So umschiffen Sie Klippen in Ihrer Partnerschaft

Einander dauerhaft zu lieben und über eine längere Zeit zusammenzubleiben, ist gar nicht so leicht. Es gibt eine Menge Klippen in einer Partnerschaft, die umschifft werden wollen. In dieser Serie werden wir Ihnen verschiedene solcher Bewährungsproben vorstellen und Tipps dazu geben, damit Sie an ihnen keinen Schiffbruch erleiden.

Aber wir haben uns doch mal geliebt…

Paare, die vor den Scherben ihrer Beziehung stehen, können oft gar nicht mehr genau nachvollziehen, wann sie aufgehört haben, einander zu lieben. Ist es erst einmal zu einem solchen Bruch gekommen, ist es oft schwierig wieder zusammenzufinden. Sehr viel ratsamer ist es, bereits im Vorfeld auf Warnsignale zu achten und frühzeitig etwas für das Bestehen der gemeinsamen Liebe zu tun.

Liebe will gepflegt werden

Die gemeinsame Liebe wächst und gedeiht nicht von allein. Nach der ersten Verliebtheit kommt der Alltag und stellt Sie vor die Aufgabe, Ihre Beziehung auf eine stabile Basis zu stellen und bedeutet eben auch, gemeinsam verschiedene Herausforderungen zu meistern. Um dauerhaft gemeinsam glücklich zu sein, ist es hilfreich die Beziehung wie einen Garten zu sehen. Sie müssen beide etwas dafür tun, dass immer wieder neue Knospen treiben und er blüht und reiche Früchte trägt. Liebe will gepflegt und umhegt werden. Sie braucht Dünger, Zuspruch, ein waches Auge von beiden Partnern und viel Bereitschaft, kontinuierlich etwas dafür zu tun.

Was sind “Klippen in der Partnerschaft”?

Sozialwissenschaftliche Forschungen haben ergeben, dass einiges an der Redewendung vom “verflixten siebten Jahr” dran ist. Tatsächlich reichen hier die meisten Paare die Scheidung ein. Auch die sogenannte Midlifecrisis führt zu vielen Scheidungen. Darüber hinaus gibt eine ganze Reihe von Schwierigkeiten, die unsere gemeinsame Liebe gefährden können.

Typische Klippen sind z.B.:

  • Krisen und Schicksalsschläge,
  • ernste Konflikte und Auseinandersetzungen,
  • Untreue,
  • sexuelle Probleme,
  • Langeweile und Überdruss,
  • zu hohe Erwartungen aneinander,
  • man nimmt sich gegenseitig als selbstverständlich hin, lebt sich auseinander und wird sich fremd,
  • unnötige Streitereien um Kleinigkeiten,
  • und anderes mehr.

In dieser Artikelreihe werden Ihnen praktische Tipps vorstellen, mit denen Sie einige dieser Klippen umschiffen können. Zunächst widmen wir uns der Gefahr, im Alltag die Liebe aus den Augen zu verlieren und der Herausforderung, gemeinsam Krisen zu meistern.

Kleine Freuden erhalten nicht nur die Freundschaft, sondern auch die Liebe. Sich zu sehr aneinander zu gewöhnen, kann die Liebe abkühlen lassen. Sehr schnell nehmen wir dann einander für selbstverständlich und vergessen ganz, uns auch im Alltag ab und zu einmal Gedanken über den anderen zu machen und zu überlegen, wie man ihm oder ihr eine Freude bereiten kann.

Wie war das doch am Anfang…

Denken Sie einmal daran, wie sehr Sie sich beide umeinander bemüht haben, als Sie am Anfang Ihrer Beziehung standen… Da umgarnt man einander, lässt sich kleine Überraschungen einfallen, bringt hier ein Geschenk mit und hat da eine tolle Idee für ein gemeinsames Erlebnis. Leider lässt das bei den meisten Paaren nach. Dabei ist es gar nicht nötig, so viel Aufwand wie zu Beginn zu betreiben – es reichen bereits ein paar Kleinigkeiten, um den anderen zu zeigen, dass man an ihn denkt und ihn liebt.

Ideen für kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch

Tipp

Erstellen Sie sich einmal in einer ruhigen Minute eine Liste von Dingen, mit denen Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin eine Freude machen können. So haben Sie immer eine kleine Idee parat, wenn Sie den anderen einmal spontan überraschen wollen.

Es gibt viele Möglichkeiten, dem anderen zwischendurch seine Liebe zu zeigen:

  • ein Blumengruß,
  • eine besondere Leckerei aus dem Supermarkt,
  • ein besonderes Mahl von Ihnen zubereitet,
  • Karten für ein Konzert zu der Musik, die Sie verbindet,
  • den Film auf Video, den Sie beide in Ihrer Anfangszeit gesehen und geliebt haben,
  • eine nette Email oder einen kurzen Anruf zwischendurch
  • eine kleine Zeichnung, die den anderen aufmuntert,
  • eine Nackenmassage, wenn Sie sehen, dass der andere verspannt ist,
  • das Einlassen des heißen Badewassers oder das Zubereiten einer Wärmflasche, wenn der andere verfroren nach Hause kommt,
  • eine Postkarte von unterwegs, wenn Sie z.B. auf Dienstreise sind
  • u.a.m.

Denken Sie sich etwas aus!

Feiern Sie Ihren Jahres- oder Hochzeitstag

Tipp

Machen Sie jedes Jahr an einem ganz bestimmten Tag – z.B. an Ihrem Hochzeitstag o.ä. – ein Foto von sich. So bekommen Sie über die Jahre eine richtige kleine Fotodokumentation Ihres Zusammenlebens.

In jeder Beziehung gibt es besondere Jahrestage, wie z.B. das Datum der ersten Begegnung, das des ersten Kusses oder auch den Hochzeitstag. Solche Tage werden in vielen Partnerschaften vergessen oder man denkt zwar kurz dran, schenkt ihnen aber keine Aufmerksamkeit. Für viele ist sogar das “daran-denken-müssen” ein Krampf.

Schade drum, denn Sie können solche Tage sehr gut dazu nutzen, gemeinsam etwas Schönes zu planen und sich an diesem Tag richtig gut zu tun. So können Jahrestage zu richtigen kleinen Feste werden, die immer wieder das, was Sie gemeinsam miteinander haben, neu beleben.

Erstellen Sie ein besonderes Fotoalbum

Im Laufe einer Beziehung sammeln sich viele Erinnerungsstücke und Fotos an. Zusammen mit den vielen kleinen Anekdoten und Geschichten Ihrer Liebe können Sie daraus ein wundervolles Beziehungsbuch erstellen. Gestalten Sie ein solches Buch ganz kreativ und frei und schenken Sie es Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin. Sie können es dann auch zusammen weiterführen und immer mal wieder zusammen hineinschauen.

Schenken Sie Zeit

Zeit ist kostbar. Stress, Arbeitsdruck und unzählige Verpflichtungen machen uns das besonders deutlich. Wenn Sie also Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin etwas Gutes tun wollen, können Sie ihm oder ihr einfach einmal Zeit schenken. Entlasten Sie den anderen, indem Sie z.B. die Kinder oder andere Verpflichtungen übernehmen und dem anderen quasi “frei” geben.

Schön ist es auch, wenn Sie es organisieren können, dass Sie einfach einmal wieder zu zweit ungestört Zeit für sich haben und diese mit etwas besonders Schönem verbringen können.

Schreiben Sie öfter einmal Liebesbriefe

Vielleicht klingt es altmodisch, aber Liebesbriefe sind immer noch eine wundervolle Art, dem anderen mitzuteilen, dass man ihn oder sie liebt. Wählen Sie schönes Briefpapier und geben Sie sich auch mit der Schrift etwas Mühe. Vielleicht haben Sie auch den Mut zu einigen erotischen Andeutungen? So erhält Ihr Liebesbrief eine besondere Note und kann einen wundervollen Abend einleiten.

Einfach einmal “Danke” sagen

Haben Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin schon einmal einfach dafür gedankt, dass er oder sie da ist? Es tut dem anderen sicher sehr gut, von Ihnen zu hören, wie glücklich Sie sind, dass es den anderen gibt und dass Sie einfach nur dankbar dafür sind, Ihre Zeit mit ihm oder ihr verbringen zu können.

Erfüllen Sie einen Wunsch

Wissen Sie, was sich Ihr Partner oder Ihre Partnerin von ganzem Herzen wünscht? Wenn nicht, finden Sie es heraus. Und dann überlegen Sie, ob Sie davon nicht wenigstens einen Teil Wirklichkeit werden lassen. Herzenswünsche zu erfüllen, ist eine ganz besondere Art dem anderen etwas zu geben – es bleibt unvergesslich!

Krisen können eine Partnerschaft an die Grenzen der Belastung bringen und nicht wenige Beziehungen scheitern daran.

Schicksalsschläge lösen oft Krisen aus

Was im Einzelfall als “Krise” empfunden wird, ist subjektiv natürlich sehr unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Situation und den beteiligten Persönlichkeiten ab. Als Krisen bezeichnen wir hier klassische Schicksalsschläge, die eine Partnerschaft bedrohen können, wie z.B.:

  • schwere Krankheit eines Partners,
  • schwere Krankheit oder Tod der gemeinsamen Kinder
  • oder unlösbare Probleme mit den Kindern,
  • Erkrankungen oder Todesfälle bei nahen Familienangehörigen
  • Arbeitslosigkeit eines Partners,
  • Geldsorgen
  • und anderes mehr.

Jeder geht anders mit Krisen um

Wir alle haben verschiedene Strategien mit Schmerz, Trauer und Verzweiflung umzugehen. Der eine will über seine Gefühle reden, der andere will sich ablenken. Wieder ein anderer steigert sich in seinen Schmerz hinein, um ihn so auszuleben und noch ein anderer verdrängt einfach alles. Wenn Sie als Paar eine schlimme Situation erleben, geht es vor allem darum, dass jeder von Ihnen die Möglichkeit hat, seinen Schmerz auf seine ganz persönliche Weise auszuleben – und gleichzeitig aber auch darum, dass Sie das Ganze zusammen als Paar durchstehen.

Krisen gemeinsam durchstehen

Tipp

Oft sind wir uns gar nicht darüber bewusst, dass wir uns dem Partner entziehen, um mit unserem Verlust allein klarzukommen. Nehmen Sie sich deshalb die Zeit für ein kleines Ritual, indem Sie sich beide bewusst dazu entscheiden, die Krise gemeinsam durchzustehen. Das kann Ihnen viel Mut und Kraft geben.

Krisen werden einer Partnerschaft vor allem dann gefährlich, wenn einer der Partner sich dauerhaft zurückzieht und seinen Schmerz nicht mit dem anderen teilen will. Für kurze Phasen ist das eine normale und verständliche Reaktion, aber ein dauerhafter Rückzug vom anderen verursacht eine Kälte und Einsamkeit, die vieles zerstören kann. Gerade in schweren Zeiten brauchen Sie einander und sollten sich beistehen. Sie können in solchen Phasen Halt beieinander finden, wenn Sie sich nicht aus falschem Stolz oder dem Gefühl, den “anderen schonen zu müssen” zurückziehen. Auch die Auseinandersetzung kann ein gemeinsames Aufarbeiten sein.

Lassen Sie sich helfen

Viele Paare glauben, jede Krise allein bewältigen zu müssen. Damit machen sie es sich aber schwerer als nötig und riskieren ihre gemeinsame Liebe. Es gibt viele Möglichkeiten, sich helfen zu lassen, wenn eine Krise die Partnerschaft und Liebe bedroht, wie z.B.:

  • Selbsthilfegruppen,
  • Gesprächsgruppen,
  • Partnerschaftsberatungen,
  • Familientherapien
  • u.a.

Meist müssen wir nur unsere innere Scheu und das Gefühl der Scham ablegen, um uns zu trauen, Rat und Hilfe von außen anzunehmen. Tun Sie es für sich und Ihre gemeinsame Liebe. Sie ist es wert.

Nicht immer nur über die Krise reden

Gemeinsam eine Krise durchzustehen heißt nicht, dass Sie permanent über die Krise sprechen müssen. Sie können Gemeinsamkeit auch leben, ohne zu reden:

  • einfach nebeneinander sitzen, vielleicht die Hand des anderen halten oder sich aneinander anlehnen,
  • gemeinsam Musik hören,
  • spazieren gehen, ohne zu reden,
  • einander vorlesen,
  • u.ä.

Finden Sie Ihre ganz persönlichen Rituale, mit denen Sie schmerzvolle Zeiten gemeinsam überstehen.

Was wenn Sie Zeit für sich brauchen?

Es ist gut möglich, dass wir in Krisensituationen auch mal für uns sein wollen. Das ist vollkommen in Ordnung, sollte aber mit viel Takt und Verständnis für den anderen umgesetzt werden, damit sich der nicht verlassen fühlt.

  • Erklären Sie dem anderen in einem solchen Fall genau, warum Sie für eine gewisse Zeit allein sein wollen.
  • Versichern Sie dem anderen, dass es um keine Trennung geht, sondern allein um ein bisschen Abstand, um zu sich selbst zu finden.
  • Akzeptieren Sie den Schmerz und die Wut des anderen, die Sie möglicherweise als Reaktion darauf bekommen.
  • Organisieren Sie eine solche Auszeit so weich und sensibel wie möglich, damit Sie einander nicht noch zusätzlich verletzen.
  • Schreiben Sie sich während der Zeit vielleicht Briefe, um sich einander mitzuteilen, wie Sie fühlen, wo Sie stehen, was Ihnen wichtig ist.
  • Vergessen Sie nicht, dass Sie einander lieben.

Krisen können stärken

Krisen und schwere Zeiten, die Sie gemeinsam als Paar überstehen, können Ihre Liebe vertiefen und stabiler machen. Was wir zusammen durchstehen, verbindet uns auf eine besondere Art und Weise.

Zu gefährlichen Klippen in jeder Partnerschaft können auch die jeweiligen Erwartungen an den Lebenspartner oder die Lebenspartnerin werden. Deswegen macht es Sinn, sich einmal ausführlich mit diesem Thema zu befassen.

Ich habe doch keine besonderen Erwartungen!

Direkt danach befragt, werden wahrscheinlich die meisten von uns bestreiten, dass wir zu hohe Erwartungen an unsere/n Partner/in haben. Wir schätzen unsere eigenen Erwartungen als ganz normal und keineswegs überhöht ein.

Ein Satz den man hier oft hört ist:

“Das kann man doch schließlich erwarten, oder?”

Tatsächlich aber liegt die Entscheidung darüber, ob eine Erwartung zu hoch ist oder nicht, nicht nur bei Ihnen, sondern vor allem auch bei Ihrem Partner. Er oder sie kann etwas, das Ihnen als ganz selbstverständlich erscheint, durchaus als Zumutung empfinden. Hinzu kommt, dass sich im Laufe einer Partnerschaft oft ganz unbemerkt immer mehr Erwartungen ansammeln. Eine oder zwei davon, sind nachvollziehbar, ja sogar erfüllbar. In der Summe aber werden sie zu einer Last.

Hier haben wir einige Beispiele von Erwartungsfeldern, die in vielen Partnerschaften vorkommen, zusammengestellt. Vielleicht finden Sie sich ja bei der einen oder anderen Aussage wieder?

Verantwortungsverschiebung

“Beschäftige mich! Mach mich glücklich! Rette mich!

In vielen Partnerschaften erwartet der eine vom anderen,

  • dass er unterhalten wird,
  • dass der andere dafür sorgt, dass es einem selbst gut geht,
  • dass der andere die eigenen Probleme löst
  • und dergleichen mehr.

Nun klingt das zunächst harmlos und auch nachvollziehbar. Natürlich möchten wir vom anderen verwöhnt und glücklich gemacht werden und wir wünschen uns Unterstützung. Aber hier ist sehr entscheidend, wie hoch unsere Erwartungen in dieser Hinsicht sind.

Jeder sollte sich in diesem Zusammenhang eines klarmachen: ein anderer kann uns zwar Freude bereiten und kann uns etwas Gutes tun, aber er kann uns nicht dauerhaft glücklich machen. Das Gefühl von Glück und Zufriedenheit muss aus uns selbst heraus entstehen. Wollen wir innere Löcher mit einem anderen Menschen stopfen, so stellt das eine Überforderung des anderen dar und führt außerdem zu einer Abhängigkeit, die für eine Partnerschaft fast immer schädlich ist.

Genauso ist die Erwartung, dass der andere uns beschäftigen soll, zu hoch, wenn sie ständig gestellt wird. Natürlich ist es schön, wenn der andere sich etwas für uns überlegt und wir gemeinsam etwas unternehmen. Aber jeder Mensch hat auch sein eigenes Leben und kann nicht zum Alleinunterhalter des Partners werden.

Hier wird deutlich, dass wir häufig mit unseren Erwartungen unsere eigene Verantwortung für unser Wohlbefinden und unsere Zufriedenheit tendenziell auf den anderen abwälzen wollen. Und damit überfordern wir nicht nur den anderen, sondern dauerhaft auch die Beziehung selbst.

Gedankenlesen

“Wer mich liebt, weiß, was ich brauche!”

Ein weiterer – meist unbewusster – Aspekt im Zusammenhang mit unseren Erwartungen ist folgender: Wir denken, der andere müsste wissen, was wir uns wünschen und was wir brauchen. Gleichsam als ob die Liebe es uns ermöglicht, die Gedanken des anderen zu lesen, erwarten wir, dass unser Partner genau spürt, wonach wir uns sehnen und weiß, was er oder sie tun muss.

Das ist ein klarer Fall von viel zu hohen Erwartungen! Man lernt sich zwar über die Zeit immer besser kennen, aber dennoch kann niemand in den anderen hineinschauen. Und das ist auch gut so.

Erwartungen die darauf abzielen, der andere müsste Gedanken lesen können, führen so gut wie immer zu Enttäuschungen und Frust auf beiden Seiten.

Erpressungsversuche

“Wenn du mich wirklich liebst, tust du das für mich!”

Was die Sache mit den Erwartungen an unseren Partner besonders tückisch macht ist die Tatsache, dass wir bei den Menschen, die wir lieben, viel leichter über bestimmte Grenzen gehen. Hier neigen wir schnell dazu, unsere Wünsche auch mit unfairen Mitteln durchsetzen zu wollen. Kleine und große Erpressungsversuche sind in vielen Partnerschaften mehr die Regel als die Ausnahme.

Den anderen mit allen Mitteln dazu bringen zu wollen, was man will, zeigt grundsätzlich einen Mangel an Respekt. Wir gestehen dem anderen nicht zu, sich frei zu entscheiden, sondern er oder sie soll unsere Erwartungen um jeden Preis erfüllen – schließlich liebt uns unser Partner doch, oder?

Da sich kaum jemand gerne herumkommandieren lässt, sind Streits und Kämpfe vorprogrammiert. Und wenn die Erpressung gelingt, bleibt auf jeden Fall ein schaler Geschmack zurück.

Wunsch oder Bedingung?

Grundsätzlich gilt: Uns etwas vom anderen zu wünschen, ist eine Sache, es aber zu erwarten und an diese Erwartung auch noch Bedingungen zu knüpfen, ist eine ganz andere.

Selbstverständlich können Sie sich von Ihrem Partner wünschen, dass er aufmerksam ist und sich um Sie sorgt. Wenn Sie aber verletzt, beleidigt oder wütend reagieren, falls die erhoffte Aufmerksamkeit ausbleibt, so handelt es sich nicht mehr nur um einen Wunsch und nicht einmal um eine Bitte, sondern um eine knallharte Erwartung. Wird nämlich unsere Erwartung nicht erfüllt, folgen Sanktionen, wie z.B.:

  • Streit,
  • Schweigen,
  • Ignorieren,
  • Aggressionen
  • Liebesentzug
  • u.ä.

Der andere hat also im Grunde kaum Wahlmöglichkeiten – er kommt der Erwartung nach oder es gibt Ärger. Wir haben es hier demnach eher mit Befehlen als mit Wünschen an den anderen zu tun. Wer wagt, einmal dahin zu schauen, dass viele Erwartungen in einer Partnerschaft tatsächlich oft Befehle sind, hat bereits einen großen Schritt getan, um diese Klippe in Zukunft umschiffen zu können.

Die Sache mit den zwei Seiten

Was das Thema “Erwartungen” angeht, wird auf beiden Seiten meist noch eine ganz wichtige Sache übersehen: nicht nur ich, sondern auch der andere hat Wünsche und Bedürfnisse. Meine Erwartungen können diesen unter Umständen vollkommen entgegenlaufen, was zu einem Interessenkonflikt führt. Der andere müsste sich also ggf. selbst unterdrücken, um unseren Erwartungen entgegenzukommen. Wo aber bleiben dann seine Bedürfnisse und Erwartungen?

Hier entsteht viel Konfliktpotential. Im Folgenden haben wir einige Tipps und Übungen für Sie, wie Sie dieses Konfliktpotential reduzieren können.

3 Schritte gegenseitige Erwartungen in den Griff zu bekommen

Wie kann man nun im Beziehungsalltag mit dem Thema Erwartungen so umgehen, dass sie unsere Partnerschaft nicht übermäßig belasten?

Probieren Sie es einmal mit den folgenden drei Schritten:

Schritt 1: Erwartungen herausfinden

Weil wir, wie weiter oben schon beschrieben, dazu neigen, unsere eigenen Erwartungen an den anderen zu unterschätzen, ist es zunächst ganz wichtig, herauszufinden, was wir tatsächlich vom anderen erwarten.

Die folgende Übung führen Sie bitte beide durch – aber jeder für sich allein. Sie hilft Ihnen dabei, überhaupt einmal eine Vorstellung von Ihren Erwartungen dem anderen gegenüber zu bekommen.

Übung

Vervollständigen Sie für mind. 5 Minuten (bitte stellen Sie sich dazu eine Zeitschaltuhr) immer wieder den Satzanfang “Er sollte…” bzw. “Sie sollte…

Beispiel:

  • Er / Sie sollte aufmerksamer sein
  • Er / Sie sollte pünktlich sein.
  • Er / Sie sollte weniger trinken.
  • usw.

Schreiben Sie bitte auch dann noch ein Weilchen weiter, wenn Ihnen nichts mehr einzufallen scheint. Oft kommen dann nach kurzer Zeit noch ganz andere Gedanken.

Erschrecken Sie nicht, wenn Sie erkennen, dass Ihre Erwartungen an den anderen deutlich höher und vielfältiger sind, als Sie dachten. Das ist ganz normal.

Hier ist Einsicht der erste Weg zur Besserung, denn allein zu erkennen, dass man – ggf. zu – hohe Erwartungen hat, hilft uns

  1. dabei, sie nach und nach zu reduzieren und
  2. lässt uns das nachsichtiger mit dem anderen werden, wenn er oder sie diese nicht erfüllt.

Schritt 2: Erwartungen überpüfen und ggf. reduzieren

Wenn wir nun – vielleicht zum ersten Mal – unsere Erwartungen an den anderen klarer sehen, steht es an, diese einmal ganz systematisch zu durchleuchten. Und zwar einerseits dahingehend, wie wichtig sie uns sind und zum anderen in Hinblick darauf, was wir vom anderen wirklich verlangen können. Hier ist einiges an Ehrlichkeit mit sich selbst gefordert und das ist nicht immer angenehm. Auch diesen Schritt machen Sie bitte beide, jeder für sich.

Nehmen Sie dazu die Liste, die Sie aus der obigen Übung erstellt haben und nutzen Sie die folgenden Denkfragen, um Ihre Erwartungen einzeln durchzugehen:

  • Welche meiner Erwartungen sind mir wirklich wichtig? (Markieren Sie diese mit einem Kreuzchen.)
  • Welche Erwartungen sind mir nicht so wichtig? (Streichen Sie diese durch.)
  • Welche meiner Erwartungen sind angemessen, welche nicht? (Streichen Sie hier die Erwartungen, die Sie selbst für unangemessen halten, durch.) – Tipp: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, diese Frage zu beantworten, fragen Sie sich, durch welche Ihrer Erwartungen sich Ihr Partner verbiegen oder verleugnen müsste.
  • Welche meiner Erwartungen sind realistischerweise erfüllbar, welche eher nicht? (Streichen Sie auch hier wieder die Erwartungen, bei denen Sie selbst sehen, dass sie nicht realistisch sind, durch.)
  • Wo erwarte ich etwas, das ich mir eigentlich selbst geben müsste? (Markieren Sie diese bitte mit einem Ausrufezeichen und notieren Sie sie gleich auf einem extra Blatt. Diese Liste können Sie dann nutzen, um hier mehr Eigenverantwortung zu entwickeln und zukünftig besser für sich selbst zu sorgen.)

Erstellen Sie dann eine neue Liste, auf der nur noch die Erwartungen an den anderen stehen, die Ihnen

  • wirklich wichtig sind,
  • von denen Sie glauben, dass der andere sie erfüllen kann,
  • ohne sich verbiegen zu müssen
  • und die Sie nicht für sich selbst erledigen müssten.

Diese Liste sollte nun schon um einiges kürzer sein als die erste, oder? Gehen Sie nun auch diese Liste noch einmal durch und notieren Sie die Antwort auf folgende Frage auf einem Extrablatt Papier:

  • Welches sind die drei mir wichtigsten meiner Erwartungen an meine/n Partner/in?

Schritt 3: Erwartungen kommunizieren

Nun geht es darum, dass Sie sich gemeinsam als Paar über Ihre Erwartungen aneinander austauschen. Wenn wir wissen, was der andere von uns erwartet, fällt es uns viel leichter, entweder seinen Wünschen nachzukommen oder auch die möglicherweise enttäuschten Reaktionen einzuordnen, wenn wir es nicht tun.

Sie haben durch die beiden ersten Schritte viel über Ihre persönlichen Erwartungen nachgedacht und können sich über Ihre Erkenntnisse austauschen. Es wir dem anderen z.B. sehr gut tun, zu erfahren, dass wir selbst sehen, dass unsere Erwartungen an vielen Stellen doch deutlich zu hoch waren. Auf diese Weise können sehr klärende und lösende Gespräche entstehen.

Über die Erwartungen, die Ihnen beiden sehr wichtig sind, sollte besonders offen gesprochen werden. Teilen Sie dem anderen so konkret wie möglich mit, was Sie sich wünschen – aber gestehen Sie ihm oder ihr auch zu, diese Erwartung nicht 100%ig erfüllen zu können oder zu wollen. Reden Sie miteinander über Ihre Gefühle, über die Ängste, die Sie haben, wenn Sie von den Erwartungen des anderen hören oder die Sie spüren, wenn Sie Ihre dem anderen mitteilen wollen.

Wichtig: Seien Sie dabei besonders behutsam und achtsam miteinander, denn es geht hier um sehr persönliche und verletzliche Themen. Solche offenen Gespräche können mit dem nötigen Respekt Ihrer Beziehung zu einem stabilen und wohltuenden Fundament verhelfen und viele Streits in Zukunft verhindern.

Es gibt Klippen in unserer Partnerschaft, derer wir uns gar nicht bewusst sind, weil sie sich langsam und unbemerkt einschleichen. Eine solche besteht – vor allem in längeren Partnerschaften – in der Gefahr, den Respekt voreinander zu verlieren.

Einigen mag der Begriffe “Respekt” vielleicht ein bisschen altmodisch vorkommen. Etwas geläufiger scheint die Formulierung “Achtung voreinander haben” – einander zu lieben und zu achten, das verspricht man sich zumindest bei der Heirat.

Tatsächlich handelt es sich bei den beiden Begriffen fast um Synonyme, also um zwei unterschiedliche Begriffe für eine Sache: “Respekt” kommt vom lateinischen “respicere”, was so viel heißt wie “zurückschauen, Rücksicht nehmen”. Mit Respekt gemeint ist “eine auf Annerkennung beruhende Achtung”.

Am Anfang ganz selbstverständlich

Wenn wir frisch verliebt sind, dann scheint uns der andere als das Wertvollste auf der Welt. Alles an ihm oder ihr ist herrlich und genauso behandeln wir diese Person dann auch: zuvorkommend, respektvoll, liebevoll und voller Achtung.

Mit der Zeit aber, wenn wir den anderen besser kennen lernen und der Alltag das Ruder in unserer Beziehung übernimmt, geht er oft leicht verloren, der Respekt…

Vom Umgang miteinander

Ein respektvolles Umgehen miteinander zeigt sich in verschiedenen Bereichen, von denen wir hier beispielhaft drei ansprechen wollen.

Wie wir miteinander sprechen

Achten Sie einmal darauf, wie Paare, die schon lange zusammen sind, miteinander sprechen. Die Art uns Weise, wie wir miteinander reden, spiegelt sehr deutlich, wie respektvoll wir mit uns umgehen. Motzen wir uns an, machen wir uns gegenseitig klein oder sprechen wir liebevoll miteinander?

Tipp

Achten Sie hier auch einmal besonders auf das, was unter dem Stichwort “Humor” läuft. Sehr viele Verletzungen finden auf perfide Art und Weise statt, indem sie als Ironie oder Witz getarnt sind.

Oft wird z.B. die Hemmschwelle, den anderen zu beschimpfen, mit den Jahren niedriger und so betiteln sich viele langjährigen Partner häufig mit Schimpfwörtern. Wenn man etwas vom anderen will, wird das von vielen nicht als Bitte, sondern gleichsam als Befehl formuliert. Auch gängige Worte der Höflichkeit, wie “bitte” und “danke” scheinen in manchen Beziehungen in Vergessenheit geraten. Selbst so genannte Kosewörter sollten hier einmal kritisch darauf untersucht werden, ob sie wirklich liebevoll gemeint sind und vor allem, ob sie vom so Adressierten auch so empfunden werden.

Wie wir miteinander umgehen

In der ersten Verliebtheit, ist es vollkommen selbstverständlich, dem anderen z.B. Türen aufzuhalten oder hilfsbereit etwas abzunehmen. Wir halten einander an den Händen und streicheln uns zärtlich zwischendurch. Wir schauen uns innig an und lächeln voller Liebe. Wir überlegen uns kleine Dinge, mit denen wir dem anderen eine Freude machen können. Mit diesem Verhalten drücken wir unsere Zuneigung aus.

In längeren Beziehungen geht leider oft vieles davon verloren. Eine Bitte des anderen empfindet man dann schnell als Zumutung und dem anderen von sich aus etwas abzunehmen, scheint auch abwegig. Gerade die vielen kleinen Dinge, wie z.B. etwas Gesuchtes hinüberzureichen oder eine Geste der Zärtlichkeit zwischendurch, kommen vielen nicht mehr in den Sinn.

Ob und wie wir den anderen akzeptieren

Ganz typisch ist auch, dass wir genau das, von dem wir zu Beginn fasziniert waren mit der Zeit am anderen als Ärgernis empfinden. Während wir zu Beginn den anderen gerade für seine Eigenheiten liebten, so dienen sie in vielen Beziehungen irgendwann dazu, ständig auf dem anderen herumzuhacken. So beginnen wir damit, immer öfter am anderen herumzumäkeln und zu kritisieren, was nicht gerade ein Ausdruck von Respekt und Achtung ist.

5 Tipps für ein respektvolles Miteinander im Beziehungsalltag

Hier haben wir nun einige praktische Tipps für Sie zusammengestellt, wie Sie das Thema “Respekt” auch im Alltag leben können.

Tipp 1: Sich selbst respektvoll behandeln

So paradox es klingt, aber bevor wir andere Menschen respektvoll behandeln können, steht an, dass wir uns selbst gegenüber achtsam sind! In der Regel behandeln wir andere Menschen nämlich so, wie wir uns selbst behandeln.

Achten Sie deshalb einmal ganz bewusst darauf, wie respektvoll Sie mit sich selbst umgehen:

  • Was für eine Meinung haben Sie von sich?
  • Beschimpfen Sie sich, wenn Sie etwas falsch machen oder denken Sie nachsichtig über sich?
  • Können Sie liebevolle, annehmende Sachen von sich denken oder verurteilen Sie sich selbst und kämpfen gegen sich?

Setzen Sie als ersten Schritt dabei an, sich selbst respektvoller zu behandeln. Es wird Ihnen dadurch automatisch leichter fallen, auch Ihrem Partner bzw. Ihrer Partnerin achtsamer zu begegnen.

Tipp 2: Den Umgang miteinander respektvoll gestalten

Setzen Sie sich einmal zusammen und überlegen Sie gemeinsam, wie sich Ihr Umgang miteinander in Ihrer Beziehung respektvoller gestalten lässt.

In einem solchen Gespräch wird es nicht ausbleiben, dass Sie beide auch formulieren, wo Sie sich vom anderen wenig respektvoll behandelt fühlen. Vorsicht: hier steckt viel Streitpotential!

Tipp

Gerade wenn in Ihrer Beziehung bereits ein erhebliches Respekt-Defizit besteht, kann es sinnvoll sein, für ein solches Gespräch einen neutralen Dritten als Moderator zu nutzen. Hier bietet sich vielleicht ein Partnerschaftstherapeut oder eine Mediatorin an. Es fällt uns meist deutlich leichter, respektvoll zu sein, wenn jemand anderes dabei ist.

Es ist sehr wichtig, darüber zu sprechen, aber hier sollten Sie sehr behutsam auf die Formulierungen achten. Im Grunde beginnt damit schon die erste große Respekt-Übung: Teilen Sie dem anderen auf eine möglichst respektvolle Art mit, wo Sie sich selbst nicht achtsam behandelt fühlen. Formulieren Sie die Punkte möglichst in der “Ich-Form”, verallgemeinern Sie nicht und nehmen Sie die Schärfe aus Ihren Vorwürfen. Der andere sollte dann in eigenen Worten wiederholen, was er oder sie verstanden hat, damit Sie hier mögliche Missverständnisse sofort klären können.

Wenn Sie einander mitgeteilt haben, wo Sie beide Defizite im respektvollen Umgang miteinander sehen, können Sie nach vorne denken. Entwerfen Sie ein Miteinander, so wie Sie es sich wünschen. Hier ist Träumen erlaubt! Malen Sie sich eine richtig tolle Idealvorstellung aus und teilen Sie diese einander mit. Am besten notiert sich jeder von Ihnen, welche Wünsche der andere geäußert hat. So haben Sie beide die Möglichkeit, dem anderen das zu geben, was er oder sie braucht.

Wichtig: Es ist dann in der Umsetzung gar nicht nötig, das Ideal erreichen zu wollen! Sie werden beide feststellen, dass im Beziehungsalltag schon kleine Änderungen in der richtigen Richtung eine große Wirkung haben.

Tipp 3: Die Privat- bzw. Intimsphäre des anderen achten

Offenheit gehört für viele Menschen zu einer guten Partnerschaft dazu und deshalb mag der Tipp, die “Privat-” oder “Intimsphäre” des anderen zu achten, für viele etwas seltsam anmuten. Schließlich liebt man sich doch, kann es da eine “Privatsphäre” geben?

Und ob! Denn sich allein schon einmal klarzumachen, dass der Partner ein Recht auf eine Privat- oder Intimsphäre hat, ist bereits ein Ausdruck von Respekt und sie zu achten gehört zu einem respektvollen Umgang dazu.

Besprechen Sie einmal gemeinsam folgende Fragen:

  • Wie definiert jeder von uns “Privatsphäre” und wie “Intimsphäre”? Haben wir ähnliche oder vielleicht ganz andere Vorstellungen davon, was sowohl unsere eigene Intimsphäre als auch die des anderen betrifft? Gelten hier unbewusst vielleicht sogar unterschiedliche Regeln?
  • Hat jeder von uns das Gefühl, das seine oder ihre Privatsphäre vom anderen gewürdigt wird? Wenn nein, wie könnte das anders aussehen? Was wünschen wir uns hier vom anderen?
  • Akzeptiert jeder von uns, dass es persönliche Bereiche gibt, aus denen man sich rauszuhalten hat (also z.B. der geäußerte Wunsch, ein Thema zu beenden, das Nichtlesen des Tagebuches, eine geschlossene Klotür u.ä.)?
  • Wie sieht das in unserer Beziehung mit Rückzugsmöglichkeiten aus? Kann jeder von uns auch mal allein sein oder etwas ohne den anderen unternehmen?
  • Mischen wir uns, ganz selbstverständlich und ohne darüber nachzudenken, in die Angelegenheiten und Entscheidungen des anderen ein? Wenn ja, wie fühlen wir uns damit? Wünschen wir uns das vielleicht anders? Wie?

Gerade bei längeren Beziehungen schleifen sich im alltäglichen Miteinander viele Dinge ein, die uns nicht gut tun, derer wir uns aber nicht bewusst sind. Vielleicht werden Sie staunen, was ein gemeinsames Gespräch zu den Themen Privat- und Intimsphäre an neuen Erkenntnissen für Sie beide bringen kann! Hier können übrigens schon Kleinigkeiten dazu führen, dass wir uns vom anderen mehr geachtet und respektiert fühlen. Probieren Sie es aus.

Tipp 4: Das Anderssein und die Grenzen des anderen akzeptieren

Diesen Punkt sprachen wir weiter oben schon einmal an. Jeder Mensch hat seine ganz eigene Persönlichkeit und damit auch seine ganz persönlichen Grenzen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber in Partnerschaften werden diese beiden Aspekte oft zu einem unbewussten Problem. Tatsächlich nämlich lieben sich viele Menschen weniger weil sie so sind, wie sie sind, also viel mehr trotzdem sie so sind, wie sie sind.

Wenn man sich kennen lernt, scheinen oft gerade die Eigenschaften an einem Menschen attraktiv, die man selbst nicht hat. Der andere lebt Sachen aus, die wir uns vielleicht verbieten oder nach denen wir uns sehnen. Aber genau diese Dinge sind es, die wir nach einer Weile dem anderen vorwerfen. Nicht selten versuchen wir dann auch, den anderen zu verändern: “Werd doch endlich mal ordentlicher!” oder “Sei nicht immer so abweisend, wenn wir unter Leute gehen, warum kannst du nicht ein bisschen offener sein?” usw.

Wichtig ist zu erkennen, dass wir

  1. einen anderen Menschen nicht ändern können und dass wir
  2. auch kein Recht dazu haben, es zu versuchen.

Was Sie tun können, ist über Ihre Differenzen zu sprechen – und zwar angemessen und respektvoll. Sie können dem anderen mitteilen, worunter Sie leiden und was es Ihnen schwer macht, mit dem anderen zusammen zu leben. Solche Gespräche haben die Verbesserung des Miteinanders zum Ziel und der andere kann Ihnen zuhören, ohne angegriffen zu werden.

Tipp 5: Respektvoll vom anderen sprechen

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie viele vor anderen von ihrem Partner sprechen? “Faule Hunde” und “hysterische Ziegen” sind da keine Seltenheit (und das selbst dann, wenn der oder die andere anwesend ist).

Darauf angesprochen hört man von solchen Paaren oft so etwas wie “Ach, er (oder sie) weiß schon, wie das gemeint ist.”

Das mag sein. Aber jede dieser Abwertungen ist ein Zeichen für mangelnden Respekt. Und mangelnder Respekt tut weh. Die Art, wie Sie über Ihren Partner oder Ihre Partnerin reden, sagt sehr viel darüber aus, wie sehr Sie ihn oder sie wertschätzen.

Setzen Sie gleich hier und jetzt an, wenn Sie etwas in Ihrer Beziehung zum Positiven verändern wollen.

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Kommentare

  • Ich denke, eine lebenslange Partnerschaft ist durchaus möglich, wenn sie von beiden gewollt ist.

    Die Diskussion über die Entwicklung in unterschiedliche Richtungen halte ich für ein Scheinargument. Natürlich entwickelt sich jeder weiter. Nur nimmt man in einer funktionierenden Beziehung Rücksicht aufeinander.

    Respekt ist das zentrale Fundament einer jeden Beziehung. Respekt lässt uns den Partner wohlwollend annehmen, auch wenn er nicht all unseren Wünschen entspricht. Respekt hält uns dazu an, achtsam mit dem Partner umzugehen.

    Werden diese Grundregeln missachtet, kommt jede Beziehung in Gefahr.

  • Also ich bin der Meinung, dass eine lebenslange Partnerschaft funktionieren kann. Klar entwickelt man sich selbst und der Partner weiter, aber jetzt kommt der Punkt: Wenn man miteinander kommuniziert und viel miteinander unternimmt, dann entwickelt man sich gemeinsam weiter, in dieselbe Richtung. Schließlich entwickelt man ja auch seine Werte und Vorstellungen vom Leben, durch Erfahrungen die man durch Ereignisse gesammelt hat. Und es ist logisch, dass man ähnliche Vorstellungen und Werte hat, wenn man dieselben Ereignisse erlebt hat.

  • Da muss ich ganz wehement wiedersprechen: warum sollte eine lebenslange Parnterschaft nicht möglich sein?
    Klippen können wunderschön sein, wenn man gemeinsam oben sitzt und in die Weite blickt!
    Dazu ist es nicht unbedingt nötig sich in die gleiche Richtung zu entwickeln, aber vielleicht manchesmal in die Richtung des Parnter zu blicken. Freiraum lassen, liebevoller Umgang miteinander, gemeinsam Erlebtes und vieles mehr , aber auch nicht gleich bei jeder Kleinigkeit aufgeben, ermöglichen sehrwohl eine lebenslange Partnerschaft. Partnerschaft ist für mich Liebe, Freundschaft.
    Ich habe es schon des öfteren erlebt, das Partnerschaften (60Jahre Ehe oder sogar mehr)durch den Tod getrennt wurden und der “allein” gelassene Partner dann bald nachging, weil die Gemeinsamkeiten, die Partnerschaft so fehlen und
    Partnerschaften sehr genossen werden, auch nach 50Jahren und mehr Ehe.
    Ich habe auch den Mut zur Weiterentwicklung , manchesmal aber auch angenehmen “Stillstand”, trotz Partnerschaft (35Jahre Ehe und auch schon im Herbst des Lebens!)), packe genauso gerne in mein Schatzkästchen ein, und bin dankbar für unsre gemeinsame Zeit.
    Jeder von uns ist eine eigenständige Persönlichkeit, wir geniesen nur die vertraute herzliche Partnerschaft.
    Ich hoffe noch auf viele partnerschaftliche gemeinsame Jahre und bin dankbar für die gemeinsame Zeit.
    Ich wünsche MIR einen partnerschaftlichen Herbst und Winter gemeinsam zu verbringen.
    lieben Gruß
    Barbara

  • Die Klippen sind ganz einfach die vielen Jahre die heute Paare zusammen sind, weil wir heute so alt werden.

    Eigentlich ist eine Partnerschaft lebenslang gar nicht möglich. Freundschaft ja, auch Liebe, aber Partnerschaft – jeder entwickelt sich weiter, aber selten (ich gebe zu es gibt da Ausnahmen) in die gleiche Richtung.

    Da beginnt dann das Problem! Man blockiert sich gegenseitig, bremst sich sogar oft aus und dass ist für eine Weiterentwicklung, die für mich z. B. der Sinn im Leben ist, tödlich…

    Darum respektiere ich Paare, die an ihrer Beziehung arbeiten sehr, aber ich wünsche ihnen oft den Mut zur Trennung.

    Im Herbst des Lebens mit drei langjährigen Partnschaften (20 Jahre Ehe, dann 10 Jahre und 7 Jahre)bin ich sehr glücklich, endlich mal mein
    Ding machen zu können. Allerdings schließe ich eine spätere weitere Partnerschaft nicht aus.

    Die wunderbaren Erfahrungen packe ich in das Schatzkästchen meines Lebens und bin einfach sehr dankbar.

    Liebe Grüße
    Romy

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