sondern zuerst um Ehrlichkeit mit mir selber. Da gilt ein anderes biblisches Wort: “Wenn uns unser Herz verdammt, ist Gott größer als unser Herz”(1.Joh 3,21)

  • Jesus Christus vergibt mir meine Verfehlungen (Römer 3,25-26), wobei ich aber die Schadenswiedergutmachung beachte (Lukas 19,8).

  • Ich habe in meiner “Krise in der Mitte des Lebens” Dinge getan, die ich lieber nicht gemacht hätte. Und ich habe ganz sicher andere Menschen dadurch verletzt. Und dadurch lange Zeit große Schuldgefühle gehabt.
    Nun, das ist lange her und ich habe (hoffentlich) die Zeit gut aufgearbeitet. Und heute weiß ich, dass diese Zeit auch etwas Gutes für mich hatte. Nur so bin ich heute der Mensch, der ich bin und das ist gut so. Und mir hat viel die Erkenntnis/Gewissheit geholfen, dass auch ich mich immer bemüht habe mein Bestes zu geben (wenn auch wohl teilweise SEHR gedankenlos war).

    Und trotzdem:
    Es gibt immer wieder Situationen, da komme ich in einen Zustand der Melancholie, des Erinnerns. Dieses Wissen darum, dass das was passiert ist nicht ungeschehen gemacht werden kann oder ausgeglichen werden kann. Und ich glaube, dass tief in mich drin dann immer noch Schuldgefühle hervor kommen.
    Einen Zustand “sorgenfrei” kann ich mir in diesem Sinne nicht verstellen.

    Danke für die schönen Kommentare.

  • Ich Danke Ihnen. ich habe einen stärke Schuldgefühl, sodass kann ich Ihre Empfehlungen sehr gut brauchen.

  • Hallo zusammen,
    Schuldgefühle rauben Kraft, es macht also Sinn, sie zu reduzieren. Ich finde es schwierig, keine Schuldgefühle zu haben, gerade dann, wenn man nicht dem Durchschnitt entspricht, der kraftvoll viel Verantwortung (gerne oder automatisch) trägt. Ich bin eine, die schnell überfordert ist von Herausforderungen, die anderen Freude machen. Deshalb gelte ich schnell als verantwortungslos, als desinteressiert oder egoistisch. Ich finde, dass jeder zuerst für sich selbst verantwortlich ist und manch einer braucht einfach mehr der Zeit für die Eigenverantwortung, um Energie zu tanken. Vieleicht hat mich sehr geprägt, was meine Mutter mir vorlebte: sich aufopfern, an sich zuallerletzt denken, aber mit der Idee, dass das die anderen früher oder später auch tun müssen, als wäre es eine Sparkasse, in die man einzahlt. Schuldzuweisungen pflastern meine Kindheit und Jugend, ich fühle mich schnell schuldig, wenn die Stimmung im Arbeitsteam schlecht ist, wenn jemand sauer ist, ich versuche mir immer wieder vor Augen zu halten, dass es viele Gründe gibt, weshalb jemand sauer ist, um vonmeiner Generalannahme wegzukommen, ich sei schuld. Manchmal kommt es mir aber auch so vor, als ob die vielen Schuldgefühle dazu führen, dass ich unbewußt Situationen herbeiführe, bei denen ich dann tatsächlich “schuld” bin und hinterher versuche ich es wieder gutzumachen, aber beides lähmt mich und ist weit davon entfernt, selbstsicher zu sein. Mehr Selbstsicherheit ist für mich also ein Weg für weniger Schuldgefühle. Es gibt also auch den kollektiven Perfektionismus, der meines Erachtens immer krasser wird durch Arbeitsvorgaben, dass man es als normal betrachtet, dass Kinder Eltern pflegen, dass man neben Erwerbstätigkeit und Familienarbeit auch noch ehrenamtlich tätig ist und das alles mit frohem Gemüt. Ich bewundere Menschen, die soviel Energie haben, allerdings bin ich nicht so energiegeladen, obwohl ich es gerne wäre. Vielleicht ist es einfach so, dass Menschen sehr unterschiedlich sind und es nicht jedem möglich ist, soviel zu leisten.

    Einen schönen Sonntag wünscht Monika

  • Schuld ist dann, wenn das Gefühl besteht unberechtigt bei jemandem etwas geborgt zu haben und das Bedürfnis entsteht die Geborgenheit zurück zu geben.

    Ingo

  • Hallo Ralf und Fans seiner Seite,

    da kam doch jemand vor ca. 2000 Jahren zu uns, um das Schuldproblem zu lösen. Habt Ihr schon mal von Jesus gehört? An ihn kann man sich vertrauensvoll wenden: “Nimm meine ganze Schuld von mir, wasche mich rein von meiner Sünde.” (Psalm 51,4). Dann kann man befreit leben!

    Liebe Grüße!

    • Nemo

      Hallo Ingrid!
      Ja da sist wirklich eine beruhigende Aussage.
      Nur wie kann ich sie auch verinnerlichen?

      VG
      Nemo

    • Uli

      An Ingrid,
      wenn man über das Thema Schuld spricht, ist es von größter Bedeutung ob zu einem Gläubigen oder Atheisten. Ich alleine habe mich vor Gott zu verantworten. Jesus nimmt mir mein übles Tun nicht ab, er kann mir zwar helfen beim Nachdenken, aber mehr nicht. Hilft mir ein Vergeben eines von mir traktierten Menschen, wenn Gott es nicht tut? Oder meine Entscheidungen und Verhalten gesamtgesellschaftlich?

      Ich wünsche viel Kraft zum Glauben

    • Ingrid

      Hallo Nemo,

      verinnerlichen kannst Du es, indem Du Dein Herz für Jesus Christus öffnest und das Geschenk einfach annimmst. Er nahm die Schuld auf sich, damit wir schuldfrei dastehen können. Lies doch einfach mal das Johannes-Evangelium in einer Bibel im heutigen Deutsch, z. B. “Hoffnung für alle”. Man hat so Einiges im Leben “verbaselt”, aber ER hat die Rechnung FÜR UNS BEZAHLT.

      Freu’ Dich darüber! LG, Ingrid

  • Sehr geehrter Herr Senftleben,
    ich danke Ihnen für Ihren Beitrag. Der Beitrag betrifft uns alle mal mehr oder weniger. Mich betrifft er aktuell sehr und die damit verbundenen Gefühle waren in den letzten 2 Monaten niederschmettern, kräftezerrend, lähmend und demotivierend und sie griffen auf andere Bereiche meines Lebens über. Es dauerte so lange, bis ich diesbezüglich klare und neutrale Gedanken finden konnte und zu einem konstruktiven lösungsorientierten Handeln übergehen konnte. Es ist wirklich schwer sich nicht zermürben zu lassen und letztlich sind es die eigenen Gedanken, die dieses verursachen. Die jeweilige Schwere der Wutgefühle, Enttäuschung, Selbstmitleid und auch die des sich des Alleinfühlens in der Situation habe ich durch loslassen, weinen aber auch des meditativen Nachsinnens langsam in den Griff bekommen. Danke Sofia

  • Sehr geehrter Herr Senftleben,

    seit Jahren lese ich Ihre sonntäglichen Mails sehr gerne, finde Ihre Artikel durchweg gelungen und finde stets nützliche Hinweise. Diesen Artikel halte ich jedoch an einigen Stellen für problematisch und gebe daher erstmals in diesem Forum einen Kommentar ab.

    Der Grundtenor ist ohne Zweifel richtig. Natürlich bringt es nichts, sich jahrelang die Schuld für ein bestimmtes Ereignis zu geben.

    Die Sätze “Jeder macht Fehler” und “Jeder macht in einer Situation das Bestmögliche” halte ich jedoch für äußerst gefährlich und verklärt sowie verharmlost den Sachverhalt “Fehler”. Dies gilt besonders dann, wenn “Fehler” positiv verknüpft werden mit “Lernerfahrungen”.
    Dann kann das Motto nur heißen, möglichst viele Fehler und damit Erfahrungen zu machen. Damit kann man egoistisches und rücksichtsloses Verhalten beliebig rechtfertigen. Unser hochverehrter Bundespräsident folgt ganz offensichtlich Ihrem Motto “Fehler machen, sich entschuldigen, den nächsten Fehler machen, sich entschuldigen, alles ist gut”. Mit dieser Einstellung lässt sich glänzend auf Kosten Anderer leben. Gerade Wulff ist ein Beispiel dafür, dass eben nicht jeder “in jeder Situation das Bestmögliche macht”. Es gab genügend Politiker, die vor ihm ähnliche Fehler gemacht haben; er hätte es besser wissen müssen und hätte die Wahl gehabt, anders zu handeln. Er hat jedoch einfach angenommen, alle anderen sind zu dumm, um ihm auf die Schliche zu kommen.

    M.E. sollte es darum gehen, dass jeder so rücksichtsvoll wie möglich ist und möglichst wenig Fehler macht, durch die die Allgemeinheit geschädigt werden. Die Fehler, die man sich z.B. im Beruf leisten kann, hängen außerdem von der beruflichen Situation ab.
    Dieser Aspekt der Fehlervermeidung bzw. der Relativierung fehlt in Ihrem Artikel m.E. völlig.

    Abgesehen von diesem kritischen Hinweis bedanke ich mich bei dieser Gelegenheit für Ihren wirklich tollen Newsletter.

    Michael

  • Hallo Ralf,
    vielen Dank für das tolle Thema.

    Was bedeutet überhaupt das Wort “Schuld”?
    Heißt dies nicht:”Das man vorwerflich handelt und dabei gegen die Rechte, Sitten und Brauchtum eines anderen Menschen verstößt und manchesmal auch sich selbst und anderen Menschen dabei Schaden zufügt?

    In meiner Jugendzeit hatte ich eine Freundin im Nachbarort. Diese bat mich eines Tages sponatn mit ihr am Abend zum Tanz auszugehen. Da ich jedoch mir etwas anderes vorgenommen und ich auch keine Lust hatte, sagte ich “NEIN”.
    Am anderen Tag erfuhren wir in der Schule, dass sie von der Brücke am Abend zuvor gesprungen ist – tot – ist.

    Habe und trage ich dafür die Schuld und bin ich verantwortlich – für ihren, selbst – frei – gewählten – Todessprung.

    Ich finde:”NEIN”.

    Ich habe sicher meine Freundin mit meiner Absage schwer enttäuscht, tief verletzt, gekränkt oder auch beleidigt,doch auch ich habe wünsche und bedürfnisse und ein Recht auch darauf und bin mir fürselbst auch verantwortlich.

    Ich bin und war an diesem ganzen Geschehen – “1” Beteiligte, von sehr, sehr vielen.

    Ich bin der Meinung, ich habe mich auch nicht falsch – ohr gegenüber Verhalten, da ich “NEIN” gesagt habe.

    Ich finde – damals hätte man eher die Tiefgründige Frage stellen sollen, was war denn der tatsächliche, wirkliche, wahre Grund, Auslöser, Anlaß, die Ursache, die Absicht…, (auch wenn es sehr wenige Menschen/Beteiligte hören wollen)und danach zu “forschen”.
    Meine Freundin hatte (dies wussten sehr, sehr viele Menschen) große Probleme mit ihren Eltern, in der Schule u.u.u..
    Sicher wäre es besser und angenehmer für meine Freundin gewesen, wenn ich “JA” gesagt hätte und mit ihr zum Tanz gegangen wäre.
    Doch mein “NEIN” sagt noch lange nicht, dass ich mich falsch verhalten habe und mich auch so verhalten muss und soll(te), wie es meine Freundin will, wünscht und erwartete von mir und dass ich einen Fehler gemacht habe und mich schuldig fühlen, deshalb muss und mir Schuldgefühle einreden lassen muss und soll(te) und,- oder versagt, damals habe.

    Ich trage auch keine Schuld und bin nicht dafür verantwortlich zu machen, (finde ich für mich und aus meiner Sicht), dass mein “NEIN”, ein Fehler war.

    Hat das Wort “Schuld” und sich “schuldig” fühlen, nicht auch etwas mit Bewertungen, Wertungen, Urteile, abverurteilen…anderer Menschen und manchesmal uch durch sich selbst – zu tun?
    Ich finde auch, “Schuld” sollte man nicht einfach weg therapieren, da dieses für alle Beteiligten eine Funktion hat und auch für soziale Beziehungen/Systeme wichtig ist.

    Ich wünsche – auch – allen, einen – “unschuldigen” – Sonntag.
    Ich freue mich schon auf den nächsten Sontagsnewsletter.

  • Hallo Ulli, ja, auch Deinen Kommentar empfinde ich als weise – denn was sind denn Fehler? Woran erkenne ich, einen Fehler gemacht zu haben? Wenn mein inneres Weltbild, meine Gefühle und Erwartungen sich im Außen nicht spiegeln lassen? Ich wirke, so oder so.Und diese Wirkung gibt oder nimmt mir Kraft – ganz wie ich “will”, ganz so, wie ich es zulassen kann.
    Vorstellen,Wollen, Können, Handeln, Bewirken…

    Carpe diem!

  • Vielen Dank für für den Newsletter, der jede Woche hilfreich und lesenswert ist.

    Nun aber eine KRITIK wegen der Flasche und dem Meer. Bitte NICHT! Diese Flaschen landen irgendwann zerschmettert an einem Strand. Mein lieber Hund (verstorben) ist einmal in einen abgeschlagenen Flaschenhals hineingerannt und ich kann Euch sagen: Bluten, Tierarzt suchen, Spritzen, Verbände die nicht halten – eine Qual von 3 Monaten und die Pfote wurde nie wieder richtig heil.

    Und das Frauchen? Monatelang Schuldgefühle, weil ich ihn habe springen lassen – im Winter am Meer…

    Deshalb: Bitte keine Flaschen in Meer, Fluss oder See werfen. Zettel verbrennen ist besser.

    Liebe Grüße, und tausend Dank für den newsletter,

    Aita

  • Vielen Dank für diesen wunderbaren Text zu dem “ur-alt Thema” Schuld.

    Die Betitelungen, die wir den Dingen und Geschehnissen geben, sind doch meist Schubladen. Wir legen da blitzschnell und unbewußt ab, was uns früher mal eingehämmert wurde und wovon wir uns eventuell noch nicht befreit haben.

    Ich habe die eigene Erfahrung gemacht, dass mein Schuldgefühl oft aus einem mir unbewußten Perfektionismus kommt. Das Gebot heißt: Ich darf keine Fehler machen.

    Wie anstrengend!

    Offen sein, sich die Dinge anschauen, mutig und empathisch sein für die Aussprache mit sich und dem Gegenüber und dann weitergehen zum Jetzt – eine tiefgreifende Übung, immer wieder.

    Danke für die Anregungen!

    • Ulli

      Hallo zusammen,

      sehr wertvolle Gedanken in diesem Artikel. Danke :-)
      Und ich denke, es geht wieder mal um unseren Lebensfilm, wo wir gerne das eine oder andere rausschneiden… wenn wir in Frieden und Freiheit leben wollen, geht das aber nicht, gewesen ist gewesen, passiert ist passiert.
      Vielleicht einfach mal die Klappe halten – es hat jeder seinen freien Willen – und das tun, was hier empfohlen wird und warten, was sich tut.
      Kommt da schon wieder ein NEIN… ;-) Wir winden und wenden uns bis der Arzt kommt. Dieser Spruch hat sicher auch seine Weisheit, denn, so habe ich gelesen, Kränkung wird zur Krankheit.

      Einen schönen SONNtag :-)und ja und danke sagen zu allem, was passiert. Das größte Mißgeschick kann versteckten Segen haben. Und wer weiß, ob einen diese Dummheit vielleicht vor noch einer größeren Dummheit bewahrt hat….. wer weiß es?

      Ulli

      Wie sagt Kurt Tucholsky:
      Hast du Glück, ist es gut. Hast du kein Glück, ist es auch gut. Hast du eben Pech gehabt. War vielleicht dein Glück.

    • Doris Maas

      Hallo Ulli, die Aussage von Tucholsky gefällt mir richtig gut, interessant ist für mich, welche (er)kenntnisse die Menschen aller Zeiten bereits hatten…

  • Hallo,

    mit dem Begriff “Schuld” habe ich ein Problem. Wenn Du diesen Begriff verwendest, dann sind damit ja gewisse Vorstellungen und Konzepte verbunden: z. B. dass es sowas wie “richtiges” und “falsches” Verhalten gibt und auch die Freiheit des eigenen Willens, dass man Handlungsalternativen besitzt usw. Ich weiß nicht, ob die Wirklichkeit sich tatsächlich in solche Schablonen pressen lässt. Meines Erachtens ist eine Funktion des Schuldbegriffes in unserer Gesellschaft das Verhalten zu anderer zu kontrollieren. Mit Schuldgefühlen kann man Menschen manipulieren. Ich denke da z. B. an eine Freundin. Sie ist sehr katholisch aufgewachsen. Auf der einen Seite hat sie bestimmte sexuelle Bedürfnisse und auf der anderen Seite hat sie enorme Schuldgefühle. Zu was solche inneren Konflikte führen können ist ja bekannt. Der im Geheimen homosexuelle Politiker, der dann gegen die Schwulen hetzt ist nur ein Beispiel für die damit verbundenen Doppelmoralen. Wenn Schuldgefühle da sind, würde ich mich immer fragen, wo diese denn her kommen und welche Konzepte sich dahinter verbergen. Solche Konzepte können natürlich auch innere Glaubenssätze und Introjekte der Eltern sein. Dann machen wir uns das leben selbst zur Hölle…

  • Lieber Ralf,
    Das hat eine tiefe Wunde getroffen und mich sehr zum weinen gebracht heute.
    Ich habe große Schuldgefühle in 3 Fällen, leider sind diese 3 Personen (Eltern und Tochter) tod. Ich leide sehr und verdränge viel weil es sonst nicht zu ertragen ist.

    • Sibille

      Liebe Bille,
      deine Situation kann ich nicht wirklich nachvollziehen, aber ich kann aus deinen Zeilen deine Not heraushören.
      Beim Lesen der Kommentar hier stieß ich auf einen Satz, der dir vielleicht eine Hilfe sein könnte:
      Stell die vor, deine beste Freundin hätte diese Schuldgefühle! Würdest du sie “fertig machen”? Nein, du würdest versuchen ihr zu vermitteln, das es Zwänge gab, die sie so handeln ließen. Du würdest ihr Verständnis für ihr Verhalten entgegebringen oder nicht??
      Gibt es nicht wirklich Gründe, die dein eigenes Verhalten auch für dich selber ´verständlich´ machen?
      Von Herzen wünsche ich dir Liebe für dich selber.Beweine deine Fehler, aber verurteile dich nicht dafür.
      Gott segne dich.

  • Lieber Ralf,

    danke für die Überlegungen und Lösungsvorschläge zu diesem wichtigen Thema. Jeder, der Schuldgefühle kennt und drunter leidet, wird damit arbeiten können.
    Ich möchte gerne noch einen weiteren Punkt anfügen:
    Stell Dir vor, nicht Du, sondern Deine beste Freundin, dein bester Freund hat das getan, weswegen Du dich schuldig fühlst und dann gehe die drei Punkte unter diesen Gesichtspunkt nochmal durch. as würdest u ihm sagen, wie würdest Du ihm zu helfen versuchen?
    Für mich hat sich durch diesen Perspektivenwechsel eine erstaunliche Wendung ergeben.

    • Doris Maas

      Hallo Inge, ich habe Deinen Kommentar jetzt bestimmt gefühlte 8 – 9mal gelesen, und verstehe immer noch nicht…

      Was muß passiert sein, daß ich mich schuldig fühle, für etwas, was jemand anderer gemacht oder unterlassen hat?

      Würde mich über eine Antwort sehr freuen. Ich stehe tatsächlich auf diesem berühmten Schlauch…

      Wünsche noch einen schönen Sonntag…

  • Vielen Dank für diesen warmherzigen Artikel. Besonders der Absatz im Schritt 2, in dem deutlich wird, dass niemand absichtlich Verletzendes tut, sondern jeder immer nur nach bestem Wissen in diesem Moment handelt, tat mir sehr gut. Sich dies klar zu machen, kann vor allem auch helfen, einem anderen Menschen zu verzeihen, der einen selbst sehr verletzt hat.

  • Was mich an dem Text stört ist die Grund-Annahme, daß es so etwas wie SCHULD überhaupt gibt. Deutlich wird das an dem Ausdruck “Mitschuld der Anderen”. Wir machen ERFAHRUNGEN und beurteilen diese und oft verändern sich mit einem zeitlichen Abstand die Beurteilungen darüber. Meiner “Fehler” hat sich vielleicht in der Rückschau nach 2 Jahren als “Segen” herausgestellt.
    Und: Ich habe IMMER die Verantwortung, egal, ob mir das bewußt ist oder nicht, ich kann meine Verantwortung gar nicht abgeben.
    Ich wünsche einen unschuldigen Tag ;-)

    • Doris Maas

      Hallo Alexa, es ist doch eine Tatsache, daß der Großteil der Menschen gerne die Verantwortung abgibt. Also dem Leben, den anderen Menschen, den Umständen ihres Lebens und der Fliege an der Wand, die Schuld für alles mögliche geben. Wir dürfen dankbar und glücklich sein, dass wir schon ein wenig wacher geworden sind und etwas mehr Geheimnisse des Lebens verstehen lernten. Ich denke, dass solche Gedankengänge/Texte auch dafür sorgen, dass immer mehr Menschen “wach” werden, und ihre eigene Wirklichkeit entdecken. In diesem Sinne einen schönen Sonntag…

  • ihre anregeungen sind immer wieder sehr wertvoll und hilfreich. mit großem interesse las ich ihre ausführungen zu schuldgefühlen.
    bei ihren ausführungen könnte man bei dem gedanken stecken bleiben “ich muss mich wie münchhausen am eigenen zopf aus dem sumpf ziehen”.das ist m.E. nicht genug und auch nicht möglich.
    nun ist “schuld” ein weiter begriff, der u.U. für jeden eine andere definition beinhaltet.
    wenn ich aber von der bibel ausgehe, entsteht “schuld” dadurch, dass ich nicht so lebe, handle, wie gott mich gedacht hat, dass ich vom podest meines stolzes, meiner selbstüberschätzung “sein wollen wie gott” herunter muss, frei werden davon. so kann ich gott begegnen und mich von seinem geist füllen lassen. dann lerne ich durch diese erfahrungen, dass vorurteile und missverständnisse mich hindern, den andern menschen annehmen zu können und lege alles “schubladendenken” ab. das ist aber ein langer entwicklungsprozess.

    • Inge

      Danke für deine mutige Darstelung dieses Themas.

      Christus hat uns durch sein Leben von Schuld befreit, indem er auf sich nahm, woran wir schuldig werden. Alles worum wir in seinem Namen bitten ist uns schon gegeben, steht in der Bibel, auch die Vergebung, wenn wir ehrlich bereuen und vielleicht je nach Glaubensrichtung, ehrlich bekennen zuvor. Christus ist nicht gekommen, damit wir uns weiter schuldig und schlecht fühlen, sondern damit wir in den vollen Besitz von Gottes Brmherzigkeit und Gnade jederzeit kommen können in seinem Namen. Christus hat die Gesetzesreligion überhöht durch die Gebote der Liebe. Liebe Gott, liebe Deinen Nächsten, liebe Dich selbst. (Wer nur eine Gesetzesreligion kennt, der muss ja schuldig werden, der wird die vielen Gesetze irgendwann übertreten). Eine frohe Botschaft ist was anderes, Tröstliches, eher wie im Gleichnis des verlorenen Sohnes, der in Liebe und mit Herzlicheit aufgenommen wird, während der sauertöpfische “gute” ältere Sohn vor Neid und Eifersucht platzt.

  • Wirklich sehr wertvoll die Texte!

    In der Energetik heißt es: Niemand hat Schuld! “Es sind Lernerfahrungen, die wir machen!” Und wir dürfen Fehler machen, jedoch wer bestimmt darüber ob es ein Fehler ist oder nicht? Es kommt immer auf die Sicht der Dinge an. Wenn man die Dinge von einer anderen Perspektive aus betrachtet, kann man es ganz anders sehen. Selbstvergebung ist ein ganz wichtiger Punkt auf dem Weg ins Glück, ohne Selbstvergebung tragen wir Lasten immer weiter mit.

    • Doris Maas

      Hallo Maria, ich kann/darf mir selber vergeben, ist ein sehr schöner Gedanke, das macht “frei”, frei von den Entscheidungen anderer, ob sie mir vergeben wollen…schönen Sonntag!

    • Kiki

      Ich glaube, dass es gar keine “Schuld” in dem Sinne gibt. Schuld ist eine Illusion, die wir uns durch unsere eigenen Interpretationen der Geschehnisse verursachen und dann dran glauben, natuerlich auch durch die Interpretationen der Gesellschaft. Aber es gibt eben auch andere Interpretationen derselben Situationen, die ueberhaupt nicht zu Schuldgefuehlen oder Schuldsprechung fuehren (andere Kulturkreise, andere Erziehungsmuster… eben eine andere Sicht der Dinge). Die katholische Kirche hat ihren grossen Anteil an der Schuldsprechung. Wer oder was gibt diesen Institutionen eigentlich das Recht, so ueber uns Individuen bestimmen zu wollen? Aber wir als Individuum haben es in der Hand, uns nicht selbst schuldig zu sprechen und nicht schuldig zu fuehlen, wir haben diese Freiheit… und sollten sie auch nutzen!

  • Schöner Text mit vielen interessanten und hilfreichen Inputs, danke!

    Was mir etwas fehlt und mich zum Nachdenken bringt, ist, dass es darauf hinausläuft, dass man automatisch schuldig ist, wenn man Schuldgefühle hat (sich selbst verzeihen, Wiedergutmachung leisten). Ich denke, Schuldgefühle können aber auch daraus entstehen, dass man überhöhte Ansprüche an sich selbst hat und diese nicht erfüllen kann. In dem Fall leidet man dann vielleicht unter Schuldgefühlen, aber die Umwelt sieht das u.U. gar nicht so. In dem Fall bin ich nicht sicher, ob die Conclusio “Ich habe einen Fehler gemacht und muss es wieder gut machen” zielbringend ist.

    • Barbara

      Ich denke, es geht darum, dass ich den Fehler wieder gut machen darf, also aktiv zur ” Entschuldigung” beitragen darf und damit entlastet bin und wieder neu anfangen kann, statt mich von der Schuld auffressen lassen muss

    • Laura

      Die “selbstgemachten” Schuldgefühle kenne ich aus meiner eigenen Biographie und ich gehe mit Dir einig, dass es mit überhöhten Ansprüche an sich selbst zu tun hat. Immer dann, wenn ich meine, mehr als das, was ich schon tue, tun zu müssen, und ich es unterlasse, dann schleichen sich die Schuldgefühle an. Es war für mich hilfreich, bei der betreffenden Person nach ihrem Bedürfnis nach mehr Aufwendungen meinerseits nachzufragen. Durch ihr Verneinen habe ich mich von meinen Schuldgefühlen distanzieren können. Manchmal gibt es aber keine Person, die einem die Absolution gibt… dann empfinde ich es als hilfreich, meine Schuldgefühle so lange zu hinterfragen, bis ich auf eine Antwort stosse, die mir inneren Frieden schenkt.

    • Verena

      Vielen Dank für diese Ergänzung. Ich denke auch, dass dies ein weiterer Punkt sein muss, sich zu überlegen, ob der Anspruch nicht einfach zu hoch war.

  • Danke für die Anregungen.
    Vielleicht kann das Resümee auch so lauten:
    Wenn du dich klein machst, hilft das der Welt in keiner Weise.

  • Ralf, da hast du wieder einen sehr gelungenen und treffenden Text geschrieben, finde ich! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Schuldgefühle mich geradezu auffressen können und mir noch lange nach dem eigentlichen Ereignis (meistens nur eine Kleinigkeit) viel zu viel Energie rauben. Danke für diesen Denkanstoß, meinen Umgang mit Schuldgefühlen zu ändern.

    • Cay Helmich

      Sehr geehrter Herr Senftleben
      vielen Dank für die vielen guten Anregungen am Sonntag Morgen in den letzten Jahren. Ich freue mich oft darüber und habe schon einiges an Klienten nutzbringend weitergereicht.
      Bei diesem pragmatischen und hilfreichen Text gibt es die Überlegung, dass es auch einige ungeklärte Fragen und Probleme geben darf und in Hinblick auf zukünftig noch zu leistende Veränderungen, eventuell auch geben sollte.

      Das wir uns gut fühlen mit unserem momentanen z.T. wirklich irrwitzigen Verhalten (als Konsument, als Bürger , als Freund, als Nächster, als Liebender) ist ein normales Bedürfnis und Wiedergutmachungen sind wunderbar. Diese dürfen und sollen wir auch verfolgen, aber manches braucht erstmal keine Lösung sondern viel Zeit. Länger oder auch tief zu hadern und sich mit der Frage nach anderen Lösungen in einer Frage zu plagen ist eine feine Sache. Sich zügig gut fühlen, ist nicht unbedingt immer besser.

      Vielleicht geht es bei manchen Werte- und Lustkollusionen darum, sich wenigstens so gut zu fühlen, dass man zumindest noch klar denken, gut essen und schlafen kann. Aber auch um s Aushalten von einem Konflikt, damit er wirklich für eine Volksgruppe oder einen Menschen gelöst wird. Eventuell ist das jahre, jahrzehntelange Arbeit oder geht über Generationen.
      Das bedeutet nicht, dass man sich unentwegt mit dieser Frage beschäftigen soll, aber die Offenheit zu behalten, dass etwas noch nicht gelöst ist und schmerzhaft ist, ist möglicherweise gut. Wenn dann Anstöße, Kraft oder Zeit kommen, kann man gemeinsam oder alleine damit weitermachen, anstelle fertige Denkpositionen auszutauschen bzw. gegeneinander zu stellen.

      Die Themen, die Sie angesprochen haben wie, “ich gebe meinen Vater in ein Altenheim”, “ich gebe mein Kind zur Adoption frei”- sind passiert und liegen in der Vergangenheit. Aber eine Menge täglicher Entscheidungen, Haltungen und Handlungen zu Themen wie Dominanz, Egoismus, Stellung der Frau, Umgang mit Alter, Krankheit, Tod, Tierhaltung, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen weltweit …- bergen in sich auch diese Thematik von möglicher permantenter Schuld/Werte-Lustkollusion und da hilft möglicherweise eine lösungsorientierte Haltung weniger weit, als das geduldige, mutige sich der Sache stellen und zu erforschen. Was machen wir da eigentlich? und was gäbe es noch? –
      Natürlich ist das vordergründig schwer auszuhalten, weil wir Menschen eben immer gerne schnell eine gute und richtige Lösung für alle Sachen haben.
      Auf der anderen Seite ist es auch lustig, erdend (weil ehrlich) und verbindend, wenn wir uns eingestehen- für die meisten wesentlichen Sachen haben wir die Lösung im Moment nicht, auch wenn wir permantent versuchen, unseren Denk, Lösungs Anteil beizusteuern.

      Mit herzlichem Dank und Grüßen
      Cay Helmich

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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