Mehr Stärke für dein Selbstwertgefühl – ändere deinen Fokus

Ständige Selbstabwertung ist eine hässliche und schmerzhafte Sache.

Selbstabwertung: Das ist, wenn ich mir selbst nichts zutraue. Wenn ich immer denke, die anderen wären intelligenter, schöner, fähiger. Eben einfach besser und wertvoller.

Selbstabwertung, das ist, wenn ich mich nicht traue, „Hier“ zu rufen, wenn die guten Dinge im Leben verteilt werden, die Liebe, Erfüllung, Respekt, Wohlstand, Abenteuer – das gute Leben eben.

Selbstabwertung, das ist, wenn ich nie genug bin, wenn ich nie reiche, wenn ich es nie richtig mache.

Und wenn mich mal jemand lobt. Auwei. Nein, das war doch nicht der Rede wert, nichts Besonderes, das hätte man doch noch viel besser machen können. Auch hier ist es mir irgendwie wichtig, die eigene Leistung abzuwerten. Weil … ja, warum eigentlich? Vielleicht weil man es so gewohnt ist. Oder einfach, weil man das unterschwellige Gefühl hat, man hat es irgendwie nicht verdient.

Selbstabwertung ist ein typisches Zeichen eines angeknacksten Selbstwertgefühls. Also der inneren Überzeugung, dass man selbst irgendwie nicht so viel wert ist, ein Nichtsnutz, jemand, der alles falsch macht, ein böses Kind, kein guter Mensch, nicht wichtig, nicht würdig.

Wenn du stundenlang über deine Fehler reden kannst, aber bei der Frage „Was kannst du gut?“ plötzlich still wirst, dann könnte das mit dem Selbstwert dein Thema sein.

Richten wir den Scheinwerfer kurz in eine andere Richtung.

Es gibt auch Menschen, die wirken so ungefähr wie das Gegenteil der Selbstabwerter. Das sind Menschen, die überhöhen sich selbst, halten sich grundsätzlich für schlauer, fähiger als andere. Sie schauen eher auf die anderen herunter und halten andere für blöd, unfähig, unwürdig. Sie sind, nennen wir es beim Namen, arrogant und großmäulig.

Erstaunlicherweise ist auch dieses Verhalten oft ein Zeichen eines angeknacksten Selbstwertgefühls. Ich muss mich selbst aufwerten, indem ich andere abwerte und mich selbst überhöhe. Denn so kann ich mich besser fühlen. Ich fülle quasi mein Selbstwertgefühl kurz auf, indem ich andere für weniger wert erkläre. Das hilft allerdings nur kurzfristig. Deswegen muss ich es wieder und wieder tun. Besonders liebenswürdig ist das natürlich nicht. Deswegen werden solche Menschen von anderen auch oft als Unsympathen, Angeber und Selbstdarsteller wahrgenommen.

Es gibt übrigens noch eine dritte Spielart. Das sind Menschen, die sich zwischen den Polen hin- und herbewegen. Heute halte ich mich für den Größten. Und morgen fühle ich mich wie der letzte Dreck. Oder wie ein verkanntes Genie, das einfach immer Pech hat. Das fühlt sich natürlich auch nicht schön an. Und ist sehr verwirrend für die Menschen in meiner Umgebung.

Ich weiß nicht, ob du dich in der Beschreibung wiederfindest. Ein bisschen tun wir das natürlich alle. Denn wer hat nicht ab und an mal Selbstzweifel oder hadert mit sich.

Wenn du aber sagst, das ist nicht mein Thema, dann kannst du dankbar sein. Denn es ist extrem schmerzhaft, wenn wir uns selbst nicht leiden können. Wenn wir nicht daran glauben, die guten Dinge im Leben verdient zu haben. Denn dann kann uns langfristig NICHTS glücklich machen. Keine Familie, kein liebevoller Partner, kein Geld und auch kein guter Job. Wir sind immer unzufrieden. Ein schlechtes Selbstwertgefühl vergällt uns alles Gute im Leben. Weil wir es nicht genießen können, solange wir uns selbst nicht mögen.

Wenn du sagt: Ja, ein bisschen finde ich mich in der Beschreibung von oben schon wieder, dann kannst du zum Glück etwas machen. Man kann am eigenen Selbstwert arbeiten. Aber das ist oft ein langer, wenn auch gehenswerter Weg. Denn wenn wir unser Leben lang der Überzeugung waren, wir haben die guten Dinge nicht verdient, dann dauert es halt ein bisschen, bis wir uns selbst umerzogen haben.

Wir fangen an, indem wir ganz vorsichtig unsere Gedanken und unseren Fokus ändern. Indem wir mehr dahin schauen, dass alle Menschen – auch ich selbst – nicht so unterschiedlich sind. Dass wir alle unsere Stärken und Schwächen haben. Dass wir alle unsere genialen Momente haben. Dass wir alle Fehler machen. Und dass wir alle letztlich die gleichen Dinge wollen: zum Beispiel Liebe, Respekt, Sicherheit, Gestaltungsmöglichkeiten und Abwechslung.

Wir fangen an, Menschen realistischer zu sehen. Die anderen Menschen. Genau wie uns selbst. Andere kochen auch nur mit Wasser. Ich genauso. Ich und andere sind unperfekt. Oder sie sind perfekt, so wie sie sind, je nachdem, wie man es betrachtet. Entweder sind wir alle unperfekte, arme Sünder, die nur ihr Bestes geben. Oder wir sind alle göttliche, perfekte Wesen.

Aber es gilt für uns ALLE das Gleiche. Entweder sind wir alle unperfekte Menschen oder alle ganz tolle und wertvolle Geschöpfe. Vielleicht sogar beides: unperfekt und wertvoll, weil sich das ja auch nicht ausschließt.

Und wenn ich meine Sichtweise und meinen gedanklichen Fokus lange genug korrigiere, verstärke, trainiere, dann ziehen irgendwann meine Gefühle nach.

Was auch hilft, ist, das eigene Verhalten gezielt zu verändern und umzutrainieren. Also sich so zu verhalten, als hätte man die guten Dinge im Leben verdient. Am Anfang vielleicht so zu tun, als ob. Also anfangen, sich selbst freundlich zu behandeln. Aber auch andere freundlich zu behandeln. Das lässt sich oft nicht trennen. Denn unser Verhalten und Denken anderen gegenüber ist oft nur ein Spiegel des Verhaltens und Denkens uns selbst gegenüber.

Wenn du sagst, dass Selbstwert ein Thema für dich ist, dann möchte ich dich dazu ermuntern, gezielt an dieser Sache zu arbeiten. Und zwar indem du ein langfristiges Selbstumerziehungs-Projekt daraus machst. Geh den Weg. Er ist vielleicht steinig. Aber es gibt nur wenige Dinge, die so lohnenswert und lebensdienlich sind.

Denn ein gesundes Selbstwertgefühl ist die Basis eines guten Lebens.

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Kommentare

  • Tja, ich erkenne mich da wieder.

    Mit dem Lob anderer habe ich meine Probleme: Wer kennt nicht den vergifteten Lob? Ach wie toll das alles war und im Rücken wird die Arbeit dann runter gemacht.
    Ich habe mehrere Beurteilungen hinter mir, bei denen der Vorgesetzte und der Zweigstellenleiter mir sagten, wie gut meine Arbeit und wie zufrieden sie damit sei. Leider könne das so nicht in der Beurteilung schreiben, da man auf die Gesamtheit der Beurteilten zu achten habe.

    Besser kein Lob als so einen Krampf. Auf Lob gebe ich nichts mehr!!

  • …interessanter Beitrag. Würde gerne an einem Kurs teilnehmen. Ist der geplant?

    • Ralf Senftleben

      Dirk wir starten im März in PLUS mit dem neuen Monatsthema Selbstannahme. Vielleicht ist das etwas für dich.

  • toller Beitrag, auch ich kämpfe mit meinem schlechten Selbstwertgefühl und versuche zur Zeit es zu ändern, was jeden Tag ein schwerer Kampf ist. Ich durchlebe gerade im Job sehr schlimme Zeiten – frage mich ständig:Was habe ich falsch gemacht ? – aber ich hoffe, ich schaffe den Sprung noch irgendwie.
    Wünsche allen einen guten Wochenstart

  • Ich hatte gestern ein fantastisches Erlebnis mit mir selbst. Wir leben seit einigen Jahren in Canada (1200m hoch) mit fast 7 Monaten Schnee. Das Quad steckte mal wieder im Schnee von meinem Freund. Unsere finanziellen Probleme haben ihn sehr veraendert, was heisst, dass er seine Unzufriedenheit und Frust an mir auslaesst. Nach 2-3 Jahren nagt das ganz schoen am Selbtwertgefuehl, auch wenn man weiss, das er falsch ist. Nachdem er sich ausgelassen hatte und mir die Schuld gab, dass er im Schnee steckte, schaffte ich es tagsdrauf das Quad alleine freizuschaufeln und rauszufahren. Das erste Mal im Leben bin ich auf dem Quad hochgesprungen, habe lauthals gejubelt und war soooo stolz auf mich! Mein erster Gedanke war, “ich brauche ihn nicht”! Und das staerkt innerlich immens, dass gewisse Schritte einfacher werden……

  • Ulli deinen Beitrag finde ich toll.
    Ich merk das sogar in meiner kleinen Firma, in der ich arbeite, dass da überhaupt kein Raum ist für Qualität und dafür selbst zu wachsen und auch mal “Schwächen” auszuprobieren. Keine Zeit, keine Zeit, Aufträge müssen erledigt werden streng nach frisch eingeführten Prozessen, blabla.

    Und ich hab neulich eine interessante Variante gelesen, wie man sein Selbstbewußtsein aufbaut und zwar, indem man sich bewußt “verwirrt”. Also Muster erkennt, sich dann in diesem Muster aktiv erunsichern läßt, um daraus dann neue Muster auszuprobieren und damit Erfolge zu feiern.

    Ich würds auch schöner finden, wenn alte Leute mehr einbezogen würden in alles, das Leben besteht doch nicht nur aus 30 Jahren zwischen 20 und 50, sondern aus einigen Jahren mehr.
    Wir müssen da echt umdenken und zwar wir alle, denn nur wir können das ändern, das nimmt uns ja niemand ab und erledigt es für uns.

  • Dass viele Menschen zu wenig Selbstwertgefühl besitzen, wundert mich nicht. Das System sagt uns mehrmals am Tag das wir nur Dreck sind. Das fängt bei den Kindern an, die schon früh selektiert werden, und das hört bei den alten Menschen auf, denen man nichts mehr zutraut, sobald sie mal etwas vergessen. Wenn man herausfindet von wem man getadelt wird, und warum, hat man den Schlüssel zur Lösung. Z.B. Der Arbeitgeber kritisiert meine Leistung damit er mir keine Lohnerhöhung geben muss, und ich dann froh bin das ich nicht rausfliege. Die Werbung sagt dass ich blöd aussehe, damit ich Kleidung oder Pflegeprodukte kaufe. Weiterhin sollte man Stärken und Schwächen herausfinden, und die Dinge die man gern tut. Meistens tut man Dinge gern, die im Bereich der Stärken liegen. Wenn ich dann diese Dinge mache habe ich Erfolg, und mit jedem Erfolg wächst das Selbstvertrauen. Erfolg muss man nicht im Beruf haben, da man heutzutage kaum Möglichkeiten besitzt überhaupt erfolgreich zu arbeiten. Das System engt die Menschen durch Vorschriften und Regelungen so ein, das sie unmögliche Arbeitsbedingungen haben. Das System denkt nur in Profit, und überhaupt nicht an Qualität. Wir erleben wieder mal den Untergang einer Hochkultur.

    • Stella

      Danke Uli,
      das hast du sehr schön erklärt.

    • Monika

      Liebe Ulli

      Du sprichst mir aus der Seele. Wo führt die Aufwärtsspirale nach mehr und mehr Wachstum, Jugend, Schönheit, Klugheit, Einfluss, Macht hin?
      Wir tun gut daran, mich eingeschlossen, ein jeder für sich mit sich ins Reine zu kommen und sich mehr Wertschätzung und Akzeptanz entgegenzubringen, dann wäre die Welt noch zu retten.

  • Ein sehr schöner Beitrag Ich habe einmal den Tip bekommen mich morgens im spiegel anzulächeln und mir selbst zu sagen das ich ein wertvoller und liebenswerter Mensch bin.Seitdem ich das regelmäßig praktiziere fühle ich mich schon besser Ich lese auch im moment das Buch Die zehn Geheimnisse des Glücks kann ich nur weiter empfehlen.

  • Guten Morgen!
    Das ist ja toll, denn gerade die letzten beiden Tage hat sich bei mir ein dickes Problem gelöst, was damit zu tun hat.
    Ich hab nämlich herausgefunden, dass ich andere immer perfekter, besser, strahlender, klüger etc finde, weil mein eigenes zu Hause das totale Disaster war als Kind ( Alkoholiker Mutter ), es aber niemand merken durfte. Sogar innerhalb der Familie musste ich vertuschen und maskieren, damit es nicht rauskommt..auch über meine eigenen Gefühle, denn wenn ich traurig gewirkt hätte, wärs ja auch aufgeflogen.
    Und so war eben bei den anderen das Gras immer grüner und ich “wertlos”.
    Und jetzt schau ich mir meine Kinder-Gefühle dazu an und stelle wieder Realität her :)
    Alles Liebe für euch!
    Mitzi

  • Geht der Beitrag noch weiter? Kommen noch Tipps zur Umsetzung?

    • Ralf Senftleben

      Sandra, an dieser Stelle nicht. Aber wir veranstalten in diesem Jahr bestimmt noch mal unseren Kurs innere Stärke. Oder das Märzthema in PLUS ist Selbstannahme, da gibt es auch Ideen dazu.

  • Ich beende im kommenden Monat meine Ausbildung in WIYS (Walkin-in-your shoes). Der Name ist angelehnt an das indianische Sprichwort, “dass du niemanden verstehen kannst, bevor du nicht 1000 Schritte in seinen Schuhen gegangen bist”. Nähere Angaben findet man unter Christian Assel oder WIYS. Einfach mal googlen.
    Bei dieser Methode schlüpft man in “Rollen”. Und nun komme ich zum Punkt. Einmal haben wir mein Selbstwertgefühl gewalkt. Dabei zeigte sich, dass mein Selbstwertgefühl voll da ist, von mir selber aber nicht angenommen wird, weil ich mich nicht traue. Es war sehr berührend, als beide, ich und das Selbstwertgefühl, sich annäherten.

    Warum erzähle ich das? Ich weiß schon lange, dass ich ein zu geringes Selbstwertgefühl habe, dass es angeknackst ist und ich mich nicht wertschätze. Doch alles Wollen brachte keine Lösung. Erst dieser Walk hat eine neue Ebene gezeigt und Heilung gebracht.
    Allein meine Sichtweise zu korrigieren kann oft nicht ausreichen.

    Allen einen schönen Sonntag :-)

    • Irene Baar

      Was du geschrieben hast, hat mich berührt. ich finde mich wieder.
      wo wird diese Methode angeboten?

      Liebe Grüße
      Irene

  • Wunderbar auf den Punkt gebracht. Beim Lesen schmerzlich die Wunde berührt…

  • Zu diese Thema fällt mir folgende Geschichte ein:

    Der Tempel der tausend Spiegel

    Ein Hund hatte von dem Tempel der tausend Spiegel gehört.
    Er wusste nicht, was Spiegel sind, aber er wollte den Tempel sehr gerne besuchen.
    Nach einer langen Reise kam er dort an und lief die Stufen hinauf. Als er durch die Eingangstür getreten war, blickten ihn aus tausend Spiegeln tausend Hunde an. Er freute sich und wedelte mit dem Schwanz. Da freuten sich auch in den Spiegeln tausend Hunde und wedelten mit dem Schwanz.
    Er verliess den Tempel in dem Bewusstsein: Die Welt ist voll mit freundlichen Hunden. Von da an ging er jeden Tag in den Tempel der tausend Spiegel.
    Am Nachmittag kam ein anderer Hund in den Tempel.
    Als er durch die Eingangstür getreten war, blickten ihn aus tausend Spiegeln tausend Hunde an.
    Da zeigte er vor Angst seine Zähne und knurrte. Und aus den Spiegeln knurrten tausend Hunde zähnefletschend zurück. Der Hund zog den Schwanz ein und eilte in dem Bewusstsein davon: Die Welt ist voll mit bösen Hunden. Nie wieder wollte er in den Tempel der tausend Spiegel gehen.
    Der Tempel der tausend Spiegel ist die Welt. Wer egoistisch und streitsüchtig ist, der erlebt auch Egoismus und Streit in der Welt. Wer sich aber fröhlich und freundlich umsieht, der findet auch freundliche Gefährten.

    • Petra

      Schöne Geschichte… doch meiner Meinung und Erfahrung nach an der Realität vorbei… denn wenn du ein traumatisches Erlebnis gehabt hättest würdest du so eine Geschichte nicht erzählen/schreiben sondern verbrennen!

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