Selbstmitgefühl (Kristin Neff)

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„Selbstmitgefühl. Schritt für Schritt“ – von Kristin Neff – Freiburg: Arbor Verlag GmbH, 2014 – 160 S. + 4 CDs – ISBN: 978-3-86781-117-0 – 29,90 €

Ganz ehrlich: Wann hast du dich das letzte Mal selbst kritisiert? Und was macht diese Selbstkritik mit dir?

In der Regel verursacht Selbstkritik Leid. Es tut weh, dass du mit dir selbst haderst, vielleicht sogar böse mit dir ins Gericht gehst. Womöglich fällt es dir schwer, die Situation auch gedanklich loszulassen. Sie beschäftigt dich länger, als dir lieb ist, und macht dir inneren Stress.

Doch warum tust du dir sowas an? Warum gehst du nicht mitfühlend mit dir um, so wie du es in einer solchen Situation mit einem Freund tun würdest?

Dafür gibt es eine Menge Gründe und damit bist du bei Weitem nicht allein. Denn Professorin Kristin Neff formuliert in ihrem Arbeitsbuch zum Thema Selbstmitgefühl sehr konkret, welche Steine uns oft im Weg liegen, um einfühlsam und fürsorglich mit uns selbst umzugehen. Da ist z. B. die Tatsache, dass Selbstmitgefühl oft als ein Zeichen von Schwäche angesehen wird oder sogar mit Selbstmitleid verwechselt wird.

Doch Kristin Neff hat das Selbstmitgefühl wissenschaftlich erforscht und ist – wie auch andere Forscher – zu dem Ergebnis gekommen, dass Selbstmitgefühl ein „sehr starkes Prädikat für psychisches Wohlbefinden“ ist. Als wertvoller Nutzen seien hier nur ein paar Punkte genannt:

  • Förderung von Resilienz, also der persönlichen Widerstandsfähigkeit
  • weniger Ängste und Depressionen
  • stattdessen mehr Glück und Zufriedenheit und auch eine optimistischere Einstellung

Es lohnt sich also, sich selbst mehr Mitgefühl entgegenzubringen, weil es uns von innen heraus stärkt. Und wer das lernen will, ist bei diesem Arbeitsbuch ganz richtig. Denn es hält die Theorie recht kurz und setzt dafür den Schwerpunkt auf die Praxis. Auf den beiliegenden CDs bekommt der Leser dazu sehr viele gute themenspezifische Meditationen. Es gibt aber auch ein paar Übungen im Buch selbst, die den Körper einbeziehen oder bei denen man auch mal etwas aufschreiben muss.

Im Theorieteil des Buches geht Kristin Neff insbesondere darauf ein, was Selbstmitgefühl ausmacht. Und die einzelnen Aspekte Achtsamkeit, Freundlichkeit zu sich selbst und die Verbundenheit mit anderen Menschen werden in einzelnen Kapiteln genauer beschrieben. Außerdem gibt es noch ein Kapitel zum Thema „Umgang mit schwierigen Emotionen“ und das letzte Kapitel greift schließlich noch auf, wie wichtig es ist, auch „Wertschätzung und Dankbarkeit für unsere guten Seiten zum Ausdruck zu bringen“ und nicht nur den unangenehmen Aspekten mitfühlend zu begegnen.

Mein Selbstcoaching-Tipp:

Tagebuch zu schreiben kann viel mehr sein als eine Aufzeichnung deiner Aktivitäten. Ein Tagebuch kann dich wirklich voranbringen. Es kann dir helfen, deinen Zielen näher zu kommen, deine Probleme zu lösen, belastende Gefühle loszulassen, Klarheit zu bekommen … Wie geht das?

Die Inhalte des Buches gefallen mir zum größten Teil wirklich gut, zumal Kristin Neff auch viel von ihren eigenen Erfahrungen einbringt, was das Thema einfach anschaulicher und noch mal besser verständlich macht. Und das Buch und die Übungen wirken :-). Das habe ich schon daran gemerkt, dass ich mich nach dem Lesen und Ausprobieren einiger Übungen wirklich schon sehr viel freundlicher, ja, irgendwie weicher gefühlt habe. Ich war berührt. Und ich habe begriffen, warum es wirklich gut und wichtig für mich und alle anderen Menschen ist, gut mit mir selbst umzugehen. Das hat etwas verändert bei mir.

Ein inhaltlicher Punkt hat mich allerdings in diesem auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierten Buch etwas irritiert. Und zwar ein Unterkapitel, in dem Kristin Neff beschreibt, wie sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn eine Reise in die Mongolei macht, damit Schamanen bei ihrem autistischen Sohn bestimmte Rituale durchführen. Zwar beschreibt sie klar ihre Zweifel über diese Art und Weise. Aber sie beschreibt die Reise ziemlich ausführlich und kommt erst sehr spät dazu, was sie damit eigentlich in Bezug auf das Selbstmitgefühl sagen will. Das hätte man durchaus kürzer fassen können.

Außerdem habe ich mich etwas geärgert, weil ich einige formelle Aspekte des Buches bemängeln muss. Bei der ersten Übung steht z. B. „Geführte Übung“ dran. Ja, sie ist dort zu lesen. Doch da Audio-CDs dabei sind, bin ich davon ausgegangen, diese Anleitung auch auf den CDs zu finden. Das war leider nicht der Fall, was mich verwundert hat.

Die Audioanleitungen an sich sind sehr gut gesprochen und die Stimmen der beiden Sprecher (Christine Brähler und Lienhard Valentin) sehr angenehm. Doch hat mich da ein kleines bisschen gestört, dass die Ansprache unterschiedlich ist. Die Frau spricht den Hörer immer direkt mit „Sie“ an. Der Mann beginnt zunächst von „wir“ und geht dann ins „Sie“ über. Ich persönlich mag es da lieber einheitlich.

Zudem wird in einer Meditation ein Thema kurz angerissen und gesagt, dass das bereits vorher schon angesprochen wurde. Leider ist das nicht der Fall, sondern es wird erst später beschrieben. Das mag jetzt vielleicht etwas kleinkariert wirken, aber für mich selbst ist es wichtig, dass diese Dinge stimmig sind.

Also, inhaltlich kann ich das Buch und die Übungen wirklich empfehlen, wenn man auch bereit ist, sich auf viele Audio-Meditationsanleitungen einzulassen. Dann kann man für sich das Passende herausfiltern und in den Alltag integrieren. Und wen die bemängelten Punkte nicht stören, der hat hier wirklich ein gutes Arbeitsbuch.

Bewertung: PunktPunktPunktPunkt Punkt

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Über Barbara Pötter

Barbara Pötter ist Sozialpädagogin, Coach für psychosoziale Beratung und Schreiberin.

Nachdem sie knapp 3 Jahre bei Zeitzuleben als Redakteurin und Kursleiterin mitgewirkt hat, hat sie in Konstanz am Bodensee ihr eigenes Unternehmen aufgebaut.

Unter www.stadtlandfreund.de bietet sie nun Veranstaltungen für Menschen an, die neue Leute kennenlernen möchten und gleichzeitig die Stadt und das Umland besser erkunden wollen. Damit greift sie ein Thema auf, das sie auch hier bei Zeitzuleben aus persönlichen Erfahrungen heraus sehr beschäftigt hat und das viele Menschen in ihrem Leben immer wieder berührt.

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Kommentare

  • Liebe Barbara Pötter,
    vielen Dank für die Empfehlung dieses Buches. Es hilft Selbstmitgefühl (MSC) bekannter zu machen und besser zu verstehen!
    Ich selbst bin Entspannungstherapeutin und MSC (Mindful Self-Compassion) Lehrerin, ausgebildet nach Neff & Germer und deshalb sehr vertraut mit der Literatur zu diesem Thema. Für mich ist das Buch kein direktes Arbeitsbuch, sondern eher eine Begleitlektüre mit Fokus auf praktische Übungen. Wir empfehlen im Kurs das ausführlichere Buch “Selbstmitgefühl” von Kristin Neff, oder “Der achtsame Weg zum Selbstmitgefühl” von Christopher Germer, um ins Thema einzusteigen. Um theoretisches Wissen dann in die Praxis umzusetzen, eignet sich das vorgestellte Buch ganz wunderbar, Schritt für Schritt eben …
    Ich finde eine wertvolle Hilfe, besonders für Menschen die dazu neigen sehr kritisch, perfektionistisch, vielleicht sogar hart mit sich selbst umzugehen. Und mal ganz ehrlich, wer ist davon schon ganz frei … :) ? Insofern ist Selbstmitgefühl wahrscheinlich etwas, was wir alle brauchen (die aktuellen Forschungen gehen in diese Richtung).
    Für mich jedenfalls eine absolute Bereicherung und klare Empfehlung!

    Liebe Grüße, Karin Wolf aus München

 

Ralf Senftleben

Hallo! Schön, dass du da bist!

Ich bin Ralf und das hier ist meine Seite, Zeit zu leben. Seit 1998 schreibe und forsche ich darüber, wie wir unser Leben selbstbestimmt, kraftvoll und bewusst leben können. Wie wir herausfinden, was wir für unsere Zufriedenheit brauchen, und wie wir erreichen, was wir uns wünschen.

Aktuell lesen über 125.000 Menschen meinen wöchentlichen Newsletter, und rund 150.000 Menschen haben an meinen Selbstlernkursen und Online-Coachings teilgenommen.

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